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Warum wenden sich Jugendliche der Religion zu?Der Wachtturm 1978 | 15. November
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Warum wenden sich Jugendliche der Religion zu?
VIELE bezeichnen es als „ein in der Tat merkwürdiges Phänomen“, daß sich in letzter Zeit überall in der Welt immer mehr junge Leute der Religion zuwenden. In der westlichen Welt sind Tausende von Jugendlichen von der sogenannten „Jesus-Revolution“ erfaßt worden. Verschiedene „Gurus“ und Sekten haben ihre Anhänger in allen sozialen Schichten. Im Orient ist es üblich, daß Jugendliche am Sonntag mit der Bibel in der Hand zur Kirche gehen, statt einen Ausflug zu machen. In Hongkong haben sich viele kleine eigenständige Jugendgruppen gebildet, nur um Gemeinschaft zu pflegen, sich über die Bibel zu unterhalten und vielleicht Traktate zu verteilen, die von Bibelgesellschaften herausgegeben worden sind.
Wodurch ist diese Welle religiösen Eifers ausgelöst worden? Mit Sicherheit nicht durch den Religionsunterricht, denn wie man hört, ist dieser Unterricht gewöhnlich langweilig und gehaltlos. Sie scheint vielmehr darin begründet zu sein, daß die Jugend in der ganzen Welt als Folgen des Materialismus und der Bestrebungen und Pläne menschlicher Regierungen nichts anderes beobachten kann als Habgier, Selbstsucht, Kriege, Elend und allgemeine Ratlosigkeit. Viele, die es mit Drogen, mit Sex und Alkohol versucht haben, sehen keinen Ausweg. So wenden sie sich voller Hoffnung der Religion zu, doch meist nicht der Religion ihrer Eltern.
Ihre plötzliche Hinwendung zur Religion und der Wandel in ihrer Lebensweise bereitet Eltern oder anderen Familienangehörigen häufig große Sorgen. In vielen Fällen nicht ohne Grund, denn einige religiöse Gruppen fordern von jungen Bekehrten, den Kontakt zu ihrer Familie und ihren Freunden abzubrechen, ihr ganzes Geld der Gruppe zu übereignen und dann, getrennt von der übrigen Welt, in einer Kommune ein abgeschiedenes Leben zu führen. Eltern hingegen möchten lieber, daß sich ihre Kinder einträgliche Ziele setzen, z. B. eine bessere Bildung und eine besser bezahlte Stellung.
Wie solltest du als Jugendlicher reagieren, wenn einige deiner Angehörigen plötzlich gegen deine Glaubensansichten sind, und was solltest du davon halten? Muß ein anderer Glaube oder selbst eine gegnerische Einstellung notwendigerweise zu einem ernsthaften Bruch in deinem Verhältnis zu deinen Angehörigen führen? Nein. Aber in dieser Lage kannst du dich nur richtig verhalten, wenn du die wahre Religion hast und dies durch Tatsachen beweisen kannst, denn nur die wahre Religion, die Religion der Bibel, macht Kinder zu besseren Menschen, und sie zeigt, wie man zu Eltern und anderen Angehörigen ein engeres Verhältnis schaffen kann. Jehova, der Stifter der Familie und Schöpfer des Menschen, gibt in der Bibel Einzelheiten bekannt, die zeigen, wie wahrhaft geeinte und glückliche Familien möglich sind.
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Was die wahre Religion für junge Leute tun kannDer Wachtturm 1978 | 15. November
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Was die wahre Religion für junge Leute tun kann
WENN in jeder Familie alle nach der Bibel leben und sich, obwohl sie unvollkommen sind, bemühen würden, den guten Rat der Bibel in die Tat umzusetzen, wären alle Familien in sich geeint und glücklich. Außerdem würden sich Familien, Stämme und Völker weder streiten noch bekriegen. Doch davon kann gegenwärtig weltweit keine Rede sein. Manchmal schlägt nur ein Glied einer Familie diesen guten Weg ein. Was geschieht aber, wenn sich beispielsweise nur einer in der Familie, ein Sohn oder eine Tochter, eifrig bemüht, nach biblischen Grundsätzen zu leben? Entsteht dadurch schon ein freudiger Geist in der Familie? Nicht immer. Doch die Harmonie in der Familie wird weitgehend gefördert. Und bestimmt hilft Gott dem Sohn oder der Tochter, mit dem Problem besser fertig zu werden, größeren Herzensfrieden zu erlangen und einen guten Einfluß auf die Familie auszuüben.
Einige Leser mögen sich bei diesen Worten über die einigende Kraft, die von einem Christen ausgeht, daran erinnern, daß Jesus gemäß Lukas, Kapitel 12, Vers 52 und 53 sagte, er sei gekommen, zu entzweien, und zwar würden „fünf in e i n e m Haus entzweit sein: drei gegen zwei und zwei gegen drei. Sie werden entzweit sein: Vater gegen Sohn und Sohn gegen Vater, Mutter gegen Tochter und Tochter gegen ihre Mutter, Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter.“ Mit dieser Erklärung regte Jesus nicht zu einer Entzweiung der Familie an. Jesus bezog nicht etwa gegen seine eigenen leiblichen Brüder Stellung. Sie hingegen unterstützten ihn nicht, sondern sprachen eher geringschätzig über das, was er zu sein behauptete. Doch Jesus verhielt sich so, daß seine Brüder schließlich an die „gute Botschaft“, die er lehrte, glaubten und Christen wurden (Joh. 7:3-5; Apg. 1:13, 14).
