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Das Vorbild der bevorstehenden „großen Drangsal“Der Wachtturm 1970 | 15. Juli
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Das Vorbild der bevorstehenden „großen Drangsal“
„Dann wird große Drangsal herrschen, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt noch keine gegeben hat, nein, noch je wieder geben wird. Tatsächlich, wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.“ — Matth. 24:21, 22.
1. Wann und nach welchen Ereignissen, die mit Jerusalem in Beziehung standen, wurde Daniel von der schlimmsten Zeit der Drangsal der ganzen Menschheitsgeschichte unterrichtet?
VOR über zweitausendfünfhundert Jahren, nämlich nach dem Sturz des mächtigen babylonischen Weltreiches, wurde dem betagten Propheten Daniel gesagt, es werde eine Zeit der Drangsal kommen, wie es in der ganzen Menschheitsgeschichte noch nie eine gegeben habe. (Dan. 10:1 bis 12:1) Er sollte deswegen seinen inneren Frieden aber nicht verlieren. (Dan. 12:13) Daniel hatte damals schon über achtzig Jahre als Gefangener in dem götzendienerischen Babylon, das am Euphrat im Nahen Osten lag, zugebracht. Dort hatte er die Zerstörung der heiligen Stadt Jerusalem überlebt, die der König von Babylon im Jahre 607 v. u. Z. herbeigeführt hatte. (Dan. 1:1 bis 2:1, 14) Doch kurz nachdem das mächtige babylonische Reich selbst gestürzt worden war, erhielt Daniel aus dem Worte Gottes die Zusicherung, daß die Stadt Jerusalem wieder aufgebaut werde. Sie sollte nach der Vorhersage des Propheten Jeremia, des Freundes Daniels, nur siebzig Jahre verödet sein. (Dan. 9:1-3) Darüber hinaus versicherte ein Engel Gottes Daniel, daß der langersehnte „Messias, der Führer“, zu dieser wieder erbauten Stadt Jerusalem kommen werde. Doch das sollte nicht mehr zur Zeit des betagten Daniel geschehen.
2. (a) Wann sollte sich gemäß dem, was Daniel gesagt wurde, der „Messias, der Führer“, Jerusalem zeigen, und welcher Zeitabschnitt sollte damit beginnen? (b) Was sollte danach mit dem wiederaufgebauten Jerusalem geschehen?
2 Wie lange danach sollte dies geschehen? Der Engel Gottes sagte zu Daniel, Jehova Gott habe in Verbindung mit dem Kommen dieses „Messias, des Führers“, siebzig Wochen von Jahren oder 490 (7 × 70) Jahre bestimmt. Am Ende der neunundsechzigsten jener Jahrwochen oder nach 483 Jahren sollte sich der Messias dem Volke Daniels zeigen. Wann sollten diese Wochen von Jahren beginnen? Wenn der Befehl ergehen würde, die Mauer Jerusalems wieder zu bauen und wiederherzustellen. Die siebzigste Jahrwoche würde also mit dem Erscheinen des Messias beginnen. Doch in der Mitte jener Woche oder nach dreieinhalb Jahren sollte der Messias auf eine Weise „abgeschnitten“ werden, daß er in Jerusalem „Schlachtopfer und Opfergaben aufhören lassen“ würde. Nach Ablauf der siebzig Jahrwochen sollte wegen eines „abscheulichen Dings“, das „Verwüstung“ verursachen würde, eine furchtbare Drangsal über Jerusalem hereinbrechen. (Dan. 9:24-27, NW) Sollte diese Drangsal etwas mit der größten Drangsal zu tun haben, die über die Menschheit kommen sollte? Daniel starb, bevor er die Antwort auf diese Frage erhielt.
3. (a) Wie und wann erschien der Messias genau zur richtigen Zeit? (b) Wo befand er sich in der Mitte der „siebzigsten Woche“, und mit wem war er zusammen?
3 Der Titel Messias bedeutet „Gesalbter“. Im Herbst des Jahres 29 u. Z. wurde ein Mann gesalbt, nicht von einem Menschen, sondern von Gott, auch nicht mit Salböl, sondern mit Gottes heiligem Geist. Gott hielt sich genau an die Zeit und nahm diese Salbung zur rechten Zeit, zu Beginn der siebzigsten Jahrwoche, vor. Er salbte Jesus, seinen Sohn in Menschengestalt, unmittelbar nachdem dieser von Johannes dem Täufer im Jordan getauft worden war. Durch diese Salbung mit heiligem Geist wurde Jesus der „Messias, der Führer“. Auf diese Weise erschien der Messias, und die ereignisreiche siebzigste Jahrwoche brach an. Der Messias begann, dem Zweck seiner Salbung entsprechend, Gottes messianisches Königreich zu predigen. Dadurch machte er sich in Jerusalem und Judäa und in den umliegenden Provinzen viele Feinde. In der Mitte der siebzigsten Jahrwoche, nämlich im Vorfrühling des Jahres 33 u. Z., befand sich Jesus, der Messias, zusammen mit den zwölf Aposteln, die er ausgewählt hatte, in Jerusalem.
4. Was sagte er zu den Anbetern im Tempel zu Jerusalem über ihr „Haus“, und bis wann sollten sie ihn nicht mehr sehen?
4 Am Dienstag, dem 11. Nisan, drei Tage vor dem Passahfest, besuchte er den wiederaufgebauten Tempel in Jerusalem. Die Zerstörung des wiederaufgebauten Jerusalem hatte er bereits vorhergesagt. Nun sagte er zu den in Jerusalem anbetenden Gläubigen, ihr „Haus“, das heißt ihr Tempel, werde ihnen verödet überlassen werden. Dann fügte er hinzu: „Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von nun an auf keinen Fall mehr sehen, bis ihr sagt: ‚Gesegnet ist, der im Namen Jehovas kommt!‘“ (Matth. 23:37-39) Er verließ den Tempel und wurde nie mehr darin gesehen.
5. (a) Was sagte Jesus über die Steine des Tempels? (b) Welche Frage stellten ihm seine Jünger an jenem Tag etwas später auf dem Ölberg?
5 Als Jesus hinausging, machten ihn seine Apostel auf die Bauten des Tempels und auf dessen Steine aufmerksam. Darauf wies er sie auf die furchtbaren Folgen hin, die die Verödung des Tempels für die Bevölkerung von Jerusalem haben würde, indem er sagte: „Seht ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich ich sage euch: Bestimmt wird hier nicht ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird.“ (Matth. 24:1, 2) Etwas später an jenem Tag betrachtete er und seine Apostel den Tempel vom Ölberg aus. Beim Anblick Jerusalems und seines Tempels erinnerten sich die Apostel an die Worte Jesu. Sie stellten ihm deshalb die Frage: „Sage uns: Wann werden diese Dinge geschehen, und was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“ — Matth. 24:3.
6. Warum stellten die Apostel die aus drei Teilen bestehende Frage?
6 Wann würden diese Dinge geschehen, durch die Jerusalem und sein Tempel zerstört werden sollten? Jesus hatte doch zu den Bewohnern von Jerusalem gesagt, sie würden ihn nicht mehr sehen, bis sie zu ihm sagen würden: „Gesegnet ist, der im Namen Jehovas kommt!“ Wann würde er also von dem Ort, wohin er ginge, zurückkehren und wieder dasein? Wann würde der Abschluß des Systems der Dinge sein, ohne den diese Dinge nicht geschehen könnten?
7. Was umfaßte die Frage der Apostel alles, und was wollten sie durch ihre Beantwortung in erster Linie wissen?
7 Offenbar wußten die Apostel nicht, was jene drei Dinge alles einschlossen, über die sie Jesus befragten. Jesus wußte es aber, und darum gab er ihnen eine umfassendere Antwort, als sie es erwartet haben mögen, eine Antwort, die sich auf eine fernere Zeit bezog, als sie wahrscheinlich vermuteten. Es ist jedoch ganz klar, daß sie in erster Linie wissen wollten, wann Jerusalem und sein Tempel zerstört würden. Würde es noch zu ihren Lebzeiten, in ihrer Generation, geschehen? Jesus beantwortete daher ihre dreifache Frage zunächst von diesem Gesichtspunkt aus, indem er sich auf das buchstäbliche Jerusalem und dessen Tempel bezog. Er sagte:
8, 9. Würden jene Verführer, die Jesus vorhersagte, behaupten, sie seien Jesus, und warum würden sie bei den Juden großen Anklang finden?
8 „Seht zu, daß euch niemand irreführe; denn viele werden aufgrund meines Namens kommen und sagen: ‚Ich bin der Christus‘ und werden viele irreführen. Ihr werdet von Kriegen und Kriegsberichten hören; seht zu, daß ihr nicht erschreckt. Denn diese Dinge müssen geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.“ — Matth. 24:4-6.
