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Ein erfolgreiches ResozialisierungsprogrammErwachet! 1977 | 8. August
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Der Kongreß
Am nächsten Tag war es kalt. Wir trafen schon um 7.30 Uhr im Rodeo-Stadion ein, zwei Stunden vor Programmbeginn. Ich wollte die sechs Männer, die zur Taufe bereit waren, kennenlernen. Als ich mit ihnen sprach, staunte ich über ihre Aufrichtigkeit und die Wertschätzung, die sie für das Wort Gottes bekundeten.
Die Zeit verflog im Nu, und das Programm begann. Um 10 Uhr sprach ich über das Thema „Gottes Wille oder Eigenwille?“ Darauf folgte die Taufansprache, und danach wurden die Männer in einem Behälter, der in der Nähe der Bühne plaziert war, so daß die 1 970 Besucher sie sehen konnten, getauft. Jedesmal, wenn einer der Täuflinge aus dem Wasser stieg, brach ein Beifallssturm los. Ich werde immer den Mann vor mir sehen, der, noch ganz naß, so über das ganze Gesicht strahlte, daß man ohne weiteres verstehen konnte, was er empfand: „Das ist der glücklichste Tag meines Lebens!“
Nach der Taufe gab es eine zweistündige Pause. Die Versammlung New Roads hielt für alle eine Mahlzeit zu einem ganz geringen Preis bereit. Freiwillige Helfer aus der Zuhörerschaft teilten das Essen aus. Die Häftlinge durften nicht gemeinsam mit den Anwesenden von außerhalb essen. Ihnen wurde das Essen in einem gesonderten Raum neben der Bühne serviert.
Ich durfte mich auf dem Anstaltsgelände, wo sich die Häftlinge aufhielten, frei bewegen. Das gab mir die Gelegenheit, mit einigen, die begonnen hatten, sich für das Werk der Zeugen Jehovas zu interessieren, zu sprechen. Einer sagte zu mir: „Sie brauchen die Lehren Ihres Glaubens gar nicht zu predigen. Es reicht schon, wenn Sie jemandem Freundschaft erzeigen; mit der Zeit werden Sie ihn ganz bestimmt durch Ihre Handlungsweise und Ihre Freundlichkeit gewinnen.“
Die beiden Stunden vergingen schnell, und bald wurde das Programm fortgesetzt. Der öffentliche Vortrag hieß „Gottes Königreich — eine Realität“. Anschließend führten getaufte Häftlinge ein abgekürztes Wachtturm-Studium durch. Ihre Darbietung war hervorragend.
Um 16 Uhr wurde die Veranstaltung mit einem Lied und einem Gebet abgeschlossen. Eine Glaubensschwester, die schon seit Jahren Zeugin Jehovas ist, faßte in Worte, was viele von uns empfanden. Sie sagte: „Wir hatten das Gefühl, daß hier noch mehr Herzlichkeit und Liebe vorhanden waren als auf irgendeinem anderen Kongreß, den wir bisher besucht haben.“
In der in diesem Gefängnis des Staates Louisiana erscheinenden Zeitung The Angolite hieß es: „Das war der vierte Kongreß, den Jehovas Zeugen in Angola durchgeführt haben. Und da sie weiterhin bestrebt sind, zum Herzen weiterer Gefangener zu sprechen, haben sie vor, noch mehr solche Kongresse zu veranstalten. Von allen religiösen Gruppen bemühen sie sich am meisten und am beharrlichsten, die Gefangenen davon zu überzeugen, daß sie sich bessern und ein sinnvolleres Leben führen sollten, und sie helfen ihnen auch dabei“ (November/Dezember 1976).
Ein einzigartiges Programm?
