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Die Religion verliert im „Bibelgürtel“ an BodenErwachet! 1973 | 8. Juni
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Die Religion verliert im „Bibelgürtel“ an Boden
ÜBER zwei Jahrhunderte lang ist der Süden der Vereinigten Staaten ein Bollwerk des religiösen Denkens der konservativen Protestanten gewesen. Baptisten, Methodisten und andere „fundamentalistische“ Religionsgemeinschaften waren in diesem Gebiet so vorherrschend, daß man es als den „Bibelgürtel“ bezeichnet hat.
Nun aber zerbröckelt die früher so feste Front, die die Kirchen der Südstaaten bildeten. Im Jahre 1971 hatten von diesen größeren Religionsgemeinschaften im Süden nur die Baptisten einen Zuwachs zu verzeichnen. Dabei handelte es sich um einen nominellen Zuwachs von 1,2 Prozent, nur ein zehntel Prozent mehr als die Wachstumsrate der Bevölkerung. Die Zunahme im Jahre 1972 war etwas beachtlicher.
Jedoch haben die Kirchen im Süden der USA nicht nur mit Problemen hinsichtlich der Zahl der Mitglieder zu kämpfen. Ein früherer Präsident der Southern Baptist Convention sagte vor einer Evangelistenkonferenz: „Eine Flut des Heidentums, des Hedonismus und des Atheismus bedroht ... die Kirche.“ Nach der in Austin (Texas) erscheinenden Zeitung Statesman sagte er: „Zu einer Zeit, in der die Kirche vor ihrer größten Erprobung steht, ist sie am kraftlosesten und am kränklichsten. ... Wir sehen, wie die Kirche [der Baptisten] vor unseren Augen stirbt.“
Beobachter anderer Konfessionen äußern sich ähnlich. Einige glauben, es sei wahrscheinlich unmöglich, die „sterbende“ Kirche wiederzubeleben. Geistliche sind bedrückt wegen des schwindenden Einflusses der Religion im Süden des Landes. Ken Forshee, Pastor der Highland Hills Christian Church in Oklahoma City, kam, nachdem er Unterredungen mit Geistlichen von fünfundzwanzig Kirchen jener Gegend gehabt hatte, zu folgendem Schluß:
„Auf jeden Mann, von dem ich sagen kann, daß er in seinem Dienst Befriedigung empfindet, kommen drei andere, die aus dem geistlichen Amt ausscheiden würden, wenn sie irgendeine Vorstellung hätten, was sie tun könnten. Dies ist eines der kritischsten Probleme der heutigen Kirche.“
Rex Vaughan, ein Amtskollege von Forshee, spricht von „einer sehr großen Verzweiflung unter den Geistlichen und auch unter den Laien — einem Mangel an konkreten Vorstellungen und Mitteln“.
Doch warum dieser Mangel an „konkreten Vorstellungen“, dieses Fehlen der „Befriedigung“ und dieses Gefühl der „Verzweiflung“ in einem Gebiet, das als das Kernland der fundamentalistischen Religion in den USA betrachtet wurde? Weil es einige kritische Streitfragen gibt, mit denen sich besonders die Kirchen im Süden der USA, im „Bibelgürtel“, auseinandersetzen müssen. Zum Beispiel gibt es die Veränderungen in Verbindung mit der Aufhebung der Rassenschranken. Um die Auswirkung dieser Maßnahme verstehen zu können, muß man kurz eine Rückschau auf die Geschichte des Südens der USA halten.
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Die Rassenfrage erschüttert die Kirchen des „Bibelgürtels“Erwachet! 1973 | 8. Juni
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Die Rassenfrage erschüttert die Kirchen des „Bibelgürtels“
ANFANG des neunzehnten Jahrhunderts waren Kirchen der gleichen Religionsgemeinschaft sowohl im Norden als auch im Süden der Vereinigten Staaten vertreten. Auch die Sklaverei gab es in beiden Teilen des Landes. Aber die Negersklaverei hatte im Norden keinen Erfolg, wo man sich mehr auf Handel, Industrie und auf die Expansion nach Westen konzentrierte. Im Süden jedoch, wo der Anbau von Baumwolle die Grundlage der Wirtschaft bildete, bot die Sklaverei billige Arbeitskräfte.
