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  • Kubaner suchen eine neue Heimat
    Erwachet! 1981 | 22. Juni
    • Kubaner suchen eine neue Heimat

      IM Frühjahr 1980 erzwang sich eine Gruppe von Kubanern mit einem Autobus Zugang zum Gelände der peruanischen Botschaft in Havanna, um Asyl zu suchen und somit das Land verlassen zu können. Bald danach gab die kubanische Regierung bekannt, daß es jedem, der nach Peru wolle, freistehe auszureisen.

      Schon nach zwei Tagen drängten sich über 10 000 Menschen auf dem Botschaftsgelände in der Hoffnung, Kuba zu verlassen. Innerhalb weniger Wochen machten diese Ereignisse in aller Welt Schlagzeilen, während es zigtausend weiteren Kubanern gestattet wurde auszuwandern. Allein in die Vereinigten Staaten kamen 120 000.

      Das Problem der Kubaflüchtlinge ist nichts Neues. Im Laufe der Jahre sind bereits Hunderttausende von Kubanern ausgewandert. Zu den Ländern, die sie aufgenommen haben, gehören Bolivien, Costa Rica, Ecuador, Kolumbien, Peru, Spanien, Venezuela und die Vereinigten Staaten. Auch andere Länder haben sich bereit erklärt, kubanische Flüchtlinge aufzunehmen.

      Weshalb verließen sie das Land?

      Weshalb haben diese Flüchtlinge Kuba verlassen? Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Einige glaubten, sie könnten in einem anderen Land ein besseres Leben führen. Andere waren in Schwierigkeiten geraten, weil sie nicht mit der Politik der Regierung einverstanden waren, und sie flohen, um den daraus resultierenden Problemen zu entgehen.

      Außerdem beschloß die kubanische Regierung im Jahre 1980, die Gelegenheit zu nutzen, sich in großem Umfang unerwünschter Personen zu entledigen. Zum Beispiel wurden, nachdem die Flüchtlingswelle eingesetzt hatte, Verbrecher aus den Gefängnissen geholt und auf die Flüchtlingsboote gebracht, damit sie das Land verließen. Andere, die als politisch gefährlich galten, erlebten das gleiche. Auch Personen, die als homosexuell bekannt waren, wurden gezwungen, das Land zu verlassen.

      Eine andere Art von Flüchtlingen

      Unter den Flüchtlingen, die 1980 Kuba verließen, befanden sich etwa 3 000, die aus einem anderen Grund das Land verlassen mußten. Die in Nebraska (USA) erscheinende Zeitung York News-Times berichtete darüber folgendes: „Unter den in vielen Zeitungen erwähnten kriminellen und homosexuellen Gruppen von kubanischen Flüchtlingen, die mit Booten in den Vereinigten Staaten ankamen, befand sich auch eine weniger bekannte Gruppe, deren einziges Verbrechen es war, daß sie trotz des vor fünf Jahren erlassenen Verbots ihrer Sekte Gott weiterhin auf ihre Weise anbetete.“

      Wie das Blatt berichtete, handelte es sich dabei um Jehovas Zeugen. Weiter hieß es: „Jehovas Zeugen hatten schon früher unter Diktaturen zu leiden, weil sie sich weigerten, Waffen zu tragen und sich an politischen Angelegenheiten zu beteiligen. Ihr Glaube verbietet ihnen das. Im Hitler-Deutschland gingen die Zeugen zusammen mit Juden und anderen ,unerwünschten Elementen‘ in die Gaskammern.“

      Doch unter welchen Umständen mußten sie Kuba verlassen? Was hatten sie durchzumachen? Was ließen sie zurück? Wir werden kubanische Flüchtlinge selbst erzählen lassen.

  • Kubaflüchtlinge erzählen
    Erwachet! 1981 | 22. Juni
    • Kubaflüchtlinge erzählen

      TYPISCH für die Zeugen Jehovas, die gezwungen wurden, Kuba zu verlassen, war José Tunidor. Er erzählt folgendes:

      „Im Dezember 1978 kam die Polizei in mein Haus und nahm mich ohne Erklärung mit. Man steckte mich zusammen mit Ernesto Alfonso, einem anderen Zeugen Jehovas, ins Gefängnis. Auch er wußte nicht, warum er ins Gefängnis mußte.

