-
Was die Weltkriege meiner Familie angetan habenErwachet! 1979 | 22. März
-
-
er zum Wehrdienst einberufen und mußte zur Grundausbildung. Würde er auch gegen Verwandte kämpfen müssen, von denen er zwar gehört, die er aber noch nie gesehen hatte?
Wie erging es in dieser Zeit den Brüdern meines Großvaters Rudi in Deutschland? Einer war in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Ein anderer befand sich in einem amerikanischen Gefangenenlager in Frankreich. In einem Lager mußten die Gefangenen so hungern, daß mein Großonkel eines Tages eine Katze, die durch den Stacheldrahtzaun gekrabbelt war, tötete, enthäutete und das Fleisch roh aß. Gegen Ende des Krieges befand sich der dritte Bruder in einem Zug, der Truppen transportierte. Es war genau der Tag, an dem der Waffenstillstand bekanntgegeben wurde. Sein Zug wurde bombardiert, und er kam dabei ums Leben.
In dem kleinen Dorf, wo die vier Brüder aufgewachsen waren, ereigneten sich in der Zeit des Zusammenbruchs ebenfalls furchtbare Dinge. Deutschland hatte den Krieg verloren, und deshalb wimmelte es überall von Besatzungstruppen. Da aber die meisten deutschen Männer noch nicht heimgekehrt waren, war nun niemand da, der Frauen und Kinder hätte beschützen können.
Es wurde eingebrochen, geplündert, und Frauen wurden vergewaltigt. Wenn die Dorfbewohner erfuhren, daß die Soldaten kamen, nahmen sie ihre Töchter und verbargen sie in Heuhaufen auf den Feldern, damit ihnen nichts passierte.
Der Krieg war vorbei, aber er hatte noch weitere Auswirkungen. Die Brüder meines Großvaters — außer dem, der in dem Zug umgekommen war — kehrten nach Hause zurück. Doch ihr Leben ist seither nie mehr so gewesen wie früher. Einer war bis zu seinem Tode — er starb ziemlich jung — laufend im Krankenhaus gewesen. Bernhard, der andere Bruder, kam vor kurzem nach Kalifornien, um uns zu besuchen. Sein Sohn hat bereits den Wehrdienst absolviert. Das gilt auch von meinen Onkeln hier in Amerika. Es ist alles so unbegreiflich. Wohin wird das noch führen?
-
-
Man sehnt sich nach Frieden — Doch wie steht es mit der Abrüstung?Erwachet! 1979 | 22. März
-
-
Man sehnt sich nach Frieden — Doch wie steht es mit der Abrüstung?
NICHTS erweckt die Sehnsucht nach Frieden so sehr wie die Erinnerung an die Schrecken des Krieges. Im Vietnamkrieg wurden Millionen Menschen getötet oder auf entsetzliche Weise verstümmelt, aber das ist nicht alles. Sechs Monate nach ihrer Rückkehr ließen sich 38 Prozent der verheirateten US-Soldaten, die in Vietnam gekämpft hatten, scheiden, oder sie trennten sich von ihrer Frau. Rund 175 000 nahmen Heroin. Auch wird berichtet, daß etwa eine halbe Million seit ihrer Entlassung aus der Armee einen Selbstmordversuch gemacht haben (New York Times, 27. Mai 1975).
Ein anschauliches Beispiel für die schrecklichen Folgen des Krieges ist der Fall Claude Eatherlys, der als Aufklärerpilot am Abwurf der Atombombe über Hiroschima beteiligt war. Claude wurde 1947 aus der Luftwaffe entlassen, nachdem psychiatrische Untersuchungen eine „schwere Neurose und große Schuldkomplexe“ ergeben hatten. Danach mußte er von Zeit zu Zeit eine psychiatrische Klinik aufsuchen. Claude starb im vergangenen Sommer. Nach der Beerdigung sagte sein Bruder, er könne sich erinnern, daß Claude Nacht für Nacht aufwachte und sagte, daß sein Gehirn brannte, daß er spüren konnte, wie diese Menschen brannten.
Um sich von den Schrecken des Krieges einen Begriff machen zu können, sollte man sich das, was sich vor knapp 34 Jahren abspielte, vergegenwärtigen.
-