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Ein ausschlaggebendes Datum in der GeschichteDer Wachtturm 1965 | 1. Dezember
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ließ, stellen wir fest, daß die Verödung Judas 607 v. u. Z. begann und 537 v. u. Z. endete. Wir begehen dann nicht den gleichen Fehler wie die Zeitforscher der Christenheit, die die Prophezeiungen über die siebzigjährige Verödung außer acht lassen und 587 v. u. Z. als das Jahr der Zerstörung Jerusalems angeben. Dadurch beschränken sie die Verödung Jerusalems und des Landes Juda auf nur fünfzig Jahre. Statt sich auf das unfehlbare Wort Gottes zu verlassen, stützen sie sich auf die unzuverlässigen Berechnungen heidnischer Geschichtsschreiber. — 2. Chron. 36:19-23.
Elf Jahre vor der Zerstörung Jerusalems und vor der Verödung des Landes Juda sah Jeremia in einer Vision den zurückkehrenden Überrest als einen Korb „guter Feigen“. Die begeisterten Heimkehrer glichen diesen Feigen, weil sie zurückkehrten, um die reine Anbetung Jehovas an dem Ort wiederherzustellen, auf den Jehova seinen Namen gelegt hatte. In Jeremia 24:1-7 heißt es: „Ich werde ... sie in dieses Land zurückbringen; und ich werde sie bauen und nicht abbrechen, und sie pflanzen und nicht ausreißen. Und ich will ihnen ein Herz geben, mich zu erkennen, daß ich Jehova bin; und sie werden mein Volk, und ich werde ihr Gott sein; denn sie werden mit ihrem ganzen Herzen zu mir umkehren.“
DIE WAHRE ANBETUNG WIEDER EINGEFÜHRT
Wie gemäß Jesaja 44:28 zweihundert Jahre früher vorhergesagt wurde, führte Kores die Schafe Jehovas in ihre Hürde, in das Land Juda, zurück. Jehova hatte in Verbindung damit auch die Grundlegung des Tempels vorhergesagt. Im siebten Monat, unmittelbar nach ihrer Ankunft, war es noch zu früh für die Gründung des Tempels, doch mit der Wiederaufnahme der Anbetung Jehovas brauchten sie nicht zu warten. Sie waren von erbitterten feindlichen Nationen umgeben. Deshalb machten sie sich zuerst daran, einen annehmbaren Altar zu bauen. Wir lesen:
„Und Jeschua, der Sohn Jozadaks, und seine Brüder, die Priester, und Serubbabel, der Sohn Schealtiels, und seine Brüder machten sich auf und bauten den Altar des Gottes Israels, um Brandopfer darauf zu opfern, wie geschrieben steht in dem Gesetz Moses, des Mannes Gottes. Und sie richteten den Altar auf an seiner Stätte, denn ein Schrecken war auf ihnen vor den Völkern der Länder; und sie opferten auf ihm Brandopfer dem Jehova, die Morgen- und Abend-Brandopfer. Und sie feierten das Laubhüttenfest, wie es vorgeschrieben ist; und sie opferten Brandopfer Tag für Tag, nach der Zahl, nach der Vorschrift, das Tägliche an seinem Tage; und danach das beständige Brandopfer und diejenigen der Neumonde und aller geheiligten Feste Jehovas, und die Brandopfer eines jeden, der Jehova eine freiwillige Gabe brachte.“ — Esra 3:2-5.
In Esra 3:6 wird gesagt: „Am ersten Tage des siebenten Monats fingen sie an, Jehova Brandopfer zu opfern; aber der Grund des Tempels Jehovas war noch nicht gelegt.“ Das war gemäß dem Gregorianischen Kalender am 28./29. September 537 v. u. Z.d Am ersten Tag jenes Monats feierten sie somit den Neumond des siebten Monats jenes Jahres. (4. Mose 10:10; 28:11; 1. Sam. 20:5, 18, 24) Am fünfzehnten Tag jenes Monats begannen sie in Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes das siebentägige Laubhüttenfest oder das Fest der Einsammlung zu feiern. (3. Mose 23:33-43; 2. Mose 23:16; 34:22) Diese „heiligen Versammlungen“ waren für den treuen Überrest der Juden und für ihre Gefährten, die Nethinim, die mit ihnen zurückgekehrt waren und die in Verbindung mit dem Altar dienten, indem sie für Holz und Wasser sorgten, sehr freudige Anlässe. — Esra 2:70.
