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  • Das Übersetzen der Bibel — eine gefährliche Aufgabe
    Der Wachtturm 1975 | 15. März
    • unterdessen die Überarbeitung seines Werkes und das Übersetzen nicht auf.

      In kirchlichen Kreisen Englands war man wütend. Am 4. Mai 1530 verbrannte man auf dem St. Paul’s Cross (einem Platz) in London mehrere Ausgaben der Übersetzung Tyndales. Ende Mai wurde auf Betreiben der Kirche ein königliches Dekret herausgegeben, das Tyndales Übersetzungen der Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen als schädliche Bücher bezeichnete und in dem es unter anderem hieß: „Verwerft sie, verabscheut sie; haltet sie nicht in der Hand, übergebt sie denen, die sie einsammeln.“ Denen, die dieser Aufforderung nicht gehorchen würden, drohte das Dekret mit den Worten: „Die Prälaten der Kirche, die sich fürsorglich Eurer Seelen annehmen, sollten Euch zwingen, und Euer Fürst sollte Euch bestrafen und zurechtweisen.“ Man unternahm große Anstrengungen, die Übersetzungen in England und anderen Ländern zu vernichten.

      Einer der Gründe, weshalb Tyndale auf so entschiedenen Widerstand stieß, bestand darin, daß er sich nicht an kirchliche Ausdrücke hielt, sondern Wörter gebrauchte, die die Sinnfeinheiten der Originalsprache vermittelten. Zum Beispiel benutzte er das Wort „Versammlung“ statt Kirche und „Aufseher“ statt Bischof. Daß Tyndale Wörter verwendete, die dem griechischen Urtext näherkamen, machte auf die Kirche keinen Eindruck. Tyndale hatte sich sogar bereit erklärt, alles zu ändern, was sich als falsch erweisen würde oder was deutlicher übersetzt werden könnte. Doch die kirchlichen Würdenträger wünschten einfach nicht, daß das allgemeine Volk die Bibel las, da es sonst die Auslegungen der Kirche verwerfen könnte.

      Kurze Zeit danach wurde Tyndales Schaffen ein jähes Ende gesetzt. Ein gewisser Phillips, der sich als ein Freund ausgegeben hatte, verriet ihn an seine Feinde. Tyndale wurde im Gefängnis von Vilvoorde, in der Nähe von Brüssel, gefangengehalten. Im September 1536 wurde er durch Erdrosselung hingerichtet und verbrannt.

      So endete das Leben eines großen Gelehrten, dessen Arbeiten während der folgenden fast 400 Jahre das Übersetzen der Bibel ins Englische entscheidend beeinflußten. Tyndale setzte durch seine Arbeit sein Leben aufs Spiel, nicht etwa, weil er nach Ruhm, persönlicher Anerkennung und Einfluß strebte, sondern um dem gewöhnlichen Menschen Gottes Wort zugänglich zu machen.

      DIE BIBEL IN CHINESISCH

      Im Jahre 1807, 271 Jahre nach Tyndales Hinrichtung, traf Robert Morrison, ein protestantischer Missionar, in Kanton (China) ein. Schon bald beschäftigte er sich mit dem Übersetzen der Bibel ins Chinesische. Morrison hatte sich bereits einige Kenntnisse der chinesischen Sprache erworben, doch bedurfte er darin noch der Hilfe. Diese Hilfe war nicht leicht zu finden, denn das Übersetzen der Bibel ins Chinesische war ein gefährliches Unterfangen; es stand die Todesstrafe darauf. Morrison gelang es indes, die Unterstützung zweier chinesischer Gelehrter zu erhalten. Einer von ihnen fürchtete sich so sehr, gefaßt und qualvoll zu Tode gebracht zu werden, daß er für den Fall seiner Gefangennahme Gift bei sich trug, um sich selbst das Leben nehmen zu können.

      Fremde durften damals nur sechs Monate im Jahr in Kanton bleiben, weshalb Morrison die Stadt immer wieder für sechs Monate verlassen mußte. Zwischendurch hielt er sich in Macau auf. Da er bei der East India Company die Stelle eines Übersetzers angetreten hatte, konnte er wieder nach Kanton zurückkehren.

      Tagsüber befaßte sich Morrison während seiner Arbeit für die East India Company mit den üblichen geschäftlichen Dingen und arbeitete an einem chinesisch-englischen Wörterbuch und einer chinesischen Grammatik. Nachts arbeiteten er und seine chinesischen Helfer an der Übersetzung der Bibel.