Was ich sah und erlebte, beeindruckte mich tief. Als ich nach New York zurückkehrte, begann ich, Unterlagen durchzusehen und Briefe zu schreiben, um zu ermitteln, ob in anderen Gefängnissen ähnliche Unterrichtsprogramme durchgeführt werden. Dabei stellte ich fest, daß die Vorgänge im Gefängnis in Angola lediglich in bezug auf das Ausmaß und den Erfolg einzigartig sind. Ich möchte nur einige wenige Beispiele anführen:
Jeden Mittwoch besucht ein Ältester der Zeugen Jehovas die Strafanstalt Chillicothe (Ohio). An dem Bibelstudium, das er durchführt, nehmen durchschnittlich 8 bis 14 Häftlinge teil. Zwei haben sich taufen lassen, und zwei haben die Absicht, es zu tun.
In der Strafanstalt in London (Ohio) mit 1 700 Strafgefangenen führen Jehovas Zeugen seit fast zwei Jahren jede Woche vier Zusammenkünfte durch, und drei Strafgefangene haben sich bis jetzt taufen lassen. Ein weiterer Häftling, der sich taufen lassen wollte, wurde am ersten Tag des Jahres entlassen.
Ein sehr erfolgreiches Programm wird in der Strafanstalt von Lucasville (Ohio) durchgeführt. Es begann im Herbst 1972. Die durchschnittliche Besucherzahl bei diesen Zusammenkünften beträgt ungefähr 22, und bei einer Sonderveranstaltung waren vor kurzem 33 anwesend. Im April 1975 und im März 1976 wurden in einem Becken, das für diese Veranstaltung gekauft wurde, 7 Häftlinge getauft.
Gegen Ende des Jahres 1973 wurde im Staatsgefängnis von Maryland ein ausgezeichnetes Programm gestartet. Kurz darauf wurden mit vielen Häftlingen Bibelstudien abgehalten, und nach einiger Zeit begannen Älteste der Zeugen Jehovas, regelmäßig Zusammenkünfte durchzuführen. Bisher haben sich 8 Personen taufen lassen (wobei die Badewanne der Gefängniskrankenstation benutzt wurde).
Auf Rikers Island (New York) führen acht Älteste jede Woche mit Häftlingen Bibelstudien durch. Auch andere Gefängnisse der Stadt New York werden besucht.
Heißt das, daß dieses Unterrichtsprogramm der Zeugen Jehovas die eigentliche Lösung der gewaltigen Probleme des Strafvollzugs und der Kriminalität ist? Keineswegs. Ihr Beitrag zur Lösung dieser Probleme ist zugegebenermaßen gering. Ich glaube jedoch, daß es einen Schlüssel zur eigentlichen Lösung dieser Probleme darstellt.
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Worin besteht die Lösung?Erwachet! 1977 | 8. August
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Worin besteht die Lösung?
MINDESTENS für eine beschränkte Anzahl von Gefängnisinsassen ist das biblische Unterrichtsprogramm die Lösung gewesen. Der moralisch heilsame Aufschluß, der ihnen übermittelt wurde, hat bewirkt, daß sie sich nicht nur oberflächlich, sondern grundlegend geändert haben.
In den vergangenen drei Jahren haben sich in dem Gefängnis von Angola 42 Insassen taufen lassen. Von diesen sind seither 14 auf freien Fuß gesetzt worden. Ich wollte gern wissen, wie sich diese Leute außerhalb des Gefängnisses zurechtfinden, und erkundigte mich deshalb danach. Nur einer ist rückfällig geworden.
Die anderen fügen sich sehr gut in die Gesellschaft ein. Mindestens einer von ihnen erfüllt in einer Versammlung die Aufgaben eines Dienstamtgehilfen. Wie bereits erwähnt, ist dieses biblische Unterrichtsprogramm, das im Gefängnis durchgeführt wird, nicht die Lösung des Gesamtproblems. Es stellt lediglich eine Gelegenheit dar, die dem Häftling, der dazu bereit ist, hilft, an sich zu arbeiten.
Für die Bestrafung von Rechtsbrechern findet man in der Bibel eine präzise Anleitung. Würde sie befolgt, hätte man wahrscheinlich weit weniger Probleme mit dem Strafvollzug und der Kriminalität.
Ersatzleistung für Opfer
Das Gesetz, das Gott dem Volk Israel gab, sah keine Gefängnisstrafen vor. Wenn sich jemand
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