DIE GRUNDLEGUNG DES TEMPELS
Nun mußten sich Jehovas prophetische Worte über den Tempel: „Er werde gegründet!“, erfüllen, und sie erfüllten sich auch, denn wir lesen:
„Und im zweiten Jahre [536 v. u. Z.] ihres Kommens zum Hause Gottes in Jerusalem, im zweiten Monat [Siwan oder Ijar, dem Monat, in dem König Salomo mit dem Bau des ersten Tempels begonnen hatte], begannen Serubbabel, der Sohn Schealtiels, und Jeschua, der Sohn Jozadaks, und ihre übrigen Brüder, die Priester und die Leviten, und alle, die aus der Gefangenschaft nach Jerusalem gekommen waren, und sie bestellten die Leviten von zwanzig Jahren an und darüber, um Aufsicht zu führen über das Werk des Hauses Jehovas ... Und als die Bauleute den Grund zum Tempel Jehovas legten, ließ man die Priester in ihrer Kleidung hintreten, mit Trompeten, und die Leviten, die Söhne Asaphs, mit Zimbeln, um Jehova zu loben nach der Anweisung Davids, des Königs von Israel ... Viele aber von den Priestern und den Leviten und den Häuptern der Väter, den Alten, welche das erste [von Salomo erbaute] Haus gesehen hatten, weinten mit lauter Stimme, als vor ihren Augen der Grund zu diesem Hause gelegt wurde; viele aber erhoben ihre Stimme mit freudigem Jauchzen ... und der Schall wurde gehört bis in die Ferne.“ — Esra 3:8-13.
Dieses Werk konnte jedoch nicht ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden. Nur reine, Gott hingegebene Hände durften am Wiederaufbau des Hauses Jehovas mitwirken. Die Bewohner der umliegenden Länder durften sich nicht daran beteiligen. Sie begannen daher die Bauarbeiten zu stören. Sie setzten alles daran, den „Plan [der Juden] zu vereiteln, alle die Tage Kores’, des Königs von Persien“. (Esra 4:1-5) Schließlich erwirkten sie eine Verordnung des Königs von Persien, die von den Juden verlangte, daß sie die Bauarbeiten einstellten. „Damals hörte die Arbeit am Hause Gottes in Jerusalem auf, und sie unterblieb bis zum zweiten Jahre der Regierung des Königs Darius von Persien.“ (Esra 4:6-24) Bei diesem Darius handelt es sich natürlich nicht um Darius, den Meder, sondern um den Perserkönig Darius I., der seine Herrschaft im Jahre 522 v. u. Z. antrat.
In den beiden nächsten Wachtturm-Ausgaben wird gezeigt werden, daß die Feinde Gottes den Wiederaufbau des Tempels und der Stadt Jerusalem, für den Jehova die Zeit ebenfalls genau festgelegt hatte, nicht vereiteln konnten. Die vorangegangenen Ausführungen beweisen jedoch zur Genüge, daß das Jahr 537 v. u. Z. ein sehr wichtiges Jahr war. Es war für Jehova und für den treuen Überrest der Juden, die aus Babylon zurückkehrten, damals wichtig. Es ist für Erforscher der Bibel auch heute wichtig, denn aufgrund dieses Jahres können sie ermitteln, wie lange der Mensch schon auf der Erde ist, wann die Flut der Tage Noahs war, wann der abrahamische Bund geschlossen wurde, wann der Auszug aus Ägypten war, wann die Israeliten vierzig Jahre in der Wüste umherwanderten und wann sich noch verschiedene andere wichtige biblische Ereignisse zutrugen. Es ist für einen jeden von uns wichtig, denn es bestätigt das Zeugnis, das uns die heutigen sichtbaren Ereignisse liefern, die zeigen, daß die „sieben Zeiten“ oder die „bestimmten Zeiten der Nationen“ im Jahre 1914 endeten und damals das Königreich Gottes unter Christus im Himmel aufgerichtet wurde.
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Religiöses Ansehen und VerfallDer Wachtturm 1965 | 1. Dezember
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Religiöses Ansehen und Verfall
● „Die Stärke der christlichen Gesellschaft kann nicht an der Zahl ihrer Glieder gemessen werden, deren Namen im Who’s Who [‚Wer ist Wer?‘, Verzeichnis prominenter Persönlichkeiten] erscheinen.“ In diesem Sinne äußerte sich vor kurzem Elton Trueblood, Professor der Philosophie und Religion am Earlham College in Richmond (Indiana). Er schrieb in der Zeitschrift Presbyterian Life unter anderem: „Vielerorts mangelt es in den Kirchen, die sich durch ihre Polsterstühle, ihre prächtigen Orgeln und ihre Berufssänger auszeichnen, an der Initiative, die in Kirchen zu finden ist, die in den kleinen, armseligen Räumen ehemaliger Verkaufsgeschäfte untergebracht sind. Kleine, aber tatkräftige Gruppen von Zeugen Jehovas versammeln sich in ihren bescheidenen Lokalitäten, Königreichssäle genannt, und die ‚Anonymen Alkoholiker‘ kommen überall, wo sich die Gelegenheit bietet, zusammen. Doch das Fehlen jeden Gepränges scheint sie nicht zu hindern.“ Auf die ersten Christen hinweisend, schrieb er weiter: „Sie haben jedoch gesiegt, während die meisten angesehenen Leute der damaligen Zeit heute vergessen sind ... Da unsere Religion vornehmlich oder hauptsächlich durch die gutgekleideten Leute aus den oberen Schichten des Mittelstandes vertreten wird, die sonntags morgens für eine Stunde in eine imposante Kirche gehen, können wir dessen gewiß sein, daß unser Verfall bereits begonnen hat.“
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