Berichte aus dem Jahrbuch 1961 der Zeugen Jehovas
WESTDEUTSCHLAND
Verkündiger-Höchstzahl Bevölkerung Verhältnis
68 606 53 372 200 1 zu 778
Jehovas Zeugen in Deutschland hatten die Freude, im letzten Jahr drei sehr schöne Kongresse zu erleben. Beim öffentlichen Vortrag waren insgesamt 77 460 Personen zugegen, und mit Freuden nahm man davon Kenntnis, daß 1691 Personen bei diesen Bezirksversammlungen, die unter dem Motto „Jage dem Frieden nach“ standen, getauft wurden. Auch wurden einige neue Publikationen herausgegeben. Nun blicken in Deutschland alle dem internationalen Kongreß entgegen, der für die Zeit vom 18. bis 23. Juli in Hamburg geplant ist. Mittlerweile gibt es noch vieles zu tun, um die Verkündigung der guten Botschaft vom Königreiche zu fördern. Jehovas Zeugen müssen den Kampf gegen die Gleichgültigkeit und die Sittenverderbnis der bösen alten Welt fortsetzen und dem Widerstand die Stirn bieten, der sich gegen die Wahrheit erhebt und beständig in Pamphleten und Sonderflugschriften zum Ausdruck gekommen ist. Religiöse Kreise, die von der Geistlichkeit Westdeutschlands angestachelt wurden, haben die Bevölkerung einzuschüchtern versucht, indem sie den Kirchgängern vorgedruckte Zettel überreichen ließen, die besagten, daß Jehovas Zeugen der Zutritt zu den Wohnungen verboten sei. Das deutsche Volk beachtet diese Warnung der Geistlichkeit im allgemeinen aber nicht. Auch der Materialismus — das in der ganzen Welt gepriesene „deutsche Wirtschaftswunder“ — verschlingt wie ein unersättliches Raubtier seine Opfer. Alle, die ihr Leben dem Tun des Willens Jehovas widmen und zuerst nach dem Königreich und nach Gottes Gerechtigkeit trachten, müssen sich beständig vor diesen Einflüssen hüten. Der Zweigdiener erzählt uns einige interessante Erfahrungen:
Durch den Ferienpionierdienst sind viele angespornt worden, in den allgemeinen Pionierdienst einzutreten, was nicht immer ohne Kampf gelang. So berichtet eine Schwester, daß es ihr Problem war, eine Halbtagsbeschäftigung zu bekommen. Sie trug ihrem Chef ihren Wunsch vor, doch dieser lehnte ab. Da die Schwester aber entschlossen war, den Pionierdienst aufzunehmen, kündigte sie ihre Stellung. Darauf bestürmten sie ihre Berufskollegen, doch zu bleiben. Die Schwester erklärte ihnen aber, daß sie den Predigtdienst als ihre wichtigste Aufgabe in ihrem Leben ansehe und daher nicht mehr bleiben könne. Das bewirkte, daß ihre Berufskolleginnen geschlossen ebenfalls zu ihrem Chef gingen und ihre Stellung kündigten. Als er die Situation übersah, gab er nach, und seit dieser Zeit arbeitet unsere Schwester vier Stunden täglich in dem Betrieb, und in der übrigen Zeit steht sie im Vollzeitdienst.
In einem Gebiet mit einer intoleranten Bevölkerung arbeiteten im Mai 1959 zwei Sonderpioniere und drei Brüder, die den Dienst eben erst aufgenommen hatten. Noch im selben Jahr folgten drei Familien dem Ruf aus „Mazedonien“, und die Sonderpioniere konnten sich einem anderen Gebiet zuwenden, während die Hinzugezogenen die Arbeit fortsetzten. Die Verkündigerzahl stieg nun sehr schnell an und beträgt jetzt bereits 22. Schon im Herbst konnte eine Versammlung registriert werden, die beim Gedächtnismahl sogar 49 Anwesende berichtete. Inzwischen hatten die Brüder einen eigenen Königreichssaal errichtet, der bei der Vorführung des Films „Göttlicher Wille“ im Juni 1960 die 70 Anwesenden kaum zu fassen vermochte.
