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So beten, daß man von Jehova erhört wirdDer Wachtturm 1980 | 1. September
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So beten, daß man von Jehova erhört wird
1—3. (a) Was zeigt uns die Erfahrung eines kleinen Mädchens? (b) Was können alle Eltern daraus lernen?
ES TRUG sich in einem Königreichssaal der Zeugen Jehovas zu. Ein kleines Mädchen benahm sich nicht ordentlich, obwohl die Mutter es wiederholt ernst anblickte und es im Flüsterton zurechtwies. Die Mutter gab dem Vater schließlich ein Zeichen, sich um das Mädchen zu kümmern, was er auch tat. Er ging mit seiner Tochter schnurstracks auf einen kleinen Raum im hinteren Teil des Saales zu. Als das Mädchen merkte, was die Uhr geschlagen hatte, rief es: „O Jehova, hilf mir bitte!“
2 Sooft diese Begebenheit erzählt wird, ruft sie Heiterkeit hervor, und das nicht ohne Grund. Ist sie indes nur belustigend, oder zeigt sie uns auch etwas? Wir können tatsächlich daraus etwas lernen. Das kleine Mädchen kannte den Namen Gottes, Jehova. Nur sehr wenige kleine Mädchen kennen diesen Namen. Die Kleine war über den Wert des Gebets belehrt worden und wußte, daß man Jehova in Zeiten der Not um Hilfe bitten kann. Es erscheint natürlich amüsant, daß sie Gott darum bat, sie vor einer notwendigen Züchtigung zu bewahren. Werden aber Bitten wie diese nur von naiven kleinen Mädchen vorgetragen? Keineswegs. Das Volk Israel äußerte gerade diese Bitte immer wieder, besonders in den Tagen der Richter. Wiederholt baten die Israeliten Gott um Erleichterung, wenn sie eine verdiente Strafe empfingen (Ri. 2:11-18; 4:1-3, 23, 24; 10:6-16; 11:32, 33).
3 Alle christlichen Eltern können aus dieser Erfahrung etwas lernen. Sie sollten ihren Kindern schon frühzeitig Glauben an Jehova Gott einflößen. Sie sollten ihnen helfen, zu erkennen und zu verstehen, daß Jehova eine wirkliche Person ist, die Gebete erhört. Kinder von klein auf beten zu lehren wird viel dazu beitragen, daß sie Gott fürchten, wenn sie das Alter erreichen, in dem sie für ihr Tun verantwortlich gemacht werden können. (Vergleiche Psalm 22:9, 10; Sprüche 22:6; 2. Timotheus 3:14, 15.)
WARUM MAN ÜBER SEINE GEBETE NACHDENKEN SOLLTE
4, 5. (a) Welche Fragen in bezug auf das Gebet sollten wir uns stellen? (b) Wieso sind diese Fragen sehr zeitgemäß?
4 Aber welche Rolle spielt das Gebet in deinem Leben? Wie oft betest du? Bist du häufig zu beschäftigt, um zu beten? Oder sind deine Gebete etwas Mechanisches, was du wie eine Pflichtübung schnell hinter dich zu bringen suchst? Welchen Inhalt haben deine Gebete?
5 Diese zum Nachdenken anregenden Fragen sind sehr zeitgemäß. Denn selbst unter denen, die sich als Diener Jehovas bekennen, gibt es Personen, die nicht regelmäßig beten. Andere haben das Gefühl, daß ihre Gebete gehaltlos sind, keinen sinnvollen Inhalt haben. Ein Christ sollte das nicht leichtnehmen, da der Inhalt seiner Gebete ein Spiegelbild seines geistigen Zustands ist. Jemandes geistige Gesundheit hängt wiederum größtenteils davon ab, daß er sich seiner geistigen Bedürfnisse bewußt ist und sie befriedigt (Matth. 5:3). Dadurch, daß er sich über den Inhalt seiner Gebete Gedanken macht, kann er auch seinen geistigen Zustand verbessern.
WARUM WIR UNS VERTRAUENSVOLL AN JEHOVA WENDEN KÖNNEN
6. Inwiefern können wir im Hinblick auf das, was wir in Psalm 65:2, Philipper 4:6 und 1. Thessalonicher 5:17 lesen, vertrauensvoll zu Gott beten?
6 Warum können wir uns vertrauensvoll an Jehova wenden und erwarten, daß er unsere Gebete hört? Vor allem deshalb, weil er sich als der „Hörer des Gebets“ zu erkennen gibt und uns wiederholt auffordert zu beten (Ps. 65:2). Sein Wort enthält Aufforderungen wie: „Betet unablässig, damit ihr nicht in Versuchung geratet“ (Matth. 26:41). „Betet füreinander“ (Jak. 5:16). „Beharrt im Gebet“ (Röm. 12:12). „Betet unablässig“ (1. Thess. 5:17). „Seid um nichts ängstlich besorgt, sondern laßt in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Danksagung eure Bitten bei Gott bekanntwerden“ (Phil. 4:6).
7. Nenne einige Personen, die das Gebet besonders pflegten.
7 Die Bibel berichtet auch von Beispielen, die für uns praktisch indirekte Aufforderungen zum Beten sind. Die inspirierten Schriften vom 1. Buch Mose bis zur Offenbarung enthalten unzählige Beispiele von Menschen, die das Gebet pflegten. Wir lesen, daß Abraham zu Jehova betete (1. Mose 12:8). Jesus betete in der Zeit von seiner Taufe im Jordan bis zu seinem Tod am Hinrichtungspfahl immer wieder zu seinem Vater (Luk. 3:21; 23:46). Der Apostel Paulus erwähnt in seinen Briefen das Thema Gebet buchstäblich Dutzende von Malen. Wiederholt fordert er dazu auf, für andere zu beten, er ermuntert zum Gebet oder bittet andere, für ihn zu beten (Phil. 1:9-11; Eph. 6:18, 19). Die Offenbarung, die von dem Apostel Johannes geschrieben wurde, schließt mit zwei Gebeten ab (Offb. 22:20, 21).