9 Diese Verführer würden nicht kommen und sagen: „Ich bin Jesus“, sondern sie würden sich den Titel Messias zulegen und sagen: „Ich bin der Christus.“ Um Juden irreführen zu können, durften jene angeblichen Messiasse keine Heiden sein; es mußten Juden sein. Im Hinblick auf die bevorstehende Zerstörung Jerusalems würden sie als Befreier oder als Beschützer der heiligen Stadt auftreten und würden daher bei den Juden großen Anklang finden und viele irreführen. Sie würden genau das Gegenteil von dem verkündigen, was Jesus, der wahre „Messias, der Führer“, verkündigte, der die Zerstörung der Stadt Jerusalem und ihres Tempels ankündigte. Aufgrund dieser Warnung konnten die Jünger Jesu diese angeblichen Christusse, die nicht mit Gottes Geist gesalbt worden waren, als falsche Christusse erkennen.
10. Was beweist, daß Jesus keine falsche Vorhersage machte?
10 Jesus machte keine falsche Vorhersage, denn der Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet von drei falschen Messiassen, deren Wirksamkeit eine der Ursachen für die Empörung gegen das Römische Reich war, die zur Zerstörung Jerusalems führte.
„KRIEGE UND KRIEGSBERICHTE“
11. Wann sollten die Apostel von „Kriegen und Kriegsberichten“ hören?
11 Es sollten aber nicht nur falsche Christusse erscheinen (was beweisen würde, daß Jesus Christus nicht im Fleische zugegen wäre), sondern die Apostel sollten auch „von Kriegen und Kriegsberichten hören“. Einige dieser Kriege sollten sich in ihrer nächsten Umgebung abspielen, so daß sie den Kriegslärm unmittelbar hören könnten und nicht nur Berichte über ferne Schlachten zu hören bekämen. Wann sollte dies geschehen? Da Jesus mit den erwähnten prophetischen Worten seine Beschreibung der Zerstörung des irdischen Jerusalem einleitete, mußten diese Kriege in die Zeit zwischen der Äußerung dieser Prophezeiung und der Zerstörung der heiligen Stadt fallen, vor allem deshalb, weil die Apostel davon „hören“ sollten.
12. (a) Welche Frage erhebt sich in bezug auf diese Kriege und die im nächsten Vers (7) erwähnten internationalen Auseinandersetzungen? (b) Was haben einige Kommentatoren gefolgert, weil Lukas seinen Bericht an dieser Stelle unterbricht?
12 Wie verhält es sich aber mit den Kriegen, die Jesus gemäß dem nächsten Vers, dem Vers 7, mit den Worten erwähnte: „Denn Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es wird Lebensmittelknappheiten und Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben.“? Sind das andere als die in den vorangehenden Worten prophezeiten Kriege? In dem entsprechenden Bericht des Evangelisten Lukas finden wir an dieser Stelle eine Unterbrechung. Nach der Anführung der Worte Jesu: „Wenn ihr ferner von Kriegen und Unruhen hört, so erschreckt nicht. Denn diese Dinge müssen vorerst geschehen, aber das Ende kommt nicht sogleich“ setzt Lukas seinen Bericht fort mit den Worten: „Dann fuhr er fort zu ihnen zu sagen: ‚Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich; und es wird große Erdbeben geben und an einem Ort nach dem anderen Seuchen und Lebensmittelknappheiten; auch wird es furchteinflößende Anblicke und große Zeichen vom Himmel her geben.‘“ (Luk. 21:9-11) Einige Kommentatoren haben aus dieser Unterbrechung im Bericht des Lukas gefolgert, daß Jesus hier von etwas Neuem zu sprechen begonnen habe. Ist diese Schlußfolgerung jedoch vernünftig, wenn man bedenkt, daß Jesus immer noch bei der Einleitung zu seiner Beschreibung der Zerstörung Jerusalems war?
13. (a) Was sollten die Apostel nicht denken, wenn sie von solchen Kriegen hören würden? (b) Gab es solche Kriege in den Tagen der Apostel?
13 Jesus wies durch diese Prophezeiung in erster Linie unmißverständlich auf internationale Kriege hin, die vor der drohenden Zerstörung Jerusalems geführt werden sollten. Indem er dann hinzufügte, Nation werde sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, erklärte er seinen Aposteln, warum sie von Kriegen und Kriegsberichten hören würden. Sie sollten sich durch solche Kriege indes nicht beunruhigen lassen, da diese nicht das Zeichen dafür wären, daß das Ende unmittelbar bevorstehe. Die Weltgeschichte bestätigt, daß in der Zeit zwischen der Himmelfahrt Jesu und der Zerstörung der heiligen Stadt tatsächlich solche Kriege geführt wurden. Da waren unter anderem die Partherkriege in Südwestasien, die Aufstände in den römischen Provinzen Gallien und Spanien und der Krieg, den Asinaeus und Alinaeus im Osten des Römischen Reiches gegen die Parther führten, oder die Parthische Kriegserklärung gegen König Izates vom Lande Adiabene.a
14. (a) Erhoben sich damals Nationen in einem Ausmaß gegeneinander, daß die Juden davon betroffen wurden? (b) Was sollte gemäß den Aussagen gewisser Rabbiner geschehen, wenn sich Königreich gegen Königreich und Nation gegen Nation erheben würde?
14 Zugegeben, diese Kriege standen nicht in unmittelbarer Beziehung zu Jerusalem; wir dürfen aber nicht vergessen, daß Jesus einfach vorhersagte, Nation werde sich gegen Nation und Königreich gegen Königreich erheben; damit konnten auch ausschließlich nichtjüdische Kriege gemeint sein. Die Juden hatten damals unter der Herrschaft des Römischen Reiches kein Königreich. Dennoch erhoben sie sich gegen andere Nationen, und andere Nationen — unter anderem die Syrer und die Samariter — erhoben sich gegen sie, so daß Zehntausende von ihnen niedergemacht wurden. Die Juden hatten in jener Zeit viel zu leiden. Einige Rabbiner hatten ihnen gesagt, wenn sich Königreich gegen Königreich und Stadt gegen Stadt erheben werde, so sei dies ein Zeichen dafür, daß die Zeit des Messias, die Zeit seines Erscheinens, nahe sei.
15. Was kann über Erdbeben in der damaligen Zeit gesagt werden?
15 Auch von Erdbeben, die sich damals ereigneten, berichtet die Geschichte. Unter der Herrschaft des Kaisers Claudius ereignete sich auf der Insel Kreta ein Erdbeben. Weitere Erdbeben ereigneten sich in Smyrna, Hierapolis, Kolossä, auf Chios, in Milet und auf Samos. Unter der Herrschaft des Kaisers Nero zerstörte ein Erdbeben die Stadt Laodicea. Nach einem Bericht des römischen Geschichtsschreibers Tacitus wurde sogar Rom von einem Erdbeben heimgesucht, und Josephus berichtet in seiner Geschichte des Jüdischen Krieges (Viertes Buch, 4. Kapitel, Absatz 5) von einem schrecklichen Erdbeben in Judäa selbst.
16. Gab es damals auch Hungersnöte und Seuchen?
16 Auch Hungersnöte gab es damals. Über eine, die der christliche Prophet Agabus vorhersagte und die unter der Herrschaft des Kaisers Claudius eintrat, wird in Apostelgeschichte, Kapitel 11, in den Versen 27 bis 30 berichtet. Nach diesem Bericht fielen jener Hungersnot viele Juden in Jerusalem zum Opfer. Nahrungsmittelknappheit und Unterernährung führten natürlich zu Krankheiten und Seuchen. Es kam genauso, wie Jesus es vorhergesagt hatte.
17. (a) Als was sollten diese Dinge damals nicht gedeutet werden? Doch welche Wirkung sollten sie auf die Jünger ausüben? (b) Wovor wurden die Jünger gewarnt, und welches Werk sollte überall durchgeführt werden?
17 Diese Dinge sollten jedoch nicht die unmittelbaren Vorboten der Zerstörung Jerusalems, der „Stadt des großen Königs“, sein. Nachdem Jesus diese Dinge vorhergesagt hatte, fügte er die Worte hinzu: „Alle diese Dinge sind ein Anfang der Bedrängniswehen.“ (Matth. 24:8) Soweit diese Dinge in einer gewissen Beziehung zu Jerusalem standen, waren sie der Anfang der Bedrängniswehen, die über diese Stadt und die Provinz Judäa kommen sollten. Sie bedeuteten aber nicht das unmittelbare Ende der heiligen Stadt und die Verwüstung Judäas. Sie bildeten lediglich den Anfang der Bedrängniswehen. Doch diese Tatsache sollte die Christen nicht veranlassen zu denken, sie könnten sich noch etwas Zeit nehmen und sich noch etwas entspannen, weil es „noch nicht das Ende“ sei. (Matth. 24:6; 5:35) Sie sollten noch ein ausgedehntes Werk durchführen, und das setzte große Anstrengungen und die Bereitschaft voraus, um des Glaubens willen Verfolgung auf sich zu nehmen. Gemäß den Versen 9 bis 13 warnte Jesus daher seine Apostel vor der Verfolgung durch Juden und Nichtjuden, er machte sie auf die Ausbreitung der Gesetzlosigkeit und auf die Notwendigkeit auszuharren aufmerksam und sagte dann noch: „Und diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen.“ — Matth. 24:14.