Ebenfalls aus einem Gebiet, wo Hilfe not tut, erstattet ein Bezirksdiener einen interessanten Bericht: „Ein Mann aus Norddeutschland sah keine andere Möglichkeit mehr als die, mit seiner Frau, die sich für die Königreichsbotschaft interessierte, in ein kleines, abseits gelegenes Dorf in Süddeutschland zu ziehen, um ihr Zusammenkommen mit Jehovas Zeugen zu unterbinden. Doch zwei Wochen später sprachen auch dort Verkündiger vor. Die Frau unterrichtete sie von der Einstellung ihres Mannes und bat sie, am darauffolgenden Sonntag, wenn er selbst zu Hause sei, nochmals vorzusprechen. Bei diesem Besuch machten die Verkündiger einen guten Eindruck auf den Mann, so daß sogleich ein Bibelstudium eingerichtet werden konnte. Inzwischen hat er sich Jehova hingegeben und ist ein eifriger Verkündiger geworden. So war er, ohne es zu wissen und zu wollen, in ein Gebiet gezogen, wo ‚Hilfe noch not tut‘, und dient jetzt dort.“
OSTDEUTSCHLAND
In Ostdeutschland haben sich die Verhältnisse nicht viel geändert. Die Kommunisten sind so eifrig wie je bemüht gewesen, die Verkündiger der guten Botschaft zum Schweigen zu bringen. Am Ende des Dienstjahres befanden sich 468 Verkündiger in kommunistischen Gefängnissen und Zuchthäusern. Im Laufe des Jahres gab es 97 neue Fälle, in denen Verkündiger verhaftet wurden. Nun sind die ersten wenigen Brüder freigelassen worden, die ihre volle Strafe von zehn Jahren Zuchthaus abgebüßt haben, nachdem sie im Jahr 1950, kurz bevor die Kommunisten das Verbot erließen, verhaftet worden waren. Doch 33 von denen, die noch im Gefängnis sind, müssen Strafen von zwölf bis fünfzehn Jahren absitzen, und zwei von ihnen sind sogar „Lebenslängliche“. Welch grausame Behandlung treuer Christen, die nie etwas anderes im Sinn hatten als ihren Nächsten Gutes zu tun!
Haben sich indes die Verkündiger in Ostdeutschland durch diese unmenschliche Behandlung ihrer Brüder durch die kommunistischen Behörden von der ihnen von Gott gegebenen Aufgabe, das Königreich als des Menschen einzige Hoffnung zu predigen, zurückschrecken lassen? Nein, vielmehr haben sie die Ermahnung des Petrus im Sinn behalten, die lautet: „Geliebte, laßt euch das, was in eurer Mitte brennt und euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes. Im Gegenteil, freut euch weiterhin, insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, damit ihr auch während der Offenbarung seiner Herrlichkeit euch freut und jubelt.“ (1. Pet. 4:12, 13, NW) Und durch Jehovas unverdiente Güte haben unsere Brüder im vergangenen Jahr sehr gute Arbeit geleistet.
Als eine Verkündigerin im Zuge saß, fing sie mit einer Dame ein Gespräch an, mußte es aber bald abbrechen, weil eine andere Frau das Abteil betrat, von der sie wußte, daß sie eine Gegnerin der Wahrheit ist. Immerhin konnte sie sich noch die Adresse ihrer freundlichen Mitreisenden beschaffen. Das Ergebnis des ersten Nachbesuchs bei dieser Frau war deren Wunsch, eine Bibel zu erhalten. Dann folgten mehrere Nachbesuche, und auch der Mann schaltete sich in die Gespräche mit ein. Er war ein Kandidat der SED. Zuerst suchte er in der Botschaft anfechtbare Punkte zu finden. Aber nach einer Weile sagte er zu seiner Frau: „Diese Frau ist nicht klein zu kriegen. Sie beweist alles, was sie sagt, mit der Bibel.“ Die Verkündigerin konnte ein Heimbibelstudium in Gang bringen. Die Frau wurde zuerst ein Zeuge Jehovas und ließ sich taufen. Ihr Mann folgte nach einem langen, lästigen Kampf, durch den er sich von der kommunistischen Partei löste. Auch die Kinder interessierten sich für die Wahrheit. Das Ehepaar mußte später wegen des kommunistischen Druckes nach Westdeutschland flüchten. Dort ist die Tochter inzwischen getauft worden, und mit dem Sohn führt ein Bruder ein Heimbibelstudium durch. All dies geschah, weil unsere Schwester die Initiative ergriff, um bei einer sich bietenden Gelegenheit Zeugnis zu geben, und weil sie den gefundenen interessierten Menschen gewissenhaft betreute.
