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Millionen fragen: „Was sollen wir essen?“Erwachet! 1973 | 22. September
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in Rhodesien bezeichnete den 50prozentigen Rückgang der Getreideerzeugung als ein „Landesunglück“. Die Lage in Mauretanien wird als „sehr ernst“ bezeichnet. Nach Schätzungen sollen dort 80 Prozent des Viehbestandes umgekommen sein; die Getreideernte erreichte nur ein Fünftel der Erträge eines normalen Jahres.
Zu Beginn des Jahres 1973 wurde berichtet, daß die Landwirte in Südafrika Ernteschäden im Wert von über 320 Millionen Dollar erlitten hätten. Am härtesten sind indessen die Länder südlich der Sahara wie Mali, Tschad und Obervolta betroffen worden. Aber auch in Sambia, Botswana, Swasiland, in der Zentralafrikanischen Republik, in Senegal, Dahomey, Kamerun und Nigeria spürt man die Auswirkung der Nahrungsmittelknappheit. Nach Meldungen herrscht auch auf gewissen Inseln sowie in Süd- und Mittelamerika Nahrungsmangel.
Es ist so, wie Dr. Boerma, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, warnend sagte: „Der Welt steht eine Hungersnot bevor.“ Im Februar 1973 empfahl er Ländern, die Getreide benötigten, mit anderen Ländern „jetzt Verträge abzuschließen“.
Werden aber andere Länder immer aushelfen können? Wie sieht es in den Ländern aus, die für eine hohe landwirtschaftliche Produktivität bekannt sind?
Wie groß sind die Nahrungsreserven in anderen Ländern?
Wie steht es mit den Vereinigten Staaten? Dieses Land hat keine Mißernten großen Stils gehabt, dennoch gibt es 25 Millionen Amerikaner, die, wie offiziell erklärt wurde, in „menschenunwürdigen Verhältnissen leben“ — mit anderen Worten, die arm sind und von denen viele hungern müssen.
Gleichzeitig steigen in den Vereinigten Staaten die Lebensmittelpreise. Im Jahre 1972 stiegen die Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent; im Jahre 1973 sollen sie um 6 Prozent steigen. In Kanada sind die Lebensmittelpreise im Jahre 1972 um 8,6 Prozent gestiegen.
Die Preisbewegungen hängen mit Angebot und Nachfrage zusammen. Je größer die Nachfrage für vorhandene Waren, desto höher die Preise! So stieg, hauptsächlich wegen der umfangreichen Weizenkäufe der Sowjetunion, im vergangenen Jahr in den USA der Preis für „Hartweizen Nr. 2“ um über 61 Prozent. Wie die untenstehende Zeichnung zeigt, verfügen die Vereinigten Staaten jetzt über keine Reserven mehr.
Im vergangenen Jahr blieb die Weizenernte in Australien um mehr als die Hälfte hinter den Erwartungen zurück, weil der Kontinent von einer schweren Dürre heimgesucht worden war.
Von der Weizenernte, die 1971 in Argentinien eingebracht wurde, hieß es, sie sei „enttäuschend“ gewesen. Birma (manchmal als „Reisschüssel Südostasiens“ bezeichnet) verfügt nur noch über ganz geringe Überschüsse.
Es ist verständlich, daß immer mehr Experten zu dem Schluß kommen, daß die wenigen Länder mit hoher landwirtschaftlicher Produktivität den übrigen Ländern der Welt nicht für immer mit Nahrungsmittellieferungen aushelfen können. Im Jahre 1969 sagte R. O. Greep von der Harvarduniversität:
„Für die Weltlage ist von entscheidender Bedeutung, daß die Lebensmittelreserven in den Ländern mit hoher landwirtschaftlicher Produktivität wie in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Australien und Argentinien rapide zusammenschmelzen ... Alle, die sich ein Bild davon machen können, wie sich die Lage künftig entwickeln wird, hegen große Befürchtungen. ... Insbesondere für die Vereinigten Staaten wird das Problem akut sein, da wir als Hauptgetreidelieferant gelten. ... Wenn es eine Hungersnot gibt und die Nahrungsvorräte nicht ausreichen, werden wir vor der gräßlichen Frage stehen: Wer soll am Leben bleiben?“
Als im Jahre 1973 ein Vertreter des kanadischen Weizenamtes gefragt wurde, ob Kanada die Welt weiterhin beliefern könne, entgegnete er: „Wenn man selbst nichts hat, kann man nichts verkaufen und nichts abgeben.“
Es ist eine Realität, daß sich die ganze Menschheit einer Ernährungskrise gegenübersieht. Wird sie überwunden werden können? Diese Frage kann erst beantwortet werden, wenn wir wissen, warum der Menschheit jetzt eine Hungersnot droht.
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Warum so viele hungernErwachet! 1973 | 22. September
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Warum so viele hungern
„TAGTÄGLICH wachen fast zwei Milliarden Menschen in einer Umgebung auf, in der ihr Leben nur von einem einzigen Verlangen beherrscht wird, ... dem Verlangen nach Nahrung“, erklärte L. R. Brown vom „Overseas Development Council“. Millionen Menschen benötigen mehr oder qualitativ bessere Nahrung. Ist die Erde schuld daran, daß viele Menschen hungern müssen?
Nein, die Erde kann außer ihren jetzigen 3,7 Milliarden Bewohnern noch viele weitere Milliarden Menschen ernähren. Fachleute sagen, dem Menschen stünde doppelt soviel kulturfähiges Land zur Verfügung, wie er in den vergangenen Jahrzehnten bebaut habe.
Launenhaftes Wetter verschlimmert die Nahrungsmittelknappheit
Ein wichtiger Faktor, der in Gebieten, in denen fruchtbarer Boden zur Verfügung steht, die Ernteerträge zu beeinträchtigen vermag, ist das Wetter. Die Zeitschrift Newsweek schrieb in einem Artikel: „Bisher kennt man noch kein Mittel gegen die Launen des Wetters.“
Für die Hungersnot in Asien und Afrika sind zu einem großen Teil Dürren verantwortlich. In Indien waren im Jahre 1972 die Niederschläge des Sommermonsuns zu gering oder kamen zu spät, um für das Sommergetreide von Nutzen zu sein. In Bangladesh betrug die Menge der Niederschläge während der Vegetationszeit nur 60 Prozent der normalen Menge. Die Launenhaftigkeit des Wetters beeinträchtigte auch die Getreideerzeugung auf den Philippinen in gefährlichem Maße. Im Norden wurde die Reisernte durch die schlimmste Hochwasserkatastrophe der vergangenen hundert Jahre zerstört, während im Süden zufolge der Dürre nur geringe Ernteerträge erzielt wurden.
In Rußland gab es in den vergangenen beiden Jahren Mißernten wegen des harten, fast schneelosen Winters; das Getreide wurde zum Teil durch Frost zerstört. Hsin Hua, die offizielle Agentur der chinesischen Volksrepublik,
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