-
Ich war eine AhnenverehrerinErwachet! 1980 | 8. November
-
-
nach Hawaii zurück. Hier kam ich mit vielen Kirchen der Christenheit in Berührung. Nach meiner Hochzeit wurde ich als Baptistin getauft. Doch mein Mann war ein Ahnenverehrer, und wir hatten unseren eigenen Familienaltar. Ich legte jeden Tag Blumen auf den Altar, verbrannte Weihrauch davor und betete zu meinen Ahnen, wie es meine Großmutter getan hatte. Mir erschien das nicht fremdartig, da die Baptisten ebenfalls glauben, der Mensch habe eine Seele, die nach dem Tode in einer Geisterwelt weiterlebe.
Ich glaubte, meinen Ahnen Ehre zu erweisen, indem ich zu ihnen betete und ihnen über verschiedene Begebenheiten des Lebens berichtete. Ich glaubte, sie könnten mir entweder helfen oder Schaden zufügen. Daher war es mir ein aufrichtiges Anliegen, ihnen nicht zu mißfallen, selbst nicht in unbedeutenden Angelegenheiten. Als ich beispielsweise einmal meinem Lehrer ein Geschenk machen wollte, legte ich es vorher aus Achtung vor meinen Ahnen auf den Altar.
Von der Angst vor dem Tod befreit
Während des Zweiten Weltkrieges kamen Zeugen Jehovas an meine Tür. In ihren Zeitschriften las ich, daß Hitler in Deutschland die Zeugen Jehovas in Konzentrationslager interniert und einige zu Tode gebracht hatte, da sie sich weigerten, sich am Krieg zu beteiligen. Das weckte mein Interesse und zeigte mir einen Unterschied zwischen Jehovas Zeugen und den Kirchen der Christenheit. Es dauerte nicht lange, und ich begann, mit den Zeugen die Bibel zu studieren.
Was sie mir aus Gottes Wort zeigten, hatte eine tiefgreifende Wirkung auf mich. Niemals habe ich seither die Worte aus Prediger 9:5 vergessen: „Was die Toten betrifft, sie sind sich nicht des geringsten bewußt.“ Ein weiterer Bibeltext, der für mich von großem Interesse war, ist Hesekiel 18:4: „Siehe! Alle Seelen — mir gehören sie. ... Die Seele, die sündigt — sie selbst wird sterben.“
Diese und zahlreiche andere Bibeltexte halfen mir zu erkennen, daß die Menschenseele nicht unsterblich ist, daß die Toten nicht in einer Geisterwelt weiterleben, sondern bewußtlos sind und weder helfen noch schaden können. Welche Erleichterung das für mich bedeutete! Ich hatte keine Angst mehr vor der Möglichkeit, nach dem Tode ewig gequält zu werden. Ich war von meinem Glauben an die Reinkarnation befreit. Jetzt erkannte ich, wie nutzlos die Anbetung meiner Ahnen gewesen war, da sie tot sind und mir weder helfen noch schaden können.
Im Verlauf meines Bibelstudiums erfuhr ich auch von der tröstlichen Hoffnung der Auferstehung von den Toten. „Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, ... [Jesu] Stimme hören und herauskommen werden“ (Joh. 5:28, 29). Für Milliarden von Menschen, die jetzt tot sind, besteht die Aussicht auf ewiges Leben auf einer Erde mit paradiesischen Verhältnissen. Dann, so erkannte ich, wird wirklich Gottes Wille „wie im Himmel so auch auf der Erde“ geschehen (Matth. 6:10). Diese biblische Wahrheit über die Toten bedeutete für mich eine Befreiung. Meine gesamte Lebenseinstellung änderte sich.
Ich verspürte sofort ein brennendes Verlangen, die neuerworbene Wahrheit meinen Freunden mitzuteilen. Meine ersten Bemühungen richteten sich nun auf meine lebenden Verwandten, da ich nicht mehr die Toten anbetete. Zuerst nahm ich Verbindung mit meiner Mutter auf und erklärte ihr die Wahrheit über den Zustand der Toten. Im Laufe der Zeit nahm sie die biblische Wahrheit an. Mit meinem Vater nahm ich ebenfalls Kontakt auf und begann, mit ihm die Bibel zu studieren. Auch er akzeptierte, bevor er starb, die Tatsache, daß die Toten „sich nicht des geringsten bewußt“ sind, und gab die Ahnenverehrung auf.
Bei jeder erdenklichen Gelegenheit teilte ich diese biblische Wahrheit meinen Freunden, Verwandten und Nachbarn mit. Die Wahrheit bedeutete für mich große Erleichterung und Freude, und ich wollte, daß andere die biblische Verheißung über Gottes Königreich hier auf der Erde kennenlernen: „Er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein“ (Offb. 21:4).
