Tips zum Überleben in der Wildnis
Vom „Awake!“-Korrespondenten in Rhodesien
ER BEFAND sich in einem einsamen Gebiet der Wüste von Arizona und hatte weder feste Nahrung noch Wasser. Mehrere Tagereisen trennten ihn von jeglicher Zivilisation. Hatte er Überlebenschancen? Könntest du überleben, wenn du dich dort oder in einer anderen Wildnis befändest?
Es dauerte acht Tage, bis er Hilfe fand. Er legte ungefähr 240 Kilometer zurück, und das zum großen Teil während der heißesten Tageszeit, bei Temperaturen von nahezu 50 °C. Die letzten paar Kilometer ging er auf allen vieren und in völlig nacktem Zustand. Durch die Hitze und den Wassermangel verlor er 25 Prozent seines Körpergewichts, obwohl oft ein Verlust von 10 Prozent bereits tödlich ist. Als er gerettet war, war sein Blut so dickflüssig, daß die Fleischwunden an seinen Händen und Knien nicht einmal bluteten, so lange, bis er eine Menge Wasser in sich aufnahm.
Welche Schlußfolgerung ergibt sich aus dieser Erfahrung? Beweist sie, daß man, wenn man den nötigen Lebenswillen hat, in fast jeder Situation am Leben bleiben kann? In dem Buch über Überlebensschulung, in dem dieses Erlebnis geschildert wird, wird anschließend folgende Feststellung gemacht: „Er hatte nichts Richtiges getan und hatte keine Überlebensschulung. Aber er wollte überleben, und es gelang ihm auch ... Vielleicht werden Sie noch andere Berichte über ebenso qualvolle Erlebnisse hinzufügen ... Betrachten Sie sie nicht als Empfehlung.“ Warum nicht? Weil die Beispiele derer, die durch nichts anderes als durch Willenskraft am Leben geblieben sind, im Vergleich zu der großen Zahl der Personen gesehen werden sollten, die nicht überlebt haben, aber hätten überleben können, wenn sie anders gehandelt hätten.
„Aber warum soll ich mich durch so etwas beunruhigen lassen?“ mag man denken.
Irgendeiner von uns
Die meisten Leute, die in Städten leben, sind sich nicht dessen bewußt, daß es auf der Erde großflächige Gebiete gibt, in denen eine einfache Autopanne, ein kleiner Unfall oder eine verkehrte Richtungsänderung den Tod bedeuten kann. Das könnte im Dschungel des Amazonas oder in den gefrorenen Tundren Alaskas, aber manchmal auch in Ländern passieren, die eine hohe Bevölkerungsdichte haben.
Betrachten wir zum Beispiel Rhodesien. Jemand, der noch nie dort gewesen ist, stellt sich Rhodesien vielleicht als ein spärlich besiedeltes Land mit lückenlosem Dschungel vor. Aber in Wirklichkeit wird es zu einem großen Teil von einer Hochebene durchzogen. Die Bevölkerungszahl beträgt mehr als sechs Millionen. Es ist also dichter bevölkert als Norwegen oder Chile.
Trotzdem haben hin und wieder einige Personen in der Wildnis die Orientierung verloren und sind gestorben. Sie sterben gewöhnlich deshalb, weil sie nicht wissen, wie man in der Wildnis überlebt. Hätten sie einige grundlegende Richtlinien für das Überleben befolgt, wären sie vielleicht heute noch am Leben. Es handelt sich hierbei um etwas, was auch für dich und deine Familie wichtig ist. Warum? Weil es durchaus möglich ist, daß sich solche unnötigen Todesfälle auch in deinem Land ereignen, vielleicht sogar in den Gebieten, in denen du Urlaub machst.
Bei einem Fußmarsch die Orientierung verloren
Bist du jemals über Land gegangen und hast eine Zeitlang die Orientierung verloren? Oder hat dein Auto eine Panne gehabt und dich auf einer einsamen Straße, weitab von der Zivilisation, im Stich gelassen? Falls das noch nicht passiert ist, mußt du dennoch damit rechnen, daß es einmal passieren könnte. Was solltest du dann tun? Vermeide es fürs erste, in Panik zu geraten. Das Gefühl, die Orientierung verloren zu haben, berührt einen unmittelbar, und es kann einem einen Schrecken einjagen. Halte es unter Kontrolle, setze dich hin und denke über deine mißliche Lage nach. Du darfst auf keinen Fall übereilt handeln. Du kannst nur Zeit und Energie gewinnen, und beides ist für das Überleben wichtig.