Als die zwei Teile des Landes wegen der Sklavenfrage politisch gespaltet wurden, wurden sie auch auf religiösem Gebiet getrennt. Die Kirchen im Norden verurteilten die Sklaverei als „unheilig“, während sie von den Kirchen im Süden als „heilig“ bezeichnet wurde. Religiöse Südstaatler rissen Bibeltexte aus dem Zusammenhang und versuchten damit zu beweisen, daß es richtig sei, die Schwarzen als Sklaven zu halten. Im Jahre 1844 kam es in der Methodistenkirche zwischen dem Norden und dem Süden zu einer Spaltung wegen der Sklavenfrage; ein Jahr später unter den Baptisten. Im Jahre 1861, dem Jahr, in dem der Bürgerkrieg ausbrach, gab es dann eine Spaltung unter den Presbyterianern entlang der politischen Mason-Dixon-Linie.
Nach den Worten von E. M. Poteat jr., Prediger der Pullen Memorial Baptist Church in Raleigh (Nordkarolina), waren die Kirchen des Südens sogar selbst am Sklavenhandel beteiligt. Er sagt: „Nicht nur hielten christliche Männer Sklaven zur Verherrlichung Gottes, sondern auch die Kirchen selbst förderten das Königreich der Himmel häufig dadurch, daß sie Sklaven vermieteten, die Leibeigene des Hauses Gottes geworden waren.“
So wurde die Negersklaverei in den Südstaaten tief eingewurzelt. Man sollte jedoch nicht vergessen, daß die Kirchen die Sklaverei im Norden, wo es sie schon einmal gegeben hatte, genauso leidenschaftlich unterstützt hätten wie ihre Schwesterkirchen im Süden, wenn die Sklaverei dort den gleichen wirtschaftlichen Erfolg gehabt hätte.
Rassenvorurteile nach dem Bürgerkrieg
Nachdem die Südstaaten am Abschluß des Bürgerkrieges im Jahre 1865 eine Niederlage erlitten hatten, hielten die dortigen Geistlichen an etwas fest, was sie besonders auszeichnete — an dem Protestantismus des „Bibelgürtels“. „Wenn wir unsere politische Unabhängigkeit nicht erlangen können, dann laßt uns wenigstens eine geistige Unabhängigkeit schaffen“, forderte ein Methodistenprediger in Mississippi am Ende der Konföderation. In dem Buch Southern White Protestantism in the Twentieth Century (Protestantismus der Südstaaten im zwanzigsten Jahrhundert) von K. K. Bailey heißt es: „Die Führer der Südstaaten waren davon überzeugt, daß die Religion des Weißen im Süden reiner sei als die der gleichen Konfession im Norden.“
Die Sklaven mögen nach dem Bürgerkrieg rechtlich die Freiheit erlangt haben, aber die Neger blieben Ausgestoßene der Gesellschaft. Extremisten im Süden erhielten die Vorherrschaft der Weißen aufrecht. Sogar Methodisten- und Baptistenprediger wurden in den gefürchteten Ku-Klux-Klan aufgenommen, der gleichberechtigte Neger ständig belästigte. Der größte Teil der schwarzen Bevölkerung des Südens litt noch Jahrzehnte nach der im Jahre 1863 verkündeten Befreiung aller Sklaven unter den Fesseln der Armut und des Analphabetentums.
Infolgedessen erhielten die ausgestoßenen Schwarzen nicht genügend Bildung, um die Bibel lesen zu können. Da sie gewöhnlich nicht in den Kirchen der Weißen willkommen waren, richteten sie ihre eigenen Gottesdienste ein, in denen zunächst nur erzählt und gesungen wurde. Sie schrieben ihre eigenen Lieder, die „Spirituals“. Die Predigten, die gehalten wurden, bestanden oft nur aus einer biblischen Erzählung, die vom Vater an den Sohn weitergegeben und dabei sehr ausgeschmückt worden war.
