Berichte aus dem Jahrbuch 1957 der Zeugen Jehovas
WESTDEUTSCHLAND
Wie der Bericht zeigt, herrschte in Westdeutschland in diesem Jahre intensive Tätigkeit. Das Werk wurde während des Jahres besser organisiert. Überall in Deutschland erkannten die Brüder die Notwendigkeit, sich in abgelegene Gebiete zu begeben, in Gegenden von Westdeutschland, die zuvor nicht durchgearbeitet worden waren. Die Brüder beteiligten sich eifrig an den Wachtturm- und Erwachet!-Feldzügen, und jede Gruppe im Felddienst, die Versammlungsverkündiger, die Pioniere und die Sonderpioniere, erreichte ihre Jahresquote. Westdeutschland verzeichnete eine Verkündiger-Zunahme von 7 % und erreichte im April 1956 eine neue Höchstzahl von 50 530. Die Gesellschaft faßt Pläne für eine noch größere Ausdehnung. Eine neue Druckpresse ist bestellt worden, damit die künftige Arbeit hier bewältigt werden kann. Neue Gebäude sind geplant, und all dies hoffen wir während des Dienstjahres 1957 zu verwirklichen. Wir wünschen die Austeilung der geistigen Speise unter der Bevölkerung Westdeutschlands nicht zu verlangsamen. Der Zweigdiener berichtet uns einige sehr interessante Erfahrungen, die unseren Herzen Freude bereiten.
Die Arbeit in den Ferngebieten war ein weiterer Höhepunkt im Predigtdienst. Durch den Informator und durch Briefe wurden die Versammlungen auf die wunderbare Gelegenheit aufmerksam gemacht, mittels eines Dreibücherangebots den Menschen guten Willens in nichtzugeteilten Gebieten zu helfen, Jehovas Vorhaben zu erkennen. Mit einer Begeisterung ohnegleichen gingen sie an die Arbeit, und diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß mindestens 80 % unseres nichtzugeteilten Gebietes bearbeitet wurde. Es gibt also nur wenig Menschen in Westdeutschland, die in diesem Jahr nicht von einem Prediger der guten Botschaft vom Königreich aufgesucht wurden. Entsprechend war auch das Ergebnis. Während im Jahr 1955 in den Monaten Juli und August 35 824 Bücher abgegeben werden konnten, verbreiteten die begeisterten Königreichsverkündiger in den gleichen zwei Monaten des Jahres 1956 95 392 Bücher; das bedeutet eine Steigerung um 166 %.
Ein Versammlungsdiener berichtet von der Arbeit in einem Dorfe und bemerkt, alles, was sie erlebten, erinnere sie an das finstere Mittelalter: „Die ganze Ortschaft war in voller Aufregung. Die Dorfjugend zog vor uns her von Haus zu Haus und meldete uns an, mit der Absicht, daß man uns abweise. Es war uns nicht möglich, auch nur ein Buch in dieser Ortschaft zu lassen.“ Eine Woche später arbeiteten sie in einer anderen Ortschaft des gleichen Gebietes. Die Verkündiger versammelten sich am Bahnhof und betrachteten, bevor sie in den Dienst gingen, gemeinsam den Tagestext. Anschließend gab der Versammlungsdiener einige Anregungen für den Dienst und machte den Vorschlag, ein Verkündiger möge noch ein Einführungszeugnis geben. Darauf sagte ein Verkündiger, daß sie sich freuen würden, wenn er dies heute täte. Dies tat der Versammlungsdiener dann auch. Doch er hatte kaum begonnen, da kam ein Mann über die Straße, stellte sich zu den Verkündigern und hörte zu. Der Versammlungsdiener ergriff die Gelegenheit und sprach gleich zu diesem Mann, wie das Jehovas Zeugen sonst an den Türen der Menschen tun. Als er geendet hatte, holte der fremde Mann seinen Geldbeutel hervor und sagte: „Diese Bücher möchte ich haben.“ Das war ein guter Start für den Dienst, den die Verkündiger an diesem Tage verrichten wollten, und als sie sich mit dem Manne näher bekannt machten, erfuhren sie noch, daß er aus dem Dorfe kam, in dem sie eine Woche früher nicht ein Buch zurücklassen konnten.
Ein guter Fortschritt wurde ferner in der Zeitschriftenverbreitung erzielt. Es konnten 5 583 403 Exemplare abgegeben werden, das sind 60 % mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Sonderpioniere stieg von 58 auf 103 an. Sie leisten gute Arbeit und legen den Grund für neue Versammlungen.
Zu all den Segnungen wurde uns in diesem Jahr noch eine große Freude zuteil. Wir konnten das Gebäude des Bethels kaufen, das wir aus einem Rohbau, der einer Ruine glich, zu dem gemacht haben, was es heute ist. Wahrlich, Jehova ist ein fürsorglicher Vater. Er vermag uns alles zurückzugeben, was uns seine Feinde rauben mögen. Das haben wir in diesem Lande erfahren. Wir haben nicht nur ein schönes Bethel zurückerhalten, sondern dazu viele Brüder und Schwestern, ja mehr als je zuvor.