18. (a) Welches zusätzliche Gebot gab der auferstandene Jesus seinen Jüngern kurz vor seiner Himmelfahrt? (b) Was kann über die Durchführung dieses Werkes vor der Zerstörung Jerusalems gesagt werden?
18 Etliche Wochen später, nach seiner Auferstehung von den Toten, aber noch vor seiner Himmelfahrt, gebot Jesus seinen Jüngern: „Geht daher hin und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, indem ihr sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes tauft und sie lehrt, alles zu halten, was ich euch geboten habe.“ (Matth. 28:19, 20) Einige Tage danach, nämlich nach Pfingsten, begannen die treuen Jünger, diesem Gebot nachzukommen. Mit welchem Ergebnis? Nun, um das Jahr 60/61 u. Z. konnte der Apostel Paulus während seines Aufenthalts als Gefangener in Rom an die Christenversammlung in Kolossä (Kleinasien) über ihre Hoffnung folgendes schreiben: „... [die] Hoffnung dieser guten Botschaft, die ihr gehört habt und die in der ganzen Schöpfung, welche sich unter dem Himmel befindet, gepredigt worden ist.“ (Kol. 1:23) Paulus beabsichtigte damals auch, nach Spanien zu reisen, um dort als Pionier die gute Botschaft von Gottes Königreich zu verkündigen. (Röm. 15:23, 24) Gottes Königreich wurde also bereits zehn Jahre vor der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. auf der bewohnten Erde gepredigt. Das „Ende“ konnte nicht kommen, bevor dieses Werk beendet war. — Matth. 24:14.
DAS ENDE JERUSALEMS IM ERSTEN JAHRHUNDERT
19. Welches Ereignis sollte jedoch die Zeit kennzeichnen, in der schnellstens gehandelt werden müßte, und warum?
19 Unmittelbar nachdem Jesus das Herannahen des „Endes“ erwähnt hatte, sprach er über die heilige Stadt, für die das Ende im ersten Jahrhundert u. Z. kommen sollte. Nach Matthäus 24:15-22 sagte er: „Wenn ihr daher das abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht, von dem Daniel, der Prophet, geredet hat, an heiliger Stätte stehen seht (der Leser wende Unterscheidungsvermögen an), dann sollen jene, die in Judäa sind, in die Berge zu fliehen beginnen. Wer auf dem Hausdach ist, steige nicht hinab, um die Güter aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Felde ist, kehre nicht ins Haus zurück, um sein äußeres Kleid mitzunehmen. Wehe den schwangeren Frauen und denen, die ein Kleinkind stillen in jenen Tagen! Betet unablässig, daß eure Flucht nicht zur Winterzeit erfolge noch am Sabbattage; denn dann wird große Drangsal herrschen, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt noch keine gegeben hat, nein noch je wieder geben wird. Tatsächlich, wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.“
20. Warum war es im Hinblick darauf, daß die Jünger aus Judäa fliehen sollten, angebracht, daß Jesus ihnen solche genauen Anweisungen gab?
20 Jesus sprach hier unzweideutig von der Provinz Judäa. Er wies seine Jünger an, aus dieser Provinz zu fliehen, und das schloß notwendigerweise auch Jerusalem, die heilige Stadt der Juden, ein. In Judäa, wo das Sabbatgesetz galt und man deshalb am Sabbat keine große Entfernung zurücklegen, keine Lasten tragen und nicht einmal Flüchtlingen das Stadttor öffnen durfte, wäre das Reisen an einem solchen Tag schwierig gewesen, und vor allem schwangere Frauen oder stillende Mütter hätten Mühe gehabt, eilends wegzukommen. Auch die Winterzeit mit ihren schlechten Wetterverhältnissen hätte eine Flucht sowohl solchen Frauen als auch allen übrigen Personen sehr erschwert. Wenn das von Jesus vorhergesagte Zeichen zu sehen wäre, sollte jedermann — wenn nötig sogar über die Hausdächer oder ohne von den Feldern außerhalb der Stadt zurückzukehren — fliehen, ja Judäa schnellstens verlassen.
21. Welche Umstände würden eine Flucht in größter Eile erforderlich machen?
21 Warum denn diese außergewöhnliche Eile? Nun, weil jetzt „das Ende“ nahe wäre. Eine „große Drangsal“ stände jetzt unmittelbar bevor, eine Drangsal, in der „kein Fleisch gerettet“ würde, wenn die Tage nicht verkürzt würden. Um der von Gott Auserwählten willen würden aber jene Tage verkürzt werden. Unter diesen Umständen würde nur das Fleisch weniger Bewohner von Judäa gerettet werden. Wer daher nicht Gefahr laufen wollte, unter den vielen zu sein, deren Fleisch in jener „großen Drangsal“ nicht gerettet würde, müßte den Anweisungen Jesu nachkommen, also Judäa verlassen und in die Berge fliehen.
22, 23. (a) An welcher „heiligen Stätte“ sollte der Greuel, der Verwüstung verursacht, nie stehen? (b) Wie geht aus dem entsprechenden Bericht des Lukas hervor, daß dies wirklich die heilige Stätte war?
22 Was war denn die „heilige Stätte“, an der das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, stehen würde? Nun, was war für ganz Judäa die „heilige Stätte“? Die heilige Stadt Jerusalem und ihre unmittelbare Umgebung. An dieser „heiligen Stätte“ sollte das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, nicht, und zwar zu keiner Zeit, stehen. (Mark. 13:14-20) Der Evangelist Lukas nennt in seinem Bericht über diese Prophezeiung Jesu Jerusalem sogar mit Namen. Wir lesen in Lukas 21:20-24:
23 „Wenn ihr ferner die Stadt Jerusalem von Heeren umlagert seht, dann erkennt, daß ihre Verwüstung nahe gekommen ist. Dann sollen jene, die in Judäa sind, in die Berge zu fliehen beginnen, und die in ihrer Mitte sind, sollen hinausgehen, und jene, die sich an Orten auf dem Lande befinden, sollen nicht in sie hineingehen; denn das sind Tage, in denen nach dem Recht verfahren wird, damit alles erfüllt werde, was geschrieben steht. Wehe den schwangeren Frauen und denen, die ein Kleinkind stillen in jenen Tagen! Denn dann wird große Not im Lande sein und Zorn über diesem Volk; und sie werden durch die Schärfe des Schwertes fallen und als Gefangene zu allen Nationen geführt werden; und Jerusalem wird von den Nationen niedergetreten werden, bis die bestimmten Zeiten der Nationen erfüllt sind.“
24. (a) Wie kam es, daß die Judenchristen Jerusalem von Heeren umlagert sahen? (b) Was ließ sie dies erkennen?
24 Wann sahen die Judenchristen in Judäa „Jerusalem von Heeren umlagert“? Im Jahre 66 u. Z., als nach der Empörung der Juden die Römer unter dem Feldherrn Cestius Gallus zur Zeit des Laubhüttenfestes (19. bis 25. Oktober) gegen Jerusalem zogen. Das war genau dreißig Jahre nachdem die von Daniel vorhergesagte siebzigste Jahrwoche im Jahre 36 u. Z. zu Ende gegangen war. Am 30. des jüdischen Monats Tischri oder um den 3./4. November führte der Feldherr Gallus sein Heer in die Stadt hinein. Fünf Tage griffen die Römer die Tempelmauer an, und am sechsten Tag gelang es ihnen, die Mauer zu untergraben. Dann ließ Gallus plötzlich unbegreiflicherweise seine Soldaten den Rückzug antreten. Die Juden jagten ihnen nach und fügten ihnen schwere Verluste zu. Demnach begann für die Juden in Jerusalem und Judäa die beispiellose „große Drangsal“ damals noch nicht. Doch nun wußten die Judenchristen, daß sie nahe war.
25. (a) Was sahen die Jünger somit in Judäa an der Stätte stehen, wo es nicht stehen sollte? (b) Wie war dieses Ding und die Verwüstung, die es verursachen würde, in Daniel 9:26, 27 (NW) vorhergesagt worden?