8. Aufgrund welcher Streitfrage können wir uns vertrauensvoll an Gott wenden?
8 Ein zweiter Grund, weshalb wir uns Gott vertrauensvoll im Gebet nahen können, besteht darin, daß sein Name damit in Verbindung steht, besonders sein Name oder sein Ruf als „Hörer des Gebets“. Auch ist sein Name mit seinem Volk verbunden. Allein schon der Anschein, er lasse es im Stich, könnte daher von Beobachtern so aufgefaßt werden, als sei er unfähig, seinen Dienern zu helfen, wenn sie es besonders nötig haben. Das würde Schmach auf seinen Namen bringen. In Psalm 79:9 lesen wir daher: „Hilf uns, o Gott unserer Rettung, um der Herrlichkeit deines Namens willen; und befreie uns, und decke unsere Sünden zu um deines Namens willen.“ Auch Moses, Josua, David und Hiskia äußerten sich in ihren Gebeten in diesem Sinne (2. Mose 32:11, 12; Josua 7:8, 9; 2. Kö. 19:15 bis 19; Ps. 25:11). Der Prophet Daniel brachte die Bitte vor: „O Jehova, schenke doch Aufmerksamkeit und handle. Säume nicht, ... denn dein eigener Name ist über deiner Stadt und über deinem Volk genannt worden“ (Dan. 9:19). Wenn wir wirklich Träger des Namens Jehovas sind, können wir uns in unseren Gebeten darauf berufen.
9. Warum können wir Gott zuversichtlich um Barmherzigkeit und Vergebung bitten?
9 Der dritte Grund, warum wir erwarten können, daß Jehova unsere Gebete erhört, besteht darin, daß er unsere Grenzen kennt und uns helfen möchte. Der Psalmist David drückte dies wie folgt aus: „So fern der Sonnenaufgang ist vom Sonnenuntergang, so weit hat er unsere Übertretungen von uns entfernt. Wie ein Vater seinen Söhnen Barmherzigkeit erweist, hat Jehova denen Barmherzigkeit erwiesen, die ihn fürchten. Denn er selbst kennt unser Gebilde wohl, ist eingedenk dessen, daß wir Staub sind“ (Ps. 103:12 bis 14; siehe auch Psalm 51:5). Wenn uns daher ein Fehler unterläuft, wenn wir etwas falsch machen oder eine schwerwiegende Sünde begehen, können wir wegen unserer Schwachheiten und Unvollkommenheiten Jehova Gott um Vergebung bitten.
10. Warum können wir uns vertrauensvoll an Gott wenden, wie die Erfahrungen, die Hiob, Paulus und andere gemacht haben, beweisen?
10 Ein weiterer gewichtiger Grund, weshalb wir uns vertrauensvoll an Jehova wenden können, besteht darin, daß er unsere Gebete erhören wird, weil wir unsere Lauterkeit bewahrt haben. Hiob äußerte eine deutliche Bitte in diesem Sinne mit den Worten: „Gott wäge doch mein Leben auf gerechter Waage, dann wird er meine Unschuld erkennen“ (Hiob 31:6, Bruns). Paulus bat Glaubensbrüder: „Betet weiterhin für uns, denn wir hegen das Vertrauen, ein ehrliches Gewissen zu haben, da wir uns in allen Dingen ehrlich zu benehmen wünschen“ (Hebr. 13:18). Auch die Worte des Apostels Johannes lassen erkennen, daß wir in den Augen Gottes rechtschaffen sein müssen: „Geliebte, wenn unser Herz uns nicht verurteilt, so haben wir Freimut der Rede gegenüber Gott; und was immer wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und die Dinge tun, die in seinen Augen wohlgefällig sind“ (1. Joh. 3:21, 22).
DURCH JESUS CHRISTUS BETEN, NICHT ZU IHM
11. Durch wen nur können wir uns Gott im Gebet nahen?
11 Wie können wir zu dem großen „Hörer des Gebets“ kommen? Er hat festgelegt, daß dies nur durch Jesus Christus geschehen kann. Es gibt nur einen einzigen Mittler zwischen Gott und Menschen und einen einzigen Hohenpriester, Jesus Christus (1. Tim. 2:5; Hebr. 7:25, 26). Jesus selbst machte dies mit den Worten deutlich: „Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh. 14:6). „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bittet, so wird er es euch in meinem Namen geben. ... Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollgemacht werde“ (Joh. 16:23, 24).
12, 13. (a) Welche Fragen könnten angesichts dessen entstehen, was der Apostel Johannes und Stephanus taten? (b) Warum können aber direkt an Jesus gerichtete Gebete nicht mit dem Beispiel des Stephanus und dem des Apostels Johannes begründet werden?
12 Einige fragen sich indes: Können wir nicht auch etwas direkt von Jesus erbitten? Richtete der Jünger Stephanus sein Gebet nicht direkt an Jesus, und tat der Apostel Johannes nicht das gleiche? Es stimmt, daß Stephanus, kurz bevor er starb, sagte: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“ (Apg. 7:59). Und der Apostel Johannes betete: „Amen! Komm, Herr Jesus“ (Offb. 22:20).
