Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Sünde — Noch immer verwerflich?
    Der Wachtturm 1981 | 1. Februar
    • Sünde — Noch immer verwerflich?

      „OFFIZIELL haben wir als Nation vor 20 Jahren aufgehört zu ,sündigen‘.“ Diesen Kommentar gab Dr. Karl Menninger in seinem Buch Whatever Became of Sin? (Was ist denn aus der Sünde geworden?). Er sagte auch, daß noch im Jahre 1953 ein amerikanischer Präsident von der Sünde als von einer landesweiten besorgniserregenden Erscheinung sprach.

      In östlichen Ländern macht man sich über den Begriff „Sünde“ gewöhnlich nicht so viele Gedanken wie über die persönliche Ehre oder über die Ahnenverehrung. Doch in westlichen Ländern ist es in der Vergangenheit anders gewesen. Der Sünde angeklagt zu werden war sehr schwerwiegend. Heute sieht es jedoch anders aus. Wenn jemand zugibt, daß er gesündigt hat, sagt er das gewöhnlich mit einem Lächeln auf den Lippen. Sünde wird nicht mehr als etwas Verwerfliches betrachtet. Ist diese Ansicht aber richtig?

      Was ist eigentlich Sünde? Ja, viele wissen es gar nicht mehr genau. Früher sprach man von den „sieben Todsünden“: Stolz, Habgier, sinnliche Begierde, Wut, Schlemmerei, Neid und Faulheit. Heute scheinen diese Charakterzüge ganz alltäglich zu sein. Zum Beispiel wird Stolz durch Nationalstolz oder Rassenfanatismus gefördert. Man kann sich kaum vorstellen, daß die Konsumgesellschaft vieler wohlhabender Länder weiterbestehen könnte, wenn es in der Bevölkerung keine Habgierigen, keine Neider und keine Schlemmer gäbe. Ehebruch, Homosexualität und Hurerei werden geduldet oder gefördert, und das sogar von einigen religiösen Führern. Und durch moderne Erfindungen wie das Fernsehen wird die Faulheit gefördert.

      Wessen Meinung?

      Manchmal sagen Leute: „Solange man sich von seinem Gewissen leiten läßt, wird man nicht sündigen.“ Es stimmt, daß Gott uns das Gewissen als eine Hilfe gegeben hat, um zwischen Recht und Unrecht unterscheiden zu können. Ohne das Gewissen wäre wahrscheinlich jegliche Ordnung und Kultur schon aus der menschlichen Gesellschaft verschwunden (Röm. 2:14, 15).

      Das Gewissen kann uns aber auch irreführen. Zum Beispiel würden die meisten Leute Mord als Sünde ansehen. Im Namen der Religion hießen jedoch die Anbeter der Hindugöttin Kali sowie die römisch-katholischen Inquisitoren des Mittelalters Mord gut. Jesus sagte warnend zu seinen Nachfolgern: „Die Stunde kommt, da jeder, der euch tötet, meinen wird, er habe Gott einen heiligen Dienst erwiesen“ (Joh. 16:2). Auch heute werden jährlich bis zu 50 Millionen Ungeborene durch Abtreibung getötet, und das oft mit der gesetzlichen Erlaubnis des Staates.

      Außerdem haben manche ein dehnbares Gewissen. Sie lassen sich — wie man das auch von einem gewissen Staatsmann sagt — nicht durch ihr Gewissen „leiten“, sondern machen es zu ihrem „Komplizen“. Die meisten betrachten das Stehlen zwar als Sünde, besonders wenn ihnen Geld gestohlen wird. Trotzdem hängen die meisten Verbrechen, die in den Vereinigten Staaten begangen werden, mit Diebstahl, Versicherungsbetrug, Bestechung und Unterschlagung zusammen. Millionen durchschnittliche Bürger verüben solche Dinge. Schlägt dabei ihr Gewissen? Anscheinend nicht. Und warum nicht? Vielleicht deshalb, weil sie dabei nicht ertappt worden sind oder weil „es alle tun“.

      Das Gewissen spielt also schon eine gewisse Rolle, wenn es darum geht, herauszufinden, was Sünde ist. Doch anscheinend benötigt es auch eine Anleitung. Wo ist aber eine solche Anleitung zu finden? Oft widersprechen sich diejenigen, die behaupten, eine Autorität auf diesem Gebiet zu sein.