25 Als die römischen Soldaten auf dem von den Juden als heilig betrachteten Gebiet rings um die Stadt standen und sogar die Tempelmauer untergruben, sahen die Judenchristen das „abscheuliche Ding“, das Verwüstung verursacht, an „heiliger Stätte“ stehen, wo es „nicht stehen sollte“. Das war das in Daniel 9:27 (NW) vorhergesagte „abscheuliche Ding“. Wie wir in diesem Vers lesen, sagte Daniel, nachdem er die Ereignisse der siebzigsten Jahrwoche beschrieben hatte: „Und auf dem Flügel abscheulicher Dinge wird das sein, das Verwüstung verursacht; und bis zu einer Ausrottung wird sich dann gerade das, was beschlossen ist, auch über den verödet Liegenden ergießen.“ Diese Verwüstung der wiederaufgebauten Stadt Jerusalem wird im vorangehenden Vers (26b, NW) mit folgenden Worten beschrieben: „Und die Stadt und die heilige Stätte wird das Volk eines Führers, der kommt, in ihr Verderben bringen. Und das Ende davon wird durch die Flut sein. Und bis zum Ende wird es Krieg geben; das, was beschlossen ist, sind Verwüstungen.“ Jesus sagte, Daniel habe dieses „abscheuliche Ding“ vorhergesagt.
26. (a) Wer war dieser vorhergesagte „Führer“, wer war das „Volk“, und wann wurde das Land überflutet? (b) Wie entrannen die jüdischen „Auserwählten“ in Judäa dieser Überflutung?
26 Wer war denn der kommende „Führer“, dessen „Volk“ über die „Stadt und die heilige Stätte“ Verderben brachte? Es war der Feldherr Titus, der Sohn des Feldherrn Vespasian, der im Jahre 69 u. Z. römischer Kaiser wurde. In den Hebräischen Schriften wird ein Heer wiederholt als „Volk“ bezeichnet. Von einem Heer wird auch gesagt, es überflute das Land, in das es eindringe. Zu dieser Überflutung Jerusalems durch das Kriegs„volk“ des „Führers“, des Feldherrn Titus, kam es erst im Frühling des Jahres 70 u. Z. Vom Rückzug des Heeres unter dem Feldherrn Gallus im November 66 bis zum Vorfrühling des Jahres 70 u. Z. vergingen also mehr als drei Jahre und fünf Monate. Diese günstige Zwischenzeit nutzten die Judenchristen in Jerusalem und Judäa aus, um in die „Berge“ außerhalb dieser zum Untergang verurteilten Provinz zu fliehen, denn jetzt wußten sie aufgrund der Worte Jesu, daß die Verwüstung Jerusalems nahe bevorstand. Auf diese Weise entkamen die christlichen „Auserwählten“.
27. (a) Wurde der Beginn der „großen Drangsal“, die über Jerusalem kam, verschoben? (b) Wer waren die Judenchristen, die damals in Gefahr schwebten und die Jehova in Sicherheit bringen wollte?
27 Im Frühling und Sommer des Jahres 70 u. Z. brach die vorhergesagte „große Drangsal“ über Jerusalem herein, und viele Juden verloren dabei das Leben. Der Prophezeiung Jesu gemäß hatte Gott für die „große Drangsal“, die über Jerusalem kam, einen bestimmten Zeitpunkt vorgesehen. Er verschob den Zeitpunkt für den Beginn dieser Drangsal nicht. Er ließ den im Jahre 66 u. Z. unterbrochenen Angriff des Cestius Gallus daher seinen gefährdeten „Auserwählten“ als Warnzeichen zur Flucht dienen. Cestius Gallus hätte Jerusalem ohne weiteres im Sturm nehmen können, aber er nahm die günstige Gelegenheit nicht wahr. Gottes Zeit war noch nicht gekommen. Seine „Auserwählten“ befanden sich damals nicht alle in der Gefahrenzone. Es gab damals schon Hunderte von Judenchristen außerhalb der Provinz Judäa und in Gebieten außerhalb und innerhalb des Römischen Reiches. Diese waren von der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems nicht bedroht. Nur die Judenchristen innerhalb Judäas schwebten in Gefahr. Diese gefährdeten „Auserwählten“ wollte Gott in Sicherheit bringen, bevor die „große Drangsal“, deren Beginn er zeitlich festgelegt hatte, über Jerusalem hereinbrechen würde. Warum sollte auch nur einer von ihnen umkommen, wenn an dem untreuen Jerusalem und an Judäa sein vergeltendes Urteil vollstreckt würde? Sie verdienten es nicht, vernichtet zu werden.
28. (a) Das „Fleisch“ welcher Juden drohte damals nicht „gerettet“ zu werden? (b) Was konnte Jehova Judäa und Jerusalem gegenüber tun, nachdem alle seine „Auserwählten“ die Gefahrenzone verlassen hatten und in Sicherheit waren?
28 Da die Judenchristen zu jener Zeit bereits aus Jerusalem und Judäa geflohen waren, bestand für sie keine Gefahr mehr, von Jerusalems „großer Drangsal“ betroffen zu werden. Die in der Stadt eingeschlossenen ungläubigen Juden waren von der Vernichtung bedroht. Alles „Fleisch“ der Juden innerhalb Jerusalems drohte vernichtet zu werden, wenn die Drangsal zu lange andauern würde. Diese nichtchristlichen Juden hatten sich in der Stadt versammelt, um am 14. Nisan das Passahfest und anschließend daran das eine Woche dauernde Fest der ungesäuerten Brote zu feiern. Zu jener Zeit ging der Feldherr Titus mit seinem Kriegs„volk“ zum Angriff gegen die zum Untergang verurteilte Stadt über. Er umzingelte sie und schloß die empörerischen Juden darin ein. Er ließ durch sein „Volk“ eine etwa acht Kilometer lange Pfahlsperre um die Stadt errichten, um den belagerten Juden jede Fluchtmöglichkeit zu nehmen. Da Jehova Gott bis zu jenem Zeitpunkt dafür gesorgt hatte, daß alle seine „Auserwählten“ sich außerhalb des verurteilten Gebietes befanden, konnte er sein Vergeltungsurteil an Judäa und Jerusalem schnell vollziehen, das heißt, er konnte durch eine intensive Vernichtung das Urteil in kurzer Zeit vollstrecken.
29. Wie lange dauerte die Belagerung Jerusalems, und was trug dazu bei, daß sie abgekürzt wurde?
29 Die Belagerung Jerusalems dauerte nicht lange, nur vom 14. Nisan bis zum 6. Elul (6. September, Gregorianischer Kalender) oder nicht einmal ganz sechs Monate im Unterschied zu der Belagerung Jerusalems durch die Babylonier in den Jahren 609 bis 607 v. u. Z., die achtzehn Monate gedauert hatte. Jehova Gott ließ verschiedene Dingeb zusammenwirken, um die Belagerung im Jahre 70 u. Z. abzukürzen.
30. (a) Welche furchtbaren Folgen hatte die Belagerung, obwohl sie nicht lange dauerte? (b) Was geschah mit Jerusalem weiterhin, und wie lange sollte dies geschehen?
30 Die Belagerung war, wenn auch kurz, doch schrecklich genug, obwohl sie nicht die größte Drangsal war, die die Menschheit bis dahin heimgesucht hatte oder in kommenden Zeiten noch heimsuchen würde. Das „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, führte aufgrund von Gottes eigenem Beschluß eine Massenvernichtung herbei. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet, daß 1 100 000 Juden getötet wurden oder starben. Da aber die Tage jener „großen Drangsal“, die über Jerusalem gekommen war, „verkürzt“ wurden, wurde das „Fleisch“ einiger Juden gerettet. Josephus berichtet, daß 97 000 Juden überlebten und als Gefangene nach Ägypten oder in andere römische Provinzen weggeführt wurden.c Die Stadt und ihr Tempel wurden vollständig zerstört, wie Jesus es vorhergesagt hatte. Jerusalem wurde von den Heiden (nichtjüdischen Nationen) also weiterhin in buchstäblichem Sinne niedergetreten, wie es schon seit seiner ersten Zerstörung und der Verwüstung Judas durch die Babylonier (im Jahre 607 v. u. Z.) niedergetreten worden war.d Doch eines Tages sollten diese Zeiten der Heiden oder Nationen ablaufen, und zwar 2 520 Jahre nach ihrem Beginn im Herbst des Jahres 607 v. u. Z. oder im Jahre 1914 u. Z. — Luk. 21:24.
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Frieden mit Gott inmitten der „großen Drangsal“Der Wachtturm 1970 | 15. Juli
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Frieden mit Gott inmitten der „großen Drangsal“
1. (a) Erfüllte sich Jesu Prophezeiung in Matthäus 24:4-22 buchstäblich am irdischen Jerusalem? (b) Was zeigt, ob diese Prophezeiung noch eine weitere Erfüllung haben wird?
