Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Als das Christentum eine Untergrundbewegung wurde
    Der Wachtturm 1951 | 15. Oktober
    • kopiert hatte. Statt der Stimme von Bischöfen und Doktoren finden Autoritäten die einfache Hoffnung von Leuten wie Maria und Martha am Grabe des Lazarus. Die Bilder heben dies hervor, statt prominente hierarchische Personen oder die Abhängigkeit des Volkes von solchen in bezug auf Unterweisung hervorzuheben. Die gewöhnlichen Grabstätten für alle in gleicher Weise widerspiegeln weiter die Lehre Jesu: „Ihr alle seid Brüder.“

      DAS CHRISTENTUM IN ALLER ÖFFENTLICHKEIT

      Müssen wir zynisch schliessen, dass in dieser Zeit — nur weil ein günstiger Vergleich zwischen der Urkirche und der Christenheit von heute nicht möglich ist — gar keine Wahrheit vorhanden sei? Kaum, wenn man in Betracht zieht, dass ohne die Hilfe von weltlicher Religion und Politik, von Reichtum und Stellung, in der Tat, ohne die Christenheit, auf intensive Weise eine frohe Botschaft von der Geburt des Königreiches Gottes, der Hoffnung aller Nationen, während der vergangenen mindestens dreissig Jahre in der ganzen Welt veröffentlicht worden ist. Weltweit sind die Überbringer dieser guten Botschaft bekannt geworden wegen ihrer einzigartigen Stellung des Abgesondertseins von der Welt, ihrer aggressiven Beharrlichkeit im Vorwärtstreiben ihres Werkes, wegen des Widerstandes, dem sie auf dem ganzen Erdenrund begegnet sind. Sie sind zudem als die Zeugen dessen bekannt, den sie vertreten, als Jehovas Zeugen. Die auffallende Ähnlichkeit einiger Grundsätze ihres Werkes und Lehrens mit denen der Kirche der ersten dreihundert Jahre fesselt das Auge des Forschers. Und Anklagen, die erhoben wurden, um ihr Werk zu vereiteln, sind ebenso absurd gewesen wie das wahnsinnige Bemühen, den wirklichen Grund dafür zu verbergen. Ja, in der Tat, eine Versammlung der Zeugen Jehovas wurde in Kanada während der Kriegszeit gestört und auseinandergesprengt, als sie aus keinem schwerwiegenderen Grunde zusammengekommen waren, als um das Abendmahl des Herrn zu feiern!

      Wenn die Tatsachen aneinandergereiht werden, zeigen sie auf einfache Weise, dass diese alte Welt der Bosheit die Wahrheit nie willkommen hiess. Dies trifft auf die Zeit Christi und auch auf die Gegenwart zu. Gleichwie er es vorausgesagt hatte: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen.“ (Joh. 15:20) Während langer Jahrhunderte mussten Menschen guten Willens warten, als das Christentum ins Versteck getrieben war, später vom Heidentum verschlungen und seither während Jahrhunderten vor der Welt falsch dargestellt wurde. Nun aber fegt ein Bibelerziehungsfeldzug über die Welt dahin und bringt ein klareres Verständnis denn je mit sich, damit die Menschen allenthalben Hoffnung haben möchten. Die Wahrheit leuchtet heller denn zu irgendeiner Zeit der nahezu 6000 Jahre langen Geschichte des Menschen. Obwohl bisweilen von jeder irdischen Regierung abgelehnt, obwohl immer noch wiederholt verboten, hat die Wahrheit alle Fesseln gesprengt und nimmt zu und wird die Erde noch füllen. — Hab. 2:14.

  • Das Gebet des Herrn der völligen Erhörung nahe
    Der Wachtturm 1951 | 15. Oktober
    • Das Gebet des Herrn der völligen Erhörung nahe

      „Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt. Dein Königreich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns heute unser Brot für diesen Tag; und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben haben unsern Schuldnern. Und bringe uns nicht in Versuchung hinein, sondern befreie uns von dem Bösen.“ — Matth. 6:9-13, NW.

      1, 2. Wie unterscheidet sich das Gebet des Herrn in seiner Anredeform von Gebeten in den Hebräischen Schriften? Warum dies, und weshalb studieren wir es?

      „UNSER Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt.“ Es war nötig, dass vor neunzehnhundert Jahren der einzige Sohn Gottes, der zu jener Zeit auf Erden lebte, die Menschen einer Jehova Gott geweihten Nation lehrte, das Gebet zu ihm auf diese kindliche Art zu beginnen. In den heiligen Hebräischen Schriften, die vor Christus Jesus geschrieben wurden, ist an verschiedenen Stellen auf Jehova Gott als auf einen Vater hingewiesen worden.a Als Erschaffer des Mannes und Weibes war er ursprünglich der Vater des Menschengeschlechts, so dass der christliche Geschichtsschreiber Lukas den vollkommenen Menschen im Garten Eden als „Adam, den Sohn Gottes“, bezeichnet. (Luk. 3:38, NW) Doch jene Hebräischen Schriften lehrten, wie diese ersten zwei Menschen das Gesetz ihres himmlischen Vaters treulos brachen und von ihm als Kinder verstossen und aus dem Garten Eden hinausgetrieben wurden, um als willentliche Sünder zu sterben, so dass keine ihrer Nachkommen sich als Gottes Kinder an Jehova Gott wenden konnten. Dies erklärt, warum in all den Gebeten, die in den neununddreissig Büchern der inspirierten Hebräischen Schriften aufgezeichnet sind, keines mit einer Anrede an Jehova Gott als unsern Vater, den Vater des Menschengeschlechts, beginnt.

      2 Nun aber widmete sich Jesus Christus, er, den Jehova vom Himmel her als „Meinen Sohn, den geliebten“ anerkannte, einem Opferwerk, das den Weg für die Menschen in die Familie der Kinder Gottes wieder öffnen sollte. So lehrte Jesus denn seine jüdischen Jünger passenderweise im voraus dieses Gebet, das als „des Herrn Gebet“ bekannt geworden ist. Er lehrte es als einen hervorragenden Teil seiner „Bergpredigt“. (Matth. 3:13-17, NW; 5:1 bis 6:13) Da Jesus seine Nachfolger dieses Gebet beten lehrte, erwartete er dabei auch vertrauensvoll eine Antwort auf all seine Bitten. Weil es heute seiner völligen Erhörung nahe ist, ist es für uns so wichtig, das Gebet des Herrn zu studieren, um seinen vollen Sinn noch besser zu erfassen.

      3. Wer darf Gott auf diese Weise im Gebet anreden, und warum nur diese?

      3 Wie warm ums Herz wird einem doch bei den Worten, mit denen der Herr Jesus das Gebet einleitet, und wie inspirieren sie zu einem kindlichen Vertrauen: „Unser Vater in den Himmeln, dein Name werde geheiligt.“ Hier lehrt der oberste Sohn Gottes jene beten, welche Söhne und Töchter Gottes werden. Vergesst nie, dass hier der Meister nicht etwa Heiden, nicht religiöse Heuchler, nicht Leute von dieser Welt beten lehrt, sondern seine Jünger, seine ergebenen Nachfolger. Zu diesen sagte er in derselben Predigt: „Glücklich sind die Friedfertigen, da sie ‚Söhne Gottes‘ genannt werden.“ (Matth. 5:9, NW) Die hier anerkannte Vaterschaft ist nicht eine solche, die sich bloss auf unsere Abstammung von Adam her gründet, eine Abstammung wie Heiden, Heuchler, Antichristen und alle andern Menschen sie haben. Sie ist darauf gegründet, dass man ein Erbe des ewigen Lebens wird, das von Gott durch das Opfer Jesu Christi kommt. Folglich können heute nicht nur Personen, die Gott zum himmlischen Königreich mit Christus Jesus berufen hat, dieses Gebet darbringen, indem sie Gott als ihren Vater anreden, sondern auch die Glieder der grossen Volksmenge seiner „andern Schafe“, die ewiges Leben auf Erden zu erhalten hoffen, um unter Gottes Königreich vollkommen gemacht zu werden. — Luk. 12:32; Off. 7:9-17; Joh. 10:16.

      4. Warum gebrauchen wir das Mehrzahlfürwort „unser“, und weshalb reden wir ihn als „Vater“ an?

      4 Ihn „unsern“ Vater zu nennen, verrät, dass wir ihn als den Vater einer Familie anerkennen, ferner, dass es andere Familienglieder gibt, und dass wir zusammen mit unserm älteren Bruder, mit Jesus Christus, dem geliebten obersten Sohn Gottes, Söhne Gottes sind. Dies macht unser Gebet umfassender, so dass es unsere Brüder, die Söhne Gottes, liebend einschliesst. Bestimmt gereicht das Königreich Gottes, worum zu beten wir hier gelehrt werden, nicht allein zu unserem eigenen, persönlichen Segen, sondern auch zum Segen der ganzen Familie. Durch diese Art der Einleitung anerkennen wir zudem Gott als den ursprünglichen Lebengeber, den Quell des Lebens, und zwar nicht allein als den Einen, von dem wir durch den ersten Menschen Adam das Dasein erhalten haben, sondern auch als den, der Vorkehrung getroffen hat, dass wir aus dem Tode errettet werden können, den wir jetzt wegen Adams Sünde sterben, und dass wir in die neue Welt der Gerechtigkeit mit ihrem ewigen Leben hineingeführt werden können. Weil wir Glauben haben und diese lebengebenden Vorkehrungen durch Christus benutzen, reden wir Jehova Gott als unsern Vater an, indem wir bekennen, dass ‚der Lohn, den Sünde zahlt, Tod ist, aber die Gabe, die Gott schenkt, ewiges Leben durch Christus Jesus, unsern Herrn‘. — Röm. 6:23, NW.

      5. Was darzubringen verpflichtet uns die Tatsache, dass er ein Vater „in den Himmeln“ ist, und wie verfuhr Jesus mit Seinem Titel „Vater“?

      5 Jehova ist unendlich höher als unsere irdischen Väter. Er ist unser Vater „in den Himmeln“. Folglich zollen wir ihm den höchsten Respekt und bringen ihm unser kindliches Vertrauen und unsern Gehorsam dar, auch unter Züchtigung. Wenn wir Gott nicht Respekt und Gehorsam zollen, so leugnen wir, dass wir seine Kinder sind. Denn wir lesen: „Wir waren gewohnt, Väter zu haben nach dem Fleische, die uns in Zucht nahmen, und wir pflegten ihnen Respekt zu erweisen. Sollen wir uns nicht viel mehr dem Vater unseres geistigen Lebens unterwerfen und leben? Denn für wenige Tage übten sie Zucht an uns nach ihrem Gutdünken, er aber tut es zu unserem Besten, damit wir an seiner Heiligkeit teilhaben mögen.“ (Heb. 12:9, 10, NW) Als Jesus uns beten lehrte, zu Jehova Gott, „unserm Vater“, zu beten, wollte er damit sagen, dass Jehova auch sein Vater sei. Jesus redete ihn mit dem zärtlichen Ausdruck Vater an und bekannte dadurch, dass er ursprünglich Leben von diesem grossen Lebengeber erhalten hatte. Er sprach: ‚Der lebendige Vater sandte mich aus, und ich lebe kraft des Vaters.‘ (Joh. 6:57, NW) Aus diesem Grunde liess er es niemals geschehen, dass ihn jemand mit „Vater“ anredete, sondern bewahrte diesen kostbaren Titel immer für seinen himmlischen Vater. Als Jesus seinen Jüngern sagte: „Nennet nicht jemand auf der Erde euern Vater, denn Einer ist euer Vater, der himmlische“, wies er damit auch seine Jünger an, Jesus nicht den Titel „Vater“ zu geben. Was für eine krasse Unchristlichkeit ist es also, wenn Geistliche der Christenheit verlangen, dass die Leute sie als „Vater“ in geistigem Sinne anreden. Es ist der Gipfel der Missachtung gegenüber dem himmlischen Vater und steht in Widerspruch mit dem Gebet des Herrn.