Jesu eigene Erfahrungen sowie seine Worte ließen erkennen, daß seine Nachfolger damit zu rechnen hätten, von ihren Angehörigen abgelehnt, verspottet und sogar verfolgt zu werden. Doch Gläubige sollten nicht durch respektloses oder ungehöriges Benehmen selbst Anlaß zu einer solchen Feindschaft geben. Ein Christ, besonders ein Jugendlicher, könnte sich leicht zu einem solchen Verhalten hinreißen lassen, doch dies wäre unchristlich. Vielleicht handelte er respektlos, bevor er die Wahrheit der Bibel kennenlernte. Aber die biblische Wahrheit kann bei einem Christen wunderbare Veränderungen hervorrufen, wodurch er eine Bestätigung für ihren überragenden Wert liefert und sich jedem Gewissen vor Gott empfiehlt (2. Kor. 4:2).
Im Hinblick auf Personen, die hartnäckige Gegner sein mögen, weil sie die veränderte Handlungsweise des Christen nicht verstehen oder nicht schätzen, sagte Jesus: „Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen, damit ihr euch als Söhne eures Vaters erweist, der in den Himmeln ist“ (Matth. 5:44, 45). Ein Christ hofft stets, daß solche Personen schließlich doch noch gläubig werden.
Obwohl man der Wahrheit widersteht, wird ein Christ wie sein Herr, Jesus Christus, standhaft für die Wahrheit eintreten. Doch Standhaftigkeit muß nicht Härte bedeuten. Er wird stets freundlich sein. Er wird sich nicht für besser halten als andere noch anmaßend sein oder freche Antworten geben (Merkmale, durch die sich viele Jugendliche heute besonders kennzeichnen). Wenn ein Christ verspottet oder beschimpft wird, sollte er daran denken, daß Petrus sagte: „[Seid] stets bereit zu einer Verteidigung vor jedermann, der von euch einen Grund für die Hoffnung verlangt, die in euch ist, doch tut es mit Milde und tiefem Respekt“ (1. Petr. 3:15). Diese Milde und diesen tiefen Respekt sollte man besonders gegenüber Familienangehörigen bekunden. Ihnen so zu begegnen setzt aufrichtiges, ernsthaftes und eifriges Studium und Bemühen voraus. Alle Christen, selbst Jugendliche, sollten in der Lage sein, vernünftige, eindeutige und stichhaltige Gründe für ihren Glauben anzuführen. Was wäre es sonst für ein Glaube?
RESPEKT VOR DER ELTERLICHEN AUTORITÄT
Ein Jugendlicher, der ein Christ wird, erlebt die Erfüllung der Worte Jesu: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh. 8:32). Er stellt fest, daß sie wirklich von vielen Dingen frei macht, von denen Jugendliche heute beherrscht, ja versklavt werden: von der Furcht vor ihresgleichen, der allgemeinen Tendenz, ‘der Menge zu folgen’, der Verehrung von Idolen, Eifersüchteleien, Rivalitäten, von unrechten Wünschen, Enttäuschungen und von den unheilvollen Folgen des Einflusses schlechter Gesellschaft. Aber Jugendliche sollten anerkennen, daß sie nicht absolut frei sind. Sie sollten Personen anerkennen, die rechtmäßig Autorität ausüben, vor allem ihre Eltern. Gott selbst übertrug den Eltern die Verantwortung, ihre Kinder in der rechten Weise zu erziehen und zu entscheiden, was für jedes Kind das beste ist (5. Mose 6:1, 6, 7; 31:12, 13).
Zur elterlichen Gewalt gehört auch die „Rute“ der Zucht. In Sprüche 23:13, 14 wird gesagt: „Enthalte doch dem, der noch ein Knabe ist, die Zucht nicht vor. Falls du ihn mit der Rute schlägst, wird er nicht sterben. Mit der Rute solltest du ... ihn schlagen, damit du seine eigene Seele vom Scheol ... befreiest.“ Manchmal sind Kinder vielleicht der Meinung, die Züchtigung sei nicht gerechtfertigt, doch sie sollten daran denken, daß die Eltern Gott darüber Rechenschaft abzulegen haben, wie sie ihre Gewalt ausüben, und daß Gott, auch wenn die Züchtigung zu Unrecht erfolgt, sie dennoch zum Guten des gehorsamen Kindes gereichen lassen kann (Röm. 8:28).
Es fällt einem Jugendlichen viel leichter, sich der elterlichen Gewalt zu unterwerfen, wenn er an die Worte des Apostels Paulus denkt: „Allerdings scheint jede Züchtigung für die Gegenwart nicht erfreulich, sondern betrüblich zu sein; nachher aber trägt sie denen, die durch sie geübt worden sind, eine friedsame Frucht ein, nämlich Gerechtigkeit“ (Hebr. 12:11). Ein Jugendlicher, der dies versteht, kann für die Zucht, die ihm durch seine Eltern und durch Erwachsene in der Versammlung sowie in der Schule zuteil wird, dankbar sein. Er wird schnell Fortschritte machen, ein gutes Gewissen und Freimut der Rede haben, denn ein Jugendlicher, der sich der Autorität unterordnet, selbst wenn dies manchmal nicht gerade sehr angenehm ist, dient dadurch gewissermaßen dem Herrn Jehova und seinem Sohn Jesus Christus. Der Apostel Paulus war darauf bedacht, junge Menschen zu trösten, als er schrieb: „Ihr Kinder, seid euren Eltern in allem gehorsam, denn das ist wohlgefällig im Herrn“ (Kol. 3:20). Die einzige Ausnahme wäre, wenn ein Jugendlicher aufgefordert werden würde, etwas zu tun, was dem Herrn mißfällt.
