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Berichte aus dem Jahrbuch 1952 der Zeugen JehovasDer Wachtturm 1952 | 15. Februar
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Vortrag anhöre. Die kleine Verkündigergruppe liess aber nicht nach und begab sich nicht einfach in ein neues Gebiet. Nein, sie kündete eine weitere Ansprache am gleichen Orte an, und wiederum arbeitete die Geistlichkeit sehr wider Jehovas Zeugen. Da es unmöglich war, einen Saal für den Vortrag zu bekommen, wurde es nötig, den zweiten öffentlichen Vortrag im Freien, in der Nähe eines Schlossturmes, abzuhalten. Diesmal waren 80 der katholischen Einwohner anwesend!
Gegenwärtig hat die Wahrheit in ganz Österreich freien Lauf, und wir freuen uns, dass eine noch nie erreichte Höchstzahl zu verzeichnen ist — 2702 Verkündiger. Jehovas Zeugen blicken in diesem Lande einem weiteren Jahre der Wohlfahrt entgegen, in welchem sie dem Höchsten noch mehr lobsingen können.
SCHWEIZ
Im Herzen Europas, an einem der wohlbekanntesten Flecken konzentrierter Schönheit, liegt das kleine Land, die Schweiz. Hier hat die Gesellschaft ein Zweigbüro und eine Druckerei, und im Laufe des Jahres ist viel gedruckt worden, um französische und deutsche Literatur zu liefern. Es gibt noch eine Menge Arbeit zu tun, um die Gefangenen zu befreien; und jene, die frei sind, das Wort Gottes ungehindert zum Ausdruck zu bringen, gehen voran und machen die gute Botschaft von Jehovas Vorhaben bekannt. Der Zweigdiener hat einen interessanten Bericht eingesandt, und Auszüge daraus werden hier veröffentlicht.
Das vergangene Jahr ist zufolge der unverdienten Güte Jehovas ein solches der Ausdehnung gewesen. Von den 100 Gruppen im Lande erreichten 20 ihre Quote von 34 Prozent. Die durchschnittliche Zunahme der Verkündiger belief sich auf 14 Prozent, und wir hatten eine Verkündigerhöchstzahl von 2728. Die verschiedenen Sprachgebiete sind daran wie folgt beteiligt: Zunahme im deutschen Teil: 12,8 Prozent, im französischen: 22,8 Prozent (gegenüber 13 Prozent im letzten Jahr) und im italienischen Teil: 45 Prozent.
Ein Höhenlicht war die Bezirksversammlung vom Oktober in Basel, wo viele Programmpunkte des Neuyorker Kongresses wiederholt wurden. Manche der 100 Schweizer Verkündiger, die im Yankee-Stadion anwesend gewesen waren, erstatteten lebhafte Berichte. Am öffentlichen Vortrag waren 3660 anwesend, und nach dieser begeisterten Zusammenkunft überschritten beide Teilgruppen von Basel ihre Quote von 34 Prozent, indem sie insgesamt eine Höchstzahl von 352 Verkündigern berichten konnten.
Eine Kreisversammlung im katholischen Luzern war durch ein interessantes Begebnis gekennzeichnet. Ein Verein katholischer Jünglinge, die gemäss Berichten durch ihren Priester dazu ermuntert worden waren, kamen mit der Absicht zu stören zum öffentlichen Vortrag. Etwa ihrer 50 hatten auf der obersten Galerie Platz genommen und fingen bald an, zu pfeifen und zu stampfen. Nach der Bitte des Redners um Ruhe wurden die Störefriede durch das Erscheinen eines Trupps „stämmiger“ Saalordner auf dem Balkon in Schach gehalten. Nach dem Vortrag erhielten nicht weniger als vier Gruppen dieser jungen Leute an Hand der offenen Bibel ein intensives Zeugnis als Beweis des Truges der katholischen Tradition, und etwas später sah man, wie einige mit einem Buch, einer Broschüre oder einer Zeitschrift versehen davongingen.
In katholischen Gebieten besonders ist von Pionieren in jüngster Zeit viel Fortschritt erzielt worden, und dies trotz dem Widerstand von kirchlicher und polizeilicher Seite. An einem Ort, wo zwei Pioniere mit alleinstehenden Interessierten gearbeitet haben, ist nun eine Gruppe von 21 Verkündigern entstanden. Die Gruppen im Italienisch sprechenden Teil der Schweiz haben beide ihre Quote von 34 Prozent erreicht. Ein alleinstehender Pionier, der in katholischen Bergtälern wirkte, hatte die begeisternde Freude zu sehen, wie die Ortsgruppe auf 12 Verkündiger anstieg, wodurch die 34 Prozent erreicht waren.