      SEIN NAME

      6. Welche Bitte wird im Gebet des Herrn zuerst gestellt, und warum?

      6 Jesus erinnert uns daran, dass der himmlische Vater einen Namen hat, und dass wir als liebende Kinder diesen Namen respektieren sollen. Die allererste Bitte, die Jesus in das Gebet einführt, lautet: „Dein Name werde geheiligt.“ Auf diese Weise zeigt er, dass der Name des himmlischen Vaters an Wichtigkeit an erster Stelle steht. Ja, gleichwie der Sohn einen Namen hat, so hat auch der Vater einen Namen. Der Name ist nicht von uns ausgegangen, sondern er selbst sagt uns, was er ist: „Ich bin Jehova, das ist mein Name; und meine Ehre gebe ich keinem anderen, noch meinen Ruhm den geschnitzten Bildern.“ (Jes. 42:8) Als Jesus auf Erden predigte, war Jehovas Name von Satan, dem Teufel, und all seinen Sprösslingen mehr als viertausend Jahre lang geschmäht worden. Die Schmähungen, die auf Jehova gefallen waren, fielen dann auf Jesus und sind seither, bis auf diesen Tag, auf alle wahren Nachfolger Jesu gefallen. So bedeutet denn die Bitte „Dein Name werde geheiligt“ mehr als ein blosses Heilighalten des Namens Gottes. Sie bedeutet, dass sein Name entlastet werden muss von all der Schmach, die darauf gehäuft worden ist, und dass er für immer gerechtfertigt werden muss.

      7. Wie führen Menschen, die eine gemeine Sprache gebrauchen, und falsche Propheten den Namen Gottes vergeblich?

      7 Selbst in den Zehn Geboten, die Gott den Juden durch Mose gab, zeigt er die Wichtigkeit seines Namens. Im dritten dieser Gebote verordnet er: „Du sollst den Namen Jehovas, deines Gottes, nicht zu Eitlem aussprechen [nicht vergeblich führen, van Ess]; denn Jehova wird den nicht für schuldlos halten, der seinen Namen zu Eitlem ausspricht [vergeblich führt, van Ess].“ (2. Mose 20:7) Natürlich, wenn jemand diesen Namen in gemeiner Sprache gebraucht, wenn ihn erzürnte Leute zu garstigem Fluchen benutzen, so ist dies kein Gebrauch zu einem guten Zweck, sondern erniedrigt ihn zur Verwendung in gemeinen Zusammenhängen. Doch führen ihn die Menschen vergeblich, wenn sie diesen Namen fälschlich auf Personen oder Dinge anwenden, die ihn nicht tragen sollten, oder wenn sie ihn mit Lügen und unechten Botschaften verknüpfen, zu denen sein Name nicht gehört, da Gott weder deren Urheber noch Förderer ist. „So spricht Jehova der Heerscharen: Höret nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen; sie täuschen euch, sie reden das Gesicht ihres Herzens und nicht aus dem Munde Jehovas. Sie sagen stets zu denen, die mich verachten: ‚Jehova hat geredet: ihr werdet Frieden haben‘; und zu jedem, der in dem Starrsinn seines Herzens wandelt, sprechen sie: ‚Es wird kein Unglück über euch kommen‘. Wie lange sollen das im Sinne haben die Propheten, welche Lüge weissagen, und die Propheten des Truges ihres Herzens, welche gedenken, meinen Namen bei meinem Volke in Vergessenheit zu bringen durch ihre Träume, die sie einer dem anderen erzählen, so wie ihre Väter meines Namens vergassen über dem Baal? Siehe, ich will an die Propheten, spricht Jehova, die ihre Zungen nehmen und sprechen: Er hat geredet.“ — Jer. 23:16, 17, 26, 27, 31.

      8. Wieso führt die Geistlichkeit der Christenheit so seinen Namen vergeblich?

      8 Die Geistlichkeit der Christenheit kommt unter diese Beschuldigung. Obwohl sie es vermeidet, den Namen Jehovas zu gebrauchen, masst sie sich doch an, für Gott zu sprechen, dem dieser Name angehört. Als religiöse Propheten machen sie vor dem Volke allerlei falsche Voraussagen über den Frieden der Welt, über den Völkerbund und dessen Nachfolger, die Vereinigten Nationen, sowie über andere Dinge von öffentlichem Interesse; und sie stellen diese Voraussagen als Botschaften Gottes hin, dem der Name Jehova angehört. Auch verherrlichen sie Männer und Frauen dieser Welt und schieben Gottes Namen in den Hintergrund und veranlassen, dass das Volk seinen heiligen Namen vergesse. Wenn sie also das Gebet des Herrn „Dein Name werde geheiligt“ sprechen, so wird ihre religiöse Heuchelei dadurch nur noch grösser.

      9. Wie führten die Juden als Nation seinen Namen vergeblich, und wessen Verantwortung wurde es dann, seinen Namen nicht ebenso vergeblich zu tragen?

      9 Als Nation führte das jüdische Volk vor alters seinen Namen vergeblich, denn es wurde Jehovas Volk, das heisst nach Jehovas Namen genannt, doch lebte es nicht diesem würdigen Namen entsprechend. Nicht wir erheben diese Anklage, sondern Gott erhebt sie durch seine Propheten. Er sagt zum Volke seines Namens, das er aus der Hand seiner Feinde errettete: „Seine Beherrscher jauchzen [heulen, van Ess], spricht Jehova, und beständig, den ganzen Tag, wird mein Name gelästert.“ „Und als sie zu den Nationen kamen, wohin sie kamen, da entweihten sie meinen heiligen Namen, indem man von ihnen sagte: Jehovas Volk sind diese, und aus seinem Lande sind sie gezogen. Darum sprich zum Hause Israel: So spricht der Herr, Jehova: Nicht um euretwillen tue ich es, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, wohin ihr [als gefangene Verbannte] gekommen seid.“ (Jes. 52:5 und Hes. 36:20, 22) Im ersten Jahrhundert n. Chr. verwarf Gott schliesslich die jüdische Nation, nachdem sie seinen Sohn an den Pfahl gehängt hatte, damit er in Unehre sterbe. Der einzige aussöhnende Zug in bezug auf die Israeliten war dann, dass ein treuer Überrest der Juden sich von ihnen trennte und es unternahm, für den Namen Jehovas Ehre einzulegen und seines Namens, den sie trugen, würdig zu wandeln. In kurzer Zeit schlossen sich ihnen viele Heiden an, und sie alle zusammen wurden ein Volk für Jehovas Namen. Wie der Jünger Jakobus zu der christlichen Konferenz in Jerusalem sagte: „Symeon [Petrus] hat ausführlich erzählt, wie Gott zum ersten Mal seine Aufmerksamkeit den Nationen zuwandte, um aus ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen.“ Die Aufgabe dieser Christen war es sodann, zu beweisen, dass sie nicht wie die natürlichen Juden Jehovas Namen vergeblich führten. — Apg. 15:14, NW.

      10. Wie haben Bibelübersetzer Jehovas Namen auszuschalten gesucht, was aber haben wahre Christen hinsichtlich seines Namens getan?

      10 Jahrelang haben sich Bibelübersetzer nun bemüht, Jehovas Namen aus dem Englischen und aus andern Übersetzungen fernzuhalten. Sie suchen ihn zu einem namenlosen Gott zu machen, der während mehr als fünfzehnhundert Jahren nicht ausschliesslich mit der jüdischen Nation unter dem Namen Jehova verbunden gewesen sei. Diese Übersetzer behaupten damit, ihn aus der Stellung eines blossen Stammes- oder nationalen Gottes herauszuheben, damit er leichter ein universeller Gott werde. Wenig verstehen sie die hohe Bedeutung seines Namens, wie sie besonders aus seiner eigenen Erklärung hervorgeht: „Ein jeder, der den Namen Jehovas anrufen wird, wird errettet werden.“ „Denn alsdann werde ich den Völkern eine reine Sprache zuwenden, damit sie alle den Namen Jehovas anrufen, um ihm einmütig zu dienen.“ (Joel 2:32; Apg. 2:21 und Römer 10:13, NW; Zeph. 3:9, AS) In entgegengesetzter Weise haben Christen, die mit der Watch Tower Bible & Tract Society verbunden waren, Jehovas Namen während vieler Jahre vor 1931 öffentlich kundgemacht und erhöht. In diesem letzteren Jahr und im Licht der Prophezeiungen der Bibel nahmen sie den Namen „Jehovas Zeugen“ öffentlich an. Und seither haben sie ihr Leben diesem Namen gemäss geführt.

      11. Warum haben diese Zeugen nicht anmassend gehandelt, indem sie seinen Namen trugen?

      11 Handelten diese Zeugen aber anmassend, indem sie seinen Namen buchstäblich führten? Nein; denn ein wahrer Sohn schämt sich nicht des würdigen Namens seines Vaters. Der Name passt auf das Werk, das sie vor 1931 und seither getan haben. Wir sollten nicht denken, dass Jehovas Name immer noch auf den natürlichen Juden ruhe, die den Lehrer des Gebetes des Herrn verwarfen. Dass Jehova sie verwarf, gipfelte im ersten Jahrhundert in der Zerstörung Jerusalems und im Zerstreuen der Juden unter alle Nationen. Bei ihrer Verwerfung wurden die treuen Christen das erwählte Volk „für seinen Namen“. Christen sind daher nicht anmassend, wenn sie diesen Namen führen und ihn berühmt machen. Wenn Jehovas Zeugen Schmach auf seinen Namen gebracht haben, so mögen ihre Feinde sagen, wie dies geschehen sei.

      12. Was geschah nach Jehovas Verwerfung der Juden mit seinem Namen?

      12 Die Religionisten der Christenheit beanspruchen, das Volk für seinen Namen zu sein, doch bekennen sie den Namen nicht, noch verherrlichen sie ihn, sondern sie verfolgen jene, die den Namen tragen und ihn bekanntmachen. Jehovas Name war nicht dazu bestimmt, mit seiner Verwerfung der Juden auszusterben. Er wurde auf die Christen übertragen, welche geistliche Israeliten wurden und seinen Geist der Sohnschaft erhielten, weswegen sie zu ihm rufen: „Abba, Vater.“ (Gal. 4:4-7) Die Tatsache, dass sein Name auf ihnen ruht, bedeutet, dass sie sein eigen sind; sie gehören ihm. Jene, die das Gebet des Herrn, dass Gottes Name geheiligt werde, aufrichtig darbringen, werden äusserst sorgfältig bemüht sein, keine Schmach darauf zu bringen, und werden ihn auch nicht lächerlich machen, nur weil sie die Personen nicht lieben, die ihn tragen. Er ist ihnen lieb und teuer.