13 Wir sollten jedoch die Umstände berücksichtigen. Stephanus hatte zum Beispiel eine Vision, denn er sagte: „Siehe! Ich sehe die Himmel aufgetan und den Sohn des Menschen, zur Rechten Gottes stehend.“ Deshalb — weil er Jesus in einer Vision sah — konnte Stephanus den Sohn Gottes direkt ansprechen (Apg. 7:56). Auch der Apostel Johannes hatte eine Vision von himmlischen Dingen (Offb. 1:1, 10; 4:1, 2). Während dieser Vision sah er Jesus und hörte ihn sagen: „Es spricht der, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt: ,Ja; ich komme eilends‘“ (Offb. 22:20). Demnach antwortete Johannes auf das, was er Jesus gerade sagen hörte. Diese Fälle sind mit dem zu vergleichen, was geschah, als sich der Verfolger Saulus von Tarsus auf dem Weg nach Damaskus befand. Jesus Christus offenbarte sich Saulus mit den Worten: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ Wie der Apostel Johannes und Stephanus, so antwortete auch Saulus Jesus direkt, indem er sagte: „Wer bist du, Herr?“ (Apg. 9:4, 5).
MIT GEBÜHRENDER EHRFURCHT
14, 15. Was sollten unsere Körperhaltung, unsere Worte und der Klang unserer Stimme beim Beten erkennen lassen, und warum?
14 Wenn wir uns dem großen Souverän des Universums im Gebet nahen, muß dies auch in der richtigen Art und Weise geschehen. Wir dürfen nur mit der größten Achtung und Ehrerbietung sowie in tiefer Demut zu ihm kommen. Obwohl Gottes Wort sagt, daß wir uns ihm mit „Freimut der Rede“ nahen können, heißt das nicht, daß wir zu vertraulich oder allzu freundschaftlich mit dem großen Schöpfer sprechen sollten (Hebr. 4:16; 1. Joh. 3:21, 22). Es wäre unbesonnen und unpassend, ein Gebet zum Beispiel mit den Worten zu beginnen: „Guten Tag, Jehova!“ Aufgrund unseres Glaubens und unserer Zuversicht, daß er uns bereitwillig zuhört, und weil wir unsere Lauterkeit bewahrt haben, können wir mit Freimut der Rede zu ihm kommen, doch sollte dies mit tiefem Respekt und mit Ehrfurcht geschehen. (Vergleiche Prediger 5:1, 2.)
15 Wir sollten nie vergessen, daß Jehova Gott weit über uns steht. Als irdische Geschöpfe mit einem fleischlichen Organismus stehen wir was Macht und Herrlichkeit betrifft, unter den Engeln (Hebr. 2:7). Außerdem sind wir unvollkommene, sündige Menschen. Es ist daher angebracht, daß wir durch die Worte, die wir im Gebet wählen, und durch den Klang unserer Stimme erkennen lassen, daß wir unser Verhältnis zu Jehova Gott verstehen und schätzen, denn er schenkt nur den Demütigen Gehör, die ‘vor seinem Worte zittern’ (Jes. 66:2). Jesus Christus hob diesen Grundsatz in seinem Gleichnis von den zwei Männern hervor, die in den Tempel in Jerusalem gingen, um zu beten. Jehova Gott schenkte dem stolzen, selbstgerechten Pharisäer keine Beachtung. Doch er erhörte offensichtlich das Gebet des demütigen, reuevollen Steuereinnehmers (Luk. 18:9-14).
IM GLAUBEN UND MIT BEHARRLICHKEIT
16. Welche Schriftstellen zeigen, daß Glaube beim Beten erforderlich ist?
16 Um von Jehova Gott erhört zu werden, müssen wir auch im Glauben zu ihm kommen. In Gottes Wort werden wir wiederholt auf diese wichtige Bedingung aufmerksam gemacht. Jesus sagte: „Wenn ihr Glauben habt von der Größe eines Senfkorns, ... wird euch [nichts] unmöglich sein“ (Matth. 17:20). Aus Hebräer 11:6 erfahren wir, daß wir, um Gott wohlzugefallen, nicht nur glauben müssen, daß er existiert, sondern auch, daß er diejenigen belohnt, die „ihn ernstlich suchen“. Der Jünger Jakobus schrieb: „Bitte aber unablässig im Glauben, ohne irgendwie zu zweifeln, denn wer zweifelt, ... wähne nicht, daß er von Jehova etwas empfangen werde“ (Jak. 1:6, 7).
17. Welchen Rat gibt die Bibel im Hinblick auf Beharrlichkeit im Gebet?
17 Damit unsere Bitten erhört werden, müssen wir auch beharrlich beten. Wir sollten uns das Gebet zu einer Gewohnheit machen. Die Bibel rät uns: „Achtet darauf, daß euer Gebet nicht unregelmäßig und zufällig stattfindet“ (Röm. 12:12, Das Neue Testament, übertragen von Jörg Zink). Jesus legte immer wieder darauf Nachdruck. In seiner Bergpredigt sagte er: „Bittet fortwährend, und es wird euch gegeben werden; sucht unablässig, und ihr werdet finden; klopft immer wieder an, und es wird euch aufgetan werden“ (Matth. 7:7). In seinem Gleichnis von der Witwe, die von einem Richter recht erhielt, der weder Gott fürchtete noch Menschen achtete, unterstrich Jesus ebenfalls die Notwendigkeit, beharrlich zu beten (Luk. 18:1-8). Wenn wir es mit dem, worum wir Jehova Gott bitten, wirklich ernst meinen, werden wir ‘im Gebet beharren’ und ‘unablässig beten’ (Röm. 12:12; 1. Thess. 5:17).
