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  • Unser tägliches Brot
    Erwachet! 1976 | 22. Mai
    • in dem wir das Brot auf den Tisch bringen, sondern wenn wir es in den Ofen schieben — bei wenigstens 180 °Celsius — und sein Duft die ganze Küche erfüllt. Der Duft backenden Brotes tut uns bis ins Innerste wohl. Eine glänzende Kruste erhalten wir, wenn wir das Brot mit Butter bestreichen. Wer Brot mit dicker Kruste liebt, sollte einen Topf Wasser mit in den Ofen schieben. Man stellt ihn auf den Ofenboden; der Dampf bewirkt dann, daß sich eine schützende Kruste um das Brot bildet. In 40 bis 50 Minuten ist das Brot gebacken. Man nimmt es aus der Form und klopft gegen den Boden. Wenn es hohl tönt, ist es durchgebacken.

      Es gibt alle möglichen Brotsorten. Gewisse Brote läßt man zum Beispiel unter Wasser gehen, andere (bagels) werden zwei Minuten gekocht, ehe man sie backt! Für das äthiopische Brot, injera genannt, kocht man einen Teil des Teigs vor. Mit Brot kann man fast alles tun, ausgenommen ablehnen, wenn einem eines angeboten wird, das gerade aus dem Ofen oder vom Herd genommen worden ist. Pizza, piti (syrisches oder arabisches „Taschenbrot“), chapati, tortilla, injera, man t’ou, Stutenbrot, Brötchen oder norwegisches Fladenbrot mag zu deinen Leibspeisen gehören, dennoch solltest du einmal versuchen, dein Brot selbst zu backen! (Eingesandt.)

  • Der kopfunter lebende Hängekletterer
    Erwachet! 1976 | 22. Mai
    • Der kopfunter lebende Hängekletterer

      „WAS tut denn der alte Mop dort in der Astgabel des Baumes?“ Wie überrascht war der Fragesteller, als er erfuhr, daß das, was er für einen „alten Mop“ gehalten hatte, in Wirklichkeit ein Säugetier war! Zum erstenmal in seinem Leben sah er ein Faultier in seiner natürlichen Umwelt.

      Die Heimat des Faultiers sind die tropischen Wälder Süd- und Mittelamerikas. Dieses Geschöpf zählt zu den Langsamsten im Reich der Tiere. Man schreibt die Langsamkeit seiner Bewegungen der niedrigen Körpertemperatur zu. Den größten Teil seines Lebens baumelt es an allen vieren von einem Ast herab, sitzt in der Astgabel eines Baumes oder liegt mit dem Rücken auf einem niedrigen Ast. Wenn es sich in der dicht überdachten grünen Baumwelt

  • Der Wunsch nach finanzieller Sicherheit
    Erwachet! 1976 | 22. Mai
    • Der Wunsch nach finanzieller Sicherheit

      JEDER wünscht sich finanzielle Sicherheit, ganz gleich, wie alt er ist. Doch besonders jemand, der schon etwas älter ist, macht sich Gedanken wegen seiner Sicherheit. Er hat ein Stadium erreicht, in dem er nicht mehr so viel arbeiten kann oder sich sogar aus dem Berufsleben zurückziehen muß. Doch möchte er immer noch ein angenehmes und würdiges Leben führen.

      Um älteren Menschen und anderen zu helfen, haben viele Länder ein System der „sozialen Sicherung“ eingeführt. Dieses dient gewöhnlich dem Zweck, älteren Menschen eine Rente auszuzahlen, Invaliden und Arbeitslosen ein Einkommen zu verschaffen und denen, die es sich nicht leisten können, ärztliche Betreuung zu ermöglichen.

      Eines der größten Systeme der „sozialen Sicherung“ der Welt gibt es in den Vereinigten Staaten. Da dieses Land eine wichtige Grundlage der Wirtschaft der westlichen Welt ist, ist es für andere Länder von großem Interesse, wie es um seine sozialen und finanziellen Angelegenheiten steht.

      Im allgemeinen mag man annehmen, daß die Vereinigten Staaten mit all ihrem Reichtum und ihren Rohstoffquellen ein System haben, das sich der Bedürftigen in hinreichender Weise annehmen kann. Dazu gehört eine vernünftige Altersversorgung für diejenigen, die sich nach einem Leben harter Arbeit aus dem Berufsleben zurückziehen.

      Ist das jedoch der Fall? Viele Sachverständige verneinen das heute. Sie behaupten, daß es schwerwiegende und wachsende Probleme gebe und daß man sich große Sorgen über das System der sozialen Sicherung in den USA machen müsse.

