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Fragen, die dich beunruhigen — Was solltest du tun?Der Wachtturm 1972 | 15. November
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Fragen, die dich beunruhigen — Was solltest du tun?
CHRISTEN sind sich der Tatsache bewußt, daß Jehova Gott und Jesus Christus ihre Lehrer sind. Sie wissen, daß Gott gemäß dem Grundsatz, der in Sprüche 4:18 angegeben ist, sein Volk schrittweise leitet, ebenso wie er es mit dem ehemaligen Israel tat: „Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Licht, das heller und heller wird, bis es voller Tag ist.“
Beim Beschreiten dieses Pfades bilden Grundwahrheiten die Grundlage, und zu diesen Wahrheiten gehören die Souveränität Jehovas, sein messianisches Königreich, das Loskaufsopfer Jesu Christi, daß die Erde zu einem Paradies gemacht werden wird und das ewige Leben für alle gläubigen, gehorsamen Menschen. Auf diese großen Wahrheiten leuchtet ständig ein immer helleres Licht, so daß verschiedene damit verbundene Gesichtspunkte geklärt werden. Dadurch werden auch das Verständnis und die Anwendung gewisser Bibeltexte und Änderungen in der Verfahrensweise und im organisatorischen Aufbau der Christenversammlung schärfer in den Brennpunkt gerückt. All dies vermehrt die Freude der Glieder des Volkes Gottes und hilft ihnen, sich in ihrem Leben und während sie die gute Botschaft predigen und lehren, freier zu bewegen und noch geistiger gesinnt zu sein.
Manchmal kommen einigen Zweifel über etwas, was gesagt wird. Irgendeine Erklärung in den Veröffentlichungen der Watch Tower Society mag nicht klar verstanden oder völlig erfaßt werden. Für einige mag es den Anschein haben, als widerspreche sie dem, was früher gesagt worden ist.
Was kannst du tun, wenn dir solche Zweifel kommen? Vergewissere dich zunächst, daß du das, was erklärt worden ist, nicht mißverstehst und daß du nicht etwas hineinliest, was nicht da steht. Denke dann etwas über die Sache nach.
ANWENDUNG „NACH DEM ZUSAMMENHANG“ UND „ERWEITERTE“ ANWENDUNG
Ein Bibeltext mag zitiert oder angegeben und auf eine Weise angewandt werden, die einer früheren Anwendung zu widersprechen scheint. In einigen Fällen mag dies auf ein klareres Verständnis zurückzuführen sein, durch das eine frühere Ansicht berichtigt wird. In anderen Fällen mag es dir eine Hilfe sein, wenn du dir überlegst, ob es eine Anwendung „nach dem Zusammenhang“ ist, das heißt, ob die Schriftstelle im Lichte des Zusammenhangs und Rahmens besprochen wird. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine „erweiterte“ Anwendung, das heißt, daß der Grundsatz des Textes auf eine andere Situation angewandt wird.
Ein Beispiel eines Textes, dessen Grundsatz oft auf eindrucksvolle Weise angewandt wird, ist Hebräer 12:9, wo es heißt: „Wir [hatten] Väter, die von unserem Fleische waren und uns in Zucht nahmen, und wir pflegten ihnen Respekt zu zollen. Sollen wir uns selbst nicht viel mehr dem Vater unseres geistigen Lebens unterwerfen und leben?“
Der Schreiber äußert sich hier über das ‘geistige Leben’ der geistgezeugten Brüder Jesu Christi, die eine himmlische Hoffnung haben. (Hebr. 12:22-24, 28) Aber der in diesem Text dargelegte Grundsatz kann auch auf die ‘anderen Schafe’ angewandt werden, die voraussichtliche Kinder Gottes sind und Hoffnung auf ewiges Leben auf Erden haben. (Joh. 10:16; Röm. 8:21) Auch diese haben ein ‘geistiges Leben’, da sie gemäß der Leitung des Wortes und Geistes Gottes Seite an Seite mit den Geistgezeugten leben. Sie führen kein ‘Leben in Übereinstimmung mit dem Fleische’, kein Leben, in dem sie den ‘Werken des Fleisches’ nachgehen würden. — Röm. 7:5; 8:5-8; Gal. 5:19-21; vergleiche 1. Korinther 2:14.