18. Welche Dinge sollten uns nicht daran hindern, Zeit zum Beten zu finden?
18 Im Gebet zu beharren steht in engem Zusammenhang damit, daß man sich Zeit zum Beten nimmt. Wir sollten nie zu beschäftigt sein, um zu beten. Es stimmt, daß die wichtigen Dinge des Lebens — unsere tägliche Beschäftigung, das Essen, die Pflege unseres Äußeren und das Schlafen — den größten Teil der 24 Stunden eines Tages in Anspruch nehmen. Gibt es aber nicht auch andere Dinge, die mehr von unserer Zeit beanspruchen, als sie dürften? So zum Beispiel das Zeitunglesen, das Fernsehen, sportliche Aktivitäten und andere Formen der Erholung oder Entspannung. Wenn wir das kostbare Vorrecht des Gebets nicht wirklich schätzen, könnte es ohne weiteres sein, daß wir es vernachlässigen, weil andere Dinge unsere ganze Zeit in Beschlag nehmen.
GELEGENHEITEN ZUM BETEN
19. Nenne einige der vielen Gelegenheiten, bei denen wir beten können.
19 Es gibt für uns wirklich viele Anlässe oder Gelegenheiten zu beten. ‘Unablässig zu beten’ bedeutet für uns, daß wir bei allen Gelegenheiten beten — wenn wir am Morgen aufstehen, wenn wir uns abends niederlegen, vor Mahlzeiten und wenn wir nachts wach sind. (Siehe Psalm 5:3; 92:1, 2; 119:147-149, 164; 1. Timotheus 4:4, 5.) Wir mögen vor schwierigen Problemen stehen, Belastungen ausgesetzt sein oder eine schwere Verantwortung tragen; vielleicht haben wir eine Ansprache vor einer christlichen Zuhörerschaft zu halten oder unseren Glauben vor Regierungsbeamten zu verteidigen. Bestimmt sollten wir in solchen Fällen unsere Sorgen Jehova anvertrauen, ja, „beachte ihn [Gott] auf all deinen Wegen, und er selbst wird deine Pfade gerademachen“ (Spr. 3:6). Des weiteren sollte unser Herz von Dankbarkeit gegenüber Jehova überströmen, wenn uns ein besonderer Segen zuteil wird, besonders dann, wenn dies unerwartet geschieht oder wir es herbeigesehnt haben. Aber natürlich muß nicht unbedingt ein besonderer Grund dafür vorliegen, damit wir unserer Dankbarkeit Ausdruck verleihen. Herz und Sinn können uns zu jeder anderen Zeit dazu veranlassen.
20. Was ist über unsere Körperhaltung beim Beten zu sagen?
20 Es ist also jederzeit angebracht zu beten. Heißt das aber, daß wir beim Gebet nicht auf unsere Körperhaltung zu achten brauchen? Die Bibel schreibt tatsächlich nicht vor, im Gebet eine bestimmte Haltung einzunehmen, sich beispielsweise hinzuknien oder die Hände zu falten. Wir lesen allerdings von Personen, die beim Beten standen, knieten, sich niederwarfen oder die Hände ausstreckten. (Siehe 1. Mose 24:26, 48; 1. Könige 8:22, 42, 44, 54; Nehemia 2:1-4; Markus 11:25.) Das zeigt, daß es passend ist, beim Gebet, wenn möglich, eine respektvolle Körperhaltung einzunehmen. In einer Zusammenkunft der Versammlung können wir zum Beispiel aufstehen und unser Haupt neigen. Durch eine solche veränderte Körperhaltung können wir uns auch vielleicht besser auf das Gebet, das für uns dargebracht wird, konzentrieren. Sich niederzuknien scheint eine besonders passende Stellung bei persönlichen Gebeten zu sein. (Vergleiche Daniel 6:10; Philipper 2:9, 10.) Wenn wir vor dem Einschlafen im Bett liegen und beten, sollten wir die Ermahnung des Apostels Paulus gewissenhaft beachten, beim Gebet ‘wach zu bleiben’ (Eph. 6:18).
21. Wie müssen wir beten, damit Gott uns anhört?
21 Wir sollten das Gebet wirklich als eine ernste Sache betrachten. Wie dankbar können wir sein, daß wir uns an unseren himmlischen Vater in der Zuversicht wenden können, daß er uns zu jeder Zeit anhört! Natürlich setzt das voraus, daß wir im Glauben zu ihm kommen, auf dem richtigen Weg, mit der richtigen Geisteshaltung und daß wir im Gebet beharren und nie zu beschäftigt sind, um zu beten. Wenn wir Kinder haben, sollten wir sie beharrlich über die Wichtigkeit des Gebets belehren und ihnen hinsichtlich des Betens ein gutes Beispiel geben.
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Sich „mit jeder Art von Gebet und Flehen“ an Gott wendenDer Wachtturm 1980 | 1. September
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Sich „mit jeder Art von Gebet und Flehen“ an Gott wenden
„[Fahrt fort,] mit jeder Art von Gebet und Flehen bei jeder Gelegenheit im Geiste zu beten. Und hierzu bleibt wach mit aller Beharrlichkeit und mit Flehen für alle Heiligen“ (Eph. 6:18).
1. (a) Woran sollten wir denken, wenn wir uns im Gebet an Jehova Gott wenden? (b) Welche vier grundlegenden Arten des Gebets gibt es?
