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  • Was ist die „Grüne Revolution“?
    Erwachet! 1972 | 8. November
    • Was ist die „Grüne Revolution“?

      VOR wenigen Jahren wurde gemeldet, daß in verschiedenen Ländern Millionen Menschen hungern und täglich Tausende verhungern.

      Das traf besonders auf Indien zu. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren — 1965 und 1966 — blieb dort der Regen aus; die Folge war eine Dürre, der ein großer Teil der Ernte zum Opfer fiel. Zahllose Menschen verhungerten. Nur dadurch, daß andere Länder große Mengen Getreide nach Indien verschickten, konnte das Allerschlimmste abgewendet werden.

      Darauf prophezeiten verschiedene Fachleute eine Welthungerkatastrophe. Einige vermuteten, daß es um die Mitte der 1970er Jahre soweit sein werde. Es gab sogar Fachleute, die erklärten, die Welthungersnot habe schon begonnen.

      Doch heute hört man nicht mehr soviel von Opfern des Hungers. Jetzt erfahren wir sogar, daß es in einigen Ländern, in denen noch vor wenigen Jahren Nahrungsmangel herrschte, Nahrungs„überfluß“ gibt.

      Was ist der Grund für diesen Wandel? Eine Revolution, die auf dem Gebiet der Getreideerzeugung vor sich gegangen ist. Dieser Wandel gilt als so bedeutungsvoll, daß man den Ausdruck „Grüne Revolution“ dafür geprägt hat.

      In Verbindung mit dieser Revolution erheben sich aber auch folgende Fragen: Wie ist es zu dieser „Grünen Revolution“ gekommen? Sind Gefahren damit verbunden? Wirkt sie sich tatsächlich zum Segen der Armen und Hungernden unter der Weltbevölkerung aus? Kann man damit das Ernährungsproblem der Menschheit lösen? Wir wollen diese Fragen der Reihe nach näher prüfen.

      Wie sie begann

      Mit dem Ausdruck „Grüne Revolution“ wird eigentlich die erfolgreiche Entwicklung ertragreicherer Weizen- und Reissorten bezeichnet. Sie ist von großer Bedeutung, weil diese beiden Getreidearten, besonders der Reis, die Hauptnahrungsmittel für den größten Teil der Weltbevölkerung darstellen.

      Der Siegeszug dieser neuen Getreidesorten begann um das Jahr 1965. Doch eigentlich begann alles viel früher, nämlich, als man in Mexiko ein von der Regierung und der Rockefellerstiftung finanziertes gemeinsames Programm für die Weizenverbesserung in Angriff nahm.

      Die ersten Erfolge erzielte ein Team von Landwirtschaftsexperten unter der Leitung von Dr. Norman E. Borlaug, nachdem es etwa zwanzig Jahre lang experimentiert hatte. Diesen Wissenschaftlern war es gelungen, Weizensorten zu entwickeln, die eine Steigerung der bisherigen Getreideerträge um das Vierfache brachten.

      Bei der neuen Weizensorte handelte es sich um Kurzstrohweizen, das heißt um Weizen mit kurzem, kräftigem Halm. Ein solcher Halm ist wichtig, denn die Pflanze vermag dann aufrecht stehen zu bleiben, obwohl ihre Ähren mehr Körner tragen. Ferner war dieser Weizen unempfindlich in bezug auf die Tageslichtdauer. Das bedeutete, daß er auch in Gegenden der Erde angebaut werden konnte, die eine andere Tageslichtdauer hatten als das Gebiet, in dem diese neue Sorte gezüchtet worden war. Ferner sprach er auf Düngung und Bewässerung sehr gut an.

      Ungefähr zur gleichen Zeit entwickelte das Internationale Reisforschungsinstitut auf den Philippinen eine neue, ertragreichere Reissorte. Diese Züchtung wirkte sich auf den Reisanbau ebenso aus wie die in Mexiko vorgenommenen Versuche auf den Weizenanbau.

      Im Jahre 1965 wurden die neuen Getreidesorten auf größeren Versuchsfeldern in Asien angebaut. Mehrere hundert Hektar wurden damit bepflanzt. Heute, nur sieben Jahre später, werden in verschiedenen Gebieten der Erde Millionen von Hektar Ackerland damit bestellt. Besonders in den Weizenanbaugebieten Indiens und Pakistans werden diese neuen Sorten verwendet. Auf den Philippinen und in anderen Reisanbaugebieten Südostasiens geht man auch mehr und mehr zum Anbau der neuen Reissorten über.

      Wie groß sind die Erfolge?

      Die Getreideproduktion hat durch diese neuen Sorten eine große Veränderung erfahren. In mehreren Ländern ist eine große Steigerung der Ernteerträge erzielt worden. In der Zeitschrift BioScience, Ausgabe vom 1. November 1971, konnte man lesen, daß durch die neuen Getreidesorten, besonders in Indien und Pakistan, „die drohende Gefahr einer weitverbreiteten Hungersnot gebannt oder wenigstens um etwa ein Menschenalter [33 Jahre] hinausgeschoben“ worden wäre.