Aber selbst wenn die Weißen den Negern erlaubt hätten, in ihre Kirchen zu kommen, hätten es nur wenige getan. So sagt der Autor des Buches Deep South (Tiefer Süden): „Da das Christentum, wie es durch die angelsächsischen Baptisten und Methodisten verkörpert wurde, die einzige ihnen bekannte Religion war und da es so eng mit dem weißen Herrn und Grundbesitzer verbunden war, befürchteten sie, sie könnten gezwungen werden, die Ewigkeit dort zu verbringen, wo sie der Gott der weißen Rasse weiterhin der gleichen Grausamkeit und Ungerechtigkeit aussetzen würde, die sie immer gekannt hatten.“
Die Geschichte der Vereinigten Staaten zeigt, daß der Neger wenig mit einem Gott zu tun haben wollte, der die weiße Rasse bevorzugte. Statt dessen haben die meisten ihre eigene Form der fundamentalistischen Religion bevorzugt.
Die Auswirkungen der heutigen Veränderungen in den Kirchen der Südstaaten
Dann begann sich im Jahre 1954 auf dramatische Weise der ganze Stand der Dinge im Süden zu ändern. Das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten machte der Rassentrennung in den Schulen ein Ende. Seitdem haben die Schwarzen den „Bibelgürtel“ aufgerüttelt. Die Mauern, die Sinn und Geist der Farbigen einhundert Jahre lang versklavt hielten, stürzen nun zusammen, und hervor kommt eine Generation von Negern, die im College erzogen wurde und die Gleichheit mit den Weißen fordert und sich dafür einsetzt.
Die alten religiösen Argumente zugunsten der Vorherrschaft der Weißen in den Südstaaten haben durch die Gesetzgebung des Bundes und durch die staatlich unterstützten Protestbewegungen an Kraft verloren. Viele Leute haben die Kirchen verlassen, die früher rassistische Ansichten vertreten haben. Jedoch sind von den radikalen Veränderungen der vergangenen paar Jahre die Kirchen der Schwarzen im Süden nicht unberührt geblieben.
Die Kirchen der Schwarzen sind vielmehr Sammelplätze zur Organisierung von Protesten und Demonstrationen geworden. Farbige Prediger, die sich im Kampf um soziale Gerechtigkeit hervortun, suchen sogar politische Ämter auf allen Ebenen, vom Stadtrat bis zum Senat, zu erlangen.
Außerdem ist der Durchschnittsneger zufolge der Forderungen nach Gleichheit materialistischer geworden. In der Zeitschrift U.S. News & World Report heißt es dazu: „Schwarze Geistliche spüren einen Anstieg der religiösen Gleichgültigkeit unter Leuten, für die die Kirche der Schwarzen einmal die Hauptstütze im Leben war“ (25. September 1972). Es ist wahr, viele Schwarze im Süden sind immer noch tief religiös und achten die Bibel. Aber die plötzlichen Veränderungen auf gesellschaftlichem und religiösem Gebiet bewirken, daß eine neue Geisteshaltung aufkommt. Wie ein Weißer bemerkte, hat der Neger im Süden jetzt „kein besonderes Schuldgefühl, wenn er sich entschließt, die Kirche zu verlassen und Agnostiker oder Atheist zu werden“.
Dadurch, daß die Rassenschranken allmählich aufgehoben werden und die Schwarzen mehr Macht bekommen, ist bewirkt worden, daß die fundamentalistische Religion, die der Weißen und auch die der Schwarzen, im „Bibelgürtel“ an Boden verliert. Doch welche anderen Faktoren haben ebenfalls dazu beigetragen, daß in die früher so feste religiöse Front der Südstaaten ein Keil getrieben wurde?
[Karte auf Seite 5]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
DER BIBELGÜRTEL
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Unkenntnis der Bibel führt zu weiteren VerlustenErwachet! 1973 | 8. Juni
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Unkenntnis der Bibel führt zu weiteren Verlusten
WÄHREND der 1950er Jahre erfuhren die amerikanischen Kirchen ein schnelles Wachstum. Die Gemeinden wurden immer größer. Neue Sekten trennten sich von den großen Konfessionen. Nirgendwo war der rosige Traum, „die Welt zum Königreich Christi zu bekehren“, rosiger als im Gebiet des „Bibelgürtels“. Aber beginnend mit den 1960er Jahren verlor die Religion an Zugkraft. Wie wir schon gesehen haben, sind im Süden viele Kirchenmitglieder und Geistliche durch ihr Interesse an gesellschaftlichen und politischen Fragen auf ein Nebengleis geraten.
