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Was tun gegen die Gewalt in der Familie?Erwachet! 1979 | 8. August
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Empfindungen zu konzentrieren, trägt ebenfalls zu dem Problem der Gewalt in der Familie bei (Phil. 2:4). Die Frau mag erwarten, daß der Mann ihre neue Frisur sieht und sich darüber äußert, ohne daß sie ihn darauf aufmerksam machen muß. Er dagegen meint vielleicht, daß sie durch Intuition wisse, wie fürchterlich der Verkehr an diesem Tag gewesen ist. Solche Dinge können zu einem Ehekrach und zu Handgreiflichkeiten führen. Größere Offenheit in einem solchen Augenblick wird nützlich sein. Zum Beispiel könnte er sagen: „Es ist eine richtige Wohltat, nach einem solchen Tag nach Hause zu kommen.“ Sie könnte sagen: „Heute habe ich mir die Haare schneiden und neue Dauerwellen machen lassen.“ Sage deinem Ehepartner, was dich bewegt, anstatt von ihm ein übertrieben großes Einfühlungsvermögen zu erwarten. Solche offenen Äußerungen können zu einem Gespräch führen, das Gewalttätigkeit verhindert.
Auch die Geldangelegenheiten der Familie müssen besprochen werden. Man sollte Zeit reservieren, um das zu tun, und niemals zulassen, daß sie ein Anlaß für Groll oder Spannungen werden. Ein Soziologe ermittelte, daß „bei 28 Prozent der Angriffe auf die Ehefrau Geldprobleme mitverantwortlich waren“. Zu heftigen Auseinandersetzungen kommt es besonders dann, wenn die Frau dem Mann immer wieder vorwirft, er verdiene nicht soviel wie andere Männer in der Nachbarschaft oder er verdiene nicht so viel, daß sie sich kaufen könne, was sie möchte. Wenn der Mann immer wieder solche Vorwürfe hört, kommt er sich schließlich minderwertig und unfähig vor, seine Familie richtig zu ernähren. Eine vorzügliche Grundlage für ein Gespräch zwischen Mann und Frau über das Einkommen und den Haushaltsplan bilden die inspirierten Worte aus 1. Timotheus 6:6-10, 17-19 und Matthäus 6:24-34. Der Mann oder die Frau könnte diese Texte vorlesen, und dann könnten sie gemeinsam über den Kauf von neuen Möbeln, neuen Kleidern oder anderen Dingen sprechen.
Während man ruhig miteinander spricht, könnten auch Themen wie Eifersucht angeschnitten werden. Die Frau mag eifersüchtig auf eine andere Frau sein (oder der Mann auf einen anderen Mann) oder auf eine Verwandte, der der Mann große Aufmerksamkeit schenkt, oder auf seinen Beruf, weil er ganz darin aufgeht. Nach der bereits erwähnten Studie spielte bei „35 Prozent der Angriffe auf die Ehefrau die Eifersucht eine Rolle“. Sprüche 6:34 und der Kontext dieses Verses zeigen, daß es bei berechtigter Eifersucht gewöhnlich zu einem Wutausbruch kommt und der Betroffene Rache nehmen möchte. Aber manchmal wird jemand aus Eifersucht gewalttätig, obschon er so gut wie keinen oder absolut gar keinen Grund dazu hat. Anstatt das Gefühl der Eifersucht aufstauen zu lassen wie Dampfdruck in einem Heißwasserspeicher, bis es eine fürchterliche Explosion gibt, sollte man während eines ruhigen Gesprächs mit dem Ehepartner sachlich (nicht vorwurfsvoll) erwähnen, wie man empfindet. Es mag große Beherrschung erfordern, ruhig zu sprechen, aber wenn dadurch erreicht wird, daß man sich gegenseitig besser versteht, ist die Gefahr, daß es zu Gewalttätigkeiten kommt, schon fast gebannt (Spr. 14:30; 27:4)
Wenn es dir bisher schwergefallen ist, mit deinem Mann (deiner Frau) über Familienangelegenheiten und über deine Empfindungen zu sprechen, und es zwischen euch zu Gewalttätigkeiten gekommen ist, dann überlege dir, ob du dich nicht an eine reife, ausgeglichene Person wenden solltest, die als neutraler, doch an eurem Wohl interessierter Zuhörer bei einem solchen Gespräch dabeisein könnte. Der Soziologe John E. O’Brien, der eine Untersuchung über das Thema „Gewalttat in scheidungsgefährdeten Familien“ durchführte, schrieb:
„Solche Befürchtungen sollte man zur Sprache bringen und diskutieren, sobald sie auftreten. Wenn es den Eheleuten unmöglich ist, unter vier Augen miteinander zu sprechen, sollten sie sich einen Vermittler suchen.“
Prediger der Zeugen Jehovas, die von Personen, die sich mit der Bibel beschäftigen, oder von Gliedern der Versammlung, die Eheprobleme haben, gebeten worden sind, als das zu fungieren, haben in vielen Fällen helfen können. Auf die Bitte eines Ehepaares hin kann ein christlicher Prediger beiden behilflich sein, sachlich über ihre Empfindungen oder Probleme zu sprechen und sie im Licht der Heiligen Schrift abzuwägen, über die geschrieben steht, sie sei nützlich „zum Richtigstellen der Dinge“ (2. Tim. 3:16, 17).
Warum die Bibel?
Es ist dir sehr wahrscheinlich aufgefallen, daß die meisten der besten und praktischsten Ratschläge zur Lösung oder Verhütung des Problems der Gewalt in der Familie aus dem Worte Gottes stammen. Das ist zu erwarten, denn der Verfasser dieses Buches ist der Urheber der Familie, und er hat im Laufe der Menschheitsgeschichte schon viele Gewaltfamilien, aber auch harmonische Familien beobachtet. Die Heilige Schrift enthält göttliche Ratschläge, durch die, wenn man sie anwendet, das wachsende Problem der Gewalt in der Familie am besten gemeistert werden kann.