DIE „WEISHEIT VON OBEN“ AN DEN TAG LEGEN
In deinem Dienst für den Schöpfer magst du weder von Familienangehörigen noch von Kameraden unterstützt werden. Um unter solchen Umständen deine Ausgeglichenheit zu bewahren, kannst du Gott um Weisheit bitten. Der Jünger Jakobus, ein Halbbruder Jesu Christi, schrieb an Personen, die Schwierigkeiten zu ertragen hatten: „Erachtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Prüfungen geratet. Wenn es ... einem von euch an Weisheit fehlt, so bitte er Gott unablässig, denn er gibt allen großmütig und ohne Vorwürfe zu machen; und sie wird ihm gegeben werden“ (Jak. 1:2, 5).
Jakobus beschreibt auch die „Weisheit von oben“ und sagt, sie sei „vor allem keusch, dann friedsam, vernünftig, zum Gehorchen bereit, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, nicht parteiische Unterschiede machend, nicht heuchlerisch“ (Jak. 3:17). Betrachte jedes dieser Merkmale eingehend, und überprüfe dich ehrlich, um zu sehen, ob du sie offenbarst und in welcher Hinsicht du dich verbessern kannst. Diese Merkmale oder Eigenschaften sind nicht nur dir selbst eine Hilfe, sondern ermöglichen es dir auch, dich in die Lage anderer zu versetzen.
Du solltest im Sinn behalten, daß deine Angehörigen fast immer auf deine Interessen bedacht sind, selbst wenn sie nur wenig vom wahren christlichen Glauben wissen. Vielleicht haben Jehovas Zeugen mit dir ein Bibelstudium begonnen. Deine Verwandten und Freunde mögen in Wirklichkeit nicht wissen, was für Leute Jehovas Zeugen sind. Sie mögen daher denken, daß „dieser Glaube zuviel von deiner Zeit beansprucht“. In Anbetracht der Heuchelei, die in den meisten Religionen heute zu beobachten ist, mögen ältere Personen verständlicherweise besorgt und vorsichtig sein. Angesichts deines jugendlichen Eifers für Religion fragen sie sich vielleicht, ob dein Vorgehen möglicherweise einer vernünftigen Grundlage entbehrt und nur auf Emotionen beruht. Wenn sie gegnerisch eingestellt sind, kannst du ihnen eventuell durch respektvolle Antworten gelassen und verständnisvoll beweisen, daß du eine vernünftige und wohlbegründete Entscheidung getroffen hast.
Frage dich daher: Bin ich wirklich friedsam und vernünftig? Zeige ich diese Haltung auch gegenüber meinen Angehörigen, wenngleich sie in gewissem Maße gegen meine Glaubensansichten sind? Was kann ich tun, um die Einheit der Familie zu verbessern und so dem Schöpfer mit ganzer Seele zu dienen? Verrät meine Zeiteinteilung Ausgeglichenheit und Vernünftigkeit, so daß ich den Verpflichtungen gegenüber meinen Angehörigen nachkommen und mich auch auf wirkungsvolle Weise an der Verkündigung der „guten Botschaft“ beteiligen kann?
Ein Christ sollte sein Verhalten gegenüber seinen Familienangehörigen und den Gedankenaustausch mit ihnen ständig verbessern, indem er sich von der Weisheit der Bibel, der „Weisheit von oben“, leiten läßt. Vielleicht bereiten dir deine Angehörigen und Freunde keine Schwierigkeiten. Sollten sie aber gegnerisch eingestellt sein, so zeigen die Worte des Petrus, was du tun solltest. Petrus tröstete Christen, indem er sagte: „Behaltet ein gutes Gewissen, damit in dem Besonderen, worin man gegen euch redet, die beschämt werden, welche von eurem guten Wandel in Verbindung mit Christus geringschätzig reden. Denn es ist besser, für Gutestun zu leiden, wenn der Wille Gottes es wünscht, als für Übeltun“ (1. Petr. 3:16, 17).
Oft hinterläßt der Wandel eines Christen einen nachhaltigeren Eindruck bei anderen als das gesprochene Wort.
Als ein Mädchen Anfang Zwanzig, das in Hongkong lebt, regelmäßig die dem Bibelstudium gewidmeten Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas besuchte, fand es die Mißbilligung seiner Familienangehörigen, besonders der älteren Brüder. Ein Bruder bemerkte jedoch, daß sich seine Schwester, die sich früher lautstark mit ihrer Mutter gestritten hatte, im Laufe der Zeit zu ändern begann und einen immer stilleren und sanfteren Geist offenbarte. Dennoch hatte er Zweifel und war sich nicht sicher, ob dieser Wandel auf den Einfluß ihres neuen Glaubens zurückzuführen war. Er glaubte, seine Schwester sei in Wirklichkeit auf etwas hereingefallen und ihre veränderte Haltung sei nur oberflächlich.
