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Hast du Anstoß genommen an dem, was andere getan haben?Der Wachtturm 1969 | 15. Oktober
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Betrachten wir die Tatsachen. Die treuen christlichen Zeugen Jehovas genießen einen wohlverdienten Ruf oder sind für ihre Ehrlichkeit, ihren Frieden, ihre Einheit und ihre Freude besonders bekannt. Sie lieben Jehova mit ihrem ganzen Herzen, ihrem ganzen Sinn, ihrer ganzen Seele und ihrer ganzen Kraft und ihre Nächsten wie sich selbst. (Mark. 12:29-31) Angenommen, du würdest dich von ihnen trennen, könntest du erwarten, eine andere Gruppe von Menschen zu finden, die sich mehr bemüht, nach den biblischen Grundsätzen zu leben, als sie? Wie bereits erwähnt, dulden sie unter sich keine Gesetzesübertreter, sondern sie entfernen sie aus ihrer Mitte. — 1. Kor. 5:13; 6:9-11.
KEINE URSACHE ZUM STRAUCHELN GEBEN
Wenn aber die Bibel es nicht rechtfertigt, daß jemand an dem, was ein anderer tut, Anstoß nimmt, so heißt das nicht, daß ein Christ in dieser Hinsicht gleichgültig sein dürfte oder sich nichts daraus zu machen brauchte, wenn er Anstoß erregt oder anderen Anlaß zum Straucheln gibt. Das ist keineswegs der Fall! Jemandem Ursache zum Straucheln zu geben ist ein sehr schweres Vergehen. Jesus Christus ließ darüber keinen Zweifel, denn er sagte einmal: „Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, straucheln macht, für den ist es nützlicher, daß ihm ein Mühlstein ... um den Hals gehängt und er ins weite, offene Meer versenkt werde.“ — Matth. 18:6.
Auch der Apostel Paulus hatte erkannt, von welcher Bedeutung es ist, einem Mitchristen Ursache zum Straucheln zu geben, und er warnte deshalb wiederholt davor. Er zeigte, daß wir etwas, selbst wenn wir es tun dürften, nicht tun sollten, wenn es einen anderen zum Straucheln bringen könnte: „Es ist gut, nicht Fleisch zu essen noch Wein zu trinken, noch irgend sonst etwas zu tun, woran dein Bruder Anstoß nimmt.“ Paulus predigte dies auch nicht nur, sondern er handelte danach: „Wenn daher Speise meinen Bruder zum Straucheln bringt, will ich überhaupt nie wieder Fleisch essen, damit ich meinen Bruder nicht zum Straucheln bringe.“ — Röm. 14:21; 1. Kor. 8:13.
Wenn wir sogar etwas, was wir ohne weiteres tun dürften, nicht tun sollten, wenn es andere zum Straucheln bringen könnte, wieviel weniger sollten wir dann ein Unrecht tun und dadurch Ursache zum Straucheln geben! Mit diesem Gedanken im Sinn betete Paulus für seine Brüder in Philippi: „Daß eure Liebe noch mehr und mehr überströme mit genauer Erkenntnis und allem Unterscheidungsvermögen, damit ihr euch der wichtigeren Dinge vergewissern mögt, um bis zum Tage Christi lauter zu sein und nicht andere zum Straucheln zu bringen.“ Durch diese ermahnenden Worte bat er sie eigentlich, ihn nachzuahmen, denn an seine Brüder in Korinth schrieb er: „In keiner Weise geben wir irgendeine Ursache zum Straucheln, damit unser Dienst nicht bemängelt werde.“ — Phil. 1:9, 10; 2. Kor. 6:3.
