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Hamans „Hochmut geht der Vernichtung voraus“Der Wachtturm 1950 | 1. Oktober
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damit begnügen wollte, nur Mordokai zu vernichten: „Aber es war in seinen Augen verächtlich, die Hand an Mordokai allein zu legen; denn man hatte ihm das Volk Mordokais kundgetan. Und Haman suchte alle Juden, die im ganzen Königreiche des Ahasveros (Xerxes, Eine Amerik. Übers.) waren, das Volk Mordokais, zu vertilgen.“ — Esther 3:1-6.
Natürlich konnte Haman einen solch ehrgeizigen Mordplan nicht ohne offizielle Sanktion und Mitwirkung ausführen, noch durfte er seinen eigenen kleinlichen, persönlichen Beweggrund zu dieser boshaften Tat offenbaren. Da er ein abergläubischer Heide war, suchte er zuerst die Mitwirkung seiner Götter, indem er Lose werfen liess, um die günstigste Zeit zur Durchführung seiner mörderischen Verschwörung zu ermitteln. Dann trat er mit folgender Geschichte vor den König:
„Da ist ein Volk, zerstreut und abgesondert unter den Völkern in allen Landschaften deines Königreiches, und ihre Gesetze sind von denen jedes anderen Volkes verschieden, und die Gesetze des Königs tun sie nicht; und es ist für den König nicht geziemend, sie gewähren zu lassen. Wenn es den König gut dünkt, so werde geschrieben, dass man sie umbringe; und ich will zehntausend Talente Silber [$ 18 000 000, ein Talent zu $ 1800] . . . in die Schatzkammern des Königs bringen.“ Welch grossartige, patriotische, selbstlose Geste! Ahnungslos anerkannte sie König Xerxes einfach als das, was sie, oberflächlich gesehen, zu sein schien, und ermächtigte so Haman, gegen die Juden vorzugehen, „wie es gut ist in deinen Augen“. — Esther 3:7-11.
Briefe, die Haman diktiert und mit dem Siegel des Königs versehen hatte, wurden dann am 13. Tage des ersten Monats (Nisan) an alle Provinzen in den bezüglichen Sprachen ausgesandt, „um alle Juden zu vertilgen, zu ermorden und umzubringen, vom Knaben bis zum Greise, Kinder und Weiber, an einem Tage, am dreizehnten des zwölften Monats, . . . und um ihre Habe zu plündern“. Dann setzten sich der König und Haman, um Wein zu trinken und einander über die Aussicht zu beglückwünschen. — Esther 3:12-15.
Nicht lange danach erhielt Haman die Einladung, einem königlichen Bankett beizuwohnen, das Königin Esther für ihn und den König bereiten liess, und danach ging „Haman an selbigem Tage hinaus, fröhlich und gutes Mutes. Als aber Haman den Mordokai im Tore des Königs sah, und dass er weder aufstand, noch sich vor ihm rührte, da ward Haman voll Grimmes über Mordokai“. Als er heimkam, erzählte er seinem Weib und seinen Freunden „von der Herrlichkeit seines Reichtums und von der Menge seiner Söhne; und alles, wie der König ihn gross gemacht, und wie er ihn erhoben habe über die Fürsten und Knechte des Königs . . . Auch hat die Königin Esther niemand mit dem König zu dem Mahle kommen lassen, das sie bereitet hatte, als nur mich; und auch auf morgen bin ich mit dem König von ihr geladen. Aber dieses alles gilt mir nichts, solange ich Mordokai, den Juden, im Tore des Königs sitzen sehe.“ (Esther 5:5-13) Jawohl, Haman war ein grosser Mann in seinen eigenen Augen; doch wie wenig ahnte er, weshalb ihn die Königin eingeladen hatte!
