Warum nachsinnen?
ZUM Nachsinnen, das heißt zum Nachdenken oder Überlegen, braucht man Zeit. Doch diese Zeit ist nicht verschwendet, denn über etwas Gutes intensiv nachzudenken lohnt sich.
Die Bibel enthält ausgezeichnete Grundsätze, die uns zeigen, womit wir uns in unseren Gedanken beschäftigen sollten. Wir lesen: „Was irgend wahr, was irgend von ernsthaftem Interesse, was irgend gerecht, was irgend keusch, was irgend liebenswert ist, worüber irgend man wohlredet, wenn es irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes gibt, diese Dinge erwägt weiterhin“ (Phil. 4:8).
Wenn jemand ständig über solch erbauende Dinge nachdenkt, wird sein Herz günstig beeinflußt. Er wird die Wichtigkeit solch erhabener Dinge immer besser verstehen und immer mehr schätzen, und er wird merken, daß es sich auf ihn und auf seine Mitmenschen vorteilhaft auswirkt, wenn er in Übereinstimmung mit dem handelt, worüber er nachsinnt. Als Folge davon wird das, was er sagt und tut, immer mehr Gottes Maßstab der Reinheit entsprechen, was auch aus den Worten Jesu zu erkennen ist: „Ein guter Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens Gutes hervor, aber ein böser Mensch bringt aus seinem bösen Schatz Böses hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund“ (Luk. 6:45).
Je mehr sich jemand demnach in seinen Gedanken mit erbauenden, positiven Dingen beschäftigt, desto mehr wird sich das in seinen Worten und Handlungen niederschlagen. Es verhält sich genauso, wie in den Sprüchen gesagt wird: „Das Herz des Gerechten sinnt nach, um zu antworten, aber der Mund der Bösen sprudelt Schlechtes hervor“ (Spr. 15:28). Nützliches Nachsinnen trägt dazu bei, daß sich jemand davon zurückhält, unvernünftige, sinnlose Antworten zu geben. Er wird nicht einfach das sagen, was ihm gerade in den Sinn kommt, sondern wird alle Faktoren, die bei einer Sache eine Rolle spielen, abwägen und die Umstände und Gefühle anderer berücksichtigen, bevor er in wichtigen Angelegenheiten eine Antwort gibt. Seine aufrichtige Antwort wird er dann später nicht zu bereuen haben.
So trägt man durch Nachsinnen nicht nur dazu bei, ein gutes Verhältnis zu seinen Mitmenschen zu bewahren, sondern schafft auch eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Verhältnis zu Gott. Wir tun daher gut daran, in Zeiten der Ruhe und Einsamkeit wie der inspirierte Psalmist über die Eigenschaften und Taten Jehovas nachzusinnen. Der Psalmist David sagte: „Wenn ich deiner gedacht habe auf meinem Lager, sinne ich über dich während der Nachtwachen. Denn du hast dich mir als Beistand erwiesen, und im Schatten deiner Flügel juble ich“ (Ps. 63:6, 7). Ein anderer Psalmist sagte: „Ich werde bestimmt nachsinnen über all dein Tun, und mit deinen Handlungen will ich mich befassen“ (Ps. 77:12).
Alle, die von Gott anerkannt werden und ihm dienen möchten, könnten sich fragen: Nehme ich mir wie die Psalmisten die Zeit um über den Schöpfer und sein Tun nachzusinnen? Denke ich voller Dankbarkeit über all das nach, was er für mich getan hat: daß er seinen Sohn als ein Loskaufsopfer dahingab, daß er mein Herz für die Wahrheit aufgeschlossen hat, daß er mir beim Überwinden täglicher Probleme des Lebens geholfen und mir eine sichere Zukunftshoffnung gegeben hat und noch vieles mehr? Denke ich darüber nach, wie er mit den Menschen in der Vergangenheit gehandelt hat und wie er Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Weisheit und noch viele weitere bewundernswerte Eigenschaften bekundete?
Durch ein solches Nachsinnen können wir unsere Liebe zu Jehova Gott vertiefen. Als Folge davon werden wir ein Verhältnis zu ihm haben wie ein Kind zu seinem Vater, dem es vertraut, den es liebt und dem es gefallen möchte. Unser Verhältnis zu unserem himmlischen Vater wird ein ganz persönliches sein, das heißt, wir werden ihn und seinen Sohn, den er für uns dahingegeben hat, wirklich kennen. Wenn das der Fall ist, wird es unmöglich für uns sein, willentlich Sünde zu treiben. Darauf wies der Apostel Johannes hin, als er beschrieb, wie es sich auswirkt, wenn man Jesus Christus kennt und wenn man ihn nicht kennt: „Jeder, der in Gemeinschaft mit ihm bleibt, treibt nicht Sünde; jemand, der Sünde treibt, hat ihn weder gesehen noch ihn kennengelernt“ (1. Joh. 3:6).
Kinder, die ihre Eltern von Herzen lieben und schätzen, lehnen sich nicht gegen sie auf. Ebensowenig kehren diejenigen, die Gott und seinen Sohn Jesus Christus kennen, ihnen den Rücken, indem sie absichtlich eine Handlungsweise pflegen, die dem göttlichen Willen widerspricht.
Andererseits kann ein schwaches Verhältnis zum Schöpfer eine ernsthafte Gefahr heraufbeschwören. Ja, wer nicht über geistige Dinge nachsinnt, kann Gottes Wohlgefallen und Segen verlieren. Jesus Christus zeigte das in seinem Gleichnis vom Sämann. Er erklärte seinen Jüngern dieses Gleichnis und sagte: „Die dem Weg entlang sind die, die gehört haben, dann kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen weg, damit sie nicht glauben und gerettet werden. Diejenigen auf dem Felsen sind die, die das Wort, wenn sie es hören, mit Freuden aufnehmen, doch diese haben keine Wurzel; sie glauben eine Zeitlang, fallen aber in einer Zeit der Erprobung ab. Was das betrifft, was unter die Dornen fiel, das sind die, die gehört haben, aber da sie durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen dieses Lebens fortgerissen werden, werden sie vollständig erstickt und bringen nichts zur Vollkommenheit“ (Luk. 8:12-14).
In jeder der drei von Jesus beschriebenen Situationen spielte mangelnde Wertschätzung für das „Wort Gottes“ oder das „Wort vom Königreich“ eine Rolle (Matth. 13:19; Luk. 8:11). Der hartgetretene Boden am Wegesrand entstand durch den Verkehr. Ähnlich verhält es sich mit jemandem, der zuläßt, daß sein tägliches Leben einer Straße gleicht, die von vielen Menschen benutzt wird, die seine Zeit und seine Kräfte beanspruchen. Er wird zu beschäftigt sein, um sich aufrichtig mit dem „Wort Gottes“ zu befassen. Wenngleich er es hört, bleibt doch sein Herz unempfänglich, weil er nicht darüber nachsinnt. Auch die beiden anderen Situationen entstehen deshalb, weil die betreffenden Personen nicht genügend über die rechten Dinge nachgedacht haben. Ihre Wertschätzung, die sie für das „Wort vom Königreich“ entwickelt haben, ist nicht groß genug, um in schwierigen Prüfungen durchzuhalten oder um Sorgen des täglichen Lebens oder das Verlangen nach Reichtum oder Vergnügen zu verdrängen.
Wir haben bestimmt guten Grund, uns die Zeit zu nehmen, über nützliche Dinge nachzusinnen. Ein solches Nachsinnen kann unser Verhältnis zum Schöpfer stärken und uns helfen, in seinen Augen rein zu bleiben. Es kann auch viel dazu beitragen, daß wir für andere in Wort und Tat eine Quelle der Ermunterung sind.