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Frau Spinne webt ihr NetzErwachet! 1975 | 8. August
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Frau Spinne webt ihr Netz
SCHÖNHEIT ist Ansichtssache, heißt es. Das kann auch von Frau Spinne gesagt werden.
Wenn sie mit einem der Riesen der Erde in Berührung kommt — Mann oder Frau —, wird sie gewöhnlich mit Fußtritten, Besen und fliegenden Gegenständen begrüßt. Ihr Kunstwerk, eines der Wunder in der Welt der kleinen Dinge, wird Spinnengewebe genannt und weggefegt.
Natürlich sprechen auch einige Menschen von der Schönheit eines beim Morgengrauen von Tau benetzten Spinnennetzes. Und einige wissen auch, daß Frau Spinne ein Freund des Menschen ist und hilft, die Insektenbevölkerung in Schach zu halten, und daß sie dem Menschen im allgemeinen aus dem Wege geht.
Doch wenn mehr Menschen über ihre architektonischen Fähigkeiten Bescheid wüßten, würden vielleicht noch mehr ihre Meinung über die Spinne ändern. Können sie nicht die Schönheit ihres Kunstwerkes sehen, trotz ihrer acht haarigen Beine und ihrer matronenhaften Gestalt? Sieh dir nur einmal ein paar Netzmuster einiger dieser Architektinnen an.
Netzmuster
Auf den ersten Blick scheinen viele Spinnennetze kaum mehr als ein Durcheinander dünner Fäden zu sein. Doch bei näherer Betrachtung wird man oft eine große Kunstfertigkeit entdecken.
Zum Beispiel spannt Frau Plattformspinne (es ist immer Frau Spinne, da die Männchen keine Netze weben) viele „Haltefäden“ in einem Zickzackmuster aus. Darunter baut sie ein enggewebtes Seidentuch. Fliegende Insekten, die gegen die Verspannung stoßen, fallen in das darunterliegende Netz.
Andere Spinnen bauen ein bogenförmiges Tuch; wiederum andere eine runde Kuppel, unter der sie sich verstecken. Die gefangenen Insekten werden dann durch die Wandung nach innen gezogen. Darauf repariert Frau Spinne — oft eine sehr saubere Hausfrau — ihr seidenes „Tischtuch“.
Doch nicht alle Netze sind unbewegliche Fallen. Eine Spinne baut tatsächlich ein Lasso. Dieses kleine, elastische Gewebe wird zwischen den Zweigen eines Nadelbaumes straff gezogen und wird dann von dem „Cowgirl“ so lange festgehalten, bis ein argloser Moskito dagegen stößt. Zack! Es lockert die Spannung, und das Gewebe springt nach vorn und fängt den Eindringling ein! Nach einigen dieser Schnappbewegungen ist der Moskito völlig eingehüllt.
Zwar bauen nicht alle Spinnenarten Netze, doch gibt es unter den über 29 000 bekannten Arten zahlreiche Netzbauer. Unter allen ragt eine „Familie“ besonders hervor, eine Familie von Künstlern par excellence. Das sind die Radnetzspinnen. Sie bauen, wie eine Autorität sagte, „die schönsten und kompliziertesten aller Netze“.
Würdest du gern einmal eine Radnetzspinne beobachten und sehen, wie sie ihr Netz webt? Beobachten wir doch Aranea, die „Königin der Spinnenarchitektinnen“, während sie mit Eifer an ihr nächstes Bauprojekt herangeht.
Aranea webt ihr Netz
Wichtig ist, daß du genau Obacht gibst, denn sie bewegt sich sehr schnell und zielbewußt. Als erstes muß sie einen Hauptfaden oder Haltefaden anbringen, von dem aus sie die Rahmenfäden ihres Netzes zieht.
Du wunderst dich vielleicht über den Standort, den sie sich dazu ausgesucht hat — genau über einem kleinen Bach. Warum sucht sie sich nicht eine leichtere Stelle aus? Offensichtlich kennt sie die Vorteile, ihr Netz über einer „Insektenflugschneise“ anzubringen.
Wie wird sie den Faden über den Bach spannen? Siehst du, wie sie dort auf dem Zweig sitzt und ihren Rumpf aufrichtet? Sie wirft einen Seidenfaden aus, den der Wind wie einen Drachen forttragen wird, während sie immer mehr „Schnur abläßt“. Sie hält den Faden mit der Klaue eines Beines fest, und so spürt sie, wenn der Faden auf der anderen Seite des Baches auf irgend etwas trifft. Wenn der Faden auf der anderen Seite des Baches hängenbleibt, zieht sie ihn stramm, und schon hat sie ihr Seil über das Wasser gespannt.
Beobachte nun, wie schnell sie von diesem Haltefaden aus die Rahmenfäden spannt, die ein Viereck bilden (durch weitere Befestigungen wird später ein vielseitiges Muster entstehen)! Und nun sieh, wie sie bis zur Mitte des obersten Fadens läuft, dort einen Seidenfaden befestigt und sich bis zur Mitte des unteren Fadens herabläßt.
Wenn das Viereck auf diese Weise halbiert ist, klettert sie bis zur Mitte dieses Mittelfadens hinauf und befestigt einen weiteren Faden. „Wie findet sie nur die Mitte ohne Zentimetermaß?“ magst du fragen. Das ist eine sehr gute Frage, aber keiner weiß bis jetzt die Antwort darauf.
Jedenfalls spinnt Aranea von diesem Mittelpunkt aus sorgfältig ihren Faden und klettert dann zum oberen Rahmenfaden weiter. Auf diesem Faden läuft sie vom Mittelpunkt ein kurzes Stück weiter, bleibt stehen und befestigt den neuen Faden. (Siehe Abbildung Nr. 1.) Die erste „Speiche“ eines geometrischen Rades ist fertig.
Für jede Speiche wird sie zum Mittelpunkt, zur Nabe, zurückkehren und einen neuen Faden ziehen, indem sie an dem zuletzt gezogenen Faden hochklettert. Sieh doch, wie diese kleine Ingenieurin eine Speiche nach rechts zieht und dann die nächste nach links! Sie tut das, um die Spannung auszugleichen, bis alle Speichen befestigt sind. Alle 25 (oder mehr) Speichen haben den gleichen Abstand voneinander, und das ist wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, mit welcher Geschwindigkeit und unter welchen Arbeitsbedingungen die Spinne arbeitet.
Frau Spinne befestigt nun das Zentrum mit ein paar Spiralfäden und scheint darauf das Interesse zu verlieren. Beginnend mit der Radnabe, zieht sie nun eine grobe Spirale mit weiten Zwischenräumen über die Speichen. Schlampige Arbeit? Nein, denn diese Spirale dient lediglich als Baugerüst — eine Plattform, von der aus sie die komplizierteren Schlußarbeiten verrichten kann. Aranea wird dieses Baugerüst Stück für Stück wieder abtragen, sowie ein Teil nicht mehr gebraucht wird.
Jetzt beginnt sie nahe am Rande des Vierecks und zieht eine Spirale zum Mittelpunkt hin. Für dieses kreisförmige Gewebe benutzt sie einen elastischen, mit Leim überzogenen Seidenfaden. Dieses klebrige Gewebe hat Naturforscher jahrelang verblüfft. Warum? Weil auf jedem Segment die Leimtröpfchen in genau gleichen Abständen verteilt sind.
Wie kann dieses winzige Geschöpf die Abstände so genau ausmessen? Schließlich wurde das Geheimnis gelüftet. Nachdem Frau Spinne den mit Leim bestrichenen Faden zwischen zwei Speichen verlegt hat, zupft sie ihn wie eine Violinsaite. Durch die Schwingungen wird der Leim getrennt, und es bilden sich Tröpfchen in gleichmäßigen Abständen.
So bewegt sich Aranea in konzentrischen Kreisen langsam von einer Speiche zur anderen, befestigt, verleimt und zupft etwa 13 000 dieser kurzen klebrigen Fäden. Schließlich, nachdem sie der Sache den letzten Schliff gegeben hat, ist sie für den letzten Schritt bereit: Sie installiert ein „Telefon“.
Sie verlegt jetzt eine seidene „Telefonleitung“ von ihrem Netz zu ihrem Versteck — oft unter einem Blatt in der Nähe. Da Aranea schlecht sehen kann, ist sie hauptsächlich auf ihren ausgezeichneten Tastsinn angewiesen. Wenn ein Insekt in das Netz fliegt und dort festklebt, werden die Schwingungen über die „Telefonleitung“ weitergeleitet, und so erfährt Frau Spinne, daß ihr „Lebensmittelgeschäft“ gerade Ware erhalten hat.
Da diese Schwingungen eine Mahlzeit signalisieren, tut Herr Spinne, wenn er ihr den Hof machen will, gut daran, am Rande des Netzes ein „Liedchen“ zu trommeln. Diese „Serenade“ bewahrt ihn davor, von seiner kurzsichtigen Geliebten verspeist zu werden.
Wenn man die Technik und die Kunstfertigkeit von Aranea berücksichtigt, mag es einem unglaublich erscheinen, daß sie in weniger als einer Stunde mit ihrer Arbeit fertig ist. Kannst du dir vorstellen, daß ein Mensch imstande wäre, in einer Stunde ein Netz über einen Fluß zu spannen und dabei die Seile, den Leim und die „Telefonleitung“ selbst herzustellen?
Noch erstaunlicher ist, daß sich Aranea keine Mühe gibt, das Netz zu reparieren, wenn es von Insekten zerrissen wird. Sie wird das ganze Netz aus dem Rahmen nehmen und ein neues anfertigen. Gewöhnlich tut sie dies alle vierundzwanzig Stunden. Wie kann sie das nur? Woher kommt all die Seide?
Ihre Spinnausrüstung
Zwar haben alle Spinnen Spinnwarzen, aber bei jeder Spinnenart sind sie anders. Von den sieben möglichen verschiedenen Arten von Spinnwarzen haben die meisten Spinnen drei bis fünf. Jede produziert eine andere Seide. Aber wie kontrolliert Frau Spinne diese Spinnwarzen?
Nun, an ihrem Hinterleib befinden sich gewöhnlich sechs röhrenförmige Organe, Spinndrüsen genannt. Aus diesen Spinndrüsen werden die verschiedenartigen Seidenfäden ausgestoßen. Doch ist es nicht so, als hätte sie lediglich sechs bewegliche Schläuche.
Jede Spinndrüse setzt sich aus Hunderten winziger Röhrchen zusammen, und jedes Röhrchen kann getrennt kontrolliert werden. Über die Fäden, die mit Hilfe dieser komplizierten Ausrüstung hergestellt werden, sagte ein Naturforscher: „Die Spinnmaschine der Spinne ist den von Menschen erdachten Maschinen zur Herstellung von Brückenkabeln weit überlegen, denn die Spinne kann die Größe und Stärke des Kabels willkürlich variieren, indem sie einfach die ... [Spinndrüsen] nach innen oder nach außen verstellt.“
Woher die „Intelligenz“?
„Erstaunlich“, erklärt der Wissenschaftler, der ihre Anatomie studiert. Doch wenn er ein Befürworter der Evolutionstheorie ist, bereitet ihm Frau Spinne auch ein schwerwiegendes Problem.
Wie entdeckte oder entwickelte dieses kleine Tier (es ist übrigens kein Insekt, denn Insekten haben nur sechs Beine, die Spinne aber acht) Öldrüsen an seinen Klauen, die es ihm ermöglichen, nicht an seinem eigenen Leim festzukleben? Wer brachte ihm Ingenieurkunst und Geometrie bei?
„Das ist Instinkt“, mag jemand sagen. Es stimmt, die Fähigkeit, Netze zu weben, ist angeboren, denn viele Spinnenbabys stellen ebenfalls Gewebe her, „vollkommene Miniaturgebilde, nicht größer als eine Briefmarke“. Aber wir stehen immer noch vor der Frage, wie ein solch kleines Geschöpf so komplizierte Anlagen „entwickelt“ haben soll.
„Nun, es hat diese Anlagen im Laufe der Jahrhunderte entwickelt“, antwortet der Evolutionist. Doch ist es so, wie einer von ihnen ehrlich zugab: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund für die Annahme, daß sich die Gewohnheiten der Spinnen im allgemeinen sehr geändert haben.“ Bei jeder neuen Erkenntnis über die Spinne taucht daher wieder die Frage auf: Woher hat sie diese „Intelligenz“, die man nicht einmal bei viel größeren, sogenannten „höher entwickelten“ Geschöpfen findet?
Für andere Personen ist das kein Problem. Sie erkennen die prägnante Erklärung an, die in 1. Mose 1:25 zu finden ist: „Und Gott ging daran, ... alle sich regenden Tiere des Erdbodens [zu machen] nach ihrer Art.“
Letzten Endes mußt du also die Entscheidung treffen. Wenn du das nächste Mal das gazeartige Netz von Frau Spinne siehst, dann frage dich doch: Welcher Meisterarchitekt hat ihr das Weben beigebracht?
[Diagramm auf Seite 13]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
EIN RADNETZ ENTSTEHT
Haltefaden
Rahmenfäden
erste Speiche
Mittelfaden
1 Die Rahmenfäden hängen am Haltefaden
2 „Speichen“ werden angebracht (vereinfacht)
3 Vollendetes Netz (vereinfacht)
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Die „Wohnungskrise“ der HonigbienenErwachet! 1975 | 8. August
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Die „Wohnungskrise“ der Honigbienen
● Was geschieht, wenn in einem Bienenstock kein Platz mehr ist? Einige Bienen werden ausgeschickt, um ein neues Heim zu suchen. Sie mögen dann eine leere Kiste, einen hohlen Baum oder ein Loch in einer Mauer entdecken. Dann verlassen die Königin und viele der Arbeitsbienen ihren alten Bienenstock in einem Schwarm — als eine Art fliegende Kolonie. Aber einige Arbeitsbienen werden zurückgelassen, damit sie sich der Familienglieder annehmen, die aus den im alten Heim gelegten Eiern ausschlüpfen, unter anderem der neuen Königin. Statt also ein paar Bienen aus der Kolonie fortzuschicken, verläßt der größte Teil der Familie das alte Heim.
Das kann für einen Bienenzüchter wirklich ärgerlich sein, und daher entschloß sich ein Bienenzüchter in Florida, das Problem zu untersuchen. Er schreibt: „Schließlich erkannte ich, daß der Augenblick des ,Auszugs‘ nicht von Bedeutung war. Zu dem Zeitpunkt war es schon zu spät, sie aufzuhalten. Vielmehr mußte ich sie veranlassen, meinem Plan zu folgen. Bienen schwärmen, wenn sie in Platznot geraten sind; und so fragte ich mich: Warum die Königin, von der das ganze Leben im Bienenstock abhängt, auf nur einen Raum beschränken? Ich beschloß, jeder Königin noch einen Raum zu geben, sozusagen eine Zweizimmerwohnung. Daher richtete ich für jede Bienenkönigin ein zweites Stockwerk ein.
Die Sache hat funktioniert; sie sind geblieben! Und jetzt spiele ich einfach bei der Geburt jeder neuen Kolonie die ,Hebamme‘. Zur rechten Zeit teile ich den Bienenstock. Es befinden sich immer eine Fülle von Königinnen- und Drohnenzellen in beiden ,Räumen‘ der Wohnung der Königin. Ich suche die besten davon aus und richte den nächsten Bienenstock ein.“
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