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  • Der Arme erhöht und getröstet
    Der Wachtturm 1951 | 15. April
    • Der Arme erhöht und getröstet

      „Lobet Jehova! ... Der aus dem Staube emporhebt den Geringen, aus dem Kote erhöht den Armen [Bedürftigen, AS], um ihn sitzen zu lassen bei den Edlen [Fürsten, ZB], bei den Edlen [Fürsten] seines Volkes.“ — Ps. 113:1, 7, 8.

      1. Zu wem müssen die Armen der Erde jetzt aufblicken, und warum zu ihm?

      JEHOVA Gott ist der Eine, zu dem all die Armen der Erde an diesem Tage der Weltbedrängnis aufblicken sollten. Er verachtet ihren elenden Zustand nicht. Seine Ohren sind nicht verschlossen vor ihrem Seufzen und Jammern, sondern er nimmt Kenntnis von ihren Bedürfnissen und bietet ihnen gerade jetzt die rechte Hilfe an. Abraham Lincoln, ein Mann, der aus der Armut heraus auf den Präsidentenstuhl der Vereinigten Staaten von Amerika kam, sagte einmal: „Gott muss die Armen geliebt haben, da er ihrer so viele machte.“ Doch ist nicht Gott es, der den Menschen arm machte, ja, der die wenigen reich und die vielen arm gemacht hätte. Nicht er hat Klassenunterschiede zwischen reich und arm geschaffen. Es ist nicht sein Wille gewesen, dass die vielen so lange mit Armut geschlagen wurden, so dass die Armen schliesslich nun in Massen unter kommunistischen Führern aufstehen, um die reichen Kapitalisten zu stürzen und unter kommunistischen Diktatoren alles Volk sozial und wirtschaftlich auf die gleiche Stufe zu bringen. Gottes Widersacher, Satan, der Teufel, hat dies getan. Dieser Böse ist es, der nun falsche politische und wirtschaftliche Systeme zur Hilfe für die bedrückten Massen beantragt, um sie abzulenken von dem einzig wirksamen Mittel zur Abhilfe, von dem durch Jehova Gott bereiteten. Wenn solch menschliche Notstandsmassnahmen angewandt werden, um die Verhältnisse der Armen zu verbessern und den rückständigen Gebieten der Welt Hilfe zu bringen, werden die Bürden des Volkes dadurch nur erhöht, und es verarmt und wird immer mehr bedrückt. Gott, der Allmächtige, aber ist den Armen seines Volkes stets zu Hilfe gekommen. Nun wird er ihre Sache vollständig rechtfertigen und sie in Reichtum hineinführen, der selbst jenen übertrifft, welchen das erste Menschenpaar zu Beginn der Menschheit in Eden besass. Das Mittel, dessen sich Gott hierzu bedient, ist sein Königreich in den Händen seines Sohnes Jesus Christus.

      2. Worin ist das Volk hauptsächlich arm gehalten worden, und wie?

      2 Die Armut des Volkes ist nicht nur eine solche an materiellen, sondern hauptsächlich an geistigen Gütern. Die Geistlichkeit der kirchlich anerkannten christlichen und jüdischen Religionssysteme muss jetzt zugeben, dass sie das Volk in geistiger Armut gelassen hat. Sie ist zugunsten der weltlich Reichen parteiisch gewesen und hat stillschweigend der Bedrückung der Armen zugeschaut, all dies während sie sich den Schein grosser Gerechtigkeit gab. Geistiger Reichtum jedoch hätte das Los des Volkes inmitten von Ungerechtigkeit und Beschwerden dieser Welt erleichtert. Solcher Reichtum hätte einen gewaltsamen, radikalen Aufstand wider die bestehende Welteinrichtung von heute verhindert. Man braucht keinen selbstischen, materiellen Reichtum, um wirklich wohlhabend, glücklich und zufrieden zu sein.

      3. Wer war der Ärmste, doch Glücklichste auf Erden, und weshalb?

      3 An irdischen Gütern gemessen, gehörte Jesus Christus als Mensch auf Erden zu den Ärmsten der Armen. Er wurde bei seiner Geburt nicht in eine prächtige Wiege gelegt, sondern in die Krippe eines Tieres, weil in der Dorfherberge kein Platz für Besucher vorhanden war. Als Prediger des Königreiches Gottes konnte er kein Heim sein eigen nennen. „Füchse haben Höhlen, und Vögel des Himmels haben Schlafsitze, aber der Sohn des Menschen hat keine Stätte, wo er sein Haupt niederlege.“ (Matth. 8:20, NW) Wegen seines geistigen Reichtums aber hatte er wirkliche und treue Freunde, insbesondere seinen Vater im Himmel und die Menschen guten Willens auf Erden. Er besass eine Freude, die ihm kein Geschöpf nehmen konnte. Er war der glücklichste Mensch auf Erden, so dass er gut den wahren Zustand des Glücks in seiner Bergpredigt beschreiben konnte, die wie folgt beginnt: „Glücklich jene, die sich ihres geistigen Mangels bewusst sind, da das Königreich der Himmel ihnen gehört.“ (Matth. 5:3, NW) Durch ein Bekanntwerden mit ihm können jetzt alle Armen geistig reich gemacht werden und können sich der Hoffnung erfreuen, frühzeitig in den Besitz all der andern Reichtümer zu gelangen, die in der gerechten neuen Welt unter seinem Königreich erhältlich sind.

      4. Für welche Veränderung der Sachlage war nun die Zeit gekommen, wie Jesus dies zeigte, und wie veranschaulichte er es?

      4 Jesus wusste damals, dass Satans Welt andauern sollte, ohne dass Gott dazwischenträte, bis die „bestimmten Zeiten der Nationen“ im Jahre 1914 endeten. So bemühte er sich, die Menschen, die sich ihres geistigen Mangels bewusst waren, geistig mit der Botschaft vom Reiche Gottes und mit einem vermehrten Verständnis seines aufgezeichneten Wortes reich zu machen. Er zeigte, dass die Zeit gekommen war, da sich, veranlasst durch Gott, das Blatt für die wendete, die reich waren an weltlichen Gütern, an politischer Macht und religiöser Gewalt und Einfluss, und da er die erhöhte, die ihren geistigen Mangel fühlten. Dies illustrierte er in einem Gleichnis, das er sprach, im Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus. „Gleichnis“ nennen wir es, denn wenn wir diese Beschreibung der Angelegenheiten des Reichen und des Lazarus buchstäblich deuteten, würde damit das interessante Wortbild Jesu zu einer Ungereimtheit herabgewürdigt. Wegen des klaren Sinnes, den es für uns heute hat, werden wir eine Betrachtung dieses trostreichen Gleichnisses aufnehmen. In seinem Verlaufe werden wir die Punkte beachten, die zeigen, dass es nicht buchstäblich aufgefasst werden kann, so wie es Religionsgeistliche darlegen, um die Menschen unter ihre Macht zu bekommen, indem sie sie schrecken durch die Furcht, sie würden nach dem Tode in einem buchstäblichen Feuer und Schwefel ewiglich gequält.

      DER REICHE MANN

      5, 6. a) Wem zur Warnung gab Jesus das Gleichnis, und warum? b) Wen stellt der reiche Mann im allgemeinen dar?

      5 Als Jesus dieses Gleichnis sprach, hörten Anhänger der strengen religiösen Sekte der Pharisäer zu, und zweifellos war es ihnen eine Warnung. „Die Pharisäer nun, die geldliebend waren, hörten all diesen Dingen zu, und sie begannen, über ihn hohnzulachen.“ So sagte denn Jesus nach einigen passenden Bemerkungen: „Um fortzufahren: Ein gewisser Mann war reich, und er pflegte sich in Purpur und Leinwand zu kleiden, und Tag für Tag erfreute er sich eines prunkvollen Lebens.“ (Luk. 16:14, 19, NW) Sein Name war nicht etwa „Di’ves“, doch benutzt die lateinische Vulgata-Version der Bibel das Wort in bezug auf ihn, weil es das lateinische Wort für „reicher Mann“ ist. Deswegen wird der Reiche [im englischen Sprachgebiet] allgemein „Di’ves“ genannt, und auch wir können das tun. Die Frage erhebt sich nun: Wer ist dieser Reiche?