      Zum Beispiel war es für Katholiken eine Zeitlang eine Sünde, freitags Fleisch zu essen. Heute trifft dies auf die meisten Freitage nicht mehr zu. Viele fragen sich deshalb: „Worin besteht zwischen damals und heute der Unterschied?“

      Die römisch-katholische Kirche betrachtet es auch als eine schwere Sünde, Verhütungsmittel bei der Familienplanung zu benutzen. Viele Leute — auch Katholiken — beobachten jedoch die alarmierende Bevölkerungsexplosion und denken nun anders darüber. Sie stimmen zweifellos mit den Worten von Dr. Karl Menninger überein, der folgendes sagte: „Meiner Meinung nach begeht man durch ein rücksichtsloses, gedankenloses und uneingeschränktes Zeugen von Kindern sowie durch Unkenntnis und Gleichgültigkeit gegenüber den daraus entstehenden Folgen für die Welt eine der schwersten Sünden.“ Worin besteht also die Sünde, den Bevölkerungszuwachs einzuschränken oder zu fördern?

      Anschauungen, die so verschieden sind, verwirren die Menschen. Eine Umfrage, die vor kurzem von der römisch-katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurde, zeigte, daß „die meisten Katholiken nicht genau wissen, was ,Sünde‘ ist“. Viele gaben zu, daß sie „sich nicht darüber im klaren sind“ und deshalb „nicht genau wissen, was sie beichten sollen“.

      Einige kluge Köpfe bezweifeln sogar, daß es überhaupt noch Sünden gibt. Sie ziehen es vor, lieber über „Krankheiten“ zu sprechen als über Sünden. Ein in der Zeitschrift Time zitierter Theologe sagte über Jim Jones, auf dessen Kommando hin viele seiner Nachfolger in Guyana Selbstmord begingen, folgendes: „Ich glaube, Leute wie Hitler und Jones sind einfach nur geisteskrank. Meiner Meinung nach sollte man, statt sich über sie moralisch zu entrüsten, nur Mitleid mit allen Betroffenen haben.“

      Ist Sünde noch verwerflich?

      Ist denn angesichts dieser weitverbreiteten verschiedenen Anschauungen Sünde wirklich noch verwerflich? Wenn uns etwas an unserer Familie und an unseren Nachbarn liegt, wenn wir uns schon jetzt eine Hoffnung für die Zukunft und ein glückliches, befriedigendes Leben wünschen, dann muß diese Frage mit „Ja“ beantwortet werden.

      „Sünde“ wird manchmal als „Übertretung eines religiösen Gesetzes oder sittlichen Grundsatzes“ definiert. Dadurch, daß in der Definition „ein religiöses Gesetz“ erwähnt wird, wird man daran erinnert, daß die einzige Autorität, die uns wirklich sagen kann, was Sünde ist und wie man sie vermeiden kann, Jehova Gott ist, derjenige, der die wahre Religion ins Dasein gebracht hat. Er schuf den Menschen so, daß dieser darauf angewiesen ist, gewisse moralische Grundsätze zu beachten. Wenn wir Naturgesetze, wie zum Beispiel das Gesetz der Schwerkraft, übertreten, kann dies für uns schlimme Folgen haben. In gleicher Weise kann es sich für uns schließlich verhängnisvoll auswirken, wenn wir Gottes Sittengesetze übertreten, das heißt, wenn wir sündigen. Die Bibel sagt darüber warnend: „Laßt euch nicht irreführen: Gott läßt sich nicht verspotten. Denn was immer ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal. 6:7).

      In Hesekiel 18:4 wird beschrieben, wie verheerend sich die Sünde auf denjenigen auswirkt, der sie treibt. Es heißt dort: „Die Seele, die sündigt — sie selbst wird sterben.“ Die Sünde kann sich auch für ganze Nationen verhängnisvoll auswirken, denn in Sprüche 14:34 wird gesagt: „Gerechtigkeit ist das, was eine Nation erhöht, aber Sünde ist etwas Schändliches für Völkerschaften.“

      Ja, Sünde ist noch immer verwerflich. Wir müssen zu unserem eigenen Nutzen erkennen, was Sünde ist, und müssen lernen, Sünden zu vermeiden. Wie ist das möglich? Der nächste Artikel gibt darauf eine Antwort.

  • Stimmt es, daß ‘alle gesündigt haben’?
    Der Wachtturm 1981 | 1. Februar
    • Stimmt es, daß ‘alle gesündigt haben’?