DIE in Matthäus 24:4-22 aufgezeichnete Prophezeiung Jesu hat sich in der Zeit zwischen dem Jahr 33 u. Z., in dem Jesus sie äußerte, und dem Jahr 70 u. Z., in dem Jerusalems „große Drangsal“ endete, auf bemerkenswerte Weise buchstäblich erfüllt. Das wiederaufgebaute Jerusalem ist nie mehr — nicht einmal zur Zeit der Kreuzzüge, die die Katholiken im Nahen Osten gegen die Mohammedaner führten — von einer solch „großen Drangsal“ heimgesucht worden. Bedeutet das, daß sich die Prophezeiung Jesu bereits ein für allemal erfüllt hat und daß keine weitere Erfüllung mehr zu erwarten ist? Nein, denn schon die Art und Weise, wie Jesus seine Vorhersage über die „große Drangsal“ formulierte, läßt darauf schließen, daß er von einer noch weit größeren Drangsal als der Belagerung und Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. sprach. So ist es auch tatsächlich!
2. (a) Warum ist diese Prophezeiung, wie Bibelkommentatoren zugeben, schwierig zu verstehen oder anzuwenden? (b) Was sagt A. Plummer über Lukas 21:22?
2 Bekannte Bibelkommentatoren der Christenheit geben zu, daß diese Prophezeiung Jesu zum Teil schwierig zu verstehen oder anzuwenden ist. Jesus beantwortete dadurch eine aus drei Teilen bestehende Frage, nämlich wann die Zerstörung Jerusalems und seines Tempels sein werde und was das Zeichen seiner „Gegenwart“ und des „Abschlusses des Systems der Dinge“ sein werde. (Matth. 24:3) Diese Kommentatoren geben zu, daß es bei Jesu prophetischer Antwort auf diese Frage manchmal schwierig ist zu erkennen, auf welchen der drei Teile er sich bezieht.a Zu den Worten Jesu in Lukas 21:22: „Das sind Tage, in denen nach dem Recht verfahren wird, damit alles erfüllt werde, was geschrieben steht“ bemerkt der Schriftsteller und Bibelkommentator A. Plummer unter anderem folgendes: „Demnach handelt es sich dabei um einen Hinweis auf die Zerstörung Jerusalems, die als ein Vorbild des Endes der Welt zu betrachten ist.“b
3. Woran muß Jesus offensichtlich, gedacht haben, als er von Jerusalem und dem Abschluß des Systems der Dinge sprach, wenn seine Worte in Matthäus 24:21, 22 den Tatsachen entsprechen sollen?
3 Als Jesus von der Zeit sprach, in der „diese Dinge“ geschehen sollten, und davon, was das Zeichen des „Abschlusses des Systems der Dinge“ sein würde, dachte er ganz offensichtlich an etwas viel Größeres als die Apostel, die die Frage gestellt hatten. Er benutzte das damalige untreue Jerusalem als ein Vorbild und dachte demnach an das gegenbildliche untreue Jerusalem, die Christenheit. Er dachte auch an ein größeres System der Dinge als das jüdische System der Dinge, dessen Mittelpunkt Jerusalem mit seinem Tempel war. Jesus konnte also, ohne zu übertreiben, sagen: „Denn dann wird große Drangsal herrschen, wie es seit Anfang der Welt bis jetzt noch keine gegeben hat, nein, noch je wieder geben wird. Tatsächlich, wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.“ (Matth. 24:21, 22) Die schreckliche Zerstörung des gegenbildlichen untreuen Jerusalem, der Christenheit, bildet einen Teil des unheilvollen Endes des gegenwärtigen weltweiten „Systems der Dinge“, des Endes, das allgemein als das „Ende der Welt“ bezeichnet wird. — Matth. 24:3, Lu; ZB.
4. (a) Welche Einzelheiten, die Jesus in seiner Prophezeiung erwähnte, beziehen sich auf die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z.? (b) In welchem Sinne muß Jesus demnach von Jerusalem gesprochen haben?
4 Die zweite „Gegenwart“ Jesu Christi erfolgte nicht zur Zeit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. Auch sollten die Zeiten der Heiden oder Nationen nach der Zerstörung Jerusalems noch andauern, und demnach würde auch das weltweite „System der Dinge“ mindestens so lange bestehenbleiben, bis diese Zeiten der Nationen „erfüllt“ wären. Darüber hinaus erwähnte Jesus im Verlauf seiner Prophezeiung, nachdem er Jerusalems „große Drangsal“ beschrieben hatte und bevor er das Gleichnis von den Schafen und Böcken darlegte, verschiedene Einzelheiten, die sich bei der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. nicht erfüllten. (Matth. 24:23 bis 25:46) Es ist somit nur vernünftig zu folgern, daß Jesus in einem doppelten Sinne von Jerusalem sprach: in einem buchstäblichen oder vorbildlichen und in einem symbolischen oder gegenbildlichen Sinne.
5. (a) Warum ist es nicht verkehrt, die Prophezeiung Jesu auf die Zeit zwischen 1914 und Harmagedon anzuwenden? (b) Welches „Jerusalem“ wurde bis zum Jahre 1914 niedergetreten, und wie?
5 Es ist demnach bestimmt nicht verkehrt, die Prophezeiung Jesu auch auf die Zeit zwischen dem Jahr 1914 u. Z. und dem bevorstehenden Krieg von Harmagedon anzuwenden. Das symbolische, gegenbildliche untreue Jerusalem, die Christenheit, besteht immer noch. Sowohl die biblische Zeitrechnung als auch die geschichtlichen Tatsachen bestätigen, daß die Zeiten der Heiden oder „die bestimmten Zeiten der Nationen“ im Jahre 1914 u. Z. um den 4./5. Oktober endeten. (Luk. 21:24) Die Nationen haben das gegenbildliche untreue Jerusalem, die Christenheit, bis zum Jahre 1914 nicht „niedergetreten“. Doch das Recht des von Gott erwählten Messias, als ewiger Erbe des Königs David über Jerusalem und über die aus den zwölf Stämmen Israels bestehende Nation Davids als König zu herrschen, ist von ihnen niedergetreten worden. Diesem Zustand machte Jehova Gott im Jahre 1914 u. Z. ein Ende. Wie? Indem er seinen Sohn Jesus Christus auf dem himmlischen Berg Zion als König einsetzte und dadurch das messianische Königreich wiederherstellte. Damals ist Gott darangegangen, die Nationen zum Schemel der Füße Jesu, des messianischen Königs, zu machen, um sie in dem kommenden Krieg von Harmagedon schließlich zu vernichten.
6. (a) Welche Ähnlichkeit hat die heutige, gegenbildliche Zeitperiode mit der das alte Jerusalem betreffenden Zeitperiode im Vorbild? (b) Wofür erhielten die heutigen Nationen dadurch den unumstößlichen Beweis?
6 Als Jesus vor neunzehnhundert Jahren von der Erde in den Himmel zurückkehrte, begann eine Zeit, in der er abwesend war. Da das alte Jerusalem ein Vorbild war, war auch die Zeit zwischen Jesu Himmelfahrt und der Zerstörung Jerusalems vorbildlich. Sie war ein Vorbild der Zeitperiode zwischen dem Ende der Zeiten der Nationen im Jahre 1914 u. Z. und Harmagedon, dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, in dem die politischen Liebhaber und Verbündeten des gegenbildlichen untreuen Jerusalem, der Christenheit, vernichtet werden. (Offb. 16:14-16) Gab es damals vor der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. Kriege, Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben? Jawohl, und dies trifft auch auf die gegenwärtige Zeitperiode zu, die im Jahre 1914 u. Z. begann, als Jesu Abwesenheit, bildlich gesprochen, endete. Das Ende der Zeiten der Nationen in jenem Jahr war dadurch gekennzeichnet, daß sich im ersten Weltkrieg der Menschheitsgeschichte Nation gegen Nation und Königreich gegen Königreich erhob. Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben von noch nie dagewesenem Ausmaß waren die Begleiterscheinungen dieses ersten Weltkrieges. Das war für die Nationen der unumstößliche Beweis, daß Jesus als Messias in seinem himmlischen Königreich „gegenwärtig“ war, so wie er, nachdem er in den Himmel aufgefahren war und sich zur Rechten Gottes gesetzt hatte, bis zur Zerstörung Jerusalems und darüber hinaus unter seinen auf Erden lebenden Gott hingegebenen und getauften Jüngern regierte.
7. (a) Als was bezeichnete Jesus in seiner Prophezeiung die Ereignisse, die nach 1914 eintraten? (b) Warum kam das „Ende“ nach jenen ersten Ereignissen „noch nicht“?