BERLIN
Die Gesellschaft unterhält ein schönes Zweigbüro in Berlin, das sich des Werkes in dieser kleinen Inselstadt innerhalb der Grenzen Ostdeutschlands annimmt. Es dient auch dazu, den Brüdern in Ostdeutschland auf jede mögliche Weise Hilfe zu bieten. Den Geist des Volkes Jehovas zu sehen, den es an den Tag legt, wenn es unter Druck steht, ist wunderbar, und dies veranlaßt uns, an die Worte des Paulus zu denken, der sagte: „Wir werden auf jede Weise bedrängt, sind aber nicht bewegungslos eingeengt; wir sind ratlos, aber nicht unbedingt ohne Ausweg; wir werden verfolgt, aber nicht im Stiche gelassen; wir werden niedergeworfen, aber nicht vernichtet.“ (2. Kor. 4:8, 9, NW) Dieses Empfinden haben viele unserer Brüder hinter dem Eisernen Vorhang, und das zeigt, daß sie wirklich auf Jehova Gott vertrauen und darauf, daß er ihnen zu seiner eigenen Zeit und auf seine eigene Weise Befreiung schaffen wird. Weil ihnen von den totalitären Herrschern unablässig nachgestellt wird, führen unsere Brüder in diesem Teil der Welt ein Leben wie die frühen Christen, mehr als jene im westlichen Teil der Welt oder dort, wo die sogenannten freien Nationen leben. Gottlose Menschen möchten alle Christen ausgerottet sehen; denn diese Kommunisten sagen, es gebe keinen Gott, und sie hassen Menschen, die an Gott glauben. Die Wahrheit aber, die Christus Jesus der Welt brachte, wird nie von der Erde verschwinden. Als Beweis dafür besitzen wir einen ganz wunderbaren Bericht vom Zweig Berlin. Hier folgen nur einige der interessanten Erfahrungen.
Es scheint nicht ratsam zu sein, viel von der Entwicklung des Werkes innerhalb des Gebietes des Berliner Zweiges zu erzählen, wozu auch Ostdeutschland gehört, wo das Werk immer noch unter dem Verbot der kommunistischen Herrscher steht. Doch kann gesagt werden, daß es sich als etwas sehr Gutes erwiesen hat, eine enge, organisatorische Verbindung zwischen West-Berlin und Ostdeutschland zu besitzen, denn dies gestattet den Verkündigern in West-Berlin, mit ihren Brüdern in Ostdeutschland in vollem Umfang zusammenzuarbeiten. Wenn diese nach der „Insel“ West-Berlin kommen, um geistige Speise für sich und ihre Brüder daheim zu erlangen, erkennen es die Berliner Brüder als ihr Vorrecht, die christliche Tugend der Gastfreundschaft zu pflegen, und sie ihrerseits werden sehr ermutigt durch das treue Ausharren und die Ergebenheit, die ihre Brüder in Ostdeutschland bekunden.
Es stimmt uns sehr froh, mitzuteilen, daß seit dem Sturz des Götzen Stalin die direkte Verfolgung merklich abgenommen hat. Neue Verhaftungen von Brüdern verringerten sich bis auf einige wenige Fälle im Monat, und das erste Mal in den sechs Jahren, seitdem das Verbot besteht, übertrifft die Zahl der aus dem Gefängnis freigelassenen Brüder jene der neueingesperrten. Es wurden 102 neue Fälle berichtet, in denen Verkündiger eingesperrt wurden, doch wurden dagegen 211 freigelassen, 48 davon schon vor Ablauf der vollen Haftzeit, zu der sie verurteilt worden waren. Es wäre aber zu früh, von einer Beendigung der Verfolgung zu sprechen. Immer noch mehr als 1300 Brüder und Schwestern leiden in ostdeutschen Gefängnissen. Sie sind jedoch guten Mutes, da sie wissen, daß Jehova sie zu seiner bestimmten Zeit befreien wird, wenn Menschen verfehlen, das ihnen bisher zugefügte Unrecht zu berichtigen. Ziemlich oft kommt es vor, daß freigelassene Brüder uns sagen, die durchlebten schweren Prüfungen hätten sie nur zu noch größerer Wertschätzung für Jehovas Wahrheit und für den ihnen anvertrauten Dienst angespornt, und sie seien aus dem kommunistischen Gefängnis geistig stärker herausgekommen, als sie zu der Zeit waren, wo sie hineingingen.