      13. Wie hat Jehova seinen Namen in Verbindung mit seinem Überrest geheiligt?

      13 Als Gottes Kinder können wir natürlich seinen Namen in unserm Leben heiligen; das Heiligen dieses Namens im Universum aber wird durch den durch Jesus Christus herbeigeführten Akt Gottes bewirkt. Jesus betete einst: „Vater, verherrliche deinen Namen.“ (Joh. 12:28, NW) Gott versicherte ihm, dass er dies tun werde, und seit 1919 n. Chr. hat der himmlische Vater dies getan. Wie denn? Indem er seinen treuen Überrest geistlicher Israeliten zu seiner Organisation und zu seinem Werk auf der ganzen Erde zurückbrachte, wie es in Hesekiel 36:21-32 vorausgesagt wurde: „Die Nationen werden wissen, dass ich Jehova bin, spricht der Herr, Jehova, wenn ich mich vor ihren Augen an euch heilige.“

      14. Wie wird die endgültige Heiligung seines Namens bald Tatsache werden?

      14 Die endgültige Heiligung seines Namens vor dem ganzen Universum aber wird in der Schlacht von Harmagedon kommen, die jetzt näher und näher rückt. Dann werden die Feinde des Namens Gottes in der Christenheit und im Heidentum einen letzten konzentrierten Angriff auf seinen Überrest und dessen Gefährten guten Willens unternehmen. Um dann zu zeigen, dass sein Name heilig ist und nicht andauernd ohne Bestrafung entweiht werden darf, wird der himmlische Vater den „Krieg des grossen Tages Gottes, des Allmächtigen“ auskämpfen und alle vernichten, die ihn jetzt schmähen, seien es Menschen oder Teufel. „Und ich werde mich gross und heilig erweisen und werde mich kundtun vor den Augen vieler Nationen. Und sie werden wissen, dass ich Jehova bin. Und ich werde meinen heiligen Namen kundtun inmitten meines Volkes Israel, und werde meinen heiligen Namen nicht mehr entweihen lassen. Und die Nationen werden wissen, dass ich Jehova bin, der Heilige in Israel.“ (Hes. 38:23; 39:7) Wir frohlocken, dass die Erhörung unseres Gebetes, dass sein Name geheiligt werde, nahe gekommen ist.

      [Fußnote]

      a 5. Mose 32:6; Ps. 103:13; Jes. 63:16; Jer. 3:4, 19; Mal. 1:6; 2:10.

  • „Dein Königreich komme“
    Der Wachtturm 1951 | 15. Oktober
    • „Dein Königreich komme“

      1, 2. (a) Was bedeutet nach der Behauptung der Geistlichkeit das Kommen des Königreiches, und wieso ist ihre Anwendung von Römer 14:17 verkehrt? (b) Was bedeutet dieser Vers?

      GOTTES Königreich ist das machtvolle Mittel, wodurch er seinen erhabenen Namen heiligt und aller Schöpfung beweist, dass er der Souverän des Universums ist. Die Geistlichkeit der Christenheit behauptet, das Königreich, worum hier gebetet wird, sei in den Herzen von Christen zu finden und sei ein geistiger Zustand, dessen sie sich erfreuen, und sein Kommen bedeute die Bekehrung der Menschen zu Christus und das Hineinbringen Gottes in die Regierungen und Königreiche dieser alten Welt. Sie führen zur Stütze Römer 14:15-17 an: „Verdirb nicht mit deiner Speise den, für welchen Christus starb. Lasst daher nicht zu, dass über das Gute, das ihr tut, zu euerm Schaden geredet werde. Denn das Königreich Gottes bedeutet nicht Essen und Trinken, sondern bedeutet Gerechtigkeit und Friede und Freude mit heiligem Geiste.“ (NW) Wenn also, um offen zu reden, das Königreich dadurch kommen soll, dass diese Welt bekehrt und Gott durch den Einfluss der Geistlichkeit in ihre politischen Regierungen hineingebracht wird, so wird das Gebet, dass das Königreich kommen möge, niemals beantwortet werden. Blickt heute auf die Christenheit, nicht zu reden vom Heidentum. Beachtet ihre Furcht vor dem sogenannt „gottlosen Kommunismus“. Ihre einzige Abwehr dagegen sind die militärischen Bollwerke der demokratischen Mächte. Römisch-Katholische werden nun gelehrt, für die Bekehrung Russlands zu beten, das heisst für eine Bekehrung zum römischen Katholizismus, nicht zur russischorthodoxen Religion. Hitlers Nazihorden jedoch verfehlten, Russland für ein leicht mögliches Eindringen des römischen Katholizismus zu erschliessen, und jetzt würde selbst der interne Sturz des Sowjetregimes oder seine militärische Niederlage niemals die Bekehrung der kommunistischen Völker zum Katholizismus beschleunigen, und noch viel weniger zum wahren Christentum.

      2 Wenn gemäss Römer 14:17 die Tatsache, dass die Menschen Gerechtigkeit, Friede und Freude mit heiligem Geist besitzen, bedeutet, dass das Königreich unter den Menschen besteht, wieviel davon gibt es dann in Italien, Frankreich, Spanien und der übrigen Christenheit? Bestimmt nicht genug, um zu beweisen, dass Gottes Königreich unter ihnen vorhanden ist! Doch Römer 14:17 sagt, dass, wenn wir Gerechtigkeit, Friede und Freude mit heiligem Geist besitzen, dies bedeute, dass wir einen Platz mit Christus Jesus in Gottes Königreich erlangen. Dieses Königreich gewinnen wir nicht mit Essen und Trinken, sondern dadurch, dass wir an jenen andern geistlichen Dingen teilhaben, gleichwie das beständige Aufnehmen von Erkenntnis über den einzig wahren Gott und Jesus Christus ewiges Leben bedeutet; wir gewinnen für uns dadurch ewiges Leben in der neuen Welt. — Joh. 17:3, NW.

      3. Was ist denn das Königreich, das kommen soll, und was also bedeutet das Beten um sein Kommen für die Regierungen dieser Welt?

      3 Das Königreich, das kommen soll, ist das Königreich, wofür Gott mit dem König David einen Bund schloss und worüber Daniel, der Prophet, sagte: „Und in den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört, und dessen Herrschaft [Souveränität, AS] keinem andern Volke überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen.“ In einem inspirierten Traum Daniels wird zudem vorausgesagt, dass dieses göttliche Königreich in die Hände Christi Jesu, des Sohnes des Menschen und Sohnes Davids, gelegt werde. Die Schar seiner treuen Nachfolger, seine kleine Herde von Miterben, wird dieses Königreich mit ihm ererben. (Dan. 2:44; 7:13, 14, 18, 22, 27) Wenn somit ein Kind des himmlischen Vaters betet, dass sein Königreich kommen möge, so betet es, dass Gottes Königreich, das Christus übertragen ist, all die politischen Systeme dieser Welt in der Schlacht von Harmagedon in Stücke schlagen und wegfegen möge. Wenn Patrioten diesen Gedanken nicht lieben, so mögen sie aufhören, dieses Gebet zu beten.

      4, 5. (a) Wann und wie wurde das Königreich zur Macht gebracht? (b) Was war eine mächtige Kundgebung seines Kommens zur Macht?

      4 Im Jahre 1914 wurde der Sohn des Menschen, Christus Jesus, in Übereinstimmung mit Daniels Vision vor den Alten an Tagen, den himmlischen Vater, gebracht, „und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird“. Auf diese Weise nahm Jehova seine grosse Macht an sich, begann die Regierung über unsere Erde und setzte seinen Sohn in die Macht ein, damit er inmitten seiner Feinde herrsche.

      5 Das Jahr 1914 war das von Gott bezeichnete Jahr zur Annahme der Macht über unsere Erde, weil in jenem Jahr die „bestimmten Zeiten der Nationen“ abliefen. Sie hatten 2520 Jahre zuvor mit dem Sturz des Vorbild-Königreiches Gottes in Israel und der Zerstörung Jerusalems und des Tempels Salomos begonnen. Ihr Ende im Jahre 1914 musste die Aufrichtung des Reiches Gottes in den Händen seines Erben des Königreichsbundes, Jesu Christi, kennzeichnen sowie die Anweisung, alle Nationen durch den eisernen Stab seines regierenden Königs wie Töpfergefässe zu zerschmettern. Auf diese Weise ist das Königreich unseres Gottes und die Autorität seines Christus herbeigekommen. E i n e mächtige Kundgebung dieser Tatsache war der „Krieg im Himmel“ und das gewaltsame Austreiben Satans und seiner Dämonen und ihre Verbannung auf diese Erde, damit endgültig mit ihnen verfahren werde. Kein Wunder, dass wir hören können, wie heute über die ganze Erde die donnernde Stimme einer grossen Zeugen-Menge gleich dem Rollen vieler Wasser die Worte spricht: „Lobpreiset Jah, denn Jehova, unser Gott, der Allmächtige, hat als König zu herrschen begonnen.“ — Off. 12:1-12; 19:6, NW.

      6. Sollten wir also aufhören, um das Kommen des Königreiches zu beten? Warum oder warum nicht?

      6 Bedeutet dies denn, dass das Königreich unseres himmlischen Vaters gekommen ist, das heisst in dem Sinne gekommen, wie das Gebet des Herrn es bedeutet, und dass wir nun aufhören sollten, diese Bitte darzubringen? Nein; denn wie dies durch den prophetischen Traum dargestellt wird, den Daniel dem König Nebukadnezar deutete, ist das Königreich so ins Dasein gekommen wie der Fels, der ohne Menschenhand aus dem Felsen gebrochen wurde. Dieser Königreichsfels muss aber noch wider das götzendienerische Bild der Weltorganisation Satans „kommen“, muss dessen Füsse oder sichtbaren Teil treffen und das Bild von seinem Fundament stürzen und es in der Schlacht von Harmagedon gänzlich vernichten. Als der König David des Altertums inmitten seiner Feinde im Verheissenen Lande herrschte, musste er sich gegen all die Feinde wenden und sie alle unterwerfen, bis er jene Grenze des Königreiches des von Gott gegebenen Herrschaftsgebietes erreicht hatte. Desgleichen Christus Jesus, der Sohn Davids, der nun inmitten seiner Feinde herrscht: er muss noch wie ein Dieb, an einem unerwarteten Tage und zu einer unerwarteten Stunde, wider die Feinde kommen, die in Harmagedon aufmarschieren, und muss ihre organisierte Macht brechen und sie zu Staub zermalmen. — Dan. 2:31-35, 44, 45; Off. 16:13-16.