      HAST du dich je gefragt, warum der Mensch trotz ernsthafter Bemühungen die meisten seiner schwierigen Probleme nicht lösen kann? Zwar hat er eine ziemlich gute Vorstellung von dem, was er erreichen möchte — Frieden, Wohlstand, Glück, Gesundheit —, aber warum hat es den Anschein, daß er sich von diesen wünschenswerten Zielen immer weiter entfernt?

      Der Apostel Paulus nannte einen Hauptgrund dafür: „Alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm. 3:23). Ja, die meisten Bemühungen des Menschen sind durch seine Sündhaftigkeit vereitelt worden.

      Einige mögen die Worte des Apostels Paulus bezweifeln. Vielleicht sagen sie: „Wie kommt man dazu, anzunehmen, ich sei ein Sünder? Ich füge meinem Nächsten nichts Schlechtes zu. Außerdem führe ich ein friedliches Leben und verursache keine Schwierigkeiten. Welche Sünden begehe ich also?“ In diesem Zusammenhang muß man allerdings beachten, daß man nicht nur sündigt, wenn man Schwierigkeiten verursacht oder seinem Nächsten Schaden zufügt. Ja, dies sind Sünden, und es ist lobenswert, wenn man sie vermeidet. Doch das Wort „Sünde“ bezieht sich auf vieles mehr. Paulus erwähnte es in Verbindung damit, daß wir ‘nicht die Herrlichkeit Gottes erreichen’. Es hängt also mit unserem Verhältnis zu unserem Schöpfer, Jehova Gott, zusammen.

      Die Wörter, die in den heutigen Bibeln mit „Sünde“ übersetzt werden, bedeuteten ursprünglich, das Ziel zu verfehlen, das darin bestand, vollkommen gehorsam zu sein. Und wem sollen wir gehorchen? Jehova Gott. Folglich heißt es in einem modernen Bibellexikon: „Sünde ist ein Sichabwenden von der Treue zu Gott und Ungehorsam gegenüber seinen Geboten und Gesetzen.“ Deshalb ist für uns nur das maßgeblich, was Gott als Sünde betrachtet. Diese Information gibt er uns in der Bibel.

      Beispiele einiger Sünden

      Zuerst muß erwähnt werden, daß vieles, was in der heutigen Zeit akzeptiert wird, verkehrt ist. Die Bibel sagt: „Weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Männer, die für unnatürliche Zwecke gehalten werden, noch Männer, die bei Männern liegen, noch Diebe, noch Habgierige, noch Trunkenbolde, noch Schmäher, noch Erpresser werden Gottes Königreich ererben“ (1. Kor. 6:9, 10). Ja, Ehebruch, Hurerei und Homosexualität sind Sünden. Von Diebstahl kann dasselbe gesagt werden.

      Es stimmt, daß viele keine Unsittlichkeit und keinen Diebstahl begehen, und das ist lobenswert. Doch es gibt noch andere Sünden. Wir können durch unsere Sprech- und Handlungsweise sündigen. Auch das Lügen ist eine Sünde. Dasselbe gilt für verleumderisches Geschwätz, zornige Rede und Schmähungen (Kol. 3:9; Ps. 101:5; Eph. 4:31). Außerdem sagte Paulus: „Murret auch nicht, wie einige von ihnen murrten, so daß sie durch den Vernichter umkamen“ (1. Kor. 10:10). Jakobus verurteilte Prahlereien, und Paulus riet uns an, törichtes Reden und unzüchtige Späße zu meiden (Jak. 4:16; Eph. 5:4). Wenn wir wirklich ehrlich mit uns sind, kann dann irgend jemand von sich sagen, er habe niemals eine dieser eben erwähnten Sünden begangen? Wahrscheinlich nicht. Jakobus, der Bruder Jesu, sagte darüber: „Wer nicht im Worte strauchelt, der ist ein vollkommener Mann“ (Jak. 3:2). Kann irgend jemand von sich behaupten, er sei vollkommen? Nein.

      Derselbe Jünger zeigte, wie wir noch auf eine andere Art und Weise sündigen können. Er sagte: „Wenn daher jemand weiß, wie er das tun soll, was recht ist, und es doch nicht tut, so ist es ihm Sünde“ (Jak. 4:17). Wie können wir das verstehen? Man stelle sich einmal einen Mann vor, der auf einem Bürgersteig spazierengeht. Plötzlich sieht er, wie ein Kind einen Garten verläßt und vor ihm auf die verkehrsreiche Straße stürmt. Der Mann könnte vielleicht verhindern, daß das Kind überfahren wird, doch er ignoriert es und geht weiter. Natürlich hat er nichts Falsches getan, aber dadurch, daß er es unterließ, etwas zu tun, um dem Kind zu Hilfe zu kommen, hat er gesündigt. Wie oft haben wir alle schon versäumt, gegenüber unseren Mitmenschen und gegenüber Gott liebevoll zu handeln? Jedesmal, wenn wir das unterlassen, sündigen wir.