Aber auch anderen Menschen gereicht es zum Guten, wenn Jehovas Zeugen ins Gefängnis geworfen werden. Ein Bruder berichtete, daß bei einem allgemeinen Quartierwechsel in einem Zuchthaus ein Gefangener zu der Gruppe der Brüder hinzutrat. Als der Wärter ihn fragte: „Seit wann sind Sie denn ein Zeuge Jehovas?“ antwortete der Gefangene: „Ich wurde ein solcher im Jahre 1953.“ Der Wärter rief aus: „Ist es denn sogar im Gefängnis möglich, ein Zeuge Jehovas zu werden? Sie wurden doch wegen Auflehnung gegen die Staatsgewalt bestraft.“ Der Gefangene antwortete: „Ich bin jetzt einer von ihnen geworden, weil sie die Wahrheit sagen.“ In einer freundlichen Anwandlung schloß ihn daraufhin der Wärter mit den Brüdern zusammen ein. Die Brüder, die Zeugen davon waren, wie dieser Gefangene Stellung für die Wahrheit bezog, erkannten, daß es sich lohnt, in unruhvoller Zeit weiterzupredigen, und sie wurden sehr gestärkt.
Die Wahrheit wird in Ostdeutschland nicht nur innerhalb der Gefängnismauern gepredigt, sondern viele Tausende von Verkündigern befinden sich draußen und sind ebenso begierig und emsig dabei, Menschen guten Willens behilflich zu sein, Jehovas Botschaft zu hören. Sie haben weder Dienstversammlungen noch eine Predigtdienstschule. Sie sind genötigt, allein mit ihren Bibeln zu wirken, da die Schriften verboten sind. Sie können sich keine Notizen machen und müssen jeden Anschein einer organisierten Tätigkeit meiden, wenn sie nicht verhaftet und ins Gefängnis gesteckt werden wollen. Dennoch fahren sie fort, ihren geistigen Zehnten zu zahlen, indem sie regelmäßig in den Königreichsdienst ziehen, und Jehova segnet ihre Bemühungen.
Viele der 1740 Brüder, die letztes Jahr durch Untertauchen getauft wurden, stammen aus Ostdeutschland, und am Abend der Gedächtnisfeier versammelte sich eine größere Zahl Menschen mit Jehovas Volk in Ostdeutschland als irgend jemals zuvor, trotz sechs Jahre langer grimmiger Verfolgung, wobei sich mehr als 1300 Brüder immer noch hinter Schloß und Riegel befanden und ungefähr 3000 wegen ihrer Stellungnahme für die Wahrheit ihr Zuhause aufgeben mußten, um nach Westdeutschland zu fliehen.
In West-Berlin, wo das Werk frei getan werden kann, ist die Zahl der Teilversammlungen von 29 auf 32 angewachsen. Sie benutzen Schulgebäude als ihre Königreichssäle. Aber diese Säle sind oft nicht verfügbar, wenn sie benötigt werden, so etwa beim Besuch eines Kreisdieners. Wir hoffen, daß binnen kurzem 15 Teilversammlungen ihre eigenen Säle haben werden, was sicherlich zur Entwicklung der theokratischen Interessen in dieser Stadt beitragen wird.
Unsere Bezirksversammlung in Berlin hat uns neue Kraft und neuen Schwung gegeben. Es haben ihr 13 594 Personen beigewohnt, die einstimmig die Resolution zugunsten unserer Brüder im Gebiet der UdSSR annahmen. Vom mächtigen Oval des Stadions hallte ihr donnerndes „Ja“ in die Stille der Nacht hinaus. Sie waren besonders begeistert darüber im Gedanken an ihre Lieben und an die eng mit ihnen verbundenen Gefährten hinter den kommunistischen Kerkermauern in Ostdeutschland. Beim öffentlichen Vortrag stieg die Besucherzahl auf 18 137 an.
FRANKREICH
Das Gebiet, wo Französisch gesprochen wird, ist groß, aber das Zweigbüro in Paris steht mit vielen Teilen dieses Gebiets in Verbindung. Die Gesellschaft will versuchen, allen diesen Orten durch Kreisdiener oder Sondervertreter Hilfe zu bieten, weil wir wissen, daß Jehovas Volk durch Zusammenkünfte gestärkt wird. Die Zeugen Jehovas in Frankreich, Algerien, Kamerun, Marokko, im Saargebiet, in Senegal und Tunesien haben viel Wunderbares erlebt. Der Zweigdiener in Paris erstattet Bericht über alle diese Länder. Ihr werdet euch über diese Erfahrungen freuen, denn ihr werdet sehen, wie das Königreichswerk voranschreitet. Wir können nicht alle Erfahrungen veröffentlichen, aber einige von ihnen, die wir mitteilen, werden euren Herzen Freude machen.
Eine Person guten Willens gab ihre Adresse ab, nachdem sie einer größeren Versammlung in Paris beigewohnt hatte, damit jemand bei ihr vorspreche. Eine eifrige Pionierin sprach bei dieser Dame vor, und es zeigte sich von Anfang an, daß sie wirklich an der Botschaft interessiert war. Ein Studium wurde verabredet und mehrere Wochen treulich durchgeführt, worüber sich die Dame und ihre zwei Kinder sehr freuten. Eines Abends, als die Pionierin vorsprach, um das Studium zu halten, kam ihr an der Tür der Gatte entgegen, den sie bis dahin noch nicht gesehen hatte. In strengem Tone sagte er: „Meine Frau hat mir von dem Bibelunterricht erzählt, den Sie ihr jede Woche geben. Ich möchte wissen, was meine Familie tut; bitte, sagen Sie mir also, was das alles bedeutet.“ Die Pionierin antwortete diesem Mann, der sich als Haupt der Familie benahm, auf sehr taktvolle Weise. Er stellte ihr viele Fragen, welche die Pionierin zu seiner Zufriedenheit beantwortete. Darauf gestattete er ihr, einzutreten und das Studium zu halten. Am Ende des Studiums sagte er zur Pionierin: „Kommen Sie nicht mehr am Mittwochabend, kommen Sie lieber am Sonnabend, denn ich möchte aus diesem Studium ebenfalls Nutzen ziehen.“ Nun bekunden er, seine Frau und zwei Kinder lebhaftes Interesse und nehmen täglich an Erkenntnis des einzig wahren Gottes, Jehovas, zu.