      Grundlegende Probleme

      Unter den Problemen, die mit der sozialen Sicherung zusammenhängen, gibt es zwei grundlegende Probleme: 1. Wie sollen die wachsenden Kosten für die immer größere Zahl der Empfangsberechtigten bezahlt werden? 2. Die Zahlungen aus der Sozialversicherung bieten vielen, besonders den Älteren, keine ausreichende Sicherheit.

      Einige Wirtschaftsexperten behaupten, die Probleme seien nicht schwerwiegend. Andere dagegen sagen, die wachsenden Schwierigkeiten seien wirklich „alarmierend“. So wurde in einer Schlagzeile in einer Detroiter Zeitung gefragt: „Soziale Sicherung jetzt ein Betrug?“ In dem Artikel wurde diese Ansicht vertreten.

      Das erste Problem, wie man das Programm finanzieren soll, kommt jetzt klarer in den Blickpunkt. Es ist offensichtlich, daß die gegenwärtigen Methoden zur Finanzierung der sozialen Leistungen unzureichend sind. In der Zeitschrift U.S. News & World Report konnte man z. B. lesen:

      „Das umfangreiche System der sozialen Sicherung für die Alten, ihre Angehörigen und Hinterbliebenen und für die Arbeitsunfähigen ist in großen Schwierigkeiten. ...

      Einfach ausgedrückt, besteht das Problem darin, daß die Kosten der sozialen Leistungen die Einnahmen weit überholt haben.“

      Weiter hieß es in dem Blatt, die Rentenversicherung werde Anfang der 1980er Jahre bankrott sein. Ähnlich äußerte sich das amerikanische Institut für Wirtschaftsforschung: „Das Sozialversicherungsgesetz ist eine Zeitbombe geworden, die nun die wenigen Jahre bis zur finanziellen Katastrophe tickt.“

      Hinsichtlich des anderen grundlegenden Problems — ob die Leistungen ausreichende Sicherheit bieten — sagen viele mit Bestimmtheit, daß dies nicht der Fall sei. Besonders die Älteren sind dieser Auffassung. Und es ist eine traurige Tatsache, daß in den Vereinigten Staaten wie auch in einer Anzahl anderer Länder, die ähnliche Programme haben, der größte Bevölkerungsteil, der in Armut lebt, die alten Menschen sind.

      Eine Hilfe

      Damit soll nicht gesagt werden, daß solche Sozialprogramme nichts Gutes hätten. Gewiß ist jede Hilfe, die den Älteren, Kranken, Arbeitslosen und Erwerbsunfähigen zuteil wird, wertvoll und wird geschätzt.

      Es ist noch gar nicht so lange her, daß der Staat überhaupt keine Hilfe geleistet hat. Tatsächlich sind staatliche Sozialleistungen erst im Laufe der letzten hundert Jahre, in einigen Ländern erst in den letzten Jahrzehnten, eingeführt worden. Allerdings waren früher viele Staaten Agrarstaaten, und die Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft. Gewöhnlich kümmerten sich die Familien selbst um ihre älteren Angehörigen, und auch Freunde halfen ihnen.

      Doch mit Beginn des Industriezeitalters gaben immer mehr Familien die Landwirtschaft auf, und Millionen strömten in die Städte, wo die Fabriken waren. Besonders war dies in Europa und in Nordamerika der Fall. In den Städten waren die Familien und Verwandten nicht mehr so eng miteinander verbunden wie früher. Es wurde viel schwieriger, Freundschaften zu pflegen. Somit konnte man nicht mehr so ohne weiteres damit rechnen, daß Verwandte und Freunde sich der Bedürfnisse der Älteren annehmen würden, wie es der Fall war, als sie noch alle auf dem Lande eng zusammen lebten.

      Doch während die Industriegesellschaft wuchs, war sie in der Lage, mehr Vergünstigungen auszuhandeln. Allmählich wurden die Regierungen unter Druck gesetzt und aufgefordert zu helfen.

      Eine der ersten Industrienationen, die eine Vorkehrung zur sozialen Sicherung einführten, war Deutschland. Die Krankenversicherung wurde hier im Jahre 1883 eingeführt und die Unfallversicherung ein Jahr später. Im Jahre 1891 wurde die Rentenversicherung obligatorisch.

