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Eine Brücke, die zwei Kontinente verbindetErwachet! 1974 | 22. Oktober
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Eine Brücke, die zwei Kontinente verbindet
Vom „Awake!“-Korrespondenten in der Türkei
JETZT kann der Autofahrer den berühmten Bosporus, die Meerenge zwischen Europa und Asien, in weniger als zwei Minuten überqueren. Ermöglicht wird das durch die schöne neue Bosporusbrücke, die am 31. Oktober 1973 in Istanbul für den Verkehr freigegeben wurde. Sie ist die erste feste Brücke, die zwei Kontinente verbindet.
Diese beiden Kontinente wurden schon einmal miteinander verbunden — aber nur vorübergehend. Das war im sechsten Jahrhundert v. u. Z. Damals ließ der Perserkönig Darius der Große in der Nähe der jetzigen Brücke eine Pontonbrücke bauen, damit seine Truppen von Asien nach Europa übersetzen konnten.
Seit jener Zeit sind viele Pläne für eine feste Brücke über den Bosporus entworfen worden. Vor etwa 200 Jahren schlugen die Franzosen vor, eine Gewölbebrücke zu bauen. Im Jahre 1860 entwarfen die Franzosen dann eine aus fünf Steinbogen bestehende Brücke mit gewaltigen Stützpfeilern, die jeweils von einer Moschee gekrönt werden sollten. Im Jahre 1905 unterbreiteten die Deutschen Pläne für den Bau einer Bosporusbrücke. In den 1930er Jahren fand in Europa ein Technikerkongreß statt, auf dem auch Pläne für den Bau einer solchen Brücke unterbreitet wurden, und im Jahre 1953 ließ die türkische Regierung Pläne für eine solche Brücke anfertigen. Doch keiner dieser Vorschläge wurde ausgeführt.
Aber warum war man so daran interessiert, eine solche Brücke zu bauen? Es hängt mit der Lage und der Ausbreitung der Stadt Istanbul zusammen.
Istanbul liegt beiderseits des Bosporus. Es ist die einzige Stadt der Welt, deren Gebiet auf zwei Kontinenten liegt. Da Istanbul einen wichtigen Schnittpunkt der Verkehrswege von Asien und Europa bildet, hat diese Stadt seit ihrer Gründung (zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. u. Z.) eine bedeutende Rolle gespielt. Damals hieß sie Byzanz. Etwa 800 Jahre später wurde sie nach dem Kaiser Konstantin „Konstantinopel“ genannt und entwickelte sich zur reichsten Stadt der Welt. Im Jahre 1453 wurde sie von den Türken erobert, die sie dann mit Moscheen und Palästen schmückten und ihr den Namen Istanbul gaben.
Der Hauptteil des Stadtgebietes liegt auf der europäischen Seite. Bis vor kurzem wohnten verhältnismäßig wenig Leute im asiatischen Teil der Stadt. Aber das asiatische Istanbul ist in letzter Zeit stark gewachsen, und heute wohnen etwa 25 Prozent der 2 000 000 zählenden Bevölkerung Istanbuls auf asiatischem Gebiet.
Viele der berufstätigen Bevölkerung fahren jeden Morgen nach dem europäischen Stadtteil zur Arbeit und am Abend wieder zurück. Bei schlechtem Wetter haben die Fähren stets Verspätung. Außerdem waren die Fähren zu der Zeit, da die Brücke noch nicht gebaut war, dem Verkehr nicht mehr gewachsen. Nicht selten mußte man eine Stunde und länger auf die Fähre warten. Doch jetzt sieht man keine wartenden Autoschlangen mehr.
Die Bosporusbrücke bildet das Mittelstück einer über 20 km langen Schnellstraße, die schließlich einen Ring um Istanbul bilden wird. Dadurch wird der Verkehr zwischen den beiden Kontinenten um die Stadt herumgeleitet. Man erwartet, daß der Fernverkehr zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil der Türkei dadurch gefördert wird.