Die folgende Erfahrung zeigt, wie tätig Satan und seine Dämonen sind, aber wie machtvoll Jehovas Wort sich gegen böse Geistermächte richtet. Eine Sonderpionierin schreibt: „Während ich von Haus zu Haus predigte, kam ich mit einer Frau von etwa sechzig Jahren in Berührung. Mit einem argwöhnischen Ausdruck auf ihrem Gesicht hörte sie meiner Predigt zu. Ich erklärte den Grund meines Besuches, den Menschen guten Willens, die Gottes Vorhaben verstehen möchten, Hilfe zu bieten. Sie erwiderte: ‚Auch ich stehe in Verbindung mit Gott. Die Geister sprechen zu mir, und ich kann unter ihrem Diktat schreiben … aber einige Geister treiben Spott mit mir. Sie sagen mir Lügen.‘ Sie erzählte mir, sie verstehe es, auf Grund einer gewissen Kraft, die sie besitze, die Wünschelrute zu benutzen. Zuerst habe ihr das viel Spaß gemacht, aber später habe sie herausgefunden, daß sie nicht mehr schlafen konnte — die Geister hätten ihr böse Dinge angeraten. Sie habe mit ihrem Pfarrer darüber gesprochen, aber er habe sie nur ausgelacht und mit den Achseln gezuckt. Dann sei sie zu den Anhängern der Pfingstgemeinde gegangen, um Rat zu finden, und da habe man ihr gesagt, sie sei von einem Teufel besessen!
Ich sprach wieder bei dieser Dame vor, und wir begannen das Buch Was hat die Religion der Menschheit gebracht? zu studieren. Das 3. Kapitel zeigt, daß die Seele sterblich ist. Das 5. Kapitel erklärt, wie sich die Söhne Gottes materialisierten und zu Dämonen wurden. Welch ein Segen war doch dieses Studium für diese Frau! Es half ihr erkennen, daß sie ein Opfer der Dämonen geworden war. Nach diesem besonderen Studium sagte sie zu mir: ‚Hier, nehmen Sie diese Wünschelrute, die Ursache meines Elends. Ich will sie nicht mehr benutzen.‘ Ich habe mich ihrer rasch entledigt!
Ich setze dieses Studium fort, denn diese Person macht gute Fortschritte. Vor kurzem sagte sie: ‚Ich danke Jehova, daß er Sie zu mir geführt hat und daß Sie mir zugehört haben, ohne sich über mich lustig zu machen. Nur eine Organisation ist imstande gewesen, mir zu helfen — Jehovas Zeugen. Ich hoffe, daß auch ich eines Tages Jehova dienen kann.‘
Es hält sehr schwer, Personen Hilfe zu bieten, die unter der Macht der Dämonen stehen, und ohne Jehovas Hilfe hätte ich diese arme Frau aufgegeben. Die Artikel über den Spiritismus, die wir studierten, sind sehr interessant gewesen, und das Wort Gottes war mächtig genug, bei einem Menschen guten Willens selbst diese Art von Widerstand zu überwinden. Wie dankbar sind wir doch Jehova, der all die notwendigen Mittel gibt, um alle Arten von Gefangenen befreien zu können!“
Dieses freudenvolle Jahr des Königreichsdienstes wurde passenderweise mit zwei ausgezeichneten Bezirksversammlungen zum Abschluß gebracht, mit derjenigen in Lille und der zweiten in Paris. Die Resolution zugunsten unserer Brüder in Rußland wurde nach ihrer Bekanntgabe freudig und einstimmig unter anhaltendem Beifall angenommen. Vereint mit den Brüdern in der ganzen Welt, beten wir um die Befreiung unserer Brüder.
DAS SAARGEBIET
Im Saargebiet fehlt es den Brüdern nicht an geistiger Speise, denn die Schriften der Gesellschaft stehen ihnen zur Verfügung: Bücher, Broschüren sowie Der Wachtturm und Erwachet!, in Deutsch. Wohl stimmt es, daß in diesem kleinen Lande beträchtlicher katholischer Widerstand herrscht, und es werden den Brüdern alle möglichen Hindernisse in den Weg gelegt, um sie am fortschreitenden Werk zu hindern.