      6 Jesus zeichnete den reichen Mann nicht durch einen Namen aus, sondern beschrieb ihn lediglich, um eine Klasse Menschen zu beschreiben, die er darstellt. Übereinstimmend mit seinem Reichtum, kleidete er sich in Purpur und Leinwand und erfreute sich täglich eines prunkvollen Lebens, wozu auch ein reich gedeckter Tisch gehörte. Da Jesus seine Worte direkt zu den Juden sprach, veranschaulicht der Reiche zuerst eine Klasse unter ihnen, welche Vorrechte und Vorteile gleich den beschriebenen besitzt. In der endgültigen Anwendung des Gleichnisses zu unserer Zeit veranschaulicht er eine ähnliche Klasse von heute, das Gegenstück von derjenigen zur Zeit Jesu. Jesus sprach zum Teil zum Nutzen der Pharisäer, die zuhörten und die geldliebend waren. So zeigen denn die Tatsachen und die Schriften, dass der reiche Mann eine Klasse religiöser Führer darstellt, die reich sind an geistigen Vorrechten und günstigen Gelegenheiten und die sich so benehmen wie der reiche Mann.

      7. Was wird dadurch dargestellt, dass der reiche Mann sich in Purpur kleidete?

      7 Kleidung ist ein Sinnbild von Stellung, Rang, materiellen Mitteln und Kenntlichmachung. Purpur war eine Farbe der Königswürde. Als die römischen Soldaten über die königlichen Ansprüche und die Abstammung Jesu spotteten, da „warfen sie ihm ein purpurnes Oberkleid um“ und sagten zu ihm: „Guten Tag, du König der Juden!“ (Joh. 19:2-5, NW; Mark. 15:16-20) Die Führer erhoben den Anspruch, für Gottes Königreich bereit zu sein, indem sie sich der Worte Gottes erinnerten, die Mose am Berge Sinai zu ihnen gesprochen hatte: „Und nun, wenn ihr fleissig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mein Eigentum sein aus allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein; und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.“ (2. Mose 19:5, 6) Jesus bezog sich auch auf sie als die „Kinder des Königreiches“ und enthüllte uns, wer sie waren, indem er sprach: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! weil ihr das Königreich der Himmel vor den Menschen verschliesset; denn ihr selbst gehet nicht hinein, noch lasst ihr die auf dem Wege sind, hineinzugehen, hineingehen.“ Wegen dieser Handlungsweise sagte Jesus: „Das Königreich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die dessen Früchte hervorbringt“; und die Oberpriester und die Pharisäer merkten, dass er von ihnen redete. (Matth. 8:12; 23:13; 21:43, 45, NW). So wird uns schon hier der reiche Mann gekennzeichnet als Vertreter der heuchlerischen Pharisäer, Schriftgelehrten und Oberpriester, wozu auch die Sadduzäer gehörten; und diese bildeten die jüdische Geistlichkeit oder die religiösen Führer.

      8. Was stellte es dar, dass er sich selbst in Leinwand kleidete?

      8 Der reiche Mann kleidete sich nicht allein in Purpur, sondern auch in Leinwand. Dies ist bedeutsam, denn in der Schrift versinnbildlicht Leinwand Gerechtigkeit: „die feine Leinwand stellt die gerechten Taten der Heiligen dar.“ (Off. 19:8, NW) Wenn es eine Klasse auf Erden gab, die auf Gerechtigkeit, auf selbsterworbene Gerechtigkeit, Anspruch erhob, so waren es diese jüdischen Religionisten. Als nun die Pharisäer über Jesus hohnlachten, sagte er zu ihnen, gerade bevor er vom reichen Mann und Lazarus erzählte: „Ihr seid es, die sich selbst gerechtsprechen vor Menschen, doch Gott kennt eure Herzen; denn was erhaben ist unter Menschen, ist ein Abscheu in Gottes Augen.“ (Luk. 16:15, NW) So sagte er ihnen, sie hätten ihr Äusseres, bildlich gesprochen, in Leinwand gehüllt, hätten es aber getan, um ein abscheuliches Inneres zu verdecken. Später wies er darauf hin mit den Worten: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! denn ihr gleichet übertünchten Gräbern, die äusserlich zwar schön erscheinen, inwendig aber voll sind von Totengebeinen und von allerlei Unreinigkeit. So erscheint auch ihr äusserlich zwar vor Menschen gerecht, inwendig aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit.“ (Matth. 23:27, 28, NW) Aus diesem Grunde gab er das Gleichnis vom Pharisäer und dem verachteten Steuereinnehmer, weil die von der pharisäischen Menge „auf sich selbst vertrauten, dass sie gerecht seien und . . . die übrigen für nichts achteten.“ (Luk. 18:9-14, NW) Der Steuereinnehmer aber ging heim und war in Wirklichkeit gerechter als der Pharisäer.

      9. Warum fehlte ihrer Gerechtigkeit die richtige Grundlage?

      9 Ihre feine Leinwand zur Schau stellend, paradierten sie öffentlich mit ihrer Gerechtigkeit, um von Menschen gesehen zu werden, welche vor ihnen herposaunten, wenn sie ihre Wohltätigkeitsgaben austeilten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und Beifall zu ernten. (Matth. 6:1, 2) Der Apostel Paulus war einst ein eifriges Glied der strengen Sekte der Pharisäer und betrachtete sich selbst als untadelig, soweit es die Gerechtigkeit auf Grund des Mosaischen Gesetzes betraf. Doch verliess er den falschen Weg der Selbstgerechtigkeit, um wirkliche Gerechtigkeit zu erlangen: „nicht meine eigene Gerechtigkeit, die sich aus dem Gesetz ergibt, sondern die durch Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit, die von Gott aus kommt auf Grund des Glaubens.“ (Phil. 3:4-6, 9, NW) Als Christ beklagte er den Lauf der Israeliten unter der Führerschaft ihrer Geistlichkeit und sagte: „Israel, obwohl es einem Gesetz der Gerechtigkeit nachstrebte, erreichte das Gesetz nicht. Aus welchem Grunde? Weil es ihm nicht durch Glauben, sondern als durch Werke nachstrebte . . . Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, doch nicht gemäss genauer Erkenntnis; denn weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannten, sondern ihre eigene aufzurichten suchten, unterwarfen sie sich nicht der Gerechtigkeit Gottes. Denn Christus ist das vollendete Ende des Gesetzes, so dass jeder, der Glauben übt, Gerechtigkeit haben kann.“ (Röm. 9:31, 32; 10:2-4, NW) So war denn die Leinwand, womit sich die Klasse des „reichen Mannes“ bekleidete, nicht von der Art, die Gott durch Christus gibt. Es war Selbstgerechtigkeit, und mutig stellte Jesus sie als solche bloss.

      PERSONEN MIT EINEM STAMMBAUM

      10, 11. a) Welche Abstammung stärkte ihre Selbstsicherheit? b) Was aber erkannten sie nicht in bezug auf die Ungewissheit ihrer Stellung?