Änderung meiner Persönlichkeit
Wenn ich so an die Zeit zurückdenke, in der ich meine Ahnen anbetete, erkenne ich, daß sich mein ganzes Leben um die Anbetung der Toten gedreht hatte. Ich hatte mich eigentlich wenig bemüht, meiner Familie und meinen Verwandten, die noch am Leben waren, praktische Liebe zu erweisen. Dadurch, daß ich eine Nachfolgerin Jesu Christi wurde, konnte ich eine neue Persönlichkeit entwickeln — meinen Verwandten, die noch am Leben sind, und auch anderen gegenüber liebevoller zu sein.
Als ich beispielsweise erfuhr, daß meine Eltern mich im Alter von vier Jahren zu meiner Tante gebracht hatten, war ich verärgert und begann meine Mutter zu hassen. Nachdem ich aber eine Zeugin Jehovas geworden war, erkannte ich, daß ich keinen Haß gegen meine Mutter mehr hegen durfte. Wie Jesus lehrte, müssen wir anderen vergeben, wenn wir möchten, daß Gott uns vergibt. Jehova selbst ist uns ein Beispiel, indem er uns bereitwillig vergibt (Matth. 6:12; Kol. 3:13). Daher besuchte ich meine Mutter und erklärte ihr, daß ich sie nicht mehr haßte, sondern ihr vergeben hatte. Sie entschuldigte sich, und es entwickelte sich ein friedliches Mutter-Tochter-Verhältnis, das bis zu ihrem Tode andauerte.
Auch im Umgang mit anderen konnte ich mehr Liebe zum Ausdruck bringen. Wenn ich irgendwie schlecht behandelt wurde, war ich imstande, wirklich zu vergeben, statt Haß und Feindseligkeit zu hegen. Die neuerworbenen Eigenschaften der Barmherzigkeit und Vergebung halfen mir sogar, meine Ehe zu retten. Als ich mit dem Bibelstudium anfing, wollte ich mich gerade scheiden lassen. Doch die Bibel half mir, meinem Mann seine Fehler zu vergeben, und unsere Ehe bestand noch 33 Jahre weiter, bis er starb.
Den Lebenden zu helfen trägt reichen Lohn ein
Wenn ich beobachte, wie einsam heutzutage alternde Eltern und Großeltern sind und wie oft sie an ihrem Lebensabend vernachlässigt werden, bin ich dankbar dafür, daß ich es gelernt habe, meinen Eltern, während sie noch am Leben waren, wahre Liebe und Achtung zu zeigen. Das Glück, das mir dadurch zuteil wurde, bestätigt Jesu Äußerung: „Beglückender ist Geben als Empfangen“ (Apg. 20:35).
Heute, im Alter von 65 Jahren, bete ich nicht mehr meine verstorbenen Ahnen an, sondern bin zutiefst dankbar dafür, an der Anbetung Jehovas, des wahren und lebendigen Gottes, teilhaben zu dürfen (Jer. 10:10). (Eingesandt.)
-
-
„Sie praktizieren, was sie predigen“Erwachet! 1980 | 8. November
-
-
„Sie praktizieren, was sie predigen“
NACH dem Zweiten Weltkrieg stieg in Italien die Zahl der Zeugen Jehovas von einigen Hunderten auf über 81 000 an. Dieses Wachstum sowie die gute Gesinnung der Zeugen ist der Aufmerksamkeit der italienischen Presse nicht entgangen.
Der bekannte Jesuit Virginio Rotondi schrieb in „Il Tempo“ vom 8. Oktober 1978: „[Jehovas Zeugen] wissen, wovon sie reden. ... sie zitieren einen bestimmten Vers aus einem bestimmten Kapitel der Briefe des Hl. Paulus, des Hl. Petrus oder des Hl. Johannes. ... Außerdem beginnen die ,Neubekehrten‘ bald, das Gelernte anzuwenden und zu ,predigen‘, ganz gleich, wo sie sich gerade aufhalten. Paradoxerweise muß ich zugeben, daß gerade diese Christen ein unleugbares Phänomen des Wachstums erfahren.“
In der Zeitschrift „La Stampa“ vom 12. August 1979 wurde hervorgehoben, daß Jehovas Zeugen in Italien „die einzige religiöse Gruppe sind, die eine solche überraschende Wachstumsrate hat. Sie praktizieren, was sie predigen ... Ihr Predigen besteht nicht nur aus Worten, sondern ist ein Lebensweg. ... sie sind die loyalsten Bürger, die man sich nur wünschen kann: Sie hinterziehen keine Steuern und versuchen nicht, um des eigenen Vorteils willen unbequeme Gesetze zu umgehen. Die moralischen Ideale der Nächstenliebe, der Ablehnung von Gewalt und der persönlichen Ehrlichkeit (für die meisten Christen ,Sonntagsregeln‘, die sich nur für die Predigt auf der Kanzel eignen) gehen in ihre ,tägliche‘ Lebensführung ein.“
-