Ein Verkündiger jenes Landes schreibt: „Ich besuchte eine interessierte Dame, die in einem sehr katholischen Dorfe lebt. Eben war sie aus dem Krankenhaus gekommen, wo sie von einer Nonne gepflegt worden war. Nun sagte sie mir folgendes: ‚Wenn die Nonne in mein Zimmer kam, sah sie mich öfters in meiner Bibel lesen, während auf der anderen Seite des Zimmers eine sogenannte religiöse Frau sich wie unsinnig gebärdete, um mich zu stören. Da kam der Tag, an dem diese Gegnerin das Krankenhaus verließ. Als sie fort war, wandte sich die Nonne zu mir und sagte: „Sind Sie nicht froh, daß diese verrückte Frau fort ist? Ich auf jeden Fall! Ich bin katholisch, aber diese Frau war nicht ganz bei Sinnen. Wissen Sie, daß von all den anderen Religionen ich diejenige der ‚Zeugen Jehovas‘ vorziehe, weil sie aufrichtiger sind als die anderen.“
Ganz erstaunt erwiderte ich, auch mir seien Jehovas Zeugen lieber, und deshalb stehe ich in Verbindung mit ihnen. Die Nonne antwortete: „Mein Onkel ist Priester im nächsten Dorfe. Ich verbringe meine Ferien in seinem Hause. Eines Tages wurde er von einem Zeugen Jehovas besucht, der ihm auf der Treppe eine sehr schöne Predigt hielt. Mein Onkel hörte höflich zu und entschuldigte sich, daß er ihn nicht hereinnehmen könne, weil er keine Zeit habe. Als der Zeuge fortgegangen war, kehrte mein Onkel sich zu mir um und sagte: ‚Oft bete ich, daß sich diese Leute doch an Zahl schnell mehren möchten. Denn es wäre wunderbar, wenn alle so wären wie sie.‘
Dann sagte er zu meinem großen Erstaunen: ‚Wenn du je Gelegenheit hast, kranke Zeugen Jehovas zu pflegen, so sei freundlich mit ihnen und pflege sie gut, denn sie verdienen es. Nur habe nichts mit ihrer Lehre zu tun, denn du weißt, wir haben der Kirche Treue geschworen, selbst bis in den Tod.‘“
LUXEMBURG
Ein ereignisreiches Jahr ist für Jehovas Zeugen in Luxemburg zu Ende gegangen. Schon während des ersten Monats ihres Dienstjahres besuchte sie der Präsident der Gesellschaft, wohnte ihrem Kongreß „Triumphierendes Königreich“ bei und gründete ein Zweigbüro in der Stadt Luxemburg. Diese zweitägige Versammlung wurde auch von Brüdern aus Belgien, Frankreich, Deutschland und dem Saargebiet besucht, und die große Menge der 1312 beim öffentlichen Vortrag Anwesenden machte auf die Bewohner dieses kleinen Landes bestimmt Eindruck. Zum ersten Mal veröffentlichten luxemburgische Zeitungen günstige Berichte über einen Kongreß der Zeugen Jehovas. Seither ist das Werk eilends vorangegangen. Die Neue-Welt-Gesellschaft erfreute sich einer Zunahme von 27 %, und sie hat eine neue Verkündigerhöchstzahl von 183 erreicht. Der Zweigdiener berichtet uns einige sehr interessante Erfahrungen, die uns alle erfreuen.
In den nächsten Monaten folgten 21 Vorführungen des Films „Die Neue-Welt-Gesellschaft in Tätigkeit“, die von 576 Personen besucht wurden, darunter 276 Menschen guten Willens und Fremde. Am Schluß einer Vorführung meldete sich ein Mann und fragte, ob wir diesen Film auch in seinem Wohnort zeigen würden und was er dafür bezahlen müßte. Er wohnt im nördlichen Teil des Landes, wo es noch keine Zeugen Jehovas gibt. Er war dann selbst für einen Saal besorgt und ließ die Einladungen verteilen. Damit wurde uns in diesem Ort das Tor geöffnet, und sechs Monate später wurde im gleichen Saal die viertägige Bezirksversammlung durchgeführt. Nun sind Jehovas Zeugen auch in dieser Gegend bekanntgeworden, und sicherlich werden sich die Früchte ihrer Arbeit auch hier zeigen.
Die Missionare führten ein Bibelstudium durch mit einer Frau und ihren drei Kindern (von neun, elf und vierzehn Jahren). Nachdem das Studium eine Zeitlang gedauert hatte, entschloß sich die Mutter, ihre Kinder aus dem religiösen Schulunterricht herauszunehmen. Sie wußte, daß ihr dieser Schritt Schwierigkeiten bringen würde. Zuerst sträubte sich ihr Mann. So ließ sie ihm die Wahl. Würde er auf der katholischen Erziehung bestehen, dann müsse er mit den Kindern in die Kirche und Messe gehen und mit ihnen den Katechismus studieren. Der Mann verzichtete und überließ ihr die religiöse Erziehung. Als die Mutter dieser Frau hörte, daß ihre Tochter und die Enkelkinder mit Jehovas Zeugen die Bibel studierten, wurde sie böse und verbot der Tochter, ihr Haus zu betreten, solange sie mit Jehovas Zeugen verbunden sei. Nebenbei bemerkt: im Hause dieser Mutter wohnt auch ihr Sohn und die Schwiegertochter, die beide Mitglieder der gottlosen kommunistischen Partei sind. Offenbar ist für Katholiken das Studium der Bibel gefährlicher als der gottlose Kommunismus. Das Studium wurde mit dieser Frau und ihren drei Kindern regelmäßig fortgesetzt. Die Kinder mußten jede Woche bestimmte Hausaufgaben machen. Bald nahmen alle vier den Predigtdienst auf, und nach und nach bezeugten alle ihre Hingabe an Jehova durch die Taufe. Heute sind sie regelmäßige und fleißige Verkündiger.