      Die Notwendigkeit der staatlichen Hilfe wurde nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre noch offensichtlicher. Damals wurden in allen Industrieländern Millionen Menschen arbeitslos. Zum Beispiel heißt es in dem Buch Social Security in Canada über Kanada: „Die weitverbreitete Arbeitslosigkeit während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre bahnte die Entwicklung einer Anzahl Maßnahmen zur Unterstützung Arbeitsloser.“

      In den Vereinigten Staaten unterzeichnete Präsident Franklin D. Roosevelt das Sozialversicherungsgesetz im Jahre 1935. Zuerst wurden nur Altersrenten gezahlt. Später kamen Witwenrenten dazu. Dann wurde das Programm erweitert und schloß Invalidenrente und Arbeitslosenunterstützung ein.

      Im Jahre 1975 erhielten über 30 Millionen Amerikaner regelmäßige monatliche Zahlungen in Form von Alters-, Invaliden- und Witwenrente. Über 10 Millionen erhielten Arbeitslosenunterstützung während der Rezession der letzten Zeit, und Millionen weitere erhielten Zuschüsse für Arzt- und Arzneimittelrechnungen, Unterstützung für Kinder und für andere Zwecke.

      Doch in den meisten Ländern erstreckt sich der größte Teil der sozialen Leistungen auf die Altersrenten. Gewöhnlich beginnt das Rentenalter mit etwa 65 Jahren. Wer sich in den Vereinigten Staaten mit 62 Jahren pensionieren läßt, erhält eine herabgesetzte Rente.

      Wie werden diese sozialen Leistungen finanziert? Worin bestehen die Leistungen? Reichen sie aus, um ein annehmbares Leben zu führen? Und ist das amerikanische System wirklich in Schwierigkeiten?

  • Wer zahlt für die „soziale Sicherung“?
    Erwachet! 1976 | 22. Mai
    • Wer zahlt für die „soziale Sicherung“?

      WER zahlt für die Leistungen, die die Bedürftigen erhalten? Was für eine Bürde wird dadurch denen auferlegt, die zahlen müssen?

      In einigen Ländern werden die Leistungen, zum Beispiel die Altersrenten, direkt aus staatlichen Mitteln gezahlt. In der Sowjetunion und in China wird die gesamte Rente von der Arbeitsstelle des Betreffenden finanziert oder durch ergänzende Zahlungen des Staates.

      Im allgemeinen jedoch wird der Begriff „soziale Sicherung“ mit Programmen in Verbindung gebracht, für die sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber zahlen. Das in den Vereinigten Staaten übliche System verlangt zum Beispiel, daß von jedem Gehalt ein Teil des Einkommens eines Angestellten abgezogen wird. Im Jahre 1975 betrug der Beitragssatz für die Sozialversicherung 5,85 Prozent. Darin war der Anteil für die Krankenversicherung eingeschlossen. Vom Arbeitgeber wurde ebenfalls verlangt, 5,85 Prozent zu zahlen.

      Einem Arbeiter, der diesen 5,85prozentigen Beitrag von einem Jahreseinkommen von 5 000 $ bezahlte, wurden somit 292.50 $ von seinem Lohn abgezogen. Und sein Arbeitgeber hatte weitere 292.50 $ aus den Mitteln seines Unternehmens beizusteuern.

      Jedoch ist nicht das gesamte Einkommen einer Person beitragspflichtig. Im Jahre 1975 waren bis zu 14 100 $ Jahreseinkommen beitragspflichtig. Einkommen, das darüber hinausging, wurde nicht für die Berechnung des zu zahlenden Beitrages herangezogen.

      Wachsende Last?

      Im Laufe der Jahrzehnte haben einige Personen diese Beiträge als eine ständig wachsende Last angesehen. Sie haben das Empfinden, daß sich die Sozialabgaben besonders für Familien mit niedrigem Einkommen schmerzlich bemerkbar machen.

      Als die Sozialversicherung in den Vereinigten Staaten eingeführt wurde, mußte der Arbeitnehmer nur 1 Prozent seines Gehalts als Beitrag zahlen. Der Arbeitgeber gab ein weiteres Prozent hinzu. Aber im Jahre 1975 war der Satz fast sechsmal so hoch.

      Nicht nur ist der Beitragssatz auf fast das Sechsfache gestiegen, sondern auch das beitragspflichtige Einkommen ist beträchtlich erhöht worden. Zuerst war nur ein Jahreseinkommen bis zu 3 000 $ beitragspflichtig. Doch dieser Betrag wurde ständig erhöht, und im Jahre 1975 waren es schließlich 14 100 $. Ende 1975 kündigte die US-Regierung an, daß die Beitragsbemessungsgrenze auf 15 300 $ erhöht werde.