JEHOVA GOTT, der Schöpfer, ist keine unpersönliche Macht, sondern eine wirkliche Person mit Empfindungen. Er kann sehen und hören. Daran sollten wir stets denken, wenn wir uns im Gebet an ihn wenden. Sein Wort rät uns, dies „mit jeder Art von Gebet und Flehen“ zu tun (Eph. 6:18). Was schließt das alles ein? Es gibt vier grundlegende Arten des Gebets: die Lobpreisung, die Danksagung, die Bitte und das Flehen.
GOTT IM GEBET LOBPREISEN
2, 3. Welche Art des Gebets ist eine edle und erhabene Art? Nenne einige der vielen Gründe, weshalb sie Jehova Gott gebührt.
2 Die Lobpreisung ist gewiß eine edle und erhabene Art des Gebets. Sie gebührt dem Schöpfer wegen seiner Eigenschaften und Leistungen. Als der „[Souveräne] Herr Jehova“ ist er an Gewalt ohnegleichen (2. Sam. 7:28). Da Jehova Gott weder einen Anfang noch ein Ende hat, ist er der unvergleichliche „König der Ewigkeit“ (1. Tim. 1:17). Seine Herrlichkeit ist so groß, daß kein Mensch ihn sehen und dennoch leben kann (2. Mose 33:20). Dem Höchsten kommt niemand gleich, denn er verfügt über eine ungeheure Macht und Weisheit, er ist absolut gerecht und die selbstlose Liebe in Person (5. Mose 32:4; Hiob 37:23; Röm. 11:33; 1. Joh. 4:8). Er hat alles erschaffen, und daher gehört ihm das ganze Universum (1. Mose 1:1, 31; Ps. 50:10). Sein Name und sein Ruhm sind unvergleichlich. Nur er kann mit Recht sagen: „ICH WERDE MICH ALS SEIEND ERWEISEN.“ Er allein trägt den Namen Jehova, der wahrscheinlich „Er läßt werden“ bedeutet (2. Mose 3:14; 6:3). Nur er kann mit Recht sagen: „Wem wollt ihr mich gleichstellen oder mich gleichmachen oder mich vergleichen, damit wir einander ähnlich seien?“ „Ich [bin] der Göttliche ..., und da ist kein anderer Gott noch irgendeiner wie ich“ (Jes. 46:5, 9).
3 Ein solch unvergleichlicher, einzigartiger Gott verdient vor allem anderen Lobpreis. Von 2. Mose 15:11 bis Offenbarung 19:6 wird somit passenderweise dazu ermuntert, Jehova zu lobpreisen. Wir sollten den Höchsten deshalb nicht nur ständig in unseren Gebeten lobpreisen, sondern auch in unseren täglichen Gesprächen, indem wir die Aufmerksamkeit nicht auf uns, sondern auf ihn lenken. Schließlich haben wir nichts, was wir nicht empfangen haben, und ohne ihn können wir in Wirklichkeit nichts erreichen (Ps. 127:1; 1. Kor. 4:7).
JEHOVA DANK SAGEN
4, 5. Wie zeigen verschiedene Bibelschreiber, daß man Jehova Dank sagen sollte? Nenne einige der vielen Gründe dafür.
4 In engem Zusammenhang mit der Lobpreisung steht die Danksagung. Nur zu Recht bringen wir für alles, was Jehova für uns getan hat, gerade tut und noch tun wird, Wertschätzung zum Ausdruck. Den Schreibern der Psalmen war offensichtlich besonders bewußt, daß es sich ziemt, Jehova zu danken. Immer wieder lesen wir Worte wie: „O möge man Jehova danken für seine liebende Güte und für seine wunderbaren Werke an den Menschensöhnen“ (Ps. 107:8, 15, 21, 31). In ähnlicher Weise fordert Paulus uns auf, „Flehen zusammen mit Danksagung“ darzubringen. Ja wir sollten „allezeit unserem Gott und Vater im Namen unseres Herrn Jesus Christus für alle Dinge Dank“ sagen (Phil. 4:6; Eph. 5:20).
5 Für wie vieles können wir doch unserem himmlischen Vater gegenüber täglich Dankbarkeit zum Ausdruck bringen! Wir schulden ihm Dank für alle körperlichen und materiellen Dinge, die wir erhalten und die uns nicht nur das Leben ermöglichen, sondern uns auch Freude bereiten (Jak. 1:17). Schätzen wir alle geistigen Segnungen, an denen Jehova seine Diener teilhaben läßt: den Nutzen aus dem Opfer Christi, Gottes Wort und seinen Geist, die Christenversammlung und die Gabe des Gebets? Schätzen wir den Segen der Gemeinschaft mit Glaubensbrüdern, das Vorrecht, den Bedürfnissen anderer zu dienen, und die wunderbare Königreichshoffnung? Wenn ja, dann sollten wir in unseren Gebeten Dankbarkeit dafür zum Ausdruck bringen. (Gewiß werden wir uns nicht immer an alles erinnern oder alles aufzählen, was Gott für uns getan hat. Doch sollten wir so empfinden wie der Psalmist, der sagte: „Segne Jehova, o meine Seele, und vergiß nicht alle seine Taten“ (Ps. 103:2).