      Man kann auch durch eine falsche Einstellung sündigen. Die Bibel verurteilt Hochmut, Stolz und Feigheit (Spr. 21:4; Offb. 21:8). Durch verkehrte Gedanken können wir ebenfalls sündigen. Das letzte der Zehn Gebote lautet: „Du sollst nicht das Haus deines Mitmenschen begehren. Du sollst nicht die Frau deines Mitmenschen begehren noch seinen Sklaven, noch seine Sklavin, noch seinen Stier, noch seinen Esel, noch irgend etwas, was deinem Mitmenschen gehört“ (2. Mose 20:17).

      Wie können wir verhindern, daß schlechte Begierden in uns aufkommen? Vielleicht dadurch, daß wir unseren Sinn hauptsächlich mit etwas beschäftigen, was sich wohltuend auf uns auswirkt. Wenn das nicht hilft, müssen wir diese Begierden einfach als das erkennen, was sie sind, und sie bekämpfen (1. Kor. 9:27). Wenn wir schlechte Begierden haben, machen wir uns in Gottes Augen der Sünde schuldig (Spr. 21:2).

      Schließlich wäre noch zu erwähnen, daß man durch die falsche Religion in Sünde gerät. Es ist nicht nur Sünde, Götzendienst und Spiritismus zu treiben — dies verbietet die Bibel ausdrücklich —, sondern es ist schon Sünde, wenn man einer falschen Religion angehört. Die Bibel beschreibt die falsche Religion als eine große weltweite Stadt, die Babylon die Große genannt wird, und sagt dann: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, wenn ihr nicht mit ihr teilhaben wollt an ihren Sünden und wenn ihr nicht einen Teil ihrer Plagen empfangen wollt“ (Offb. 18:4). Die falsche Religion hat sich großer Sünden schuldig gemacht. Sie hat den allein wahren Gott falsch dargestellt, hat Gottes treue Diener verfolgt und sich in Politik eingemischt. Alle, die einer Organisation der falschen Religion angehören, machen sich an ihren Sünden mitschuldig, weil sie sie unterstützen.

      Warum sündigen wir?

      Bis jetzt wurde nur einiges erwähnt, wodurch man sündigen kann. In der Bibel werden noch mehr Sünden beschrieben. Wenn man darüber nachdenkt, was die Bibel alles als Sünde bezeichnet, kommt man vielleicht zu der Schlußfolgerung, daß es unmöglich ist, zu vermeiden, auf die eine oder andere Weise zu sündigen. Man stimmt wahrscheinlich mit den Worten des Königs Salomo überein, der sagte: „Da ist kein Mensch, der nicht sündigt“ (1. Kö. 8:46). Auch Gott machte folgende Feststellung: „Die Neigung des Menschenherzens [ist] böse ... von seiner Jugend an“ (1. Mose 8:21). Ja, es gibt vieles, was uns zum Sündigen veranlaßt, doch hauptsächlich können wir unser schwaches Fleisch dafür verantwortlich machen.

      Warum? Weil wir die Unvollkommenheit ererbt haben. Unsere ersten Eltern, Adam und Eva, hatten ursprünglich nicht dieses Problem. Sie waren vollkommen und hätten ausgeglichene, vernünftige Entscheidungen treffen können, um nicht zu sündigen. Sie taten dies nicht, sondern entschieden sich, gegen Gott zu rebellieren. Deshalb verloren sie ihre Vollkommenheit und hinterließen ihren Nachkommen sündhafte und schlechte Neigungen als Erbe. Der Apostel Paulus drückte dies in folgenden Worten aus: „Darum, so, wie durch e i n e n Menschen [Adam] die Sünde in die Welt hineingekommen ist und durch die Sünde der Tod und sich so der Tod zu allen Menschen verbreitet hat, weil sie alle gesündigt hatten“ (Röm. 5:12).