      Somit hat es eine zweifache Erhöhung gegeben: Der Prozentsatz des Einkommens und auch die Beitragsbemessungsgrenze sind erhöht worden. Wie sehr sich diese Erhöhung auswirkt, kann man an folgendem Vergleich erkennen: Zu Beginn waren 1 Prozent von 3 000 $ zu zahlen. Das waren nur 30 $. Aber im Jahre 1975 waren 5,85 Prozent von 14 100 $ zu zahlen. Das waren 824.85 $. Im Jahre 1976 werden es 895.05 $ sein. Das ist eine gewaltige Zunahme an Sozialabgaben; sie sind etwa dreißigmal so hoch wie zu der Zeit, als das Programm eingeführt wurde. Das ist weit mehr als die inflationsbedingte Steigerungsrate der Lebenshaltungskosten in der gleichen Zeit.

      Einer der Hauptgründe dafür, weshalb einige dies als eine wachsende Last empfinden, ist, daß gleichzeitig auch die Steuern gestiegen sind. Gemeindeumsatzsteuern, die es früher nicht gab, sind erheblich erhöht worden, an einigen Orten in den USA jetzt um 6 bis 8 Prozent. Dann sind an den Bundesstaat Einkommenssteuern zu zahlen, die es vor einigen Jahren auch nicht gab. Eigentumssteuern sind ebenfalls gestiegen. Und dann sind da noch die an den Bund zu zahlenden Einkommenssteuern. Amerikanische Arbeiter müssen jetzt so viele Steuern zahlen, daß viele von ihnen über ein Drittel ihres Einkommens für Steuern und Sozialabgaben ausgeben.

      In anderen Ländern sind die Sozialabgaben ebenfalls gestiegen. In der Bundesrepublik Deutschland betrugen die durchschnittlichen monatlichen Abgaben, die sowohl vom Arbeitnehmer wie auch vom Arbeitgeber zu zahlen waren, je 9 Prozent von einem Jahreseinkommen bis zu 33 600 DMa. Wenn ein Arbeitnehmer weniger als 280 DM im Monat verdiente, mußte der Arbeitgeber die gesamten 18 Prozent bezahlen. Über das deutsche System hieß es in der Zeitung U.S. News & World Report:

      „Westdeutschlands System der sozialen Sicherung, das bereits so kostspielig ist, daß einige Unternehmer sagen, es behindere ihre Investitionsplanung, wird im nächsten Jahr noch teurer werden.

      Die Regierung hat eine 50prozentige Erhöhung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerabgaben für die Bonner Arbeitslosenversicherung beschlossen. ...

      Für den durchschnittlichen deutschen Industriearbeiter bedeutet dies einen persönlichen Beitrag von fast 130 $ im Monat. Sein Arbeitgeber zahlt ebenfalls 130 $ und muß darüber hinaus noch einige andere soziale Leistungen aufbringen. ...

      Die Kosten für die soziale Sicherung sind in letzter Zeit beachtlich gestiegen — von etwa 128 Millionen Dollar jährlich für eine Gruppe deutscher Firmen auf 240 Millionen drei Jahre später.

      Aus diesem Grund sagen Geschäftsführer, der Investitionsspielraum werde immer enger.“

      Ersparnisse angegriffen

      In der letzten Zeit sind in den USA die Steuern, die Sozialabgaben und die Lebenshaltungskosten schneller gestiegen als das Realeinkommen. Viele haben es daher sehr schwer, Geld für das Alter zu sparen.

      Amerikaner stellen fest, daß sie im Durchschnitt nicht mehr Geld sparen können als vor dreißig Jahren. Und aufgrund der Inflation ist das gesparte Geld natürlich weit weniger wert, ja nur ein Bruchteil dessen, was es einmal wert war. Angesichts dessen greifen die steigenden Sozialabgaben die Ersparnisse an. Die Detroit News berichteten:

      „Im Jahre 1942 konnte es sich der durchschnittliche amerikanische Haushalt nach Abzug aller Steuern und nach Bestreiten der Lebenshaltungskosten leisten, 767 $ auf die Bank zu bringen. In jenem Jahr gingen pro 100 $, die Amerikaner sparen konnten, 3.70 $ von jedem US-Gehaltsscheck an die Sozialversicherung. ...

      Im Jahre 1950 wurden schon 20.40 $ pro 100 $ abgezogen, und ... 1960 ... waren es 63.90 $ pro 100 $ ...