Du stehst vor der Entscheidung, ob du dort bleiben solltest, wo du bist, oder ob du aufbrechen solltest. Wenn schon normalerweise mit wichtigen Entscheidungen Schwierigkeiten verbunden sind, so trifft dies noch eher auf Entscheidungen zu, von denen dein Leben abhängt. Sollte es allerdings jemals nötig sein, eine wichtige Entscheidung zu treffen, dann bei einer solchen Gelegenheit. Wenn es darum geht, am Leben zu bleiben, dann wünschst du doch, gleich beim erstenmal das Richtige zu tun, nicht wahr?
Überlege folgendes: Befinde ich mich an einer Stelle, wo ich vernünftigerweise erwarten kann, bald gefunden zu werden, vielleicht von einem vorbeifahrenden Kraftfahrer? Ist das der Fall, so tätest du besser daran, dort zu bleiben, als quer durch die Wildnis zu gehen, wo dich nicht einmal jemand vermutet.
Vielleicht kommst du jedoch zu dem Schluß, daß du an der Stelle, an der du dich aufhältst, bestimmt nicht gefunden wirst oder am Leben bleiben kannst. Aber bevor du versuchst, von dort wegzugehen, solltest du dir folgende Fragen stellen: „Kenne ich genau meinen jetzigen Standort? Und bin ich mir dessen sicher, von woher und wie ich feste Nahrung, Wasser, Unterschlupf und Hilfe erhalten kann?“ Solche „Vorüberlegungen“ werden dir helfen, dich davor zu bewahren, einfach eine zufällig gewählte Richtung einzuschlagen.
Überdenke auch folgende Gesichtspunkte: Wie steht es mit dem Reiseproviant? Zu welcher Tageszeit werde ich gehen, und wie steht es mit Pausen? Kann ich einige Habseligkeiten mitnehmen, ohne mich damit zu belasten? Diese letzte Frage ist wesentlich, denn du hast vielleicht einige Gegenstände bei dir oder im Auto, die dir helfen können, in der Wildnis am Leben zu bleiben, wie zum Beispiel ein kleines Messer, eine Schnur und ein Tuch, um eine Überdachung herzustellen, und Streichhölzer zum Feuermachen. Wirf deine Kleidung nicht weg; wenn du sie richtig gebrauchst, kann sie dich entweder vor der Wärme oder der Kälte und auch vor Regen, Sonne und Insekten schützen. Und bevor du dich auf den Weg machst, läßt du am besten eine Notiz zurück, die Auskunft darüber gibt, wann und in welche Richtung du weggegangen bist. Sollte sie durch Zufall gefunden werden, wird es den Rettern helfen, dich ausfindig zu machen.
In welche Richtung?
Wenn du anhand von Geländepunkten oder der Landkarte in deinem fahruntauglichen Auto oder durch Erfahrung deinen Standort bestimmen kannst, dann erhebt sich die Frage, wohin du gehen möchtest. Versuche den nächstgelegenen Ort auszumachen, wo du Hilfe finden kannst. In welche Richtung mußt du ungefähr gehen? Vielleicht nach Westen oder vielleicht nach Nordwesten, also halbwegs zwischen Westen und Norden.
Versuche, dich jetzt zu orientieren. Es gibt zwar exaktere Methoden, die den Breitengrad berücksichtigen, aber die grundlegendste Methode besteht darin, daß man die Himmelsrichtungen mittels der Sonne ausfindig macht. Sie geht im Osten auf und im Westen unter. Nachts kannst du den Mond als Orientierungshilfe verwenden. Er geht im Osten auf und im Westen unter, wobei er je nach der Jahreszeit lediglich einige Grade auf dem Kompaß abweicht. Du kannst das also als pauschale Orientierungshilfe verwenden, um ungefähr die Richtung ausfindig zu machen.