7 Der internationale Krieg, die Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben waren wie vor neunzehnhundert Jahren ein „Anfang der Bedrängniswehen“. (Matth. 24:8) Besonders die Christenheit, das gegenbildliche untreue Jerusalem, bekam diesen „Anfang der Bedrängniswehen“ zu spüren, denn der Erste Weltkrieg war vorwiegend ihr Krieg; die achtundzwanzig beteiligten Nationen und Königreiche waren alle, außer vier, angeblich christlich. Nach dem Ersten Weltkrieg, der mehr als vier Jahre dauerte, kam das „Ende“ aber „noch nicht“. Dieser Krieg ging nicht in den Krieg des großen Tages Gottes von Harmagedon über. Es gab noch viel zu tun. Bevor das „Ende“ kommen sollte, mußten Gottes treue Zeugen auf Erden noch ein weltweites Werk durchführen. Was für ein Werk? „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.“ Wie die „gute Botschaft“ vor der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. „in der ganzen Schöpfung, welche sich unter dem Himmel befindet“, gepredigt wurde, so wird auch die Botschaft von Gottes aufgerichtetem messianischem Königreich seit dem Jahre 1914 u. Z. auf der ganzen bewohnten Erde, allen Nationen, gepredigt. Jehovas Zeugen tun dies ebenfalls trotz Verfolgung. — Matth. 24:9-14.
8. Was steht dem gegenbildlichen untreuen Jerusalem demnach noch bevor, und was hat Gott in Verbindung damit beschlossen?
8 Den „Anfang der Bedrängniswehen“ hat die Christenheit, das gegenbildliche untreue Jerusalem, bereits hinter sich, und heute ist sie und die übrige Welt nicht weniger in Bedrängnis. Jesus deutete in seiner Prophezeiung an, daß „Angst und Bangen unter den Nationen“ und Ratlosigkeit unvermindert anhalten würden. (Luk. 21:25, 26) Die „große Drangsal“ steht dem gegenbildlichen untreuen Jerusalem noch bevor, und seine politischen Verbündeten und Unterstützer in der ganzen Welt werden ebenfalls davon betroffen werden. Nach der Beschreibung Jesu ist von dieser Drangsal alles menschliche Leben, alles Fleisch, bedroht, wie es in den Tagen Noahs von der weltweiten Flut bedroht war. (Matth. 24:21, 22, 36-39) Würde zugelassen, daß sie zu lange andauert, so würde alles „Fleisch“ vertilgt werden. Gott hat sich daher vorgenommen, die „Tage“ dieser beispiellosen „großen Drangsal“ zu verkürzen. — Mark. 13:19, 20.
9. Welche Ansicht darüber, wie Gott die Tage der „großen Drangsal“ verkürzen werde, wurde im Jahre 1925 u. Z. veröffentlicht?
9 Er verkürzt diese Tage um seiner „Auserwählten“ willen. Wie? Im Jahre 1925 wurde im Wacht-Turm vom 1. Juni in dem Artikel „Um der Auserwählten willen“ gesagt, daß „jene Tage“ der „großen Drangsal“ in der Mitte verkürzt würden. Es hieß in diesem Artikel, die „große Drangsal“ habe 1914 u. Z. begonnen, Gott habe aber nicht zugelassen, daß sie ihren Höhepunkt erreiche, sondern habe den Ersten Weltkrieg im November 1918 zum Stillstand gebracht. Auf diese Weise habe er seinem gesalbten Überrest der auserwählten Christen Zeit eingeräumt, damit sie ihr Werk durchführen könnten, bevor in der Schlacht von Harmagedon der letzte Teil der „großen Drangsal“ hereinbrechen und diese zum Abschluß gebracht werde. Dadurch würden schafähnliche Personen die Gelegenheit erhalten, gerettet zu werden. — Matth. 25:31-46.
10. Warum hörte sich diese Erklärung im Jahre 1925 gut und vernünftig an?
10 Diese Erklärung hörte sich damals, im Jahre 1925 — nur sieben Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und vierzehn Jahre vor dem unerwarteten Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, der viermal soviel Todesopfer forderte und viermal soviel Sachschaden verursachte wie der Erste —, ganz gut und vernünftig an. Aber auch der Zweite Weltkrieg ging nicht in den „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, den Krieg von Harmagedon, über, wie einige es erwartet hatten. (Offb. 16:14-16) Nun sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 bereits wieder fünfundzwanzig Jahre vergangen, und noch immer befindet sich ein Teil des gesalbten Überrestes der Auserwählten auf Erden, und der Krieg von Harmagedon steht immer noch bevor, obwohl er jetzt sehr nahe ist. Im Jahre 1925 hielt man immer noch die Angaben über die biblische Zeitrechnung in dem Buch Die Zeit ist herbeigekommen, das im Jahre 1889 in Englisch erschienen war, für richtig. Nach dieser Rechnung endeten sechstausend Jahre Menschheitsgeschichte nicht in den 1970er Jahren. Die alte Zeitrechnung, nach der man damals die in der Bibel berichteten Ereignisse und die Erfüllung von Prophezeiungen festlegte, beeinflußte selbstverständlich das Verständnis, das die Internationalen Bibelforscher in bezug auf diese Dinge damals hatten. Inzwischen ist aber die Chronologie neu überprüft worden.
11. Wie lange hat nach dieser Ansicht die Zwischenzeit bis heute schon gedauert, und was ist mit vielen, die zum Überrest der gesalbten „Auserwählten“ gehörten, inzwischen geschehen?
11 Wenn der erste Teil der „großen Drangsal“ im Jahre 1914 begann und 1918 endete, wie dies im Jahre 1925 erklärt wurde, dann hat die Zwischenzeit, durch die „jene Tage“ der Drangsal verkürzt werden, schon über einundfünfzig Jahre gedauert und dauert immer noch an. Viele Glieder des gesalbten Überrestes, die das Ende des Ersten Weltkrieges im November 1918 miterlebten, und auch andere, die sich dem Überrest seither angeschlossen haben, sind inzwischen alt geworden, einige sind durch Verfolgung umgekommen, und andere sind an Altersschwäche oder aus anderen Gründen gestorben. Im Jahre 1948 nahmen zum Beispiel von den 376 393 Personen, die der Feier des Abendmahls beiwohnten, noch 25 395 vom Brot und vom Wein, um zu bezeugen, daß sie zum gesalbten Überrest gehörten. Am 1. April 1969 dagegen nahmen von den 2 719 860 Besuchern der Feier nur noch 10 368 vom Brot und vom Wein. Unter diesen Gliedern des Überrestes befanden sich noch ziemlich viele, die den „Anfang der Bedrängniswehen“ im Ersten Weltkrieg miterlebt hatten. Einige von ihnen sollen nach den Worten Jesu in Matthäus 24:33-35 noch leben, wenn der Krieg von Harmagedon beginnt, und sollen diesen Krieg sogar überleben. Diese Worte lauten:
12. Was sagte Jesus über „diese Generation“ voraus?
12 „Wenn ihr alle diese Dinge seht, dann erkennt, daß er nahe an den Türen ist. Wahrlich ich sage euch, daß diese Generation auf keinen Fall vergehen wird, bis alle diese Dinge geschehen. Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden auf keinen Fall [unerfüllt] vergehen.“
13. (a) Wann begann gemäß dem Vorbild, das mit dem alten Jerusalem in Beziehung stand, die „große Drangsal“ nicht? (b) In welche Zeit fällt somit die „große Drangsal“, und wie wird sie sich auf die Christenheit und ihre Verbündeten auswirken?
13 Angenommen, die Tage der „großen Drangsal“ wären „um der Auserwählten willen“ (Matth. 24:22) tatsächlich, wie man im Jahre 1925 annahm, in der Mitte verkürzt worden, was dann? Dann wäre der Zeitraum zwischen dem Anfang der „großen Drangsal“ und Harmagedon, ihrem Abschluß, etwa fünfmal so lang wie die „große Drangsal“ selbst. Doch den Ereignissen entsprechend, die sich im ersten Jahrhundert, das heißt in der Zeit zwischen der Himmelfahrt Jesu im Jahre 33 u. Z. und der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z., abspielten, begann die gegenbildliche „große Drangsal“ nicht im Jahre 1914 u. Z. Was in den Jahren 1914 bis 1918 über das neuzeitliche, gegenbildliche Jerusalem und seine politischen Verbündeten kam, war lediglich „ein Anfang der Bedrängniswehen“. Die „große Drangsal“, wie es nie mehr eine geben wird, steht noch bevor, denn es handelt sich dabei um die Vernichtung des Weltreiches der falschen Religion (einschließlich der Christenheit) und den anschließenden Krieg von Harmagedon, den „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, gegen die politischen Verbündeten der falschen, babylonischen Religion. In dieser „großen Drangsal“ wird das gegenwärtige System der Dinge, seine religiösen und politischen Einrichtungen, sein Ende finden.
14. (a) Wie wird gemäß dem Wort, das Jesus gebrauchte, die bevorstehende „große Drangsal“ verkürzt werden? (b) Warum kann Gott die Tage dieser Drangsal verkürzen, und warum ist dies unbedingt notwendig?
