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  • Als der Vulkan St. Helens explodierte
    Erwachet! 1981 | 22. Januar
    • Als der Vulkan St. Helens explodierte

      Am Sonntag, dem 18. Mai 1980, sprengte in einer gigantischen Explosion der St. Helens im äußersten Nordwesten der Vereinigten Staaten von Amerika einen Teil seines Gipfels in die Luft. Die Explosion, so gewaltig wie 2 500 Hiroschimabomben, war im ganzen Südwesten des Staates Washington und im Nordwesten des Staates Oregon zu hören und zu spüren.

      SCHON im März begann es, im Krater des St. Helens zu rumoren. Damals wurden auch an und unter dem Berg Erdbeben registriert. Diese Beben ließen deutlich erkennen, daß ein Ausbruch bevorstand. Die ersten Anzeichen vulkanischer Tätigkeit zeigten sich am 27. März. Zunächst dampfte der Berg nur, und jeden Tag gab es ein Erdbeben.

      Der Vulkan St. Helens war 2 950 Meter hoch und bot mit seinem schneebedeckten Gipfel, den bewaldeten Hängen und glitzernden Seen ein eindrucksvolles Bild. Seit dem Ausbruch vom 18. Mai ist das nicht mehr so. Um den 10. Mai herum bemerkten die Geologen, daß an der Nordflanke ein Buckel entstand, der täglich ein bis zwei Meter wuchs. Acht Tage danach kam es dann doch ziemlich unerwartet zu einem Ausbruch, von dem man noch in 300 Kilometer Entfernung etwas verspürte.

      Ungeheure Massen Rauch und Asche wurden hoch in die Luft geschleudert; nachher rieselte die Asche herab und bedeckte in einem großen Umkreis alles mit einer 10 bis 15 Zentimeter dicken Schicht. Aschenwolken zogen mit den Winden ostwärts bis nach dem rund 1 000 km entfernten Montana, ja feiner Aschenstaub trieb in 12 000 Meter Höhe über New York und hinaus aufs Meer.

      Das Atmen wurde beschwerlich, und für Personen mit kranken Atemwegen wurde es sogar gefährlich. Man sah Tiere zu Boden sinken, weil sich ihre Lunge mit Asche gefüllt hatte. Autos blieben zufolge verstopfter Luftfilter stehen. Durch die Asche entzündeten sich Augen und Nasengänge der Menschen, und noch Tage nach dem Ausbruch machte sie ihnen das Leben schwer. In den Städten im Osten des US-Staates Washington holte man die Schneepflüge heraus und versuchte damit die Straßen zu räumen. Die Hauseigentümer mußten die Bürgersteige kehren und die Hausdächer von Asche befreien, weil die Schicht sonst so schwer geworden wäre, daß die Dächer gelitten hätten. Alle Felder im östlichen Teil des Staates waren mit einer Aschenschicht bedeckt.

      Das Ausmaß der Verwüstung

      Durch den Ausbruch des St. Helens wurde ein Gebiet von rund 400 Quadratkilometern verwüstet. Besonders in der Nähe des Berges waren die Zerstörungen gewaltig. Durch den Vulkanausbruch wurden über 140 Quadratkilometer Feld und Wald zerstört. Die große Hitze versengte alles grüne Laub, und vom Flugzeug aus sah die Umgebung des St. Helens aus, als wäre sie mit Streichhölzern übersät. Der Spiritsee, einst ein glitzerndes Juwel, umgeben von majestätischen Bergen, bildete nur noch eine mit Schlamm und Baumstämmen gefüllte Vertiefung. Bergbäche, wie der Toutle und der Cowlitz, und sogar der mächtige Columbia waren mit vom Berg herabgeschwemmtem „Müll der Natur“ verstopft.

      So viel von diesem „Müll“ gelangte schließlich in den Columbia, daß dieser auf einer Länge von 15 Kilometern nicht mehr schiffbar war. Die Pioniertruppen der Armee zusammen mit Hafenpersonal von Portland und Vancouver arbeiteten Tag und Nacht, um einen Schiffahrtsweg freizuschaufeln. Mit zehn riesigen Baggern begann man, einen rund zehn Meter breiten Kanal auszuheben. Die Kosten für die Beseitigung der über 16 Millionen Kubikmeter Trümmer wurden zu Anfang auf 44 Millionen Dollar veranschlagt.