BITTEN AN JEHOVA RICHTEN
6. Welche drei allgemeinen Gebiete berühren wir in unseren Bitten, und worum zuallererst zu beten, lehrte uns Jesus?
6 Es ist bestimmt ein großer Trost, daß wir uns mit „Freimut der Rede“ an Jehova wenden können, um unsere Bitten vorzutragen (Hebr. 4:16; 1. Joh. 3:21). Wie Jesus durch das Mustergebet veranschaulichte, berühren unsere Bitten gewöhnlich drei allgemeine Gebiete: den Triumph der Gerechtigkeit, unsere geistigen Bedürfnisse und unsere körperlichen Bedürfnisse. Jesus lehrte uns passenderweise, zuallererst um die Heiligung des Namens Jehovas zu beten, daß Gottes Königreich komme und sein Wille auf der Erde geschehe. Er selbst betete: „Vater, verherrliche deinen Namen“ (Matth. 6:9, 10; Joh. 12:28). Weitere solche Bitten wären, daß Jehova das Werk seiner Diener auf Erden segne und daß er diejenigen stütze, die um seines Namens Willen Schwierigkeiten zu erdulden haben (Ps. 118:25). Wir dürfen auch den Rat des Paulus nicht übersehen, für alle, die in hoher Stellung sind, zu beten, „damit wir weiterhin ein ruhiges und stilles Leben führen können in völliger Gottergebenheit und Ernsthaftigkeit“ (1. Tim. 2:2).
7, 8. Um welche persönlichen Dinge sollten wir Jehova als nächstes bitten?
7 Unsere Gebete sollten außerdem unser ernsthaftes Interesse an unserem geistigen Zustand erkennen lassen. Dazu zählt, daß wir unseren himmlischen Vater um Vergebung unserer Sünden bitten. „Wenn jemand eine Sünde begeht, so haben wir einen Helfer beim Vater, Jesus Christus, einen Gerechten“ (1. Joh. 1:8 bis 2:1). Wir sollten um ein größeres Maß des Geistes Gottes bitten und darum, daß wir den Geist nicht betrüben (Luk. 11:13; Eph. 4:30). Die Bibel ermuntert uns, um Weisheit zu bitten, wenn wir in Prüfungen geraten (Jak. 1:5-8). Überdies können und sollten wir Jehova um seinen Segen für unseren heiligen Dienst bitten, der auch unsere Predigt- und Lehrtätigkeit einschließt. Mit solchen Gebeten erkennen wir den Grundsatz an, daß wir zwar pflanzen und bewässern mögen, doch daß Gott es ist, der es wachsen und gedeihen läßt (1. Kor. 3:7).
8 Bei den Bitten, die wir Gott vortragen, dürfen wir auch nicht irgendwelche Differenzen übersehen oder unberücksichtigt lassen, die wir mit einem christlichen Bruder, mit unserem Ehepartner oder mit einem anderen Familienangehörigen haben mögen. Wir mögen geneigt sein, mit dem Betreffenden nicht mehr zu sprechen. Das wäre zwar das leichteste, aber es wäre eine unvernünftige und selbstsüchtige Handlungsweise. Statt dessen sollten wir Gott um Anleitung und Kraft bitten, um die bestehende Schwierigkeit aus der Welt schaffen zu können. Wir sollten Gott auch um Hilfe bitten, Unannehmlichkeiten vergeben und vergessen zu können, damit wir nicht bitter werden und beginnen, einen Groll zu hegen (Matth. 6:12).
9, 10. Welche biblische Grundlage haben wir dafür, daß wir Jehova um materielle oder leibliche Dinge bitten dürfen?
9 Jesus zeigte, daß es richtig ist, Jehova Gott außer um geistige Dinge auch um das tägliche Brot, um die Befriedigung unserer leiblichen Bedürfnisse, zu bitten (Matth. 6:11). Ja, wir können Jehova Gott um alles bitten, was wir benötigen, und zwar täglich. Das ist im Einklang mit dem, was Jesus weiter in seiner Bergpredigt sagte: „Sorget nicht für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen; jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage“ (Matth. 6:34, Sigge).
10 Sind wir arbeitslos? Dann können wir Jehova Gott bitten, uns bei unseren Bemühungen, Arbeit zu finden, zu segnen und zu leiten. Sind wir krank? Dann können wir um Weisheit, Kraft und Ausharren bitten, um mit unserem Leiden so gut wie möglich fertig zu werden. Es ist wirklich tröstlich, zu wissen, daß wir alle unsere Sorgen vor Jehova ausschütten können; denn wir lesen: „Seid um nichts ängstlich besorgt, sondern laßt in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Danksagung eure Bitten bei Gott bekanntwerden“ (Phil. 4:6). In all diesen Angelegenheiten tragen wir natürlich unsere Bitten wie Jesus im Garten Gethsemane unter dem Vorbehalt vor: ‘... wenn es Gottes Wille ist’ (Matth. 26:39; 1. Kor. 4:19; Jak. 4:15).
MIT FLEHEN
11—13. (a) Was bedeutet es, zu Jehova zu flehen, und in Verbindung womit ist dies sehr passend? (b) Welche Erfahrung eines Jungen veranschaulicht das?
11 Wir werden aufgefordert, mit „jeder Art von Gebet und Flehen“ zu beten (Eph. 6:18). Warum sollten wir nicht nur bitten, sondern auch flehen? Weil das Flehen noch einen Schritt weiter geht als das Bitten. Es ist ein besonders ernstes Gebet, eine von Herzen kommende eindringliche Bitte. Flehen wird mit „eindringlich und demütig bitten“ definiert. In den Christlichen Griechischen Schriften wird das betreffende Wort stets in Verbindung mit Gott gebraucht. Das unterstreicht somit, daß man beim Beten nicht nur beharrlich sein sollte, sondern auch wirklich ernsthaft. Natürlich sind nicht alle unsere Bitten ein Flehen. Doch unsere Gebete sollten flehentliche Bitten einschließen. Sogar von Jesus lesen wir, daß er „Flehen und auch Bitten mit starkem Schreien und Tränen“ darbrachte und „wegen seiner Gottesfurcht erhört“ wurde (Hebr. 5:7). Wenn wir erfahren, daß unsere Brüder grausam verfolgt werden, wäre es ebenso passend, Jehova Gott nicht nur ihrethalben eine Bitte vorzutragen, sondern ihn auch anzuflehen, ihnen die Kraft zum Ausharren zu geben, damit die Verfolgung ihren Zweck verfehle. (Vergleiche 2. Korinther 1:8-11.)