      Wenn wir also auch die besten Beweggründe haben, die es gibt, können wir es doch nicht vermeiden zu sündigen. Warum? Sogar der Apostel Paulus mußte folgendes zugeben: „Das Gute, das ich wünsche, tue ich nicht, sondern das Schlechte, das ich nicht wünsche, das treibe ich“ (Röm. 7:19). Wir alle haben dasselbe Problem.

      Für die Menschheit hat sich das verheerend ausgewirkt. Die besten Vorsätze des Menschen sind durch seine eigene Fehlerhaftigkeit vereitelt worden. Selbstsucht und Habgier haben Verschmutzung, Armut und Ungerechtigkeit zur Folge. Durch Argwohn und Mißtrauen wird das Verhältnis zwischen den Ländern und innerhalb der Familie gestört. Korruption und Verbrechen hindern die Länder an ihrem Fortschritt. An diesen Zuständen läßt sich nur wenig ändern.

      Aufgrund unserer ererbten Sündhaftigkeit steht uns der Grundsatz aus Römer 6:23 drohend vor Augen. Dort wird gesagt: „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod.“ Wir können nichts von uns aus tun, um der Todesstrafe als Folge unserer Sünden zu entgehen, denn es gibt nichts, was wir tun können, um die Sünde bei uns vollständig auszumerzen. Wir sind unserer Unvollkommenheit fast wehrlos ausgeliefert.

      Wird das aber immer so sein? Wird der Mensch durch seine Schwächen immer daran gehindert werden, seine sehnlichsten Wünsche zu verwirklichen? Nein, denn es gibt jemand, der uns helfen kann. Der Apostel Paulus, der seine eigene Unfähigkeit, Sünden zu vermeiden, zugab, sagte weiter: „Ich elender Mensch! Wer wird mich befreien von dem Leibe, der diesem Tod verfallen ist?“ Seine Antwort lautete: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (Röm. 7:24, 25). Ja, wenn wir erkennen, wie sehr wir der Sünde verfallen sind und wie hilflos wir sind, uns selbst aus diesem Zustand zu befreien, werden wir die große Liebe und Rücksichtnahme Gottes uns gegenüber noch mehr schätzen, denn er hat uns geholfen. Doch wie hat er das getan?

  • Den Makel der Sünde beseitigen
    Der Wachtturm 1981 | 1. Februar
    • Den Makel der Sünde beseitigen

      NACHDEM Jehova Gott sein Schöpfungswerk beendet hatte, betrachtete er es und sagte, daß es „sehr gut“ sei (1. Mose 1:31). Alles, was er gemacht hatte, war vollkommen (5. Mose 32:4). Das Eindringen der Sünde in diese gerechte Ordnung kann man mit unerwünschten Krebszellen vergleichen, die einen gesunden Körper befallen.

      Doch die Menschen waren nicht die einzigen, die gegen Gott rebellierten und sündigten. Die Bibel spricht von Engeln, „die gesündigt hatten“ (2. Petr. 2:4). Es war ein Geistgeschöpf, Satan, der Teufel, das ursprünglich Adam und Eva zu einer falschen Handlungsweise verführte (Joh. 8:43, 44). Diesen bösen Geistern kann aber nicht geholfen werden. Sie waren vollkommen und sündigten vorsätzlich. Deshalb ist ihre Sünde unentschuldbar. Der Makel ihrer Sündhaftigkeit wird zu Gottes bestimmter Zeit durch ihre endgültige Vernichtung aus dem Universum entfernt werden (Matth. 25:41).

      In gleicher Weise erwählten es sich Adam und Eva zu sündigen. Obwohl sie vollkommen erschaffen worden waren, handelten sie vorsätzlich falsch. Folglich wurden sie freiwillig Sklaven der Sünde, denn Jesus sagte: „Jeder, der die Sünde tut, ist ein Sklave der Sünde“ (Joh. 8:34). Schließlich ließ sie Jehova aufgrund ihres Zustandes der Unvollkommenheit, der durch die Sünde ausgelöst worden war, sterben (1. Mose 3:19; 5:5).

      Mit uns verhält es sich allerdings anders. Wir sind zwar ebenfalls Sklaven der Sünde, aber nicht ausschließlich aufgrund eigener Wahl. Wir sind Sünder, weil wir als solche geboren worden sind. Mit uns ist es so, als ob man uns schon vor unserer Geburt in die Sklaverei verkauft hätte (Röm. 5:12; 7:14). Deshalb hat Jehova in seiner Liebe und Weisheit eine Vorkehrung getroffen, wodurch wir — wenn wir es wirklich wollen — aus der Sklaverei der Sünde befreit werden können.