      Sachschaden

      Gleich nach dem Ausbruch war es unmöglich, den Sachschaden zu übersehen, aber die Behörden meinten, er ginge in die Milliarden. Millionenschäden wurden auch an der Ernte angerichtet. Und solange der Columbia nicht schiffbar war, gingen den Häfen von Portland und Vancouver täglich fast fünf Millionen Dollar an Einnahmen verloren. Der Verlust an Holz zufolge der zerstörten Wälder wurde auf 500 Millionen Dollar geschätzt — wie einige sagten, würde das dem Verlust von 200 000 Einfamilienhäusern entsprechen. Die Landwirtschaft im Osten des Staates Washington erlitt Verluste im Wert von etwa 313 Millionen Dollar; doch die Experten sagen, diese Zahl sei wahrscheinlich noch viel zu niedrig angesetzt. Der Schaden an den staatlichen Wäldern belief sich auf 134 Millionen Dollar. Die Liste könnte noch verlängert werden.

      Vielleicht läßt sich gar nicht richtig errechnen, wie groß die Verluste wirklich sind, doch eins ist sicher — sie sind unvorstellbar groß.

      Das menschliche Element

      Das Tragischste am Ausbruch des St. Helens sind die Todesopfer — über ein Dutzend — und die zahlreichen Vermißten. Man nimmt an, daß viele von ihnen zufolge der ungeheuren Hitze, die bei der Explosion frei wurde, einfach verdampften. Fast 25 Kilometer vom Zentrum der Explosion entfernt erlitt ein Mann noch Verbrennungen dritten Grades, und ein anderer wurde durch die Hitze getötet. Einige starben, weil sie große Mengen Asche eingeatmet hatten.

      Ein alter Mann, der am Spiritsee gewohnt hatte, glaubte, daß der Wald ihn vor irgendwelchen vulkanischen Auswurfmassen schützen werde. Wenige Minuten nach der Explosion war dort nichts und niemand mehr am Leben.

      Viele wagten sich trotz wiederholter Warnungen in die Nähe des Berges; andere riskierten ihr Leben, um aus der Verwüstung Gewinn zu schlagen. Die beiden Bäche, der Toutle und der Cowlitz, waren mit zahllosen Baumstämmen und allen möglichen Trümmern vollgestopft. Man beobachtete, wie Leute in kleinen Booten sich abmühten, die Baumstämme zu bergen, ja manche versuchten es sogar ohne Boot.

      Die Bevölkerung des Gebietes östlich des St. Helens wurde wegen des Aschenregens angewiesen, zum Schutz der Lunge eine Maske oder einen Atemfilter zu tragen. Diese Geräte wurden dann zum Teil zu stark überhöhten Preisen angeboten; auch Luftfilterpatronen für Autos wurden zu Wucherpreisen verkauft.

      Doch die Mehrheit der Bevölkerung war sehr hilfsbereit. Die Fahrgeschwindigkeit für Autos war auf 25 Kilometer in der Stunde reduziert. Die meisten Autofahrer hielten sich daran, auch waren sie in mancher Hinsicht sehr entgegenkommend.

      Was ist für die Zukunft zu erwarten?

      Wie wird sich der Vulkan weiter verhalten? In den Wochen nach dem Ausbruch stellten sich die Leute in der Umgebung diese Frage immer wieder. Ende Mai bemerkten die Geologen, daß sich im Krater des St. Helens eine Kuppe bildete. Als sie den Krater überflogen, sahen sie, daß sie aus „brodelndem, glühendflüssigem“ Gestein bestand. Doch sprengten spätere Eruptionen diese Kuppe in die Luft, und über große Gebiete ging ein Aschenregen nieder.

      Während das geschmolzene Gestein hochgepreßt wird und sich übereinanderschichtet, kühlt die oberste Schicht ab, wobei sich das Gestein nach oben und zur Seite schiebt, so daß eine Kuppe entsteht. Durch solche Lavakuppen wird ein Berg oft höher. Bei einem Vulkan in Ostsibirien, der im Jahre 1957 ausbrach, bildete sich eine Lavakuppe, durch die der Berg in einem Jahr um fast 300 Meter höher wurde.

      Wird der St. Helens je das ehrfurchteinflößende Schauspiel der Hawaiityp-Vulkane bieten, bei denen die Lava ruhig, ohne Explosionen, die Hänge hinabfließt? Die Geologen sagen, das sei unmöglich. Die Lava der Vulkane des Kaskadengebirges — wo auch der St. Helens liegt — ist zu dickflüssig dazu. So, wie ein Milchmixgetränk nicht fließt wie Wasser, so kann auch die Lava des St. Helens nicht die Hänge herabfließen wie die Lava der Hawaiityp-Vulkane.

      Es kann aber durchaus sein, daß der St. Helens auch in den kommenden 30 Jahren Steine und Asche ausspeit.

      Der majestätische Berg, der die Touristen früher so begeisterte, hat dadurch, daß er einen Teil seines Gipfels wegsprengte, viel von seiner Schönheit eingebüßt. Der früher 2 950 Meter hohe Berg ist jetzt um 400 Meter niedriger. Wird er ein Comeback haben, wenn sich wieder eine Lavakuppe bildet? Die Zukunft wird es zeigen.