      Das letzte Jahr war das schlimmste in der Geschichte. Obwohl der durchschnittliche amerikanische Haushalt etwas mehr Geld als 1945 sparte, nahm die Sozialversicherung 84 $ pro 100 $ Ersparnisse in Anspruch.“

      Aus diesen Gründen nannte der Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman die letzten zwanzig Jahre der Sozialversicherung „eine zerschmetternde Niederlage für den durchschnittlichen Verdiener“, da sie einen solch wachsenden Anteil von seinen mageren Ersparnissen nehme. Und für Arbeiter mit niedrigem Einkommen stellten die Abgaben eine schwerere Last dar, da sie größer waren als ihre Einkommenssteuer.

      Dennoch sollte man eines bedenken: Könnten es sich die Arbeiter in der heutigen Industriegesellschaft leisten, älteren Gliedern ihrer eigenen Familie das zu bezahlen, was ihnen heute die Renten- und Krankenversicherung bezahlt? Das wäre wohl nur wenigen möglich. Ohne Zweifel nimmt daher die Sozialversicherung einen großen Teil der Last ab, was die Fürsorge für Bedürftige betrifft.

      Doch wieviel Sicherheit erkauft man sich durch diese steigenden Abgaben? Was geschieht mit den Bedürftigen, zum Beispiel mit Rentnern, die einen angenehmen und würdigen Lebensabend verbringen möchten?

      [Fußnote]

      a 1976 liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei einem Jahreseinkommen von 37 200 DM.

  • Wie gut ist die „Sicherung“?
    Erwachet! 1976 | 22. Mai
    • Wie gut ist die „Sicherung“?

      NATÜRLICH sind die Leistungen der Sozialversicherung von Land zu Land verschieden. In einigen Ländern scheinen sie hoch genug zu sein, daß Rentner ein gutes Leben führen können.

      Zum Beispiel sagte ein Beobachter in Schweden über die guten sozialen Leistungen seines Landes: „Viele Rentenempfänger sagen, sie hätten es finanziell noch nie so gut gehabt wie jetzt.“

      Aber solche Länder bilden eine Ausnahme. Der allgemeine Zustand selbst in den reichen Nationen des Westens ist, daß diejenigen, die hauptsächlich von den Leistungen der Sozialversicherung leben, in großen Schwierigkeiten sind.

      Geringerer Lebensstandard

      Die meisten älteren Personen, die pensioniert werden und außer ihrer Rente keine weiteren Einkünfte haben, müssen sich mit einem niedrigeren Lebensstandard zufriedengeben.

      Im Jahre 1975 zahlte die kanadische Rentenversicherung einer alleinstehenden Person, die kein anderes Einkommen hatte, etwa 210 $ im Monat, und ein pensioniertes Ehepaar erhielt etwa 400 $ im Monat. Jemand, der ein Vielfaches dessen verdient hatte, als er noch arbeitete, mußte es somit hinnehmen, daß sein Lebensstandard bedeutend sank, wenn er nicht noch aus anderen Quellen Einkommen bezog.

      Das ist in den meisten westlichen Industrieländern der Fall. Ein Rentner erhält gewöhnlich wesentlich weniger Rente, als er in seinem Beruf verdiente. In Australien zum Beispiel betrug das durchschnittliche Einkommen im Jahre 1975 über 150 $ pro Woche. Aber die Grundrente für eine alleinstehende Person betrug nur 36 $ pro Woche und für Ehepaare 60 $. In den Vereinigten Staaten verdiente der durchschnittliche Facharbeiter in einer Woche mehr, als der Durchschnittsrentner im ganzen Monat von der Sozialversicherung erhielt.

      Die Älteren haben den Schaden

      In diesen westlichen Industrienationen sind die Betagten gewöhnlich die größte Gruppe von Menschen, die in Armut leben. Und wegen der galoppierenden Inflation ist ihre Situation in den letzten Jahren immer schlimmer geworden. Aus Kanada berichtete der Toronto Star, daß „etwa 50 Prozent der Betagten in Armut leben“, wie eine Regierungsumfrage ergab. Sie hatten nicht genügend Einkommen, „um würdig und nicht in Not zu leben“. Weiter hieß es: „Die Armut unter den Alten ist zwei- bis dreimal so groß wie unter anderen Altersgruppen.“ Außerdem hieß es im Star: „Das Problem ist, daß die meisten älteren Bürger außer der staatlichen Beihilfe keine Nebeneinkünfte haben.“

      Das Problem ist schwerwiegend, wenn die älteren Menschen nicht bei ihrer Familie, zum Beispiel bei ihren Kindern, leben können oder kein Haus besitzen, das bezahlt ist. Ein australischer Beobachter sagte über solche Rentner: „Wer eine hohe Miete für seine Wohnung bezahlen muß, ist in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation.“ Rentner, die eine hohe Miete zahlen müssen oder noch eine große Hypothek auf ihrem Haus haben, empfinden diese Kosten als eine erdrückende Last.