Doch was geschah mit denen, die in den Kirchen aufrichtig nach geistiger Nahrung suchten? Hat man sie deutlich gelehrt, daß die Bibel das Wort Gottes ist, und hat man ihnen gezeigt, wie es als Wegleitung im Leben benutzt werden kann? Kirchenführer geben darauf eine deutliche Antwort. Zum Beispiel gibt Carl Bates, ehemaliger Präsident der Southern Baptist Convention, zu: „Wir haben eine Generation von Baptisten großgezogen, die über unsere Lehren fast völlig unwissend sind.“ Und der Baptist Dr. K. L. Chafin sagt: „Sie wissen nicht, wie sie ihren Glauben erklären sollen.“
Warum die Unkenntnis der Bibel unter Kirchenmitgliedern?
Aber warum sind die Kirchenmitglieder „fast völlig unwissend“ und können nicht „ihren Glauben erklären“, der sich auf die Bibel stützen sollte? Könnte es sein, daß die Geistlichen ihrer Herde nichts Wesentliches aus der Bibel zu bieten haben? Glauben die Geistlichen in den Südstaaten wirklich, daß die Bibel „von Gott inspiriert“ ist, wie es der Apostel Paulus glaubte? — 2. Tim. 3:16.
Um die Antwort einer Kirche zu erhalten, könntest du einmal das zwölfbändige Werk Broadman Bible Commentary betrachten, einen Bibelkommentar, der von Baptistengelehrten zusammengestellt wurde. Dieses Werk zieht die Glaubwürdigkeit der Bibel so sehr in Frage, daß seine Veröffentlichung in Kreisen der Baptisten der Südstaaten mehrere Jahre lang einen Aufruhr verursacht hat. Aber jetzt greifen immer weniger Geistliche diesen Kommentar an. So kann man in der Zeitschrift Christian Century über die Geschäftsversammlung der Southern Baptist Convention im Jahre 1972 folgendes lesen:
„Die Streitfrage, die den Beratungen der SBC den ohrenbetäubendsten Schlag zu versetzen drohte — die jahrelangen Untersuchungen in Verbindung mit dem 12bändigen Werk ,Broadman Bible Commentary‘ und seinen Herausgebern —, nahm ein jämmerliches Ende ... [Konservative] brachten eine Resolution ein, in der sie forderten, daß das Werk widerrufen und neu geschrieben werden solle, weil es nicht mit dem Glauben der Baptisten an die absolute Unfehlbarkeit der Bibel übereinstimme.“
Waren die meisten Delegierten dafür, einen Kommentar abzulehnen, der die „absolute Unfehlbarkeit“ der Bibel in Zweifel zieht? Wollten sie, daß er neu geschrieben würde, damit die Bibel darin als glaubwürdig dargestellt würde? In dem Bericht heißt es weiter:
„Bei der Abstimmung stimmte die überwiegende Mehrheit der [Delegierten] durch Aufstehen dagegen, das Zurückziehen des Kommentars gutzuheißen ... Die Stimmen wurden nicht gezählt, aber die Resolution scheint im Verhältnis 4 zu 1 abgelehnt worden zu sein.“
Wie sollen gewöhnliche Kirchenmitglieder wissen, „wie sie ihren Glauben erklären sollen“, wenn sogar die führenden Männer der Kirche hinsichtlich so grundlegender Dinge wie der „absoluten Unfehlbarkeit der Bibel“ geteilter Meinung sind? Wegen der Ungewißheit über die Rolle der Heiligen Schrift kommt es unweigerlich zu völlig unterschiedlichen Glaubensauffassungen. Aber die Unsicherheit bleibt nicht auf den Glauben beschränkt.
Ein Christ sollte sich, was seinen Wandel betrifft, von der Bibel leiten lassen. Wird es daher nicht auch Zweifel darüber geben, wie man sich als Christ richtig verhalten sollte?
Doch. Und die Verwirrung, die entstanden ist, kann an folgendem Beispiel veranschaulicht werden. Zwei Geistliche der Southern Baptists (Baptisten in den Südstaaten) wurden von einem Institut für Public Relations in Georgia gefragt, ob jemand, der an politischen Wahlen teilnehme, Militärdienst leiste, die nationalen Symbole grüße, sich an interkonfessionellen Bestrebungen und patriotischen Zeremonien beteilige und die UN unterstütze, dadurch zu einem „Teil der Welt“ werde. Ein Prediger antwortete auf jeden der fraglichen Punkte mit „Ja“. Der andere sagte zu jedem Punkt „Nein“. Doch einer der beiden Pastoren schrieb auch auf den Fragebogen, der ihm zugeschickt worden war: „Gott ist nicht ein Gott der Verwirrung.“
Es ist wahr, Gott ist nicht verwirrt, noch ist es sein Wort, die Bibel. Aber herrscht unter den Geistlichen der gleichen Baptistenkirche nicht offensichtlich Verwirrung? Der gewöhnliche Gläubige wird nicht weniger verwirrt sein. Es überrascht einen nicht, daß viele der Laien, die „fast völlig unwissend“ sind, ihre Kirche einfach verlassen.
Das Versäumnis, dem biblischen Maßstab des christlichen Benehmens zu entsprechen, ruft auch unter den Methodisten des „Bibelgürtels“ eine trennende Streitfrage hervor. Um welche Streitfrage handelt es sich hierbei?
Die Methodisten und die Homosexualität
Bei dieser Streitfrage geht es um die Homosexualität. In der Bibel heißt es deutlich: „Betrügt euch nicht selbst. ... Ehebrecher, Homosexuelle ... — ihnen gibt Gott sein Reich nicht.“ (1. Kor. 6:9, Gute Nachricht für Sie, NT 68) Doch als vier Methodistengeistliche in der Gegend von Atlanta gefragt wurden, ob durch Homosexualität biblische Grundsätze verletzt würden, sagte nur einer ja!
Im Jahre 1971 veranstaltete die Zeitschrift The Texas Methodist unter Mitgliedern dieser Kirche eine Umfrage über die Homosexualität. Als Antwort auf die Frage: „Glauben Sie, daß jemand ein Christ und gleichzeitig homosexuell sein kann?“ sagten 41 Prozent der insgesamt 533 Antwortenden „Ja“. Und 60 Prozent der Geistlichen sagten „Ja“! Einige bezeichneten die Homosexualität sogar als etwas „Natürliches“.
Die Spaltung, die die Streitfrage über die Homosexualität unter den Methodistenkirchen in dieser Gegend hervorgerufen hat, ist deutlich in folgendem Brief eines älteren Kirchenmitgliedes an den Texas Methodist zu erkennen: „Ich bin seit über siebzig Jahren Methodist und habe noch nie so schmutzige Dinge gesehen, wie sie gegenwärtig in der Methodistenkirche vor sich gehen, Dinge, die die Führer unserer Kirche zu billigen scheinen. Kein Wunder, daß so viele Mitglieder aus der Kirche austreten.“
Heuchelei stößt viele im „Bibelgürtel“ ab
Es gibt noch einen weiteren Grund, warum sich viele — und besonders junge Menschen — von den fundamentalistischen Religionsgemeinschaften des „Bibelgürtels“ abgewandt haben. Welchen? Eine Antwort darauf gibt Paul H. Johnson von der Baptistenkirche Martin Street in Raleigh (Nordkarolina): „Viele Jugendliche sehen, wie Christen das eine predigen und etwas anderes praktizieren.“
Lange Zeit waren den Mitgliedern der meisten Kirchen im „Bibelgürtel“ strenge Erfordernisse auferlegt; es war ihnen verboten, zu rauchen oder alkoholische Getränke zu genießen. Aber haben sich die Kirchenanhänger an diese Lehren gehalten? Nun, über 90 Prozent der gewaltigen Tabakernte der Vereinigten Staaten kommen immer noch aus dem Süden, und Kentucky bleibt in der Produktion von Whisky einer der führenden amerikanischen Staaten. Sollte man erwarten, daß die intelligenten Jugendlichen von heute solch ein inkonsequentes Verhalten übersehen? Wohl kaum!
Sie können auch nicht die Heuchelei innerhalb vieler Kirchen des „Bibelgürtels“ übersehen. Eine Frau in Decatur (Georgia) sagt: „Ich wurde als Tochter eines Baptistengeistlichen erzogen, und das bedeutete, daß ich kein Make-up benutzen, keinen Schmuck besitzen, keine Karten im Haus haben und überhaupt nicht tanzen durfte, daß ich als Mädchen kein kurzes Haar tragen, sonntags nicht Musik hören und überhaupt keinen Tabak oder Alkohol genießen durfte. Fast alles war verboten. Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, erkannte ich, daß alle anders lebten, als sie redeten. Vor allem mein Vater. Er predigte sonntags gegen all die Dinge, die er während der ganzen Woche tat.“ Diese Heuchelei ist ein weiterer Grund, warum sich so viele von den Kirchen im Süden der USA abwenden.
Bestimmt hat das Versäumnis, an die Bibel zu glauben und sich eng an ihre Lehren zu halten, zu Spaltungen, Unsicherheit und Heuchelei innerhalb der Religionsgemeinschaften des „Bibelgürtels“ geführt. Es hat dazu beigetragen, daß sie so viele Mitglieder verloren haben. Doch viele aufrichtige Menschen stellen die ehrliche Frage, ob es in dem ganzen religiösen Bild von Amerikas „Bibelgürtel“ überhaupt noch ein Zeichen geistiger Gesundheit gibt.
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Die Wahrheit der Bibel hat Erfolg im „Bibelgürtel“Erwachet! 1973 | 8. Juni
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Die Wahrheit der Bibel hat Erfolg im „Bibelgürtel“
AUF das einzige Zeichen geistiger Gesundheit im „Bibelgürtel“ (und auch sonst in der Welt) wies kürzlich ein Geschichtsschreiber der Baptistenkirche, Dr. H. L. McManus von der Mercer-Universität in Macon (Georgia) hin. Er stellte Jehovas Zeugen als diejenigen heraus, die eine „große Gemeinschaft“ werden würden, und lenkte die Aufmerksamkeit auf ihr „phänomenales Wachstum“.
Die hier angegebenen Zahlen, die sich auf das Werk der Zeugen Jehovas in fünfzehn Staaten des traditionellen „Bibelgürtels“ beziehen, zeigen tatsächlich, daß sie, wie Dr. McManus feststellte, ein „phänomenales Wachstum“ hatten.
Jahr: 1961 1971 1972
Zahl der Z. J.: 70 926 115 730 120 425
Warum hatten sie eine solch große Zunahme zu verzeichnen? Denke einmal über die Erklärung nach, die ein anderer Geistlicher der Baptisten, C. Earl Cooper von der Riverside Baptist Church in Jacksonville (Florida), in einer Predigt gab:
„Jehovas Zeugen glauben an die Bibel ... von der ersten bis zur letzten Seite, ,nicht nur an einen Teil davon, sondern an alles‘. Wenn ihr [Baptisten] eure Religion so ernst nehmen würdet wie sie ihre, wenn ihr eure Religion genauso realistisch betrachten würdet wie sie ihre, wenn die zehn Millionen Southern Baptists in diesem Land ihre Religion genauso ernst nehmen würden wie die Zeugen Jehovas ihre Religion, dann würden diese Southern Baptists Nordamerika vollständig umwälzen, aber wir tun es nicht.“
Viele tausend Menschen haben festgestellt, „Jehovas Zeugen glauben an die Bibel“. Sie haben sich deshalb von den fundamentalistischen Kirchen abgewandt, in denen das Bekenntnis zu Gottes Wort oft nur ein Lippenbekenntnis ist. Obwohl viele Menschen den ernsthaften Wunsch hatten, die Bibel zu verstehen und sie als Wegleitung für ihr Leben zu benutzen, blieb sie für sie wie ein verschlossenes Buch, bis sie mit Jehovas Zeugen in Berührung kamen.