In der Bibel wird beispielsweise wiederholt gesagt, daß Mann und Frau sich als „e i n Fleisch“ sehen sollten (1. Mose 2:24; Mark. 10:8; Eph. 5:31). Wenn Eheleute den eigentlichen Geist dessen, was Gott mit diesen Worten sagen möchte, erfassen, wird es zwischen ihnen sehr wahrscheinlich zu keinen Handgreiflichkeiten kommen. In Epheser 5:28, 29 wird außerdem noch gesagt: „Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst, denn kein Mensch hat je sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt und hegt und pflegt es.“ Entspricht das nicht den Tatsachen? Bist du je über deine Hand so wütend gewesen, daß du sie mit einem Topf oder einem Hammer geschlagen hast? Oder warst du je so wütend über deinen Hals, daß du dich gewürgt hast?
Informieren wir uns außerdem nicht über unsere körperlichen Gebrechen, und nehmen wir nicht Rücksicht darauf, zum Beispiel auf Schwerhörigkeit? Eine solche Rücksichtnahme gehört sich auch in der Ehe. Eine Ursache vieler Ehestreitigkeiten ist jedoch die Meinung: „Warum bist du so anders als ich? Warum betrachtest du alles anders als ich oder tust es anders, als ich es tun würde?“ Vielleicht wird es nicht gerade mit diesen Worten gesagt. Doch mag es in folgenden Äußerungen zum Ausdruck kommen: „Warum hast du den Tisch nicht abgewischt, bevor du dich vor den Fernseher gesetzt hast?“ Oder: „Warum steckst du deine dreckigen Socken in die Schuhe, anstatt sie in die Wäsche zu tun?“ Der zugrundeliegende Gedanke ist der gleiche. Aber ein Mann (eine Frau), der die göttliche Auffassung, daß zwei Eheleute ein Fleisch sind, teilt, ist eher bereit, Eigenheiten oder Schwächen des anderen zu tolerieren, während dieser daran arbeitet, sie zu überwinden. In der Bibel lesen wir die weisen Worte: „Eines Menschen Einsicht verlangsamt sicherlich seinen Zorn, und es ist für ihn etwas Schönes, Übertretung zu übergehen“ (Spr. 19:11).
Ein Ehepaar, das die Bibel akzeptiert und sich danach ausrichtet, wird auch regelmäßig gemeinsam beten (1. Petr. 4:7). Wie stärkend ist es für Mann und Frau, eng beisammen und in seelischem Gleichklang zu sein, während sie demütig Gott um Hilfe und Barmherzigkeit bitten. Im Zusammenhang mit dem Problem der Gewalt in der Familie schrieb der New Yorker Psychologe S. Didato interessanterweise:
„Ich gebe Ehepaaren oft den Rat, in ihrer Hochzeitsnacht zu beten. Wenn sie sich das angewöhnen, wird es nicht so ohne weiteres zu Gewalttätigkeiten in der Ehe kommen.“
Als Zoila und David begannen, die biblischen Grundsätze anzuwenden, wurde auch das Gebet ein Bestandteil ihres Lebens. Zoila, eine Peruanerin, erzählte:
„Unsere Ehe war eine Katastrophe. David ging jeden Abend weg und verbrauchte alles Geld, so daß ich oft nicht einmal mehr das Lebensnotwendige hatte. Er verprügelte mich häufig; sogar als ich schwanger war, schlug er mir ein Auge blau und brach mir einen Finger. Ich mußte meinen Leib schützen, um zu verhindern, daß mein ungeborenes Kind verletzt wurde.“ Als einmal Davids Tante, eine Zeugin Jehovas, zu Besuch kam, begann sie mit ihnen die Bibel zu studieren. David erkannte, wie verkehrt er gehandelt hatte, ja er weinte sogar deshalb. Auch war er zutiefst erschüttert, als er erfuhr, daß er keine Aussicht hatte, von Jehova anerkannt zu werden, wenn dieser die Bösen vernichtet, es sei denn, daß er sich ändert. Von da an bemühten sich beide, die Grundsätze der Bibel anzuwenden, und das half ihnen, andere Menschen zu werden. Nun gehört die Gewalt in ihrer Ehe der Vergangenheit an.
Die Gewalt in der Familie — Angriffe auf die Frau oder auf den Mann oder Kindesmißhandlungen braucht kein unlösbares und unvermeidliches Problem zu sein, obschon wir immer wieder in der Presse lesen, daß es stets größere Ausmaße annimmt. Jeder, sei es, daß er bisher zu den Opfern gezählt hat oder selbst gewalttätig gewesen ist, kann beginnen, Gottes vollkommene Ratschläge anzuwenden. Das wird zur Folge haben, daß die Gewalt auch in seiner Familie bald der Vergangenheit angehören wird.
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Geht es mit der Liebe abwärts?Erwachet! 1979 | 8. August
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Geht es mit der Liebe abwärts?
Bei der jüngsten Harris-Umfrage wurden 1 442 Erwachsene in ganz Amerika gebeten, der Wichtigkeit nach 10 Dinge aufzuzählen, die sie glücklich machten und befriedigten. Was an erster Stelle erwähnt wurde, war eine gute Gesundheit (97 Prozent). Dann kam das Familienleben (92 Prozent), dann Herzensfrieden (91 Prozent) und von anderen geachtet zu werden (76 Prozent). Schließlich folgten Freunde (71 Prozent), Bildung (69 Prozent), Arbeit (60 Prozent), Religion (58 Prozent), Sex (38 Prozent) und erotische Liebe (33 Prozent).
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