      Aus diesem Grund kommen sich viele „ältere Bürger“ vor, als habe man sie nach einem Leben harter Arbeit auf den Schrotthaufen der Gesellschaft geworfen. Ein Kanadier, der ein offizielles Untersuchungsteam leitete, sagte: „Ich habe immer wieder festgestellt, daß der Verlust jedes noch so kleinen Einkommens bei der Pensionierung die Menschen eines vernünftigen Lebensstandards beraubt und die Lebensqualität, die sie vor ihrer Pensionierung hatten, reduziert.“ Er fügte hinzu: „Sie sind die Vergessenen der kanadischen Gesellschaft.“

      Der Bürgermeister einer kanadischen Stadt erzählte: „Zu mir kam ein alter Mann, der 140 Rentner vertrat. Er brach zusammen und flehte um Hilfe. Es war schrecklich zu sehen, daß ein Mann, der sein ganzes Leben lang gearbeitet hatte, in einer Situation steckte, in der er Angst hatte, daß er seine Miete nicht mehr bezahlen könnte.“ In einer anderen Stadt erzählte ein Beamter, er sei von einer älteren Frau besucht worden, die in seinem Büro „hemmungslos geweint“ und zugegeben hatte, sie habe so wenig Geld, daß „sie Tierfutter essen“ müsse.

      „Die Probleme hören nicht auf“

      Ein alter Mann sagte in dieser Situation: „Ich bin es so leid zu kämpfen. Ich bin frustriert und fassungslos. Wir bleiben immer zu Hause, um kein Geld auszugeben; wir essen so billig, wie es geht; meine Frau weint viel und versucht das alles zu verstehen. Ich habe immer gedacht, die Alten hätten keine Sorgen. Jetzt bin ich alt, und die Probleme hören nicht auf.“

      Der Toronto Star berichtete über die alten Menschen in Kanada: „Viele von ihnen sterben allein in einem Zimmer. Viele der Zimmer sind düster und ungepflegt. Nicht selten stellt man fest, daß einige in einem Hintergäßchen gestorben sind.“

      Über die Vereinigten Staaten schrieb der Kolumnist Jack Anderson: „Die Gesellschaft schiebt ihre unerwünschten Alten in die Ecke und läßt sie allein und unversorgt auf den Tod warten. Amerika scheint sich einfach nicht um sie zu kümmern. Und jetzt gibt es ein neues schreckliches Phänomen: Die Alten kommen aus ihrer Ecke heraus und strömen in schäbige ,Altersghettos‘. Herbergen und alte Apartmenthäuser sind in unkonzessionierte Tollhäuser für die Alten verwandelt worden.“ Er schrieb weiter: „Nach der günstigsten Schätzung leben sechs Millionen alte Menschen in Armut: ohne angemessene Nahrung, ausgequetscht durch die hohen Kosten für Medikamente, schlecht beherbergt und ungeliebt.“

      Gemäß einem Artikel in der New York Post von Harriet Van Horne ist die Zahl alter Menschen, die in Armut leben, noch höher. Sie erklärte: „In Wirklichkeit leben 30 Prozent der alten Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Das sind mindestens acht Millionen Leute.“ Zusätzlich gibt es weitere Millionen, die kaum oberhalb der Armutsgrenze existieren. Diese Kolumnistin schrieb auch:

      „Die Eskimos besaßen mehr Güte. Wenn ihre betagten Angehörigen unproduktiv wurden, setzten sie sie auf eine treibende Eisscholle, wo sie über Nacht erfrieren mußten.

      Im Gegensatz dazu sind wir Unmenschen. Wir stecken unsere alten Verwandten in Pflegeheime, wo 27 Prozent während des ersten Monats ihres Aufenthaltes sterben. Sie treffen dort völlig normal ein und sinken dann schnell in einen Zustand der Senilität und Verwirrung.