      7. Wann ist somit das Gebet um sein Kommen völlig erhört?

      7 Die erste Kundgebung des Kommens des Königreiches erfolgte, als es die Drangsal über Satans Weltorganisation zu bringen begann und Satan aus dem Himmel herabwarf. Die vollständige Kundgebung seines Kommens wird erfolgen, wenn er diese Drangsal, sie seit 1918 unterbrochen worden ist, neu aufleben lässt und Satans Organisation in Harmagedon wegfegt. Dann bindet Jesus, der König, Satan und seine Dämonen, wirft sie in den Abgrund und versiegelt diesen tausend Jahre. Dann wird Christus Jesus die Millenniumsherrschaft beginnen, ohne dass ihn diese Welt irgendwie daran hindern würde. Dann also ist die Zeit, da das Gebet völlig erhört ist: „Dein Königreich komme.“ — Off. 19:11 bis 20:3.

      8. Wohin soll es kommen, und warum dorthin? Wie weit soll es sich ausdehnen?

      8 Diese Erde ist der Ort, zu dem Gottes Königreich kommt, das heisst, über den es seine Macht und Herrschaft ausdehnt, denn hier ist es, wo Satan die Menschheit von Gott getrennt hat. Nun, da er zur Erde herabgeworfen worden ist, ist sie das Zentrum der Rebellion, eine Insel der Empörung im ganzen Universum; und Gott lokalisiert den Krieg von Harmagedon gerade auf diese Erde und ihre Umgebung. Gottes Bund mit dem König David für ein ewiges Königtum zielte nicht einfach auf einen geistigen Zustand der Religiosität und Moralität ab, sondern auch auf Gebietsbesitz. Gott beschränkte Davids Herrschaft nur auf das Land, das Gott in seinem Bunde mit Davids Vorfahr Abraham bezeichnet hatte und welches als das Verheissene Land bekannt war. Das Gebiet aber, das die Prophezeiung dem durch Christus regierten Königreiche Gottes zuweist, wird sich erstrecken „von Meer zu Meer, und vom Strome [vom Euphrat, dem einstigen Sitz Babylons] bis an die Enden der Erde“. Der Stein, der Gottes Königreich darstellt, zerschlägt Satans politisches Bild und wird zu einem Berg, der die ganze Erde erfüllt. Wir lesen ferner: „Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Throne Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer Jehovas der Heerscharen wird dieses tun.“ — Ps. 72:8; Dan. 2:35; Jes. 9:6, 7; 1. Mose 15:18-20.

      SEIN WILLE

      9. Wie ist es zu verstehen, dass Gottes Wille hier geschieht wie im Himmel?

      9 Von diesem Standpunkte aus können wir die Bitte noch verständnisvoller wertschätzen, die dem Gebet um Gottes Königreich unmittelbar folgt: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.“ (Matth. 6:10, NW) Allgemein wird verstanden, dies bedeute, dass Gottes Wille von Menschengeschöpfen auf Erden getan werde, so wie er von Geistgeschöpfen droben im Himmel getan wird. Doch hat es nur das zu bedeuten? Oder will es vielmehr sagen, dass Gott hier auf Erden mittels seines Königreiches das tun wird, was er tun will, gleichwie er es droben im Himmel tut? Eher das letztere, obwohl es auch den ersten Gedanken einschliesst. Wie geschrieben steht: „Unser Gott ist in den Himmeln; alles, was ihm wohlgefällt, tut er.“ „Alles, was Jehova wohlgefällt, tut er in den Himmeln und auf der Erde, in den Meeren und in allen Tiefen.“ Er sagt: „Ich [bin] Gott, und gar keiner [ist] wie ich; der ich von Anfang an das Ende verkünde, und von alters her, was noch nicht geschehen ist; der ich spreche: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und all mein Wohlgefallen werde ich tun . . . Ich habe geredet und werde es auch kommen lassen; ich habe entworfen und werde es auch ausführen.“ (Ps. 115:3; 135:6; Jes. 46:9-11; auch Pred. 3:14; 8:3) In dem von ihm bestimmten Jahr 1914 brachte er sein Königreich zur Geburt, indem er Christus Jesus als König inmitten seiner Feinde auf den Thron erhob. Und Jesus, der uns beten lehrte, zu bitten, dass Gottes Wille hier geschehen möchte, führt seinen Willen hinsichtlich dieser Erde ebenso aus, wie er ihn in bezug auf den Himmel vollführte, als er kämpfte und Satan und seine Dämonen von dort hinabwarf. Jesus kam einst als Mensch auf die Erde, um hier den Willen seines Vaters zu tun. Weil er dies tat, wurde er aus den Toten auferweckt und fuhr wieder in den Himmel hinauf, um dort weiterhin ewiglich den Willen seines Vaters zu tun.

      10. Wer auf Erden tut nun Gottes Willen, doch wieso nicht die Christenheit?

      10 Die Zeit nun, da Satan toben und seinen Willen tun konnte, wodurch er Weh über Erde und Meer brachte und Jehovas Volk auf Erden verfolgte, ist in der Tat sehr kurz. Dies ist der Grund, weshalb er so zornig ist und nun sein Schlimmstes zu tun sucht, um die ganze Menschheit zu vernichten und besonders den Überrest der Erben des Königreiches Gottes und die ganze Menge ihrer Gefährten guten Willens und ihrer Mitzeugen. Die Überrestglieder sind indes nicht erschreckt durch den Zorn Satans und seine Kriegführung, sondern ‚beobachten die Gebote Gottes, und es obliegt ihnen das Werk des Zeugnisgebens für Jesus‘. Sie sowie ihre Gefährten guten Willens sind völlig dem Tun des Willens Gottes verpflichtet. Folglich nehmen sie nun gehorsam am Erfüllen der Prophezeiung Jesu über das Ende dieser Welt teil: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird gepredigt werden auf der ganzen bewohnten Erde, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das vollendete Ende kommen.“ (Off. 12:12, 13, 17; Matth. 24:14, NW) Nicht so aber die Christenheit! Regelmässig sagt sie ihr „Pater noster“ her (lateinisch, was bedeutet „Unser Vater“), tut aber nicht den Willen Gottes. Sie bekämpft die wahren Interessen des Königreiches Gottes und kämpft wider Jehovas Zeugen, die verkündigen, dass das Königreich aufgerichtet worden ist. Durch heisse und kalte Kriege um den internationalen Kommunismus ist sie jetzt in sich selbst gespalten, und sie dient inkonsequenterweise beiden Seiten in diesem Konflikt.

      11. Wie wird trotz der Vernichtung, die Gott herbeiführt, sein Wille auf unserer Erde wie auch im Himmel geschehen?

      11 Hinsichtlich des Tuns des Willens Gottes, der in den Himmeln geschehen soll, hat er die neuen himmlischen Mächte eingesetzt, damit sie die kommende gerechte neue Welt regieren, und hat Satan und seine Dämonen hinausgeworfen und ihre Tätigkeit jetzt auf die Erde beschränkt. Alle Feinde seines eingesetzten Königs hat dieser nun auf seinem Fussschemel, der Erde, und er regiert in ihrer Mitte. Binnen kurzem wird er Satans böse Himmel und Erde, Satans unsichtbare und sichtbare Organisation, vernichten. Nach dieser Vernichtung wird er eine neue menschliche Gesellschaft aufbauen, deren Glieder Gottes Willen mit Liebe tun werden. So wird Gottes Wille, neue Himmel und eine neue Erde zu haben, in denen Gerechtigkeit wohnt, in Erfüllung seiner Verheissung getan werden. (2. Pet. 3:13; Jes. 65:17; 66:22) Es ist nicht Gottes Wille, die buchstäbliche Erde zu vernichten, ebensowenig wie er die buchstäblichen Himmel vernichten will. Diese werden ewiglich bleiben. Weil es sein Wille ist, den Erdball durch die Schlacht von Harmagedon hindurch zu bewahren, kann und wird sein Wille wie droben im Himmel auch hier getan werden.

  • Tägliches Brot, Vergebung und Befreiung
    Der Wachtturm 1951 | 15. Oktober
    • Tägliches Brot, Vergebung und Befreiung

      1. Wen betreffen die vorangehenden drei und die verbleibenden vier Bitten des Gebets des Herrn?

      DIE ersten drei Bitten im Gebet des Herrn beziehen sich direkt auf die Interessen Gottes, die weltweit von erster Wichtigkeit sind. Die übrigen vier Bitten beziehen sich auf uns persönlich, als einzelne Geschöpfe. Da Gott unser himmlischer Vater ist, hat er ein liebendes Interesse an den Dingen, die seine Kinder auf Erden lebenswichtig berühren, und Jesus, unser Lehrer, versichert uns, dass wir diese Dinge im Gebet Jehova Gott darbringen dürfen.

      2. In welchem Hinblick auf den morgenden Tag bitten wir nur um das Brot für heute?

      2 „Gib uns heute unser Brot für diesen Tag.“ Indem in diesem Gebet um Brot oder Speise und Trank für nicht mehr als für den heutigen Tag gebeten wird, wird der rechte Standpunkt eingenommen. Es wird nicht vorausgesetzt, dass wir morgen leben werden, eingedenk der Worte in Sprüche 27:1: „Rühme dich nicht des morgenden Tages, denn du weisst nicht, was ein Tag gebiert.“ Der Jünger Jakobus hebt denselben Gedanken hervor und sagt uns, dass wir sagen sollten: „Wenn Jehova will, werden wir leben und auch dieses oder jenes tun.“ (Jak. 4:13-15, NW) Im Einklang mit diesem Gebet um die für heute nötige Nahrung sagt uns Jesus etwas später in derselben Bergpredigt, wie Gott die Vögel ernährt und die Blumen bekleidet: „So macht euch nie Sorgen, indem ihr sprecht: ‚Was sollen wir essen?‘ oder ‚Was sollen wir trinken?‘ oder ‚Was sollen wir anziehen?‘ Denn all diesem gehen die Nationen begierig nach. Denn euer himmlischer Vater weiss, dass ihr all dieser Dinge bedürft. Fahret denn fort, zuerst das Königreich und seine Gerechtigkeit zu suchen, und all diese andern Dinge werden euch hinzugefügt werden. Macht euch also nie Sorgen um den nächsten Tag, denn der nächste Tag wird seine eigenen Sorgen haben. Jeder Tag hat an seinem eigenen Übel genug.“ (Matth. 6:31-34, NW) So bitten wir denn heute nur um unser tägliches Brot.

      3. Wieso fördert das Gebet des Herrn keinen habsüchtigen Geist?

      3 In Lukas 11:3 (NW) wird dies in dem ähnlichen Gebet wie folgt wiedergegeben: „Gib uns unser Brot für den Tag gemäss dem Bedürfnis des Tages.“ Dies fördert keinen Geist des Hamsterns von Dingen, so dass solche Dinge andern Kindern Gottes versagt werden, noch das Aufkaufen oder Monopolisieren von Nahrungsmitteln, damit man den Markt beherrschen, über die Preise gebieten und auf Kosten des Elends der Menschen finanzielle Gewinne einstreichen könne. Das Gebet des Herrn empfiehlt keinen habsüchtigen Geist. Im Gegenteil, es rät zu gottgefälliger Hingabe mit Zufriedenheit, was grossen Gewinn im wahren Sinne des Wortes bedeutet, einen Gewinn an Glück und Segen jetzt und an ewigem Leben in der gerechten neuen Welt. „Wenn wir also Unterhalt und Bedeckung haben, so werden wir damit zufrieden sein.“ — 1. Tim. 6:6-8, NW.