All dies beobachtete eine leibliche Schwester dieser Frau und auch der Mann der Schwester. Sie mußten die Standhaftigkeit bewundern und erkannten auch die Veränderungen in dieser jetzt theokratischen Familie. Vor Jahren hatte diese leibliche Schwester eine Bibel von Jehovas Zeugen erhalten. Jetzt wurde diese wieder hervorgeholt. Die zwei Schwestern begannen ein Heimbibelstudium zusammen. Bald nahmen auch der Schwager und die fünfzehnjährige Tochter daran teil. Einen Monat später erschienen alle drei zur Kreisversammlung und begaben sich zum ersten Mal in den Felddienst. Seither haben sie regelmäßig an der Verkündigung teilgenommen, und zehn Wochen später, bei der Bezirksversammlung, wurden alle drei getauft. Wahrlich, das Ablegen der alten und das Anziehen der neuen Persönlichkeit macht auf ehrliche Menschen guten Willens einen günstigen Eindruck!
ÖSTERREICH
Die Bevölkerung Österreichs wird jetzt nicht mehr durch bewaffnete Soldaten anderer Länder überwacht. Die Besatzungstruppen sind abgezogen. Dies bedeutet aber nicht, daß die Menschen frei sind. Sie können Sklaven vieler Dinge sein, nicht nur Sklaven von Staaten, sondern auch Sklaven des Materialismus, des Wohlstandes, eines Verlangens nach den Dingen dieser Welt. Die Bibel sagt uns, daß Gottes Wort uns frei machen wird, und je mehr man dieses Wort verstehen lernt, desto mehr wirkliche Freiheit wird auf der Erde kund. Während des vergangenen Jahres wurden in Österreich 552 Personen getauft, was zeigt, daß sie die wirkliche Freiheit erlangten, die Freiheit, die bleibt und die die Furcht beseitigt und jemandem erlaubt, vorwärtszugehen und die gute Botschaft von Gottes glorreichem Königreich zu predigen. Der Zweigdiener sandte einen sehr interessanten Bericht ein, und wir freuen uns mit ihm über den Fortschritt des Werkes in Österreich. Hier folgen einige Auszüge aus dem Bericht.
Ein Sonderpionier schreibt: „Als ich von Haus zu Haus ging, traf ich eine Frau, die mich sogleich wegschickte, weil dies sie nicht interessiere. Ich antwortete ihr, sie könne ja noch nicht wissen, worum es sich handle. Sie entgegnete, sie habe kein Interesse für den neuen Glauben, ich möchte gehen. Bevor ich aber wegging, fragte ich sie noch, ob sie denn nicht ewig leben möchte. Sie zögerte einige Sekunden und sagte dann: ‚Ja, aber …‘ So konnte ich ihr dann ein gutes Zeugnis geben, das sich auf die Sonderausgabe des Wachtturms stützte. Ich überließ ihr diesen Wachtturm, und als ich wieder vorsprach, hatte sie ihn gelesen und wollte besonders wissen, was wir mit unserer Mission bezwecken. Ich sagte: ‚Jünger machen, nicht Mitglieder.‘ Sie erwiderte, daß, wenn sie auch mit vielem, was wir sagen, einverstanden sei, sie doch nicht von Haus zu Haus gehen könnte. Ich war überrascht, über Dienstprobleme sprechen zu müssen mit einer Person, die erst seit acht Tagen Interesse für die Botschaft bekundet hatte. Ich sagte zu ihr: ‚Aus der Fülle des Herzens redet der Mund‘, und fragte sie, ob sie schon mit jemandem über den Wachtturm gesprochen habe. Sie erwiderte: ‚Ja, mit meiner vierzehnjährigen Tochter.‘ ‚Sehen Sie, das ist unsere Mission‘, sagte ich, ‚und weil Jehovas Zeugen nicht so viele Töchter, Söhne, Verwandte und Freunde haben, gehen sie von Haus zu Haus.‘ Darauf ließ ich ihr einen weiteren Wachtturm und das Buch ‚Gott bleibt wahrhaftig‘ zurück. Die Woche darauf hatte sie die Zeitschrift gelesen und entschuldigte sich, weil sie ‚erst die Hälfte‘ des Buches gelesen habe. Wieder besprachen wir ‚Dienstprobleme‘. Sie war von ihrer Mutter gezwungen worden, zur Kirche zu gehen, und daher war es ihr Wunsch, daß ihre Tochter von sich aus entscheiden könne, was sie tun wolle. Ich pflichtete ihr bei und verabredete mit ihnen beiden ein Heimbibelstudium. Beim dritten Nachbesuch begannen wir zu studieren, und die Tochter bekundete ebenfalls wirkliches Interesse. Nun ist diese Frau um ihren kleinen Sohn besorgt, weil in zwei Jahren für ihn der Religionsunterricht in der Schule beginnt. Ich erklärte ihr, daß sie ihn als Mutter richtigerweise Religion lehren könne, und damit sie noch mehr lernen könnte, lud