      Diejenigen, die überleben, sind oft unterernährt, werden mißhandelt, erhalten Drogen, werden vernachlässigt und sind schließlich nur noch ein schlotternder Haufen Knochen.“

      Aus diesem Grund schrieb Dr. Robert N. Butler, Autor des Buches Why Survive?, folgendes: „Tatsächlich ist es leichter, mit dem Problem des Todes fertig zu werden als mit dem Problem, als alter Mensch zu leben“, und das bei einer kleinen Rente in einer teuren Gesellschaft. Er berichtete: „Etwa 30 Prozent der Wohnungen alter Leute hatten keine Spülklosetts, etwa 40 Prozent hatten kein Bad oder keine Dusche mit heißem Wasser, und etwa 54 Prozent waren im Winter nur minimal geheizt.“

      Offensichtlich hat eine große Zahl alter Menschen in vielen Ländern trotz „sozialer Sicherung“ nur sehr wenig echte Sicherheit. Wenn sie keine anderen Einkünfte haben oder nicht von ihren Angehörigen versorgt werden, sind sie in einer verzweifelten Lage, obwohl sie in einem relativ reichen Land leben.

      Doch muß das immer so sein? Besteht die Hoffnung, daß sich dieser Zustand in absehbarer Zeit ändern wird?

  • Werden die Probleme gelöst werden?
    Erwachet! 1976 | 22. Mai
    • Werden die Probleme gelöst werden?

      WERDEN die finanziellen Probleme der Sozialversicherung und die schlimmen Zustände unter so vielen alten Leuten jemals beseitigt werden? Jawohl, mit absoluter Gewißheit.

      Wie wird das erreicht werden? Wird man das System der sozialen Sicherung neu organisieren? Nein, das ist in der westlichen Welt unwahrscheinlich, da sich dort die Wirtschaftslage in den letzten Jahren ständig verschlechtert hat.

      Die Zukunft der sozialen Sicherung

      Man erwartet, daß die Probleme des gegenwärtigen Systems der sozialen Sicherung schon in kurzer Zeit erheblich zunehmen werden. Letztes Jahr waren in den Vereinigten Staaten die Ausgaben der Sozialversicherung um etwa 3 Milliarden Dollar höher als die Einnahmen.

      Dieser Trend setzt sich immer schneller fort, da die Zahl derer, die aus dem Berufsleben ausscheiden, immer größer wird. Die Beträge, die in Zukunft an die Arbeiter ausgezahlt werden müssen, die jetzt Beiträge zur Sozialversicherung leisten, sind schwindelerregend. Einige Ökonomen glauben, daß diese Leistungen nie ausgezahlt werden.

      Im Wall Street Journal wurde erklärt, daß die bereits bestehenden Verpflichtungen, ohne die Erhöhung der Leistungen zur Anpassung an die Inflation zu berücksichtigen, sich auf ein „voraussichtliches Defizit von mindestens 2,5 Billionen Dollar für die Sozialversicherung belaufen“ werden. Weiter hieß es: „Die Liberalen argumentieren gern, die Nation sei verpflichtet, diese Schulden auf sich zu nehmen, und sie würden durch künftige Beitragserhöhungen bezahlt werden. Das ist natürlich Unsinn. Eine künftige Erhöhung der Beiträge in solchen Größenordnungen kann nur die Beitragsgrundlage zersetzen.“

      Wo liegt denn der Fehler? Diejenigen, die die Sozialversicherung eingeführt haben, sind davon ausgegangen, daß eine stetig wachsende Bevölkerung, eine stets größer werdende Zahl junger Arbeiter hervorbringen würde, die schließlich die Beiträge zahlen und so für die Älteren aufkommen würden, die sich aus dem Berufsleben zurückzögen. Doch es ist anders gekommen. Das Bevölkerungswachstum in den Vereinigten Staaten nimmt nicht zu, sondern ab, denn die Familien haben heute weniger Kinder.

      Deshalb hat es auch nicht die riesige Flut neuer Arbeiter gegeben, die die Beiträge zahlen würden. Statt dessen gibt es eine zunehmende Flut von Rentnern, die von verhältnismäßig weniger Arbeitern unterstützt werden müssen.

      Wie die Zeitschrift Vital Speeches of the Day berichtete, sagte William Cotter, Mitglied einer von der Regierung eingesetzten Kommission zur Untersuchung dieses Problems:

      „Da die gegenwärtigen Rentner ihre Rente von den gegenwärtigen Arbeitern erhalten, ist die Anzahl der Arbeiter pro Rentner ein wesentlicher Faktor.

      Als das System eingeführt wurde, kamen 7 beitragsleistende Arbeiter auf jeden Rentenempfänger. Gegenwärtig kommen nur 3 Arbeiter auf jeden Rentner. Und diese Rate wird immer kleiner.