14 Die Tage dieser bevorstehenden „großen Drangsal“ müssen „verkürzt“ (griechisch kolobo’o, am Ende [nicht in der Mitte] abkürzen oder beschneiden) werden. Das geschieht um der „Auserwählten“ Gottes willen und damit „Fleisch“ gerettet werde. (Matth. 24:21, 22) Gott hat den „Tag“ und die „Stunde“ für den Beginn dieser „großen Drangsal“ genau festgelegt, und es wird keine Verzögerung geben. (Matth. 24:36) Da sich dann an jenem „Tag“ und zu jener „Stunde“ der gesamte Überrest der „Auserwählten“ Gottes außerhalb des gegenbildlichen untreuen Jerusalem und außerhalb des mit diesem verbündeten weltlichen Systems der Dinge in Sicherheit befindet, kann Gott sein Vergeltungs- und Vernichtungsurteil an diesem bösen System der Dinge schnell vollziehen. Wie bei der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. können auch die Tage dieser bevorstehenden „großen Drangsal“ „verkürzt“ werden; es besteht keine Notwendigkeit, sie zu verlängern. Dadurch ist es auch möglich, daß „Fleisch“ gerettet werden und die „große Drangsal“ überleben kann, denn würde diese „große Drangsal“, die schlimmste Drangsal der Menschheitsgeschichte, zu lange andauern, so könnte das „Fleisch“ schwacher, unvermögender Menschen sie ohne göttlichen Schutz niemals überdauern.
15. (a) Wie wurde das Werk, durch das in Judäa Juden bekehrt und zu Gliedern des jüdischen Überrestes gemacht wurden, plötzlich abgebrochen? (b) Wie hielt Gott danach Abrechnung mit Jerusalem und Judäa?
15 In Verbindung mit dem christlichen Überrest, der vor neunzehnhundert Jahren aus der jüdischen Nation auserwählt worden war, erwähnte der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer, den er um das Jahr 56 u. Z. schrieb, einen interessanten Punkt, indem er aus Jesaja 10:22, 23 die Worte zitierte: „Es [ist] der Überrest, der gerettet werden wird. Denn Jehova wird eine Abrechnung auf der Erde halten, wird sie zum Abschluß bringen und sie abkürzen [schnell ausführen, Rösch, 1931; griechisch syntémno].“ (Röm. 9:27, 28) Im Jahre 66 u. Z. und kurz danach flohen die Judenchristen aus Judäa und Jerusalem, und dadurch wurde das Werk, durch das Juden in Judäa und Jerusalem bekehrt und zu Gliedern des jüdischen Überrestes gemacht wurden, plötzlich abgebrochen. Deshalb wurde Gottes Vernichtungsurteil an Jerusalem und seinem Tempel im Jahre 70 u. Z. schnell vollstreckt, nicht in einem langwierigen Krieg, verursacht durch eine lange Belagerung, sondern nach einer Belagerung, die zufolge des Zusammenbruchs der eingeschlossenen empörerischen Juden überraschend kurz war.
16. Was wurde auf diese Weise für Jerusalem „verkürzt“, und warum kamen dennoch so viele Juden um?
16 Jerusalems „große Drangsal“ wurde also nicht verlängert, sondern „verkürzt“, und dadurch blieben 97 000 Juden am Leben, ohne daß Gott sie beschützte, während 1 100 000 umkamen. Jerusalem hatte damals tatsächlich keinen Frieden mit Gott, und dieses Unglück ereilte es aus den Gründen, die Jesus unter Tränen anführte, als er sagte: „Wenn du, ja du, an diesem Tage die Dinge erkannt hättest, die zu deinem Frieden dienen — doch nun sind sie vor deinen Augen verborgen. ... weil du die Zeit deiner Besichtigung nicht erkannt hast.“ — Luk. 19:41-44.
17. In welchem Verhältnis zu Gott standen die entronnenen Judenchristen, und wozu waren sie bereit?
17 Die entronnenen Judenchristen dagegen, die sich damals außerhalb der verwüsteten Provinz Judäa befanden, hatten wie alle übrigen christlichen Gläubigen, nichtjüdische und jüdische, Frieden mit Gott. Sie waren Gottes „Auserwählte“ und waren bereit, Gott zu dienen, indem sie die „gute Botschaft“ von seinem Königreich auf der ganzen bewohnten Erde, allen Nationen zu einem Zeugnis, predigten. — Matth. 24:14; Mark. 13:10.
18. (a) Wer alles wird sich wehklagend schlagen, wenn der Sohn Gottes kommen wird, um Gericht zu üben? (b) Wovon hatte Jesus gesprochen, bevor er das Versammeln der Auserwählten vorhersagte, und was erfahren wir über dieses Versammeln aus der Geschichte?
18 Heute ist es ähnlich. Auch die Glieder des gesalbten Überrestes von Gottes „Auserwählten“ haben Frieden mit Gott, obwohl sie inmitten einer unruhigen, aufgewühlten Welt leben. Sie hoffen, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, bald kommt, um Gottes Urteil an dem gegenwärtigen bösen „System der Dinge“ zu vollstrecken. Dann werden sich gemäß der Prophezeiung Jesu nicht nur die jüdischen Stämme, sondern „alle Stämme der Erde wehklagend schlagen“. Sie werden ihre Vernichtung durch Jesus Christus, den in seiner Macht und Herrlichkeit gekommenen „Sohn des Menschen“, unmittelbar vor Augen sehen. Und die Glieder des gesalbten Überrestes? Werden sie in die weltweite Wehklage einstimmen? Nein! Denn Jesus sagte voraus, daß seine Engel „seine Auserwählten von den vier Winden her versammeln [werden], von dem einen äußersten Ende der Himmel bis zu ihrem anderen äußersten Ende“. (Matth. 24:29-31) Jesus sagte dies, nachdem er von der Zerstörung Jerusalems gesprochen hatte. Wie die Geschichte zeigt, begann das Versammeln dieser „Auserwählten“ erst lange Zeit nach der „großen Drangsal“, die im Jahre 70 u. Z. über das alte Jerusalem kam.
19. (a) Wozu werden die „Auserwählten“ versammelt? (b) Was wird zur Zeit der „großen Drangsal“ in bezug auf den Überrest der Fall sein, und was hofft er?
19 Dieses Versammeln begann nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918. Der Überrest der „Auserwählten“ wurde nicht versammelt, um in den Himmel genommen zu werden, sondern um eine geeinte Organisation zu bilden und ein weltweites Werk durchzuführen, das darin bestand, allen Nationen die „gute Botschaft“ von Gottes aufgerichtetem Königreich zu predigen, dem Königreich, an dem sie als auserwählte Erben Gottes und Miterben Christi schließlich teilhaben sollten. (Matth. 24:14; Röm. 8:16, 17; 2. Tim. 2:11, 12) Wenn die gegenbildliche „große Drangsal“ hereinbricht, wird die vollständige Zahl der zu diesem gesalbten Überrest Gehörenden versammelt sein; die Königreichserben werden alle ausgewählt sein. Dieser gesalbte Überrest hofft, als Klasse die „große Drangsal“ und die Vernichtung des gegenwärtigen „Systems der Dinge“ zu überleben und in Gottes neues System der Dinge unter dem himmlischen Königreich Jesu, seines Messias, einzugehen. — Offb. 7:1-8.
ES WIRD „FLEISCH GERETTET WERDEN“
20. (a) Aus welchem Teil der religiösen Welt sind die meisten Glieder des Überrestes der „Auserwählten“ genommen worden? (b) Warum braucht die „große Drangsal“ nicht ausgedehnt zu werden, und was hat Gott sich vorgenommen zu tun?
20 Die meisten derer, die den Überrest der „Auserwählten“ bilden, der seit dem „Anfang der Bedrängniswehen“ im Jahre 1914 u. Z. versammelt wird, sind aus der Christenheit, dem gegenbildlichen, heutigen untreuen Jerusalem, genommen worden; nur wenige kommen aus dem Heidentum. Wenn Jehova Gott den Überrest seiner „Auserwählten“ daher nun bald von allen Himmelsgegenden versammelt haben wird, braucht er mit der Christenheit und ihren politischen Liebhabern dieses Systems der Dinge keine Geduld mehr zu haben. Wie im Falle des Jerusalem der Tage der Apostel, so kann Jehova auch im Falle der Christenheit und des übrigen Teils des gegenwärtigen Systems der Dinge seine Abrechnung schnell, ohne sie lange auszudehnen, in einer verkürzten Zeit, abschließen. Er, der die Zeit genau einhält, hat Tag und Stunde für den Beginn der „großen Drangsal“ festgesetzt. Er kann alles, wodurch sie ausgedehnt werden könnte, verhindern, und das hat er sich auch vorgenommen zu tun. — Matth. 24:21, 22, 36.
21. (a) Wessen „Fleisch“ wird aus der „großen Drangsal“ gerettet werden? (b) Inwiefern wird es diesen Menschen anders ergehen als dem „Fleisch“ der Juden, das bei der Zerstörung Jerusalems gerettet wurde?