Zur weiteren Veranschaulichung dieses Grundsatzes wollen wir den Text aus 2. Timotheus 4:2 betrachten: „Predige das Wort, halte dringend darauf in günstiger Zeit, in unruhvoller Zeit.“ Im Wachtturm vom 15. Februar 1972 wurde auf Seite 125 bis 127 erklärt, daß Paulus hier Timotheus, einem Aufseher in der Versammlung, Anweisungen hinsichtlich seiner Lehrtätigkeit innerhalb der Versammlung in Ephesus gab, die sich in einer ‘unruhvollen Zeit’ befand, in der einige versuchten, den Glauben anderer zu untergraben, indem sie falsche Lehren verbreiteten, törichte Fragen erörterten usw. Timotheus sollte sich an Gottes Wort halten, nicht an irgendeine eigene Philosophie oder an eigene Vorstellungen. — 2. Tim. 2:14-26; 3:1-17; 4:1-5.
Im Wachtturm vom 1. Juni 1972, Seite 328 wird der Text aus 2. Timotheus 4:2 jedoch als Stütze dafür angegeben, daß die gute Botschaft den Menschen in der Welt trotz Verfolgung gepredigt wird. Warum dieser Unterschied?
Die erste Anwendung ist die Anwendung nach dem Zusammenhang, und sie bringt die Bedeutung dessen zum Ausdruck, was Paulus Timotheus wirklich mitteilte. Die letztere Anwendung stützt sich auf den Grundsatz, daß wir die Predigttätigkeit, die wir innerhalb der Versammlung verrichten, auch nach außen hin ausdehnen. Wenn wir uns in der Versammlung an Gottes Wort halten, und zwar auch dann, wenn ungünstige Situationen entstehen, dann halten wir uns auch an Gottes Wort, während wir Außenstehenden predigen, und wir sorgen dafür, daß Außenstehende die Gelegenheit erhalten zu hören, ob wir dabei Schwierigkeiten begegnen oder nicht. — 1. Thess. 1:6.
Wir sollten Bibeltexte jedoch nicht wahllos und unbedacht anwenden, sondern vielmehr daran denken, daß die Anwendung nach dem Zusammenhang die hauptsächliche und grundlegende Anwendung ist. Wenn es möglich ist, den Text dem Grundsatz nach in einer zweitrangigen oder erweiterten Anwendung zu gebrauchen, so können wir unsere Darlegung dadurch überzeugender gestalten, daß wir unsere Zuhörer auf den grundlegenden Sinn nach dem Zusammenhang hinweisen und erklären, daß wir den Text in seiner zweitrangigen Anwendung gebrauchen, indem wir ihn nur dem Grundsatz nach anwenden.
PROPHEZEIUNGEN MIT MEHR ALS NUR EINER ERFÜLLUNG
Prophezeiungen mögen mehr als eine Erfüllung haben. Prophezeiungen, die in alter Zeit geäußert wurden, hatten in allen Fällen eine Bedeutung für die Menschen, die sie hörten; sie dienten sowohl zu ihrer als auch zu unserer Belehrung. Meistens hatten sie eine Erfüllung zu jener Zeit, in vielen Fällen zu Lebzeiten der betreffenden Generation. Häufig gab es eine zweite Erfüllung, als Christus auf Erden war oder in der Geschichte der Versammlung der ersten Christen. Und in sehr zahlreichen Fällen gibt es in unserer Zeit oder in der Zukunft eine größere geistige oder buchstäbliche Erfüllung.
Folglich ist es bei der Anwendung einer Stelle, die eine prophetische Bedeutung hat, gut, diese Tatsache zu erkennen. Zum Beispiel erklärte David in Psalm 37:10: „Nur noch eine kleine Weile, und der Böse wird nicht mehr sein; und du wirst dich sicherlich umsehen nach seiner Stätte, und er wird nicht dasein.“ Zu wessen Nutzen wurde dies geschrieben? Hat es nur in dieser „Zeit des Endes“ Anwendung, in der das Böse für immer vernichtet werden wird? Das wäre etwa dreitausend Jahre nachdem der Psalm geschrieben und vom Volk Israel gelesen wurde. Bedeuteten diese Worte für diejenigen, die sie lasen, nur eine Verheißung für die ferne Zukunft?