      4, 5. (a) Inwiefern ist dieses tägliche Brot keine kostenlose, unerarbeitete Spende? (b) Weshalb brauchen wir uns nicht zu fürchten, weil es uns auf einer Tag-um-Tag-Grundlage zukommt?

      4 Dieses Gebet um das tägliche Brot bedeutet nicht, dass Gott uns wie kleine Kinder behandelt und uns die Speise zukommen lässt, ohne dass wir uns dabei selbst anstrengen müssten, und dass er sie auf den Tisch vor uns hinlegt oder uns direkt in den Mund gibt. Nein, dieses materielle Brot ist nicht eine kostenlose, unerarbeitete Spende. Gott hat uns all die Mittel in die Hand gegeben, uns mit Brot zu versorgen, doch müssen wir uns ans Werk machen, es verdienterweise zu erlangen. Es wird uns nicht eingeräumt, bei unsern schwer arbeitenden Mitbrüdern zu schmarotzen, sondern Gott setzt die Regel unter seinen arbeitsfähigen Kindern in Kraft: „Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“ (2. Thess. 3:10, NW) In Übereinstimmung mit unserm Gebet zu ihm um die Tagesration für den heutigen Tag vertrauen wir ihm, dass er uns verdienterweise die körperliche und geistige Kraft zur Arbeit darreiche. Während der vierzig Jahre der Wanderung in der Wüste liess Gott das Manna jeden Tag der Woche, mit Ausnahme des siebenten Tages, wie Tau rings um die Israeliten fallen. So war eine Fülle von Nahrung um sie herum vorhanden, doch mussten sie ausziehen und das Manna einsammeln und es dann zu gebackenem Brot verarbeiten. Am sechsten Tage liess Gott doppelt soviel fallen, denn der siebente Tag war ein Ruhetag, und kein Manna fiel dann, weil dies eine Verschwendung gewesen wäre, da es ihnen gesetzlich verboten war, auszuziehen und die Sammelarbeit zu tun.

      5 Indem wir also nur um das Brot für heute beten, mögen wir in unserer Abhängigkeit von Gott hinsichtlich Ernährung auf eine Tag-um-Tag-Grundlage gestellt sein, doch wird er uns während unserer Reise durch diese alte Welt in väterlicher Weise ebenso treulich mit Brot versorgen, wie er die Israeliten mit Manna versorgte.

      6. Was für eine Zusicherung hat Gott in bezug auf unser Brot und Wasser gegeben, und was kann in bezug auf die getan werden, die weniger besitzen als wir?

      6 Denen, die unter Gottes Hauptorganisation, dem himmlischen Zion, Zuflucht suchen, gibt Jehova folgende Zusicherung, und er hat sie bis heute erfüllt: „[Er] wird auf Höhen wohnen, Felsenfesten sind seine Burg; sein Brot wird ihm dargereicht, sein Wasser versiegt nie [ist ihm gesichert, Zunz].“ (Jes. 33:13-16) Zum Beispiel war Jeremia zu der Zeit, da Jerusalem durch die Heere des Königs Nebukadnezar belagert wurde, eingesperrt, doch selbst dann gaben ihm seine Gefängniswärter „täglich einen Laib Brot aus der Bäckerstrasse, bis alles Brot in der Stadt aufgezehrt war“. (Jer. 37:16-21) Ebenso wird Jehova durch diese unruhevolle Zeit, die über die Christenheit gekommen ist, und direkt durch den Krieg von Harmagedon hindurch, unsere Versorgung mit Brot und Wasser sicherstellen, um unsere Bedürfnisse in unserm treuen Dienste für ihn zu stillen. Zufolge der Tätigkeit des Feindes wider uns mögen einige von denen, die mit uns Kinder Gottes sind, nicht soviel besitzen wie wir selbst. In diesem Falle ist es unser Vorrecht, das Unsrige mit ihnen zu teilen, um sie zu stärken, damit sie Gottes Werk in Lauterkeit tun können. Wir werden stets etwas haben, so dass wir das, was Gott darreicht, gleichmässig verteilen können, wie dies bei den Israeliten der Fall war, als sie jeden Tag in der Wüste das Manna sammelten: „Da hatte, wer viel gesammelt hatte, nicht übrig, und wer wenig gesammelt hatte, dem mangelte nicht; sie hatten gesammelt, ein jeder nach dem Masse seines Essens.“ — 2. Mose 16:18; 2. Kor. 8:14, 15, NW.

      7. Wie erhört Gott diese Bitte in mehr als nur materieller Weise? Warum?

      7 Wissend, dass „der Mensch nicht von Brot allein leben [soll], sondern von jeder Äusserung, die durch den Mund Jehovas ausgeht“, wird unser himmlischer Vater uns zudem täglich durch seine theokratische Organisation mit der geistigen Nahrung versorgen, vorausgesetzt, dass wir täglich zu seinem Tische kommen und nicht nur unsern Sinn mit seinem geschriebenen Worte ernähren, sondern unser geistiges Ich auch dadurch nähren, dass wir Gottes Willen tun und sein Wort der Wahrheit mit andern teilen. — Matth. 4:4, NW; 5. Mose 8:3; Joh. 4:34.

      DIE VERGEBUNG UNSERER SCHULDEN

      8. Welches sind die Schulden, für die wir um Vergebung bitten, und warum dies?

      8 Durch eine Sünde der Übertretung wider Gottes Gesetz verschulden wir uns ihm gegenüber. „Der Lohn, den Sünde zahlt, ist Tod.“ (Röm. 6:23, NW) Gott könnte für unsere Sünde unser Leben verlangen und einfordern; er könnte uns von seiner heiligen Organisation und von der Geselligkeit und Gemeinschaft mit ihr ausschliessen. Er könnte uns seinen Frieden nehmen, indem er alle friedlichen Beziehungen mit uns abbräche. Er könnte uns veranlassen, ihm alles zurückzugeben, was wir von ihm durch seine unverdiente Güte empfangen haben. Wir schulden ihm Liebe, die im Gehorsam zum Ausdruck kommt; und wenn wir sündigen, verfehlen wir, ihm unsere Schuld der Liebe zu zahlen, denn Sünde ist Lieblosigkeit gegen Gott. (Röm. 13:8-10) Die Sünde als eine Schuld betrachtend, die bei Gott beglichen werden muss, formulierte Jesus die nächste Bitte im Gebet des Herrn: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben haben unsern Schuldnern.“ (Matth. 6:12, NW) Als Beweis, dass Schuld hier Sünde bedeutet, drückt Jesus dieselbe Bitte im entsprechenden Gebet in den Worten aus: „Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns verschuldet ist.“ — Lukas 11:4, NW.

      9. Auf welcher Grundlage wird uns Gottes Vergebung zuteil, und was müssen wir also glauben und annehmen, um diese Bitte wirksam zu beten?

      9 Zu dieser Bitte wären wir nicht ermächtigt, wenn es nicht eine Grundlage gäbe, auf der uns Gottes Vergebung zukommt. Die Grundlage dafür ist nicht einfach seine Liebe und Barmherzigkeit in abstraktem Sinne und ungeachtet seiner vollkommenen Gerechtigkeit, die für Sünde den Tod fordert. Die Grundlage der Vergebung ist seine Liebe und Barmherzigkeit, wie sie im menschlichen Opfer seines Sohnes Jesus Christus zum Ausdruck kommt, welches Opfer in unserem Interesse allen Forderungen der Gerechtigkeit vollständig entspricht. Als Jesus dieses Gebet in der Bergpredigt lehrte, hatte er bereits erklärt, dass einigen, die er geheilt hatte, die Sünden vergeben seien. So war denn zu verstehen, dass Gottes Vergebung durch Christus Jesus komme, und zwar durch sein vollkommenes Loskaufsopfer. Der Apostel Paulus, der sich als der vorderste der Sünder ausgab, sagte zu Gottes Kindern: „Der Sohn seiner Liebe, durch den wir unsere Erlösung durch Loskauf haben, die Vergebung unserer Sünden.“ „Nun hat er sich ein für allemal kundgemacht in der Vollendung der Systeme der Dinge, um Sünde hinwegzutun durch das Opfer seiner selbst.“ Um somit diesen Teil des Gebetes des Herrn wirksam zu beten, müssen wir an das Opfer Christi aufrichtig glauben und es annehmen. — Luk. 5:20-24; 7:47-49; Matth. 9:1-8; Kol. 1:13, 14 und Heb. 9:26, NW; Gal. 1:4.

      10. Warum dürfen wir das Opfer und Priestertum Jesu nicht ausser acht lassen?

      10 Gott lässt das Opfer seines Sohnes für die Sünde nicht unbeachtet. Seine absolute Gerechtigkeit fordert diese Opfer-Vorkehrung. ‚Er liebte uns und entsandte seinen Sohn als ein Sühnopfer für unsere Sünden.‘ Anders als gewisse Religionssekten wie die Heiligkeits-Sekte und die Christliche Wissenschaft usw., müssen wir ehrlich genug sein, unsere Unvollkommenheiten zuzugeben und unsere Sünden zu bekennen. Wir müssen die Tatsache, dass Sünde in uns ist, anerkennen, gleichwie der Apostel Paulus es tat und zum Ausdruck brachte. Es ist absolut nötig, dass wir unsere Sünden Gott bekennen und uns an ihn wenden, um die Segnungen des Opfers seines Sohnes zu erhalten, ferner, dass wir Jesu Amt als Gottes Hoherpriester anerkennen; sonst können wir keine Vergebung erlangen. Die aaronische Priesterschaft des Stammes Levi in Israel ist nicht mehr da, aber wir wagen es nicht, das Priestertum Jesu zu verneinen. Er ist ein Priester nach der Gleichheit Melchisedeks, und sein Priestertum dauert immerdar, bis er alle Sünder, die der Rettung bedürfen, gänzlich errettet hat, sie also, ‚vollständig errettet, weil er immerdar lebt, um für sie zu bitten‘. Wir haben nichts in unserm eigenen sündhaften Ich, womit wir die Schuld zahlen könnten. Folglich müssen wir uns um die Wohltaten des Priestertums Jesu bemühen. — 1. Joh. 4:10; 1:8; Röm. 7:17-25; Heb. 7:24-28, NW.

