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Millionen fragen: „Was sollen wir essen?“Erwachet! 1973 | 22. September
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gewesen. Birma (manchmal als „Reisschüssel Südostasiens“ bezeichnet) verfügt nur noch über ganz geringe Überschüsse.
Es ist verständlich, daß immer mehr Experten zu dem Schluß kommen, daß die wenigen Länder mit hoher landwirtschaftlicher Produktivität den übrigen Ländern der Welt nicht für immer mit Nahrungsmittellieferungen aushelfen können. Im Jahre 1969 sagte R. O. Greep von der Harvarduniversität:
„Für die Weltlage ist von entscheidender Bedeutung, daß die Lebensmittelreserven in den Ländern mit hoher landwirtschaftlicher Produktivität wie in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Australien und Argentinien rapide zusammenschmelzen ... Alle, die sich ein Bild davon machen können, wie sich die Lage künftig entwickeln wird, hegen große Befürchtungen. ... Insbesondere für die Vereinigten Staaten wird das Problem akut sein, da wir als Hauptgetreidelieferant gelten. ... Wenn es eine Hungersnot gibt und die Nahrungsvorräte nicht ausreichen, werden wir vor der gräßlichen Frage stehen: Wer soll am Leben bleiben?“
Als im Jahre 1973 ein Vertreter des kanadischen Weizenamtes gefragt wurde, ob Kanada die Welt weiterhin beliefern könne, entgegnete er: „Wenn man selbst nichts hat, kann man nichts verkaufen und nichts abgeben.“
Es ist eine Realität, daß sich die ganze Menschheit einer Ernährungskrise gegenübersieht. Wird sie überwunden werden können? Diese Frage kann erst beantwortet werden, wenn wir wissen, warum der Menschheit jetzt eine Hungersnot droht.
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Warum so viele hungernErwachet! 1973 | 22. September
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Warum so viele hungern
„TAGTÄGLICH wachen fast zwei Milliarden Menschen in einer Umgebung auf, in der ihr Leben nur von einem einzigen Verlangen beherrscht wird, ... dem Verlangen nach Nahrung“, erklärte L. R. Brown vom „Overseas Development Council“. Millionen Menschen benötigen mehr oder qualitativ bessere Nahrung. Ist die Erde schuld daran, daß viele Menschen hungern müssen?
Nein, die Erde kann außer ihren jetzigen 3,7 Milliarden Bewohnern noch viele weitere Milliarden Menschen ernähren. Fachleute sagen, dem Menschen stünde doppelt soviel kulturfähiges Land zur Verfügung, wie er in den vergangenen Jahrzehnten bebaut habe.
Launenhaftes Wetter verschlimmert die Nahrungsmittelknappheit
Ein wichtiger Faktor, der in Gebieten, in denen fruchtbarer Boden zur Verfügung steht, die Ernteerträge zu beeinträchtigen vermag, ist das Wetter. Die Zeitschrift Newsweek schrieb in einem Artikel: „Bisher kennt man noch kein Mittel gegen die Launen des Wetters.“
Für die Hungersnot in Asien und Afrika sind zu einem großen Teil Dürren verantwortlich. In Indien waren im Jahre 1972 die Niederschläge des Sommermonsuns zu gering oder kamen zu spät, um für das Sommergetreide von Nutzen zu sein. In Bangladesh betrug die Menge der Niederschläge während der Vegetationszeit nur 60 Prozent der normalen Menge. Die Launenhaftigkeit des Wetters beeinträchtigte auch die Getreideerzeugung auf den Philippinen in gefährlichem Maße. Im Norden wurde die Reisernte durch die schlimmste Hochwasserkatastrophe der vergangenen hundert Jahre zerstört, während im Süden zufolge der Dürre nur geringe Ernteerträge erzielt wurden.
In Rußland gab es in den vergangenen beiden Jahren Mißernten wegen des harten, fast schneelosen Winters; das Getreide wurde zum Teil durch Frost zerstört. Hsin Hua, die offizielle Agentur der chinesischen Volksrepublik, meldete, daß Chinas Ernte zum großen Teil nicht nur durch Dürre, Überschwemmungen und Frost zerstört wurde, sondern auch durch Stürme, Hagel und Schädlinge. Angesichts der gegenwärtigen Welternährungskrise sollte der Mensch erkennen, welch ein Schwächling er gegenüber den Naturgewalten ist.
Durch die Unzuverlässigkeit des Wetters sind die Ergebnisse der „Grünen Revolution“ größtenteils zunichte gemacht worden. Es wird indessen befürchtet, daß der begrenzte Erfolg der „Grünen Revolution“ noch stärker beeinträchtigt werden könnte. Wodurch?
Wenn große Flächen mit der gleichen Getreidesorte bebaut werden, besteht die Gefahr, daß die ganze Ernte einer Pflanzenkrankheit zum Opfer fällt. Auch Schädlinge, die eine bestimmte Getreidesorte befallen, können so eine ganze Ernte zerstören. In Pakistan kursiert der Witz: „Durch den neuen Wunderweizen ist auch eine neue Wunderheuschrecke entstanden!“
Die Technologie löst das Problem des Nahrungsmangels nicht
Der Mensch hat keine Macht über das Wetter. Doch wie steht es mit der Technologie? Wohl sind Methoden und Geräte entwickelt worden, die wertvoll sind; aber die Technologie hat auch viel zum gegenwärtigen Nahrungsmangel beigetragen. Die wachsenden Städte verschlingen immer mehr gutes Ackerland. Die Umweltverschmutzung durch die Industrie und die falsche Anwendung von Kunstdünger haben die Fruchtbarkeit zahlloser Morgen Land stark beeinträchtigt.
Außerdem konzentriert sich die landwirtschaftliche Forschung größtenteils auf Feldfrüchte, die Geld einbringen, kümmert sich aber um Feldfrüchte, die in wärmeren Ländern ein Grundnahrungsmittel sind, sozusagen nicht. Aus einem Artikel in der Zeitschrift BioScience geht hervor, daß das weltweite Ernährungsproblem in den Tropen am akutesten ist. Dennoch wird der größte Teil der wissenschaftlichen Studien an Feldfrüchten betrieben, die nicht in den Tropen, sondern in Gebieten mit gemäßigtem Klima gedeihen.
Die moderne Technologie hat somit im großen und ganzen das Problem des Nahrungsmangels nicht gelöst. In mancher Hinsicht hat sie sogar zur gegenwärtigen Ernährungskrise beigetragen. Auch andere Faktoren, für die ebenfalls der Mensch verantwortlich ist, haben dieses Problem verschlimmert.
Politik und Hunger
Für die Hungersnot, die jetzt in Ländern wie Kambodscha und Bangladesh herrscht, sind keine „Naturgewalten“ verantwortlich, sondern Kriege, die die Menschen aus politischen Gründen geführt haben. Viele der angelegten Felder, das Getreide und die Bewässerungsanlagen sowie zahllose Zugtiere sind dem Krieg zum Opfer gefallen.
In Pnompenh, der Hauptstadt Kambodschas, ist es unter der hungernden Bevölkerung zu Unruhen und Plünderungen gekommen. Soldaten, die die Brücken bewachten, erhoben von den Lastwagenfahrern, die Lebensmittel in die Stadt beförderten, „schwarze Steuern“, so daß die Lebensmittel dann das Doppelte kosteten; in anderen Orten Kambodschas haben sich die Preise verdreifacht.
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