Nein. Diese Worte über die Bösen hatten für die damals lebenden Menschen eine Bedeutung und waren eine Botschaft für sie. Ja, sie fanden schon zur Zeit Davids eine Erfüllung. David beobachtete und erlebte, daß die Bösen, obwohl sie eine Zeitlang zu gedeihen schienen, nicht lange bestehenblieben (Vers 35, 36). Gerade aus diesem Grunde gab er in Vers eins und zwei den Rat, sich nicht über die Übeltäter zu erhitzen. Er nannte also eine Lebensregel. Zur Zeit Davids wurde die „Erde“, das heißt der Teil der Erde, den Gott Israel zugewiesen hatte, unter die friedliche Herrschaft Davids gebracht, und während der Herrschaft seines Sohnes Salomo hatte das Volk Ruhe vor bösen Feinden. — Ps. 37:11; 1. Kö. 4:20, 25.
Diese prophetische Wahrheit, dieser Grundsatz, findet auch eine größere Erfüllung in diesen „letzten Tagen“ des bösen Systems der Dinge, in denen Aussicht auf eine weit ausgedehntere Reinigung der Erde besteht, da Gott sein Vorhaben zum Ausdruck gebracht hat, durch die von Christus ausgeübte Königsherrschaft alles Böse auf der ganzen Erde für immer zu beseitigen. — Offb. 11:18; 19:19-21.
Eine andere Prophezeiung, und zwar die aus Jesaja 65:17, die davon handelt, daß Gott „neue Himmel und eine neue Erde“ schaffen würde, verkündigte Jesaja den Juden nicht nur, damit sie etwas hörten, was sich etwa 2 700 Jahre später erfüllen sollte. Sie hatte vielmehr eine erste Erfüllung etwa 200 Jahre nachdem sie aufgezeichnet worden war, nämlich als die Israeliten, die sich im Exil befanden, nach Jerusalem zurückgeführt wurden. Ein neues Herrschaftssystem, für das Jehova sorgte und in dem Serubbabel Statthalter und Josua Hoherpriester war, bildete „neue Himmel“, und das Land Juda wurde mit einem organisierten Volk, das eine „neue Erde“ bildete, wieder bevölkert. Während dieser Wiederherstellung kam kein Feind wie Nebukadnezar herbei, um Säuglinge und kleine Kinder zu töten, und die Menschen lebten ihre normale Lebensdauer. In Sicherheit bauten sie Häuser und pflanzten sie Weingärten, ohne Furcht, daß der Feind wieder herbeikommen und ihr Land verwüsten würde, wie es die Babylonier im Jahre 607 v. u. Z. getan hatten. (Jes. 65:20-22) Dies war damals für jene Israeliten eine bedeutungsvolle Erfüllung. Sie konnten im Glauben an Jesajas Prophezeiung zu ihrem eigenen Guten handeln.
Gott liebte sein Volk damals und gedachte der Angehörigen seines Volkes, die in Babylon gefangen waren. Er handelte, um sie aus der Gefangenschaft herauszuführen und sie in ihrem eigenen Land zu segnen. Was mit jenem Volk geschah, diente gemäß dem Apostel Paulus als Vorbild größerer Dinge. (1. Kor. 10:11) Deshalb wissen wir, daß Gott in seiner großen Liebe zur Christenversammlung, zum ‘geistigen Israel’, dessen Glieder von ihren Feinden befreien würde. Im ersten Jahrhundert befreite er einen Überrest treuer Juden, indem er diese in die Christenversammlung brachte, die zu Pfingsten gegründet wurde. (Joh. 8:31-36; Apg. 2:41, 47) Ebenso hat Gott in diesen „letzten Tagen“ dieselbe Liebe bekundet, indem er das geistige Israel aus der Gefangenschaft herausführte, in der Babylon die Große, das Weltreich der falschen Religion, es gehalten hatte. Er hat im geistigen Israel allmählich wieder die Wahrheiten und Bräuche der Versammlung der ersten Christen eingeführt und hat es gesegnet, indem er weitere Menschen aus religiöser Knechtschaft befreit hat. Somit hat es eine dreifache Erfüllung der biblischen Prophezeiung über die Befreiung des Volkes Jehovas aus Babylon gegeben.
Der Apostel Petrus bestätigt dieses Verständnis, wonach es mehr als eine Erfüllung gibt, indem er eine künftige Anwendung der Prophezeiung aus Jesaja 65:17 in Verbindung mit der Herrschaft Christi zeigt. Petrus schreibt an das geistige Israel seiner Tage wie folgt: „Doch gibt es neue Himmel und eine neue Erde, die wir gemäß seiner Verheißung erwarten, und in diesen wird Gerechtigkeit wohnen.“ (2. Petr. 3:13) Auch im Buch der Offenbarung, das etwa im Jahre 96 u. Z. für das geistige Israel geschrieben wurde, findet sich das Bild ‘eines neuen Himmels und einer neuen Erde’ zum Nutzen, zur Sicherheit und zum Segen der Menschheit in Gottes neuer Ordnung unter der Königreichsherrschaft Christi. — Offb. 21:1-4.