Hamans Weib und Freunde hetzten ihn auf, einen fünfundsiebzig Fuss hohen Galgen errichten und Mordokai daran hängen zu lassen. Dies passte seiner Eitelkeit und Bosheit, und so liess er ihn sogleich errichten und eilte dann zum König, um die Erlaubnis zu holen, Mordokai daran zu hängen. Aber der König hatte andere Pläne für Mordokai. Während einer schlaflosen Nacht hatte er Gelegenheit, zu erfahren, dass dieser vertraute Diener einen Mordanschlag aufgedeckt hatte und nicht dafür belohnt worden war. Als der König seinen Grosswesir Haman im äusseren Hofe stehen sieht, heisst er ihn eintreten und stellt ihm dann die Frage: „Was ist dem Manne zu tun, an dessen Ehre der König Gefallen hat?“ Der eingebildete Haman dachte natürlich: ‚Wen wird der König wohl mehr ehren wollen als mich, und wie möchte ich geehrt werden? Hm! Ah!‘ Über diese Aussicht sich bildlich die Hände reibend, drückte er seine Empfindungen wie folgt aus: „Der Mann, an dessen Ehre der König Gefallen hat — man bringe ein königliches Kleid, womit der König sich bekleidet [nur das Beste für Haman], und das Ross, auf welchem der König reitet [kein gewöhnliches Ross hätte genügt], und auf dessen Kopf die königliche Krone gesetzt wird [wie gern wäre Haman selbst König gewesen!]; und man übergebe das Kleid und das Ross den Händen eines der vornehmsten Fürsten des Königs [bloss ein Lakai oder Portier hätte nicht genügt]; und man bekleide den Mann, an dessen Ehre der König Gefallen hat, und man lasse ihn auf dem Rosse durch die Strassen der Stadt reiten und rufe vor ihm her: Also wird dem Manne getan, an dessen Ehre der König Gefallen hat!“ Haman sah schon, wie er durch die Strassen der Hauptstadt ritt und konnte kaum warten, bis der König ihm sagte, er sei der so zu ehrende Mann. Man stelle sich vor, wie sein hochmütiger Geist dann erniedrigt wurde, als der König ihm, als „einem der vornehmsten Fürsten“, gebot, diese bezeichnende Ehre seinem schlimmsten Feinde, diesem Mordokai, zu erweisen! Jener, für den der Galgen schon gebaut worden war, war in der Tat gerade zu dieser Zeit zum König gekommen, um Erlaubnis zu erlangen, Mordokai zu hängen. — Esther 5:14; 6:1-11.
Hätte Haman gewusst, was weiter seiner wartete, so hätte er sich diese Demütigung wohl erspart, aber da er keine Ahnung davon hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als dem Befehl des Königs zu gehorchen. Als er bekümmert und niedergeschlagen heimkam, erhielt er wenig Trost von denen, die ihn beeinflusst hatten, nur wenige Stunden zuvor den Galgen zu bauen. Nun sagten sie: „Wenn Mordokai . . . vom Samen [Geschlecht] der Juden ist, so wirst du . . . gewisslich vor ihm fallen.“ Und während sie noch redeten, traf der Bote des Königs ein, um Haman schleunigst zum Bankett zu rufen, das Königin Esther für ihn und den König bereitet hatte. — Esther 6:12-14, Fussnote.
Man stelle sich die Szene vor: König Xerxes, der mächtige Weltherrscher, dessen Laune schon Gesetz war; Königin Esther, die lieblichste Frau des ganzen Reiches, in ihre schönsten Gewänder gehüllt, und der schweifwedelnde Haman, eitel, stolz und mit einem Herz voller Bosheit — die sich alle eines verschwenderischen Banketts erfreuten, wo Wein in Fülle fliesst. Wiederum fragt der König seine Königin um ihre Bitte. Man beachte den Ausdruck auf dem Gesicht Hamans, als er überrascht hört, wie die Königin über seinen Anschlag zur Vernichtung der Juden spricht und erfährt, dass sie Jüdin ist; man sieht ihn vor Furcht und Schuldbewusstsein erblassen, während der König in grossem Zorne fragt: „Wer ist der, und wo ist der, welchen sein Herz erfüllt hat, also zu tun?“ und darauf antwortet Esther, indem sie auf Haman hinweist: „Der Bedränger und Feind ist dieser böse Haman!“ — Esther 7:3-6.
Erschreckt bittet Haman bei Esther für sein Leben und sinkt dabei auf ihr Polster. Der König, der im Grimm in den Garten hinausgegangen war, sieht bei seiner Rückkehr Haman auf dem Polster bei Esther. Er fragt: „Will er gar der Königin Gewalt antun bei mir im Hause?“ Darauf verhüllen seine Diener das Gesicht Hamans (wie das bei verurteilten Verbrechern getan wurde). Nachdem dem König gesagt worden war, Haman habe einen 75 Fuss hohen Galgen für Mordokai errichtet, befahl der König, Haman daran zu hängen. „Und man hängte Haman an den Baum (Galgen, Schlachter), welchen er für Mordokai bereitet hatte. Und der Grimm des Königs legte sich.“ — Esther 7:7-10.