      11. Was muss unserer Bitte um Vergebung vorausgehen oder sie begleiten? Warum?

      11 Während wir selbstsüchtig für uns um die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus flehen mögen, behält Gott sich doch das Recht vor, uns diese Vergebung vorzuenthalten, wenn wir andern gegenüber erbarmungslos keine Vergebung üben. Folglich sagt das Gebet des Herrn in unserer Bitte an Gott weiter: „Wie auch wir vergeben haben unsern Schuldnern.“ Damit uns vergeben werde, müssen wir, ehe wir beten, Vergebung üben, oder müssen, wenn wir beten, gleichzeitig bereit sein, andern zu vergeben. Jakobus (2:13, NW) warnt uns: „Das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit übt. Barmherzigkeit [andern gegenüber] erhebt sich triumphierend über das Gericht.“ David, der dem König Saul gegenüber sehr barmherzig war und sich weigerte, ihn wegen seiner Verfolgung zu töten, auch als er Gewalt über ihn bekam, tat kund, weshalb ihm Gottes Barmherzigkeit zuteil geworden war, so dass er auf den Thron Israels erhöht wurde, indem er sagte: „Gegen den Barmherzigen erzeigst du dich barmherzig.“ (KJ) Und unmittelbar, nachdem Jesus, der grössere David, uns das Gebet des Herrn gelehrt hatte, betonte er diesen lebenswichtigen Punkt, dass wir andern vergeben müssen, um in der Lage zu sein, Gottes barmherzige Vergebung zu empfangen. Wir müssen dankbar und barmherzig genug sein, um demselben Sünder eine Anzahl von Malen, wenn nötig, siebenundsiebzig Male, zu vergeben. Ungeachtet, wie viele Male wir unsern Mitmenschen vergeben, erreicht dies doch nie das Mass, in welchem Gott uns durch Christus Vergebung und Barmherzigkeit widerfahren lässt. Jesus hat die volle Schuld für uns bezahlt. Dass Gott unsere Sünden tilgt, ist nicht etwas, was er uns schuldet, sondern ist eine Folge seiner liebenden Güte und Barmherzigkeit durch Christus Jesus, den er als sündendeckendes Opfer für uns gegeben hat. — Ps. 18:25, 26.

      12. Wem müssen wir, da wir ihn Vater nennen, hinsichtlich Vergebung gleichen?

      12 Da wir Gott als unsern himmlischen Vater anreden, müssen wir beweisen, dass wir seine Kinder sind, indem wir so sind wie er, indem wir ihm gleichen und seine Züge aufweisen, auch den Zug liebenden Erbarmens durch Vergebung. „Ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Erbarmet euch weiterhin, gleichwie euer Vater erbarmungsvoll ist.“ „Werdet gütig gegeneinander, voll zarten Erbarmens, bereitwillig einander vergebend, gleichwie auch Gott euch bereitwillig vergeben hat durch Christus. Daher werdet Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder.“ (Luk. 6:35, 36 und Eph. 4:32; 5:1, NW) So handelnd, tun wir Gottes Willen jetzt auf Erden.

      13. Wie können wir also gegen Leute in unserem Gebiet barmherzig sein, und mit welcher Zuversicht für uns hinsichtlich Harmagedons?

      13 Denkt ferner daran, dass jene, die jetzt barmherzig sind, Gottes Barmherzigkeit während der Vernichtungs-Taten in Harmagedon erfahren und in die neue Welt überleben werden. Unser jetziges Werk des Predigens der guten Botschaft von Gottes Königreich ist ein Werk des Rettens von Menschenleben vor der Vernichtung von Harmagedon. Jene, die in Barmherzigkeit Rettungsarbeit tun, werden gerettet und während Harmagedon bewahrt. Wir müssen den Leuten gegenüber, denen wir predigen, Barmherzigkeit erweisen, auch wenn sie undankbar sind. Wenn wir den Menschen in unserem Gebiet, denen wir die gute Botschaft verkündigen, die uns aber ausser acht lassen oder uns misshandeln, nicht Vergebung zuteil werden liessen, würden wir sie nicht wieder besuchen und unser Gebiet mit der lebenrettenden Königreichsbotschaft von neuem durcharbeiten. Wir vertreten Gottes Königreich, und sein Reich ist eine Herrschaft der Vergebung gegenüber den Menschen, denn Christus Jesus, der König der Könige, ist Gottes Hoherpriester, und seine Nachfolger, welche Könige im Himmel mit ihm sein werden, sollen ebenfalls Priester Gottes mit ihm sein. — Off. 20:6; 1. Pet. 2:9.

      NICHT IN VERSUCHUNG HINEINGEBRACHT

      14. In Anbetracht welcher Tatsachen mit Bezug auf Jesus, Abraham und Hiob ist es schwierig, die Worte „Bringe uns nicht in Versuchung hinein“ zu verstehen?

      14 Ebenso wie wir beten, dass unsere Sünden vergeben werden möchten, weil wir bekümmert sind über unsere wider Gott begangenen Sünden, beten wir auch für uns, dass wir nicht in die Versuchung zur Sünde hineingebracht werden möchten. Somit heisst es im Gebet des Herrn weiter: „Und bringe uns nicht in Versuchung hinein.“ (Matth. 6:13, NW; Luk. 11:4) Wie konnte Jesus dies beten, wenn die Schrift uns doch sagt, dass er gleich nach seiner Taufe im Jordan „durch den Geist [Gottes] hinaufgeführt wurde in die Wüste, um von dem Teufel versucht zu werden“ und der Versucher zu ihm herantrat, um ihn von Gott wegzuziehen? Auch wird Jesus der „Sohn Abrahams“ genannt, von dem geschrieben steht: „Und es geschah nach diesen Dingen, dass Gott den Abraham versuchte.“ Dies geschah, indem er ihm gebot, Isaak, seinen geliebten Sohn, den er von Sara erhalten hatte, zu opfern. (1. Mose 22:1) Und dann, als Satan Gott herausforderte, überliess ihm Gott den treuen Hiob, damit er ihn, wenn möglich, dazu versuche, Gott ins Angesicht zu fluchen. Und an dem Abend, da Jesus von Judas verraten wurde, sagte er zu seinen elf treuen Aposteln: „Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen.“ (Hiob 1:1 bis 2:13; Luk. 22:28) Von welchem Standpunkt aus können wir also beten, dass unser himmlischer Vater uns nicht in Versuchung hineinbringe? Als Versuch, die anscheinende Schwierigkeit zu lösen, geben Die Vier Evangelien (engl.) von C. C. Torrey die Bitte wie folgt wieder: „Und lass uns nicht der Versuchung nachgeben“, während The Emphatic Diaglott die Stelle wie folgt wiedergibt: „Und gib uns nicht der Prüfung preis.“ — Matth. 6:13.

      15. (a) In welchem Sinne also auferlegt Gott uns nicht Prüfungen? (b) Weshalb war nicht er es, der Eva hinsichtlich der verbotenen Frucht versuchte?

      15 Eines ist gewiss: Unser himmlischer Vater unterwirft uns der Prüfung, doch nicht durch Übles oder durch die Versuchung zur Sünde. Folglich schreibt Jakobus: „Wenn in der Prüfung, sage niemand: ‚Ich werde von Gott versucht.‘ Nein, denn Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst jemand. Sondern jeder wird versucht, indem er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Wenn dann die Begierde befruchtet ist, gebiert sie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, bringt Tod hervor.“ (Jak. 1:13-15, NW) Als Jehova Gott Adam und Eva vor das Verbot stellte, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen, versuchte er sie dadurch nicht mit dem Bösen, denn der Baum an sich war nicht böse. Jehova warnte sie davor, im Ungehorsam zu essen, und unterrichtete sie von den üblen Folgen. Deshalb konnten sie nicht zufolge von Unwissenheit dazu versucht werden. Als Eva auf die verführerische Rede der Schlange hörte, wurde sie versucht. Gottes Warnung vor dem Essen hatte keinen Appetit oder Wunsch nach dem Baume in ihr geweckt, aber die falsche Schilderung der Schlange hinsichtlich der Folgen des Essens von diesem Baume im Widerspruch mit Gottes Verbot und Warnung weckte ein unrechtes Verlangen in ihr. Dies war es, was sich für sie zur Versuchung auswirkte, wie Jakobus es oben sagt. Weil sie diesen Wunsch nicht als etwas Unrechtes und als etwas, was gegen Gott war, aus dem Sinn schlug, sondern unterhielt, liess sie sich durch die Versuchung in Sünde hineinziehen und betrügen. — 1. Mose 3:1-7; 2. Kor. 11:3.

      16. Warum unterwirft uns Gott der Prüfung, doch wie kommen wir in Versuchung hinein?

      16 Indes unterwirft uns Gott der Prüfung oder stellt uns auf die Probe, nicht um unsern Sturz herbeizuführen, sondern um zu beweisen, was wir sind, um das, was wir sind, ans Licht treten zu lassen. Er versucht uns nicht mit Üblem zur Bosheit, sondern wir selbst schaffen uns unter dem Einfluss Satans die Versuchung durch den Gedanken, wie schön es wäre, etwas zu tun oder zu haben, was mit Gottes Willen in Widerspruch ist, und dadurch, dass wir uns dann den durch solch unrechtes Denken erweckten Wunsch nicht aus dem Sinne schlagen, sondern ihn mehr und mehr nähren. Auf diese Weise werden wir fortgezogen und so weit weggelockt, dass wir Gottes Rat und Warnung ausser acht lassen. Wir kommen in die Versuchung hinein.

      17. Weshalb führte Gott Israel in die Wüste, doch in was verwandelten sie den Anlass?

      17 Jehova führte die Israeliten in die Wüste, um sie zu „prüfen“, um zu erkennen, was in ihren Herzen war, nicht aber, um sie zu Fall zu bringen. Nein; denn er führte sie heraus aus der Vielgötterei ihrer Umgebung in Ägypten und auch von den götzendienerischen Kanaanitern hinweg, und unter diesen Umständen hätte es für sie leichter sein sollen, den rechten Weg zu gehen, da er ihnen ein Zeugnis von seiner Souveränität gegeben hatte. Sie konnten nun ihre Aufrichtigkeit und ihren Ernst gut offenbaren, indem sie Jehova anbeteten und ihm gehorchten. Aber diese Gelegenheit, die reine Anbetung zu pflegen, verwandelten sie in einen „Tag der Versuchung [Gottes] in der Wüste“, indem sie ihn auf die Probe stellten. Sie suchten ihn zu veranlassen, in bezug auf seine Grundsätze der Gerechtigkeit Kompromisse einzugehen und sich nicht an sein gesprochenes Wort und seinen Gesetzesbund mit ihnen zu halten, noch seine Strafen durchzusetzen. So wurden Tausende von ihnen in der Wüste niedergestreckt, weil sie den Versuchungen nachgaben, die sie sich schufen, indem sie zuliessen, dass selbstische Wünsche in ihnen aufkamen, und indem sie dann diesen Wünschen nachgaben und wider Jehova Gott rebellierten. — 5. Mose 8:2, 16; Ps. 95:8; Heb. 3:7-9; 1. Kor. 10:9, NW.