      10 Etwas, was die Klasse des „reichen Mannes“ in ihrer Selbstsicherheit und ihrem Hochmut stärkte, war die Tatsache, wie das Gleichnis später zeigt, dass deren Glieder die natürlichen Nachkommen Abrahams waren. Dem Abraham hatte Jehova Gott unter seinem eigenen Eide die Verheissung gegeben: „Ich schwöre bei mir selbst, spricht Jehova, . . . ich [werde] deinen Samen sehr mehren, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und dein Same wird besitzen das Tor seiner Feinde; und in deinem Samen werden gesegnet werden alle Nationen der Erde.“ (1. Mose 22:16-18, Fussn.) Folglich sagten sie zu Jesus: „Wir sind Abrahams Nachkommen, und niemals sind wir irgend jemandes Sklaven gewesen.“

      11 Jesus erwiderte: „Ich weiss, dass ihr Abrahams Nachkommen seid; doch sucht ihr mich zu töten, weil mein Wort keinen Fortschritt unter euch macht.“ Er sagte, dass sie auch Abrahams Werke tun sollten, wenn sie Abrahams Kinder wären. Doch schon vor Jesus hatte Johannes der Täufer sie davor gewarnt, sich zuviel auf die natürliche Abstammung vom treuen Freunde Gottes zu verlassen. Als er die vielen Pharisäer und Sadduzäer erblickte, die zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: „Ihr Vipernbrut . . . masset euch nicht an, bei euch selbst zu sagen: ‚Als Vater haben wir Abraham.‘ Denn ich sage euch, dass Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken kann.“ (Joh. 8:33, 37, 39 und Matthäus 3:7-9, NW) Sie stammten von Natur aus dem Geschlecht Abrahams gleich den natürlichen Zweigen eines edlen Ölbaums. Doch erkannten sie nicht, dass sie von diesem Stamm ausgebrochen werden konnten, weil sie nicht an den Sohn Gottes glaubten, den hauptsächlichen Samen Abrahams, Jesus Christus. Zudem konnten Zweige eines wilden Ölbaums auf übernatürliche Weise in die durch sie frei gewordenen Stellen eingepfropft werden. Noch etwas: Abraham hatte zwei natürliche Söhne, Ismael und Isaak; und sie konnten verworfen werden gleichwie Ismael, wodurch Isaak der volle Erbe blieb, weil er in Erfüllung der göttlichen Verheissung an Abraham durch ein Wunder geboren wurde. — Röm. 11:1, 17-24; Gal. 4:29, 30.

      12. Zufolge welches Besitzes konnten sie an einem reichgedeckten Tische schwelgen?

      12 Da die Israeliten zufolge ihrer Abstammung von den treuen Vorfahren, Abraham, Isaak und Jakob, von Natur so hoch begünstigt waren, erfreuten sie sich Tag um Tag eines grossartigen Lebens. Die Klasse des „reichen Mannes“ konnte sich an einem reich gedeckten Tisch erlaben, weil sie geistig reichlich versorgt war, wie das Gleichnis Jesu es uns zeigt: sie hatte „Mose und die Propheten“. Mose stellte das Gesetz und die von ihm geschriebenen ersten fünf Bücher der Bibel dar, während die Propheten die Schriften der frühen und späteren Propheten enthielten, und damit verbunden waren die Psalmen oder eine Sammlung biblischer Bücher, denen die Psalmen vorangingen. Alle diese zusammen bildeten die Hebräischen Schriften, und aus diesen zitierte Jesus beständig, um zu beweisen, dass er der Messias oder Christus, der verheissene Same Abrahams, sei. „Und beginnend bei Mose und allen Propheten legte er ihnen in all den Schriften die Dinge aus, die ihn betrafen.“ Er sagte: „Alle Dinge müssen erfüllt werden, die im Gesetz Moses und in den Propheten und Psalmen über mich geschrieben sind.“ — Luk. 24:27, 44, NW.

      13. Vor wem also besassen sie einen Vorteil? Wie wurde dies bezeugt?

      13 Somit hatten die beschnittenen Israeliten, welche diesen ihnen von Gott gegebenen Schatz besassen, vor allen heidnischen Nationen einen Vorteil. Paulus fragt: „Was denn ist der Vorzug des Juden, oder was der Nutzen der Beschneidung? Viel in jeder Hinsicht. Fürs erste, weil ihnen die heiligen Aussprüche Gottes anvertraut wurden.“ (Röm. 3:1, 2, NW) Als Stephanus, der christliche Märtyrer, vor dem jüdischen Sanʹhe·drin stand, bei dem der Hohepriester präsidierte, sagte er zu ihnen: „Das ist der Mose, der . . . in der Versammlung in der Wüste weilte mit dem Engel, welcher auf dem Berge Sinai zu ihm und mit unsern Vorfahren redete, und er empfing lebendige heilige Aussprüche, um sie euch zu geben.“ (Apg. 7:37, 38, NW) Der Apostel Paulus sprach von ihnen als von „meinen Brüdern, meinen Verwandten gemäss dem Fleische, die als solche Israeliten sind, denen die Adoption als Söhne gehört und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Gesetzgebung und der heilige Dienst und die Verheissungen; denen die Vorfahren gehören und aus denen Christus gemäss dem Fleische stammt.“ (Röm. 9:3-5, NW) Jehova Gott setzte seinem erwählten Volke tatsächlich ein Festmahl vor, das nur es erhielt, und daher sagte der Psalmist: „Er verkündet Jakob sein Wort, Israel seine Satzungen und seine Rechte. Keiner Nation hat er also getan; und die Rechte, sie haben sie nicht gekannt. Lobet Jehova!“ — Ps. 147:19, 20.

      14. Wer besonders in Israel sass am Festmahl? Lagen sie am Busen Abrahams?

      14 Dieses Vorrecht, am Festmahl zu sitzen, besassen insbesondere die religiösen Führer in Israel, die Klasse des „reichen Mannes“ von damals. Sie hatten somit den „Schlüssel der Erkenntnis“, und es war ihr Vorrecht, das gewöhnliche Volk zu lehren. Doch wenn sie auch am Tische des Reichen schwelgten, sich grossartig zurücklehnten und sich anmassten, Abrahams verheissener Same zu sein, lagen sie doch nicht am „Busen Abrahams“, noch erhielten sie dessen höchste Gunst. Jesus enthüllte den Grund hiervon, wenn er zu seinen religiösen Gegnern sagte: „Wehe euch, die ihr in dem Gesetz bewandert seid, weil ihr den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen habt; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die Hineingehenden habt ihr gehindert!“ (Luk. 11:52, NW) Bestimmt stellt der „reiche Mann“ eine selbstsüchtige Klasse Religionisten von damals und heute dar. Wiewohl sie versehen ist mit einem solch reichen Tisch voll geistiger Nahrung, lässt sie doch nur sehr wenig davon abfallen oder wegwerfen, damit die Armen sich daran erfreuen könnten.

      DER ARME BETTLER LAZARUS

      15. Wer wurde an das Tor des reichen Mannes gelegt? Und warum?

      15 Jesus lenkt nun unsern Blick vom Innern des Palastes des Reichen weg und hinaus an dessen Tor mit den Worten: „Aber ein gewisser Bettler namens Lazarus pflegte an sein Tor gelegt zu werden, voller Geschwüre, und er begehrte, sich mit den Dingen zu sättigen, die vom Tische des reichen Mannes fielen. Ja, auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre.“ (Luk. 16:20, 21, NW) Lazarus, der Bettler, hatte ein Recht, am Tor eines Reichen zu sein, denn Gottes Gesetz lehrte die Wohlhabenden ausdrücklich, für die Armen eine offene Hand zu haben. Wenn die Klasse des „reichen Mannes sich dem Gesetze Gottes gemäss selbstlos benommen, wenn sie Liebe zu ihrem Nächsten wie zu sich selbst bekundet hätte, so hätte es keine Armen im Lande gegeben. Jetzt aber, da wegen der selbstsüchtigen Einrichtung der Welt tatsächlich Arme im Lande waren, stand der Reiche unter den Pflichten des Gesetzes und auch unter der Warnung durch die Propheten, doch die Armen zu beachten und ihnen Hilfe zu gewähren. — 5. Mose 15:4, 7, 9, 11; Ps. 41:1, 2.

      16. Ist unter Lazarus eine buchstäbliche Person zu verstehen? Was zeigt dieser Name an?

      16 Gleichwie der selbstsüchtige Reiche eine gewisse Klasse Menschen darstellte, so hat der Bettler oder Arme eine Klasse der Zeit Jesu wie auch der Gegenwart dargestellt. Die Klasse zur Zeit Jesu erkennend, können wir auch die Klasse erkennen, die heute das Gegenstück dazu bildet. Von 1881 bis Ende 1939 wurde gelehrt, der reiche Mann stelle die jüdische Nation als Ganzes dar, und der Bettler veranschauliche die Heiden oder alle Nationen ausserhalb Israels.a Doch gibt Jesus dem Bettler den Namen Lazarus, was ein jüdischer Name ist und anzeigt, dass er ein Jude, nicht ein Heide war. Es ist eine griechische Form des Namens „Eleasar“, der bedeutet „Gott ist Helfer“. Die Tatsachen zeigen, dass diese „Bettler“-Klasse mit Juden ihren Anfang nahm, jedoch erweitert wurde, um Heiden einzuschliessen, so dass sie heute grösstenteils aus Nichtjuden besteht. Lazarus war von derselben jüdischen Gemeinde wie der reiche Mann. Zwischen ihnen war keine Scheidewand wegen Rasse oder natürlicher Herkunft. Der Unterschied zwischen ihnen entstand zufolge des Vorzuges und der Vorrechte, welche die religiöse Geistlichkeit sich selbstsüchtig angemasst hatte.