  • St. Helens bluffte nicht!
    Erwachet! 1981 | 22. Januar
    • St. Helens bluffte nicht!

      Bericht einer Zeugin Jehovas, die den Ausbruch des St. Helens in Spokane erlebte

      AM Sonntag, dem 18. Mai, gingen wir morgens alle nichtsahnend in die Zusammenkunft im Königreichssaal. Am Nachmittag verdunkelte sich der Himmel. Wir dachten, es gebe ein Gewitter, weil es so schwül war und dunkle Wolken am Himmel hingen. Doch bald merkten wir, daß es kein gewöhnliches Gewitter war. Um zwei Uhr verfinsterte sich die Sonne, und man hatte das Gefühl, es sei mitten in der Nacht. Die Vögel flogen zu ihren Schlafplätzen, Hunde und Katzen wollten ins Haus gelassen werden, und eine unheimliche Stille legte sich über die ganze Stadt.

      Dann, ohne Vorwarnung, begann es, Asche zu regnen, hellgraue Vulkanasche, die dem Mondstaub, den die Astronauten zurückbrachten, ähneln soll. Bald war alles mit diesem merkwürdigen Staub bedeckt. Der Staub, der wegen der Glasteilchen darin funkelte, wurde vom Wind in jeden Winkel und jede Ritze geweht. Es war schrecklich, aber auch eigentümlich faszinierend. Der Verkehr in Spokane und den umliegenden Orten brach zusammen.

      Man konnte mit dem Auto höchstens ein paar Kilometer weit fahren, und schon war der Luftfilter verstopft und mußte gesäubert oder ersetzt werden. Schon nach wenigen hundert Kilometern mußte man regelmäßig Ölwechsel machen. Manchmal war die Sicht gleich Null, und an den Straßenrändern sah man viele Autos, die entweder eine Panne oder einen Unfall hatten. Wir alle trugen Masken; dennoch war das Atmen schwierig. Besonders Personen, die an einer Erkrankung der Atmungsorgane litten, ging es übel.

      Zwei Tage und zwei Nächte lang wagte sich außer den Bediensteten der Stadt niemand aus dem Haus, so schlimm waren die Verhältnisse. Mutter hatte Tim und Donna besucht und war bei ihnen geblieben. Glücklicherweise hatten wir, David und ich, am Vortag genügend eingekauft, so daß wir nicht in Schwierigkeiten gerieten. Andere dagegen, die das nicht getan hatten, mußten ohne Brot, Milch und andere Grundnahrungsmittel auskommen. In einigen Dörfern, deren Lebensmittelgeschäfte von Großhändlern in Spokane beliefert werden, gingen die Nahrungsmittel aus.

      Jetzt, fünf Tage nach dem Ausbruch des St. Helens, weiß noch niemand, wie sich der Vulkanausbruch auf die Viehherden und die bebauten Felder auswirkt. Soweit mir bekannt ist, ist das Vieh nicht zu Schaden gekommen. Ein großes Problem sind die entzündeten Augen sowohl des Viehes als auch der Haustiere. Das Glas in der Vulkanasche scheuert und brennt in den Augen.

      Das ist die merkwürdigste Erfahrung, die wir je gemacht haben. Als die Katastrophe hereinbrach, riefen die Zeugen Jehovas einander an, um zu erfahren, ob der eine oder andere Hilfe brauchte. Manchmal dauerte es zehn Minuten oder noch länger, bis man durchkam.

      Alle Straßen in und außerhalb der Stadt waren gesperrt. Sämtliche öffentliche Verkehrsmittel fielen aus: Es verkehrten keine Züge, keine Autobusse und keine Flugzeuge mehr.

      Die Asche zu beseitigen ist schwierig, denn sie fliegt schneller fort, als man sie wegschaufeln oder wegkehren kann. Liegt eine Schicht von nur wenigen Zentimetern auf dem Hausdach, muß man damit rechnen, daß es einstürzt. Die Asche ist unglaublich schwer. Beim kleinsten Windstoß fliegt sie einem in Augen, Nase und Hals und bedeckt Rasen und Gartenbeete.

      Wir werden noch eine Zeitlang nicht wissen, ob wir das Schlimmste hinter uns haben. Im Berg rumpelt es wieder, und es besteht die Gefahr eines weiteren Ausbruches. Wenn vorher von einem möglichen Ausbruch gesprochen wurde, dachte niemand im Traum an eine solche Katastrophe. Bis zum vergangenen Sonntag, dem 18. Mai, sagten sogar die meisten Leute, der Berg bluffe.

      Jetzt traut dem Vulkan St. Helens keiner mehr. (Eingesandt.)

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