Um die Sache zu überprüfen, begleitete der Bruder sie einmal zu einer Zusammenkunft in den Königreichssaal der Zeugen Jehovas am Ort. Zu seiner Überraschung befand er sich weder in einem gesellschaftlichen Klub noch in einer Veranstaltung, bei der ein Kollektenteller herumgereicht wurde, sondern in einer Gruppe warmherziger, freundlicher Leute, die daran interessiert waren, die Bibel kennenzulernen und sich in ihrem Leben danach auszurichten. Bald studierte auch er die Bibel. Heute besuchen dieser junge Mann und seine Schwester als getaufte Zeugen gemeinsam die Zusammenkünfte und bringen andere Glieder ihrer Familie mit, bei denen sie Interesse für Gott und sein Wort wecken konnten. Aus Gegnern wurde eine glückliche und geeinte Familie, und das alles, weil die eine Tochter biblische Grundsätze anwandte und einen milden Geist und den Wunsch entwickelte, anderen zu helfen.
Mitunter hat es vielleicht den Anschein, als werde der gute Wandel von Gegnern nicht beachtet. Aber ein Christ sollte sich dadurch nicht entmutigen lassen.
Ein Mädchen, das früher dazu neigte, alles mögliche anzustellen und seine Unabhängigkeit zu zeigen, arbeitete hart an sich, um eine christliche Persönlichkeit zu werden. Ihre Eltern schienen zunächst nicht davon beeindruckt zu sein, da sie sich nicht dazu äußerten. Doch eines Tages hörte die Tochter, wie ihre Mutter zu einer Nachbarin sagte:
„Als meine Tochter diesen Glauben der Zeugen Jehovas annahm, war ich dagegen. Aber sie hat sich so sehr zu ihren Gunsten verändert, daß ich heute nichts mehr dagegen hätte, denn bei dieser Religion muß es sich um etwas Gutes handeln.“
Wie glücklich dieses Mädchen doch war, daß es sich ständig bemüht hatte, einen vortrefflichen Wandel zu führen!
DER ÄLTESTE VORFAHR, DER „ALTE AN TAGEN“
Was veranlaßt jugendliche Zeugen Jehovas, sich trotz der Mißbilligung ihrer Angehörigen so beharrlich an die Bibel zu halten? Lehrt man sie, ihre Verwandten nicht zu respektieren? Natürlich nicht. Sie halten sich vielmehr an einen Brauch, der so alt ist wie das Menschengeschlecht, nämlich den Brauch, den ältesten Vorfahren zu achten und ihm zu gehorchen. In den verschiedenen Gesellschaftsordnungen der ganzen Welt hat man noch bis vor kurzem vom ältesten männlichen Familienmitglied Rat, Weisheit und Leitung erwartet. Sein Wort war Gesetz und galt mehr als das Wort aller anderen, wie zum Beispiel das eines Sohnes, eines Enkels oder eines Großenkels. Viele Menschen im Orient verehren sogar ihre Ahnen und erwarten von ihnen Leitung. Wahre Christen schenken indes dem ältesten „Vorfahren“ Gehör, demjenigen, der nicht tot ist, nämlich dem „lebendigen Gott“, dem Schöpfer der Menschheit, Jehova Gott (Jer. 10:10-12).
Im Bibelbuch Daniel (7:9) wird Gott als der „Alte an Tagen“ bezeichnet. Er ist von Ewigkeit zu Ewigkeit und ist der Quell des Lebens aller Menschen (Ps. 36:7, 9; Apg. 17:24, 25, 28). Daher sollten ihm alle gehorchen, ebenso wie gut erzogene Kinder auf das Wort ihrer Eltern und Großeltern hören sollten. Wenn wir die Weisheit und die Belehrungen des „Alten an Tagen“ beachten, können wir seine Kinder genannt werden (1. Petr. 1:14; 1. Joh. 3:1; 2. Kor. 6:18). Jugendliche Diener des Schöpfers halten es daher, sooft Menschen etwas Gegenteiliges von ihnen verlangen, verständlicherweise für angebracht, gewissenhaft auf diesen höchsten Vater, die letzte Instanz, zu hören, während sie jedoch gleichzeitig ihren Eltern mit Achtung und Liebe begegnen.
Da Jehova der Stifter der Familie ist und somit die Voraussetzungen für das Familienleben geschaffen hat, werden Jugendliche, die ihm gehorchen, zu besseren Gliedern der Familie. Solche Söhne und Töchter werden ihren Eltern keine Schande machen, indem sie den schlechten Wandel, die Allüren und die unsittlichen Handlungen von Weltmenschen nachahmen. Sie werden bereitwillig im Hause mithelfen und auch sonst durch ihren keuschen und rechtschaffenen Wandel ihren Eltern Ehre machen (Tit. 2:6-8). Durch eine solche Handlungsweise, die mehr Freude und Befriedigung mit sich bringt als Streit und Widerstand gegen die Autorität, bereiten Jugendliche, die wahre Christen sind, dem Schöpfer Lobpreis. Sie ehren dadurch auch ihren himmlischen Vater, der sie wegen ihrer Liebe und ihres Glaubens segnet.
Überall auf der Erde handeln Tausende von Jugendlichen in den unterschiedlichsten Situationen so, wie es Gott gefällt. Einigen der größten Verlockungen und stärksten Belastungen sind Jugendliche wahrscheinlich in den sogenannten fortschrittlichen Ländern ausgesetzt, in denen eine materialistische Einstellung vorherrscht. Bietet der wahre christliche Glaube Jugendlichen das, was sie benötigen, um zufrieden und glücklich zu sein und nicht in den Sog des Materialismus zu geraten? Gute Beispiele von Jugendlichen finden wir in der Bundesrepublik Deutschland.