      17. Wen veranschaulicht Lazarus, und warum als Bettler?

      17 Der Bettler Lazarus stellt daher das arme Volk dar, sowohl von den Juden von damals wie jetzt von der Christenheit. Die Religionsgeistlichen und Führer vorenthalten ihm eine richtige geistige Nahrung, Vorrechte und Aufmerksamkeit, auf die sie, gemäss Gottes Willen und Befehlen, ein Recht haben. Zur Zeit Jesu schloss die Klasse des „reichen Mannes“ die Pharisäer ein, und diese behandelten das gewöhnliche Volk mit äusserster Verachtung. Die Geschichte sagt uns, dass sie sie ‵am ha-arets oder Volk der Erde nannten, das unter ihren Füssen und ihrer Beachtung nicht wert sei. Einer Auferstehung zu ewigem Leben würdig? Solche Leute nicht! Menschen, welche die Jünger der jüdischen Rabbis oder Lehrer wurden, dachten, sie seien dazu weit besser geeignet. Dadurch, dass sie die Rabbis gut bezahlten, erkauften sie sich das günstige Urteil solcher Lehrer. Wie treffend sagt doch der Bericht des Lukas, dass die Pharisäer dem Gleichnis Jesu zugehört hatten und geldliebend waren und über Jesus von Nazareth hohnlachten, da sie dachten, aus dieser unbedeutenden Stadt könnte nichts Gutes kommen! Sie ‚vertrauten auf sich selbst, dass sie gerecht waren und . . . achteten die übrigen für nichts.‘ — Joh. 1:46; Luk. 18:9-11, NW.

      18, 19. Weshalb wurde er als voller Geschwüre, als Genosse von Hunden veranschaulicht?

      18 Solch religiöse Führer, die in ihre Leinwand der Selbstgerechtigkeit gekleidet waren, schauten herab auf das arme, ungelehrte Volk und betrachteten es als geistig krank, wie einen Lazarus, der mit Geschwüren bedeckt war. Sie betrachteten die Armen gleichwie Hiobs drei selbstgerechte Freunde ihn betrachteten, als Satan, der Teufel, ihn von Kopf bis Fuss mit Geschwüren geschlagen hatte, damit es aussehe, als ob Gottes Hand wider Hiob sei. Verächtlich sagten die Oberpriester und Pharisäer über das Volk, das an Jesus glaubte: „Diese Menge, die das Gesetz nicht kennt, sie sind verflucht.“ — Hiob 2:1-13; Joh. 7:49, NW.

      19 Somit bezeichneten sie solche Leute als unter Gottes Fluch stehend und geeignet, nur in enger Verbindung zu sein mit Hunden, welche das Fleisch von Tieren essen durften, die von Tieren des Feldes zerrissen worden waren und welchen man nichts Heiliges vorwerfen durfte. Mochten sie in der Stadt umherstreifen wie hungrige Aashunde bei der Dämmerung und heulen, wenn sie nichts zu fressen fanden. Die unbeschnittenen Heiden bezeichnete man als Hunde; mochten diese die Geschwüre der Armen lecken und ihnen etwas Linderung verschaffen. (2. Mose 22:31; Matth. 7:6; 15:26, 27; Ps. 59:6, 14, 15; Mark. 7:27, 28) Da sie von den erhabenen Führern, die sie mit Geringschätzung behandelten, in geistiger Hinsicht vernachlässigt wurden, mussten sie natürlich voller Geschwüre und geistig krank werden. Zu solch Vernachlässigten und Kranken kam Jesus, um ihnen Gottes heilendes Wort auszuteilen. Als die Pharisäer sich bei seinen Jüngern beschwerten: „Wie kommt es, dass euer Lehrer mit Steuereinnehmern und Sündern isst?“ sagte Jesus: „Gesunde brauchen keinen Arzt, sondern die Leidenden. Gehet denn und lernet, was dieses bedeutet: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer.‘ Somit bin ich gekommen, nicht um Gerechte zu berufen, sondern Sünder.“ — Matth. 9:11-13, NW; Mark. 2:16, 17.

      20. Wer legte den Bettler an das Tor des reichen Mannes, und warum dorthin?

      20 Der Bettler Lazarus wurde an das Tor des Reichen gelegt, denn er wünschte, mit den Dingen gesättigt zu werden, die von des Reichen Tische fielen. Was immer von diesem reichgedeckten Tisch weggeworfen wurde, vermisste der Reiche nie. Es konnte dem Bettler gegeben werden ohne ein Fanfarengeschmetter, wodurch man die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf seine Wohltätigkeit gegenüber den Armen gelenkt hätte. Jemand von der Gemeinde hatte Lazarus an sein Tor gelegt. Gleichwie Lazarus dachte man, die religiöse Geistlichkeit sei es, von der allein geistige Nahrung von Gott erhältlich wäre, und so wies man die Lazarusklasse des armen, ungelehrten Volkes an, in bezug auf alle geistige Nahrung zu den religiösen Führern und Lehrern aufzublicken.

      21. Womit wünschte die Lazarusklasse ernährt zu werden, doch was erhielt sie?

      21 Die Lazarusklasse hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, denn sie ist sich ihres geistigen Mangels bewusst und wünscht geistige Nahrung, damit sie in einen gesunden Herzens- und Geisteszustand gelange und stark werde, um Gott richtig zu dienen. Sie wünscht mehr als nur die leeren, nichtigen Philosophien von Menschen; doch ist dies es, was die Klasse des „reichen Mannes“ ihr gibt. Sie gibt ihr die Vorschriften von Menschen und die Traditionen religiöser Ältesten, die über Gottes Befehle hinausgehen und sein Wort wirkungslos machen. Für sich selbst nach Wohlbehagen trachtend, bindet sie schwere Bürden und legt sie auf die Schultern der Menschen. Sie selbst will nicht durch Jesus Christus in das Königreich eingehen und sucht auch die Lazarusklasse am Hineingehen zu hindern. Demzufolge hat sie nur kleine Bissen von wirklich geistiger Nahrung im Interesse der Gesundheit und Kraft der Lazarusklasse fallenlassen. Diese hat nur wenig Trost aus Gottes Wort und Vorkehrungen empfangen, während die Klasse des selbstgerechten „reichen Mannes“ all die hauptsächlichsten Segnungen auf sich anwendet. (Kol. 2:8; Matth. 15:1-9; 23:4, 13, NW) Es ist daher nicht verwunderlich, dass Jesus die religiöse Klasse des „reichen Mannes“ öffentlich geisselte und sie „Heuchler, Toren, blinde Leiter, Schlangen, Vipernbrut“ nannte. Wie grossmütig, dass er die Sache der Armen in die Hand nahm und die Armen erhöhte und tröstete!

  • Der Bettler und der Reiche Mann erfahren eine Veränderung
    Der Wachtturm 1951 | 15. April
    • Der Bettler und der Reiche Mann erfahren eine Veränderung

      1. Was für Veränderungen zeigte Jesus in seiner Predigt für arm und reich an?

      IN SEINER Bergpredigt sagte Jesus: „Glückselig jene, die sich ihres geistigen Mangels bewusst sind, da das Königreich der Himmel ihnen gehört. Glücklich sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, da sie gesättigt werden.“ Im Gegensatz zu diesen Worten, wodurch solcherlei Personen als glücklich bezeichnet werden, sagte er: „Doch wehe euch, ihr Reichen, denn ihr habt euern Trost völlig. Wehe euch, die ihr jetzt satt seid, denn ihr werdet hungern. Wehe euch, die ihr jetzt lachet, denn ihr werdet trauern und weinen.“ (Matth. 5:3, 6 und Luk. 6:24, 25, NW) Jesus veranschaulichte diese Veränderungen für arm und reich in seinem Gleichnis von dem Bettler Lazarus und dem reichen Mann. Er zeigte im Bilde, dass die Veränderungen durch den Tod kamen.