      18. Was beweist Gott, indem er uns prüft, wie im Falle Abrahams und Hiobs?

      18 Durch die Prüfung beweist Gott, was wir sind. (Joh. 6:6) Dies tut er nicht wie Jesu Feinde, die ihn versuchten, um womöglich seinen Fall herbeizuführen, indem sie ihn zu einem Kompromiss zwingen wollten, damit er der Kritik, den Schwierigkeiten und der Schädigung entgehe. (Matth. 22:18, 35; 16:1; 19:3) Als Jehova Abraham auf die Probe stellte, da prüfte er seinen Glauben und gebrauchte ihn nicht für einen üblen Zweck, sondern um ein wunderbares prophetisches Drama zu schaffen, indem er ihn seinen geliebten Knaben Isaak opfern liess. Gott bat Abraham nicht um etwas, was Er selbst nicht getan hätte, denn Abraham stellte hier Jehova Gott dar. In der grossen Prüfung hinsichtlich der Tiefe der Liebe Gottes zur Menschheit erwies Gott sich selbst als weitherzig genug, seinen einziggezeugten Sohn Jesus Christus zu opfern. (Joh. 3:16; Heb. 11:17-19, NW) Um Satans falsche Anklage wider Hiob zurückzuschlagen, liess Gott Hiob prüfen und bewies Hiobs Loyalität. Ebenso lässt er Hiobs Gegenstück, die Hiobklasse, die besonders mit Jesus ihren Anfang nahm, prüfen und ihre Loyalität und ihre Würdigkeit auf Gottes Lohn beweisen. — Jak. 5:10, 11, NW.

      19. Was tut Gott für uns im voraus, wodurch er uns nicht in Versuchung hineinbringt?

      19 Wie kommt es denn, dass Gott uns in Erhörung unseres Gebetes nicht in Versuchung hineinbringt? Erstens tut Gott dies, indem er uns stärkt, der Prüfung standzuhalten, die er über uns kommen lässt, und auch indem er uns zum voraus davor warnt. Ehe der himmlische Vater zuliess, dass Jesus vom Geist in die Wüste getrieben wurde, damit er von Satan versucht werde, erfüllte er den Sohn mit dem heiligen Geist und tat seinem Blick auch die Himmel auf. Zudem anerkannte er ihn hörbar als seinen gebilligten Sohn. (Matth. 3:13-17) Gott lässt nicht zu, dass wir uns durch Unwissenheit unschuldigerweise selbst Versuchungen bereiten wie in jenem Fall, da sein Diener Paulus verheiratete Ehepaare warnte. Sie hatten es gut gemeint, dass sie keinen Geschlechtsverkehr pflegten, aber Paulus gab ihnen einen andern Rat, „damit Satan euch nicht beständig versuche [zum Ehebruch] wegen eures Mangels an selbstgeregeltem Verhalten“. Paulus warnt, dass Christen, die im Widerspruch zum Rate der Schrift entschlossen sind, reich zu werden, „in Versuchung und in eine Schlinge und in viele sinnlose und schädliche Begierden [fallen], welche die Menschen in Verderben und Ruin stürzen. Denn die Geldliebe ist eine Wurzel aller Arten schädlicher Dinge“. (1. Kor. 7:1-5 und 1. Tim. 6:9, 10, NW) Auch Jesus warnte vor der verführerischen Macht des Reichtums. (Matth. 13:22, NW) So lässt uns Gott denn nicht unwissend über den Ursprung der Versuchungen. Um einen Christen-Neuling vor den eigenen Schwachheiten zu schützen, wies der Apostel Paulus an, dass kein Neubekehrter zum Aufseher einer Versammlung gemacht werden solle. Weshalb nicht? „Aus Furcht, er könnte aufgeblasen werden vor Stolz und unter das Gerichtsurteil kommen, das über den Teufel gefällt ist.“ — 1. Tim. 3:2, 6, NW.

      20. Welch ähnliche Warnungen wurden im voraus durch andere erteilt, und wie hat Gott uns vor der Stunde der Versuchung bewahrt, die über die Welt gekommen ist?

      20 Jesus verlieh seinen Jüngern einen Schutz vor der Versuchung, indem er sie zum voraus vor den ernsten Prüfungen, die ihnen bevorstanden, warnte. Auf diese Weise sollten sie nicht daran Anstoss nehmen. Sein Apostel Petrus sagte den Christen, dass sie die feurigen Prüfungen, die über sie kommen würden, nicht als etwas Befremdendes, Ungewöhnliches betrachten sollten. Statt überrascht, verletzt und beleidigt zu sein, sollten sie frohlocken über diese Gelegenheiten, ihren Glauben und ihre Ergebenheit zu beweisen. Paulus heisst uns auch auf der Wacht sein vor gerade solchen Prüfungen, wie sie in der Wüste über die Israeliten kamen, vor Versuchungen, die ‚allgemein menschlich‘ sind. (Joh. 16:1-4; 1. Pet. 4:12, 13; 1. Kor. 10:6-13) So bewahrt Gott uns denn davor, zusammen mit der Welt versucht zu werden, indem er uns vor dem warnt, was die Dinge in Wirklichkeit sind, und indem er uns die Augen des Verständnisses öffnet, damit wir nicht mit der Welt getäuscht und so mit ihr zusammen in die Versuchung hineingezogen werden. Auf diese Weise hält er uns von der Versuchung fern, die jetzt über die ganze Welt gekommen ist, wie er uns dies durch Christus vorausgesagt hat. (Off. 3:10; 2. Pet. 2:9) Der geistliche Tisch, den er vor uns ausbreitet, wird uns nicht zur Schlinge, nur weil auf diesem Tisch Dinge dargereicht werden, die in Widerspruch sind mit dem, was die Welt erwartet oder liebt. Auch ist Gottes Sohn als König der neuen Welt für uns keine Ursache zum Straucheln, sondern ist für uns etwas Kostbares, ist ein kostbarer, in Zion, der Hauptorganisation Gottes, gelegter Stein. Dieser kostbare König ist unser Hoherpriester bei Gott. Er wurde geprüft, so wie wir geprüft werden, und so kann er Mitgefühl mit uns haben und uns beistehen. — Röm. 11:9; 9:32, 33; 1. Pet. 2:7, 8; Heb. 2:18; 4:15.

      IN SIE HINEINKOMMEN

      21. Wie warnt Gott davor, dass wir uns selbst Versuchungen zufolge von Prahlerei und Kritisieren bereiten?

      21 Gott warnt uns davor, uns selbst Versuchungen zu bereiten, indem wir im Eigendünkel prahlen und andere erbarmungslos in bezug auf Punkte kritisieren, in denen wir selbst, ohne uns dessen bewusst zu sein, schwach oder verwundbar sind. Wenn wir voll Selbstvertrauen prahlen, ist es angebracht, dass wir in diesem besonderen Punkt auf die Probe gestellt werden. Da, wo wir in Selbstgerechtigkeit andere kritisieren, ist es am Platz, dass wir geprüft werden, damit kund werde, ob unsere Kritik gerechtfertigt sei oder nicht. In der Nacht, da Jesus verraten wurde, brüstete sich Petrus wider seine Mitapostel und geriet in die Lage, wo er Jesus, seinen Meister, dreimal verleugnete. Jesu Gebete, die besonders für Petrus dargebracht wurden, halfen mit, dass er davor bewahrt wurde, den Glauben vollends zu verlieren. Jesus brachte seine Jünger in jener Nacht nicht in Versuchung hinein, indem er sie in den Garten Gethsemane führte, sondern warnte sie davor, in Versuchung zu geraten durch ein Verfehlen, wach zu bleiben und so zu beten, wie er es tat. Er bezeichnete den Lauf, welcher die Versuchung überwinden oder ihr entgegenwirken und die Jünger befähigen würde, den Beweis ihrer Loyalität durch ihr Ausharren zu erbringen. — Matth. 26:33-35, 40-45; Gal. 6:1.

      22. Wie kommt es, dass Gott, da er ein Vater ist, uns nicht in Versuchung hineinbringt?

      22 Aus diesem geht klar hervor, dass Gott ‚uns nicht in Versuchung hineinbringt‘. Er unterwirft uns der Prüfung, indem er uns züchtigt, doch züchtigt er uns nicht bis zu dem Punkt, wo es zu schwer wäre, sie zu ertragen, und wo wir zusammenbrechen und der Versuchung erliegen würden. ‚Wie ein Mann seinen Sohn züchtigt, züchtigt dich Jehova, dein Gott.‘ (5. Mose 8:5) Ein Vater, der seinen Sohn liebt, wird die Züchtigung nicht zu weit treiben, nämlich so weit, dass der Sohn sie nicht zu tragen vermag. Er wird ihm nur so viel auferlegen, als er auf einmal ertragen kann. Ebenso unser himmlischer Vater. Er stärkt uns für die Prüfung, damit wir sie mit Erfolg bestehen können.

      23. Wie können wir uns selbst für die Prüfung schwächen, und weshalb brachte daher Jesus seine Jünger nicht in Versuchung hinein, indem er sie nach Gethsemane mitnahm?

      23 Wir können uns aber für die Prüfung selbst schwächen durch Mangel an Wachsamkeit und gebetsvoller Vorbereitung, durch Unachtsamkeit und indem wir Gottes Anweisungen und Rat ausser acht lassen, so dass wir in unserer Prüfung in die Versuchung geraten, Sünde zu tun, ja ihr erliegen zufolge einer Begierde, die wir im Widerspruch mit Gottes Willen gepflegt haben. So lassen wir zu, dass sie für uns zu einer Erfahrung wird, die uns zum geistigen Schaden gereicht, statt dass es eine Erfahrung des Sieges für uns werde, wodurch wir in unserer Stärke in Gott auferbaut werden, wodurch die ‚erprobte Eigenschaft unseres Glaubens‘ gestärkt wird und wodurch wir Gottes Anerkennung gewinnen. Wir sollten stets an Jesu Warnung denken: „Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.“ (Mark. 14:38, NW; Luk. 22:40, 46) Ehe die Jünger nach Gethsemane gingen, hatte Jesus sie gewarnt, dass sich die angeführte Prophezeiung erfüllen müsse. Folglich wurde ihnen die Erfüllung der Prophezeiung nicht gegen ihren Willen aufgezwungen. Sie erfüllte sich, weil ihr Fleisch schwach war und sie ihren willigen Geist nicht durch Wachbleiben und Beten gestärkt hatten. Sie machten sich die göttliche Hilfe, deren sie bedurften, nicht zunutze. Demzufolge gelangten sie wegen des selbstischen Wunsches, ihren eigenen Hals zu retten, in Versuchung hinein, und sie flohen und verliessen Jesus, ja Petrus ging noch weiter und verleugnete ihn dreimal.

      24. Wie wird gezeigt, dass nicht Gott es war, der sie in Gethsemane in Versuchung hineinbrachte?

      24 Nicht Gott war es gewesen, der sie in diese Versuchung hineinbrachte, um seine eigene Prophezeiung zu erfüllen, denn Gottes Sohn Jesus bestand die Prüfung und bat, dass seine Jünger unbelästigt bleiben möchten. Weil sie verfehlten, auf Jesus achtzugeben und zu wachen, zu beten und seinem mutigen, selbstaufopfernden Beispiel zu folgen, kamen sie in die Versuchung hinein. Da Jesus die Prüfung bestand, hatte Gott die Apostel nicht in die Versuchung hineingebracht, indem er sie durch eine grössere Prüfung gehen liess, als sie bestehen konnten. Die Tatsache, dass Jesus durch Gottes Macht standhaft blieb, hätte sie fest und standhaft machen und ihnen eine Hilfe sein sollen. Satan war es, der ‚die Apostel sichtete wie Weizen‘, indem er sie zerstreute, weil sie den Tod mit ihrem Meister fürchteten. (Luk. 22:31-34; Amos 9:9, 10; Ps. 59:11; Jes. 30:28) Der Umstand, dass Gott sie nicht in diese Versuchung hineinbrachte, sondern dass sie sich diese selbst bereiteten, zeigt sich darin, dass sie später in Gott die Kraft fanden, sich der Verhaftung um Jesu willen auszusetzen, um ins Gefängnis geworfen und zur Hinrichtung festgehalten zu werden. So hätten sie denn mit Jehovas Hilfe auch die Prüfung in Gethsemane ertragen können. Daraus folgt, dass der himmlische Vater sie wohl in die Prüfung in Gethsemane, nicht aber in Versuchung hineinbrachte.