      Im Jahre 1810 wurde die Apostelgeschichte in Chinesisch auf handgefertigten hölzernen Druckstöcken gedruckt. Da Morrison nicht wollte, daß diese Druckstöcke in falsche Hände kamen, vergrub er sie, bevor er nach Macau ging. Seine Enttäuschung war jedoch groß, als er sechs Monate später zurückkehrte und entdeckte, daß die Druckstöcke von Termiten verzehrt worden waren.

      Trotz mancher Probleme und Rückschläge beendete Morrison mit Hilfe eines anderen Missionars, William Milne, im Jahre 1814 die Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften. Im Jahre 1818 war die ganze Bibel übersetzt.

      Das Übersetzen der Bibel ist tatsächlich eine gefährliche Aufgabe gewesen. Übersetzer wie Tyndale und Morrison gingen in ihrer Aufgabe auf; es waren mutige Männer, die entschlossen waren, trotz gewaltiger Hindernisse nicht aufzugeben. Was sie taten, war im Einklang mit Gottes Willen, allen Menschen die Gelegenheit zu geben, ‘zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit zu kommen’ (1. Tim. 2:3, 4).

  • Das Werk des Jüngermachens in Frankreich wird ‘beschleunigt’
    Der Wachtturm 1975 | 15. März
    • Das Werk des Jüngermachens in Frankreich wird ‘beschleunigt’

      UNGEFÄHR fünfzig christlichen Zeugen Jehovas, die von einem Ende bis zum anderen Ende Frankreichs tätig sind, wurde kürzlich die Frage vorgelegt: „Wie sind die Franzosen heute zur Religion eingestellt?“ In den schriftlichen Antworten kam am häufigsten das Wort „gleichgültig“ vor. Dafür scheint es mehrere Gründe zu geben.

      In den letzten Jahren ist der Lebensstandard der meisten Franzosen gestiegen. Der Materialismus ist für viele zur neuen Religion geworden. Viele Franzosen sind über die katholische Kirche verärgert, nicht aus rein religiösen Gründen, sondern wegen der Änderungen, die beliebte Sitten und Gebräuche betreffen. Andere Katholiken, besonders solche der älteren Generation, sind über die noch umwälzenderen Veränderungen innerhalb der Kirche beunruhigt, wie zum Beispiel die Aufhebung des Verbots, am Freitag Fleisch zu essen, die Streichung von „Heiligen“, die Abschaffung von Bildnissen, gewisse Änderungen in der Messe und die vermehrte Betätigung der Geistlichen in der Politik. Trotzdem halten immer noch viele Franzosen, besonders in kleineren Städten und ländlichen Gegenden, aus Familientradition an der katholischen Religion fest.

      Außer dem überwiegenden Teil der Bevölkerung, der sich zum katholischen Glauben bekennt, gibt es in Frankreich ungefähr eine Million Protestanten, mehrere Millionen, die regelmäßig die Kommunisten wählen, und eine große Zahl atheistischer Freidenker.

      Wie reagieren die Franzosen als Anhänger dieser verschiedenen Kirchen und Weltanschauungen auf die Tätigkeit der Zeugen Jehovas? Vor Jahren betrachtete man Jehovas Zeugen in Frankreich als eine unbedeutende protestantische Sekte — ein Gedanke, der von katholischen Priestern propagiert wurde. Aber die Protestanten, die zwar sehr stolz auf ihre Religion sind, tun nur wenig oder gar nichts zu ihrer Verbreitung. Außerdem haben sich die französischen Protestanten in den letzten Jahren in zunehmendem Maße politisch betätigt. Dies trägt — abgesehen von dem Unterschied in der Lehre — dazu bei, daß die französische Bevölkerung erkennt, daß Jehovas Zeugen keine Protestanten sind.

      Der Landbevölkerung fällt es schwerer, Vorurteile gegen Jehovas Zeugen abzulegen, doch durch die häufigeren Besuche der Zeugen werden diese Vorurteile allmählich abgebaut. Außerdem lassen sich immer mehr Industriebetriebe in ländlichen Gegenden nieder, und die aus anderen Orten stammenden Arbeiter, die Jehovas Zeugen kennen, tragen dazu bei, daß die einheimische Bevölkerung mehr über uns erfährt. Da wir nun nahezu 57 000 aktive Prediger haben und mehr als 100 000 Personen unsere Zusammenkünfte besuchen und eine noch größere Anzahl mit uns die Bibel studiert, gibt es in Frankreich immer weniger

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