      2. Was widerfuhr beim Tode dem Lazarus und dem reichen Mann? Was zeigte die neue Lage des Lazarus an?

      2 Jesus sagte: „Im Laufe der Zeit nun starb der Bettler, und von den Engeln wurde er an den Busenplatz bei Abraham getragen. Auch der reiche Mann starb und wurde begraben. Und im Hades erhob er seine Augen, als er in Qualen war, und er sah Abraham von ferne und Lazarus am Busenplatz bei ihm.“ (Luk. 16:22, 23, NW) Die Neue-Welt-Übersetzung sagt in ihrer Fussnote von diesem „Busenplatz“, dass, wenn jemand diese Stellung einnehme, es gleich sei, „wie wenn jemand bei einem Mahl vor einem andern auf demselben Lager liege“. Er bezeichnet eine Stellung der Gunst bei Abraham. Der Tod war für Lazarus das Ende des Bettlerzustandes und versetzte ihn an einen günstigen Platz. Die Frage ist nun: Wann starb er und in welchem Sinne? Die Tatsachen geben die Antwort.

      3, 4. Wann und als Ergebnis wovon starb die Lazarusklasse?

      3 Die Lazarusklasse starb, als die Königreichsbotschaft den Armen erzählt zu werden begann, welche von der Religionsgeistlichkeit verachtet und vernachlässigt wurde. Sie bestand aus Sündern, die der Reue bedurften, aus Huren, Zöllnern, beschnittenen Samaritern und schliesslich unbeschnittenen Heiden; diese nahmen die Botschaft an und wurden Nachfolger des Messias, Christi, des Königs. Dies begann in den Tagen Johannes’ des Täufers, denn er kam und predigte in der Wüste: „Bereuet, denn das Königreich der Himmel ist nahe gekommen. Ich zwar taufe euch mit Wasser, weil ihr bereuet; der nach mir Kommende aber ist stärker als ich, welchem die Sandalen abzuziehen ich nicht tauglich bin. Jener wird euch Leute mit heiligem Geist und mit Feuer taufen.“ (Matth. 3:1, 2, 11, NW) Etwa sechs Monate nachdem Johannes seinen Dienst antrat, wurde Jesus von ihm getauft und mit Gottes Geist zum Christus gesalbt. Nach vierzig Tagen der Versuchung in der Wüste kam er zu Johannes zurück und begann seine Jünger zu sammeln. Besonders nach der Verhaftung des Johannes im folgenden Jahre zog sich Jesus nach Galiläa zurück und begann gleich wie er zu predigen: „Bereuet, denn das Königreich der Himmel ist nahe gekommen.“ Auf dem Wege nach Galiläa predigte er selbst den verachteten Samaritern. — Matth. 4:17, NW; Joh. 4:1-42.

      4 Als er in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazareth weilte, las er der Gemeinde seinen Predigtauftrag aus dem Propheten Jesaja vor: „Jehovas Geist ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, um gute Botschaft den Armen kundzutun, er sandte mich aus, um Freilassung zu predigen den Gefangenen und Wiederherstellung des Gesichts den Blinden, um die Zerschlagenen unter Freilassung wegzusenden, um zu predigen Jehovas annehmbares Jahr.“ Dann fügte er bei: „Heute erfüllt sich dieses Schriftwort, das ihr gerade hörtet.“ (Luk. 4:16-21, NW) Etwas später sandte Johannes der Täufer aus dem Gefängnis zu ihm, um eine Bestätigung zu erhalten, dass er wirklich der sei, der kommen sollte. Jesus sagte den Boten des Johannes: „Gehet hin und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: Die Blinden sehen wieder, und die Lahmen gehen umher, die Aussätzigen werden gereinigt und die Tauben hören, und die Toten werden auferweckt, und den Armen wird die gute Botschaft verkündigt.“ (Matth. 11:2-5, NW) O ja, den Gliedern der Lazarusklasse wurde die gute Botschaft gepredigt, und das führte ihren Tod als Klasse von geistig kranken und hungrigen Bettlern herbei. Sie gingen nicht mehr ans Tor des „reichen Mannes“, um Nahrung zu bekommen, sondern liefen in Scharen zu Jesus, dem Messias. Jene, die sich ihres geistigen Mangels bewusst waren und nach dem, was recht war, hungerten und dürsteten, wurden gesättigt und getröstet.

      5. Wem drängte nun die Lazarusklasse entgegen? Und wem voran ging sie hinein, und warum?

      5 Nachdem die Boten des Johannes weggegangen waren, sagte Jesus: „Von den Tagen Johannes’ des Täufers an bis jetzt ist das Königreich der Himmel das Ziel, welchem Menschen entgegendrängen, und die Vorandrängenden ergreifen es. Denn alle, die Propheten und das Gesetz, prophezeiten bis Johannes.“ (Matth. 11:12, 13, NW) Jesus sagte etwas ganz Ähnliches, ehe er sein Gleichnis von Lazarus und dem reichen Manne sprach. Nachdem er die Selbstgerechtigkeit der zuhörenden geldliebenden Pharisäer blossgestellt hatte, sagte Jesus: „Das Gesetz und die Propheten waren bis Johannes. Von da an wird das Königreich Gottes als gute Botschaft verkündigt, und jederlei Person drängt vorwärts ihm entgegen.“ (Luk. 16:16, NW) Oder, um Moffatts Übersetzung anzuführen: „Und irgend jemand drängt hinein.“ (Siehe auch ZB u. Weizsäcker.) Jederlei Person oder irgend jemand? Jawohl, die demütige Lazarusklasse, die einst beim „reichen Mann“ bettelte, drängte voran, dem Königreich entgegen, und ergriff es. Angesichts dieser Tatsache sagte Jesus den Oberpriestern und den religiösen Ältesten schliesslich: „Wahrlich, ich sage euch, dass die Steuereinnehmer und die Huren euch vorangehen in das Königreich Gottes. Denn Johannes kam zu euch auf dem Pfade der Gerechtigkeit, doch glaubtet ihr ihm nicht. Die Steuereinnehmer aber und die Huren glaubten ihm, und ihr, obwohl ihr dies sahet, fühltet danach keine Reue, um ihm zu glauben.“ (Matth. 21:23, 31, 32, NW) So starb denn die Lazarusklasse für jene religiösen Führer und wurde in bezug auf Nahrung, Trost und Hilfe an die rechte Quelle geführt.

      TOT GEGENÜBER DEM GESETZ, DOCH NICHT BEGRABEN

      6, 7. Welche göttliche Bestimmung sollte also nun genau erfüllt werden? Durch wen und wie?

      6 Nun wurde Gottes Königreich gepredigt, und irgend jemand oder jederlei Person drängte vorwärts, um hineinzugehen, besonders nachdem der Apostel Petrus ermächtigt worden war, die „Schlüssel des Königreiches“ zu benutzen. Auch die Lazarusklasse drängte ihm entgegen. Somit war es an der Zeit, da das Gesetz Moses bis zum letzten Teilchen eines Buchstabens erfüllt wurde. Deswegen sagte Jesus weiter: „In der Tat, es ist leichter, dass Himmel und Erde vergehen, als dass ein Teilchen eines Buchstabens des Gesetzes unerfüllt bleibe. Jeder [Irgend jemand, Mo], der sich von seiner Frau scheidet und eine andere heiratet, begeht Ehebruch, und wer eine Frau heiratet, die von ihrem Mann geschieden ist, begeht Ehebruch.“ (Luk. 16:17, 18, NW) Als Sohn einer Jüdin kam Jesus unter das Gesetz Moses. Als vollkommener Jude ist er aber nicht gekommen, um dieses von Gott gegebene Gesetz zunichte zu machen; er kam, um es zu erfüllen. Er musste sich als der Same Abrahams erweisen, der zuerst in den Schriften des Mose prophezeit worden war. Als solcher Same musste er auf Gottes Altar geopfert werden gleichwie Abrahams geliebter Sohn Isaak auf Gottes Befehl hin auf dem Altar dargebracht wurde, was zu der an einen Eid gebundenen Verheissung Gottes führte: „In deinem Samen werden gesegnet werden alle Nationen der Erde.“ — 1. Mose 22:1-18, Fussnote.