      Die Lösung des Problems

      Jehova zeigte durch seine Handlungsweise mit dem Volk Israel, daß er den Grundsatz des Rückkaufs anerkannte. Wenn zum Beispiel ein Israelit in Armut geriet und sich einem Nichtisraeliten in die Sklaverei verkaufen mußte, dann konnte ihn ein naher Verwandter — wenn er dazu in der Lage war — zurückkaufen oder befreien (3. Mose 25:47 bis 49). Es wurde ein angemessener Rückkaufspreis ausgehandelt.

      Jehova stellte außerdem den Grundsatz auf, daß bei einer Sünde Gleiches mit Gleichem vergolten werden sollte. Wenn zum Beispiel ein Israelit einem anderen Israeliten vorsätzlich körperlichen Schaden zugefügt hatte, dann mußte er um der Gerechtigkeit willen denselben Schaden erleiden. Das Gesetz sagte im einzelnen, daß man „Seele für Seele ..., Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Hieb für Hieb“ geben sollte (2. Mose 21:23-25).

      Diesem Grundsatz entsprechend müßte Gott es ermöglichen, daß die Menschheit aus der Sklaverei der Sünde zurückgekauft wird, doch müßte dies in Übereinstimmung mit seinen Grundsätzen der Gerechtigkeit geschehen. Es müßte der richtige Preis bezahlt werden. Er dürfte nicht zu niedrig sein, so daß man daraus schließen könnte, das Zurückgekaufte wäre nicht wertvoll. Was war nun der Preis? Überlege einmal: Adam verlor sein vollkommenes, sündenloses menschliches Leben und die Aussicht, ewig zu leben. Das war etwas sehr Wertvolles.

      Nichts, was der Mensch besitzt, kommt dem an Wert gleich. Sogar die Reichsten dieser Welt müssen eines Tages sterben. Mit all ihrem Gold und Silber können sie nicht einmal ihr unvollkommenes Leben verlängern, geschweige denn ewiges Leben kaufen. Der inspirierte Psalmist sagte darüber folgendes: „Nicht einer von ihnen kann irgendwie selbst einen Bruder erlösen noch Gott ein Lösegeld für ihn geben ..., daß er immerdar fortleben und die Grube nicht sehen sollte“ (Ps. 49:7-9). Deshalb mußte Hilfe von jemand kommen, der nicht zum Menschengeschlecht gehört.

      Gleich nachdem sich Adam und Eva für die Sünde und nicht für den Gehorsam entschieden hatten, offenbarte Gott zum ersten Mal seinen Vorsatz, diese Hilfe zu beschaffen. Er sagte das Kommen eines „Samens“ voraus, der dem Einfluß des bösen Geistgeschöpfes, das die Menschheit zur Sünde veranlaßt hatte, widerstehen würde (1. Mose 3:15). Durch weitere Offenbarungen kennzeichnete Jehova die Familie, aus der dieser Same oder Nachkomme hervorgehen sollte. Schließlich wiesen diese Offenbarungen auf ein verlobtes Paar namens Maria und Joseph hin, das zur Zeit des Römischen Reiches in Palästina wohnte (1. Mose 22:15-18; 49:10; Luk. 1:26 bis 35).

      Dieses Paar erfuhr, daß Maria einen Sohn haben würde, dem die Aufgabe zufallen würde, den Makel der Sünde von Gottes Schöpfung zu beseitigen. Der Engel Jehovas sagte in einem Traum folgendes zu Joseph: „Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Frau, heimzuführen, denn was in ihr gezeugt worden ist, ist durch heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von ihren Sünden erretten“ (Matth. 1:20, 21). Endlich war jemand da, der „einen Bruder“ tatsächlich „erlösen“ konnte.

      Jesus wurde als Sohn der Maria geboren und war deshalb wirklich ein Jude aus der Familie Davids. Später wurde aber offenbart, daß er vor seinem Dasein als Mensch schon im Himmel existiert hatte. Jehova übertrug das Leben Jesu durch seine wunderwirkende Kraft in den Mutterleib Marias, so daß Gottes Sohn als Mensch geboren werden konnte (Joh. 1:1-3, 14). Auf diese Weise ererbte Jesus nicht die Sündhaftigkeit, unter der die ganze Menschheit bis zur heutigen Zeit leidet. Er war wie Adam vollkommen. Doch im Gegensatz zu Adam blieb er gehorsam. Deshalb war Jesus der einzige Mensch in der Geschichte, der nie sündigte. Der Apostel Petrus äußerte sich dazu folgendermaßen: „Er beging keine Sünde, noch wurde Trug in seinem Munde gefunden.“ Paulus sagte, daß Jesus „loyal, arglos, unbefleckt, getrennt von den Sündern“ war (1. Petr. 2:22; Hebr. 7:26).

      Jesus war also der einzige, der den Gegenwert zu einem vollkommenen menschlichen Leben besaß: ein anderes vollkommenes menschliches Leben. Als er starb, war sein Tod nicht „der Lohn, den die Sünde zahlt“ (Röm. 6:23). Jesus verdiente nicht zu sterben. Folglich opferte er mit seinem Tod etwas, was genau dem vollkommenen Leben, das Adam verloren hatte, entsprach (1. Tim. 2:6).

      Das Opfer Jesu bewirkte genau das Gegenteil von dem, was die Sünde Adams bewirkt hatte. Der Apostel Paulus sagte dazu: „So, wie in Adam alle sterben, so werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden“ (1. Kor. 15:22). Jesus war in der Lage, sein vollkommenes menschliches Leben dazu zu gebrauchen, die Menschheit von der Sünde loszukaufen. „Er hat sich selbst für unsere Sünden hingegeben, damit er uns befreie von dem gegenwärtigen bösen System der Dinge gemäß dem Willen unseres Gottes und Vaters“ (Gal. 1:4).

      Befreiung von der Sünde

      Jetzt gibt es also einen Ausweg für die Menschheit. Der Loskaufspreis ist bezahlt worden. Bedeutet das nun, daß jeder automatisch aus der Sklaverei der Sünde befreit und vollkommen gemacht werden wird? Nicht unbedingt. Jesus erklärte, wie wir uns diese Vorkehrung zunutze machen können, als er sagte: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe“ (Joh. 3:16). Ja, wer an Jesus Christus, durch den Gott die Loskaufsvorkehrung getroffen hat, Glauben ausübt, wird sich des ewigen Lebens, das durch Adams willentlichen Ungehorsam verlorenging, erfreuen können.

      Schon heute können diejenigen, die das Opfer Jesu annehmen, Nutzen daraus ziehen. Natürlich sind sie noch unvollkommen. Die Zeit, in der Gott die Menschheit buchstäblich vollkommen machen wird, ist noch nicht herbeigekommen. Doch wenn jemand aufgrund seiner Unvollkommenheit eine Sünde begeht, wird sein Verhältnis zu seinem himmlischen Vater dadurch nicht vollständig zerstört. Der Apostel Johannes schrieb diesbezüglich folgendes: „Ich schreibe euch diese Dinge, damit ihr keine Sünde begehen mögt. Und doch, wenn jemand eine Sünde begeht, so haben wir einen Helfer beim Vater, Jesus Christus, einen Gerechten“ (1. Joh. 2:1, 2). Ja, wenn wir aufgrund unserer Unvollkommenheit in Sünde geraten, können wir, gestützt auf das Opfer Jesu, zu Jehova beten und darauf vertrauen, daß er uns vergeben wird (1. Joh. 1:7-9).

      Bedeutet das also, daß Sünde nicht mehr verwerflich ist? Können wir nun aufgrund dieser liebevollen Einrichtung so viele Sünden begehen, wie wir wollen, und trotzdem davon überzeugt sein, daß sie uns, gestützt auf das Opfer Jesu, vergeben werden? Nein. Wenn wir aus dieser Vorkehrung Nutzen ziehen möchten, müssen wir über die Sünde genauso denken wie Jesus. Er ‘hat Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehaßt’ (Hebr. 1:9). Wir sollten genauso eingestellt sein. Wie Paulus sollten wir ‘unseren Leib zerschlagen und ihn zum Sklaven machen’, um die Neigung zum Sündigen zu überwinden (1. Kor. 9:27). Das bedeutet, daß wir ein klares Verständnis darüber haben müssen, was Sünde ist, und es bedeutet, daß wir sie bekämpfen müssen. Gott wird uns dabei helfen, und das kann bewirken, daß wir unsere Persönlichkeit vollständig ändern (Röm. 12:2).