21 Wird dann auch „Fleisch“ gerettet werden? Jawohl, und zwar nicht nur das des Überrestes der „Auserwählten“. In den Tagen der Apostel im ersten Jahrhundert befand sich bei der Zerstörung Jerusalems und der Verwüstung Judäas niemand von den „Auserwählten“, weder von den jüdischen noch von den nichtjüdischen, in Gefahr. Sie befanden sich alle außerhalb des Gebietes, das von den Römern unter Titus angegriffen und eingenommen wurde. Für die in Jerusalem eingeschlossenen Juden dagegen bestand die Gefahr, in dieser „großen Drangsal“ umzukommen. Da die römische Belagerung nur so kurze Zeit dauerte, blieben sogar ohne Gottes Schutz 97 000 Juden am Leben. Doch was geschah mit ihnen? Sie kamen als Gefangene in die Sklaverei der Heiden. In der bevorstehenden gegenbildlichen „großen Drangsal“ wird jedoch keiner der Religionsanhänger, die im gegenbildlichen untreuen Jerusalem bleiben und ihre Verbindung mit dessen politischen Verbündeten aufrechterhalten, am Leben bleiben, ganz gleich, wie kurz die „große Drangsal“ sein mag. Sie werden mit dem gegenwärtigen „System der Dinge“, von dem sie ein Teil sind, vernichtet werden. Warum sollten sie, wenn sie doch keinen Frieden mit Gott haben, gerettet werden?
22. (a) Um was für Menschen handelt es sich bei denen, deren „Fleisch“ gerettet werden wird, vorwiegend, und warum werden sie am Leben bleiben? (b) Wovon werden sie Zeuge sein?
22 Heute gibt es auf Erden jedoch viele Menschen, die Frieden mit Gott haben, obwohl sie nicht zum Überrest der „Auserwählten“ gehören. Es handelt sich dabei um wirklich Gott hingegebene und getaufte Christen, die aber nicht die Hoffnung haben, ein himmlisches Erbe zu empfangen, wie die vom Geist gezeugten „Auserwählten“. Wie aus statistischen Aufzeichnungen hervorgeht, sind die meisten von ihnen aus dem zum Untergang verurteilten gegenbildlichen Jerusalem geflohen; sie wollten es nicht darauf ankommen lassen, darin eingeschlossen und schließlich damit vernichtet zu werden. Sie sind das „Fleisch“, von dem Jesus sagte, es werde „gerettet werden“. Sie werden nicht am Leben bleiben, nur weil die Tage verkürzt werden, sondern weil Gott sie beschützen wird. Für sie wird das Überleben der unmittelbar bevorstehenden „großen Drangsal“ nicht das gleiche bedeuten wie für die 97 000 Juden, die die Zerstörung Jerusalems überlebten. Sie werden von denen, die das neuzeitliche „abscheuliche Ding, das Verwüstung verursacht“, ausmachen, nicht in die Sklaverei geführt. Sie werden vielmehr die Vernichtung dieses Verwüstung verursachenden „abscheulichen Dings“ mit ansehen und überleben und in Gottes neuem System dann völlig frei werden. — Offb. 17:1-14; 19:11-21.
23, 24. (a) Wie werden diese Überlebenden der „großen Drangsal“ im Vergleich zum Überrest der Auserwählten genannt, und wie viele werden dann dazu gehören? (b) In welchem Verhältnis zu Gott stehen sie, und warum?
23 In Offenbarung 7:9-17 wird von diesen Menschen gesagt, sie kämen „aus der großen Drangsal“. Verglichen mit der Zahl derer, die den Überrest der „Auserwählten“ Gottes ausmachen, bilden diese getauften Gott hingegebenen Christen, die eine irdische Hoffnung haben, eine „große Volksmenge“. Niemand weiß heute, wie zahlreich diese „große Volksmenge“ zur Zeit der „großen Drangsal“ sein wird. Ihre Glieder kommen dem Fleische nach aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Zungen. Obwohl sie keine geistigen Israeliten sind wie die „Auserwählten“, haben auch sie Frieden mit Jehova Gott. Sie haben ihre Verbindung mit den Feinden Gottes innerhalb und außerhalb des gegenbildlichen untreuen Jerusalem gelöst und sich den geflohenen „Auserwählten“ angeschlossen. Sie nehmen daher vor Gott, der auf dem Thron sitzt, und vor seinem Lamm Jesus Christus eine begünstigte Stellung ein und heißen die beiden jubelnd, gleichsam wie mit Palmzweigen in ihren Händen, willkommen. Sie wissen, daß sie bereits gerettet worden sind, und hoffen auch auf Rettung in der bevorstehenden „großen Drangsal“. Darum rufen sie öffentlich aus:
24 „Die Rettung verdanken wir unserem Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamm.“ — Offb. 7:9, 10.
25. (a) Was wird diese „große Volksmenge“ erleben, obwohl sich die „Drangsal“ so verheerend auswirken wird? (b) Was zu tun, wird sie nach Harmagedon bestrebt sein?
25 Die „große Drangsal“ mag sich, da sie sich auf eine verkürzte Zeit konzentriert, noch so verheerend und noch so vernichtend auswirken, dennoch wird diese zahllose „große Volksmenge“ im „Fleische“ gerettet werden und wird nach Gottes Krieg von Harmagedon in seinem neuen System der Dinge leben, und zwar, weil ihre Glieder wie der Überrest der „Auserwählten“ bis zum Beginn der „großen Drangsal“ und bis zu deren Ende Frieden mit Gott und mit seinem Lamm haben und Seite an Seite mit dem auserwählten Überrest Gott „Tag und Nacht ... in seinem Tempel“ dienen. (Offb. 7:14-17) Wie die Schafe zur Rechten des Hirten und Königs Jesus Christus fahren sie fort, dem Überrest seiner geistigen „Brüder“ Gutes zu tun, solange dieser im „Fleische“ bei ihnen sein wird. Diese schafähnlichen Menschen werden nach Harmagedon in Gottes neuem System der Dinge dankbar bestrebt sein, sich zum Ruhme Gottes der ewigen Rettung als würdig zu erweisen.
[Fußnoten]
a Dr. A. T. Robertsons Kommentar zu Matthäus 24:3 lautet: „Sie stellen drei Fragen: über die Zerstörung Jerusalems und des Tempels, über sein zweites Kommen (parousia, Gegenwart, in den Papyri üblich für den Besuch des Kaisers) und über das Ende der Welt. Dachten sie, die drei Dinge würden alle gleichzeitig eintreten? Diese Frage kann nicht beantwortet werden. Jesus geht in dieser großen eschatologischen Rede — dem schwierigsten Problem in den synoptischen Evangelien — auf alle drei ein. ... Unserer Absicht mag es genügen anzunehmen, daß Jesus die Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem, die im Jahre 70 n. Chr. erfolgte auch als ein Sinnbild seiner zweiten Gegenwart und des Endes der Welt ... oder des Abschlusses des Zeitalters benutzte. ... Zweifellos verbindet Jesus in dieser Rede in apokalyptischer Sprache die Hintergründe seines Todes am Kreuz, die bevorstehende Zerstörung Jerusalems, sein zweites Kommen und das Ende der Welt miteinander. Er spricht einmal von dem einen und dann wieder von dem anderen. Es ist nicht leicht, die verschiedenen Punkte scharf voneinander abzugrenzen“ (Word Pictures in the New Testament, Band 1, Seite 187, 188).
b Siehe Word Pictures in the New Testament von Dr. A. T. Robertson, Band 2, über Lukas, Seite 261, 262.
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Was die Leute über Jehovas Zeugen wissen möchtenDer Wachtturm 1970 | 15. Juli
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Was die Leute über Jehovas Zeugen wissen möchten
DAS erstaunliche Wachstum der Zeugen Jehovas zieht immer wieder die Aufmerksamkeit von Journalisten in der ganzen Welt auf sich. Es sind schon viele unvoreingenommene Berichte über ihr Wachstum in der Presse erschienen, aber nur selten gelingt es Reportern, den Glauben der Zeugen Jehovas genau darzulegen. Daher wenden sich viele Leute direkt an die Zeugen oder schreiben an die Wachtturm-Gesellschaft, um zu erfahren, was Jehovas Zeugen eigentlich glauben. Im nachstehenden werden einige der meist gestellten Fragen beantwortet.
Wie sind Jehovas Zeugen heute, in einer Zeit, in der man zur Bibel ganz anders eingestellt ist als früher, zu diesem Buch eingestellt?
Jehovas Zeugen glauben, daß die Bibel das inspirierte Wort Gottes, Gottes Offenbarung an die Menschheit, ist. Sie sind überzeugt, daß die Bibel glaubwürdig und zuverlässig, ja daß
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