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Jugendliche preisen Jehova in der Bundesrepublik DeutschlandDer Wachtturm 1978 | 15. November
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Jugendliche preisen Jehova in der Bundesrepublik Deutschland
DEUTSCHLAND 1978: Die flachen, dem Winde ausgesetzten Ebenen im Norden, teilweise mit prächtigen Heideteppichen überzogen; das große stets betriebsame industrielle Ballungsgebiet an der Ruhr, fast ganz von Smog bedeckt; die majestätischen bayerischen Alpen unter einer tiefen Neuschneedecke; Touristen, die auf der Suche nach Lederhosen, farbenfrohen Dirndln, Bierkrügen und Kuckucksuhren durch die Lande streifen — das sind Bilder von Deutschland, wie man sie von jeher kennt. Wenig scheint sich geändert zu haben.
Und doch hat sich die Welt verändert, auch Deutschland — vielleicht noch nie so schnell wie seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen sehen sich neuen Gefahren, neuen Standpunkten und neuen Verhaltensmaßstäben gegenüber. Welches Erbe konnte die ältere Generation nach den Zerstörungen des Krieges der Nachkriegsgeneration vermitteln?
Um der neuen Generation zu helfen, ihren Problemen erfolgreich zu begegnen, hätte es wohl kein besseres Erbe geben können als eine genaue Erkenntnis des wahren Gottes, Jehovas, und seiner Vorsätze. Heute gibt es Christen, die schon unter dem Hitlerregime diese Erkenntnis besaßen und dafür bekannt sind, daß sie ihre Treue selbst unter Verfolgung bewiesen. Mit den Worten Davids im Sinn: „Generation um Generation wird deine Werke loben, und deine mächtigen Taten werden sie kundtun“ sind sie entschlossen gewesen, dieses vortreffliche Erbe an die Nachkriegsgeneration weiterzugeben (Ps. 145:4). Ist ihnen das gelungen? Wir wollen sehen.
VON GLÄUBIGEN ELTERN ERZOGEN
Viele Zeugen Jehovas der heutigen Generation (seit 1945) sind in der vorteilhaften Lage gewesen, von Eltern und sogar Großeltern erzogen zu werden, die Zeugen Jehovas sind. Elke und ihre Schwester Heidi, die beide im Vollzeitdienst stehen, freuen sich, zur fünften Generation von Zeugen in ihrer Familie zu gehören. Ist es nicht schön, zu beobachten, daß ganze Familien vereint Jehova dienen?
Eine Familie in Westfalen zählt 15 Kinder. Gerhard, der heute im Vollzeitdienst steht und ein Mitarbeiter der Zentrale der Wachtturm-Gesellschaft in Wiesbaden ist, erinnert sich an die gute Erziehung, die den Kindern zuteil wurde, als sie noch alle zu Hause waren. Drei Familienstudien waren notwendig, um auf die Bedürfnisse der einzelnen eingehen zu können: eines für die größeren Kinder, eines für die ganz kleinen und eines für die im mittleren Alter. Vor den Zusammenkünften fuhr der Vater zwischen Wohnung und Königreichssaal eineinhalb Stunden lang mehrere Male hin und her, um die ganze Familie zum Königreichssaal zu bringen. Auf dem Heimweg war es dasselbe. Eine gute Atmosphäre in christlichen Familien entsteht nicht ohne Anstrengung!
IM GETEILTEN HAUS
Andere kommen nicht aus einer geeinten Familie, da sie in einem in religiöser Hinsicht geteilten Haus aufgewachsen sind.
Friedhelm erinnert sich, daß sein Vater seine Bibel, seine Bücher und seine Zeitschriften verbrannte. Wiewohl der Vater ehrgeizige Pläne mit seinem Sohn, dem einzigen Kind, verfolgte, war Friedhelms Sinn darauf gerichtet, die gute Botschaft von Gottes Königreich einmal als Vollzeitdiener zu verkünden.
Wilfried erzählt, wie er und seine Mutter oft die Haustür verschlossen vorfanden, als sie von den christlichen Zusammenkünften nach Hause kamen. Einmal mußten sie sogar die Nacht im Wagen verbringen. Ein andermal riß ihn sein Vater aus dem Bett und schlug ihn mit einer Lampe. Weil er aber treu blieb, erlangte er nicht nur die Achtung seines Vaters, sondern auch, was noch wichtiger ist, Jehovas Wohlgefallen. „Ich war damals zwar erst 11 oder 12 Jahre alt, doch die Brüder ließen mich immer wieder spüren, daß ich in der Christenversammlung gern gesehen war. Und diese Liebe“, so sagt er, „half mir durchzuhalten.“
Uwe, der als Jugendlicher ein Zeuge wurde, hatte sowohl auf der Arbeit als auch zu Hause Widerstand zu erdulden.
Er erinnert sich, daß er in einer Frühstückspause einmal die Gelegenheit wahrnahm, Zeugnis zu geben, wofür er aber nicht mit hörenden Ohren belohnt wurde, sondern mit einem Eimer Wasser, den man ihm über den Kopf goß. Doch er machte zusammen mit seinem Bruder, der heute als Missionar in Spanien dient, weiter gute Fortschritte zur christlichen Reife.