      Später brachte man mich zurück, um mein Haus zu durchsuchen. Man beschlagnahmte die bibelerklärenden Schriften, die ich besaß. Auch meine Schreibmaschine nahm man mit. Als ich wieder im Gefängnis war, erfuhr ich, daß Ernestos Schreibmaschine und seine Schriften ebenfalls beschlagnahmt worden waren. Warum? Wir wurden beschuldigt, gesellschaftsfeindlich zu sein, weil wir an die Bibel glaubten und mit anderen über ihre Wahrheiten sprachen. Wir wurden angeklagt, eine Gefahr für andere zu sein, und das Gericht verurteilte uns zu drei Jahren Gefängnis.“

      Tunidor wurde in ein Gefängnis in Aguica eingeliefert, das in der Nähe von Colón in der Provinz Matanzas liegt. Dort arbeitete er im Gefängnis, bis er auf die Felder geschickt wurde, um Zuckerrohr zu schneiden. Dann wurde er des Landes verwiesen. Man brachte ihn nach La Cabaña, einem berüchtigten Gefängnis in Havanna, und dann an einen Ort in der Nähe von Port Mariel, wo man ihn auf ein Schiff verfrachtete, das nach den Vereinigten Staaten fuhr.

      Zwar wurden viele Zeugen Jehovas, die im Gefängnis waren, gezwungen, das Land zu verlassen, doch andere wurden aus ihren Häusern geholt und deportiert. Sie konnten nichts von ihrer Habe mitnehmen, und manchmal konnten sie sich noch nicht einmal von ihren Angehörigen verabschieden. Herminio Arroyo erzählt:

      „Die Polizei kam um drei Uhr früh zu unserem Haus, während wir schliefen. Sie hatte Ausweisungspapiere bei sich und forderte uns auf, uns anzuziehen. Dann wurden wir gleich ins Einwanderungsamt gebracht, wo man uns entkleidete, um uns nach Wertsachen zu durchsuchen. Am Abend, gegen 18 Uhr, brachte man uns mit 300 anderen auf einen Krabbenkutter, mit dem wir in die Vereinigten Staaten gebracht werden sollten.“

      Viele andere Zeugen Jehovas hatten ähnliche Erlebnisse. Beim Morgengrauen oder schon vorher kamen Beamte und zwangen sie, das Land zu verlassen. Sie konnten buchstäblich nichts als ihre Kleider behalten. Sogar Eheringe und andere Wertsachen wurden ihnen weggenommen.

      Es ist verständlich, daß eine Regierung Verbrecher und unerwünschte Elemente loswerden will. Doch warum hatte man es so eilig, diese aufrichtige Gruppe von Christen aus dem Land zu schaffen? Welchen Hintergrund haben diese Maßnahmen?

      Beginn der Verfolgung

      Im Jahre 1962 untersagte die kubanische Regierung Jehovas Zeugen die Einfuhr biblischer Schriften. Der Staat entschied, diese Publikationen seien „schädlich, reaktionär und pro-imperialistisch“. Natürlich wissen Personen, die mit dem Werk der Zeugen Jehovas vertraut sind, daß dies nicht stimmen kann. Jehovas Zeugen in Kuba sind die gleichen anständigen und ehrlichen Leute, wie sie in der ganzen Welt für ihr gutes Benehmen bekannt sind.