12 Wenn wir in unserem Kampf, ‘unseren Leib zu zerschlagen’, Jehova um Hilfe bitten, kommen wir zu Recht als flehentlich Bittende zu ihm (Röm. 7:15-24; 1. Kor. 9:27). Fällt es jemandem schwer, seine Gedanken oder sein Temperament zu zügeln? Dann sollte er, falls er einen anderen verletzt hat, nicht nur die Sache wiedergutzumachen suchen, sondern auch Jehova demütig um Hilfe anflehen. Wie verhält es sich, wenn man sich beim Essen und Trinken nicht beherrschen kann? Wiederum wäre es angebracht, Jehova um Hilfe anzuflehen und auch die Hilfe von Familienangehörigen und/oder Ältesten der Versammlung in Anspruch zu nehmen.
13 Selbst Kinder können, wenn sie richtig unterwiesen worden sind, zu Jehova flehen und erhört werden. Ein zehnjähriger Junge schrieb zum Beispiel folgendes an die Wachtturm-Gesellschaft: „Am 20. November, um 15 Uhr, kamen auf dem Schulhof zwei Jungen auf mich zu. Einer von ihnen hielt ein Messer an meine Kehle und drohte, mich zu töten. Ich betete zu Jehova, und gleich danach kam ein Polizeiwagen vorbei, und die Jungen liefen davon.“
WIR MÜSSEN ENTSPRECHEND HANDELN
14, 15. Welches folgerichtige Verhalten wird vom Betenden erwartet, und welche biblischen Beispiele lassen dieses Prinzip erkennen?
14 Wenn wir Jehova Gott um etwas bitten, sollten wir natürlich auch bereit sein, unseren Teil dazu beizutragen. In einer Zeit großer Bedrängnis flehte König David nicht nur zu Gott, sondern unternahm auch praktische Schritte (2. Sam. 15:31 bis 17:14). Ähnlich handelten auch treue Diener Jehovas wie zum Beispiel Jakob (1. Mose 32:9-21). Ja, unsere Handlungen sollten mit unseren Bitten übereinstimmen.
15 Beten wir um unser tägliches Brot? Dann sollten wir auch bereit sein, dafür zu arbeiten; denn „wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen“ (Matth. 6:11; 2. Thess. 3:10). Beten wir darum, nicht in Versuchung gebracht zu werden? Dann sollten wir auch vermeiden, uns absichtlich in Situationen zu begeben, in denen wir Kompromisse machen könnten (Matth. 6:13). Bitten wir um Frieden in unseren Reihen? Dann sollten wir Friedensstifter sein (Ps. 122:6-9; 1. Petr. 3:11). Das bedeutet, daß wir darauf achten müssen, anderen nicht unbedachterweise zu nahe zu treten oder nicht unnötigerweise irgendwelche Streitfragen heraufzubeschwören. Wir sollten auch nicht überempfindlich sein. Beten wir um den Fortschritt des Werkes Gottes? Dann sollten wir im ‘Werke des Herrn reichlich beschäftigt sein’ (1. Kor. 15:58). Bitten wir um Weisheit? Dann müssen wir auch von allen Mitteln Gebrauch machen, die Gott zum Erlangen von Weisheit zur Verfügung gestellt hat (Jak. 1:5-8; Ps. 119:105; 2. Tim. 3:16; Hebr. 10:23-25).
KÖNNEN WIR DEN INHALT UNSERER GEBETE VERBESSERN?
16, 17. Wie können wir den Inhalt unserer Gebete verbessern und ihnen dadurch mehr Herzlichkeit und Bedeutung verleihen?
16 Unsere Gebete lassen erkennen, wie wir geistig wirklich eingestellt sind. Können wir den Inhalt unserer Gebete verbessern, und wenn ja, wie? Vor allem sollten wir unsere Gebete als etwas Ernstes betrachten. Sie sollten aus dem Herzen kommen. Wenn wir über Gottes Freundlichkeit und liebende Güte nachsinnen und wenn wir daran denken, daß er ein liebevoller Vater ist, der an dem festhält, was recht ist, können wir mehr Herzlichkeit und Gefühl in unsere Gebete legen. Ja, wir sollten demütig und von Herzen zu Gott sprechen. Deshalb müssen wir uns davor hüten, unser Gebet schnell hinter uns bringen zu wollen. Wenn auch andere Dinge bei uns zu kurz kommen mögen, sollte dies doch nie auf das Gebet zutreffen.
17 Wir können den Inhalt unserer Gebete auch dadurch verbessern, daß wir uns bemühen, nicht immer dasselbe zu sagen oder dieselben Redewendungen zu gebrauchen (Matth. 6:7). Durch solche Wiederholungen mögen nicht die wahren Empfindungen zum Ausdruck kommen, und ein Gebet kann an Bedeutung verlieren. Auswendig gelernte Worte kommen sehr wahrscheinlich eher aus dem Kopf als aus dem Herzen. Darauf sollten besonders Christen achten, die täglich ihre Familie im Gebet leiten. Tag für Tag dieselben Worte zu gebrauchen könnte dazu führen, daß die Gedanken der Zuhörer zu wandern beginnen. Wenn wir täglich über biblische Gedanken nachsinnen und größere Wertschätzung für die unverdiente Güte Jehovas entwickeln, werden unsere Gebete nicht schal und fade werden.