      7 Wie im Gesetz Moses vorgeschrieben, musste Jesus es erfüllen, indem er als das wirkliche Passahlamm geopfert wurde, „das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt.“ Ja, er musste als Opfer dargebracht werden gleichwie die am Berge Sinai getöteten Tiere, deren Blut durch Mose, den Mittler, auf das Buch des Gesetzes und das Volk gesprengt wurde, um den Gesetzesbund zwischen Gott und Israel gültig zu machen. Das Blut Jesu hat jedoch einen neuen Bund zwischen Gott und dem geistlichen Israel gültig gemacht, wodurch Gott tatsächlich Sünden vergibt, so dass ihrer nicht mehr gedacht wird. Um die vielen prophetischen Bilder im Gesetz zu erfüllen, musste Jesus gleich dem Stier und Jehovas Ziegenbock am Tage der Versöhnung ebenfalls geopfert werden, und das Blut jener Opfer wurde vom Hohenpriester in das Heiligste gebracht und vor den göttlichen Gnadenstuhl gesprengt. Nur musste Jesus aus den Toten auferstehen und als Hoherpriester in den Himmel selbst auffahren und in Gottes heiligster Gegenwart erscheinen, um dort das Blut oder den Wert seines geopferten Menschenlebens für Gläubige auf Erden zu opfern. Dadurch konnten seine Nachfolger auf Erden von Gott wahre Gerechtigkeit empfangen. In Erfüllung dieser und anderer Züge des Mosaischen Gesetzes erfüllte Jesus dessen Zweck. So wurde es aus dem Wege geräumt und an den Marterpfahl genagelt, an welchem er starb. — 2. Mose 12:1-13; Joh. 1:29; 2. Mose 24:3-8; 3. Mose 16:1-19; Heb. 9:11-28; 13:10-13; Röm. 10:4; Kol. 2:14.

      8. Was sagte Jesus damals betreffend Scheidung, und warum dies?

      8 Weil das Gesetz Moses damals erfüllt und die an Jesus Glaubenden davon entbunden wurden, erklärte Jesus, dass die Scheidungsvorkehrung im Gesetz, wonach ein Mann mehr als nur eine lebende Frau haben dürfte, nach diesem seinen Nachfolgern nicht gelten würde. (5. Mose 24:1-4) Der durch Mose vermittelte Gesetzesbund verging, und der neue, durch den grösseren Mittler Jesus Christus vermittelte Bund trat an dessen Stelle. Wenn ein Christ, der unter demselben stand, sich von einem Ehegatten aus irgendwelchen andern Gründen als sexueller Untreue scheiden liess, und wenn sich darauf dieser oder jener Teil wieder verheiratete, wäre der Betreffende des Ehebruchs schuldig. Der christliche Massstab für eine Ehe unter dem neuen Bund würde jener sein, der von Gott im Garten Eden bei Adam und Eva festgelegt wurde. Dem Mann war nur e i n lebendes Weib gegeben worden, um Kinder zu erwecken und so die Erde zu füllen und sie sich untertan zu machen und in einen Paradieseszustand zu bringen. (Matth. 19:3-9; 1. Mose 1:28; 2:21-24) Gott sah keine Scheidung für das vollkommene Paar vor. Ebenso darf ein verheirateter Christ der Ehegatte von nur einem lebenden Partner sein und sollte diesem treu sein. Diese Darlegung Jesu über den Ehestand muss die zuhörenden Pharisäer, die den Lehren des Talmuds über die Ehe folgten, gereizt haben.

      9. Wie sagte Paulus, die Lazarusklasse sei vom Mosaischen Gesetz entbunden, und zu welchem Zweck?

      9 Indem der Apostel Paulus zeigt, wie die jüdischen Glieder der Lazarusklasse ihrem früheren bettlerähnlichen Zustand unter dem Gesetzesbund gestorben waren, spricht er zu einigen von ihnen: „Kann es sein, dass ihr nicht wisset, Brüder (denn ich rede zu solchen, die das Gesetz kennen), dass das Gesetz Herr ist über einen Menschen, solange er lebt? Zum Beispiel ist eine verheiratete Frau nach Gesetz an ihren Mann gebunden, solange er lebt; wenn aber ihr Mann stirbt, so ist sie von dem Gesetz ihres Mannes entbunden. So wird sie denn, während ihr Mann lebt, eine Ehebrecherin heissen, wenn sie eines andern Mannes würde. Doch wenn ihr Mann stirbt, ist sie frei von seinem Gesetz, so dass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie eines andern Mannes wird. Also, meine Brüder, seid auch ihr getötet dem Gesetz durch den Leib des Christus, damit ihr eines andern werdet, des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten. Denn als wir im Einklang waren mit dem Fleisch, waren die sündigen Leidenschaften, die durch das Gesetz erregt wurden, in unsern Gliedern wirksam, damit wir dem Tode Frucht brächten. Jetzt aber sind wir von dem Gesetz entbunden, weil wir dem gestorben sind, wodurch wir festgehalten wurden, damit wir Sklaven seien in einem neuen Sinne nach dem Geist und nicht im alten Sinne nach den Gesetzesschriften.“ — Röm. 7:1-6, NW.

      10. Von wem war also die Lazarusklasse in bezug auf Nahrung nicht mehr abhängig? Weshalb?

      10 So war denn die Lazarusklasse dem Mosaischen Gesetz gestorben und der Klasse des „reichen Mannes“ nicht mehr untertan noch von jener jüdischen Geistlichkeitsklasse in bezug auf irgend etwas abhängig. Die Glieder dieser Klasse waren „mit Christus zusammen den elementaren Dingen der Welt“ gestorben, welche die Klasse des „reichen Mannes“ lehrte. Ihr Leben war nun „verborgen mit dem Christus in Einheit mit Gott“. Sie gingen nicht mehr beim „reichen Mann“ betteln. Nein, sie folgten dem Befehle Jesu: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher Heuchelei ist“, und mieden sie. — Kol. 2:20; 3:3 und Luk. 12:1, NW.

      11. Wo befand sich Lazarus nach dem Tode gemäss der Beschreibung Jesu? Warum beweist dies, dass es ein Gleichnis ist?

      11 Habt ihr aber einen interessanten Punkt beachtet? Welchen? Dass, wiewohl Lazarus starb, das Gleichnis doch nicht sagt, der Bettler sei begraben und in den Hades gelegt worden, wie dies beim reichen Mann der Fall war. Statt begraben zu werden und in den Hades zu kommen, wurde der Bettler ‚weggetragen von den Engeln an den Busenplatz bei Abraham‘. Somit wird die Lazarusklasse nicht als eine tote Klasse dargestellt, als „tot in euern Übertretungen und Sünden“, sondern als sehr lebendig, ‚Gott gegenüber lebendig‘. (Eph. 2:1; Gal. 2:19, NW) All diese Züge der Geschichte Jesu beweisen hier, dass sie nicht von einem buchstäblichen jüdischen „reichen Mann“ und von einem buchstäblichen Bettler in Israel namens Lazarus spricht. Warum sollte ein buchstäblicher Jude mit Namen Lazarus bei seinem Tode an Abrahams Busen getragen werden, nur weil er ein Bettler war, den Geschwüre bedeckten, welche Hunde leckten? Ferner war der buchstäbliche Abraham achtzehnhundert Jahre vorher begraben worden, und sein Busen war im Grabe vermodert, nämlich in der Höhle von Machpela bei Hebron. Abraham lag nicht zu Tische bei einem Festmahl und konnte Lazarus bewirten. (1. Mose 25:8-10) Abrahams Sohn Isaak wurde nach dem Tode bei ihm begraben. (1. Mose 35:27-29) Abrahams Enkel, mit dem Zunamen Israel, wurde nach dem Tode ebenfalls bei ihm begraben. (1. Mose 49:29 bis 50:13) Als Jakob von seinem Tode sprach, sagte er: „Denn leidtragend werde ich zu meinem Sohne hinabfahren in den Scheol [in die Hölle, Dy]!“ (1. Mose 37:35; 42:38) Da Jakob beim Tode zu seinem Volke versammelt und bei seinen Vätern begraben wurde und so in den Scheol oder in die Hölle kam, muss auch Abraham im Scheol oder in der Hölle, das heisst im gewöhnlichen Grab der Menschheit oder im Hades, gewesen sein.

