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Die Überschwemmung des Mississippi — verheerende Auswirkungen auf den „Brotkorb“ AmerikasErwachet! 1973 | 22. September
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Dollar. Wenn der Mississippi über seine natürlichen Ufer tritt, sorgt dieses System von Schutzdämmen dafür, daß das Wasser innerhalb dieses von Menschenhand gebauten Kanals bleibt.
Doch dieses im Jahre 1973 so erfolgreiche Hochwasserkontrollsystem ist vermutlich wenigstens teilweise dafür verantwortlich, daß es in anderen Gebieten Überschwemmungen gab. Der Mississippi war so angeschwollen, daß er kein Wasser mehr aufnehmen konnte. Daher staute sich das Wasser in den Nebenflüssen. Die von staatlicher und privater Seite sowie von den Countys errichteten Dämme hielten dem Wasserdruck nicht mehr stand; das Wasser durchbrach sie und überschwemmte das umliegende Land.
Das vom Bund errichtete Dammsystem hätte natürlich nicht funktioniert, hätten die Menschen nicht hart gearbeitet, um es instand zu halten. Sie trugen ihr Teil dazu bei, daß keine großen Schäden entstanden. Sobald es irgendwo ein Loch gab, wurde unermüdlich gearbeitet, bis der Schaden behoben war. Bei der kleinen Stadt Nairn im Staate Louisiana wurde ein Damm mit über 300 Schrottautos und Tausenden von Tonnen Steinen verstärkt.
Entlang dem Mississippi und seinen Nebenflüssen wurde die Bevölkerung auch immer wieder aufgefordert, Säcke mit Sand zu füllen, um Notdämme zu errichten und das Wasser in Schach zu halten. Die Freiwilligen, die diesen Aufrufen Folge leisteten, füllten Millionen Sandsäcke. Andere, jung und alt, arbeiteten viele Stunden, manchmal ohne zu essen oder zu schlafen, im Verein mit Angehörigen der Nationalgarde und der Marine, um Menschen zu retten oder Wohnhäuser und andere wichtige Gebäude davor zu bewahren, überschwemmt zu werden.
Da die Evakuierung gefährdeter Gebiete so reibungslos vor sich ging, waren auch kaum Verluste zu beklagen. Die Ältesten der Versammlungen der Zeugen Jehovas brachten nicht nur ihre eigene Familie in Sicherheit, sondern sorgten auch dafür, daß ihre Glaubensbrüder in Sicherheit gebracht wurden.
In Morgan City im Staate Louisiana erfuhr man, daß beabsichtigt wurde, die Schleusentore zu öffnen, um einen Damm, der zu brechen drohte, zu entlasten; das würde zur Folge haben, daß das Gebiet, in dem sie wohnten, überflutet würde. Der vorsitzführende Aufseher berichtet, was die Ältesten unternahmen:
„Etwa zwei Wochen bevor die Schleusentore geöffnet wurden, besprachen die Ältesten, die mit dieser Möglichkeit rechneten, mit ihren Gehilfen und anderen Brüdern, die es betraf, die Evakuierung der Versammlungsglieder und sorgten dafür, daß das Drittel der Versammlungsglieder, das kein eigenes Fahrzeug besaß, von anderen mitgenommen wurde. Die Studienleiter und ihre Gehilfen sollten den Gliedern ihrer Gruppe bei der Evakuierung behilflich sein.“
Am Dienstag morgen, den 17. April wurden die Schleusentore geöffnet. Am Tag davor hatte es auch wieder angefangen zu regnen. Der aus der Schleuse freigelassene Wasserstrom wälzte sich überall durch Morgan City. Nach 18 Uhr feierte die Versammlung jedoch noch das Abendmahl. Danach aber begann die Evakuierung.
Die meisten Zeugen Jehovas von Morgan City wurden von Gliedern der benachbarten Versammlung Lafayette aufgenommen. Die Versammlungen von Baton Rouge sandten zur Deckung der Auslagen Geld nach Lafayette.
Der schlimmste Schaden wurde der Landwirtschaft zugefügt. Dieser Schaden wird von großer Tragweite sein.
Folgen für den amerikanischen „Brotkorb“, die von großer Tragweite sind
Die Situation ist so ernst, daß die in Memphis (Tennessee) erscheinende Zeitung Press-Scimitar schreibt: „Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums ... erklärte, daß es zu einer Getreidenot kommen könnte.“
Die starken Niederschläge und die Überschwemmung waren für die Landwirtschaft in doppelter Hinsicht ein Schlag. Wegen des Regens im vergangenen Herbst konnte nicht die gesamte Ernte eingebracht werden. Jetzt, in diesem Jahr, haben die Farmer alle Hände voll zu tun gehabt, das Hochwasser zu bekämpfen, so daß keine Zeit blieb, die Felder zu bestellen.