      Danach nahm die Verfolgung zu. Luis Alcantur, einer der Flüchtlinge, die jetzt in den Vereinigten Staaten leben, erinnert sich: „Im November 1965 wurde ein massiver Angriff gegen Jehovas Zeugen in Kuba unternommen. Damals richtete er sich besonders gegen die Jugendlichen im wehrfähigen Alter. Hunderte dieser jungen Christen kamen schließlich in verschiedene Konzentrationslager, hauptsächlich in der Provinz Camagüey.“

      Über den Beginn dieser Jahre im Gefängnis sagt Alcantur: „Wir bekamen 12 Tage lang nichts zu essen. Nur einmal am Tag gaben sie uns etwas Wasser. Man zwang uns, die ganze Zeit zu stehen, und wir waren dabei der Sonne und dem Regen, den Moskitos und den Mücken ausgesetzt. Am 11. Tag warfen sie uns in eine mit Wasser gefüllte Zisterne.“

      Alcantur war damals 19 Jahre alt. Er war eingesperrt worden, weil er sich aus Gewissensgründen weigerte, am Militärdienst teilzunehmen.

      Ein anderer Flüchtling, Alberto Sanchez, sagt über seine Behandlung: „Da wir in bezug auf unseren Glauben keine Kompromisse machten, wurden wir geschlagen; man überschüttete uns nachts mit kaltem Wasser, und einige wurden mit einem Ochsenjoch am Hals umhergezogen. Einmal zielten sie mit dem Gewehr auf meinen Kopf und forderten mich auf zu marschieren, sonst würden sie mich erschießen. Zweimal riefen sie ein Hinrichtungskommando zusammen, und wir mußten uns davor aufstellen. Es wurde sogar der Befehl zum Schießen gegeben, aber sie schossen nicht.

      Einige Zeugen mußten in Baracken leben, in denen sonst nur Homosexuelle waren. Doch wenn sie ihnen ihren biblisch gestützten christlichen Standpunkt erklärten, wurden sie respektiert. Dadurch zogen sie nur noch mehr den Haß der Soldaten auf sich.“

      In anderen Lagern wurden viele weitere Zeugen schrecklich mißhandelt. Sie mußten ständig Hunger leiden, hatten nichts anzuziehen, wurden von Moskitos geplagt, litten im Winter unter der Kälte der Nacht, wurden isoliert gehalten und mußten ständig mit dem Tod rechnen. Ein Zeuge, Ursulo Brito, wurde mit den Füßen an der Decke aufgehängt und mußte eine Zeitlang in dieser Stellung verharren.

      Die Verfolgung nimmt zu

      Im Jahre 1968 verstärkte die Regierung ihre Verfolgung. Jehovas Zeugen wurden in der Presse, im Rundfunk und im Fernsehen ständig angegriffen und als Meuchelmörder, Umstürzler und Fanatiker hingestellt. Man erhob noch viele weitere gemeine und unwahre Anschuldigungen. Infolgedessen gerieten die Zeugen in eine sehr schwierige Lage, sogar an ihrem Arbeitsplatz. Viele verloren eine gute Stelle, ohne sich dagegen wehren zu können. Man zwang sie, Arbeiten anzunehmen, die niemand anders verrichten wollte, und das zu einem sehr geringen Lohn.

      Außerdem erließ die Regierung neue Gesetze, aufgrund deren jeder Vater, jede Mutter und jeder Lehrer, der Kinder „Respektlosigkeit gegenüber patriotischen Organisationen oder Symbolen“ lehrte, mit Gefängnis bestraft werden konnte. Jehovas Zeugen lehren keine solche „Respektlosigkeit“. Aber die Regierung betrachtet es als respektlos, daß sie das lehren, was die Bibel sagt: „Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten, und ihm allein sollst du heiligen Dienst darbringen.“ Und: „Kindlein, hütet euch vor Götzen“ (Matth. 4:10; 1. Joh. 5:21).

      So kam es, daß viele Mütter und Väter ins Gefängnis gesteckt wurden, weil sie Gottes Wort gehorchten, das verlangt, die Kinder ‘gemäß dem Wege für sie zu erziehen’, indem ihnen die Grundsätze der wahren Anbetung beigebracht werden (Spr. 22:6; Eph. 6:4). Zum Beispiel erinnert sich eine der Töchter von Herminio Arroyo: „Wenn die Kinder den Fahnengruß verweigerten, wurden sie von anderen Schülern mißhandelt, und oft erstatteten die Lehrer Anzeige, was dazu führte, daß die Eltern für drei bis sechs Monate ins Gefängnis kamen.“

      Haussuchungen

      Oft hielten die Behörden überraschende Haussuchungen bei den Zeugen. Sie suchten nach etwas, was die Zeugen hätte belasten können. Über eine dieser Durchsuchungen sagt Luis Alcantur:

      „Am 30. März 1977 kamen Staatssicherheitsbeamte um 17 Uhr in mein Haus. Damals kamen immer mehrere gleichzeitig ins Haus. Einer von ihnen versteckte irgendwo Waffen oder Drogen. Ein anderer Beamter gab dann vor, sie gefunden zu haben. Aufgrund dessen erhoben sie falsche Anklagen.