Wenn wir daher Schwierigkeiten haben, eine Erklärung einer Prophezeiung zu verstehen, wie sie in den Veröffentlichungen der Watch Tower Society dargelegt wird, ist es angebracht, tiefer nachzudenken. Denke an die Möglichkeit, daß es mehr als eine Erfüllung geben mag. Oft stärkt es unseren Glauben sehr, wenn wir lesen, daß Gott eine Prophezeiung in alter Zeit an seinem Volk erfüllte. Noch sicherer ist für uns die Gewißheit, daß er die größere Erfüllung an seinem Volk heute durchführen kann und wird.
Auch sollte man, wenn man über die Anwendung eines Schrifttextes im ungewissen ist, den Zusammenhang dieser Schriftstelle betrachten und sich fragen: „Handelt es sich hier lediglich um eine Anwendung des in dem Schrifttext enthaltenen Grundsatzes, der über die Anwendung nach dem unmittelbaren Zusammenhang hinausgeht?“
Doch wie steht es mit veränderten Ansichten, zu denen es gelegentlich kommen mag? Dieser Punkt wird im nächsten Artikel behandelt.
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Gott bringt das Denken seines Volkes zurechtDer Wachtturm 1972 | 15. November
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Gott bringt das Denken seines Volkes zurecht
JEHOVA ist unfehlbar, und er ist der große Lehrer und Führer seines Volkes. (Ps. 143:10) Sein Volk ist fehlbar, und in keinem Punkt versteht es alles. Gott führt die Glieder seines Volkes schrittweise, so daß die Wahrheit immer heller wird und sie in immer vollerem Maße Gottes Herrlichkeit widerstrahlen und immer mehr in sein Bild umgewandelt werden. (2. Kor. 3:18) Sie lernen ihn immer näher kennen. Ihre Bedürfnisse werden völlig befriedigt, indem alles für ihr geistiges Wohlergehen beschafft wird. (Phil. 4:19) Ein solcher Fortschritt hat Änderungen, ein Zurechtbringen ihres Denkens, zur Folge.
Einige haben jedoch etwas gegen veränderte Ansichten, Änderungen im Verständnis gewisser Schriftstellen oder einer gewissen Verfahrensweise. Zum Beispiel weigern sich Jehovas Zeugen seit den 1940er Jahren, Blut zu spenden oder sich Blut übertragen zu lassen, während sie diesen Standpunkt vor jener Zeit nicht einnahmen. Seit 1962 verstehen sie unter den „obrigkeitlichen Gewalten“ aus Römer 13:1 die Herrscher weltlicher Regierungen, während sie bis zu jener Zeit, und zwar von 1929 an, einen anderen Standpunkt vertraten. Es könnten noch weitere Beispiele angeführt werden. Zeigt dies, daß Jehovas Zeugen nicht die Wahrheit haben? Werden dadurch die wichtigsten Grundsätze ihrer Lehren in Frage gestellt?
Keineswegs. Jehovas Zeugen beanspruchen keine Unfehlbarkeit. Sie werden von Gott belehrt. (Jes. 54:13) Niemals werden sie alles wissen, sondern sie werden ständig von der unerschöpflichen Weisheit Gottes lernen, während sie in seiner Wahrheit wandeln.
BEISPIEL DER VERSAMMLUNG DER ERSTEN CHRISTEN
Als Jesus auf Erden war, sagte er zu seinen Jüngern: „Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr vermögt es jetzt nicht zu tragen.“ (Joh. 16:12) Hätte er ihnen all diese Dinge auf einmal gesagt, so wäre das für sie zuviel gewesen. Es wäre ihnen unmöglich gewesen, all diese Dinge zu erfassen und sie in ihrem Leben auszuführen. Daher belehrte er sie schrittweise.