Wieviel werden die Farmer in diesem Jahr ernten? Das weiß man noch nicht genau. Doch ist folgendes zu bedenken:
Der Mais sollte im Monat Mai ausgesät werden. Mitte Mai aber standen die Felder immer noch unter Wasser. Anfang Mai war nur etwa ein Prozent der Felder Missouris, die mit Mais bebaut werden, bestellt. Ein Journalist schrieb: „Es ist beängstigend, wenn man in diesem Gebiet, der reichsten Schwemmlandebene der Vereinigten Staaten, an einem Feld nach dem anderen vorbeifährt und nichts anderes als die Maisstengel vom vergangenen Jahr entweder aus dem Wasser oder aus sumpfigen Feldern ragen sieht.“
Je später die Felder bestellt werden können, desto geringer wird die Ernte sein. Wegen der Verzögerung haben viele Farmer schnellwachsende Maissorten angebaut; der Hektarertrag dieser Sorten ist aber gewöhnlich geringer als der des Maises, der sonst angebaut wird.
Die Produktion anderer Feldfrüchte wird ebenfalls geringer sein. Die Reiserzeugung in Arkansas, dem Staat, der im Reisbau führend ist, wird zweifellos nur einen Bruchteil der normalen Ernte erreichen. Man rechnet auch mit einer mageren Zuckerrohrernte.
Ferner sind unzählige Baumwollfelder von dieser Katastrophe betroffen worden. Die meisten Menschen meinen, Baumwolle werde nur angebaut, weil sie Faserstoffe liefere, doch ungefähr zwei Drittel der gepflückten Baumwolle werden zu Nahrungs- oder Futterzwecken verwendet. Diese zwei Drittel liefern Baumwollsamenöl, Baumwollsamenmehl oder Ölkuchen und Baumwollsamenschalen. In der Zeitung Arkansas Democrat konnte man lesen: „Regen mag König Baumwolle zu Fall bringen. Bundesbeamte sagen voraus, daß die erneuten Niederschläge im bereits überschwemmten Mississippital die Baumwollernte auf den unter Wasser stehenden Farmen von Mississippi und Louisiana vollständig vernichten könnten.“
Viele Farmer beabsichtigen, anstelle der Feldfrüchte, die sie sonst angebaut haben, Sojabohnen anzupflanzen. Sojabohnen kann man später anbauen, und sie werden gut bezahlt. Doch der Präsident der amerikanischen Sojabohnengesellschaft warnte die Farmer davor, zuviel von diesen Bohnen anzupflanzen, weil der Handelspreis für die Sojabohnen dadurch plötzlich rapide sinken könnte, was für die Farmer geringere Einnahmen bedeuten würde.
Die amerikanische Viehzüchtergesellschaft schätzt, daß durch die Überschwemmung des Mississippi und unzeitige Schneestürme in anderen Gebieten der Vereinigten Staaten 250 000 ausgewachsene Rinder umgekommen seien. Auch um die Schweinezucht ist es schlecht bestellt, weil die Felder unter Wasser stehen.
Noch komplizierter wurde das Problem dadurch, daß der Verkehr auf dem Mississippi zufolge des Hochwassers daniederlag und die Farmer deshalb ihre Düngerlieferungen nicht erhielten. Durch die Düngerknappheit werden die „bereits verzweifelten Farmer noch verzweifelter“, schrieb P. G. Stryker, ein Agronom von Missouri.
Ein weiteres Problem ist die Kraftstoffknappheit. Die Lieferanten sagen, sobald die Felder trocken würden, bestehe wahrscheinlich plötzlich ein riesiger Bedarf der Farmer an Diesel; wie sich ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums ausdrückte, werde dann ein „Engpaß“ entstehen.
Diese Schwierigkeiten, die durch die Überschwemmung des Mississippi verursacht oder verschlimmert worden sind, haben für die Farmer ein geringeres Einkommen zur Folge. Viele Kleinbetriebe, die sich bisher stets gerade über Wasser halten konnten, werden diesen Schwierigkeiten zum Opfer fallen.
Keith L. Wilkey, Fachmann auf dem Gebiet der Landwirtschaft, schrieb in der in Quincy (Illinois) erscheinenden Zeitung Herald-Whig:
„In der Geschichte der amerikanischen Landwirtschaft ist es nur selten, wenn überhaupt je, vorgekommen, daß die Farmer im Frühjahr aufs Feld gingen und sich so vielen unbekannten Faktoren gegenübersahen wie jetzt ... In einem Frühling, der zu den nässesten Frühlingen der Geschichte gehört, wird der Farmer gleichzeitig von allen Seiten durch Naturkräfte bedrängt ... In der Landwirtschaft gibt es immer viele Unbekannte. Aber kaum ein Farmer kann sich erinnern, daß es je so viele gegeben hat wie in diesem Jahr, und gewiß kann keiner sagen, er erinnere sich daran, daß die Schwierigkeiten schon einmal so groß gewesen seien wie jetzt“ (1. Mai 1973).
Wenn die Landwirtschaft so schwer in Mitleidenschaft gezogen wird, dann bekommt auch der Verbraucher etwas davon zu spüren. Ein geringeres Angebot bedeutet, daß später im Jahr die Preise steigen. Eine schlechte Getreideernte bedeutet, daß das Brot teurer wird. Aber auch die Preise für Rindfleisch und anderes Fleisch von Tieren, die mit Getreide gefüttert werden, werden steigen. Die Verluste, die der Farmer sonst noch erleidet, werden sich ebenfalls in den Nahrungsmittelpreisen widerspiegeln.
Die Überschwemmung des Mississippi hat somit nicht nur das Leben der Bevölkerung in einem Gebiet Amerikas, das die höchste landwirtschaftliche Produktivität aufweist, vorübergehend aus dem Gleichgewicht gebracht, sondern sie hat auch die Furcht vor Nahrungsmangel und Teuerung gesteigert — ein Problem, dem sich die Menschen weltweit gegenübersehen.
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Selbstbeherrschung bringt SegenErwachet! 1973 | 22. September
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Selbstbeherrschung bringt Segen
DIE Selbstbeherrschung ist eine Frucht des Geistes Gottes. (Gal. 5:22, 23) Wenn man sich in einer schwierigen Situation zu beherrschen vermag, kann das auf Personen, die einen beobachten, einen guten Eindruck machen und in ihnen sogar den Wunsch wecken, den Urheber dieser lobenswerten Eigenschaft kennenzulernen. Diese Erfahrung machte einer der christlichen Zeugen Jehovas in Kalifornien. Er berichtet:
„An jenem Morgen wachte ich früh auf. Da es ein Feiertag war und ich nicht zur Arbeit zu gehen brauchte, beschloß ich, einen kleinen Morgenspaziergang zu unternehmen. Als ich bei dem Haus meines neuen Nachbarn um die Ecke bog, sah ich ihn im Hof stehen. Da ich bereits seine Bekanntschaft gemacht hatte, hob ich den Arm und sagte: ,Guten Morgen, Don, wie geht’s?‘
Bevor er antworten konnte, raste ein langer dunkler Strich durch den Hof und über den Zaun und begann mich wütend in die Beine zu beißen. Instinktiv legte ich schützend die Arme über mein Gesicht. In der nächsten Sekunde stand Don neben mir. Der lange dunkle Strich erwies sich als ein Dobermannpinscher. Die Hündin hatte meine Grußbewegung als Angriff auf Don aufgefaßt. Bevor er sie zu beruhigen und von mir wegzuziehen vermochte, hatte sie mir mehrere Bißwunden beigebracht und die Hose zerrissen.
Ich war natürlich furchtbar erschrocken, und auch Don hatte einen Schreck bekommen. Dennoch verlor ich meine Fassung nicht. Anstatt mich über den Zwischenfall aufzuregen, tröstete ich Don und erklärte ihm, daß die Hündin das nur getan habe, um ihren Herrn, den sie in Gefahr glaubte, zu schützen. Nachdem ich mich vergewissert hatte, daß die Hündin gegen Tollwut geimpft war, humpelte ich nach Hause, wo ich sofort einen Arzt anrief, der mir dann auch die Wunden verband und mir eine Tetanusspritze gab.
Kurz darauf klopfte jemand an die Tür. Als ich öffnete, stand Don draußen. Ich bat ihn einzutreten; er erkundigte sich, wie ich mich nach dem Besuch des Arztes fühlte usw. Wir unterhielten uns eine Weile, worauf er dann sagte: ,Wahrscheinlich wirst du darauf bestehen, daß die Hündin getötet wird, oder vielleicht wirst du sie selbst erschießen.‘ Ich versicherte ihm erneut, daß ich weder gegen ihn noch gegen seine Hündin einen Groll hege. Er war fassungslos. Er konnte einfach nicht glauben, daß ich mich so beherrschen konnte und nicht den Wunsch hatte, Böses mit Bösem zu vergelten. Ruhig erklärte ich ihm, daß ich als Zeuge Jehovas bemüht sei, die Frucht des Geistes Gottes zu entwickeln, und daß es mir nur möglich gewesen sei, in diesem Fall Selbstbeherrschung zu üben, weil ich das, was ich durch Studium lerne, auch anwende.
Ein paar Tage später sprach meine Frau im Hause meines Nachbarn vor und ließ Mary, Dons Frau, je ein Exemplar der Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! zurück. Kurz darauf wurde mit den beiden ein Bibelstudium begonnen. Don sagte immer und immer wieder, wenn sich jemand in einer solch schwierigen Situation beherrschen könne, sei er zu bewundern.“
Wozu hat das alles geführt? Jetzt sind Don und Mary getaufte Zeugen Jehovas und wissen, daß es für einen Christen unerläßlich ist, Selbstbeherrschung zu üben.
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