Christen leben und handeln nicht nur in ihrem Predigtdienst gemäß christlichen Grundsätzen, sondern vierundzwanzig Stunden am Tag. Es gibt auch vorzügliche Möglichkeiten zum gelegentlichen Zeugnisgeben, während man einer weltlichen Beschäftigung nachgeht. Mehrere Brüder arbeiteten zusammen in einer Werkstatt. Drei Frauen, die ihre Arbeit dort erst vor kurzem aufgenommen hatten, bemerkten, daß die Brüder sich anders verhielten als ihre Mitarbeiter. Deshalb bekamen die Brüder eine gute Gelegenheit, mit diesen Frauen über die Wahrheit zu sprechen. Als Weihnachten kam, wollten sie wissen, warum die Brüder dieses Fest nicht feierten. Bald danach luden sie die Verkündiger zu sich in ihre Wohnung ein, damit alle ihre Angehörigen hören könnten, was sie selbst gehört hatten. In allen drei Familien wurde Interesse an der Botschaft geweckt, und so konnten die Brüder mit jeder Familie ein Heimbibelstudium beginnen.
Vor zwei Jahren wurde ein Bruder aus einem Zuchthaus entlassen. Seine Gesundheit war schon im Gefängnis sehr mangelhaft gewesen, aber er dachte nicht, für ihn gebe es jetzt nichts mehr zu tun. Im Gegenteil, sogleich nahm er seine Predigttätigkeit dort wieder auf, wo er sie hatte abbrechen müssen, als er einige Jahre zuvor ins Gefängnis gekommen war. Jetzt fand er, daß inzwischen viel Interesse wach geworden war. Er und seine Frau haben nun die große Freude gehabt zu sehen, wie siebzehn Personen, denen sie geholfen haben, die Wahrheit kennenzulernen und Jehova zu dienen, ihren Schritt der Hingabe an Gott symbolisierten. Welch ein reiches Feld, das reif ist zur Ernte! Weder die frostigen Winde des kalten Krieges noch die erbarmungslose Behandlung durch die Kommunisten konnte die Ernte vernichten, die bereit ist, eingesammelt zu werden, noch vermochten sie den Geist dieser frohen Erntearbeiter zu brechen. Auf das vergangene Jahr zurückblickend, können unsere Brüder in Wahrheit sagen: „‚Die Freude an Jehova‘ ist unsere Stärke gewesen.“
FRANKREICH
Verkündiger-Höchstzahl Bevölkerung Verhältnis
15 439 45 355 000 1 zu 2937
Das Dienstjahr 1960 ist eines der bemerkenswertesten Jahre gewesen, die unsere Brüder in Frankreich je erlebt haben. Nicht nur sind sie in ein neues Bethelheim eingezogen und haben es eingerichtet, sondern sie haben auch eine neue Druckerei in Gang gebracht, haben eine Linotype-Maschine, Druckpressen, Falz- und Heftmaschinen installiert. Dort wird nun das gedruckt, was unsere Brüder in Frankreich benötigen. Auch hatte man die Freude, eine neue Verkündiger-Höchstzahl, nämlich 15 439, zu erreichen, und freute sich über die Tatsache, daß es in Frankreich heute nur noch drei Städte mit über 20 000 Einwohnern gibt, von denen gesagt werden kann, es sei noch jungfräuliches Gebiet. Es werden große Anstrengungen gemacht, Sonderpioniere oder Pioniere in die größeren Städte zu senden, so daß in ganz Frankreich ein gutes Zeugnis vom Königreich gegeben werden kann. Das Zweigbüro nimmt sich des Werkes in einer Anzahl Gebiete mit französischsprachiger Bevölkerung, wie Algerien, die Republiken Kamerun, Guinea, Malagasy, Senegal und Tunesien, an. Folgende kurze Berichte über die Tätigkeit an diesen Orten werden vom Zweigdiener erstattet:
Manchmal kommt es vor, daß Leute, mit denen wir Studien abhalten, den Wunsch hegen, daß andere nichts davon erfahren möchten; andere jedoch schämen sich nicht und sprechen zu anderen Leuten darüber, und so können sie viel Gutes tun. Ein Bruder hatte einige Male bei einer Familie vorgesprochen, ohne ein Studium in Gang bringen zu können. Beim letzten Besuch bat ihn der Mann sogar, er möchte eine Weile nicht mehr kommen. So ließ der Bruder vor dem nächsten Besuch etwas Zeit verstreichen, aber in der Zwischenzeit unterrichtete eine Bekannte diese Familie davon, daß Jehovas Zeugen ein Bibelstudium bei ihr zu Hause durchführten. Der Bruder erzählt, was dann geschah: „Eines Abends beschloß ich, wieder bei dieser Familie vorzusprechen und den Versuch zu machen, ein Studium einzurichten. Kaum hatte ich meine einleitenden Worte gesprochen, als der Mann mir zuvorkam und fragte: ‚Können wir in unserer Wohnung ein Studium haben, so wie Madame T.?‘ Ich erwiderte, daß ich gerade deswegen gekommen sei. Wir verabredeten, zwei Tage später, am Sonnabendabend mit dem Studium zu beginnen. Nach dem ersten Studium wies ich sie auf die Zusammenkunft hin, die wir am Sonntag abhalten, und sie fragten, ob sie am nächsten Tag mitkommen könnten. Eine Woche später besuchten der Mann, die Frau und die fünf Kinder alle miteinander das Versammlungsbuchstudium und die Dienstversammlung. Kurz danach begannen sie im Felddienst tätig zu sein. Das erste Mal, als der Mann allein von Tür zu Tür ging, erlangte er drei Abonnements und mußte dann aufhören, weil er keine Schriften mehr hatte. Vier Monate später wurden bei der Bezirksversammlung in Albi vier Glieder der Familie getauft. Einer der älteren Söhne war gerade fort, weil er in Paris arbeitete, und daher konnte er nicht mit den anderen Familiengliedern getauft werden, und zwei Kinder waren noch zu jung dazu. Der Sohn ist nun wieder zu Hause und ist jetzt ebenfalls ein Bruder. Die ganze Familie freut sich, ihre Zeit im Dienste für Jehova zu verbringen, und sie ist sehr gesegnet worden, denn jeder von ihnen führt heute ein eigenes Studium durch. Dabei vergesse man nicht, daß diese Leute strenge Katholiken waren, und der Mann hätte lieber sein Mittagessen als die Messe am Sonntagmorgen verpaßt!“
Was ist von den Kindern der Zeugen Jehovas zu sagen? Wie sollten sie erzogen werden, und welchen Anteil sollten sie am christlichen Predigtdienst haben? Als Antwort lese man folgenden Bericht, den ein Kreisdiener aus der Normandie einsandte: „Folgendes ist ein Brief, den ein Arbeiterpriester in Le Hâvre an die Eltern von zwei jungen Verkündigern von zehn und acht Jahren geschrieben hat. Diese hatten in der Nähe der Wohnung des Priesters gepredigt, und er schrieb den Brief, nachdem er ihnen zugehört hatte. Nachdem die Eltern den Brief empfangen hatten, war es ihnen möglich, dem Priester Zeugnis zu geben. Er suchte sie auf, und es zeigte sich, daß er in seiner religiösen Überzeugung erschüttert worden war. Hier folgt der Brief: ‚Madame, Monsieur: Ich bin immer noch im Bann des langen Gesprächs, das ich heute morgen mit Ihren beiden Kindern, Patrick und Philippe, gehabt habe, und da ich alles, was schön und aufrichtig ist, schätze, nehme ich mir die Freiheit, Ihnen als den Eltern zu schreiben, um Ihnen sozusagen zu gratulieren. Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, jemals gehört zu haben, daß Kinder über ihren Glauben so interessant, überzeugt und intelligent gesprochen haben wie besonders Patrick, der ältere der beiden. Wenn er so weitermacht, haben die Menschen in ihm durch Gottes Gnade einen wirklichen Mann. In einer Welt, deren Werte zusammenbrechen, ist es trostreich, auf Werte zu stoßen, die, wie ich hoffe, künftige Jahre zur Reife und zur Frucht bringen werden. Ich kenne Sie nicht, aber, an Ihren beiden Kindern gemessen, müssen Sie lobenswerte Eltern sein.‘“
LUXEMBURG
Verkündiger-Höchstzahl Bevölkerung Verhältnis
304 314 000 1 zu 1033
In diesem kleinen Herzogtum wurden Jehovas Zeugen während des Jahres dadurch glücklich, daß ihnen bei ihrer Bezirksversammlung „Jage dem Frieden nach“ zwei Neuerscheinungen in die Hand gelegt wurden: „Dein Wille geschehe auf Erden“ und Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben. Diese beiden deutschen Publikationen wurden von allen Brüdern begeistert entgegengenommen. Sie werden dazu gebraucht werden, um den anderen Schafen das Vorhaben Jehovas verstehen zu helfen und ihnen zu zeigen, wie er sein Werk heute auf Erden lenkt. Gottes Diener in Luxemburg haben während des Jahres gute Fortschritte gemacht. Hier folgen einige Auszüge aus dem Bericht des Zweigdieners:
Den Höhepunkt des Dienstjahres bildete ohne Zweifel Bruder Knorrs Besuch in Luxemburg am 13. und 14. Juli. Gleichzeitig fand unsere Bezirksversammlung statt, und die Stadt Luxemburg gab uns die Erlaubnis, dafür das Stadttheater zu benutzen. Wie freuten sich doch alle zu hören, daß 502 Personen aufmerksam dem öffentlichen Vortrag gelauscht hatten! Alle sind davon überzeugt, daß der praktische, lehrreiche Rat, der erteilt wurde, dazu beitragen wird, Jehovas Volk in Luxemburg Hilfe zu weiteren Fortschritten zu leisten.
Aus Anlaß der Bezirksversammlung „Wachsame Diener Gottes“ im Jahre 1959 wurde eine Ansprache über das Thema: „Dort dienen, wo Hilfe dringend not tut“, gehalten. Es wurde damals betont, daß reife Brüder in Orte ziehen sollten, wo ein Mangel an solchen Brüdern herrscht. Ein Bruder nahm sich dies zu Herzen und beschloß, mit seiner Familie in einen solchen Ort umzuziehen. Die Stadt, die er wählte, war nur einige Kilometer von seinem Wohnort entfernt, doch bedeutete es für ihn gleichwohl eine Änderung. Schließlich fand er, nach sechs Monaten, eine Wohnung, die teurer war als jene, die er bis dahin gehabt hatte. Auch mußte er zur Arbeitsstätte einen weiteren Weg zurücklegen. Aber er sollte für seine Anstrengungen reich belohnt werden. Am neuen Wohnort gab es einige Verkündiger und Menschen guten Willens. Die Versammlung, die dieses Gebiet betreute und nur einige Kilometer davon entfernt ist, hatte oft an diesem Ort gearbeitet, doch schien es, als ob die Leute nicht zu Veranstaltungen in die Nachbarstadt kommen wollten. Manche Verkündiger begannen zu glauben, es sei dort einfach nichts zu machen. Als dieser Bruder nun dort wohnte, wurde die Gründung einer Versammlung möglich. Das war die zehnte im Lande. Eine Pionierin bot ihre kleine Wohnung zur Benutzung als Königreichssaal