      12. Wo war damals Abraham gemäss dem, was Religionisten sagen? Welche Frage erhebt sich dadurch in bezug auf das Wegtragen in die Hölle?

      12 Die Religionsgeistlichkeit der Christenheit lehrt, Abraham sei in der Hölle gewesen, die in ihren Glaubensbekenntnissen gelehrt wird, ferner, dass die Hölle im Erdzentrum oder Erdinnern aus zwei Abteilungen bestehe; eine Abteilung wird Paradies oder Limbus genannt, wo die Seelen jener Treuen hinkamen, die vor dem Opfer Christi starben; die andere Abteilung wird Gehenna genannt, wo es buchstäbliche Flammen der Qual gebe und wo sich der reiche Mann befinde. An Abrahams Busen zu sein, bedeutete also, in einem Untergrundparadies zu sein. Wenn das zuträfe und wenn das der Ort wäre, wohin ein buchstäblicher Bettler namens Lazarus bei seinem Tode ging, wie kommt es dann, dass ihn die Engel dorthin trugen? Tragen Engel tote Bettler in das Erdinnere an Abrahams Busen? Wer also trug den reichen Mann in die Flammen der Qual — etwa Dämonen? Die Schrift sagt, Jesus sei in die Hölle gegangen, aber durch Gottes Auferweckungsmacht wieder herausgekommen. (Ps. 16:10; Apg. 2:27, 31, 32) Die Offenbarung oder Apokalypse sagt uns: „Und der Tod und der Hades [die Hölle, Lu] wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod.“ (Off. 20:14) So kam denn Jesus rechtzeitig aus der Hölle heraus, um nicht damit im Feuersee zu landen. Wenn nun die Hölle im Erdzentrum ist, wie Religionisten behaupten, was wird dann aus der Erde, wenn die Hölle in den Feuersee geworfen wird?

      13. Warum genügt es nicht zu sagen, Abrahams Busen sei von der Hölle in den Himmel versetzt worden?

      13 Da schaut her, sagt jemand, das Paradies oder Abrahams Busen ist seit Jesu Tod, Auferstehung und Auffahrt in den Himmel von der Hölle in den Himmel versetzt worden! Wie kann dies aber sein? Am Tage der Pfingsten, zehn Tage NACH Jesu Auffahrt, sagte der inspirierte Apostel Petrus: „David fuhr nicht in die Himmel auf.“ Auch Abraham nicht, noch irgend jemand an seinem Busen. (Apg. 2:1, 29, 34, NW) Ferner sagte Jesus sein Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus mindestens einige Wochen bevor er am Marterpfahl auf Golgatha starb. So war also Jesus noch nicht in den Himmel aufgefahren, und das Paradies konnte zu der Zeit, da er sprach, noch nicht aus der Hölle in den Himmel versetzt worden sein. Und doch sagte Jesus, Engel hätten den toten Lazarus an Abrahams Busen getragen.

      14. Weshalb also befindet sich der Abraham des Gleichnisses nicht in irgendeiner Hölle?

      14 Aus all den Ungereimtheiten, auf die der Religionist hereinfällt, wenn er argumentiert, Jesu Geschichte bei buchstäblich aufzufassen, zeigt sich offenkundig, dass Jesus hier ein Gleichnis sprach. Dies tritt uns immer deutlicher vor Augen, wenn wir die weiteren Ungereimtheiten und Widersprüche einer buchstäblichen Auslegung betrachten. Daraus folgt also, dass der Abraham, an dessen Busen die Engel Lazarus trugen, sinnbildlich aufzufassen ist, gleichwie Lazarus und der reiche Mann Sinnbilder sind. Dieser sinnbildliche Abraham befindet sich nicht in der Hölle. Warum nicht? Weil Abraham im Gleichnis Jehova Gott selbst darstellt. Als der treue Abraham, „der Freund Gottes“, seinen einzigen Sohn Isaak auf dem Berge Morija opferte, war er ein prophetisches Bild Gottes Jehovas, der seinen einziggezeugten Sohn Jesus Christus opferte. Der Apostel Paulus schrieb an seine Mitchristen die Worte: „Die am Glauben festhalten, [sind] die Söhne Abrahams . . . Ihr alle seid tatsächlich Söhne Gottes durch euern Glauben an Christus Jesus. Ferner, wenn ihr Christus angehört, seid ihr wirklich Abrahams Same, Erben hinsichtlich einer Verheissung.“ Dies beweist, dass Abraham Jehova Gott darstellte, ihn, in dem in Wirklichkeit alle Familien der Erde gesegnet werden. Zum weiteren Beweis sagt der Apostel der Lazarusklasse: „Wir nun, Brüder, sind Kinder, die zur Verheissung gehören gleichwie Isaak“, und Isaak war der Sohn Abrahams. — Gal. 3:7, 8, 26, 29; 4:28, NW.

      IN DER GUNST DER THEOKRATIE

      15. Was also bedeutet das Weggetragenwerden an Abrahams Busen? Warum war der Name des Bettlers passend?

      15 Bei einem Bankett jemandem am Busen zu liegen, bedeutete einen Platz liebender Gunst bei diesem einzunehmen. Zum Beispiel lesen wir von Jesus: „Niemand hat GOTT jemals gesehen; der einziggezeugte Gott, der am Busenplatz beim Vater ist, er hat ihn erklärt.“ (Joh. 1:18, NW) Der Apostel Johannes nahm einen solch begünstigten Platz beim letzten Passah ein, denn wir lesen: „Am Busen Jesu lag einer von seinen Jüngern, und Jesus liebte ihn. So lehnte sich letzterer an die Brust Jesu zurück und sagte zu ihm: ‚Meister, wer ist es?‘ “ (Joh. 13:23, 25, NW) Von Engeln an Abrahams Busen getragen zu werden, bedeutet daher, von dem verachteten, bettlerhaften Zustand des Lazarus am Tor des reichen Mannes, in die liebende Gunst des grösseren Abrahams, Jehovas Gottes, versetzt zu werden. Es bedeutet, als Sohn Gottes von ihm angenommen zu werden, um mit dem verheissenen Samen Abrahams, mit Jesus Christus, verbunden zu sein. Es bedeutet, enge Gemeinschaft zu haben mit Jehova und seinem Sohne und sich mit ihnen am „Tische Jehovas“ zu erlaben. So steht geschrieben: „Diese unsere Teilhaberschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesus Christus . . . wenn wir im Lichte wandeln, gleichwie er selbst im Lichte ist, sind wir Teilhaber miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“ (1. Kor. 10:21, und 1. Joh. 1:3, 7, NW) Wie passend also der Name Lazarus, des Bettlers! Er bedeutet: „Gott ist Helfer“.