Rolf-Dieter war erst 5 oder 6 Jahre, als seine Mutter die biblische Wahrheit kennenlernte. Sein Vater erlaubte ihm und seinem Bruder nicht, die christlichen Zusammenkünfte zu besuchen. Doch ihre Mutter unterhielt sich mit beiden zu Hause über die Wahrheit und nahm sie so oft wie möglich mit.
„Ich kann mich erinnern, daß mich mein Vater einmal zwang, zur Kirche zu gehen“, erzählt er. Aber Mutter hatte mir alles zuvor erklärt. Ich ging und hörte zu. Mein Gewissen ließ es jedoch nicht zu, mich an den Zeremonien, die in meinen Augen unbiblisch waren, zu beteiligen, obwohl mich andere, die um mich herumsaßen, anstießen und mir zuflüsterten, daß ich mitmachen sollte.“ Trotzdem verhielt sich Rolf-Dieter gegenüber den Anwesenden bei dem „Gottesdienst“ anständig, da er wußte, daß in der Bibel geboten wird, andere zu achten.
MIT GRÖSSEREN UND KLEINEREN PROBLEMEN FERTIG WERDEN
Junge Christen haben es nicht leicht. In der Schule ausgelacht und verspottet zu werden kann eine echte Prüfung der Lauterkeit sein. Nach der Lehrzeit stehen junge Männer vor der Neutralitätsfrage. Sie und weibliche Zeugen hatten mit all den Problemen zu kämpfen, die bei jungen Leuten heutzutage üblich sind: Drogen, Alkohol, Unmoral und viele, viele weitere.
Ja, schon die Suche eines Ehepartners kann ein Problem darstellen. Das war bei Ute der Fall. Sie erzählt:
„Wo war ein passender Ehepartner zu finden? Alle jungen Leute in unserer Versammlung waren bereits verheiratet. Vielleicht würde es nicht schaden, sich ein bißchen ,in der Welt umzusehen‘. Aber nein, das kam überhaupt nicht in Frage, da ich den Rat der Bibel kannte, ,nur im Herrn‘ zu heiraten. Auch in dieser Angelegenheit setzte ich mein Vertrauen auf Jehova. Während der Bauarbeiten an unserem neuen Kongreßsaal in Trappenkamp lernte ich dann meinen jetzigen Verlobten kennen. Im Juni werden wir heiraten.“
Und wie steht es mit unseren kleineren Kindern und ihren „kleinen“ Problemen? Lassen wir Eric berichten:
„Ich bin 10 Jahre alt und gehe in die vierte Klasse. Meine Eltern sind schon viele Jahre Zeugen Jehovas, und so habe ich bis zu meiner Einschulung nur Gemeinschaft mit Glaubensbrüdern gepflegt. Alles ging gut bis zu dem Tag, als unsere Klasse zu einem achttägigen Aufenthalt in einem Landschulheim fuhr. Für mich war es die erste Trennung von zu Hause. Unsere Lehrerin erkrankte kurz zuvor, und ein fremder Lehrer begleitete uns. Ich kannte ihn nicht. Am Sonntagvormittag sagte er: ,Wir gehen alle geschlossen zur Kirche.‘ Ich wußte, daß ich ihm klarmachen mußte, daß ich mit den Lehren, die dort vertreten werden, nicht einigging und daher lieber nicht mitgehen wollte. Beim Frühstück überlegte ich mir, was ich ihm sagen könnte. Nach dem Frühstück sprach ich ihn an. Doch seine Antwort war: ,Du gehst mit, da gibt es keine Debatte mehr!‘ Ich ging auf mein Zimmer, und als ich alleine war, kam mir wieder das in den Sinn, was mir meine Mutter am Morgen vor der Abfahrt gesagt hatte: ,Wenn du in Schwierigkeiten bist ... Jehova kennt dein Herz. Du kannst mit ihm über deine Sorgen sprechen.‘ Ich weinte, als ich betete. Ich wollte nichts mit der falschen Religion zu tun haben. Als ich nach einiger Zeit wieder auf den Flur ging, traf ich eine Lehrerin, die mich fragte, was los sei, weil sie sah, daß ich geweint hatte. Ich erzählte es ihr. Sie sagte: ,Ich regele das für dich.‘ Kurz darauf kam sie zurück und sagte: ,Du brauchst nicht mitzugehen. Ich habe mit deinem Lehrer gesprochen.‘ Ich war glücklich und dankte Jehova, daß er mein Gebet erhört hatte. Seine Hand war nicht zu kurz.“
Ein „kleines“ Problem? Einige mögen es so bezeichnen. Unsere junge Generation hat indes festgestellt, daß Jehova kein Problem für so gering oder unbedeutend hält, daß er es nicht beachten würde. Er läßt uns auch nicht im Stich, wenn wir vor größeren Schwierigkeiten stehen. Das zeigt Marions Fall:
Sie war ein Vorbild für christliche Jugendliche und nahm regelmäßig am Predigtdienst teil. Sie war erst 17 Jahre und ein lebensfroher Mensch. Doch dann führte ein Tumor an der Wirbelsäule zu Lähmungserscheinungen am Arm. Eine Operation war unbedingt notwendig, doch angesichts der möglicherweise auftretenden Gefahren war kein Arzt bereit, ohne Bluttransfusion zu operieren. Marion und ihre Eltern blieben standhaft. Jehova ungehorsam zu sein kam nicht in Frage. Trotz großer Schmerzen war sie nicht niedergeschlagen. Schließlich fand sich ein Chirurg, der bereit war, ihre Glaubensüberzeugung zu respektieren. Er operierte sie erfolgreich ohne Blut. Doch es stellte sich nur eine vorübergehende Besserung ein; eine zweite Operation war erforderlich und dann eine dritte. Während die Lähmung fortschritt, nahmen die Schmerzen zu. Ihre Zunge war zwar gelähmt, doch gab sie durch ihr Verhalten im Krankenhaus weiterhin ein Zeugnis für ihren Glauben. In liebevoller Weise strickte sie für eine Krankenschwester mühsam einen Pullover. Als feststand, daß der Tod unausweichlich war, nahmen sie ihre Eltern nach Hause. Obwohl ihre Stimme kaum noch hörbar war und sie ihren Kopf fast nicht mehr richtig hochhalten konnte, nahmen sie ihre Eltern so oft wie möglich auf einer Liege mit in die christlichen Zusammenkünfte. Wie der geplagte Hiob war sie fest davon überzeugt, daß auch sie von Gott eines Tages gesegnet werden und die Vollkraft des Lebens zurückerhalten wird. Sie starb am 28. Dezember 1977 im Alter von 18 Jahren. Da sie es ablehnte, in bezug auf ihren Glauben an Jehova Kompromisse einzugehen, wurde sie von ihm gestärkt und reihte sich neben anderen Christen unserer Nachkriegsgeneration unter die vielen ein, die bis zum Tode treu blieben und deren Gebete um ewiges Leben durch ihre Auferweckung erhört werden (Apg. 24:15).
