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Ist die Freiheit erhalten geblieben?Erwachet! 1976 | 8. November
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besser, sich damit abzufinden, daß die Freiheit gelegentlich mißbraucht wird, als keine Freiheit zu besitzen.
Viele amerikanische Bürger haben sich dieser Freiheitsrechte erfreut, andere dagegen empfinden die Darlegung dieser kostbaren Rechte in der Unabhängigkeitserklärung und die Artikel der Verfassung, durch die sie geschützt werden, als nichtssagend. Wer sind diese anderen? Und warum empfinden sie so?
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Quälende Probleme der VergangenheitErwachet! 1976 | 8. November
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Quälende Probleme der Vergangenheit
DEN in der Unabhängigkeitserklärung verkündeten und in der Verfassung verankerten Rechten Geltung zu verschaffen ist ein schwieriger Prozeß gewesen. Die damit verbundenen Probleme haben sich zum Teil als äußerst quälend erwiesen, und in den Augen einiger Historiker sind sie ein trauriges Kapitel der amerikanischen Geschichte.
Ein Beobachter behauptete, daß die meisten Amerikaner während der Zweihundertjahrfeier eine beschönigte Version der Geschichte ihres Landes zu hören bekämen. Er schrieb: „Auch andere Wahrheiten sollten gesagt werden.“ Ein ehrlicher Überblick über die zweihundertjährige Geschichte Amerikas muß solche Wahrheiten ebenfalls einschließen.
Eine solche Wahrheit hängt mit den Freiheitsrechten zusammen, die am 4. Juli 1776 verkündet wurden. In der Unabhängigkeitserklärung wurde gesagt, „daß alle Menschen gleich geschaffen sind, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören“. Die Verfassung garantierte die Grundrechte der Rede-, Versammlungs-, Presse- und Glaubensfreiheit. Und im 4. Zusatzartikel wird gesagt: „Das Recht des Volkes auf Sicherheit der Person und der Wohnung, der Urkunden und des Eigentums vor willkürlicher Durchsuchung, Verhaftung und Beschlagnahme darf nicht verletzt werden.“
Das sind edle Grundsätze. Und für viele Bürger dieses Landes haben die verbrieften Rechte größtenteils Geltung gehabt. Aber Historiker zeigen, daß das nicht auf alle Bürger zutrifft.
Eine gewalttätige Vergangenheit
Die Besiedlung des Landes, das heute als die Vereinigten Staaten bekannt ist, bedeutete eine Verletzung fast aller erwähnten edlen Grundsätze. Die Rechte, die die europäischen Siedler für sich forderten, wurden denen, die vor ihnen das Land bewohnt hatten, nicht gewährt.
„Das Recht des Volkes auf Sicherheit der Person und der Wohnung, der Urkunden und des Eigentums vor willkürlicher Durchsuchung, Verhaftung und Beschlagnahme“ hatte für die Indianer keine Geltung, die sich Jahrhunderte vor der Besiedlung durch Europäer in diesem Land niedergelassen hatten. Es ist eine geschichtliche Tatsache, daß die indianische Bevölkerung zum großen Teil ausgerottet wurde. Ihr Land und ihr Heim wurde ihnen weggenommen. Man zwang die dezimierten Stämme, in Reservationen zu leben. Und bis zum Jahr 1948 besaßen die Indianer nicht einmal in allen Staaten das Wahlrecht.
Allerdings betrachtete man die Indianer als „Wilde“. Sie bekämpften sich untereinander, und oft unterwarf ein Stamm einen anderen. Außerdem leisteten sie den Weißen erbitterten Widerstand. Aber man könnte sich fragen, ob die Amerikaner sich nicht auch mit allen Mitteln gewehrt hätten, wenn eine ausländische Macht den Krieg zwischen den Nord- und den Südstaaten (1861 bis 1865) als einen Beweis von Unkultur gewertet hätte und in das Land eingedrungen wäre, um es zu „zivilisieren“.
Heute äußern Vertreter der Indianer immer noch bittere Worte. Vernon Bellecourt, Führer der „American Indian Movement“, erklärte, daß „Amerika die vergangenen zweihundert Jahre seines Bestehens als zweihundert ränkevolle und beschämende Jahre betrachten sollte“. Er forderte die Indianer auf, die Zweihundertjahrfeier nicht mitzumachen, denn „seit der Zeit, da die Kolonisten anfingen, die eingeborenen Amerikaner zu unterwerfen und ihnen ihr Land wegzunehmen, haben wir keinen Grund mehr zum Feiern“.
In gewissen Kreisen wird die Auffassung vertreten, daß sich die gewalttätige Vergangenheit Amerikas sogar auf die Gegenwart auswirkt. Die Denver Post schrieb: „Am schwerwiegendsten ist wohl das Problem des Wesens der amerikanischen Gesellschaft. Seit der Pionierzeit hat sie immer wieder einen gewalttätigen Geist bekundet. Der jahrhundertelange ,Kampf‘ gegen die Indianer hat diese Geisteshaltung außerordentlich gefördert. Die Europäer kamen als Eindringlinge, und in vielen Fällen erkämpften sie sich Land, indem sie die Menschen, die es vor ihnen besessen hatten, ausrotteten. Dieser Geist der Gewalttat ist geblieben.“
In der amerikanischen Geschichte gibt es aber noch ein weiteres trauriges Kapitel. Es betrifft die Sklaverei.
Warum die Sklaverei?
Als die ersten Siedler den Indianern das Land wegnahmen, sahen sie sich im Besitz riesiger Gebiete mit fruchtbarem Boden. In den südlichen Kolonien eigneten sich Klima und Boden sehr gut für den Anbau von Tabak, Reis, Zuckerrohr und Baumwolle.
Aber wer sollte diese großen Landflächen bearbeiten? Dazu reichte die verhältnismäßig kleine europäische Bevölkerung nicht aus. Auch hatte den Weißen diese Arbeit nie besonders gefallen. Wie konnte man das Problem lösen? Mit Schwarzen, die man in Afrika entführte und dann als Sklaven hielt.
Viele haben sich gefragt: Wie konnte eine Nation, die sich zu den Grundsätzen bekennt, daß „alle Menschen gleich geschaffen sind“, daß alle die „unveräußerlichen Rechte“ auf „Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ besitzen sowie das Recht auf Sicherheit der Person und Wohnung „vor willkürlicher Durchsuchung, Verhaftung und Beschlagnahme“, die Sklaverei dulden? Eine der Beschwerden, die der Unabhängigkeitserklärung beigefügt waren, lautete: „Er [der englische König] hat unsere ... gefangengenommenen Mitbürger
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