Betrachte die Geschichte der Versammlung der ersten Christen gemäß den Aufzeichnungen in der Apostelgeschichte. Als Jesus bei ihnen war, kurz bevor er in den Himmel auffuhr, dachten sie, er würde damals auf Erden für das fleischliche Israel ein Königreich aufrichten. (Apg. 1:6) Aber von Pfingsten (33 u. Z.) an lernten sie etwas anderes. (Apg. 2:32-36; 3:19-21; 1. Petr. 3:18) Einige Zeit danach erschloß Gott ihrem Verständnis einen weiteren Teil seines ‘heiligen Geheimnisses’, nämlich daß er Heiden in die Christenversammlung bringen würde. (Apg. 10:34-48; Röm., Kap. 11; Kol. 1:25-27) Doch später kam es zu der Auseinandersetzung um die Beschneidung der Bekehrten aus den Heiden, und sie wurde von der leitenden Körperschaft beigelegt. Hier wurde ihr Denken zurechtgebracht, als sie die Heilige Schrift im Lichte der jüngsten Entwicklungen untersuchten. (Apg., Kap. 15) Auch klärten die Apostel vieles in ihren Briefen, zum Beispiel die zweite Gegenwart und die Auferstehung Christi (1. Kor., Kap. 15; 1. Thess. 4:13-17) sowie Angelegenheiten, die die Versammlungsorganisation betrafen (Timotheusbriefe und Titusbrief).
Wurde die Stellung der Versammlung als „Säule und Stütze der Wahrheit“ durch diese Neuerungen des Verständnisses und Änderungen geschwächt? Nein, die Versammlung wurde vielmehr gestärkt, da sie von Jehova Gott und Jesus Christus geleitet und gebraucht wurde. Der Beweis hierfür ist in dem Segen Jehovas zu sehen. Als den überall verstreuten Versammlungen die Klärung der Beschneidungsstreitfrage mitgeteilt wurde, wurden die Versammlungen „daher tatsächlich im Glauben weiterhin befestigt und nahmen von Tag zu Tag an Zahl zu“. — 1. Tim. 3:15; Apg. 16:4, 5.
HEUTIGE ÄNDERUNGEN IM VERSTÄNDNIS
Ebenso wie die leitende Körperschaft der Versammlung der ersten Christen, die schrittweise von Jehova geführt wurde, alles so handhabte, wie Jehova die Entwicklungen stattfinden ließ, und die Heilige Schrift erforschte, um die Versammlung gemäß der Führung Jehovas zu leiten, tut dies auch die leitende Körperschaft der Versammlung heute. Zum Beispiel kam die Blutfrage besonders nach dem Jahre 1937 auf, als in Chicago (Illinois, USA) die erste Blutbank gegründet wurde. Christliche Zeugen Jehovas, die krank wurden, standen vor der Frage, ob sie dieser Art der Behandlung zustimmen sollten und ob diese mit Gottes Wort in Übereinstimmung wäre. Die Heilige Schrift wurde unter Gebet geprüft, und so wurde der Wille Gottes in dieser Angelegenheit offenbar.
Ebenso wurde bezüglich des Schrifttextes aus Römer 13:1 durch ein genaues und sorgfältiges Studium des Zusammenhangs und damit in Verbindung stehender, einschlägiger Schrifttexte ein richtiges Verständnis erlangt. Man erkannte, daß der Apostel Paulus in Römer, Kapitel 12 zunächst Angelegenheiten innerhalb der Versammlung behandelt und sich dann, in Vers 17, Angelegenheiten außerhalb der Versammlung zuwendet. Von da an geht Paulus zur Besprechung der obrigkeitlichen Gewalten über, und weiter bis zum 7. Vers des Kapitels 13 äußert er sich deutlich über Gewalten in den Regierungen dieser Welt. Dieses Verständnis bewirkte keine Änderung in der Einstellung der Zeugen Jehovas hinsichtlich ihres Verhältnisses zu Gott oder in ihrer Einstellung gegenüber den Herrschern. Nein, denn sie befolgten weiter den von Jesus Christus aufgestellten Grundsatz: „Zahlt daher Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott.“ (Matth. 22:21) Wohl führte dies aber zu einer berichtigten Ansicht über die Bedeutung von Römer 13:1.
