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Die Entwicklung der päpstlichen MachtDer Wachtturm 1958 | 1. Mai
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Ein Herrscher wurde gegen den anderen ausgespielt, um die päpstliche Macht zu festigen.
Im zwölften Jahrhundert wurde das Dekret Gratians, eine Sammlung kirchlicher Rechtslehren, zusammengestellt. Daunou sagt darüber: „Durch dieses Dekret wurde der Klerus nicht nur von der Pflicht befreit, vor weltlichen Gerichten zu erscheinen, sondern die staatlichen Gewalten wurden der kirchlichen Obergewalt unterstellt; der Status von Personen oder die Bestimmungen, die ihren Status festlegten, wurden einzig und allein durch die kanonischen Satzungen und den Klerus geregelt, anerkannt oder aufgehoben. Das Papsttum dagegen war von allen Einschränkungen befreit.“
Charles Butler, ein bedeutender katholischer Schriftsteller, bemerkt zu dem römischen und kanonischen Recht folgendes: „Der Anspruch der Päpste auf weltliche Macht kraft göttlichen Rechts — einer der verhängnisvollsten Ansprüche der Kirche — kann gewissermaßen auf die Kompilationen Isidors und Gratians zurückgeführt werden. Es mag merkwürdig erscheinen, daß ein so unbegründeter, frevelhafter, für die Religion nachteiliger und den Weltfrieden gefährdender Anspruch erhoben werden konnte; noch merkwürdiger aber ist der Erfolg, den die Kirche damit erzielte.“
Zu diesem Erfolg des Papsttums auf dem Gebiet der internationalen Politik trug Papst Innozenz III. persönlich viel bei. Seine Entscheidungen beeinflußten in hohem Maße die Stellung der Regierungen Europas. Mit seiner Hilfe wurde es möglich, daß Otto von Braunschweig anstelle Philipps von Schwaben auf den deutschen Thron kam; als indes Otto dem Papst gegenüber nicht die richtige Wertschätzung bekundete, wurde er von ihm exkommuniziert und dermaßen unter internationalen Druck gesetzt, daß er schließlich seine Macht verlor. Als Philipp II. (Philipp August), König von Frankreich, sich weigerte, der Kirche die Frage seiner Wiederverheiratung zu unterbreiten, verhängte Innozenz III. über ganz Frankreich das Interdikt und trug so den Sieg über den König davon. Einige Jahre später ließ er im Streit mit König Johann von England auch das Interdikt über England verhängen, entband dessen Untertanen vom Gehorsam gegen den König und entsetzte diesen des Thrones. Wiederum hatte das Papsttum das Spiel gewonnen, und der Staat war gezwungen, sich zu unterwerfen.
Auch die neuzeitliche Geschichte liefert unzählige Beweise für die politische Macht des Papsttums. Der Vatikan ist nicht nur eine religiöse Zentrale. Im Februar 1929 wurde er durch den mit Mussolini abgeschlossenen Lateranvertrag unter den Segenswünschen des italienischen Diktators ein souveräner, unabhängiger, politischer Staat. Im Jahre 1933 unterzeichneten Eugenio Pacelli, der jetzige Papst Pius XII., und Franz von Papen, der Vertreter des deutschen Hitlerreiches, ein Konkordat. Im spanischen Bürgerkrieg bekundete die Kirche ganz offen ihre Feindschaft gegen die spanische Republik; sie war entschlossen, die Bestimmungen des Konkordates aus dem Jahre 1851, durch das die katholische Kirche als einzig zulässige Religion in Spanien anerkannt wurde, durchzusetzen. Im März 1942 nahm der Vatikan diplomatische Beziehungen mit Tokio, Japan, auf. Die Folgen, die diese Verträge hatten, sind unserer Generation allzu bekannt, als daß sie nochmals erwähnt werden müßten. Der Vatikan gehört zu den schlauesten diplomatisch-politischen Mächten der Welt. Die päpstliche Macht ist ohne Zweifel auch eine politische Macht.
DIE BIBEL VERBOTEN
Trotz der religiösen und politischen Macht, die das Papsttum besaß, hätte es niemals weiter gedeihen können, wenn dem Volke die Bibel zugänglich gewesen wäre. Jesus selbst hatte gesagt: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8:32, NW) Das Papsttum wußte dies wohl, und verschiedene kleinere religiöse Gruppen, die ernstlich bemüht waren, dem Worte Gottes entsprechend zu leben, lieferten auch unverkennbar den Beweis für die Wahrhaftigkeit dieser Worte Jesu. Die Verfolgung der Albigenser in Südfrankreich, das Blutbad der berüchtigten Bartholomäusnacht und die gefürchtete Inquisition hielten die Menschen im Bann der Furcht. Solange sie aber zur Bibel Zutritt hatten, hatten sie auch Zutritt zur Quelle des Freiseins von Furcht.