      25. Wenn wir also beten, dass wir nicht in Versuchung hineingebracht werden möchten, so bitten wir den himmlischen Vater worum? Welche Gewähr haben wir diesbezüglich?

      25 Indem wir also unserer Schwachheit und unserer beschränkten Fähigkeiten eingedenk sind, bitten wir im Gebet des Herrn den himmlischen Vater, dass er uns nicht mehr prüfen und züchtigen möchte, als ein irdischer Vater dies mit seinem Kinde tut. Ist dies nicht ein rechtes Gebet für ein Kind zu seinem Vater? Wir besitzen Gottes geschriebene Gewähr dafür, dass er dies nicht tun wird. „Denn er kennt unser Gebilde, ist eingedenk, dass wir Staub sind. Wie ein Vater sich über die Kinder erbarmt, so erbarmt sich Jehova über die, welche ihn fürchten.“ Und er sagt: „Und sie werden mir, spricht Jehova der Heerscharen, zum Eigentum sein an dem Tage, den ich machen werde; und ich werde ihrer schonen, wie ein Mann seines Sohnes schont, der ihm dient.“ (Ps. 103:13, 14 und Mal. 3:17) Diesen Gedanken unterstützend, rechtfertigt der Apostel Paulus Gott und reinigt ihn von irgendeiner Anklage, uns in Versuchung hinein zu bringen, mit den Worten: „Wer denkt, er habe einen festen Stand, sehe zu, dass er nicht falle. Keine Versuchung hat euch erfasst, als nur eine allgemein menschliche [wie jene Israeliten in der Wüste]. Gott aber ist treu, und er wird nicht zulassen, dass ihr über das hinaus versucht werdet, was ihr zu ertragen vermögt, sondern mit der Versuchung wird er auch den Ausgang schaffen, damit ihr sie ertragen könnt.“· — 1. Kor. 10:12, 13, NW.

      BEFREIUNG VON DEM BÖSEN

      26. Mit welcher Bitte schliesst das Gebet, und warum passenderweise?

      26 Würde da, wo sich ein Kind in der Prüfung als loyal erweist, ein liebender irdischer Vater das Kind nicht aus der Hand eines bösen Angreifers und Bedrückers retten? Sicherlich, und das wird auch der himmlische Vater tun. In passender Weise schloss also Jesus darauf das Mustergebet mit der Bitte: „Und bringe uns nicht in Versuchung hinein, sondern befreie uns von dem Bösen.“ (Matth. 6:13, NW) Und was für Befreiungen hat doch Gott seit der Aufrichtung seines Königreiches im Jahre 1914 bewirkt! Es ist, wie wenn er das Gebet aus alter Zeit erhörte: „Gebiete die Befreiungen für Jakob!“ Er ist ein grosser Befreier. — Ps. 44:4-8, KJ; 2. Kor. 1:10; 2. Tim. 3:11; 4:17, 18.

      27. Für welche Klassen hat Gott seit 1919 eine Befreiung herbeigeführt?

      27 Seit 1919 n. Chr. hat Gott den Überrest seiner Königreichserben auf Erden vom grossen mystischen Babylon, von der Welt Satans, befreit. Er hat seinen Sohn Jesus Christus an den Platz der Macht im himmlischen Zion gesandt, damit er in ihrem Interesse als Befreier amte und alle Ungöttlichkeit des mystischen Babylons von ihnen abwende und sie von ihren Ängsten befreie. Diese Befreiung hat er in Erfüllung der Prophezeiung herbeigeführt: „Alle Enden der Erde sehen die Rettung unseres Gottes“, denn auf der ganzen Erde sind seine Überrestglieder als seine freigemachten Diener und Zeugen tätig; und sie tun ihr Freisein von Babylon kund. (Jes. 59:18, 19; 52:1, 2, 10-14; Röm. 11:26) Folglich werden alle Menschen guten Willens in allen Nationen die Rettung und Befreiung sehen, die Jehova Gott für seinen Überrest gewirkt hat, und der Weg wird ihnen gezeigt, wie auch sie von Babylon befreit werden können. So führt denn Gott, der Allmächtige, die Befreiung dieser grossen Menge „anderer Schafe“ herbei, gleichwie er vor langem Lot aus dem zum Untergang verurteilten Sodom befreite. — 2. Pet. 2:7, 9.

      28. Von welcher göttlichen Vorkehrung müssen wir zu unserm Schutz und Sieg, angesichts all der unheilvollen Merkmale der jetzigen Sachlage, Gebrauch machen?

      28 Mittlerweile müssen wir die volle Waffenrüstung Gottes anlegen und darin feststehen und im Gebet verharren. Indem wir dies tun, bewahren wir uns davor, dass der Böse, Satan, der Teufel, sich unser bemächtige, wiewohl wir in der Welt sind, die in der Gewalt dieses Bösen liegt. (1. Joh. 5:18, 19, NW) Wir wissen, die Tage sind böse, und es wurde vorausgesagt, dass böse Menschen und Betrüger vom Schlechten zum Schlimmeren fortschreiten würden, und dass sie in diesen letzten Tagen ihr Schlimmstes erreicht haben. Wenn wir somit dem Ansturm des Bösen und seiner Dämonen an diesem bösen Tage zu widerstehen hoffen, müssen wir die volle Waffenrüstung Gottes anziehen. Mit seinem Schild des Glaubens können wir „alle brennenden Geschosse des Bösen auslöschen“ und so die Prüfung unseres Glaubens bestehen: „dies ist der Sieg, der die Welt besiegt hat, unser Glaube.“ — Eph. 5:15; 6:11-18, NW; 1. Pet. 1:6, 7; 1. Joh. 5:4, NW.

      29. Was wird Gott tun, wenn wir so unser Teil tun?

      29 Wenn wir so unser Teil tun, wird Gott treulich das Seinige zu unserer Befreiung tun, wie geschrieben steht: „Der Glaube ist nicht ein Besitztum aller Menschen. Aber der Herr ist treu, und er wird euch fest machen und euch vor dem Bösen bewahren. Möge der Herr weiterhin eure Herzen erfolgreich zu der Liebe Gottes hinlenken und zu dem Ausharren für den Christus.“ — 2. Thess. 3:2, 3, 5, NW.

      30, 31. Was aber bedeutet die Erhörung der Bitte um Befreiung jetzt, und wie schliesst das Gebet ab?

      30 Für uns, die wir in der „Zeit des Endes“ dieser Welt leben, bedeutet die Erhörung unseres Gebetes „Befreie uns von dem Bösen“ durch unsern himmlischen Vater mehr als nur ein Bewahren vor Satans Macht und ein Erretten aus seiner mächtigen Organisation, während er ihn und seine Organisation noch bestehen liesse. Die jetzige Erhörung dieses Gebetes bedeutet ein Befreien dadurch, dass er uns in dieser Zeit des Endes vor den Schlussangriffen Satans, des Bösen, bewahrt und ihn mit seiner ganzen Organisation vernichtet, während wir das Ende seiner Welt überleben. Dieses Erretten oder Befreien bewirkt unser Vater mittels seines Königreiches, worum wir beten, indem wir die Bitte aussprechen, dass es wider Satans Organisation komme und sie vernichte. Somit soll hier auf Erden, auf welche Satan mit seinen Dämonen nun beschränkt ist, Gottes Wille geschehen, und nachdem jene bösen Geister in Harmagedon in den Abgrund geworfen sind, werden sie während der tausend Jahre des Königreiches Christi niemand mehr auf Erden belästigen.

      31 So schliesst denn das Gebet des Herrn mit einer Note des Triumphs und im vollen Vertrauen auf den Sieg Jehovas. Es nähert sich nun der völligen Erhörung.

  • Bekanntmachungen
    Der Wachtturm 1951 | 15. Oktober
    • Bekanntmachungen

      MANNIGFALTIG FRUCHT TRAGEN VOM RECHTEN BODEN

      Bist du einer von denen, die Jesus in dem Bilde vom Säemann erwähnt, der Frucht in Fülle hervorbringt? Wenn ja, so bedeutet dies für dich Leben in der neuen Welt. Der Same, Gottes Wort der Wahrheit, der in ein gutes Herz gesät wird, ist wie ein Same, der in guten Boden gesät ist, wie geschrieben steht: „Der auf die rechte Art von Boden Gesäte ist dieser, der das Wort hört und den Sinn davon erfaßt und wirklich Frucht trägt und hervorbringt, dieser hundert-, jener sechzig-, der andere dreißigfältig.“ (Matth. 13:23, NW) Die diesen Samen empfangen und ihn auf rechte Weise gebrauchen, breiten das lebengebende Wort aus. Diesem Werk des Pflanzens des Samens und Pflegens des Bodens widmen sich Jehovas Zeugen, und während des Monats November werden sie Samen pflanzen, indem sie jedermann „Gott bleibt wahrhaftig“ und Kannst du ewig in Glück auf Erden leben? gegen einen Beitrag von DM 2.— anbieten. Indem du dich an dieser Tätigkeit beteiligst, kannst du daran teilhaben, mannigfaltig Frucht zu tragen. Warum nicht an uns schreiben oder die Versammlungen der Zeugen Jehovas in deiner Umgebung besuchen und lernen, wie du in diesem fruchtbringenden Werk des Predigens seines Wortes und Königreiches mitmachen kannst?

      EUREN „WACHTTURM“ AUFBEWAHREN

      Warum nicht eure Exemplare des Wachtturms behalten und klassieren, nachdem ihr sie gelesen habt, damit während des Jahres eure Bibliothek vollständig sei und ihr die vielen wichtigen Schrifttexte nachschlagen könnt, die im Wachtturm das Jahr hindurch erörtert werden? Ihr hättet dadurch eine ausgezeichnete Bibelstudienhilfe, für die ihr im Wachtturm vom 15. Dezember des betreffenden Jahres ein vollständiges und handliches Verzeichnis aller behandelten Themen und Schrifttexte findet. Dies würde sich als eine wertvolle Aufschlußquelle erweisen, nicht nur zur Schriftforschung, sondern auch vorzüglich zur Beantwortung biblischer Fragen.

      „WACHTTURM“-STUDIEN

      Woche vom 11. November: Das Gebet des Herrn der völligen Erhörung nahe; ferner: „Dein Königreich komme“, Abschn. 1-3.

      Woche vom 18. November: „Dein Königreich komme“, Abschn. 4-11; ferner: Tägliches Brot, Vergebung und Befreiung, Abschn. 1-13.

      Woche vom 25. November: Tägliches Brot, Vergebung und Befreiung, Abschn. 14-31.

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen