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Warum ich meine Karriere als Footballstar aufgabErwachet! 1976 | 22. März
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Warum ich meine Karriere als Footballstar aufgab
Zwei Footballprofis berichten, was ihnen erstrebenswerter erschien
ES GAB eine Zeit, da war mir Sport wichtiger als Essen und Schlafen. Sport bildete meinen ganzen Lebensinhalt. Mit meinen 1,90 m Körpergröße und einem Gewicht von 90 kg war ich schon bald eine bekannte Größe im Schulsport.
Auf dem College trainierte ich besonders Football, amerikanischen Fußball. Ich spielte als Außenstürmer in der Mannschaft der Universität von Kalifornien in Berkeley. Drei Jahre lang wählte man mich in die Auswahl der besten Spieler an der Pazifikküste, und in meinem letzten Collegejahr schaffte ich es, in die Auswahl der besten Spieler der Nation zu kommen, die von Footballexperten zusammengestellt wird.
Im Jahre 1973 kam ich zu den Oakland Raiders, einer der besten Mannschaften im Berufsfootball. Meine erste Saison war von Erfolg gekrönt. Doch 1974 gab ich meine Karriere auf, was Artikel auf den ersten Seiten des Sportteils der Zeitungen zur Folge hatte. Die in San Francisco erscheinende Zeitung Chronicle berichtete:
„Zwei Abgesandte der Raiders haben es bisher nicht geschafft, [ihn] ... dazu zu bringen, es sich anders zu überlegen. ... Daß man ihn mittlerweile als sehr guten Spieler ansieht, wird durch die Eindringlichkeit bewiesen, mit der die Unterhändler der Raiders versuchen, ihn zur Rückkehr zu bewegen“ (21. Juni 1974).
Viele haben mich gefragt: „Warum haben Sie aufgegeben? Sie hatten doch eine glänzende Footballkarriere vor sich!“
Meine Einstellung zum Spiel
Ich habe es nicht deswegen getan, weil es mir keinen Spaß gemacht hätte, Footballprofi zu sein. Es hat mir sogar sehr viel Spaß gemacht. Ich habe es genossen, gegen die besten Spieler des Landes zu spielen und mein Können mit dem ihren zu messen.
Es stimmt zwar, daß das Spiel hart ist und daß jedes Jahr Dutzende von Berufsspielern schwer verletzt werden. Es heißt sogar, daß pro Jahr jeder achte Spieler am Knie operiert werden muß. Doch die Furcht vor Verletzungen war es nicht, die mich bewog aufzuhören. Ehrlich gesagt, machte mir die harte Mannberührung mit dem Gegner Freude.
Was die finanzielle Seite anging, so verdiente ich als Footballprofi in einem Jahr mehr Geld, als ich bei meiner gegenwärtigen Arbeit als Zimmermann in mehreren Jahren verdienen könnte. Und ich hatte die Aussicht, in den kommenden Jahren noch viel mehr zu verdienen.
Beunruhigende Begleiterscheinungen
Es gab aber Dinge in Verbindung mit dem Football, die mich zu beunruhigen begannen. Ich bin sicher, daß meine Erziehung dabei eine Rolle spielte. Als ich 10 Jahre alt war, begann meine Mutter, mit Jehovas Zeugen die Bibel zu studieren; aber ich war zu sehr am Sport interessiert und schenkte dem keine große Beachtung. Als man aber später Druck auf mich ausübte, Drogen zu nehmen, wehrte ich mich mit allen Kräften dagegen. Doch nach etwa eineinhalb Jahren in Berkeley gab ich nach und nahm ebenfalls Amphetamine vor dem Spiel.
Amphetamine steigern die Leistung während des Spiels. Sie vertreiben die Müdigkeit und lassen den Spieler während des ganzen Spiels ein hohes Tempo beibehalten, so daß er sehr schnell wird. Viele Berufsspieler greifen zu Drogen, weil ihr Arbeitsplatz — und damit ihr Lebensunterhalt — davon abhängt, daß sie während des Spiels in Spitzenform sind und ständig höchstes Tempo anschlagen. Doch die Erregung hält stunden- oder sogar tagelang an. Manchmal konnte ich nach einem Spiel 24 Stunden lang nicht schlafen. Einige Spieler nehmen nach dem Spiel andere Drogen ein, die eine entspannende Wirkung haben.