ich sie mit ihrer Tochter und ihrem Sohn ein, das Wachtturm-Studium zu besuchen. Seither sind sie regelmäßig dazu erschienen. Beim vierten Nachbesuch beschlossen wir, zusammen zu einer Interessierten zu gehen, der sie Zeugnis gegeben hatte. Ich begab mich mit ihr hin, und sie begleitete mich dann zu mehreren meiner Nachbesuche. Im Juni, nur acht Wochen nach meinem ersten Besuch, hat diese Frau guten Willens neunundzwanzig Stunden im Felddienste verbracht und bereits selbst ein Heimbibelstudium durchgeführt. Ende Juli wurde sie anläßlich der Bezirksversammlung getauft. Seit Anfang August ist auch die Tochter fleißig von Haus zu Haus gegangen und will ihre Hingabe an Jehova bei der nächsten Kreisversammlung symbolisieren.“
Eine Missionarin zeigt, welchen Segen sie für ihre geduldige Arbeit empfing: „Im Dienste von Tür zu Tür gab ich bei einer sehr katholischen Frau einen Wachtturm ab. Als ich sie wieder aufsuchte, zog sie ihn ängstlich aus einer Schublade, wo sie ihn versteckt hielt. Aus Furcht, ihr Gewissen zu sehr zu belasten, hatte sie ihn nicht gelesen, um es nicht dem Priester beichten zu müssen. Ja, sie glaube an die Bibel, aber sie könne sich eine solche vom Dekan beschaffen. Ich fragte, warum sie sich noch keine beschafft habe, da sie doch ihr Leben lang katholisch gewesen sei. Zweimal habe sie zum Dekan gehen müssen, und schließlich habe er ihr ein Neues Testament mit den Psalmen gegeben. Als ich nun wieder vorsprach, war sie schon beim Lukas-Evangelium, und sie wußte wirklich, was sie gelesen hatte! Nun konnte ich ihr beweisen, daß ich keine falsche Bibel besaß und daß Jesus selbst auf die Wichtigkeit der Hebräischen Schriften hingewiesen hatte. Dann nahm sie eine vollständige Bibel von mir entgegen, und wir benutzten sie bei unserem Studium. Langsam überwand sie ihr Vorurteil gegen unsere Schriften; doch gab es noch viele Hindernisse. Zu Ostern zeigte sie mir eine große Kerze, das ‚Osterlicht‘, wie sie zögernd sagte. Ich fragte, ob Jesus an eine Wachskerze gedacht habe, als er sagte: ‚Ihr seid das Licht der Welt‘? Dies brachte sie zum Nachdenken, und sie begann dem Wachtturm-Studium beizuwohnen. Bald erkannte sie die Wichtigkeit des Königreichsdienstes, und laut ihres Berichts für den letzten Monat hat sie zwanzig Stunden gearbeitet. Es war eine große Freude, als sie bei der Bezirksversammlung durch Untertauchen getauft wurde. Und das Neue Testament des Dekans ist weiterhin eine gute Hilfe, wenn jemand unsere Schriften nicht anerkennt, weil er so gut katholisch ist.“
DIE SCHWEIZ
Guter Fortschritt ist während des Dienstjahres in der Schweiz gemacht und ein wunderbares Zeugnis gegeben worden. Es kommt nicht oft vor, daß das Radio benutzt werden kann, aber eines Tages empfing das Zweigbüro einen Brief vom Leiter einer Radiostation, worin Jehovas Zeugen eingeladen wurden, an einer Diskussion mit Vertretern der Reformierten Landeskirche teilzunehmen. Berichte, die aus allen Gegenden des Landes eingegangen sind, besagen, daß Tausende diese Diskussion mit anhörten, und als Ergebnis schrieben viele dem Zweigbüro und teilten mit, Jehovas Zeugen hätten in der Diskussion gewonnen. In einer Zeitung stand über dieses Radioprogramm folgendes zu lesen: „Mit Bedauern muß gesagt werden, daß, hätte man sich für die eine oder andere Gesprächspartei entscheiden müssen, man sich eher zugunsten der Vertreter der Sekte (Jehovas Zeugen) entschieden haben würde.“ Die Vertreter der Gesellschaft konnten bei der Diskussion mit der Bibel gut umgehen. Sie zitierten Schrifttexte und gaben ein gutes Zeugnis, zur Überraschung, ja zur Wonne der Radiohörer. Es ist nötig, daß alle Diener Gottes in der Bibel gut bewandert sind, damit sie irgendwann, irgendwo und irgendwem predigen können. Es liegen noch andere sehr interessante Erfahrungen vor, die der Zweigdiener in der Schweiz berichtet. Hier folgen sie:
Wie selbst kleine Kinder, wenn sie in der Heiligen Schrift recht geschult sind, ein gutes Verständnis der biblischen Grundsätze haben können, geht aus den Erfahrungen eines achtjährigen Mädchens in der italienischen Schweiz hervor.