      16. Wen veranschaulichten die Engel, die ihn trugen? Warum?

      16 Wir sehen also, dass zunächst der Bettler Lazarus den Überrest der natürlichen Juden darstellte, die Glauben an Gott übten, indem sie die Botschaft seines Dieners Johannes des Täufers und seines Sohnes Jesus Christus annahmen. Denkt daran, wie Jesus vom verachteten Ober-Steuereinnehmer Zachäus nach dessen Bekehrung sagte: „An diesem Tage ist diesem Hause Rettung widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn der Sohn des Menschen kam, um zu suchen und zu retten, was verloren war.“ (Luk. 19:9, 10, NW) Johannes und Jesus waren wie Engel oder Boten, um den jüdischen Überrest an diesen Platz abrahamischer Gunst zu führen. Markus 1:2 sagt über Johannes: „Hier bin ich, ich sende meinen Boten [oder Engel] vor dir her, um deinen Weg zu bereiten.“ (NW, Rdbem.) Jesus bestätigte die Anwendung dieser Prophezeiung auf Johannes in Matthäus 11:10, 11. Und die Prophezeiung in Maleachi 3:1 sagt unter Bezugnahme auf Jesus Christus selbst: „Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr suchet; und der Engel des Bundes, den ihr begehret: siehe, er kommt, spricht Jehova der Heerscharen.“

      17. Wen schloss mit der Zeit die Lazarusklasse auch noch ein? Wie?

      17 Jesus begann aber auch den Samaritern zu predigen, und er sagte die Ausbreitung des Königreichsevangeliums unter den Samaritern und schliesslich unter den Heiden voraus. (Apg. 1:8) So schloss mit der Zeit die Lazarusklasse auch die gläubigen Samariter und die gläubigen Heiden ein, beginnend mit dem italischen Hauptmann Kornelius. Auf diese Weise wurden auch diese von einem armen, bettlerhaften Zustand in dieser Welt an den Busen göttlicher Gunst versetzt. Wir lesen daher: „Die Schrift nun, voraussehend, dass Gott Leute aus den Nationen zufolge von Glauben gerechtsprechen würde, verkündigte die gute Botschaft im voraus dem Abraham, nämlich: ‚Durch dich werden alle Nationen gesegnet werden.‘ Demzufolge werden jene, die am Glauben festhalten, mit dem gläubigen Abraham zusammen gesegnet.“ — Gal. 3:8, 9, NW.

      18. Was sagte Jesus, nachdem ein Hauptmann seinem Glauben Ausdruck verliehen hatte?

      18 Im zweiten Jahr des öffentlichen Predigtdienstes Jesu offenbarte ein heidnischer Hauptmann oder Heeresoffizier — ob es Kornelius war oder nicht, das wissen wir nicht — ungewöhnlichen Glauben an Jesu Kraft des Heilens. Dies war ein Beispiel von dem Glauben, der gefunden werden sollte unter den verachteten Heiden-„Hunden“, wie die selbstgerechten Juden sie nannten; und so sagte Jesus voraus, dass diese armen, sündenkranken, hungrigen Leute der Heiden-Nationen an den „Busenplatz bei Abraham“ geführt würden. Überrascht bemerkte Jesus: „Ich sage euch die Wahrheit: Bei niemand in Israel habe ich so grossen Glauben gefunden. Aber ich sage euch, dass viele von östlichen und westlichen Gegenden kommen und zu Tische liegen werden mit Abraham und Isaak und Jakob im Königreiche der Himmel, während die Söhne des Königreiches in die Finsternis draussen geworfen werden.“ — Matth. 8:5-12, NW.

      19-21. a) Wen stellt hier Abraham dar, wen Isaak und wen Jakob, und warum? b) Wen veranschaulichen somit die drei zusammen?

      19 Dies besagte nicht, dass Abraham, Isaak und Jakob vor alters im Königreich der Himmel zu Tische gelegen hätten, denn diese drei Männer waren nicht grössere Propheten als Johannes der Täufer, und Jesus sagte: „Eine im Königreich der Himmel geringere Person ist grösser als er.“ (Matth. 11:11, NW) In Jesu Worten stellt Abraham den Grösseren dar, in welchem alle Familien der Erde gesegnet werden, Jehova Gott, den Grossen Vater. Daher stellt Isaak, Abrahams einziger Sohn durch sein Weib Sara, Gottes einziggezeugten Sohn Jesus Christus dar, den Gott zum König der Könige gesalbt hat.

      20 Jakob erhielt Leben von Abraham durch Isaak und war somit Abrahams Enkel. Gleicherweise erhält die christliche Versammlung Leben von Gott durch Jesus Christus. „Der Christus liebte die Versammlung und gab sich selbst für sie dahin.“ „Der Christus ist auch das Haupt der Versammlung, da er ein Erretter dieses Leibes ist.“ (Eph. 5:23, 25, NW) „Dieser gab seine Seele für uns dahin.“ (1. Joh. 3:16, NW) Zur Zeit, da Gott die Glieder der Versammlung gerechtspricht, wird ihnen das vollkommene Menschenleben zugerechnet, das Jesus aufgab. In diesem Masse wird Jesus ihr Vater, gleichwie Isaak Jakobs Vater war, und ebensosehr wie Jesus der „Ewigvater“ für die gläubige, gehorsame Menschheit in der neuen Welt wird. (Jes. 9:6, Fussnote) Dieses menschliche, seiner Versammlung zugerechnete Leben aber wird in Nachahmung Jesu Christi und zur Rechtfertigung der Oberherrschaft und des Namens Gottes geopfert. Somit zeugt Jehova Gott, der grössere Abraham, sie durch seinen lebengebenden Geist. Sie werden seine geistlichen Söhne, adoptierte Glieder des Samens Abrahams, Glieder des Leibes Christi. Von diesen dreien, Abraham, Isaak und Jakob im Königreich, wird daher die christliche Versammlung treffend dargestellt durch den letzteren, durch Jakob, und sie besteht aus Miterben mit Jesus Christus im Königreiche. Sie hat als Anfangskern einen jüdischen Überrest, dem sich hernach die heidnischen Gläubigen anschliessen.

      21 Auf diese Weise vertreten Abraham, Isaak und Jakob Gottes Königreichsanordnung, die Theokratie.

      22. Was meinte also Jesus mit den Worten, viele würden von Osten und Westen kommen und mit diesen drei im Königreich zu Tische liegen?

      22 Als sich Jesus daher über den Glauben des heidnischen Hauptmanns verwunderte und voraussagte, dass viele Leute aus den nichtjüdischen Nationen von Osten und Westen herbeikämen und mit Abraham, Isaak und Jakob im himmlischen Königreich zu Tische lägen, da meinte er, dass viele Heiden Glauben üben würden, wenn das Königreichsevangelium allen Nationen gepredigt werde. Zufolge ihres Glaubens an Gottes Botschaft über seinen Christus würden sie aus einem armseligen Zustand der Entfremdung von Gott und des geistigen Hungers heraus- und wie Lazarus an Abrahams Busen gebracht werden. Das heisst, Jehova Gott würde sie in seine Gunst aufnehmen und sie an sein Herz ziehen und als seine Söhne adoptieren, als Erben des Königreiches mit Jesus Christus, dem Samen Abrahams. Sie würden in die Gunst der Theokratie kommen, in der sich der jüdische Überrest befand und würden Festmahl halten am „Tische Jehovas“, am geistigen Reichtum schriftgemässer Wahrheit und am heiligen Dienst als seine Zeugen. Dies ist während der vergangenen neunzehnhundert Jahre geschehen und hat in unserer Zeit einen Höhepunkt erreicht.

      23. Was zur Betrachtung müssen wir der nächsten Ausgabe unserer Zeitschrift überlassen?

      23 Andere interessante und wichtige Teile des Gleichnisses vom reichen Mann und Lazarus sind aber zur Vervollständigung unseres Verständnisses der Sache, besonders wie sie sich auf unsere eigene Zeit beziehen, noch zu besprechen. Da uns der Platz in dieser Ausgabe hierzu fehlt, müssen wir dies für Artikel aufsparen, die in der nächstfolgenden Ausgabe des Wachtturms erscheinen, worin sie zu unserer gegenseitigen Freude und zu unserem Nutzen erklärt werden.

      Der Geist des Herrn, Jehovas, ist auf mir, weil Jehova mich gesalbt hat, um den Sanftmütigen frohe Botschaft zu bringen, weil er mich gesandt hat, um zu verbinden, die zerbrochenen Herzens sind, Freiheit auszurufen den Gefangenen, und Öffnung des Kerkers den Gebundenen; um auszurufen das Jahr der Annehmung Jehovas und den Tag der Rache unseres Gottes, und zu trösten alle Trauernden. — Jesaja 61:1, 2.

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