      Im Erntejahr 1964/65 — dem besten Jahr in jener Zeit — erntete man etwa 89 Millionen Tonnen Getreide. Aber im Jahr 1970/71 betrug die Ernte rund 107 Millionen Tonnen. Die größte Ertragssteigerung erzielte man bei der Weizenernte. Im Jahre 1965 betrug sie etwa 11 Millionen Tonnen, 1970 dagegen 23 Millionen Tonnen. Die Reisproduktion konnte nicht im gleichen Maße gesteigert werden. Doch zuständige Stellen in Indien sagten voraus, daß im Jahre 1972 genügend Reis zur Deckung des Eigenbedarfs erzeugt werde.

      Diese große Steigerung der Ernteerträge hat bewirkt, daß krisenanfällige Gebiete, die früher riesige Getreidemengen einführen mußten, jetzt so viel erzeugen, daß der Eigenbedarf gedeckt und sogar noch etwas exportiert werden kann. Der Erfolg mit den neuen Getreidesorten hat immer mehr Bauern veranlaßt, jedes Jahr ihr Land damit zu bepflanzen.

      Aus alldem könnte man den Schluß ziehen, daß die Wissenschaft nun doch den Schlüssel zur Lösung des Ernährungsproblems des Menschen gefunden habe. Es hat den Anschein, als brauchten die hungernden Völker der Welt, um ihrem Nahrungsmangel abzuhelfen, lediglich diese neuen Weizen- und Reissorten anzubauen.

      Eine Warnung

      Doch viele Landwirtschaftsexperten warnen vor einer solchen Schlußfolgerung. Sie sagen, daß die „Grüne Revolution“ das Ernährungsproblem der Menschheit jetzt nicht löse und auch in Zukunft nicht lösen werde.

      In dem Buch The Survival Equation kann man zum Beispiel in einem Aufsatz, verfaßt von dem Agrarwissenschaftler Wolf Ladejinsky, folgendes lesen:

      „In einigen landwirtschaftlich unterentwickelten Ländern Asiens ist die ,Grüne Revolution‘ seit fast fünf Jahren im Gange. Als sie in den traditionsgebundenen Agrargesellschaften Fuß faßte, wurde verkündet, sie widerlege die düsteren Prophezeiungen, nach denen großen Gebieten der Welt eine Hungersnot drohe.

      Außerdem glaubten diejenigen, die über den bevorstehenden Umschwung jubelten, sie sei das Mittel, mit dem die Armut der groben Mehrheit der Bauernbevölkerung besiegt werden könne. ...

      Doch da es nicht leicht ist, die Voraussetzungen für die Anwendung der neuen Agrartechnik zu schaffen, kann sie sich nicht ungehindert ausbreiten und entwickeln. Außerdem hat die Revolution da, wo sie erfolgreich gewesen ist, zu vielen politischen und sozialen Problemen geführt. Kurzum, die Grüne Revolution kann sich, wie Dr. Wharton in ,Foreign Affairs‘, Ausgabe vom April 1969, treffend sagte, als Füllhorn und als Büchse der Pandora erweisen.“

      Warum warnen viele Fachleute vor einem übertriebenen Optimismus, während doch die „Grüne Revolution“ im Gange ist? Was für Probleme bringt sie mit sich? Wie beeinflussen diese Probleme die Möglichkeit, durch die „Grüne Revolution“ des Hungers und der Armut Herr zu werden?

      Eines dieser Probleme birgt eine große Gefahr in sich, die mit dem genetischen Material der neuen Getreidesorten zusammenhängt.

  • Gefahr: zuviel von der gleichen Sorte
    Erwachet! 1972 | 8. November
    • Gefahr: zuviel von der gleichen Sorte

      VOR kurzem wurde in der Zeitschrift Bio-Science folgende Warnung veröffentlicht: „Mit der ,Grünen Revolution‘ ist auch das Schreckgespenst einer verheerenden Seuche verbunden.“ Wieso?

      Wenn große Flächen mit der gleichen Getreidesorte bebaut werden, droht der ganzen Ernte große Gefahr. Wird das Getreide von einer neuartigen Insekten- oder Pilzkrankheit befallen, kann sich das auf die ganze Anbaufläche, die mit diesem Getreide bestellt ist, auswirken. Werden aber verschiedene Getreidesorten angebaut, ist das gewöhnlich nicht der Fall.