Nachts können dir auch die Sterne als Wegweiser dienen. Auf der südlichen Halbkugel, zum Beispiel in Südafrika, zeigt das Kreuz des Südens den geographischen Süden an. Befindest du dich auf der nördlichen Halbkugel, dann mache den Kleinen Bären ausfindig. Betrachte die beiden Sterne am äußeren Ende. Verbinde sie durch eine gedachte Linie und verlängere diese, und du wirst den Polarstern entdecken. Du kannst ihn als den genauen Norden betrachten und dich entsprechend orientieren.
Hast du einmal die Himmelsrichtungen fest bestimmt, dann weißt du, in welche Richtung du gehen mußt, um die nächstliegende Hauptstraße, Stadt oder Eisenbahnlinie zu erreichen.
Aber behalte folgendes im Sinn: Einige Männer, die in der Nähe von Ghanzi in der Wüste Kalahari gestorben sind, wußten, daß es dort in der Nähe eine Hauptstraße gab; sie wußten auch, in welcher Richtung die Stadt Ghanzi lag, konnten aber keines von beiden finden. Warum nicht? Weil sie nicht geradlinig gehen konnten. Bist du dir dessen sicher, daß du es kannst?
Geradlinig gehen
Das ist immer schwierig, weil gewöhnlich ein Bein kürzer ist als das andere und einen dadurch vom Kurs abbringt, ohne daß man sich dessen bewußt wird. In vielen Fällen haben Anfänger auf einer Strecke von wenigen Kilometern einen vollständigen Kreis beschrieben.
Es ist daher eine Hilfe, einen auffälligen Orientierungspunkt anzupeilen, wie zum Beispiel einen großen Baum oder einen Berg. Sogar in der flachsten Ebene gibt es wahrscheinlich irgendeinen auffallenden Orientierungspunkt. Man könnte, um einen solchen Punkt herauszufinden, auf einen Baum oder (in Afrika) auf einen Ameisenhügel klettern. (Bei Nachtreisen kann ein heller Stern in der Nähe des Horizonts als Hilfe dienen.) Man hält am besten immer den Blick auf diesen Punkt gerichtet. Alle paar Kilometer überprüft man die Position, um sich zu vergewissern, daß man immer noch in der richtigen Richtung geht.
Sollte man versuchen, einen vollkommen geradlinigen Kurs zu verfolgen? Das ist nicht unbedingt das beste. Zwar sollte der Punkt, nach dem man sich orientiert, genau in der gewählten Richtung sein, und man sollte ihn im Auge behalten, aber es ist gut, sich auf dem Weg dorthin die leichteste Route auszusuchen. Der vollkommen geradlinige Kurs kann durch einen großen Sumpf oder eine Reihe von Gewässern führen. Man kann also, wenn man Hindernissen ausweicht, den Punkt schneller und mit geringerer Anstrengung erreichen. Oft ist es weise, einer Tierspur zu folgen, wenn sie ungefähr in der Richtung des Zieles verläuft. Folgt man der leichteren, gekurvten Route, so kann man, während man den Orientierungspunkt im Auge behält, den Kurs korrigieren, je mehr man sich dem Punkt nähert.
Energie sparen
Bei langen oder schwierigen Märschen in der Wildnis sollte man darauf bedacht sein, Energie zu sparen. Was nützt es, wenn man genau weiß, in welche Richtung man gehen muß, aber dann kurz vor dem Ziel zusammenbricht? Als Faustregel kann man sagen, daß man nicht, wenn man zuwenig Wasser bei sich hat, in der heißen Tageszeit marschieren sollte, es sei denn, es ist unbedingt notwendig. Lege lieber in dieser Tageszeit eine Pause ein, und zwar möglichst im Schatten. Marschiere morgens und am späten Nachmittag, weil es dann kühler ist. Marschiere nachts, wenn es tagsüber extrem heiß ist und du die Richtung einhalten kannst. Dadurch, daß du in der heißen Tageszeit ohne Bewegung bist, vermeidest du Energie- und Flüssigkeitsverluste. Der Entzug von Wasser kann den Tod bedeuten und geht in der heißen Tageszeit schneller vor sich. Man kann einen kleinen Kieselstein lutschen oder ein Blatt kauen, um den Mund feucht zu halten. Bei extremer Hitze oder Kälte gibt es den guten Rat: „Mund zuhalten!“ Wenn man Selbstgespräche führt, singt oder durch den Mund atmet, verliert man mehr wertvolle Flüssigkeit, als wenn man durch die Nase atmet. Bei geringen Wasservorräten ist es vernünftig, weniger feste Nahrung zu sich zu nehmen, denn der Körper verbraucht zusätzlich Wasser, um die verbrauchten Stoffe weiterzutransportieren.