„DRAMATISCHE“ EREIGNISSE IN ALTER ZEIT
Etwas anderes, was zu Fragen Anlaß gegeben hat, sind Parallelen oder prophetische Vorbilder, die von Jehovas Zeugen auf Verhältnisse und auf Personengruppen oder -klassen von heute angewandt werden. Viele Menschen, die die Bibel lesen, betrachten all deren Berichte lediglich als vergangene Geschichte, aber wenn sie beginnen, mit Jehovas Zeugen die Bibel zu studieren, wird ihre Ansicht zurechtgebracht, da sie sehen, daß die Berichte mehr als vergangene Geschichte sind. Zum Beispiel begingen die Israeliten, die in den Ebenen Moabs versammelt waren, kurz bevor sie in das Verheißene Land einzogen, Hurerei mit den Moabiterinnen und beteiligten sich mit ihnen an der Anbetung des Baal von Peor. Dies führte durch Jehovas Hand zum Tode von 24 000 Israeliten unter den drei Millionen oder noch mehr, die dort lagerten. (4. Mose 25:1-9) Dies ist mit der Situation der Glieder des Volkes Gottes verglichen worden, die sich heute an der Schwelle der neuen Ordnung Gottes befinden, und es dient ihnen jetzt als Warnung. Ja, zufolge der heutigen vermehrten Bosheit und Unsittlichkeit in der Welt zeigt sich die Gefahr noch deutlicher, und es trifft zu, daß in den letzten Jahren ein vergleichbarer Prozentsatz durch Gemeinschaftsentzüge aus den Versammlungen der Zeugen Jehovas ausgeschlossen worden ist. Diese Gemeinschaftsentzüge haben die Versammlungen vor Unreinheit bewahrt, und sie entsprechen dem Rat der Apostel, böse Menschen aus der Mitte der Versammlung zu entfernen. — 1. Kor. 5:9-13; 2. Joh. 9-11.
Manchmal wird die Frage gestellt: Hat Jehova dieses „dramatische“ Ereignis inszeniert, damit es uns heute zur Warnung dient? Nun, würde er bewirken, daß solche bösen Dinge geschähen? Würde er sie selbst in die Wege leiten? Nein. Der christliche Jünger Jakobus antwortet: „Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst irgend jemand.“ (Jak. 1:13) Soweit es Gottes Handlungsweise und die Anwendung seiner Grundsätze betrifft, weiß er, was er unter gewissen Umständen tun wird. Er handelt stets in Übereinstimmung mit seinem Vorhaben und mit seinen Grundsätzen, was seinem treuen Volk zum Guten dient. Aber er richtet nichts so ein, daß dadurch bewirkt wird, daß die Menschen Unrecht begehen und er schafft nicht die Umstände, die sie zum Bösen führen. — Matth. 6:13.
Im Falle der Israeliten, die in Verbindung mit Baal-Peor abwichen, konnte Gott, der diese geschichtliche Tatsache zwar nicht herbeigeführt hatte, diese jedoch als Warnung für die Christen gebrauchen, denn sie stehen in einer Prüfung wie das alte Israel, und ihr Feind, Satan, der Teufel, wendet eine ähnliche Taktik an, um sie zu Fall zu bringen. Gott zeigte, in welcher Gefahr Christen in dieser „Zeit des Endes“ stehen und was er gegen diejenigen unternehmen würde, die versuchen würden, Unreinheit in die Christenversammlung zu bringen. Unter Hinweis auf genau dieses Ereignis in den Ebenen Moabs sowie auf andere Vorkommnisse in Verbindung mit dem alten Israel erklärte der Apostel Paulus: „Diese Dinge nun widerfuhren ihnen fortgesetzt als Vorbilder, und sie sind zur Warnung für uns geschrieben worden, auf welche die Enden der Systeme der Dinge gekommen sind.“ (1. Kor. 10:11) Sie dienten als Vorbilder, Lektionen, Warnungen für die Christen in der Zeit des Endes des jüdischen Systems der Dinge, und als dasselbe dienen sie uns heute.
Dies stimmt mit den Worten des Apostels überein: „Alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können.“ — Röm. 15:4.
Einige Dramen hat Gott tatsächlich vollständig vorbereitet, zum Beispiel, als er Abraham gebot, seinen Sohn Isaak als Opfer darzubringen, wodurch im voraus dargestellt wurde, daß er selbst seinen einziggezeugten Sohn, Jesus Christus, als Loskaufsopfer für das Menschengeschlecht darbringen würde. Es war nichts Verkehrtes daran, daß Gott dem Abraham dieses Gebot gab, und er ließ Abraham nicht bis zum Äußersten gehen und seinen Sohn opfern, sondern sorgte für einen Widder als Ersatz. — 1. Mose 22:1-18; Gal. 3:16; Joh. 3:16.