DIREKTER UND INDIREKTER NUTZEN
18. Wieso mögen einige, deren Gebete nicht den göttlichen Anforderungen entsprechen, zu dem Schluß kommen, ihre Gebete seien erhört worden?
18 Das Gebet ist eine Form des Gottesdienstes, die weltweit gepflegt wird. Viele Menschen glauben, Gott erhöre sie, wenngleich ihre Gebete nicht den göttlichen Anforderungen entsprechen. Wie läßt sich dieser offensichtliche Widerspruch erklären? Zum einen mag lediglich das Gesetz der Wahrscheinlichkeit eine Rolle spielen. Man sagt zum Beispiel, daß im Schützengraben alle Soldaten beten. Da die meisten von ihnen gewöhnlich überleben, könnten diese schlußfolgern, Gott habe ihre Gebete erhört. Zum anderen kann es auch Zufall sein. In einigen Fällen ist es vielleicht der psychosomatischen Wirkung zuzuschreiben — dem Einfluß des Seelischen auf den Körper.
19. Welche Beweise gibt es dafür, daß Jehova die Gebete derer erhört, die ihm wirklich dienen und deren Gebete den göttlichen Anforderungen entsprechen?
19 Personen jedoch, deren Gebete den göttlichen Anforderungen entsprechen, haben unleugbare Beweise dafür, daß Jehova Gott ihre Gebete tatsächlich erhört. Sie sehen, daß Jehova ihre Anstrengungen, die sie als einzelne oder als Gruppe unternehmen, segnet. Als Folge davon ‘ist der Kleine zu einem Tausend und der Geringe zu einer mächtigen Nation geworden’ (Jes. 60:22). Jehova beantwortet ihre Gebete, indem er die Dinge so lenkt, daß ‘keine Waffe, die gegen sie gebildet wird, Erfolg hat’ (Jes. 54:17).
20. Welcher verschiedenen Werkzeuge bedient sich Jehova, um aufrichtige Bitten zu beantworten?
20 Jehova gebraucht sowohl seine himmlischen als auch seine irdischen Diener, um aufrichtige Bitten zu beantworten. Manchmal ist es ein Engel, der die Dinge so lenkt, daß eine Person, die zu Gott betet, von einem Diener Jehovas besucht wird. (Vergleiche Apostelgeschichte 10:30-33; 17:26, 27.) Dann wiederum beantwortet Jehova viele Gebete, indem er seine irdischen Werkzeuge benutzt. Er mag es einem Angehörigen seines Volkes in den Sinn geben, einem Bedürftigen, der wirklich in Not ist, Liebe zu erweisen oder Gutes zu tun. Oder jemand erhält die Antwort auf sein Gebet beim Studium des Wortes Gottes, beim Lesen einer biblischen Veröffentlichung oder durch einen Hinweis eines Ältesten in der Versammlung. Das geschieht, weil Jehovas Diener oft um geistige Erleuchtung oder Weisheit bitten, um mit einer bestimmten Situation fertig werden zu können.
21. Welcher indirekte Nutzen ergibt sich aus dem Gebet?
21 Aus dem Gebet können wir auch einen indirekten Nutzen ziehen. Allein schon der Umstand, daß wir unsere Last auf Jehova, unseren himmlischen Vater, gelegt haben, verleiht uns das Empfinden, ihm näher zu sein. Mit Lobpreis und Danksagung unsere Wertschätzung Jehova gegenüber zum Ausdruck zu bringen hilft uns, mit unserem Los zufriedener zu sein. Wenn wir Jehova ernsthaft anflehen, bleiben wir demütig und verlassen uns nicht auf unseren eigenen Verstand und unsere eigene Kraft, sondern auf ihn (Spr. 3:5, 6; Phil. 4:13). Beim Beten ist unser Sinn natürlich mit etwas beschäftigt, was erbaut (Phil. 4:4-8). Können wir zum Beispiel nicht schlafen, so wäre es bestimmt besser, ein Gebet zu sprechen, in dessen Mittelpunkt die Königreichsinteressen und geistige Dinge stehen, als uns zu grämen, über gewisse Übelstände nachzudenken, Luftschlösser zu bauen oder uns Gedanken über Dinge des Fleisches zu machen. Ja, wir sollten ‘alle unsere Sorge auf Jehova werfen, denn er sorgt für uns’. Unserem himmlischen Vater nichts zu verheimlichen hilft uns, uns zu überprüfen, und trägt dazu bei, daß wir ihm immer näherkommen und vertrauter mit ihm werden (1. Petr. 5:7; 2. Kor. 13:5).
22. Was bedeutet es, unsere Gebete als eine ernste Sache zu betrachten, und welche Zuversicht ergibt sich daraus?
22 Das Gebet — Lobpreis, Danksagung und Flehen eingeschlossen — ist ein kostbares Vorrecht, und wir ziehen mit Sicherheit großen Nutzen daraus, wenn wir unsere Gebete als eine ernste Sache betrachten. Durch das Gebet zeigen wir, daß wir wirklich Glauben haben. Bestimmt möchten wir im Einklang mit unseren Gebeten handeln. Wir sollten sie nicht schnell hinter uns bringen wollen. Stets sollten wir versuchen, ihren Inhalt zu verbessern, und sie nie zu einer routinemäßigen Wiederholung von Worten werden zu lassen. Auf diese Weise ziehen wir indirekt Nutzen daraus, und wir können die Zuversicht haben, daß uns Jehova dadurch belohnt, daß er unsere Gebete, die im Einklang mit seinem Willen sind, erhört.
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