Eines Tages kam der Priester in die Schule, um Gebetsbücher zu verkaufen. Als er der Kleinen eines anbot, sagte sie höflich: „Nein, danke.“ Er wollte wissen, warum nicht. Unerschrocken sagte sie: „Jesus Christus lehrte uns nur ein Gebet, das Vaterunser.“ Etwas später besuchte der Geistliche die Klasse wieder und teilte Heiligenbilder aus. Nachdem er das Mädchen um den Grund gefragt hatte, warum es diese zurückwies, sagte es: „Weil der Herr gesagt hat, wir sollten nicht Bilder machen und sie verehren.“
Dann kam Weihnachten. Der Lehrer probte ein Interview für eine Radiostation des Landes, bei dem die Kinder ihre Gedanken über „Weihnachten“ äußern sollten. Auch diese junge Zeugin wurde dazu ausgewählt. Das „Interview“ zwischen dem Lehrer und dem Mädchen lautete etwa wie folgt: „Bist du froh, daß wir bald Weihnachten haben?“ „Ja.“ „Warum bist du froh?“ „Weil wir dann Ferien bekommen.“ „Nur deshalb?“ „Ja.“ „Freust du dich denn nicht auch, daß dir das Christkind eine Menge hübscher Sachen bringen wird?“ „Nein, denn Jesus ist jetzt kein Kindlein mehr, sondern ein König im Himmel, und ich weiß auch, daß Weihnachten von den Heiden kommt.“ (Der Lehrer entschied darauf, diese Kleine sei nicht dazu geeignet, durch Radio über „Weihnachten“ zu sprechen!)
Wenn die Schule aus ist, holt ihr Vater sie gewöhnlich mit dem Wagen ab. Einmal mußte sie mittags etwas warten. Es war gerade an einem Wahltag. So sagte der zufällig vorbeigehende Geistliche zu ihr: „Es dauert nicht mehr lang, dein Papa ist wahrscheinlich im Gemeindehaus zur Abstimmung.“ „Ich glaube nicht“, erwiderte die Kleine, „denn wahre Christen nehmen nicht an Politik teil.“
In diesem Lande ist es nicht so leicht, eine weltliche Halbtagsarbeit zu bekommen, wodurch sich Pioniere den Unterhalt verdienen können. Ein Bruder sandte uns folgenden Bericht, der ein gutes Beispiel ist für richtiges Planen, Entschlossenheit und Vertrauen auf Jehova.
„Nach meinem Besuch des Kongresses ‚Triumphierendes Königreich‘ im August 1955 in Nürnberg brauchte ich nicht lange zu überlegen, ob ich Pionier werden wollte oder nicht. Nachdem ich die vielen ermutigenden und freudigen Berichte von erfahrenen Vollzeitdienern gehört hatte, war mein Entschluß gefaßt, und ich nahm mir den 1. Mai 1956 als das Datum für den Beginn vor. Anfang Februar 1956 begann ich nach einer Halbtagsbeschäftigung zu suchen, indem ich auf Stellenangebote in verschiedenen Zeitungen antwortete. Zweimal gab ich selbst ein Inserat auf, doch ohne Erfolg. Die Zeit verfloß schnell, der 1. Mai kam, und ich hatte die gewünschte Arbeit immer noch nicht gefunden. Was nun? Sollte ich meinen Entschluß ändern, selbst auf die Gefahr hin, während ich mich längere Zeit nach einer passenden Beschäftigung umsah, mein ‚Lebensziel‘ aus den Augen zu verlieren? Nein. Ich trat meinen Pionierdienst an. Den halben Tag widmete ich dem Predigtdienst, und den Rest des Tages suchte ich nach Arbeitsgelegenheiten. Wie tat ich das? Ich ging einfach von einer Firma zur anderen und erklärte den Grund für mein ungewöhnliches Vorsprechen. Auf diese Weise besuchte ich siebzig bis achtzig Firmen, und schließlich war ein Geschäftsmann bereit, mich einzustellen. Am 22. Mai konnte ich meine Arbeit beginnen, und sie setzt mich nun instand, im Vollzeitdienste zu bleiben. Ich habe in den wenigen Wochen, die ich im Pionierdienst verbrachte, schon viel Freude erlebt und schätze dieses Vorrecht sehr, vielleicht um so mehr, weil ich dafür zu kämpfen hatte. Ich bin entschlossen, so lange im Pionierdienst zu bleiben, wie es Jehovas Wille ist.“