Eine gewaltige Anlage
Die Brücke, die die beiden Kontinente miteinander verbindet, ist die längste Hängebrücke außerhalb der Vereinigten Staaten. Die Stützweite beträgt 1 074 m. Länger als die Bosporusbrücke sind nur die Verrazano-Narrows-Brücke in New York (1 300 m), die Golden-Gate-Brücke in San Francisco (1 280 m) und die Mackinac-Brücke in Michigan (1 158 m).
Im Februar 1970 wurde mit dem Bau der Bosporusbrücke begonnen, und sie wurde in 1 345 Arbeitstagen vollendet. Die Baukosten betrugen 40 Millionen Dollar. Das Geld dafür stammte größtenteils aus dem Ausland. Man schätzt jedoch, daß sich die Brücke in vier Jahren amortisiert und man das Geld bis dahin zurückgezahlt haben wird.
Die Fahrt über die Brücke in einem Personenauto kostet zehn türkische Pfund oder ungefähr 70 Cent. Andere Fahrzeuge bezahlen mehr, je nach Gewicht und Größe. Man erwartet, daß täglich 20 000 bis 22 000 Fahrzeuge die Brücke passieren werden. Sie wird daher eine ansehnliche Summe einbringen. Wenn das geliehene Geld zurückgezahlt sein wird, werden die Einnahmen in die Stadtkasse Istanbuls fließen.
Technische Einzelheiten
Eine der ersten Arbeiten war der Bau der beiden Pylonen. Als die zwei Türme zu beiden Seiten der Meerenge fertig waren, betrug ihre Höhe über 165 m; das entspricht einem 55stöckigen Wolkenkratzer. In einer Höhe von rund 45 m wurden die zwei Beine der beiden Türme durch einen fast 10 m breiten Querträger verbunden. Auf diesem Querträger ruht jetzt die Fahrbahn; sie liegt so hoch über dem Wasser, daß die größten Schiffe ungehindert passieren können. Ein weiteres Querstück verbindet die Turmbeine in einer Höhe von 100 m und ein drittes in einer Höhe von über 152 m, fast ganz oben am Turm.
Die vier Turmbeine sind gewaltig: Ihre Grundfläche beträgt 7 × 5,20 m. Die Beine sind hohl, und in jedem Bein ist ein 20 Personen fassender Aufzug, der die Verbindung zur Straße herstellt. Ein kleinerer Aufzug für die Wartungsmannschaft führt bis zum oberen Ende des Turms.
Nachdem die Pylonen errichtet worden waren, wurden die beiden dicken Haupttragseile gespannt, für die über 40 000 km Stahldraht verwendet wurde. Ein Haupttragseil besteht aus 19 Strängen und jeder Strang aus 550 Drähten. Diese Drähte wurden von Drahttrommeln abgespult und von Küste zu Küste gespannt; 550 Drähte wurden jeweils zu einem Strang gebündelt.
Jedes der beiden Haupttragseile, bestehend aus 19 Strängen, wiegt etwa 1 880 t und hat einen Durchmesser von 58 cm. An diesen beiden Haupttragseilen hängen die Tragkabel, an denen die Fahrbahn dann befestigt wurde. Es war äußerst interessant, zuzusehen, wie das vor sich ging.
Die Fahrbahn — mit drei Fahrspuren in jeder Richtung — besteht aus sechzig 18 m langen und über 33 m breiten vorgefertigten stählernen Teilen. Jedes dieser Segmente wiegt ungefähr 136 t. Die erste dieser Sektionen wurde am 7. Dezember 1972 von einer Schute aus mitten im Bosporus hochgezogen und eingehängt. Dann folgten die nächsten Segmente, und allmählich wurde die Fahrbahn immer länger. Am 26. März 1973 wurde schließlich das letzte Stück emporgehoben und eingehängt, was gebührend gefeiert wurde.
Aber damit war die Brücke noch nicht fertig. Die Fahrbahn mußte noch asphaltiert werden, die Tragkabel mußten gestrichen und die Aufzüge installiert werden. Ferner fehlten noch die Brückenauffahrten.
Jetzt aber ist diese Brücke vollendet, und der Verkehr rollt darüber. Es ist schon vorgekommen, daß die Brücke an einem einzigen Tag von 28 000 Fahrzeugen befahren worden ist. Für viele Bewohner dieses aufstrebenden Landes ist diese Brücke ähnlich wie das Fernsehen und andere moderne Errungenschaften etwas fast Unbegreifliches, und wenn sie in der Nähe der Brücke stehen, blicken sie staunend zu ihren hohen Türmen auf.
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Sollte man sich mit „ASW“ beschäftigen?Erwachet! 1974 | 22. Oktober
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Was sagt die Bibel?
Sollte man sich mit „ASW“ beschäftigen?
„WIR verriegelten die Tür unseres Hauses und fuhren für zwei Wochen in Urlaub. Donnerstag nacht sah ich im Traum ganz deutlich, wie ein Einbrecher die Glasscheibe an unserer Haustür einschlug, den Riegel zurückschob und das Haus betrat.“
Am darauffolgenden Tag kehrte die Frau, die diesen merkwürdigen Traum gehabt hatte, in die Stadt zurück, um nachzusehen, ob noch alles in Ordnung sei. Doch sie mußte feststellen, daß in ihrem Haus tatsächlich eingebrochen und die Glasscheibe in der Haustür eingeschlagen worden war.
Wieso konnte diese Frau etwas geschehen sehen, was sich viele Kilometer von ihr entfernt zutrug? Es handelte sich offenbar um einen Fall von außersinnlicher Wahrnehmung (ASW), um die Fähigkeit also, ohne den Gebrauch der normalen Sinnesorgane (Gesicht, Geruch, Gehör, Geschmack und Gefühl) gewisse Kenntnisse zu erlangen.
Formen von außersinnlicher Wahrnehmung sind Telepathie, das Wissen um die Gedanken oder Gefühle eines anderen ohne Vermittlung der bekannten Sinnesorgane; Hellsehen, das Wahrnehmen von Gegenständen, Vorgängen oder Personen unabhängig von den normalen menschlichen Sinnesorganen; Präkognition, das Vorauswissen künftiger Vorgänge; Psychokinese, manchmal auch „Beherrschung der Materie durch den Geist“ genannt, die Fähigkeit, auf Gegenstände durch Konzentration Einfluß auszuüben.
Viele Menschen sind von den ungewöhnlichen Fähigkeiten der Menschen, die über außersinnliche Wahrnehmung verfügen, gefesselt worden. Manch einer glaubt, es sei eine „Gabe“ Gottes, und hat den Wunsch, diese Gabe ebenfalls zu entwickeln. Stammt die ASW wirklich von Gott? Würde es dir etwas nützen, dich damit zu beschäftigen?
In der Bibel ist von „geistigen Gaben“ die Rede, von übernatürlichen Fähigkeiten, die Gott in alter Zeit bestimmten Personen, besonders Jesus Christus, verlieh (1. Kor. 12:1; Apg. 2:22). Diese Kräfte, die wirklich von Gott stammten, umfaßten alle Fähigkeiten, die Personen, die über ASW verfügen, zu haben behaupten, und noch viele weitere. Aber in der Bibel wird auch gesagt, daß „falsche Propheten“ imstande wären, „viele Wunder“ zu wirken und sogar gelegentlich Vorhersagen zu machen, die eintreffen würden (Matth. 7:15, 22, NT 68; 5. Mose 13:1-3). Woher weiß man, ob heute eine Kundgebung übernatürlichen Wissens oder übernatürlicher Kräfte wie ASW von Gott ist oder nicht?
In 5. Mose werden drei wichtige Bedingungen genannt, die jemand erfüllen muß, damit er als wahrer Prophet oder als Vertreter Gottes gelten kann: Er muß im Namen Jehovas reden; seine Voraussagen müssen immer eintreffen; und seine Äußerungen müssen die wahre Anbetung fördern und in Einklang mit Gottes geoffenbartem Wort sowie mit seinen Geboten sein (5. Mose 13:1-4; 18:20-22).
Erfüllen die heutigen Medien, die über ASW verfügen, diese Bedingungen? Haben ihre „Offenbarungen“ eine Beziehung zu dem Namen und der Anbetung Jehovas? Eine Frau, die mit Hilfe von Tarockkarten außersinnliche Wahrnehmung entwickelte, sagte:
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