Über ein weiteres katholisches Gebiet berichtend, sagt ein Pionier: „Hier ist die Menschenfurcht allmächtig. Als ich kürzlich mit einer Interessierten in einem Dorfe arbeitete, kamen wir zum Hause des Priesters. Er hiess uns eintreten und begann mich dann gleich einem Untersuchungsrichter ins Kreuzverhör zu nehmen. Zuerst wollte er wissen, wer uns gesandt habe. Ich sagte ihm: ‚Bestimmt wissen Sie, dass Christus seine Jünger aussendet, das Königreich zu predigen.‘ ‚Haben Sie eine Bewilligung?‘ fragte er. ‚Ja, dieselbe wie jene, die Jesus seinen Jüngern gab, sein Königreich bis ans Ende dieser Welt zu predigen.‘ Darauf sagte der Priester, er werde der Polizei rufen, worauf ich ihn daran erinnerte, dass dies der Handlungsweise der Schriftgelehrten und Pharisäer gegen Jesus ähnlich wäre, als sie ihn bei Pilatus anzeigten. Als ich in der darauffolgenden Woche ins Dorf zurückkehrte, sagten mir alle dasselbe: sie seien gewarnt worden, dass, wenn sie unsere Schriften abnähmen, sie aus der Kirche exkommuniziert würden. Dennoch hörten alle zu, und so konnte ich zwei Bücher abgeben. Sie wollten wissen, warum der Priester gegen uns sei und verboten habe, dass sie die Bücher lesen. Heute besteht eine organisierte Gruppe von 5 Personen.“
Viele interessante Erfahrungen machen die Gileadabsolventen im Missionarheim Genf, das sich in einem Viertel befindet, wo viele Diplomaten der UN. wohnen. Oft haben sie Gelegenheit, diesen Menschen Zeugnis zu geben, und es werden nun zwei Bibelstudien abgehalten. Es ist ganz interessant, so berichten sie, zu hören, wie einige der UN.-Leute die Hoffnungslosigkeit dieser versagenden Organisation zugeben, und ferner, dass die von Jehovas Zeugen verkündete Botschaft die einzig vernünftige Hoffnung für die Menschheit zu sein scheine.
Dieses Jahr hat wiederum seine Ernte an gesetzlichen Problemen gezeitigt, wobei die Streitfrage über ‚Hausieren ohne Patent‘ die hervorragendste gewesen ist. Zwanzig Fälle wurden während des Jahres berichtet, fünf wurden erfolgreich ausserhalb der Gerichte erledigt, und acht Fälle kamen vor Gericht, auch der Appellationsfall vom letzten Jahr im Kanton Waadt. Diese Appellation kam am 20. September 1950 vor das Schweizer Bundesgericht. Dieses Gericht zieht nur die schriftlichen Rechtsargumente in Erwägung und hat während langer Zeit in der Hausier-Streitfrage beharrlich gegen uns entschieden. Nach einer 70 Minuten dauernden Diskussion fällte das Gericht ein Urteil mit 5 gegen 2 Stimmen gegen uns, wobei es den alten Präzedenzfällen folgte. Trotz diesem Urteil haben die Verkündiger die Predigttätigkeit unerschrocken fortgesetzt, und zwei Monate danach wurde in Lausanne, dem Sitz des Bundesgerichts, auch im Kanton Waadt, eine dreitägige Bezirksversammlung abgehalten mit intensiver Arbeit von Haus zu Haus und Zeugnisdienst auf den Strassen. Keine einzige Anzeige erfolgte durch die Polizei! Und am Sonntag waren mehr Leute am öffentlichen Vortrag anwesend als je zuvor!
Als Krönung des Jahres kam der internationale Kongress in London, gefolgt von den Kongressen in Paris und Frankfurt, denen viele Schweizer Verkündiger beiwohnten, die ermutigt und gestärkt zurückkehrten, und dies wird bestimmt seine Früchte im andauernden grossartigen theokratischen Fortschritt bringen. Am Schlusse dieses Jahres hatten wir die Freude, in der Druckerei und im Büro Bern nach den europäischen Kongressen den Besuch von mehr als 250 amerikanischen und kanadischen Brüdern zu erhalten, darunter manche vom Bethel Brooklyn. So freuen wir uns denn auf noch weitere Gelegenheiten, ‚Jah zu lobpreisen, weil Jehova, unser Gott, der Allmächtige, als König zu herrschen begonnen hat‘.
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Überrascht durch das Verhalten eines GeistlichenDer Wachtturm 1952 | 15. Februar
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Überrascht durch das Verhalten eines Geistlichen
● Heute morgen predigte ich während eines Schneetreibens das Evangelium von Haus zu Haus. An der dritten Tür konnte ich eine Bibelstudienhilfe abgeben. Als ich die Strasse zurückging, kam die Dame, die das Buch genommen hatte, heraus und sagte, ihr Vikar sei soeben gekommen, ob ich nicht hereinkommen würde? Jetzt heisst es sich stellen, dachte ich. Aber zu meiner Überraschung hiess er mich herzlich willkommen und sagte, er habe eben das Buch durchgeblättert, das ich bei der Dame zurückgelassen habe, und der Titel und die vielen Schriftzitate hätten ihm grossen Eindruck gemacht. Er fügte bei: „Ich bewundere Euch Leute, dass ihr bei jedem Wetter kommt, um dieses Werk zu tun, und je mehr ich über Euch lese, desto mehr empfinde ich die Nutzlosigkeit materieller Dinge und die Notwendigkeit des Reiches Gottes.“ Er schloss mit der Frage: „Was für Bücher haben Sie für mich in ihrer Tasche?“ Als Ergebnis konnte ich ohne grosse Anstrengung ein Abonnement auf die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! notieren. — J. W., England.
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