Viele andere dramatische Ereignisse, in denen Gott in Übereinstimmung mit seinen Grundsätzen Schritte unternahm, so daß wir heute ein prophetisches Drama vor uns haben, wurden nicht vollständig von ihm inszeniert. Zum Beispiel zeigt nichts in der Bibel an, daß Gott den Tod Elimelechs, des Mannes Noomis, und den Tod Machlons und Kiljons, ihrer Söhne, verursacht hätte. Auch veranlaßte er denjenigen, der das vorrangige Rückkaufsrecht hatte und der in der Bibel als „Soundso“ bezeichnet wird, nicht, sich zu weigern, Elimelechs Erbteil zu kaufen. Aber durch sein Gesetz wies er auf den Weg hin, den Ruth, Noomi und Boas einschlagen sollten, und aus Liebe zu Gott handelten sie gemäß seinem Gesetz. Daher konnte er einen Bericht über diese Folge der Ereignisse aufzeichnen lassen, die ein Bild späterer Dinge sein sollten, wie es in der Wachtturm-Ausgabe vom 1. Mai 1972 erklärt wird. — Ruth, Kap. 1, 4.
Es verhilft uns zu einem völligeren Verständnis, wenn wir daran denken, daß es die Menschen in alter Zeit wirklich gegeben hat, daß sie ihr tägliches Leben mit ihrer Familie und mit ihren Mitmenschen lebten, Hoffnungen und Wünsche hatten, wie wir sie heute haben, dieselben allgemeinen Probleme hinsichtlich der Sünde, die in ihren Gliedern wirkte, kannten und daß viele von ihnen in Treue einen vortrefflichen Kampf führten, um Gott zu dienen. Gott sprach zu ihnen durch seine Propheten und durch seine Gesetze und unternahm ihnen gegenüber Schritte, um Gerechtigkeit zu belohnen und Böses zu bestrafen.
Ebenso geschehen heute ähnliche Dinge in Verbindung mit denen, die Gott dienen. Jehova ändert sich nicht von Zeit zu Zeit, so daß seine Grundsätze und Gerichte unterschiedlich wären. (Mal. 3:6) Wir können daher das, was mit dem alten Israel und den umliegenden Nationen geschah, lesen und wissen, daß diese Dinge ebenso wirklich waren wie unsere heutige Situation und daß Gott uns gegenüber gemäß denselben Grundsätzen handeln wird, und zwar ebenso gewiß, wie er es damals tat. Wenn wir aus dem Bericht darüber, wie Gott mit seinem Volk in der Vergangenheit verfuhr, Nutzen ziehen, wird unsere Ansicht zurechtgebracht. Aber manchmal mag es natürlich Punkte geben, die wir schwer verstehen können.
GLAUBE UND GEDULD ERFORDERLICH
Wenn Fragen auftauchen, ist es gut, mit den Verantwortlichen in der Versammlung zu sprechen, die in geistiger Hinsicht „ältere Männer“ sind und die ein Verständnis haben. (Apg. 20:28; 1. Petr. 5:1-4) Sind wir, wenn wir auch dann nicht alles völlig verstehen, bereit, mit Gottes Versammlung weiterzugehen und uns der Führung Jehovas zu unterstellen, wobei wir die Gewißheit haben, daß er uns zu seiner Zeit die Erleuchtung schenken wird?
Würden wir einen Freund verlassen, wenn er etwas sagt oder tut, was wir nicht völlig verstehen? Wieviel mehr sollten wir Vertrauen zu Gott und zu seiner Versammlung ausüben! „Wer sich Gott naht, muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn ernstlich suchen, ein Belohner wird“, heißt es in der Heiligen Schrift. (Hebr. 11:6) Wir, die wir zu einer Erkenntnis der Wahrheit gekommen sind, wissen, daß das Königreich Jesu Christi und sein Sühnopfer für die Sünden als einzige Hoffnung für die Menschheit gepredigt werden müssen. Wer verrichtet dieses Predigtwerk? Wen segnet Gott auf der ganzen Erde mit Frieden und geistiger Wohlfahrt? Was geschieht mit Personen, die das Werk und die Organisation des Volkes Gottes heute bekämpfen? Sie versuchen niederzureißen, aber wen stärken sie? Wohin werden wir uns wenden, um Leben zu erlangen, wenn wir zulassen, daß wir durch eine Ursache des Strauchelns für immer zu Fall kommen und uns von Gott und seinem Volk abwenden?
Als gewisse Personen Einwendungen gegen einige Aussprüche Jesu machten, die sie nicht verstehen konnten, stellte Jesus seinen eng mit ihm verbundenen Jüngern die Frage: „Veranlaßt euch dies zum Straucheln?“ Dann sagte er zu seinen Aposteln: „Ihr wollt doch nicht etwa auch weggehen?“, und Simon Petrus antwortete: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Heilige Gottes bist.“ — Joh. 6:61, 67-69.