NICHT VON GLÄUBIGEN ELTERN ERZOGEN
Natürlich sind viele unserer jungen Zeugen nicht von gläubigen Eltern erzogen worden. Auch sie hatten Schwierigkeiten — mitunter sehr große — zu überwinden, bevor sie Diener Jehovas werden konnten.
Da ist zum Beispiel Christa (22 Jahre), die Interesse zeigte, als Jehovas Zeugen mit ihrem Bruder ein Bibelstudium begannen. Sie war in der katholischen Jugendarbeit aktiv, besuchte aber auch jede Woche eine Zusammenkunft der Baptisten. Weshalb sie unter Anleitung der Zeugen zu studieren begann, erzählt sie uns selbst:
„Ich hatte nicht die leiseste Absicht, ein Zeuge Jehovas zu werden. Mein Bestreben war, meinen Bruder wieder für die katholische Kirche zu gewinnen. Ich wollte soviel wie möglich aus der Bibel kennenlernen und dann diese ,Gegner‘ mit ihren eigenen Waffen schlagen.“ Doch je mehr sie studierte, desto mehr gewann sie die Überzeugung, daß die Zeugen die Wahrheit hatten, und zwar wie sie sagt: „Zu meinem Entsetzen. Ich war hin und her gerissen zwischen meinen katholischen Freunden, den neu gewonnenen Freunden, die Baptisten waren, und den Zeugen Jehovas, von denen ich noch nicht mehr wußte, als daß sie alle meine Fragen biblisch beantworteten.“
Christas nächstes Problem war die Musik. Seit ihrem 15. Lebensjahr war sie öffentlich aufgetreten und hatte davon geträumt, eines Tages ein „Star“ zu werden. Neben Auftritten in England und Deutschland schnitt sie auch bei Talentwettbewerben gut ab. Was sollte sie tun? Sie berichtet weiter:
„Meine Entscheidung fiel nach einem Besuch bei Janet, meiner Brieffreundin in England. Sie erzählte mir, daß sie gezwungen sei, wegen der Wahrheit das Elternhaus zu verlassen. Das gab mir zu denken, da Janet erst vor vier Monaten etwas von der Wahrheit gehört hatte, als mein Bruder und ich ihr während ihres Deutschlandaufenthalts Zeugnis gegeben hatten. Nun ging alles sehr schnell. Noch bevor ich England verließ, stellte ich das Rauchen ein. Zu Hause angekommen, löste ich alle Verbindungen zu weltlichen Freunden und ließ die Starfotos von den Wänden meines Zimmers verschwinden. Nun war ich frei, alle Zusammenkünfte zu besuchen. Schon bald hatte ich neue und wahre Freunde gefunden. Im Jahre 1974 ließ ich mich taufen. Sieben Monate später flog ich nach England, um bei der Taufe meiner Brieffreundin Janet dabeizusein. Wir sind Jehova sehr dankbar, daß er uns aus der falschen Religion geführt und uns die Kraft gegeben hat, unsere vielen Probleme zu überwinden.“
VOLLZEITDIENST
Vielen der Nachkriegsgeneration in der Bundesrepublik ist es möglich, ihre ganze Kraft dem Predigen und Lehren des Wortes Gottes zu widmen, weil sie jung sind und gewöhnlich keine Familienverpflichtungen haben. Nachdem sie einmal die Segnungen des Vollzeit- oder „Pionier“dienstes geschmeckt haben, möchten die meisten so lange wie möglich diesen Dienst fortsetzen. Diesen Entschluß faßte auch Karl-Heinz. Daher suchte er sich eine Ehefrau, die zu diesem Dienst genauso eingestellt ist. Er sagt:
„Wir stehen nun schon acht Jahre gemeinsam im Pionierdienst und sind sehr gesegnet worden. Wir führen eine glückliche Ehe und durften schon einigen Personen behilflich sein, die Wahrheit zu erkennen, darunter auch einer ganzen Familie. Der Vater dient nun als ein Ältester in der Versammlung.“
Andere waren bereit, sich nach einer anderen Arbeit umzusehen, die es ihnen ermöglichte, mehr Zeit für die Verkündigung der „guten Botschaft“ einzusetzen. „Es war nicht unter meiner Würde, als Hilfsarbeiter tätig zu sein, um ,Pionier‘ werden zu können“, sagt Wolfgang, von Beruf Dekorateur. Die achtzehnjährige Carola arbeitet halbtags im Haushalt und bezeichnet diese Tätigkeit als „einen wunderschönen Beruf“. Helmut arbeitete, nachdem er seine Lehre in einem Architektenbüro abgeschlossen hatte, halbtags als Maurer und trägt heute frühmorgens Zeitungen aus, um „Pionier“ sein zu können.