Im Laufe der Zeit rauchte ich auch Marihuana und schnupfte Kokain. Daß dies verkehrt war, wußte ich, und es beunruhigte mich ständig. Aber die Spieler, mit denen ich zusammen war, nahmen Drogen, und so tat ich es auch. Was mir außerdem Sorgen machte, war das unmoralische Leben, das als fester Bestandteil zum Berufssport gehört.
Es lungerten immer Mädchen herum, die darauf warteten, von einem Spieler mitgenommen zu werden. Verheiratete Spieler gingen oft mit anderen Frauen aus. Die Leute schienen das zu entschuldigen, da man von einem Footballspieler nichts anderes erwartete. Er war ja schließlich „jemand Besonderes“. Man dachte: „Er ist ja ein Footballprofi, dann ist es schon in Ordnung.“
Als Neuling blickte ich zu vielen in der Mannschaft auf. Doch was ich aus ihrem Mund hörte, zerstörte alle Verehrung und allen Respekt, den ich vor ihnen hatte. Man konnte sie reden hören: „Letzte Woche habe ich mit fünf Mädchen geschlafen, meine Frau nicht mitgezählt.“ Ich schaute mir den Betreffenden an und dachte: „Das ist also der Mann, den ich so verehrt habe. Ich hoffe, daß ich nie so werde wie er.“
Nach einiger Zeit aber tat ich genau dasselbe, nur daß ich nicht verheiratet war. Es würde nicht schaden, wenn die Leute besser darüber Bescheid wüßten, was für ein verschwenderisches, ausschweifendes und unsittliches Leben in der Welt des amerikanischen Profifootballs geführt wird. Damit will ich nicht sagen, daß jeder so lebt; doch es ist die übliche Art der Spieler, so zu leben.
Auswirkungen auf die Persönlichkeit
Wenn einem von allen Seiten geschmeichelt wird, bleibt das nicht ohne Folgen auf die Persönlichkeit. Ein Mann war zum Beispiel Hunderte von Kilometern gefahren, um einem meiner Mitspieler, der sehr bekannt war und auch in Werbespots im Fernsehen auftrat, vor einem Spiel die Hand zu schütteln. „Ich möchte Ihnen gern die Hand schütteln, denn ich glaube, daß Sie ein fabelhafter Spieler sind“, sagte der Mann und streckte seine Hand aus, während er hinzufügte: „Wenn ich auch ein Anhänger von Kansas City bin.“ Da zog der Spieler seine Hand zurück und brüllte: „Hauen Sie hier bloß ab, Sie ...!“, worauf er ihn mit üblen Schimpfworten belegte.
Der Stolz und die Arroganz, die hier zum Ausdruck kamen, ekelten mich an. Ein Spieler denkt, er habe das Recht, Menschen so zu behandeln, weil er berühmt sei. Natürlich handeln nicht alle so, doch die Tendenz, es zu tun, ist vorhanden. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Zwar bin ich als Profi kein Star geworden, doch ich war es im Collegefootball, und das blieb nicht ohne Auswirkungen auf mich.
Es ist nicht leicht, demütig zu sein, wenn man auf dem College von allen gefeiert wird und die anderen einem immer wieder sagen, wie großartig man sei. Wenn ich nach Hause fuhr, versuchten meine Mutter und meine Bekannten, mir den biblischen Gesichtspunkt zu zeigen. Ich hatte aber nur Interesse an meiner Karriere und konnte nur darüber lachen, wenn ich mir vorzustellen versuchte, ein bescheidener Christ zu sein. Ich war der Ansicht, sie sollten auf meine Leistungen stolz sein.
Etwas bringt mich zum Nachdenken
Ich hatte alles erreicht, was ich meinte, erreichen zu wollen, und doch war ich nicht wirklich glücklich. Mein Leben hatte einfach keinen Sinn. Ich beschloß deshalb, Änderungen in meinem Lebenswandel vorzunehmen. Ich hörte auf, Haschisch zu rauchen und Kokain zu schnupfen.
Eines Abends Anfang 1974 sagten einige Bekannte: „Komm, wir sehen uns den Exorzisten an.“ Ich habe noch keinen Film gesehen, der sadistischer und abscheulicher gewesen wäre. Als ich aus dem Kino kam, war mir sehr unwohl zumute. Ich erinnerte mich daran, daß ich als Jugendlicher in der Bibel etwas über die Existenz unsichtbarer böser Geistermächte gelesen hatte.
Ich rief meine Schwester und ihren Mann in Modesto (Kalifornien) an, die zu den Zeugen Jehovas gehören. Sie bestätigten mir, daß Dämonen wirklich einen schädigenden Einfluß auf Menschen und auf Vorgänge auf der Erde ausüben können (Eph. 6:12; Apg. 16:16-18; 19:11-17). In meiner Besorgnis setzte ich mich gleich ans Steuer und fuhr nach Modesto.
Unsere Gespräche über die Bibel überzeugten mich, daß Geistwesen wirklich existieren. Wenn das aber der Fall ist, dann muß es auch einen wahren Gott geben. Das bedeutete, daß ich meine Kraft vergeuden würde, wenn ich mein Leben nicht in Übereinstimmung mit seinem Vorsatz verwendete. Als ich das begriffen hatte, stand ich sozusagen an einer Weggabelung in meinem Leben.
Ich konnte sehen, daß der Weg, den ich bisher gegangen war, keine wahre Zufriedenheit und kein wahres Glück bot, sondern nur ein Gefühl der Nutzlosigkeit und Leere hervorbrachte. Das war der Weg mit all den materiellen Annehmlichkeiten — Reichtum, Berühmtheit, Ausschweifung, Drogen. Es gab aber auch einen anderen Weg. Ihn zu begehen schloß das Studium der Bibel, den Besuch christlicher Zusammenkünfte und Dienst für Gott ein — ein einfaches, unkompliziertes Leben, das aber wirklich Sinn hatte. Diesen Weg beschloß ich zu gehen.
Wirklich die bessere Wahl
Als die Raiders von meiner Entscheidung erfahren, schickten sie Abgesandte, die versuchen sollten, mich zu einer Änderung meiner Ansichten zu bewegen. Ihnen erschien es töricht, eine solch einträgliche Karriere aufzugeben. Ich erklärte ihnen, daß ich immer noch gern Football spielte, daß mir aber jetzt mein Verhältnis zu Jehova Gott noch wichtiger sei.
Ich sagte ihnen, wozu mein Umgang in den Kreisen der Sportwelt geführt hatte: zum Gebrauch von Drogen, zu ausschweifendem Leben, Arroganz und Stolz. Ich machte ihnen klar, daß die Art, wie Footballprofis leben, dem Leben nach christlichen Grundsätzen, das ich jetzt führen wollte, widersprechen würde. Außerdem würde ich von meinen Anhängern als Idol verehrt, und ich wollte zu dieser Menschenverehrung nicht mehr länger beitragen. Darüber hinaus wollte ich freier sein, um meine Zeit dem dringenden Werk des Predigens des Königreiches widmen zu können, so, wie Jesus es getan hatte (Luk. 4:43).
Im Sommer 1974 symbolisierte ich meine Hingabe an Jehova Gott durch die Wassertaufe und bin seither geistig gesegnet worden. Als ich noch Football spielte, habe ich viele aufregende Augenblicke erlebt; nach dem Spiel gegen Stanford wurde ich zum Beispiel vor 70 000 jubelnden Zuschauern als Held des Tages vom Platz getragen. Doch kürzlich erlebte ich eine noch größere Freude.
Während meiner Predigttätigkeit von Tür zu Tür traf ich einen jungen Mann an, der aufrichtig an Gottes Wort interessiert war. Ich besuchte ihn mehrmals, und er war damit einverstanden, daß ich mit ihm wöchentlich die Bibel studierte. Das ist die größte Freude, die ich je gehabt habe, denn es bedeutet, daß ich an dem Werk des Jüngermachens einen Anteil habe, das Jesus Christus begonnen hat und zu dessen Fortsetzung er seine wahren Nachfolger anspornte (Matth. 28:19, 20).
Andere Footballprofis denken ähnlich wie ich. Einer von ihnen wohnt nicht weit von mir entfernt, in Stockton (Kalifornien). Er hat sieben Jahre in der National Football League, der höchsten Spielklasse im amerikanischen Fußball, gespielt, davon fünf Jahre als Stürmer der Spitzenklasse. Doch ich lasse ihn selbst darüber berichten.
Ein Traum wird wahr
Schon auf der High-School schenkte man mir als Stürmer in der Mannschaft unserer Schule große Beachtung. Nach meinem Schulabschluß erhielt ich eine Flut von über 40 Angeboten verschiedener Colleges aus dem ganzen Land. Ich entschloß mich, auf das staatliche College von San Jose zu gehen, da es in der Nähe meiner Heimatstadt lag.
Nachdem ich vier Jahre auf dem College gespielt hatte, zählte man mich zu den größten Profi-Hoffnungen im ganzen Land. Praktisch jede Mannschaft der National Football League nahm Verhandlungen mit mir auf. Ich war 1,92 Meter groß und wog 111 Kilo, doch ich konnte 40 Yards in 4,9 Sekunden laufen.
Im Jahre 1966 waren die Green Bay Packers die erste Profimannschaft, in der ich spielte, nachdem ich von dem Verein für eine hohe Summe „eingekauft“ worden war. Als Prämie für den Vertragsabschluß bekam ich vom Verein ein neues Oldsmobile Toronado und 10 000 Dollar bar auf die Hand. Mein Anfangsgehalt betrug 18 000 Dollar im Jahr.
Ich lief mit meinen 21 Jahren durch die Gegend, hatte über 5 000 Dollar in 100-Dollar-Noten in der Tasche und dachte: „So ist das also. Jetzt habe ich Geld, ein neues Auto, Ansehen, die besten Sachen zum Anziehen, und in den teuersten Restaurants werde ich anerkannt und willkommen geheißen.“
Im Trainingslager
Im Juli 1966 meldete ich mich im Trainingslager der Packers. Ich war bereits in Höchstform. Das Konditionstraining war äußerst hart, und hier machte es sich bezahlt, daß ich schon vorher trainiert hatte. Keiner der langjährigen Spieler schien so gut in Form zu sein wie ich; manche hörten mitten im Training vor Schmerzen auf und übergaben sich.
Doch vor Beginn der Spielzeit nahm mich Trainer Lombardi beiseite. Er hatte gerade einen Anruf der St. Louis Cardinals erhalten. Die Mannschaft hatte einen ihrer besten Stürmer verloren, da sich bei ihm ein verdächtiges Herzgeräusch gezeigt hatte, so daß er mit dem Spielen aufhören mußte. Nun brauchten sie guten Ersatz. Die Packers gaben mich deshalb gegen eine hohe Ablösesumme für die St. Louis Cardinals frei.
Wie es während des Spiels zugeht
In St. Louis verbesserte ich mich weiter und wurde schließlich der beste Stürmer der Mannschaft. Die Trainer hoben hervor, daß man hart sein muß, und da ich große Kräfte hatte, wurde ich sehr geschickt darin, meinen Gegner zu schlagen. Nicht ohne Grund nennt man das Ringen der beiden Stürmerreihen „Krieg“.
Ich spielte auch als Stürmer, wenn unsere Mannschaft in Verteidigungsposition war, und als solcher darf man mit der flachen Hand zuschlagen. Das ist zulässig. Ich bekam Übung darin, einem angreifenden Gegner an die Schläfen zu schlagen. Man nennt dies „Kopfschlag“. Wenn man hart genug zuschlägt, bekommt der gegnerische Stürmer Kopfschmerzen. Je eher ich meinen Gegner also treffen konnte und je größer der Schmerz war, den ich ihm — egal wo — zufügte, desto mehr war ich im Vorteil.
In dem Moment, wo der Ball zu Spielbeginn abgegeben wurde, versetzte ich dem mir gegenüberstehenden Stürmer mit allen Kräften einen Schlag, der ihn für kurze Zeit außer Gefecht setzte. Das gab mir Gelegenheit, an ihm vorbeizukommen und zu dem Abwehrspieler zu gelangen, der den Ball jetzt hatte und ihn gerade weitergeben wollte. Wir gebrauchten auch unsere Ellbogen und die Unterarme. Einmal habe ich mit meinem Arm einem Spieler den Helm zertrümmert.
Viele Spieler waren mir noch von meiner Collegezeit her bekannt. Doch während des Spiels waren wir Todfeinde und versuchten, einander eins auszuwischen. Ein guter Freund, mit dem ich auf dem College dasselbe Zimmer bewohnt hatte, spielte später für die Cleveland Brown. Als wir einmal gegen Cleveland spielten, versetzte ich ihm einen schweren Schlag, und er mußte einige Zeit darauf ins Krankenhaus, um sich operieren zu lassen. Meiner Frau und mir war dabei ganz elend zumute.
Spieltaktik
Ich erinnere mich an ein Spiel gegen Cleveland. Unsere Trainer teilten uns mit, daß der gegnerische Mannschaftskapitän früher bereits Verletzungen am Hals gehabt hatte, und schlugen mir vor, ihn spielunfähig zu machen, wenn sich mir dazu eine Gelegenheit böte. So durchbrach ich während des Spiels die gegnerische Linie, schlug den Mittelstürmer und den Spieler, der mir genau gegenüberstand, und dann hatte ich den Mann vor mir. Ich schlug so fest zu, als wollte ich ihm den Kopf abhauen, und er ließ den Ball fallen.
Meine Mitspieler umjubelten mich begeistert. Ich aber beobachtete, wie der Mannschaftskapitän auf dem Boden lag und sich vor Schmerzen wand. Da schoß es mir auf einmal durch den Kopf: „Bin ich denn ein Tier? Das ist doch ein Spiel, und jetzt mache ich einen Menschen zum Krüppel.“ Ich dachte auch daran, daß er Frau und Kinder hatte, genau wie ich. Die Menge jubelte mir zu, aber ich hatte nicht den Eindruck, daß ich richtig gehandelt hatte.
Von da an fiel es mir schwerer, einem Gegner vorsätzlich Schaden zuzufügen. Bei unseren wöchentlichen Sitzungen, auf denen wir unsere Taktik besprachen, wurden natürlich weiterhin die besonderen Schwächen und Verletzungen der Spieler des gegnerischen Teams behandelt. Unsere Taktik war, einen Gegner ganz gezielt dort zu treffen, wo er am empfindlichsten war, das heißt, wo er schon einmal eine Verletzung gehabt hatte.
Als wir später einmal gegen die New York Jets spielten, wurde uns gesagt, daß ihr Starspieler mehrere Knieverletzungen hatte. Es galt also, ihn dort zu treffen. In einem Spiel bot sich mir die Gelegenheit, ihm eine schwere Knieverletzung zuzufügen. Hinterher fragten mich die Trainer, weshalb ich das nicht getan hätte. Ich antwortete, meiner Meinung nach sei dies nicht nötig gewesen. Den anderen in der Mannschaft kam diese Ansicht seltsam vor.
Im Jahre 1971 spielten wir gegen die Buffalo Bills. Ihr bester Läufer hatte eine Verletzung an der Ferse gehabt, und wir sollten ihn spielunfähig machen. Während eines Spiels packte ich sein Fußgelenk, und als er zur Erde fiel, hätte ich es verdrehen können, was keinen Verstoß gegen die Spielregel dargestellt hätte. Aber ich tat es nicht. Von da an behielt ich diese neue Taktik bei, und jede Woche kamen Spieler der gegnerischen Mannschaft zu mir, um sich dafür zu bedanken, daß ich sie auf dem Spielfeld nicht absichtlich verletzt hatte.
Was zur Änderung meiner Einstellung führte
Ein Grund für die Änderung meiner Einstellung war eine Rückenverletzung, die ich mir bei einem Spiel im Jahre 1969 zugezogen hatte. Damals spielte ich während des größten Teils der Spielzeit mit ständigen Schmerzen im Rücken und in den Beinen. Selbst Medikamente konnten nichts ausrichten. War ihre Wirkung vorbei, wurden die Schmerzen so schlimm, daß ich im Haus auf dem Fußboden kriechen mußte. Im April 1970 unterzog ich mich einer Rückenoperation, durch die sich mein Leiden zu bessern schien. Von dieser Zeit an wollte ich nicht mehr daran schuld sein, daß jemand anders auf dieselbe Weise leiden mußte. Aber es gab noch einen weiteren Grund, der mich immer mehr davon abhielt, einen Mitspieler vorsätzlich zu verletzen.
Etwa um die Zeit, als ich meine Operation hatte, fing meine Frau ein Bibelstudium mit einer Zeugin Jehovas an. Das gefiel mir gar nicht. Ich dachte, das sei alles nur wieder ein Trick einer Religion, zu Geld zu kommen. Deshalb sagte ich ihr: „Wenn du studieren willst — bitte sehr. Aber ich will damit nichts zu tun haben!“ Und dabei blieb es.
Es dauerte aber nicht lange, und meine Frau stellte mir Fragen wie: Was ist der Name Gottes? Weshalb starb Jesus? Was ist Gottes Königreich? Es waren keine schwierigen Fragen, aber ich wußte die Antworten darauf nicht. Das machte mir Sorgen. Ich glaubte zwar an Gott und hatte etwas in der Bibel gelesen, doch ich mußte feststellen, daß ich in Wirklichkeit fast keine Ahnung davon hatte, was die Bibel lehrte.
So überlegte ich es mir anders und schloß mich meiner Frau bei ihrem Bibelstudium an. Ich fand Freude daran, denn die Antworten, die ich erhielt, stammten direkt aus Gottes Wort. Als nächstes besuchte ich die Zusammenkünfte in einem Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Stockton.
Ein besseres Lebensziel
Nach einiger Zeit fühlte ich mich gedrängt, in den Wohnungen der Menschen vorzusprechen, um all das Gute, was ich über die Vorsätze Gottes lernte, mit anderen zu teilen. Ich wußte, daß diese Information aus Gottes Wort anderen wirklich eine Hilfe sein konnte, ebenso wie die Anwendung dieser Grundsätze im Leben mir und meiner Familie half. Deshalb brachte mir diese Tätigkeit wirkliche Befriedigung. Meine Frau und ich symbolisierten im Februar 1972 unsere Hingabe an Jehova Gott dadurch, daß wir uns bei einem christlichen Kongreß im Wasser taufen ließen.
Ich war aber noch weitere zwei Jahre vertraglich gebunden. Darum fühlte ich mich verpflichtet, im Juni im Trainingslager zu erscheinen. Mir widerstrebte das sehr, denn es fiel mir schwer, die Roheit, die im professionellen Football — besonders im Kampf der beiden Stürmerreihen gegeneinander — üblich war, mit christlichen Grundsätzen zu vereinbaren (Gal. 5:22, 23). Es war aber auch wichtig, daß ich mein Wort hielt und den Vertrag erfüllte. Dies wird sogar in Gottes Wort hervorgehoben (Matth. 5:37). In meinen Gebeten erwähnte ich oft diese für mich anscheinend ausweglose Situation.
Als die Spielzeit 1972 etwa zur Hälfte vorüber war, trat mein altes Rückenleiden wieder auf, und im Oktober mußte ich ein zweites Mal ins Krankenhaus. Da nicht mehr sicher war, ob ich in der Mannschaft nun noch weiterhin meinen Mann stehen konnte, erklärten sich die Cardinals einverstanden, mich aus dem Vertragsverhältnis zu entlassen. Ich war außer mir vor Freude, daß ich frei war.
Ich bin keineswegs der Ansicht, daß Sportarten wie Football an sich etwas Schlechtes sind. Ich kann darüber viel Freude empfinden. Traurig ist nur, wenn man sieht, wie die Selbstsucht und der Wunsch, um jeden Preis zu gewinnen, den Profisport zuschanden machen. Darüber braucht man sich aber nicht zu wundern, denn das ganze heutige System der Dinge ist von demselben Geist der Selbstsucht und Habgier durchsetzt.
Es stimmt wirklich freudig, zu wissen, daß der Schöpfer für Menschen, die ihm dienen, eine sehr viel bessere Zukunft vorgesehen hat. In seinem Wort wird deutlich gezeigt, daß er jetzt bald dieses ganze System mit all seiner Selbstsucht und Habgier beseitigen und durch ein neues System ersetzen wird, in dem Gerechtigkeit herrschen wird (Matth. 24:36-39; 2. Petr. 3:5, 13). Besonders eine Prophezeiung der Bibel über dieses neue System erwärmt mir das Herz. Sie steht in Offenbarung 21:4: „Und ... [Gott] wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen.“
Seine Zeit und Kraft beim Verkünden dieser großartigen Vorsätze Gottes einzusetzen scheint mir ein weit lohnenderes Lebensziel zu sein als eine Karriere als Footballstar. (Eingesandt.)
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Die erstaunlichen Reflexbewegungen des KörpersErwachet! 1976 | 22. März
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Die erstaunlichen Reflexbewegungen des Körpers
● Die Fähigkeit des Körpers, Reflexbewegungen durchzuführen, ist ein Sicherheitsfaktor der oft weiteren Schaden verhütet. Würde dir zum Beispiel eine glühende Kohle auf den Fuß fallen, so würden sensorische Nervenimpulse zum Rückenmark wandern und dort mit motorischen Nerven in Verbindung kommen. Die motorischen Nerven würden dann die Impulse an die Muskelfasern im Bein weiterleiten. Diese würden sich zusammenziehen und bewirken, daß der Fuß von der glühenden Kohle zurückzuckt — und all das im Bruchteil einer Sekunde. Diese Reflexbewegungen geschehen unbewußt. Erst wenn der Fuß zurückzuckt und die sensorischen Nervenimpulse, die ihren Weg inzwischen fortgesetzt haben, das Gehirn erreichen, spürt man den Schmerz. Dadurch, daß das Gehirn zunächst übergangen wird, bewirken die Nervenimpulse, die die Reflexhandlung auslösen, daß der Körper fast sofort die Gefahrenzone verläßt. Das zeugt wirklich von einer sorgfältigen Planung eines liebevollen Schöpfers.
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