Zum Beispiel vergleicht ein Mann aus Columbia (Südkarolina) das, was er in fünfzig Jahren in den Kirchen des „Bibelgürtels“ gelernt hat, mit dem, was er durch ein Studium mit den Zeugen lernte: „Als ich mit Jehovas Zeugen studierte, begann ich zu erkennen, daß wir in der Sonntagsschule [meiner früheren Kirche] nach der Liste aufgerufen wurden, daß zwei Kollektenteller herumgereicht wurden und daß niemals die Bibel aufgeschlagen oder benutzt wurde. Ich saß nur da und hörte zu und lernte nie etwas aus der Bibel. Als ich in den Königreichssaal der Zeugen Jehovas kam, hörte ich eine schöne biblische Ansprache, schlug viele Bibeltexte nach und erlangte wirklich eine genaue Erkenntnis und ein gutes Verständnis.“
Dieser Mann stellte natürlich fest, daß Jehovas Zeugen nicht nur etwas über die Bibel erfahren, sondern auch wirklich daran glauben und danach leben. Zum Beispiel reichen sie keine „Kollektenteller“ herum und auferlegen den Gliedern ihrer Gemeinschaft auch keine Steuern. Vielmehr halten sie sich an den biblischen Grundsatz über freiwilliges Geben, der in 2. Korinther 9:7 zu finden ist: „Jeder tue so, wie er es in seinem Herzen beschlossen hat, nicht widerwillig oder aus Zwang, denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.“
Die Wahrheit über die Toten ist für viele anziehend
Hunderte von Personen, die den Kirchen in den Südstaaten angehören und den Wunsch haben, an die Bibel zu glauben, sind durch die Höllenlehre verwirrt worden. Zum Beispiel erzählte eine Frau aus Houma (Louisiana), wie sehr die Höllenlehre sie einst bedrückt habe: „Man hatte mich gelehrt, Gott sei ein Gott der Liebe, wie es in Johannes 3:16 erklärt wird, doch die Kirche lehrte eine Feuerhölle. Das schien mir einfach nicht zu einem Gott der Liebe zu passen. Ich hatte kurz vorher einen lieben Angehörigen verloren und machte mir nun Sorgen über den Zustand, in dem er sich befinden mochte. Es begeisterte mich, etwas aus der Bibel über den Zustand der Toten und auch über die wunderbare Hoffnung auf eine Auferstehung zu erfahren.“ Ja, die einfache biblische Wahrheit, die in Prediger 9:5 dargelegt wird, nämlich daß ‘die Toten sich nicht des Geringsten bewußt sind’ und im Tode schlafen, bis sie auferstehen und zum Leben zurückkehren, spricht aufrichtiggesinnte Menschen an, wie sie auch diese Frau angesprochen hat. Sie weiß jetzt, daß ein liebevoller Gott niemand in einem „Höllenfeuer“ quält.
Eine andere Frau, die in Daraville (Georgia) wohnt, hatte ihre Mutter durch den Tod verloren. Sie fragte den Geistlichen ihrer Baptistenkirche, ob ihre Mutter (die nicht der Kirche des Geistlichen angehört hatte) in der „Hölle“ sei. Als diese Frau über seine Versuche zu antworten nachdachte, kam sie zu folgendem Schluß: „Nun, als ich sein wiederholtes ,Vielleicht‘ und ,Ich weiß nicht‘ hörte, hatte ich genug. Ich erkannte schließlich, daß der Mann überhaupt nichts über Gottes Wort, die Bibel, wußte. So beschloß ich, die ganze Angelegenheit zu vergessen, den Prediger, die Kirche, alles.“
Etwas später sprachen Jehovas Zeugen bei ihr vor. Jetzt wurde nicht nur ihre Frage über den Zustand der Toten beantwortet, sondern sie erfuhr auch, inwiefern die Bibel eine Hilfe für das Leben ist. Sie sagte: „Jetzt lerne ich die christliche Lebensweise kennen. Jehovas Zeugen betrachten wirklich in allen Angelegenheiten Gott als die höchste Autorität, ganz gleich, wie groß oder wie klein das Problem sein mag. Alle Antworten stehen in der Bibel, und jetzt finde ich sie, und ich hoffe, auch anderen helfen zu können, die wie ich auf ihre Fragen keine Antwort aus Gottes Wort erhalten haben.“
Die biblische Moral spricht an
Der unverfälschte und ungeheuchelte Sittenmaßstab der Bibel, den die Organisation der Zeugen Jehovas hochhält, hat Hunderte von Menschen angesprochen.
So erinnerte sich ein Mann, der ein Mitglied des Kuratoriums einer Baptistenkirche in Louisiana gewesen war: „Bei einer Zusammenkunft des Kuratoriums wies uns der Hilfspastor an, den männlichen Jugendlichen beizubringen, wie sie mit den Mädchen Hurerei begehen könnten, ohne daß diese schwanger würden.“ Darauf trat er aus der Kirche aus.
Was geschah dann? Er erzählte: „Meine Frau fing an, mit den Zeugen zu studieren. Sie war von ihrer sittlichen Reinheit beeindruckt. Ich wurde zu den Zusammenkünften eingeladen. Mir fiel gleich die Freundlichkeit auf, die in der Versammlung herrschte. Ich erfuhr dann auch, daß die Versammlung Übeltätern die Gemeinschaft entzieht. Ich wußte, daß es sich hier um eine Organisation mit sehr hohen Sittenmaßstäben handelte.“ Dieser Mann hat die Sittenmaßstäbe der Bibel angenommen und ist nun ein Zeuge Jehovas.
Die biblischen Prophezeiungen interessieren viele
Andere Personen waren begeistert, als sie die Prophezeiungen der Bibel kennenlernten. Der christliche Apostel Petrus zeigt, daß Christen gut daran tun, ‘dem prophetischen Wort Aufmerksamkeit zu schenken’. — 2. Petr. 1:19.
Aber in den meisten Kirchen des „Bibelgürtels“ wird den biblischen Prophezeiungen keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Geistlicher der „Kirche Christi“ in Georgia sagt von den Prophezeiungen sogar, sie ließen „allerlei subjektive Spekulationen“ zu.
Jedoch kann man die gegenwärtigen beispiellosen Weltverhältnisse nur im Lichte der biblischen Prophetie richtig verstehen. (Siehe Matthäus, 24. Kapitel, Markus, 13. Kapitel und Lukas, 21. Kapitel.) Außerdem erfährt der Christ durch die Prophezeiungen, daß es eine wunderbare neue Ordnung der Gerechtigkeit geben wird, in der Gottes Wille auf der Erde ebenso geschehen wird wie im Himmel. (Matth. 6:9; Offb. 21:1-4) Viele Menschen haben gesehen, daß die christlichen Zeugen Jehovas an dieser Hoffnung festhalten, weil sie an das gesamte Wort Gottes glauben. Als sie die gleiche Hoffnung kennenlernten, sind auch sie Zeugen Jehovas geworden.
Wie diese wenigen Beispiele zeigen, breitet sich die Wahrheit des Wortes Gottes, die von Jehovas Zeugen gelehrt wird, schnell im „Bibelgürtel“ aus, wie dies auch sonst auf der ganzen Erde geschieht. Während andere Kirchen beobachten, daß ihre Mitgliederzahlen sinken, wachsen Jehovas Zeugen zahlenmäßig, und, was am wichtigsten ist, sie wachsen auch geistig, im Verständnis des heiligen Wortes Gottes. Stelle doch selbst die Gründe für dieses Wachstum fest. Wo du auch leben magst, nimm mit Jehovas Zeugen Verbindung auf, und lerne die Wahrheit von den Menschen kennen, die ihren Glauben und ihr Leben wirklich nach der Bibel ausrichten.
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Er gab die Bilderverehrung aufErwachet! 1973 | 8. Juni
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Er gab die Bilderverehrung auf
◆ Ein Student in Japan war in einer Familie aufgewachsen, die den buddhistischen Gott Jizo, den Schutzgott der Kinder, anbetete. Dieser Student war von vielen Bildern umgeben, denn sein Vater ist ein Steinmetz, der hauptsächlich damit beschäftigt ist, Jizo-„Götter“ zu meißeln. Sein älterer Bruder erhielt von einem früheren Freund, der ein Zeuge Jehovas ist, ein Geschenkabonnement der Zeitschrift Erwachet! Aber er, der jüngere Bruder, war es, der die Zeitschriften immer wieder begierig las.
Als der Zeuge später dort vorsprach, willigte dieser junge Mann begeistert in den kostenlosen sechsmonatigen Bibelstudienkurs ein, den er ihm anbot. Nach vier Monaten hatte der junge Mann völlig mit dem leblosen Jizo und dessen steinernen Mitgöttern gebrochen und erzählte anderen im christlichen Predigtdienst von Haus zu Haus von Jehova, dem lebendigen Gott.
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