      Die Experten sagen übereinstimmend, daß das bei den neuen hochertragreichen Getreidesorten möglich ist. Diese neuen Sorten stammen von einer sehr schmalen genetischen Grundlage, d. h., sie sind hochgezüchtet. Die Rockefellerstiftung berichtet, daß die ganze Familie der Weizensorten, mit denen jetzt größere Flächen Asiens bebaut werden als mit irgendeiner anderen Sorte, von einer einzigen Rasse abstamme.

      Doch weil die neuen Sorten so ertragreich sind, gibt man ihnen den Vorzug. Die Bauern wollen zu Geld kommen. Sie bauen die Sorten an, mit denen sie das am schnellsten erreichen können. Daher bestellen sie immer größere Flächen mit der hochertragreichen Sorte anstelle der einheimischen Getreidesorten, die weniger ertragreich sind. Doch man weiß nicht, wie widerstandsfähig die neuen Varietäten, die nicht in der Gegend entwickelt worden sind, in der sie angebaut werden, gegen bestimmte Krankheiten sind.

      Deshalb veröffentlichte die in London erscheinende Zeitschrift New Scientist folgende Warnung: Es würde sich verheerend auswirken, wenn die wenigen neuen Sorten einer Krankheit zum Opfer fallen würden. Eine Zeitlang gäbe es keinen Ersatz dafür, da es Zeit erforderte, neue Sorten zu entwickeln, die gegen die neue Krankheit resistent wären. Der Artikelschreiber kam zu folgendem Schluß: Der Mensch habe dadurch, daß er der Natur ins Handwerk pfusche, die Möglichkeit einer Katastrophe vergrößert anstatt verringert.

      Ist das schon einmal geschehen?

      Sind solche Befürchtungen unbegründet? Nein, denn solche Katastrophen hat es schon in der Vergangenheit beim Anbau hochgezüchteter Nutzpflanzen gegeben.

      Ein Beispiel dafür ist die Seuche, die die Kartoffelanbaugebiete im vergangenen Jahrhundert heimsuchte. Sie war als Kraut- und Knollenfäule bekannt. Im Jahre 1845 wurden die Kartoffelanbaugebiete Europas davon befallen. Auch im Jahre 1846 fiel der größte Teil der Kartoffelernte dieser Krankheit zum Opfer, was sich besonders in Irland katastrophal auswirkte.

      Die Iren hatten den größten Teil ihres Landes mit Kartoffeln bestellt, und zwar zogen sie vorwiegend eine einzige Sorte. Die Kartoffelfäule zerstörte die gesamte Kartoffelernte. In dem Werk The World Book Encyclopedia wird folgendes darüber berichtet: „Die Kartoffelfäule, die in den 1840er Jahren die Ernte vernichtete, verursachte die größte Katastrophe in der Geschichte Irlands. ... etwa 750 000 Personen verhungerten oder starben zufolge körperlicher Schwäche an einer Krankheit. In diesen Jahren wanderten Hunderttausende von Iren aus.“

      Etwas Ähnliches ereignete sich vor rund zwanzig Jahren. Haferfarmer in den Vereinigten Staaten begannen eine neue, hochertragreiche Hafersorte anzubauen. Es handelte sich um Kreuzungen in einer Haferfamilie, die „Victory“ genannt wird. Diese Sorten wurden von vielen Farmern angebaut. Aber darauf vermehrte sich ein bestimmter Pilz, dem ein großer Teil der Haferernte zum Opfer fiel. Nach zwei Jahren war dieser Pilz so verbreitet, daß man den „Victory“-Hafer nicht mehr gefahrlos anbauen konnte.

      In den 1930er Jahren wurde eine Weizensorte entwickelt, die man „Hope Gene“ nannte. Diese Züchtung versprach, gegen Halmrost resistent zu sein. Schon nach wenigen Jahren wurden im Westen der Vereinigten Staaten, von Texas bis Norddakota, große Gebiete damit bestellt. Aber gegen Ende der 1940er Jahre kam eine neue bösartige Pilzkrankheit auf. Weder der Brotweizen noch der Durumweizen, der in den Vereinigten Staaten und Kanada angebaut wurde, war dagegen resistent. Die neue Pilzkrankheit verbreitete sich rasch in den wichtigsten Weizenanbaugebieten und vernichtete einen großen Teil der Ernte. Das hatte zur Folge, daß mehrere Jahre lang die Durumweizenerzeugung in den nördlichen Präriegebieten im Westen der USA fast zum Stillstand kam.

      Die neuesten Rückschläge

      Im Jahre 1971 brachte die New York Times folgende Schlagzeile: „Ein Triumph der Genetik droht Katastrophe auszulösen“. In dem beigefügten Aufsatz wurde über verbesserte Bastardmaissorten, die 1950 in den Vereinigten Staaten eingeführt worden sind, berichtet. Dadurch konnten die Ernteerträge je Hektar mehr als verdoppelt werden.

      Aber im Jahre 1970 gab es unerwartet einen Rückschlag zufolge einer furchtbaren

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