Die Bibel gibt den Rat, Geduld zu üben. (Jak. 5:9-11) Sind wir es nicht vor allem unseren größten Freunden, Jehova Gott und Jesus Christus, schuldig, Geduld zu üben, bis sie die Gründe für ihre Handlungen offenbaren? Wie töricht wären wir doch, wenn wir unser Wissen und unser Urteilsvermögen mit ihnen vergleichen wollten! Jehovas Prophet sagte: „Wer hat den Geist Jehovas ermessen und wer kann ihn als sein Mann des Rates irgend etwas erkennen lassen?“ — Jes. 40:13.
Und können wir, was die Christenversammlung betrifft, die ja aus unvollkommenen Menschen besteht, nicht ebenfalls geduldig sein, da sie der Führung Gottes folgt? Bestimmt sind wir glücklich und dankbar, wenn man mit uns geduldig ist. Wir tun gut daran, Gottes Geduld nachzuahmen, denn durch Christus wird er die Versammlung flecken- und makellos bewahren. — 2. Petr. 3:15; Eph. 5:25-27; Offb. 19:7, 8.
Tatsächlich findet man nur dann Glück und Leben, wenn man der Führung Jehovas folgt Mögen wir jetzt, an der Schwelle seiner gerechten neuen Ordnung, zeigen, daß wir bereit sind, unser Denken von Jehova zurechtbringen zu lassen. Wenn wir das tun, werden wir einander stärken, um dem Teufel zu widerstehen, „damit wir nicht vom Satan überlistet werden, denn seine Anschläge sind uns nicht unbekannt“. — 2. Kor. 2:11; Eph. 6:11.
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Wirst du leicht zum Straucheln gebracht?Der Wachtturm 1972 | 15. November
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Wirst du leicht zum Straucheln gebracht?
JESUS CHRISTUS sagte: „Wenn ihr in meinem Worte bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8:31, 32) Ehe jemand ein wahrer Jünger Jesu Christi wird, indem er Glauben an das Loskaufsopfer ausübt und Christi Nachfolger wird, ist er ein Sklave der Sünde und des Todes. Er muß eine Änderung vornehmen. — Joh. 8:34.
Der Apostel Paulus ermahnte die Christen in Ephesus (Kleinasien): „Ihr [sollt] die alte Persönlichkeit ablegen ..., die eurem früheren Wandel entspricht und die gemäß ihren trügerischen Begierden verdorben wird.“ (Eph 4:22) Ja, die alte Persönlichkeit wies verkehrte Wünsche auf, die entfernt werden mußten.
Dementsprechend muß jemand, der sich an Gott um Hilfe wendet, bereit sein, hart zu arbeiten, um seinen Sinn neuzugestalten. (Röm. 12:2) Er kommt zu der Erkenntnis: „‚Was das Auge nicht gesehen und das Ohr nicht gehört hat noch im Herzen eines Menschen aufgekommen ist, die Dinge, die Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.‘ Denn uns hat Gott sie durch seinen Geist geoffenbart.“ Wir sollten unser Denken diesen uns neuen Offenbarungen anpassen. — 1. Kor. 2:9, 10.
Wenn du leicht strauchelst, weil du eine Erklärung der Heiligen Schrift oder eine organisatorische Angelegenheit oder Verfahrensweise, die durch die Klasse des ‘treuen und verständigen Sklaven’ mitgeteilt wird, nicht richtig verstehst, so denke an deine Stellung vor Gott. Denke wie folgt: „Habe ich mich selbst richtig orientiert? Habe ich meinen Sinn nach und nach umgestaltet? Werde ich jetzt damit aufhören?“ — Matth. 24:45-47.
Prüfe auch dein Herz. Frage dich: „Gibt es irgendeinen Wunsch, eine Neigung, irgendeine Art der Selbstsucht, die mich daran hindert, den Gedanken zu erkennen oder zu akzeptieren? Suche ich in allem die Wahrheit, oder möchte ich, daß die Dinge in gewissen Beziehungen meiner Denkweise entsprechen?“
DEMUT UND ÜBERLEGUNG
Demut ist für den Christen unbedingt nötig, damit er bis zum Ende ausharren kann. Erprobungen, die durch Verfolgungen kommen, sind oft nicht so schwer wie der Kampf
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