-
Warum müssen sich Christen von der Welt getrennt halten?Der Wachtturm 1980 | 15. September
-
-
Warum müssen sich Christen von der Welt getrennt halten?
VIELE, viele Millionen Personen bekennen sich heute dazu, Nachfolger Jesu Christi zu sein. Doch zu behaupten, ein Christ zu sein, und wirklich einer zu sein ist zweierlei. Jesus selbst machte dies in der Bergpredigt deutlich, als er sagte: „Nicht jeder, der zu mir sagt: ,Herr, Herr‘, wird in das Königreich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: ,Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen prophezeit ... und in deinem Namen viele Machttaten vollbracht?‘ Und doch will ich ihnen dann bekennen: Ich habe euch nie gekannt! Weichet von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit“ (Matth. 7:21-23).
Eines der vielen Merkmale, durch die sich echte Christen von Namenchristen unterscheiden, ist, daß sie sich von der Welt getrennt halten. In der Nacht, in der er verraten wurde, wies Jesus seine Nachfolger nachdrücklich auf diese Tatsache hin: „Wenn die Welt euch haßt, wißt ihr, daß sie mich gehaßt hat, bevor sie euch haßte. Wenn ihr ein Teil der Welt wäret, so wäre der Welt das Ihrige lieb. Weil ihr nun kein Teil der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, deswegen haßt euch die Welt.“ Als er am gleichen Abend zu seinem himmlischen Vater betete, hob er dies noch einmal hervor: „Sie sind kein Teil der Welt, so, wie ich kein Teil der Welt bin“ (Joh. 15:18, 19; 17:16).
„Kein Teil der Welt.“ Das bedeutet, sich von der Welt getrennt zu halten. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Doch was meinte Jesus mit dem Ausdruck „Welt“? In seinem Gebet machte Jesus einen Unterschied zwischen seinen Nachfolgern und dieser „Welt“: „Ich bitte sie [seine Jünger] betreffend; nicht hinsichtlich der Welt bitte ich, sondern hinsichtlich derer, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein“ (Joh. 17:9). Diese Worte lassen erkennen, daß er unter der „Welt“ die böse, gottlose Welt (kosmos) verstand, die aus den Menschen besteht, die — wie der Apostel Johannes es ausdrückte — ‘in der Macht dessen liegen, der böse ist’ (1. Joh. 2:15 bis 17; 5:19). Der Gott und Herrscher dieser Welt ist Satan, der Teufel.
WORAUS SICH DIE WELT ZUSAMMENSETZT
Satan hat diese Welt so organisiert, daß sie aus verschiedenen Teilen besteht. Einer ihrer wesentlichsten Bestandteile ist Babylon die Große, das Weltreich der falschen Religion, in Offenbarung 17:3-6 als „die Mutter der Huren und der abscheulichen Dinge der Erde“ beschrieben. Von ihr heißt es, sie sei trunken vom Blute der Heiligen, der Zeugen Jesu.
Einen sehr bedeutenden Teil der Welt Satans machen auch die politischen Reiche der Welt aus, die der Apostel Johannes als ein wildes Tier beschreibt, das aus dem Meer steigt und 7 Köpfe und 10 Hörner hat (Offb. 13:1). Daß diese Reiche einen Teil der Welt Satans bilden, ist daran zu erkennen, daß er sie Jesus Christus anbieten konnte, als er ihn zu einem Akt der Anbetung zu verleiten suchte (Matth. 4:8, 9).
Ein weiterer Teil der Welt, die von Satan kontrolliert wird, ist das rücksichtslose, gewinnsüchtige und bedrückende Wirtschaftssystem, auf das sich die Bezeichnung „reisende Kaufleute“ in Offenbarung 18:11 bezieht. Dieses System beutet das Volk aus und ist bemüht, es in Sklaverei, in wirtschaftlicher Knechtschaft, zu halten, genauso wie Babylon die Große versucht, die Menschen in religiöser Knechtschaft zu halten, und wie die Regierungen dieser Welt bemüht sind, die Menschen in politischer Knechtschaft zu halten.
Satans Welt ist auch von unmoralischen Praktiken aller Art durchsetzt, wie aus den Worten des Apostels Johannes in 1. Johannes 2:15, 16 hervorgeht: „Liebt nicht die Welt noch die Dinge in der Welt. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles in der Welt — die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und die auffällige Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat — stammt nicht vom Vater, sondern stammt von der Welt.“
WESHALB SICH GETRENNT HALTEN?
Warum wird Christen geboten, sich von der Welt getrennt zu halten, die unter der Kontrolle Satans steht? Laßt uns zuerst feststellen, was es nicht bedeutet, sich von der Welt getrennt zu halten. Es bedeutet nicht, daß wir überhaupt nichts mit denen zu tun haben sollten, die den Geist der Welt haben, die eine falsche Religion ausüben, die in korrupte politische Machenschaften, in von Habgier bestimmte Geschäfte oder unmoralische Unternehmungen verwickelt sind. Dann müßten wir nämlich, wie uns der Apostel Paulus vor Augen führt, buchstäblich aus der Welt hinausgehen (1. Kor. 5:9, 10). Genausowenig bedeutet es, daß wir uns keine Zeit für gesunde Entspannung nehmen dürften oder daß wir Verwandte nicht besuchen oder empfangen dürften, nur weil es sich um Ungläubige handelt.
Vielmehr steht das Getrennthalten von der Welt in Zusammenhang mit der Streitfrage, die aufgeworfen wurde, als Jehova Gott Feindschaft zwischen dem Samen des Weibes, seiner heiligen Organisation, und dem Samen des Gottes der Welt, Satans, des Teufels, voraussagte. Es bedeutet, das Gleichgewicht zu bewahren, kein Sklave dessen zu werden, was die Welt auch immer zu bieten hat. Es bedeutet, Kompromisse mit der Welt zu vermeiden, denn dadurch würde man ganz offensichtlich Jehova Gott mißfallen. Es bedeutet, ‘nicht im Rate der Bösen zu wandeln, nicht auf den Weg der Sünder zu treten und nicht auf dem Sitz der Spötter zu sitzen’ (Ps. 1:1).
An dieser Stelle ist es interessant, zu erfahren, wie die Christen im 2. Jahrhundert u. Z. über die Welt dachten. Der Historiker Cadoux schreibt darüber in seinem Buch The Early Church and the World (1925): „Den Zustand des Menschengeschlechts außerhalb der Grenzen der christlichen Kirche schildern die Kirchenschriftsteller dieser Periode alles in allem in den schwärzesten Farben. Eine Vielzahl übler Eigenschaften mißt man ,der Welt‘ oder ,diesem Zeitalter‘ bei, als da sind Vergehen, Finsternis, Blindheit, Trunkenheit, Betrug, Übel, Frevel, Besudelung, Verderbtheit, Nichtigkeit, Niederträchtigkeit, Gottlosigkeit, Pietätlosigkeit, Unglauben und Lästerung.“
Wir müssen uns von Satans Welt wegen ihrer Gottlosigkeit und wegen ihres Hasses auf Jesus Christus getrennt halten. Wozu führt es eigentlich, wenn man sich mit dieser Welt verbrüdert oder ein Teil von ihr wird? Der Jünger Jakobus antwortet: „Ihr Ehebrecherinnen, wißt ihr nicht, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer immer daher ein Freund der Welt sein will, stellt sich als ein Feind Gottes dar“ (Jak. 4:4). Können wir es uns leisten, Jehova Gott zum Feind zu haben? Die Antwort gibt der Apostel Paulus in 1. Korinther 10:21, 22: „Ihr könnt nicht den Becher Jehovas und den Becher der Dämonen trinken; ihr könnt nicht am ,Tisch Jehovas‘ und am Tisch der Dämonen teilhaben. Oder ,reizen wir Jehova zur Eifersucht‘? Wir sind doch nicht etwa stärker als er?“
Der „Becher“ und der „Tisch“ der Dämonen befinden sich in „Babylon der Großen“. Dieses Weltreich der falschen Religion lehrt Lügen, verleumdet Jehova Gott und ist von Satan dazu gebraucht worden, die ganze bewohnte Erde irrezuführen (Offb. 12:9). Wie könnten also wahre Diener Gottes mit irgendeiner der Religionsgemeinschaften dieser Welt gemeinsame Sache machen? Für Jesus gab es keinen Interkonfessionalismus. Er schloß sich keiner Sekte des Judaismus in ihrem Widerstand gegen das römische Joch an. Genausowenig dürfen seine wahren Nachfolger heute interkonfessionell tätig sein. Sie müssen den Worten aus Jesaja 52:11 nachkommen: „Weichet, weichet, zieht von dort aus, rührt nichts Unreines an; geht aus ihrer Mitte hinaus, haltet euch rein, die ihr die Geräte Jehovas tragt.“ Welch gewichtige Gründe gibt es doch für Christen, sich von dem religiösen Teil der satanischen Welt getrennt zu halten!
Ebenso gibt es zwingende Gründe, weshalb sich wahre Diener Gottes und aufrichtige Nachfolger Jesu Christi von dem politischen Teil der Welt Satans, von Nationalismus und Politik jeglicher Form, getrennt halten müssen. Ist nicht das, was auf diesem Gebiet getan wird, ebenfalls dem Königreich Gottes entgegengesetzt? Als Jesus vor dem Repräsentanten des Römischen Reiches, Pontius Pilatus, stand, bezeugte er: „Mein Königreich ist kein Teil dieser Welt. Wäre mein Königreich ein Teil dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königreich nicht von daher“ (Joh. 18:36). Da weder Jesus noch seine Jünger ein Teil der damaligen politischen Welt waren, dürfen es auch seine Nachfolger heute nicht sein. Daß die Nationen der Welt mit dem wahren Gott nichts gemein haben, zeigt die Tatsache, daß sie von dem Gott dieser Welt durch seine inspirierten Äußerungen zum Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen, nach Har-Magedon, versammelt werden (Offb. 16:14, 16). Wie schon der Apostel Petrus so treffend bemerkte, sind Christen Fremdlinge und zeitweilig Ansässige (1. Petr. 2:11). Damit stimmen die Worte des Apostels Paulus in Philipper 3:20 überein, wonach sich das Bürgertum der wahren Nachfolger Christi im Himmel befindet. Aus diesem Grund beteiligen sich die christlichen Zeugen Jehovas nicht an der Politik und kaufen oder tragen auch keine politischen Parteikarten.
Und da wir in 1. Johannes 2:15, 16 vor dem Materialismus und der Unsittlichkeit in der Welt — vor dem genauen Gegenteil von Gottergebenheit — gewarnt werden, müssen wir uns auch von diesen Dingen fernhalten, wenn wir heilig sein wollen, wie Jehova Gott heilig ist (1. Petr. 1:15, 16).
Doch was erfordert es, sich von der Welt getrennt zu halten? Diese Frage beantwortet der folgende Artikel.
-
-
Was es erfordert, sich von der Welt getrennt zu haltenDer Wachtturm 1980 | 15. September
-
-
Was es erfordert, sich von der Welt getrennt zu halten
EINS steht fest: Die Erkenntnis, wie böse und verderbt die Welt Satans ist, hilft uns, davon getrennt zu bleiben. Eine solche Erkenntnis macht es uns leicht, dem Gebot aus Psalm 97:10 zu gehorchen: „O ihr, die ihr Jehova liebt, hasset das Böse.“ Ganz gleich, wie angenehm, wie verlockend das Böse dem gefallenen Fleisch erscheinen mag, wir müssen es verabscheuen (Röm. 12:9). Mehr noch, wir sollten sogar diejenigen hassen, die zeigen, daß sie Jehova und das Gute vorsätzlich hassen. David drückte dies einst so aus: „Hasse ich nicht die, die dich, o Jehova, aufs tiefste hassen, und empfinde ich nicht Ekel vor denen, die sich gegen dich auflehnen? Mit vollendetem Haß hasse ich sie gewißlich. Sie sind mir zu wirklichen Feinden geworden“ (Ps. 139:21, 22). Wir hassen sie nicht in dem Sinne, daß wir ihnen Schaden zufügen wollten oder ihnen Unglück wünschten, sondern in dem Sinne, daß wir sie meiden, wie man Gift oder eine giftige Schlange meiden würde, denn sie können uns in geistiger Hinsicht vergiften. Deshalb werden wir gewarnt: „Laßt euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten“ (1. Kor. 15:33).
Es sei auch auf folgendes hingewiesen: Das Erfordernis, sich von bösen Menschen fernzuhalten, ist nicht auf Personen beschränkt, die wir vielleicht zufällig treffen oder mit denen wir tagtäglich zu tun haben mögen, sondern es schließt auch die ein, mit denen wir die Freizeit zu verbringen wünschen. Erinnern wir uns an das Gebot: „Hurerei und jede Art Unreinheit oder Habgier sollen unter euch nicht einmal erwähnt werden, so, wie es sich für Heilige geziemt, auch kein schändliches Benehmen“ (Eph. 5:3, 4). Das bedeutet nicht nur, daß wir es unterlassen, derartiges zum Gegenstand unserer eigenen Gespräche zu machen; es bedeutet auch, daß wir nicht einmal dulden, daß solche Dinge in unserer Gegenwart erwähnt werden. Das wäre aber der Fall, wenn wir uns Fernsehprogramme oder Kinofilme ansähen, in denen die erwähnten Schlechtigkeiten das Gesprächsthema bilden. Statt dessen sollten wir Wert darauf legen, mit Glaubensbrüdern, die Gott völlig ergeben sind, Gemeinschaft zu pflegen, und zwar nicht nur bei den Zusammenkünften und im Predigtdienst, sondern auch bei Geselligkeiten. Ja, um uns von der Welt getrennt zu halten, müssen wir auf unseren Umgang achten. Auf der einen Seite müssen wir schlechten Umgang meiden, auf der anderen Seite aber die Gemeinschaft derer suchen, die wie wir kein Teil der Welt sind.
GLAUBE UND MUT NÖTIG
Getrennt von der Welt zu bleiben erfordert auch Glauben und Mut. Um unseren Glauben zu stärken, müssen wir einen gesunden geistigen Appetit entwickeln, uns allezeit unserer geistigen Bedürfnisse bewußt sein (Matth. 5:3). Das schließt ein, daß wir es uns zur Gewohnheit machen, sowohl persönlich die Bibel zu studieren als auch regelmäßig die christlichen Zusammenkünfte zu besuchen. Dies ist ein Gebiet, auf dem sich viele, die zu Jehovas Volk gehören, eines Versäumnisses schuldig machen. Jeder von uns sollte sich regelmäßig Zeit für das persönliche Bibelstudium reservieren. Nötigenfalls muß man eben eine halbe Stunde früher aufstehen. Viele tun das, damit sie ein solches Studium betreiben können. Wir sollten Gottes Wort genauso wertschätzen wie der Psalmist, der ausrief: „Wie liebe ich doch dein Gesetz! Den ganzen Tag befasse ich mich damit. Ich frohlocke über deine Rede gleichwie einer, wenn er viel Beute findet“ (Ps. 119:97, 162).
Welche Rolle ein starker Glaube in unserem Bemühen spielt, von der Welt getrennt zu bleiben, kann man aus dem Beispiel treuer Männer der alten Zeit ersehen. In Hebräer, Kapitel 11 lesen wir, daß ‘die Welt ihrer nicht würdig war’. Sie setzten ihre Hoffnung auf Gottes Königreich und sahen so die Verheißungen „von ferne und hießen sie willkommen“, und sie erkannten, daß sie, was die Welt betraf, nur „Fremde und zeitweilig Ansässige“ waren.
Mutig mit der guten Botschaft über Gottes Königreich von Haus zu Haus zu gehen ist nicht nur ein Beweis unseres Glaubens und bestärkt uns nicht nur in unserer Überzeugung, sondern ist uns auch eine große Hilfe, getrennt von der Welt zu bleiben. Auf diese Weise prägt sich in unserem Sinn ein, welch große Kluft zwischen den Menschen in der Welt und Christen besteht. Wenn wir die Gleichgültigkeit, Voreingenommenheit, ja die regelrechte Feindschaft vieler Personen, die wir antreffen, sehen, können wir weltlichen Versuchungen leichter widerstehen. Das gleiche trifft auch auf informelles Zeugnisgeben zu. Ehemalige Hippies, die dies tun, haben selten Schwierigkeiten, den Umgang mit ihren früheren Kameraden abzubrechen; diese bleiben einfach weg, weil sie nicht möchten, daß ihnen ihre ehemaligen Freunde predigen.
TREUE IN KLEINEN DINGEN
Sich von der Welt getrennt zu halten erfordert auch, in kleinen Dingen treu zu sein. Jesus sagte: „Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in vielem ungerecht“ (Luk. 16:10). Hüten wir uns davor, der Welt zu folgen, uns in kleinen Dingen von ihr beeinflussen zu lassen, was zum Beispiel herausfordernde Kleidung oder Frisur, unreelle Geldangelegenheiten, das Umgehen von Steuergesetzen, Trödelei am Arbeitsplatz, unnötige Risiken und leichtfertiges Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht betrifft. Wenn wir in all diesen Dingen treu sind, werden wir auch die Gesetze Gottes in schwerwiegenderen Angelegenheiten nicht übertreten.
Ein anschauliches Beispiel für diesen Grundsatz finden wir in dem Verhalten der vier Hebräer, die gefangen nach Babylon weggeführt wurden. Weil sie sich in einer scheinbar kleinen Sache — sie betraf Speise — als treu erwiesen, waren sie imstande, aus Prüfungen siegreich hervorzugehen, bei denen es um Leben und Tod ging und die Frage im Mittelpunkt stand, ob sie Gott oder Menschen gehorchen würden (Dan. 1:1-17; 3:1-30; 6:4-23).
DEMUT UND SELBSTBEHERRSCHUNG
Demut ist eine weitere Eigenschaft, die uns in dem Bemühen, von der Welt getrennt zu bleiben, von großem Nutzen ist. Demütig zu sein bedeutet, keine hohe Meinung von sich zu haben, nie höher von sich zu denken als nötig (Röm. 12:3). Diejenigen, die zu hoch von sich denken, werden leicht zur Zielscheibe für die Schmeichler in der Welt. Satan gebrauchte gewissermaßen Schmeicheleien, um Eva zu täuschen (1. Mose 3:1-7). Demut hilft uns, mit den geistigen und materiellen Segnungen, die uns zuteil geworden sind, zufrieden zu sein. Wenn wir Gottergebenheit und Selbstgenügsamkeit haben — wozu wir in 1. Timotheus 6:6 aufgefordert werden —, werden wir uns nicht unentwegt nach verbotenen Vergnügungen sehnen, nach dem Nervenkitzel, den man beim Anschauen von Gewalttat verspüren kann; wir werden uns weder versucht fühlen, in unseren Beziehungen zu anderen unehrlich zu sein, noch werden wir dem Gewinn nachjagen. Wenn wir nicht zu hoch von uns denken, werden wir mit unserem Ehepartner zufrieden sein und werden nicht den Blick sehnsuchtsvoll auf jemand anders richten, von dem eine größere Faszination auszugehen oder der mehr Freuden oder bessere Kameradschaft zu versprechen scheint.
Sich von der Welt getrennt zu halten erfordert auch Selbstbeherrschung. Selbstbeherrschung wird es uns möglich machen, Schmerzen zu ertragen, und so verhindern, daß wir unter heftiger Verfolgung Kompromisse eingehen, wobei wir allezeit zu Jehova aufblicken, der uns die nötige Kraft gibt. Das gleiche trifft zu, wenn Versuchungen auftreten, die uns durch die Welt Satans oder auch durch die Verhältnisse in den Weg gelegt werden, Versuchungen, uns den Werken des Fleisches hinzugeben (Gal. 5:19-21). Wenn wir die Frucht der Selbstbeherrschung hervorgebracht haben, sind wir imstande, allen solchen Versuchungen zu widerstehen und das zu tun, was der Apostel Paulus tat: „Ich zerschlage meinen Leib und mache ihn zum Sklaven, damit ich mich nicht, nachdem ich anderen gepredigt habe, selbst irgendwie als unbewährt erweise“ (1. Kor. 9:27).
DIE FURCHT JEHOVAS UND SELBSTLOSE LIEBE
Wenn wir von der Welt getrennt bleiben wollen, benötigen wir auch die Furcht Jehovas, die der Weisheit Anfang ist (Ps. 111:10). Die Furcht, unserem himmlischen Vater zu mißfallen, bewirkt, daß wir uns von der schlechten Welt getrennt halten. Die Welt ist sehr böse, und die Furcht Jehovas bedeutet, das Böse zu hassen.
Vor allem aber ist selbstlose Liebe erforderlich. Die Welt appelliert an die Selbstsucht. In dem Maße, wie wir selbstlos sind, werden die Versuchungen der Welt keine Anziehung auf uns ausüben. Wenn wir Jehova wirklich mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit ganzem Sinn und ganzer Kraft lieben, werden wir loyal zu ihm halten und mit seinen Feinden keine gemeinsame Sache machen. Wir werden ihm nicht untreu werden. Und wenn wir unsere christlichen Brüder lieben, werden wir uns von der Welt getrennt halten, denn andernfalls könnten wir sie durch unser schlechtes Beispiel zum Straucheln veranlassen. Wenn wir unsere Familienangehörigen lieben, werden wir all den weltlichen Verlockungen fernbleiben, die uns veranlassen könnten, in Gedanken, in Wort oder Tat unseren Lieben untreu zu werden.
BELOHNUNGEN
Wie sieht unsere Belohnung aus, wenn wir uns von der Welt getrennt halten? Eine Belohnung ist, daß wir uns der ungetrübten Freundschaft Jehovas, Jesu Christi und unserer christlichen Brüder erfreuen können. Auch behalten wir ein reines Gewissen und müssen nicht die schlechten Früchte ernten, die durch die Werke des Fleisches hervorgebracht werden (Gal. 6:7, 8). Wenn wir uns von Babylon der Großen getrennt halten, haben wir keinen Anteil an ihrer Schuld und werden auch ihre Plagen nicht empfangen (Offb. 18:4).
Sich von den politischen Nationen getrennt zu halten lohnt sich ebenfalls. Oft hat es zwar dazu geführt, daß wahre Christen leiden mußten, doch immer wieder hat es sich zu ihrem Vorteil ausgewirkt, wenn sie sich von nationalistischen Konflikten fernhielten. In solch politisch zerrissenen Ländern wie Libanon und Nordirland hat es ihnen die neutrale Stellung, die sie einnehmen, ermöglicht, sich in ihrem Zeugniswerk frei zu bewegen, und hat ihnen sogar das Leben gerettet.
Nur wenn wir uns von der Welt getrennt halten, können wir zu unserem eigenen Nutzen dem Gebot nachkommen, das in Zephanja 2:3 zu finden ist: „Suchet Jehova, all ihr Sanftmütigen der Erde, die ihr Seine eigene richterliche Entscheidung ausgeführt habt. Suchet Gerechtigkeit, suchet Sanftmut. Wahrscheinlich könnt ihr am Tage des Zornes Jehovas geborgen werden.“ Auf diese Weise können wir die „große Drangsal“ überleben und uns dann des ewigen Lebens in Gottes neuer Ordnung erfreuen (Matth. 24:21; 2. Petr. 3:13).
Mögen daher alle Gott wirklich ergebenen Christen stets die Notwendigkeit im Sinn behalten, sich von der Welt, die von Satan, dem Teufel, beherrscht wird, getrennt zu halten. Mögen sie sich ständig die vielen Gründe vor Augen führen, weshalb sie so handeln sollten. Und mögen sie stets darauf bedacht sein, die Eigenschaften hervorzubringen, die erforderlich sind, um sich von der Welt getrennt zu halten.
Wie in den folgenden Studienartikeln gezeigt wird, werden wir durch unsere Einstellung zur Welt tiefgreifend beeinflußt. In der Tat, ‘wir ernten, was wir säen’.
[Bilder auf Seite 9]
HASSE UND MEIDE DAS BÖSE
GEWALTTAT
LASTER
FESTIGE DEINEN GLAUBEN AN GOTT
STUDIUM
GEBET
-
-
Im Hinblick auf Gottes Königreich säenDer Wachtturm 1980 | 15. September
-
-
Im Hinblick auf Gottes Königreich säen
1. Zu welchem Reich gehörte nach der Antwort einer Schülerin ein Kaiser? Stand die Richtigkeit ihrer Antwort außer Frage?
VON einem Kaiser erzählt man sich, daß er einmal eine Schule inspizierte. Er stellte den Schülern mehrere Fragen. Einem Mädchen stellte er Fragen über das „Pflanzenreich“ und das „Tierreich“. Er freute sich, daß die Kleine seine Fragen beantworten konnte. Deshalb fragte er weiter: „Zu welchem Reich gehöre ich?“ Als die Schülerin sagte: „Zum Reich Gottes“, traten ihm Tränen in die Augen. Die Kirche, der der Kaiser angehörte, hielt die Antwort des Mädchens für richtig und ehrerbietig. Gehörte der Kaiser aber wirklich zum Reich oder Königreich Gottes? War dieser politische Herrscher einer weltlichen Regierung tatsächlich zum „Königreich Gottes“ zugelassen worden? Diese Frage sollte uns zum Nachdenken anregen.
2. (a) Was für eine Regierung ist das Königreich Gottes? (b) Wie zeigten die Juden zur Zeit Jesu, daß sie nicht im Hinblick auf das Königreich säten?
2 Zu Gottes Königreich zugelassen zu werden ist die größte Ehre, die einem Menschen erwiesen werden könnte. Das Königreich Gottes ist die höchste aller Regierungen. Der Gründer des Christentums verkündigte sie im Nahen Osten. In einem Geschichtsbericht heißt es von Jesus Christus: „Nachdem nun Johannes [der Täufer] in Haft genommen worden war [im Jahre 30 u. Z.], ging Jesus nach Galiläa, predigte die gute Botschaft Gottes und sprach: ,Die bestimmte Zeit ist erfüllt, und das Königreich Gottes hat sich genaht. Bereut und glaubt an die gute Botschaft‘“ (nach dem Bericht des Markus, Kap. 1, V. 14, 15). Doch die überwältigende Mehrheit des jüdischen Volkes bereute nicht und glaubte nicht. Sie ließen Jesus auf schreckliche Weise als einen Feind Cäsars, des römischen Reichsherrschers, zu Tode bringen. Bildlich gesprochen, säten sie nicht im Hinblick auf Gottes Königreich. Doch wer von uns tut es heute? Wie können wir das feststellen? Wir werden sehen.
3. Über welches Gleichnis, das Jesus einer Zuhörerschaft am Seegestade erzählte, befragten ihn hinterher seine Jünger, und was sagte er über die Ohren?
3 Die meisten von uns lieben Veranschaulichungen. Jesus Christus war dafür bekannt, daß er Veranschaulichungen gebrauchte oder Gleichnisse erzählte. Er zog als Wanderprediger große Zuhörermengen an. Einmal belehrte er von einem Boot aus eine Zuhörerschaft, die sich am Gestade des Galiläischen Meeres eingefunden hatte. Er erzählte ein Gleichnis, das von vier Arten Ackerboden handelte. Die Jünger, die eng mit ihm verbunden waren, fragten ihn privat nach der Bedeutung des Gleichnisses. Nachdem er es den Jüngern erklärt und noch weitere Erläuterungen gegeben hatte, sagte er sogar zu den Jüngern, obwohl sie seine engsten Gefährten waren: „Wer Ohren hat zu hören, höre zu“ (Mark. 4:1-23). Wie viele von den Zuhörern am Seegestade hörende Ohren hatten, wissen wir
-