Bevor Ulrich die Wahrheit kennenlernte, arbeitete er in den besten Hotels, wo er den Küchenmeister und Küchenchef vertrat und für prominente Politiker und namhafte Filmschauspieler kochte. Er gab seinen Beruf auf, um für biblische Interessen mehr Zeit zu haben. Er sagt:
„Meine Freunde und Kollegen rieten mir von diesem Entschluß ab, da ich schließlich immer ,tiefer‘ sinken würde. Mit meiner Karriere als Koch und dem Traum vom ,großen Geld‘ war es nun vorbei. Doch ich würde nie mehr tauschen. Als ,Pionier‘ bin ich glücklicher als je zuvor — bestimmt glücklicher, als ich es damals war, als ich noch nicht so ,tief gesunken‘ war.“
JEHOVA IN VIELEN ZUNGEN PREISEN
Die Nachkriegsgeneration hat auch ausgezeichnete Arbeit unter der fremdsprachigen Bevölkerung der Bundesrepublik geleistet. Viele haben eine Fremdsprache erlernt, um in einer der 167 englischen, griechischen, italienischen, jugoslawischen, portugiesischen, spanischen oder türkischen Versammlungen zu dienen. Auf diese Weise sind sie in einem fremdsprachigen Gebiet innerhalb ihres Landes als „Missionare“ tätig. Andere sind nach Spanien, Luxemburg, Frankreich, Italien oder in andere Länder gezogen, um dort zu dienen.
Natürlich hat Deutschlands Nachkriegsgeneration auch ihre Missionare gestellt, die auf der Missionarschule der Zeugen ausgebildet und in fremde Länder gesandt wurden. Die Mehrheit der 124 jungen Männer und Frauen, die in den vergangenen 10 Jahren aus der Bundesrepublik auf diese Schule (in den Vereinigten Staaten) geschickt wurden, stammen aus dieser Altersgruppe. Und einige, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen aus ihrer Zuteilung zurückgekehrt sind, stehen trotzdem immer noch im Vollzeitdienst.
DIE KEHRSEITE
Doch jede Sache hat natürlich zwei Seiten, und es wäre verkehrt, anzunehmen, daß alle jungen Leute unter Jehovas Zeugen in der Bundesrepublik mit den zuvor erwähnten zu vergleichen sind. Die allgemeine Gleichgültigkeit, weltliche Einflüsse und der Materialismus haben ihren Tribut gefordert und fordern ihn immer noch. Einige Jugendliche sind im Glauben schwach geworden, weil sie nicht eifrig genug die Bibel studiert und Gott um die „Weisheit von oben“ gebeten haben. Ein reisender Aufseher schrieb kürzlich, es sei erschreckend, zu sehen, wie wenig einige junge Leute im Predigtwerk tätig seien:
„In den drei Versammlungen, die ich zuletzt besucht habe, machen diese jungen Verkündiger immerhin 23 Prozent aller Verkündiger aus. Doch was ihren Zeiteinsatz betrifft, so sind sie die Schwächsten. Es tut einem weh, wenn man hört, daß einige von ihnen überhaupt kein Verhältnis zu Jehova und zu der Versammlung haben. Sie sind nichts weiter als ,Mitglieder‘ einer Religion. Diese Erfahrung ist auch für die Eltern bitter, doch oft sind sie daran nicht schuldlos. In einigen Fällen ist die Sache darauf zurückzuführen, daß die Eltern das geistige Wohl ihrer Kinder vernachlässigt haben.“
Da die Vernichtung des gegenwärtigen bösen Systems eilends herannaht, ist es für all diese Jugendlichen hohe Zeit, sich des Ernstes der Lage bewußt zu werden und entsprechend zu handeln. Wenn sie es tun, wird Jehova sie segnen (Röm. 13:11; Luk. 21:34-36).
Mögen diejenigen der Nachkriegsgeneration, die Jehova treu dienen und seine mächtigen Taten verkünden, IHRE GUTE ARBEIT FORTSETZEN! (Ps. 145:4, 12). Möge ihr Beispiel Gleichaltrige ermuntern, einen harten Kampf zu führen, um nicht von Satans bösem System umgarnt zu werden. Da sie ein vortreffliches Erbe erhalten haben, sollten sie ihre Verpflichtung erkennen, es nun der kommenden Generation zu übermitteln. Es gibt aber noch weitere Gründe, heute Gott treu zu dienen. Wenn sie das tun, mögen sie im Hinblick auf das bevorstehende Wunder der Auferstehung einmal das Vorrecht haben, dieses vortreffliche Erbe Generationen zu übermitteln, die ihnen vorausgegangen sind. Welch eine begeisternde Aussicht! Wer wollte nicht zu diesen Begünstigten gehören?
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