Wir sollten daher nicht überrascht sein, im 14. Kanon des vierten Konzils, das im September 1229 in Toulouse, Frankreich, tagte, folgendes zu lesen: „Allen Laien ist der Besitz des Alten und Neuen Testaments mit Ausnahme der Psalmen und jener Teile, die im Brevier oder in den ‚Stunden der Jungfrau‘ enthalten sind, verboten; streng verboten ist ferner die Herausgabe dieser Werke in der Volkssprache.“
Ähnliche Befürchtungen mit Bezug auf die Wahrheit der Bibel brachten die Kardinäle der römischen Kurie im Jahre 1550 Papst Julius III. gegenüber in folgenden Worten zum Ausdruck: „Die Bibel ist mehr als irgendein anderes Buch die Ursache dafür gewesen, daß gegen uns Sturm gelaufen wurde, daß unsere Existenz bedroht war. Ja, wer die Lehren der Bibel genau erforscht und sie mit dem, was in unseren Kirchen vor sich geht, vergleicht, der wird bald gewisse Unstimmigkeiten feststellen und erkennen, daß unsere Lehren mit der Bibel oft nicht übereinstimmen, ja daß sie ihr sogar noch öfter direkt widersprechen. Wenn nun den Menschen die Augen aufgehen und sie dies erkennen, dann werden sie nicht eher aufhören, uns herauszufordern, bis wir ihnen alles gesagt haben, und dann werden wir zum Gegenstand des allgemeinen Spottes und Hasses werden. Daher muß die Bibel dem Volke entzogen werden, jedoch mit äußerster Vorsicht, damit kein Aufruhr entsteht.“
Worauf beruht demnach die Autorität des Papsttums? Bestimmt nicht auf Gottes Wort, denn es ist ja notwendig gewesen, dasselbe von der Öffentlichkeit fernzuhalten, damit das Papsttum seine Stellung behaupten konnte. Diese Autorität beruht auf gefälschten Dokumenten, in denen behauptet wird, die Päpste seien apostolische Nachfolger Petri, sowie auf der unbiblischen Forderung der Ehelosigkeit der Priester und auf dem Anspruch der Päpste auf Unfehlbarkeit. Sie wurde in den Augen des Volkes dadurch gefestigt, daß dem Priester eine erhöhte Stellung eingeräumt wurde, daß von den Gläubigen verlangt wurde, bei den wichtigsten Ereignissen im Leben die Dienste des Priesters in Anspruch zu nehmen, und daß sie ihr Gewissen durch die Beichte und durch Furcht vom Priester bevormunden lassen sollen. Ferner hat Rom durch internationale Intrigen seine Macht auf politischen Gebiet gesichert. — 1. Tim. 4:1, 3.
Wir sollten daher deutlich erkennen, daß die päpstliche Macht nicht von Gott stammt. Statt Gott zu dienen, haben Papisten das Wort Gottes verboten und haben Menschen, die es zu lesen wagten, verbrannt. Das Papsttum hat nicht nur bewiesen, daß es mit der Welt Freundschaft pflegt, sondern es ist ein Teil von ihr geworden und wird von ihrem Gott beherrscht. Jesus zeigt klar, daß seine Jünger „kein Teil der Welt“ sind, und Jakobus fügt hinzu, daß, wer „ein Freund der Welt sein will, sich selbst zu einem Feinde Gottes macht“. — 2. Kor. 4:4; Joh. 17:14; Jak. 4:4, NW.
BENUTZTE QUELLEN
The Papal Conspiracy Exposed von Edward Beecher.
The Catholic Encyclopedia.
McClintock und Strongs Cyclopædia.
Beacon Lights of History von John Lord.
Church History von John Laux.
The Popes and Their Church von Joseph McCabe.
The Vatican in World Politics von Avro Manhattan.
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Die Christenheit und die BibelDer Wachtturm 1958 | 1. Mai
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Die Christenheit und die Bibel
Von der Christenheit sprechend, sagte im Laufe seines New Yorker Kreuzzuges der Evangelist Billy Graham einmal hinsichtlich der Bibel: „Die Bibel ist der Bestseller der Welt. Fast jedermann hat eine Bibel zu Hause. Aber sehr wenige von uns wissen etwas von der Botschaft der Bibel. Wir lesen sie nicht. Wir studieren sie nicht. Wir reden zwar davon, wir haben sie zu Hause, haben sie auf den Kanzeln unserer Kirchen, aber wir wissen nicht, was die Bibel uns sagen will.“ Grahams Bemerkungen werden durch eine Meldung aus Arcadia, Kansas, unterstrichen, welche in der Zeitung Bee vom 26. September 1957, die in Fresno, Kalifornien, erscheint, veröffentlicht wurde und wie folgt lautete: „In Arcadia fand eine Frau, als sie ihre Familienbibel aufschlug, die Eigentumsurkunde für ihr Elternhaus, die sie seit 1937 vergeblich suchte. Sie fand sie genau da, wo sie sie damals hineingelegt hatte.“
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