Das Werk, das Jehova Gott zur Zeit durchführen läßt, ist Gemeinschaftsarbeit. Wie beim menschlichen Körper die Glieder, so trägt auch in diesem Werk jeder einzelne zum Wohl der anderen bei, und jeder einzelne ist auf die anderen angewiesen. Könnte eine Hand oder ein Zeh getrennt vom Körper leben? Könnte eines dieser Glieder, vom Körper getrennt, eine nützliche Funktion erfüllen? So wie jedes Glied des menschlichen Körpers zum Wohl der übrigen Glieder beiträgt, so sollte es auch unter Christen sein. (1. Kor. 12:12-26) Jeder Christ sollte deshalb darauf achten, daß er seinem christlichen Bruder keinen Anlaß zum Straucheln gibt. Wenn man mit Christen zu tun hat, die einer anderen Rasse oder Nation angehören, sollte man ihre empfindlichen Seiten berücksichtigen und sie nicht irgendwie beleidigen. Bist du ein reifer Diener Gottes? Dann achte darauf, daß du den Jugendlichen und den Neuen, die von dir wahrscheinlich viel erwarten, keinen Anlaß zum Straucheln gibst.
Andererseits sollte jeder daran denken, daß niemand vollkommen ist. Wenn daher jemand einen biblischen Grundsatz übertreten oder gegen dich persönlich gesündigt hat, ist das kein stichhaltiger Grund, Anstoß zu nehmen. An anderen Anstoß zu nehmen ist, wie wir gesehen haben, unvernünftig, unrecht und lieblos. Handelt es sich um eine schwere Verfehlung? Dann sollte die Versammlung Schritte unternehmen. Hat jemand dir persönlich unrecht getan? Dann gehe gemäß dem Gebot Jesu in Matthäus 18:15-17 vor. Handelt es sich um etwas anderes? Dann vergiß es, indem du die Liebe übst, die eine Menge von Sünden zudeckt. — 1. Petr. 4:8.
Wenn du an dem, was andere getan haben, Anstoß nimmst und deswegen aufhörst, Jehova Gott zu dienen, dann ziehst du dir sein Mißfallen zu. Du machst andere und dich selbst unglücklich. Der einzige, den du glücklich machst, ist Satan, der Teufel, denn er freut sich, unter Gottes Volk Zwietracht zu säen und Unfrieden zu stiften. Das möchtest du bestimmt nicht! — Spr. 6:16-19.
Ja, laß nicht zu, daß dich jemand deiner Freude beraubt. Halte an deiner Hoffnung auf ewiges Leben fest. Denke an die vielen Segnungen, die dir zuteil werden, wenn du dich an dem Werk beteiligst, durch das allen, die hören, diese gute Botschaft von Gottes Königreich gepredigt wird. Sieh das Gute in denen, die mit dir Gott dienen, und du wirst es mit ihnen erleben, daß Geben beglückender ist als Empfangen!
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Von einem todähnlichen Zustand zu einem neuen LebenDer Wachtturm 1969 | 15. Oktober
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Von einem todähnlichen Zustand zu einem neuen Leben
Von Inez Wiese erzählt
ES WAREN wirklich schwere Zeiten, die Jahre von 1939 bis 1945! Mein Mann und ich hatten mehr als zwanzig Jahre lang in Hamburg (Deutschland) gelebt, und während jener Kriegsjahre wurden die Nahrungsmittel knapp. Schlimmer konnte es gar nicht werden — so dachten wir. Aber dann wurden wir eines Abends spät alle durch einen eigenartigen scharfen Geruch wach. Wir gingen hinaus und schauten im Garten nach, und was für ein Anblick bot sich unseren Augen? Im Garten war alles — Gemüse, Blumen, Obst und sogar die Bäume — durch die starken Gase einer Bombe zerstört. In jeder Nacht gab es Bombenangriffe. Hamburg war ein Schlachtfeld.
Welch ein Gegensatz zu meiner Jugendzeit in Kolumbien (Südamerika)! Meine britischen Eltern zogen, als ich noch klein war, nach Bogotá. Als ich herangewachsen war, heiratete ich einen Deutschen, und wir zogen nach Hamburg. Wir hatten selbst keine Kinder, aber wir nahmen drei Kinder auf, die ihre Mutter verloren hatten, und sie wurden uns wie eigene Kinder.
Aber nun war das Mädchen verheiratet und wohnte nicht mehr bei uns. Unsere zwei Jungen starben im Kriegsdienst. Bald darauf erkrankte mein Mann an einem Nervenleiden und starb an einem Herzanfall. Ich war ganz allein, ohne Mittel und nicht in der Lage, mit meinen Verwandten in Kolumbien Verbindung
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