an. Alle Menschen guten Willens wurden davon unterrichtet, und siehe, schon zum ersten Wachtturm-Studium fanden sich 12 Personen ein! Das war im Januar. Der erste Felddienstbericht, der von dieser neuen Versammlung einging, zeigte, daß 6 Verkündiger gewirkt hatten. Im Juli stieg diese Zahl auf 14 an. Aber das ist noch nicht das Ende. Fünf von diesen wurden bei der Bezirksversammlung im Juli getauft, und im August konnte man beobachten, wie die Brüder einen gemieteten Saal tatkräftig in einen eigenen Königreichssaal umwandelten. Mit viel liebevoller Zusammenarbeit sind sie imstande gewesen, einen hübschen Königreichssaal zu erstellen, den sie Anfang September einzuweihen hoffen. Was können wir daraus lernen? Die Ratschläge, die bei einer Bezirksversammlung erteilt werden, bringen denjenigen viele Segnungen, die sie anwenden. Und diese Erfahrung beleuchtet noch einen weiteren Punkt: die Notwendigkeit und Wichtigkeit, eine Ortsversammlung selbst an Orten zu haben, die von anderen Versammlungen nicht weit entfernt liegen.
ÖSTERREICH
Verkündiger-Höchstzahl Bevölkerung Verhältnis
6244 6 997 000 1 zu 1121
Die beste Art, den Menschen zu zeigen, daß man den Frieden sucht und ihm nachjagt, besteht darin, das Leben eines Christen zu führen. Unsere Brüder in Österreich finden, daß es sich als vorteilhaft erweist, mit den Menschen in ihren eigenen Wohnungen auf friedliche Weise zusammenzukommen. Im Jahre 1955 führten die Brüder in Österreich wöchentlich 1893 Heimbibelstudien durch. Dann stieg die Zahl im nächsten Jahr auf 2000 an, darauf auf 2900, 3400, 3900, und nun beträgt sie über 4075. Im Verein mit dieser ständigen Zunahme an Bibelstudien hat es in der Einsammlung der anderen Schafe eine ständige Zunahme gegeben, und darüber freuen sich die Brüder in Österreich. Durch eine friedliche Diskussion und indem sie die Heilige Schrift gut handhaben, kann gute Arbeit geleistet werden. Der Zweigdiener in Österreich teilt uns folgende Erfahrungen mit:
Wie wichtig es ist, nicht nur zu predigen, sondern auch zu lehren, um die zerstreuten Schafe in die Hürde des Herrn zu bringen, geht aus folgenden Erfahrungen hervor:
Eine Missionarin schreibt: „Als ich von Tür zu Tür ging, traf ich eine Familie, die zur Neuapostolischen Gemeinde gehörte. Der Mann sprach mit großer Begeisterung von ihrem Stammapostel und dessen ‚Offenbarungen‘. Ich konnte ihnen aber anhand der Bibel zeigen, daß Gott seine vor langem festgesetzte Zeit nicht nach der Lebenszeit eines unvollkommenen Menschen zu richten braucht, wie sie das glauben. Der Mann und die Frau waren nun unschlüssig und fragten mich, woran denn die wahre Versammlung Gottes erkannt werden könnte. Ich las ihnen aus Offenbarung 13 Vers 10 vor, und eine lebhafte Diskussion über das Thema: ‚Zahlt daher Cäsars Dinge dem Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott‘, entstand. Ich erklärte, daß Jehovas Zeugen Gott mehr gehorchen als Menschen und daher ihr Leben einsetzen und während Kriegszeiten und auch in totalitären Ländern keine Kompromisse eingehen. Der Mann erwiderte, er habe davon gehört und dies habe ihm großen Respekt eingeflößt. Ich ließ eine Sonderausgabe des Wachtturms zurück und verabredete einen Nachbesuch.