Hochmut hatte Haman zu seinem Sturz und zur schändlichen Vernichtung geführt, und nicht nur zu seinem eigenen Ende, sondern durch einen nachfolgenden Erlass, der dem von ihm inszenierten Erlass entgegenwirken sollte, auch zum Sturz und zur Vernichtung von etwa 75 000 Feinden der Juden, welche Feinde teilhatten an seiner Bosheit gegen die Juden oder durch ihre Vernichtung zu profitieren suchten. Seine eigenen zehn Söhne wurden an den Galgen gehängt und sein Besitztum an Esther und von ihr an Mordokai überwiesen. Es war nicht Gottes Wille, dass sein vorbildliches Namenvolk, die Juden, ausgerottet wurden, und daher manövrierte er die Sache so, dass jene umkamen, die sie vernichten wollten. Die Aufzeichnungen lassen darüber keinen Zweifel, auch wenn darin irgendwelche direkte Hinweise auf Gott fehlen.
Hamans Ende bildet eine kraftvolle Warnung für alle stolzen Feinde des Volkes Gottes vor dem Geschick, das ihrer wartet, wenn sie in ihrem boshaften Laufe verharren. In der Neuzeit mag ein gewisser Hitler als stolzer Fürst erwähnt werden, der die Vernichtung des gesamten Volkes Jehovas herbeizuführen suchte, weil es sich weigerte, ihm „Heil“ zuzurufen, und der selbst Verderben erlitt. Indes wäre es ein Fehler, anzunehmen, dieses prophetische Drama beziehe sich besonders auf ihn. Vielmehr scheint die vollständige Erfüllung dieses Dramas noch in der Zukunft zu liegen, indem es folgenden prophetischen Sinn hat:
Die Tatsache, dass Xerxes (Ahasveros) manchmal zum Schaden und dann wieder zum Guten des Volkes Gottes beeinflusst wurde, dürfte anzeigen, dass er Königsmacht in abstraktem Sinn darstellt, indem er entweder die „Obrigkeitlichen Gewalten“, Jehova Gott und Christus Jesus, oder den „Gott dieser Welt“, Satan den Teufel, vertrat, je nachdem er beeinflusst wurde. — Röm. 13:1-4; 2. Kor. 4:4.
Vasti, die eigenwillige Königin, die abgesetzt wurde, findet eine Parallele in denen, die voraussichtliche Glieder der Braut Christi waren und zufolge eines falschen Laufes verworfen wurden. — Matth. 13:41.
Mordokai und Esther sind ein treffendes Bild von Gottes gesalbten Knechten in der Gegenwart: Mordokai stellt sie besonders als den „treuen und weisen Knecht“ dar und Esther als die Glieder der Braut Christi. (Matth. 24:45-47; 2. Kor. 11:2) Die Juden überall in den Provinzen dürften ebenfalls diese darstellen, jedoch vom Standpunkte der geistlichen Israeliten aus, die in der ganzen Welt zerstreut sind. Jene, die Juden wurden, dürften die Menschen guten Willens darstellen, die zu Lobpreisern Jehovas werden und sich mit den geistlichen Juden verbinden.
Haman schattete die stolze, selbsterhöhte Religionsgeistlichkeit vor, die gegen Jehovas wahre Knechte Bosheit hegt und sie vernichten möchte, indem sie sie des Aufruhrs anklagt, Pöbelrotten wider sie aufhetzt usw. Aus dem prophetischen Drama Esthers zeigt sich, dass — während Bemühungen im Gange sind, Jehovas Volk zu verderben — ihr Gott sie bewahren und ihnen gestatten wird, die Erniedrigung und Vernichtung ihrer Feinde mit anzusehen.