Wasser finden
Auch wenn man in der Lage ist, tage- oder wochenlang ohne feste Nahrung auszukommen — ohne Wasser kann man nicht sehr lange leben. Daher ist Wasser das erste und wichtigste Bedürfnis. Man nimmt davon soviel mit, wie man kann, und sorgt für einen Behälter für den Fall, daß man Wasser findet. In der Nähe von Wasserstellen gibt es verschiedene Besonderheiten. Der Flug einer Honigbiene, das Vorhandensein von Tauben und Taumelkäfern oder eine Gruppe grüner Bäume in der Ferne deuten wahrscheinlich an, daß man sich einem Fluß oder einer Wasserstelle nähert. Bei trockenem Boden gräbt man in der Nähe einer Pflanze in den Sand, und oft findet man dort Wasser. Oberhalb eines natürlichen Dammes, der zum Beispiel aus zutage liegenden Steinen bestehen kann, sucht man sich die größte Sandstelle aus und findet vielleicht in dem darunter befindlichen Sand Wasser. Es wäre aber ungünstig, Zeit und Energie zu verschwenden, indem man nach Wasser graben würde, ohne daß irgendein Anzeichen dafür vorhanden wäre.
Eingeborenensiedlungen aufsuchen
In einer Wildnis, in der man die Orientierung verloren hat, kann man vielleicht in der Nähe bewohnte Siedlungen finden. Man kann einem häufig benutzten Pfad folgen; sie führen immer irgendwohin, vom Wasser weg oder zum Wasser hin, zu Getreidefeldern oder Häusern. Die Landbevölkerung ist im allgemeinen freundlich und bescheiden und versorgt Fremde mit Wasser und etwas fester Nahrung. Und sie ist einem vielleicht dabei behilflich, Verbindung mit der Familie oder einer zuständigen Stelle aufzunehmen, die einem helfen kann.
Nachts in der Wildnis schlafen
In einer Wildnis, in der es wilde Tiere und keinen Unterschlupf gibt, ist der sicherste Schlafplatz möglicherweise ein Baum. Er kann komfortabler sein, als du erwartest.
Entspanne dich, und sei entschlossen, das Beste aus deiner Situation zu machen. Du hast die Orientierung verloren. Du gehst in die richtige Richtung. Aber jetzt ist es dunkel, und ringsumher sind wilde Tiere. Suche dir also einen Baum aus; und baue darauf eine Plattform. Du kannst dazu die Zweige von kleineren Bäumen benutzen, sie mit Rinden zusammenbinden und die Plattform mit Zweigen oder Laub polstern.
In einer baumlosen Gegend kann man, wenn man Streichhölzer dabei hat, sich ein Feuer machen. Das Feuer soll wilde Tiere fernhalten; es kann auch von Rettern gesehen werden, und es hält einen auf jeden Fall warm. Ein leerer Graben hält auch warm und bietet Schutz vor dem Wind. Oder man könnte auf dem Boden aus Zweigen und Sträuchern einen kegelförmigen Wigwam oder Unterschlupf herrichten. Das machen oft die Afrikaner, wenn sie über Land ziehen.
Die wichtigsten Richtlinien
Es gibt viele mögliche Gefahren in einer Wildnis, je nachdem, wo du dich befindest. Es stimmt, daß die Erfahrung am besten lehrt, wie man am Leben bleiben kann, bis Hilfe eintrifft. Aber es ist auch schon von großem Wert, wenn man über die hauptsächlichen Überlebensmethoden lediglich etwas liest und darüber nachdenkt. Hauptsache ist, man bleibt im Ernstfall ruhig und beherrscht. Es ist auch von Nutzen, zu Gott um Führung zu beten. Auf diese Weise wirst du dir dessen bewußt werden, daß du nicht allein bist, und wirst wahrscheinlich beherrschter und vernünftiger vorgehen. Beobachte dann deine Umgebung, und handle gemäß dieser Beobachtung und dem gesunden Menschenverstand.