Drei Tage später traf ich ihn auf der Straße. Er bat mich, sogleich in seine Wohnung zu kommen, da er und seine Frau viele Fragen hätten. Beide sagten, sie hätten noch nie etwas so Wunderbares wie diesen Wachtturm gelesen, und beide erkannten, daß Gottes Gebot ‚Du sollst nicht morden‘ immer noch gültig ist. Dann sagte er mir, daß ihm dieser Punkt in der Gemeinde der Neuapostolischen nie klar gewesen sei, weil sie sogar begeistert in den Krieg zögen und sagen, es wäre unweise, sich Verfolgung zuzuziehen, wenn man sich hierzu weigerte. Einmal habe er mit einem Bruder von den Neuapostolischen, der während des Krieges im Heer gedient hatte, eine scharfe Auseinandersetzung gehabt. Jener ‚Bruder im Herrn‘ hätte ihm geantwortet: ‚Bruder R., wenn du eine solche Ansicht hast, solltest du zu Jehovas Zeugen gehen, dort würden deine Gedanken gutgeheißen.‘ Herr R. lächelte und sagte zu mir: ‚Wenn er wieder kommt, werde ich ihm sagen: „Lieber Bruder, du hast mir einen ausgezeichneten Rat gegeben. Ich habe bereits danach gehandelt und bin zu Jehovas Zeugen gegangen.“‘
Seit meinem dritten Besuch studieren wir das Buch ‚Gott bleibt wahrhaftig‘, und bei jedem Studium treten mir die Wahrheiten der Bibel wie ein Geschenk Gottes vor die Augen, wie sie es für diese Menschen tatsächlich sind. Beide sagten: ‚Wir sind dem Herrn so dankbar, daß er uns die Augen geöffnet hat, ehe das Ende kommt. Jeden Tag lesen wir zusammen im Wachtturm und in der Bibel, und wir sind glücklich, den Glauben gefunden zu haben, der sich auf Erkenntnis und Tatsachen stützt.‘“
Das große Ereignis des Jahres war die Bezirksversammlung in Wien, bei der wir dich, lieber Bruder Knorr, in unserer Mitte haben durften. Die Brüder hatten sich lange darauf gefreut, und drei Sonderzüge und viele Autos brachten Besucher aus allen Teilen des Landes herbei. Vier Tage lang war die Wiener Stadthalle mit einer Menge fröhlicher Menschen gefüllt, deren Zahl am Sonntag auf über 7000 anstieg. Eine frohe Überraschung bildete die Zahl derer, die ihre Hingabe an Jehova symbolisierten: 296 Personen! Bestimmt war dieser Kongreß ein großer Ansporn, und durch Jehovas unverdiente Güte hoffen wir, daß sein Werk im kommenden Jahr gedeihe.
SCHWEIZ
Verkündiger-Höchstzahl Bevölkerung Verhältnis
5039 5 117 000 1 zu 1015
Die Zeit verfließt rasch, und man darf es sich nicht leisten, in bezug auf die einem zur Verfügung stehende Zeit sorglos zu sein. Ein christlicher Prediger muß seinen Pflichten nachkommen und die gute Botschaft vom Königreich predigen, um sich als ein Jünger Christi Jesu zu erweisen. Das tun Jehovas Zeugen in der Schweiz, und zwar nicht nur in den größeren Städten: es wird auch in den ländlichen und abgelegenen Gegenden ausgezeichnete Arbeit geleistet, so daß alle Berg- und Talbewohner eine Gelegenheit erhalten, die einzige Hoffnung der Welt kennenzulernen. Das Zweigbüro in der Schweiz überwacht nicht nur die Tätigkeit des Predigens der guten Botschaft, sondern hat auch eine sehr leistungsfähige Druckerei in Betrieb, die im Laufe des Jahres viele Exemplare der Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! in Französisch, Ungarisch und Kroatisch herausgebracht hat. Auch werden fleißig Anstrengungen gemacht, um die Botschaft vom Königreich Gottes in Liechtenstein zu predigen. Hier folgt der Bericht über einige Erfahrungen:
Durch Briefeschreiben Zeugnis zu geben bringt manchmal Frucht. Ein Bruder, der im Jahre 1958 krank daniederlag, schrieb an verschiedene Personen Briefe und gab ihnen ein gutes Zeugnis. So schrieb er auch einem jungen Katholiken. Der erste Brief blieb unbeantwortet, aber schon auf den zweiten Brief erhielt er eine positive Antwort. Später ergab es sich, daß der Bruder und dieser junge Mann in derselben Firma arbeiteten. Der junge Mann stellte viele Fragen über die Bibel und unser Werk. Einige Arbeiter in der Fabrik neckten den Bruder: „Dieser ist doch katholisch, da hast du keine Chance!“
In der Wohnung dieses jungen Mannes wurde aber ein Bibelstudium begonnen, bei dem auch seine Frau anwesend war. Die Eltern dieses Ehepaares sahen dies aber nicht gern, und so wurde dem Bruder nicht mehr gestattet, ins Haus zu kommen. Das Studium wurde daher anderswo fortgesetzt Dann suchten die Eltern beim katholischen Pfarrer Rat. Erstaunlicherweise sagte dieser: „Laßt sie doch tun, was sie wollen; man sollte über Jehovas Zeugen nichts Schlechtes sagen.“ Diese Antwort erweckte in den Eltern Interesse für die Botschaft, und sie erlaubten dem Bruder, wieder ins Haus zu kommen und auch sie nahmen nun am Studium teil. Fünf Bücher und sieben Bibeln wurden bestellt.
Als dann aber zwei Personen aus diesen Familien aus der Kirche austraten, besuchte sie der Pfarrer und versuchte, sie wieder zurückzuholen. Seine verletzenden Schmähworte vermochten aber nicht, diese Leute zurückzugewinnen; denn jetzt waren sie mit der grundlegenden Wahrheit der Bibel vertraut geworden. Dieser Pfarrer sandte dann einen seiner Amtskollegen, um einen weiteren Versuch zu machen. Als er kam, saßen alle um den Tisch, die Interessierten und auch einige Zeugen Jehovas. Da der Pfarrer keine Bibel bei sich hatte, bot man ihm eine katholische Übersetzung an, die er aber zurückwies. Auch lehnte er es ab, sich mit Jehovas Zeugen auf eine Diskussion biblischer Fragen einzulassen, und nach wenigen Minuten verließ er eilends das Haus. Die Bibelstudien nahmen ihren Fortgang, und bei der darauffolgenden Kreisversammlung wurden zwei Personen getauft. Zwei weitere haben ihren Wunsch ausgedrückt, sich bald taufen zu lassen — all dies, weil ein Bruder vom Krankenbett aus ein oder zwei Briefe geschrieben hatte!
LIECHTENSTEIN
Verkündiger-Höchstzahl Bevölkerung Verhältnis
4 14 757 1 zu 3689
In diesem Ländchen ist im vergangenen Dienstjahr etwas Verkündigungsdienst getan worden, besonders was Nachbesuche und Bibelstudien betrifft. Obwohl das Werk dort nur langsam vorwärtsgeht, hat doch die Beharrlichkeit Früchte gezeitigt. Einige Menschen sprechen heute dort von der Wahrheit, und einige ergriffen die Gelegenheit, diesen Sommer die Bezirksversammlung „Jage dem Frieden nach“ zu besuchen, bei der sie geistig reich gesegnet wurden. Eine Frau, die der Bezirksversammlung in Wien beiwohnte, war durch das Gehörte derart beeindruckt und gestärkt, daß sie beschloß, noch in derselben Woche zu Hause zum Priester zu gehen und ihm zu sagen, daß sie aus der Kirche austreten wolle, und sich dann taufen zu lassen. In diesem Ländchen ist es mit der Religionsfreiheit, wenigstens was Jehovas Zeugen betrifft, nicht weit her. Trotzdem findet die Wahrheit ihren Weg zu suchenden und aufrichtigen Menschen in Liechtenstein.