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Erfahrungen aus dem FeldeDer Wachtturm 1950 | 1. Oktober
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Erfahrungen aus dem Felde
TROTZ KÖRPERLICHER BEHINDERUNG PREDIGEN
Während wir in Pasadena, Kalifornien, im gruppenweisen Zeugnisgeben wirkten und sehr wenig Interesse fanden, kam ich zu einem Eckhaus. Eine „bockige“ Frau an der Türe hatte mehr Interesse an ihrem religiösen Futter als am Brot des Lebens. So begab ich mich in ein kleines Hinterhaus, und auf mein Klopfen antwortete eine Stimme: „Herein!“ Als ich eintrat, sah ich einen Mann in einem Fahrstuhl sitzen, seine Arme nicht länger als 30 cm, Hände hatte er keine! Seine Kniegelenke sind oben an seinen Hüften, und seine Beine sind ganz kurz, und er kann natürlich nicht gehen. Er ist so zur Welt gekommen. Er hat die Königreichsbotschaft sogleich als die Wahrheit erkannt, hat drei gebundene Bücher abgenommen und später ein Abonnement auf den Wachtturm und Erwachet! bestellt. Er hatte schon zuvor von J. F. Rutherford, einem früheren Präsidenten der Watchtower Society, gehört. Ich begann ein Heimbibelstudium mit ihm. Er bringt sich selbst durch, ist Radioansager, und gibt Bücher an Personen in Hollywood ab, die zu erreichen für andere schwierig wäre. Er ist jetzt ein Verkündiger, wirkt im Durchschnitt fünfzehn Stunden im Monat, macht Nachbesuche und hält Bibelstudien ab. Sein Bruder sorgt für ihn, und beide besuchen die Gruppenstudien. Er gedenkt an die Versammlung New York zu gehen und sich dort taufen zu lassen. All dies in der Zeit von sechs Monaten. — Verkündiger in Kalifornien.
„SEID NUN KLUG WIE DIE SCHLANGEN“
„Ich habe eine ältere Schwester, mit der ich stets sehr verbunden gewesen bin, und seitdem ich zur Erkenntnis der Wahrheit kam, habe ich den innigen Wunsch gehegt, dass meine Schwester das Vorrecht, der Theokratie zu dienen, mit mir teilen möchte. Ich schrieb den Geschwistern in der Stadt, wo sie wohnt, einen Brief, mit der Bitte, sie zu besuchen und ihr Zeugnis zu geben, doch all ihre Anstrengungen waren fruchtlos. Schliesslich beschloss ich, sie selbst zu besuchen. Der hauptsächlichste Stein des Anstosses schien ihr Aberglaube an die Macht eines gewissen juju in ihrem Hause zu sein. Sie glaubte, dass sie umkäme, wenn sie irgendwelche Nahrung ässe, die aus Kassawa bestehe, darunter auch die Nahrung der Eingeborenen, gari genannt, oder wenn sie irgendeiner anderen Botschaft lauschte, als die von diesem juju kommende.
„Da ich den Aberglauben des Afrikaners, seinen Glauben an die Macht der Medizin kenne, trat ich an dieses Problem auf folgende Weise heran: Ich nahm ganz gewöhnliches Wasser und goss es in eine Flasche. Als ich das Haus erreichte, sagte sie mir, sie habe gehört, dass ich mich nun der ‚Harmagedon‘-Gesellschaft angeschlossen habe, und andere ‚Harmagedon‘-Leute hätten sie besucht, aber sie könnte nicht mit ihnen einiggehen, weil sie einen mächtigen juju habe. Ich sagte ihr dann in ihrem Interesse, dass ich eine sehr kräftige Medizin erlangt hätte, die als ‚Juju-Austreiber‘ bekannt sei, und dass von dem Augenblick an, da ich im Hause sei, die Macht ihres juju gebrochen wäre. Dann zeigte ich ihr die Flasche und bat sie, davon zu trinken und auch ihren Leib etwas damit einzureiben, worauf sie das gari ohne irgendwelche Lebensgefahr essen könne, weil der juju sich schon davongemacht habe.
„Zuerst war ihr immer noch bange, von dem gari zu essen, aber nachdem ich sie etwas ermuntert hatte, nahm sie davon, besonders nachdem sie beobachtet hatte, wie ich davon ass. Am nächsten Tag und auch am dritten Tag liess ich sie dasselbe wiederholen. Nun war sie überzeugt, dass die Macht des juju wirklich gebrochen sei, und so fragte sie mich, wie ich denn eine solch kräftige Medizin erlangt hätte. Ich bat sie, ihre Bibel zu holen, und wir fingen an, einige Texte zusammen zu lesen. Drei Tage studierten wir zusammen, und dann erzählte ich ihr von dem Wasser in der Flasche und wie der eigentliche ‚Juju-Austreiber‘ das Wasser der Wahrheit sei. Sie lachte und sagte, dass Gott in der Tat auf geheimnisvolle Weise wirke. Zur Zeit, da ich sie verliess, besuchte sie die Gruppenstudien und nahm teil am Dienste.“ — Ein Verkündiger von Nigeria.
JUGENDLICHE BEGEISTERUNG
„Ich möchte eine Erfahrung unseres sechsjährigen Sohnes berichten. Als er mit einem achtjährigen Mädchen spielte, erzählte er ihr fort und fort, was er nur von der Wahrheit und der neuen Welt wusste. Es begann, Fragen über die Bibel zu
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