      Unsere Arbeitsgruppe, die sich auf Angaben des Büros für Bevölkerungsstatistik stützte, schätzte, daß gegen Ende des Jahrhunderts nur 3 Arbeiter auf 2 Rentner kommen werden.“

      Offensichtlich wird die Last der Beiträge dann unerträglich sein. Deshalb sind auch einige Experten der Ansicht, das Programm gehe dem sicheren Bankrott, mindestens aber einer radikalen Veränderung entgegen. Sie sagen, da das System schon jetzt nicht mehr für sich selbst zahlen könne, könne es das erst recht nicht tun, wenn ihm in der Zukunft noch weit schwerere Bürden auferlegt würden. So hieß es in einer Schrift des amerikanischen Instituts für Wirtschaftsforschung:

      „Es ist ganz offensichtlich, daß die Renten für die Empfangsberechtigten unter dem Sozialversicherungsgesetz sowie zahlreiche private Renteneinrichtungen gefährdet sind.

      Die Altersrente der Sozialversicherung ist ein selbstzerstörerischer Mechanismus geworden, der dazu führt, daß diejenigen, die Sozialabgaben zahlen müssen, in den kommenden Jahren verarmen und daß das Risiko steigt, daß diejenigen, die Anspruch auf Rente haben, sie nicht erhalten.“

      Hilfe vom Staat?

      Kann der Staat das System retten? Einige hoffen es. Aber im Wall Street Journal hieß es diesbezüglich: „Die Bundesregierung — Sie können es glauben oder nicht — sitzt im gleichen Boot.“

      Die Regierung der Vereinigten Staaten hat die gleiche Schwierigkeit wie auch viele andere Regierungen: Ihre Ausgaben steigen schneller als ihre Einnahmen. Das Defizit im Staatshaushalt für das Steuerjahr 1975 betrug etwa 43 Milliarden Dollar. Man erwartet, daß das Defizit für das Steuerjahr 1976 etwa 70 Milliarden Dollar betragen wird. Das sind die größten Defizite, die es jemals in Friedenszeiten gegeben hat. Und die Staatsschuld beträgt nahezu 600 Milliarden Dollar.

      Da die staatliche Verschuldung bereits jetzt so groß ist, ist jede Hoffnung, der Staat könne die gewaltigen sozialen Leistungen in der Zukunft zahlen, nach Ansicht vieler Ökonomen unrealistisch.

      Auch hat die Geschichte gezeigt, wie labil Regierungen, Führer, soziale Systeme und wirtschaftliche Einrichtungen sind. Es ist wirklich sinnlos, seine Hoffnung auf versagende menschliche Einrichtungen zu setzen, die Sicherheit versprechen.

      Was die Zukunft bringen wird

      Was die Menschen brauchen, ist ein System, das besser ist als jedes von Menschen erdachte System. Die Unsicherheit muß ein für allemal aufhören.

      Besteht eine realistische Hoffnung auf eine solche Art von Sicherheit? Jawohl. Die heutigen unruhigen Zustände bestätigen, daß diese Hoffnung realistisch ist.

      In der Bibel wurde deutlich vorhergesagt, daß das gegenwärtige System der Dinge in eine „Zeit des Endes“ eintreten würde, in eine Zeitspanne, die als die „letzten Tage“ bezeichnet wird, in der alle menschlichen Einrichtungen in große Schwierigkeiten geraten und versagen würden (Dan. 11:40; 2. Tim. 3:1-5; Matth. 24:3-14). Die heutigen weltweit bestehenden Zustände sind ein Zeichen dafür, daß wir in dieser Zeit leben.

      Das bedeutet, daß die Zeit unmittelbar bevorsteht, in der der Schöpfer der Menschheit, Jehova Gott, in die Angelegenheiten des Menschen eingreifen wird, um auf der Erde alles in Ordnung zu bringen. Jesus Christus forderte seine Nachfolger auf, danach auszublicken, als er davon sprach, daß Gottes Regierung, sein himmlisches Königreich, zur bestimmten Zeit über die Erde herrschen würde (Matth. 6:9, 10). Somit rückt der Tag immer näher, an dem das gegenwärtige unbefriedigende System der Dinge aus dem Dasein gefegt wird, um einer neuen Ordnung unter Gottes Leitung Platz zu machen (2. Petr. 3:13).

      Die Bibel sagt voraus, daß das Glück der Erdbewohner in Gottes neuer Ordnung nicht mehr durch irgendeine Art von Unsicherheit beeinträchtigt wird. Vorbei wird es dann mit Krieg, Hunger, Habgier, Konkurrenzkampf und Bedrückung sein. Statt dessen werden die Menschen „ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“. Dann wird es wahre „Sicherheit auf unabsehbare Zeit“ geben. Welch eine wunderbare Aussicht in Anbetracht der heutigen zunehmenden Unsicherheit! (Ps. 37:11; Jes. 32:17).

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