      Wenn wir allerdings unsere sündigen Neigungen nicht bekämpfen, dann kann es sein, daß die folgenden Worte des Apostels Paulus auf uns zutreffen: „Denn wenn wir willentlich Sünde verüben, nachdem wir die genaue Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, wohl aber ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts“ (Hebr. 10:26, 27).

      Wer aber zeigt, daß er trotz seines gefallenen Fleisches wirklich aus der Sklaverei der Sünde befreit werden will, hat außerdem die Aussicht, in einer neuen Ordnung leben zu dürfen, in der die Sünde der Vergangenheit angehören wird. Dann wird die Schöpfung Gottes vollständig von der Sünde befreit sein. Zu jener Zeit „werden [die Menschen] keinen Schaden stiften noch irgendwie Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berge; denn die Erde wird gewißlich erfüllt sein mit der Erkenntnis Jehovas, wie die Wasser das ganze Meer bedecken“ (Jes. 11:9). Der Psalmist verheißt, daß ‘der Böse [oder der willentliche Sünder] nicht mehr sein wird’. Im Gegenteil, „die Sanftmütigen selbst werden die Erde besitzen, und sie werden in der Tat ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Ps. 37:10, 11).

      Alle schlimmen Folgen der Sünde — Krankheit, Tod und die Entfremdung von Gott — werden der Vergangenheit angehören (Offb. 21:3, 4). Statt dessen wird Gottes Vorsatz mit der Erde vollständig verwirklicht sein (Matth. 6:9, 10).

      Ja, dank des Loskaufsopfers Jesu haben gläubige Menschen die Möglichkeit, schließlich aus der Sklaverei der Sünde befreit zu werden. Deshalb ist folgende Ermunterung des Psalmisten sehr zeitgemäß: „Wende dich ab vom Bösen und tue Gutes, und so verweile auf unabsehbare Zeit. Denn Jehova liebt das Recht, und er wird seine Loyalgesinnten nicht verlassen. Auf unabsehbare Zeit werden sie bestimmt behütet werden“ (Ps. 37:27, 28).

  • Was verleiht wahren Herzensfrieden?
    Der Wachtturm 1981 | 1. Februar
    • Was verleiht wahren Herzensfrieden?

      HERZENSFRIEDEN — wer kann ihn in der heutigen turbulenten Welt finden? Terroristen gefährden oft das Leben ihrer Mitmenschen. Flüchtlinge werden von einem Land zum anderen gehetzt. Es werden immer mehr Kernwaffen hergestellt, und die Gefahr des Atomkrieges schwebt wie ein Schreckgespenst über der Menschheit. Durch die Inflation schrumpft das Geld, das man sich vielleicht sein ganzes Leben lang zusammengespart hat, schnell zusammen. Wenn man noch die vielen persönlichen „Kämpfe“ um die Gesundheit, die Trauer beim Tod eines lieben Angehörigen und die Vielzahl der Sorgen, die die Menschen überall haben, hinzurechnet, dann stellt man fest, daß wahrer Herzensfrieden in der modernen Gesellschaft schwer zu finden ist.

      Wie suchen aber viele Personen Sicherheit und den erhofften Herzensfrieden zu finden? Oft durch den Besitz von Geld und durch viele materielle Güter. Doch bekommt man dadurch wahren Herzensfrieden?

      Scheinbar ja. Doch im Laufe der Jahre — man merkt es kaum — wird der Wert materieller Dinge abnehmen. Ein reicher Mann mag zum Beispiel viele teure Kleidungsstücke besitzen. Wie unweise wäre es jedoch, der Kleidung zuviel Wert beizumessen! Motten — besonders als Larven — können teure Kleidungsstücke zerfressen. Ja, die Motte kann sogar eine Gefahr sein und kann jemand, zumindest bis zu einem gewissen Grad, sein Gefühl der Sicherheit und seinen Herzensfrieden, den er zu haben glaubt, rauben. Auch wenn die Kleidung von Motten verschont geblieben ist, nutzt sie sich doch schließlich ab oder kann gestohlen werden.

      ‘Ein unerschöpflicher Schatz’

      Gottes Prophet Jesaja zeigte, daß es seinen Gegnern schließlich wie einem abgetragenen Kleid, das von Motten zerfressen wird, ergehen würde. In diesem Zusammenhang wies Jesaja auch auf die wirkliche Quelle der Sicherheit und des Herzensfriedens hin, indem er folgendes sagte: „Siehe! Der Herr Jehova selbst wird mir helfen. Wer ist es, der mich für böse erklären kann? Siehe!

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen