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  • Hurrikan „Agnes“ offenbart die Schwäche des Menschen, aber auch seine Stärke
    Erwachet! 1972 | 8. Dezember
    • Hurrikan „Agnes“ offenbart die Schwäche des Menschen, aber auch seine Stärke

      IN DER zweiten Hälfte des Monats Juni wurde die Ostküste der Vereinigten Staaten von einem Sturm verwüstet, der zu den schlimmsten Stürmen in der Geschichte dieses Landes zählte. Der Sturm, der den Namen „Agnes“ erhielt, forderte über 130 Menschenleben und verursachte einen Sachschaden von fast zwei Milliarden Dollar.

      Hurrikan „Agnes“ stellte die Wetterbeobachter schon von seiner Geburt an vor ein Rätsel. Er wurde vor der Ostküste Yucatáns geboren. Jedes Jahr entstehen dort in der Hurrikanzeit, von Juni bis November, viele tropische Stürme. Während die meisten wieder verfallen, bauen sich etwa ein halbes Dutzend — wie „Agnes“ — zu Hurrikanstärke auf. Es ist dann eine sich drehende Warmluftmasse, die warme feuchte Luft aufsaugt, und diese verdichtet sich zu Regen.

      Auf Kuba fielen dem Hurrikan „Agnes“ sieben Menschen zum Opfer, und auch in Südflorida forderte das Unwetter mehrere Tote. Der Sturm raste dann mit einer Geschwindigkeit von mehr als 130 km/st über Florida hinweg. Über dem Festland verlor er erwartungsgemäß einen großen Teil seiner Energie.

      Aber er löste sich über dem Festland nicht auf, sondern drehte nach Osten ab, zog durch Virginia und Maryland und kehrte zum Atlantik zurück, wo er sich kräftigte. Eine starke schmale Hochdruckzone versperrte ihm auf dem Meer den Weg und zwang ihn auf das Festland zurück. Dann brach er über den östlichen Teil von Pennsylvanien, New Jersey und über den westlichen Teil von New York herein. Darauf machte er überraschenderweise kehrt und suchte Pennsylvanien ein zweites Mal heim, diesmal den Westen des Staates. Der unberechenbare Zug des Hurrikans „Agnes“ endete schließlich über der Ostküste Kanadas.

      „Agnes“ offenbart die Schwäche des Menschen

      Den größten Schaden richtete der Hurrikan „Agnes“ durch seine schweren Niederschläge an. Diese Regenfälle hätten kaum zu einer ungünstigeren Zeit kommen können. Der Nordosten der Vereinigten Staaten hatte bereits in den beiden vorangegangenen Jahren die größte Niederschlagsmenge erhalten, die man je gemessen hat; die Flüsse führten daher Hochwasser, und der Boden hatte sich mit Wasser vollgesaugt. Dann brach über ein 400 Kilometer breites Gebiet der Regensturm „Agnes“ herein und löste Überschwemmungen aus, von denen besonders die Gebiete entlang den Flüssen in Virginia, Maryland, New Jersey und Westvirginia betroffen wurden.

      Die schlimmste Überschwemmung jedoch verursachte der Fluß Susquehanna in Pennsylvanien, der ein Gebiet von 160 Kilometer Länge zwischen Wilkes-Barre und Harrisburg, der Hauptstadt Pennsylvaniens, verheerte. Wohin das Auge blickte, alles war verwüstet. Der Susquehanna erreichte in Wilkes-Barre einen Wasserstand von über zwölf Metern und vertrieb mehr als 60 000 Menschen aus ihrer Wohnung. Das Wasser schnitt Harrisburg von dem übrigen Staatsgebiet ab. Etwa 15 Prozent der Stadt standen unter Wasser. Die Hauptstraßen der kleineren Städte verwandelten sich in Flüsse. Stahlbrücken wurden aus ihren Verankerungen gerissen, und andere Brücken wurden weggespült oder stürzten unter dem Gewicht der angeschwemmten tonnenschweren Trümmer ein. Man schätzte den Sachschaden in Pennsylvanien, dem Staat, der vom Regensturm „Agnes“ am schwersten betroffen worden war, auf über eine Milliarde Dollar!

      Der sonst still dahinfließende Chemung im Staate New York verwandelte sich in ein reißendes Gewässer und glich, wie ein Reporter schrieb, „einem aus dem Käfig ausgebrochenen Raubtier“. Der Chemung und andere Flüsse des Staates New York, die über die Ufer getreten waren, verwüsteten alles, was ihnen in den Weg kam.

      Besonders ergreifend waren die Berichte der Augenzeugen, die zusehen mußten, wie Menschen in den Fluten umkamen. Eine Frau aus Corning (New York) erzählte schluchzend: „Das Herz drehte sich mir im Leibe, als ich zusehen mußte, wie viele unserer Bevölkerung ertranken. Scharen von Menschen versuchten, den ,Denmark Hill‘ (ein Wahrzeichen auf erhöhtem Grund) zu erreichen. Sie rannten in Richtung des Hügels, gelangten aber nicht an ihr Ziel.“

      Im Staate New York gab es fast 100 000 Obdachlose, und der Sachschaden belief sich schätzungsweise auf 100 Millionen Dollar.

      Mit Worten kann man nur unvollkommen beschreiben, welches Bild sich den Überlebenden bot, als sie in ihre Wohnung zurückkehrten, und auch Bilder vermittelten nur einen unvollkommenen Eindruck davon. Alles war mit einer mehrere Zentimeter dicken Schlammschicht überzogen, zudem hingen auch vielfach Würmer und Schimmel daran. Möbel, Fernseher und andere Geräte bildeten einen wirren Trümmerhaufen, und die Teppiche und Vorhänge waren zerfetzt. Die Mauern waren schief und die Decken hingen herab, weil die Grundmauern nachgegeben hatten oder eingesackt waren. Auf den Auffahrten lagen umgestürzte Autos, und die Rasenflächen wiesen riesige Löcher auf.

      Es drohte auch Seuchengefahr. Man befürchtete den Ausbruch einer Typhusepidemie, weil die Abwässer in die Trinkwasserleitungen einsickerten, und der faulende Müll zog Ratten und Fliegen an. Außerdem bestand die Gefahr, daß die Menschen mit elektrischen Leitungen, die im Wasser lagen, in Berührung kamen und vom Strom getötet wurden; ferner rechnete man damit, daß durch Öl, das aus geborstenen Öltanks ausfloß, Brände ausbrechen könnten. Und als endlich die Sonne durch die Wolken brach und die verschlammten Straßen trocknete, verwandelte sich der Schlamm in feinen Staub, der dann durch die Luft gewirbelt wurde, so daß man kaum noch atmen konnte.

      Die Kurzsichtigkeit vieler Menschen trug zweifellos dazu bei, daß der Regensturm „Agnes“ schlimmere Folgen hatte, als er sonst gehabt hätte. Viele Leute mißachteten die Sturmwarnungen. Später riskierten Männer ihr Leben, um Personen zu bergen, die sich hartnäckig geweigert hatten, ihre Häuser zu verlassen.

      Manch einer verzögerte durch seine Selbstsucht den Abtransport der gefährdeten Bevölkerung, weil er unbedingt gewisse Dinge wie den Farbfernseher mitnehmen wollte. Ferner verstopften die Autos der Schaulustigen die Straßen in der Gefahrenzone und in den benachbarten Gebieten.

      Auch Plünderer, Parasiten der Gesellschaft, tauchten auf; viele von ihnen arbeiteten von Booten aus; und Diebe sammelten von den Katastrophenopfern Geld für eine Hilfsaktion, die nie durchgeführt wurde. Die Polizei mußte daher ihre Bergungsarbeiten abbrechen, um das Treiben dieser skrupellosen Personen zu bekämpfen.

      Teilnehmer an den Rettungsarbeiten beweisen vor „Agnes“ ihre Stärke

      Der Regensturm „Agnes“ gab indessen manch einem Gelegenheit, seinen Mut zu beweisen. Die Polizisten blieben auf dem Posten, obwohl auch sie ihr Hab und Gut verloren. Viele haben die Bevölkerung vor dem Sturm gewarnt; sie gingen entweder von Haus zu Haus, um die schlafenden Bewohner zu wecken, oder sie weckten sie mit Hilfe von Lautsprechern. Einigen, die viele Stunden gearbeitet hatten und nicht nur völlig erschöpft, sondern auch noch verletzt waren, mußte beinahe befohlen werden, nach Hause zu gehen.

      Angehörige der Feuerwehr durchwateten gefährliche Wasserläufe und riskierten es, in Häuser, die einzustürzen drohten, einzusteigen. Soldaten beteiligten sich an den Bergungsarbeiten oder schafften mit Lastwagen oder Hubschraubern Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente heran. Einige der Rettungsarbeiter kamen bei dem Versuch, andere zu bergen, selbst ums Leben.

      Hunderte von Personen, die durch das Wasser abgeschnitten waren, wurden mit Hubschraubern herausgeholt. Fünfundzwanzig Personen, die auf zwei Inseln im Susquehanna ihren Urlaub verbracht hatten, wurden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht. In Lock Haven (Pennsylvanien) wurde ein Hubschrauber durch Telefondrähte daran gehindert, eine Familie, die in einem „Mobile Home“ gewohnt hatte, zu bergen. Zwei Offiziere setzten sich darauf in ein Gummiboot und ließen sich zu dem Wohnwagen treiben. Nachdem die ganze Familie im Boot war, erzeugte der Hubschrauber über ihnen Wind, durch den das Boot auf höheren Grund getrieben wurde; so konnte die ganze Familie gerettet werden.

      Entlang den Hochwasser führenden Flüssen errichteten freiwillige Helfer emsig Deiche. Sie füllten alles mögliche mit Sand, z. B. Jutesäcke, Plastiksäcke und Kissenbezüge, um das Wasser zurückzuhalten. In Wilkes-Barre halfen Tausende Freiwillige einen Deich zu bauen, doch der reißende Susquehanna zerstörte plötzlich ihr Werk und zwang sie, sich eilends in Sicherheit zu bringen.

      Eine große Rolle spielten jugendliche Kraft und Sachkenntnisse. Die Bevölkerung von Carlisle (Pennsylvanien) erklärte, die Studenten des Dickinson College hätten einen großen Teil des Deiches gebaut, der dort errichtet worden sei und der dem Wasser standgehalten habe. In einigen Gebieten war das Personal der für die Obdachlosen eingerichteten Schutzräume zum größten Teil weniger als fünfundzwanzig Jahre alt.

      Liebevolle Sorge um die christlichen Brüder und andere

      In der Gefahrenzone befanden sich Dutzende von Versammlungen der Zeugen Jehovas. Es ist aufschlußreich und ermunternd zu erfahren, wie sie das Problem meisterten.

      Bevor der Sturm hereinbrach, überzeugten sich die Aufseher der Versammlungen davon, daß alle Zeugen eine Möglichkeit hatten, die Gefahrenzone zu verlassen, und daß sie die Warnung beachteten. Diese Vorsorge trug wahrscheinlich viel dazu bei, daß unter den Tausenden Zeugen Jehovas im Katastrophengebiet kein einziges Todesopfer zu beklagen war.

      In Wilkes-Barre zum Beispiel besprachen sich zwei Aufseher einer Versammlung, als sie erfuhren, daß ein Sturm drohte. Der eine übernahm die Sorge für die eine Hälfte und der andere für die andere Hälfte der Zeugen. Über die Vorgänge in jener Nacht berichtete einer dieser Aufseher:

      „Ich hörte in den Nachrichten, daß die Bevölkerung in Lower Plymouth evakuiert werden sollte. Da ich in Wilkes-Barre (einem Nachbarort) wohne, betraf mich das nicht, daher dachte ich, es sei vielleicht besser, nach Plymouth zu gehen und den Brüdern in den tiefer gelegenen Gebieten zu helfen, sich in Sicherheit zu bringen.

      Da die Straßen verstopft waren, dauerte es vier Stunden, um auf die andere Flußseite zu gelangen. Am Freitag früh, 3.30 Uhr, kehrte ich nach Hause zurück und erfuhr, daß auch die tiefer gelegenen Viertel von Wilkes-Barre geräumt werden mußten. Es dauerte anderthalb Stunden, bis meine Frau und ich alle Brüder, die davon betroffen wurden, telefonisch erreicht hatten, um zu ermitteln, ob sie eine Möglichkeit hatten, das gefährdete Gebiet zu verlassen.“

      Was geschah, nachdem diese Zeugen die ganze Nacht gearbeitet hatten? Der erwähnte Aufseher erzählt weiter:

      „Um 6.30 Uhr heulten die Sirenen, und über Lautsprecher wurden die Bewohner aufgefordert, ihre Wohnung zu verlassen. Ich bestieg mit meiner Frau und meinen Kindern das Auto und fuhr weg, ohne etwas mitzunehmen, denn wir hatten keine Zeit mehr zum Packen — wir hatten einige Zeugen telefonisch nicht erreichen können, daher mußten wir in dem dichten Verkehrsgewühl zu ihnen hinfahren. Nachdem wir sicher waren, daß alle Zeugen ihre Wohnung verlassen hatten, brachte ich meine Familie in Sicherheit.“

      Dieser Mann beteiligte sich, nachdem er seine christlichen Brüder und seine Familie in Sicherheit wußte, am Deichbau. In gewissen Katastrophengebieten betreute jeder der Männer, die eine Bibelstudiengruppe von zehn bis zwanzig Zeugen leiteten, die ihm zugeteilte Gruppe.

      Was gab den Zeugen die Kraft, diese Aufgabe in liebevoller und organisierter Weise zu bewältigen? Eine große Hilfe war ihnen zweifellos das Gebet. Nachdem der Wirbelsturm „Agnes“ über Apalachicola (Florida) hinweggerast war, „beteten die Zeugen, Jehova möge sein Volk, das in den nördlichen Küstenorten wohnte, auf die der Sturm zuraste und in denen er noch mehr Schaden anrichtete als hier, beschützen“.

      Sie mußten damit rechnen, ihr Hab und Gut zu verlieren, doch sie schöpften Kraft aus ihrer Erkenntnis der biblischen Wahrheit. Ein Zeuge aus dem Katastrophengebiet erzählte:

      „Wir stellten uns darauf ein, daß wir möglicherweise alles, was wir besaßen, verlieren würden und daß wir froh sein müßten, mit dem Leben davonzukommen. Das erinnerte mich an die Erfahrung, die Hiob machte, und an einige weise Worte in den Sprüchen sowie an trostreiche Psalmstellen. Die Hoffnung, unter der göttlichen Regierung auf einer paradiesischen Erde zu leben, erschien uns plötzlich viel wichtiger als alle unsere materiellen Güter.“

      Sie mußten weiterhin stark bleiben. Als das Wasser zurückwich, dachten die meisten Leute nur an die Räumungsarbeiten. Aber die Zeugen Jehovas schenkten noch etwas anderem Beachtung. In allen betroffenen Gebieten versammelten sie sich sozusagen gleich nach dem Sturm, um ihre Bibelstudien durchzuführen. Der leitende Prediger von Salamanca (New York) schrieb:

      „Die Brüder blieben miteinander in Verbindung, und während wir die Zusammenkunft, die wir sonst am Donnerstagabend durchführen, auf Ersuchen der Polizei ausfallen ließen — die Polizei forderte die Bevölkerung auf, nicht auf die Straße zu gehen —, führten wir am Sonntag an drei Orten das Wachtturm-Studium durch; das mußten wir an drei verschiedenen Orten tun, weil wir den Fluß nicht überqueren konnten, da alle Brücken gesperrt waren. Wir hatten bei dieser Zusammenkunft einen fast 100 %igen Besuch.“

      In Elmira (New York) wurde an jenem Tag das Wachtturm-Studium bei Kerzenlicht durchgeführt. Und obschon die Zeugen schwere finanzielle Rückschläge erlitten hatten, waren viele entschlossen, einen der Bezirkskongresse „Göttliche Herrschaft“, die kurz danach in verschiedenen Teilen des Landes stattfanden, zu besuchen.

      Nach der Katastrophe reisten Hunderte von Zeugen aus vielen Staaten in das betroffene Gebiet, um ihren christlichen Brüdern bei den Räumungsarbeiten zu helfen. Viele von ihnen brachten Geld und Sachen mit, die gespendet worden waren. Wenn es den freiwillig arbeitenden Zeugen Jehovas möglich war, halfen sie auch Leuten, die keine Zeugen waren. Diese Hilfe hatte oft Äußerungen zur Folge wie: „Ich werde Jehovas Zeugen von nun an nie mehr abweisen.“

      Was ist für die Zukunft zu erwarten?

      Die Bevölkerung des Katastrophengebietes fragt sich jetzt: Wie können Katastrophen wie die, die der Regensturm „Agnes“ verursacht hat, verhindert werden?

      Dämme und andere Hochwasserschutzeinrichtungen haben sich nur zum Teil als nützlich erwiesen. Sozusagen alle Hochwasserschutzexperten werden dem zustimmen, was in einem Leitartikel der New York Times zu lesen war: „Das Problem kann nur ein für allemal gelöst werden, wenn man die Bevölkerung der gefährdeten Gebiete in ein höher gelegenes Gebiet ... umsiedelt.“ Paul Beers, Kolumnist einer Harrisburger Zeitung, stützt diese Meinung mit folgender Beobachtung:

      „Die ersten Siedler hatten wenige wissenschaftliche Kenntnisse, doch sie kannten den Wert des höher gelegenen Gebietes am Ufer von Flüssen wie dem Fluß Susquehanna. Es ist interessant zu beobachten, daß viele der schönen alten Wohnhäuser an der ,Front Street‘, zu denen auch der alte Amtssitz des Gouverneurs gehört, nicht überschwemmt wurden, während flußaufwärts und flußabwärts alles, auch der neue Gouverneurssitz, unter Wasser stand.“

      Die Mehrzahl der Bevölkerung wird wahrscheinlich nicht umsiedeln wollen. Vielen gefällt der Blick auf den Fluß. Andere kehren nach jeder Katastrophe in ihr Haus zurück mit den Worten, wenn sie wegzögen, wäre das doch ein Beweis dafür, daß sie sich geschlagen gäben. Viele der unteren Volksschichten, die ein unveränderliches Einkommen haben, wohnen in einem Haus am Fluß, das mit Hypotheken belastet ist, und meinen daher, nicht umsiedeln zu können.

      Personen, die einen starken Glauben haben, erkennen, daß echte Sicherheit nur in Gottes neuem System möglich ist. Ein Überlebender des Regensturmes „Agnes“ sagte: „Wir freuen uns auf die Zeit nach dem großen Sturm von Harmagedon, wenn die Erde gründlich gesäubert werden wird. Im Augenblick aber sind alle bestimmt Jehova tief dankbar dafür, am Leben und gesund zu sein sowie das Vorrecht zu besitzen, ihm zu dienen.“

  • Wie ergeht es der Kirche in Finnland?
    Erwachet! 1972 | 8. Dezember
    • Wie ergeht es der Kirche in Finnland?

      Vom „Awake!“-Korrespondenten in Finnland

      JAHRHUNDERTELANG hatte die Kirche im Leben des finnischen Volkes einen festen Platz. Noch vor wenigen Jahren erschien es unmöglich, daß sie von diesem Platz verdrängt würde.

      Heute aber sieht sich die Kirche großen Problemen gegenüber, ja sie steht in Gefahr, aus dem Dasein zu verschwinden! Gegenwärtig sind es hauptsächlich Kräfte innerhalb der Kirche, die diese Gefahr heraufbeschwören. Aber diese Kräfte sind so stark, daß die Kirche in Finnland Angriffen von außen nicht gewachsen wäre.

      Was hat die Kirche, die lange im Leben des Volkes eine so wichtige Rolle gespielt hat, derart geschwächt? Wer ist dafür verantwortlich?

      Was geschehen ist

      Einige statistische Angaben ermöglichen es einem, sich ein Bild von der Veränderung zu machen, die in der finnischen Kirche vor sich gegangen ist. Nach der Statistik gehören 92 Prozent der Bevölkerung der evangelisch-lutherischen Kirche an; doch die Statistik täuscht, denn die meisten Personen sind mehr oder weniger automatisch, bei ihrer Taufe, in die Kirche aufgenommen worden.

      Ein realistischeres Bild ergeben die Zahlen, die das Interesse der Bevölkerung an der Nationalkirche zeigen. Im Jahre 1963 besuchten drei bis vier Prozent regelmäßig die Kirche. Im Jahre 1970 ging der Kirchenbesuch noch weiter zurück! Die Finnen sind offenbar immer weniger an der Kirche interessiert.

      Obwohl neun von zehn Finnen der evangelisch-lutherischen Kirche angehören, haben sie doch kein anderes Interesse an der Kirche, als von ihr getraut und beerdigt zu werden und ihre Kinder taufen und konfirmieren zu lassen. Der Durchschnittsfinne nimmt die Kirche nicht ernst, sondern in seinen Augen erfüllt sie nur gewisse Funktionen. Eine Umfrage ergab, daß die Mehrzahl der Männer, die kirchlich beerdigt werden wollten, nicht einmal an ein Weiterleben nach dem Tode glaubten!

      In letzter Zeit ist noch eine andere Tendenz zu beobachten gewesen. Die Zahl der Kirchenaustritte ist gestiegen — in einem Jahr um das Doppelte. Unter anderem treten immer mehr aus der Kirche aus, weil man, solange man in der Kirche ist, Kirchensteuer zahlen muß.

      Diese Abneigung gegen die Kirche hat auch auf die Geistlichen übergegriffen, besonders auf die jüngeren Geistlichen und auf die Theologiestudenten. Professor Mikko Juva vom Ökumenischen Rat der Kirchen erklärte auf einer Tagung für Geistliche, die am 14. April 1971 in Tampere (Finnland) abgehalten wurde: „Wir durchleben eine schwierige Zeit, eine Zeit, in der die Kirche sich wandelt. Dieser Wandel geht nicht nur in unserem Lande vor sich, sondern in der ganzen Welt. Es gibt dafür viele Symptome. In vielen Ländern wollen die Theologiestudenten keine ordinierten Geistlichen werden; vor allem fühlen sie sich nicht zur Gemeindearbeit berufen.“

      Er erwähnte, daß die kirchliche Krise in Finnland insbesondere im Jahre 1963 nach der vierten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, die in Helsinki

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