Ist Religion etwas für die Jugend von heute?
Warum wollen viele Jugendliche von Religion nichts wissen? Gibt es eine Religion, die bei der Jugend Anklang findet?
WEISST du, daß fast die Hälfte der heutigen Weltbevölkerung noch keine zwanzig Jahre alt ist? Diese Hunderte von Millionen Jugendlichen wachsen in einer konfusen Welt auf. Viele sind vom Verhalten ihrer Eltern grausam enttäuscht. Einige haben sich in ihrer Verzweiflung ganz von Gott abgewandt.
Der Rektor einer katholischen Mittelschule in Victoria (Kanada) gab bekannt, 75 bis 80 Prozent seiner Schüler der 12. Klasse hätten zugegeben, daß Gott ihnen wenig bedeute, daß der Religionsunterricht in der Mittelschule auf sie wenig oder gar keinen Eindruck gemacht habe. „Ich liebe Gott, aber ich hasse die Kirche“, sagte ein Jugendlicher. So denken immer mehr Jugendliche, die die Kirche zum „Establishment“ rechnen und die Auffassung vertreten, sie erfülle ihre Aufgabe, den Menschen ein Beispiel zu geben und sie zu leiten, nicht mehr.
Aber ist Religion wirklich nichts für Jugendliche? Kann ein junger, fortschrittlichgesinnter Mensch von heute seine Probleme nicht mehr mit Hilfe der Religion lösen? Gehörst du zu denen, die die Auffassung vertreten, Religion und Jugend passe nicht zusammen?
Du möchtest bestimmt das Für und Wider dieser Sache hören, ganz gleich, wie du persönlich denkst. Das kannst du tun, indem du folgendes Gespräch verfolgst, wie es sich zwischen zwei Hochschülern mit verschiedenen Auffassungen über dieses Thema entwickeln könnte.
Heuchelei und Religion
„Ich bin froh, dich wieder einmal zu sehen, Lothar. Ich hatte gehofft, dir auf dem Jugendtreffen zu begegnen, das letzte Woche stattfand, aber ich konnte dich nirgends sehen. Ich habe beobachtet, daß du dich gar nicht mehr mit der alten Gang herumtreibst. Wo steckst du nur in letzter Zeit?“
„Ja, weißt du, Peter, ich habe letztlich sehr viel zu tun gehabt. Ich habe nämlich die Bibel studiert.“
„Du? Du hast dich mit Religion befaßt? Das hätte ich dir nie zugetraut! Was hat die Religion einem Burschen, wie du einer bist, zu bieten? Ich bin schon lange nicht mehr in der Kirche gewesen. Nach meiner Meinung ist die Religion überlebt und liegt im Sterben.“
„Ich weiß, wie es dir zumute ist. Bevor ich anfing, die Bibel zu studieren, habe ich auch so empfunden. Aber weißt du, Peter, du mußt es einmal folgendermaßen betrachten. Angenommen, ein Rechtsanwalt würde sich nicht mehr an die Gesetze halten und anfangen, seine Klienten aufgrund seiner eigenen Auffassungen zu beraten, würdest du dann sagen, das Gesetz sei schuld, daß die Klienten irregeleitet worden sind?“
„Natürlich nicht. Es ist der Fehler des Rechtsanwalts.“
„Genau. Und so ist es auch mit dem Gesetz Gottes. Die meisten Kirchen wenden heute das göttliche Gesetz, wie es in der Bibel zu finden ist, nicht an, sondern sie folgen ihren eigenen Traditionen und Philosophien. Es war schon so, als Jesus auf Erden wandelte. Er sagte zu den religiösen Führern seiner Tage: ,Damit habt ihr das Wort Gottes um eurer Überlieferung willen ungültig gemacht.‘ Und dann führte er folgende Worte Gottes an: ,Vergeblich bringen sie mir fortwährend Anbetung dar, weil sie als Lehren Menschengebote lehren.‘ [Matth. 15:6, 9] Allerdings haben einige Geistliche versucht, die Religion zu ,modernisieren‘, aber anstatt das Gesetz Gottes anzuwenden, haben sie sich der Welt angepaßt und so ihren Einfluß eingebüßt. Die Bibel ist ein modernes Buch, und sie enthält ausgezeichnete Ratschläge.“
„Ich habe nichts gegen die Bibel, aber mir gefällt es nicht, wenn man so fromm tut und heiliger sein will als die anderen. Ich sehe, daß die Leute, die zur Kirche gehen und den Anschein erwecken, gut zu sein, nach dem Gottesdienst schlimmer sind als vorher. Wenn ich etwas hasse, dann ist es Heuchelei. Ich finde, daß ich ebenso gut bin wie sie, obschon ich nicht in die Kirche gehe.“
„Nun, Peter, du bist wenigstens ehrlich, das ist gut. Ein Heuchler behauptet, etwas zu sein, handelt aber ganz anders. Aber schau mal, was die Bibel in Matthäus 23:3 über Heuchelei sagt: ,Alles daher, was sie euch sagen, tut und haltet, aber handelt nicht nach ihren Taten, denn sie reden wohl, aber handeln nicht entsprechend.‘
Auch in 2. Timotheus 3:1-5 wird gesagt, daß es in den ,letzten Tagen‘ viele Heuchler geben werde und daß wir uns von diesen wegwenden sollten. Ferner wird dort gesagt, sie hätten eine Form der Gottergebenheit, würden sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch erweisen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß es heute soviel Heuchelei gibt, dennoch sollte uns das nicht gegen Gott verbittern oder uns auf den Gedanken bringen, keine Religion tauge etwas. Hättest du gelebt, als Jesus auf Erden war, dann hättest du bestimmt von Jesus nicht gesagt, er sei ,auch ein Pharisäer‘. Es wäre daher unweise, zu sagen, keine Religion tauge etwas, nur weil viele Religionsgemeinschaften nicht das richtige Beispiel geben.“
„Das ist recht einleuchtend, Lothar. Aber gibt es heute denn eine Religion, die die ,Kraft‘ hat, von der du gesprochen hast?“
Eine Religion, die von Heuchelei frei ist
„Ja, das gibt es. Seitdem ich mit Jehovas Zeugen studiere, weiß ich, daß es Menschen gibt, die tatsächlich ganz ohne Heuchelei nach den göttlichen Grundsätzen handeln. Ich kann auch bestätigen, daß diese ,Kraft‘ wirklich vorhanden ist. Mein Fall ist ein Beispiel dafür.
Du kannst dich doch sicher noch daran erinnern, daß ich abends jeweils wartete, bis alle im Hause schliefen, und mich dann wegstahl, um mich unserer Gang anzuschließen. Auch weißt du doch, wie wir es trieben: Wir zerstörten das Eigentum anderer, stahlen, rauchten ‚pot‘ und betranken uns. Wenn ich daran zurückdenke, wird mir klar, daß ich ein Heuchler war, denn bei meinen Eltern erweckte ich den Eindruck, ein braver Sohn zu sein, und hinter ihrem Rücken handelte ich ganz anders.“
„Darin hast du recht, Lothar, allerdings habe ich die Sache bisher noch nie von diesem Standpunkt aus betrachtet. Ich habe die Heuchelei verdammt, dabei bin ich selbst ein Heuchler gewesen.“
„Ich glaubte, alle Jugendlichen würden so handeln. Wahrscheinlich machte ich aus diesem Grund auch mit. Aber eines Tages wurde ich eingeladen, den Königreichssaal der Zeugen Jehovas zu besuchen, und dort sah ich Jugendliche, die ernst, sauber und glücklich waren. Das brachte mich zum Nachdenken. Zuerst war ich etwas spöttisch, und einige meiner Fragen müssen ziemlich provozierend geklungen haben, aber die Zeugen Jehovas zeigten Verständnis, und ihre Antworten waren einleuchtend.
Von da an fand ich mich häufig bei Jehovas Zeugen ein, und ich stellte fest, daß sie aufrichtige Menschen sind, die hohe Maßstäbe haben, und sie bemühen sich wirklich, danach zu leben. Ich begann daher, die Bibel zu studieren, und jetzt denke ich in vielen Dingen ganz anders, auch habe ich mit vielen meiner üblen Gewohnheiten gebrochen.“
Wahre Freiheit erlangen
„Machst du aber nicht die Erfahrung, daß die Religion dir deine Freiheit beschneidet? Ich meine, du kannst dich doch jetzt sicher nicht mehr so mit uns vergnügen wie früher?“
„Anfänglich habe ich das auch gedacht, Peter, aber das stimmt gar nicht. Ich glaubte, ich sei wirklich frei und vergnügte mich, wenn wir mit der Gang herumzogen und uns niemand dabei störte. Aber jetzt ist es mir klar, daß ich der Sklave meines eigenen Wunsches war, modern zu sein und zu tun, was alle taten. Außerdem, Peter, sag doch selbst, waren wir nicht voller Hemmungen und nervöser Spannungen, weil wir alles, was wir taten, vor den Eltern und Behörden verheimlichen mußten?
Aus der Bibel habe ich erfahren, daß Gott dem Menschen Freiheit schenkte, aber es ist eine beschränkte Freiheit, begrenzt durch vernünftige Einschränkungen. In Offenbarung 4:11 sagt die Bibel, daß wir wegen des Willens Gottes erschaffen wurden; daher sind wir in erster Linie da, um den Willen Gottes zu tun. Wenn wir richtig geführt werden, können wir die Freiheit, die Gott uns geschenkt hat, ungefährdet genießen, aber ohne jene Führung mögen wir unseren Geist und unseren Leib mißbrauchen; in dieser Gefahr stehen besonders wir Jugendlichen, weil uns die Erfahrung fehlt. Erst jetzt weiß ich, was wahre Freiheit bedeutet — Freiheit von falschem Denken, von üblen Gewohnheiten und von einem schlechten Gewissen. Es ist eine Freiheit, die uns nicht gefährdet, weil die höchste Autorität, Gott, der Allmächtige, sie begrenzt hat.“
Eine Zeit zu ernsthaftem Nachdenken
„Aber ich bin immer der Meinung gewesen, man sollte die Jugendzeit unbeschwert genießen und sich erst, wenn man älter wird, mit ernsteren Dingen befassen.“
„So denken manche, aber man kann jetzt beobachten, daß viele Mittelschüler und Studenten, auch du, Peter, sich mehr als früher für ernste Dinge interessieren. In Wirklichkeit ist die Jugend die Zeit, in der man ernsthaft nachdenken und eine Grundlage für die Zukunft legen sollte. Es ist ja möglich, durch einen einzigen schweren Fehler, den man in der Jugend macht, sich das ganze Leben zu zerstören! Was die Bibel in Galater 6:7 sagt, ist wirklich wahr: ,Was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten.‘
Denke nur an die vielen Selbstmorde, die von Jugendlichen begangen werden. Unter den Studenten in den Vereinigten Staaten ist der Selbstmord die zweitwichtigste Todesursache; manchmal begehen in einem Jahr 5 000 Jugendliche im Alter von fünfzehn bis neunzehn Jahren Selbstmord. Es ist doch traurig, daß ein Mensch keinen Lebenswillen mehr hat, obschon die besten Jahre seines Lebens noch vor ihm liegen! Ist es da nicht besser, auf Personen zu hören, die mehr Erfahrung haben, und auf diese Weise eine gute Grundlage für das künftige Leben zu legen?“
„Aber wenn die Jugend eine Zeit ist, in der man sich auf die Zukunft vorbereiten sollte, wäre es dann nicht besser, sich gut ausbilden zu lassen und sich auf eine gute Stellung vorzubereiten, anstatt sich mit Religion zu befassen?“
Materialistische Ziele befriedigen nicht
„Ich gebe zu, daß eine gute Ausbildung einem vorzüglich weiterhilft, und ich habe mich bemüht, fleißig zu lernen, um eine gute Wissensgrundlage zu legen, aber materialistische Ziele allein genügen nicht. Denke zum Beispiel an unsere Stadt. Würdest du behaupten, die einzigen Jugendlichen, die Unruhe stiften oder in manchen Fällen sogar gewalttätig vorgehen, seien die Kinder armer Eltern?“
„Nein, im Gegenteil, ich habe in der Zeitung gelesen, daß sehr viele der Jugendlichen, die Verbrechen begehen, Söhne wohlhabender Eltern sind.“
„Zeigt das somit nicht, daß eine rein materialistische Philosophie für das praktische Leben unbrauchbar ist? Viele dieser Jugendlichen sind materiell unabhängig, dennoch fehlt ihnen etwas. Sie haben keine Ruhe. Sie benötigen eine geistige und sittliche Führung, sollen ihnen bittere Enttäuschungen in der heutigen Welt erspart bleiben.
Du weißt ja, Peter, daß ich, als wir aufs Gymnasium gingen, ein ehrgeiziger Schüler war. Ich erstrebte eine gute Stellung und wollte etwas werden in der Welt. Aber durch mein Bibelstudium habe ich gelernt, in dieser Hinsicht ausgeglichener zu sein. Jetzt besteht mein Ziel nicht darin, zu Geld zu kommen oder ,jemand zu sein‘, sondern Gott zu dienen und seine Grundsätze zu respektieren, so daß ich hoffen kann, die von ihm in Aussicht gestellte Belohnung, ewiges Leben und wahres Glück, zu erlangen.“
Die Bemühungen der Studenten unzureichend
„Meinst du nicht, die Studentendemonstrationen, die wir veranstaltet haben, würden schließlich für die Allgemeinheit etwas Gutes bewirken?“
„Es stimmt, daß viele Studenten aufrichtig wünschen, die bestehenden Verhältnisse möchten sich ändern. Aber schau, Peter, richten sich nicht manche der Studentendemonstrationen gegen örtliche Schulprobleme — in vielen Fällen geringfügige Übelstände — und nicht gegen die bedeutenden Mißstände?
Außerdem besteht bei einer Demonstration immer die Gefahr, daß man die Selbstbeherrschung verliert oder daß radikale oder kriminelle Elemente die Sache der Studenten mißbrauchen. Du mußt zugeben, daß bei den jüngsten Demonstrationen an der Universität ziemlich großer Sachschaden entstanden ist. Und sobald eine Forderung der Studenten erfüllt wird, beginnen sie wieder zu agitieren und stellen weitere Forderungen, bis Recht und Ordnung zusammenbrechen, so daß eine Anarchie entsteht. Wäre das dann nicht zum Schaden anstatt zum Nutzen der Bevölkerung?
Wir hören häufig den Ausdruck ,die Macht der Studenten‘, und sie haben tatsächlich Macht. Doch ungezügelte Macht oder Gewalt kann gefährlich sein. Du erinnerst dich gewiß an das, was sich vor kurzem im kommunistischen China zutrug. Die ,Rote Garde‘ wurde ausgeschickt, um die Kulturrevolution der Regierung durchzusetzen, aber schließlich mußte die Regierung einschreiten und die ,Rote Garde‘ streng zur Ordnung rufen, weil sie zu weit gegangen war.“
„Ich verstehe, was du meinst, aber die Jugend versucht wenigstens, etwas zu vollbringen.“
„Das stimmt, die Jugend ist idealistisch. Aber vergiß nicht, daß sich das heutige ,Establishment‘ aus Personen zusammensetzt, die auch einmal jung waren. Bestimmt glaubten sie damals auch, sie könnten alle Probleme der Welt lösen, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu geben würde. Aber sobald solche Personen an der Macht sind, stellen sie dann oft fest, daß die Probleme weit komplizierter sind, als sie geahnt hatten, und daß sie im Laufe der Zeit immer schwieriger werden.“
„Was sagt denn die Bibel, was wir tun sollten?“
„Die Bibel gibt in Römer 13:1 den Rat, ,den obrigkeitlichen Gewalten untertan‘ zu sein. Das bedeutet, Gesetze zu halten und Autorität zu respektieren. Das tun Jehovas Zeugen. Doch das bedeutet nicht, daß sie mit dem gegenwärtigen System der Dinge zufrieden sind. Das sind sie bei weitem nicht.“
Was die Bibel über die Lösung der Probleme sagt
„Die Bibel erklärt, daß weder Erwachsene noch Jugendliche, sie mögen sich noch so aufrichtig bemühen, die Probleme der Welt lösen können. Gott wird durch sein Königreich dem ganzen ungerechten System ein Ende machen und eine gerechte Regierung errichten, die unsere schönsten Hoffnungen bei weitem übertreffen wird.
Siehst du, Peter, das ist meine Hoffnung, und für diese Sache wende ich meine Zeit und Energie auf, denn den wahren Sinn des Lebens habe ich nur durch die Anbetung des wahren Gottes und durch die von ihm festgelegte Lebensweise kennengelernt. Ich gebe dir den guten Rat, das selbst zu prüfen, und ich bin ganz sicher, daß du dann die Antwort auf deine Fragen finden wirst, die du über das Leben und die Zukunft hast.“
„Gut, Lothar, du hast mich zum Nachdenken gebracht. Ich hätte es mir nie träumen lassen, daß ich mich noch einmal mit Religion beschäftigen würde, aber durch das, was du gesagt hast, habe ich Lust bekommen, bei deinen Bibelstudien zugegen zu sein. Wenn diese Religion dich so zu ändern und deinem Leben Sinn zu geben vermocht hat, dann ist sie vielleicht genau das, wonach ich suche.“