      Die Durchsuchung meines Hauses bei dieser Gelegenheit war um 23 Uhr abgeschlossen. Sie nahmen alles mit, was ihnen gefiel, auch persönliche Dinge, wie zum Beispiel einen Elektrorasierer, Kleidungsstücke und Geld. Sie nahmen auch meine Schreibmaschine und meine biblischen Schriften mit. Ich wurde angeklagt, ein konterrevolutionäres Dokument zu besitzen, aber bei meiner Verhandlung wurde nichts dergleichen vorgelegt.“

      Trotz Verfassung angegriffen

      Offensichtlich hat die kubanische Regierung in den letzten zwei Jahrzehnten versucht, Jehovas Zeugen zu zerschlagen. Der Flüchtling Cristo Leon sprach von einem „systematischen Angriff der kubanischen Regierung auf unsere Anbetung“. Jehovas Zeugen sind verboten worden, sie dürfen keine Literatur einführen oder drucken, ihr Zweigbüro und ihre Anbetungsstätten sind geschlossen worden, ihr öffentlicher Dienst ist für ungesetzlich erklärt worden, und Tausende von Gefängnisstrafen sind verhängt worden.

      Diese 20jährige Verfolgung verletzt eindeutig die Verfassung der Republik Kuba. Diese Verfassung „garantiert“ Religionsfreiheit. In Artikel 54 heißt es deutlich: „Der sozialistische Staat, der seine Aktivitäten auf die wissenschaftliche, materialistische Weltanschauung stützt und das Volk darin erzieht, anerkennt und garantiert Gewissensfreiheit und das Recht eines jeden, sich zu irgendeiner Religion zu bekennen und im Rahmen der Achtung vor dem Gesetz den Glauben seiner Wahl zu praktizieren.“

      Wer Jehovas Zeugen kennt, weiß, daß die Achtung vor dem Gesetz ein Bestandteil ihres Glaubens ist. Ja, sie sind auf der ganzen Erde als gesetzestreue Bürger bekannt. Daher hätte man ihnen bestimmt gestatten müssen, sich zu ihrer Religion zu bekennen und sie zu praktizieren, wie dies in den meisten anderen Ländern der Fall ist.

      Gegen andere Religionen?

      Die Maßnahmen der kubanischen Regierung gegen Jehovas Zeugen geben Anlaß zu der Frage: Verfolgt die Regierung auch andere Religionen?

      In Kuba gibt es viele katholische Kirchen. Ihre Tore stehen der Allgemeinheit offen. Genauso verhält es sich mit protestantischen Kirchen. Doch die Versammlungsstätten der Zeugen Jehovas sind aufgrund eines Regierungsentscheids geschlossen worden. Weshalb der unterschiedliche Maßstab?

      Es stimmt, daß auch einige andere Religionsgemeinschaften eine Zeitlang von der Regierung unter Druck gesetzt wurden. Doch bald machten sie Zugeständnisse und ließen sich für politische Zwecke gebrauchen. Das können Jehovas Zeugen nicht tun, da es ihrem Glauben widerspräche. Deswegen sind sie jahrelang heftig verfolgt worden.

      Nun bleibt noch die Frage offen: Warum verfolgen Jehovas Zeugen einen Kurs, aufgrund dessen sie in einem Land wie Kuba so sehr leiden müssen? Und wie ist es ihnen möglich, so viele Unannehmlichkeiten so lange zu ertragen und trotzdem treu zu ihrem Glauben zu stehen?

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