Beharrlichkeit in Pakistan trägt Gottes Segen ein
PAKISTAN, dessen Name in Urdu buchstäblich „heiliges Land“ bedeutet, ist erst seit dreißig Jahren ein selbständiger Staat. Vom geschichtlichen Standpunkt aus betrachtet, ist es jedoch ein altes Land. Zu Abrahams Lebzeiten war in Mohendscho-Daro im fruchtbaren Industal und in Harappa im Pandschab bereits eine hohe Kultur verbreitet. Etwas mehr als dreihundert Jahre vor der Geburt Christi führte Alexander der Große seine Armee durch das Gebiet, das heute als Pakistan bekannt ist. Zu Beginn des achten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung drang durch den Vorstoß der Araber nach dem südlichen Teil des Landes — heute als Sind bekannt — der Islam in diese Gebiete, und diese Religion war schließlich der Anlaß zur Gründung Pakistans.
Pakistan, das in Asien liegt und im Süden an das Arabische Meer und im Westen an Indien grenzt, ist keineswegs ein kleines Land. Die 192 Verkündiger der guten Botschaft von Gottes Königreich, die es in diesem Land gibt, haben die Möglichkeit, mehr als siebzig Millionen Menschen Zeugnis zu geben.
Die Botschaft vom Königreich wurde in diesem Teil der Erde schon viele Jahre vor der Gründung Pakistans verkündigt. Vom Bergland im Norden bis zu den fruchtbaren Ebenen des Pandschabs und den Wüstensteppen des Sind hat eine Handvoll eifriger Zeugen Jehovas buchstäblich Pionierarbeit geleistet, indem sie nach aufrichtiggesinnten Menschen suchten, die den Wunsch hatten, die Wahrheit des Wortes Gottes kennenzulernen. Sie benutzten jedes Transportmittel: überfüllte Züge, Pferde und Pferdewagen, Ochsenkarren und manchmal sogar ein Kamel.
Wie der Apostel Paulus, so haben auch diese Zeugen gelernt, ‘wie man an Mitteln knapp sein und wie man Überfluß haben kann’ (Phil. 4:11, 12). In den Dörfern wohnten sie jeweils bei Eingeborenen in deren kleinen Lehmhäusern zusammen mit Hühnern, Kühen und Ziegen. In den Städten fanden sie Unterkunft in Zement- oder Backsteinhäusern (pukka) von Interessierten oder in billigen schmutzigen Hotels. Einige der ersten, die diese lohnende Tätigkeit oft unter strapaziösen Witterungsverhältnissen verrichteten und an Krankheiten wie Typhus, Ruhr und Malaria litten, waren Edwin Skinner, Ron Tippen, Clarence Taylor und Randall Hopley aus England. Auch Claude Goodman gehörte zu ihnen, der die Zeit, die er in diesem „Pionier“werk verbrachte, trotz all der Beschwerden heute noch als die schönsten Jahre seines Lebens bezeichnet.
Um zu verstehen, warum bis heute noch verhältnismäßig wenig Menschen auf die Königreichsbotschaft reagierten, muß man wissen, daß 97 Prozent der Bevölkerung Pakistans Anhänger des Islams sind. Die Moslems glauben, daß der Koran die endgültige Offenbarung Gottes ist und die Bibel ersetzt, die ihrer Meinung nach nicht mehr den ursprünglichen Text enthält. Wenn man also möchte, daß sie einer biblischen Darlegung zuhören, muß man erwähnen, daß sie, obwohl sie den Koran kennen, vielleicht noch nie gehört haben, was andere „heilige Schriften“, zum Beispiel die Bibel, über die heutigen Weltverhältnisse und über die Zukunft sagen. Oftmals hören dann die Leute aus Neugier und weil sie von Natur gastfreundlich sind, zu und nehmen biblische Schriften entgegen.
Wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowohl hierzulande als auch in der übrigen Welt geben die meisten Leute zu, daß wir in den „letzten Tagen“ leben, aber es ist ihnen neu, etwas über ein irdisches Paradies zu hören (2. Tim. 3:1; Offb. 21:3, 4). Wie in der Christenheit, so glauben auch hier fast alle, daß die Erde einmal vernichtet wird und daß das Paradies im Himmel ist. Da aber die Menschen im allgemeinen gern über Religion sprechen, machen die Besuche von Haus zu Haus viel Freude. Oft dauern die Gespräche, die in der angenehmen Umgebung im Innern des Hauses geführt werden, eine halbe Stunde oder noch länger, und man kann ein gutes Zeugnis über Gottes Königreich geben.
MIT PROBLEMEN FERTIG WERDEN
Während die Tätigkeit von Haus zu Haus größtenteils unter den Moslems durchgeführt wird, finden die meisten Bibelstudien bei sogenannten Christen statt, die einen beträchtlichen Teil der drei Prozent nichtmoslemischen Bevölkerung Pakistans ausmachen. Aus diesen Kreisen kommen daher die meisten Verkündiger der guten Botschaft vom Königreich. Diese Menschen sind in den Städten nicht leicht zu finden. Wenn man aber auf eine Familie gestoßen ist, lernt man gewöhnlich noch weitere kennen. Manchmal müssen sich die „verlorenen Schafe“ selbst sehr anstrengen, um die Wahrheit kennenzulernen, wie das das nachstehende Beispiel zeigt:
Ein junger Katholik sprach auf der Straße eine Zeugin Jehovas an, die von Haus zu Haus ging, und bat sie um ein Buch über die Bibel. Er nahm das Buch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt in Urdu entgegen und gab ihr bereitwillig die Adresse seiner Wohnung, einer Dienstwohnung, die zu dem großen Haus einer moslemischen Familie gehörte. Schon beim ersten Besuch konnte mit ihm ein Bibelstudium begonnen werden, und da er noch keine Bibel hatte, sorgte man dafür daß er eine bekam. Er besuchte sogleich die Zusammenkünfte, aber wenige Monate später verbot die Besitzerin des Hauses, in dem er mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn wohnte, den Zeugen die Familie regelmäßig zu besuchen. Furchtlos und erst recht begierig, sein Studium fortzusetzen, kam er deshalb regelmäßig mit dem Fahrrad zum Königreichssaal. Es dauerte nicht lange, und er führte selbst eifrig mit anderen Bibelstudien durch, predigte öffentlich von Haus zu Haus und nahm jede Gelegenheit wahr, seine Dankbarkeit für das was er gelernt hatte, zum Ausdruck zu bringen. Seit Anfang 1977 ist er ein Gott hingegebenes getauftes Glied der Versammlung und dient als Hilfspionier.
Ein anderes Problem in Pakistan ist das weitverbreitete Analphabetentum. Ungefähr 84 Prozent der Einwohner, die über fünf Jahre alt sind, können weder lesen noch schreiben. Die Regierung bemüht sich zwar, dieses Problem zu überwinden, aber die jährliche Bevölkerungszunahme um über 3,5 Prozent ist ein großes Hindernis. Die Unfähigkeit, zu lesen und zu schreiben, hat schafähnliche Menschen jedoch nicht daran gehindert, die Königreichsbotschaft anzunehmen (Joh. 10:27). Folgendes Beispiel mag dies veranschaulichen:
In Quetta, das 1 670 Meter über dem Meer liegt und die Hauptstadt der Provinz Belutschistan ist, hörte eine Frau, die ein Namenschrist war, im Hause eines Zeugen Jehovas von der Königreichsbotschaft. Diese Frau, eine Mutter von zehn Kindern, gab sich Gott hin und wurde getauft. Kurz danach nahmen auch zwei ihrer Töchter die Wahrheit an. Nur ihr großer Glaube und ihre Entschlossenheit halfen ihr, jahrelang die „gute Botschaft“ zu verkündigen, denn es fehlte ihr nicht nur an Allgemeinbildung, sondern auch an der Unterstützung durch reife Christen. Im Winter ist es in Quetta sehr kalt, weshalb dann die Leute, wenn möglich, in wärmere Gebiete des Landes ziehen, während im Sommer viele vor dem feuchten Klima in Karatschi oder vor der sengenden Hitze im Pandschab dorthin fliehen. Jahrelang ist diese Zeugin zusammen mit anderen dreimal im Jahr 1 600 bis 2 250 Kilometer hin und zurück gereist, um die jährlichen und halbjährlichen Kongresse der Zeugen Jehovas zu besuchen.
Seit Anfang 1977 dient einer ihrer Söhne auch als „Sonderpionier“ in einer kleinen Stadt im fruchtbaren Pandschab, über 1 120 Kilometer von seiner Heimatstadt entfernt, um der Gruppe von Brüdern dort beizustehen.
DIE TÄTIGKEIT IM PANDSCHAB
Eine Gruppe von über zwanzig Pandschabi sprechenden Zeugen kommt aus Städtchen und Dörfern, die über ein großes Gebiet verstreut liegen. Da Pakistan hauptsächlich ein Agrarland ist, lebt der größte Teil der Bevölkerung in Dörfern, in denen die Häuser aus Lehm gebaut sind und zu denen keine richtigen Straßen führen. Wegen der Transportschwierigkeiten und der Sechstagewoche führen Jehovas Zeugen in diesem Gebiet alle ihre Zusammenkünfte in ihrem kleinen Königreichssaal an dem einen Feiertag der Woche durch. Es ist für sie nicht leicht gewesen, in geistiger Hinsicht Fortschritte zu machen.
Ein weiteres Problem ist die Sprache. Jede der vier Provinzen Pakistans hat ihre eigene Sprache. Die Nationalsprache ist Urdu. Vor einigen Jahren wurde das Buch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt ins Urdu übersetzt, und es hat viel dazu beigetragen, Menschen zu helfen, eine grundlegende Erkenntnis der Bibel zu erlangen. Der Wachtturm erscheint in Urdu einmal im Monat. Man hat jedoch jahrelang Schwierigkeiten gehabt, ihn aus Indien zu bekommen. Jetzt wird er zwar immer noch in Indien übersetzt, aber in Pakistan gedruckt.
Das Pandschab („fünf Ströme“) ist das fruchtbarste Agrargebiet des Landes. Es wird vor allem Weizen, Reis, Zuckerrohr und Baumwolle angebaut. Das Pandschab ist auch die am dichtesten bevölkerte Provinz, und das Zweigbüro der Wachtturm-Gesellschaft in Pakistan befindet sich in Lahore, der Hauptstadt des Pandschabs. Lahore, das nur einige Kilometer von der indischen Grenze entfernt liegt, ist eine sehr alte Stadt, die für ihre alten Denkmäler, Universitäten und Colleges bekannt ist. Unter den fast 2,5 Millionen Einwohnern gibt es fünfundfünfzig Verkündiger der guten Botschaft von Gottes Königreich. Einige von ihnen haben die Botschaft, die Jehovas Zeugen predigen, schon viele Jahre gekannt, sind aber erst vor kurzem Gott hingegebene, getaufte Glieder der Versammlung geworden. Manche wurden durch die Weltverhältnisse, die in den 1970er Jahren zusehends schlechter wurden, veranlaßt, ernsthaft über das Gelernte nachzudenken und entsprechend zu handeln, wie das folgender Fall zeigt:
Um das Jahr 1955 begann eine Frau mit Jehovas Zeugen zu studieren. Sie freute sich über das, was sie lernte, und bereitete sich stets auf das Studium vor. Gelegentlich besuchte sie sogar die Zusammenkünfte, obwohl ihr Mann sie davon abbringen wollte. Sie sprach auch mit anderen Personen und las Arbeitskolleginnen, die sogenannte Christen waren, täglich den Tagestext vor. Dennoch war sie anscheinend immer noch mit der Kirche verbunden. So dachte jedenfalls ihr Mann. Im Laufe der Jahre studierten verschiedene Zeugen mit ihr aber schließlich stellten sie das Studium ein und besuchten sie nur noch von Zeit zu Zeit, denn sie las die neuen Publikationen der Gesellschaft stets gern. Überraschenderweise fragte sie eines Tages, ob sie getauft werden könne, denn sie glaube, lange genug gewartet zu haben, um ein Zeuge Jehovas zu werden. Es stellte sich heraus, daß sie die Kirche schon zehn Jahre nicht mehr besucht hatte. Das Studium wurde wiederaufgenommen, und sie begann, regelmäßig die Zusammenkünfte zu besuchen, gab sich Gott hin und wurde im November 1976 getauft. Obwohl sie schon älter ist, widmet sie der Zeugnistätigkeit noch viel Zeit und führt mit anderen Bibelstudien durch.
AM FUSSE DES HIMALAJA
Über 1 490 Kilometer landeinwärts und 16 Kilometer nördlich von Rawalpindi liegt Islamabad, die neu erbaute Hauptstadt Pakistans. Einige Autostunden von hier kommt man zu den bewaldeten Bergen und Tälern, von denen aus man in der Ferne die schneebedeckten Gipfel des Himalaja sieht. Einige der höchsten Berge der Welt befinden sich in Pakistan, und ein großer Teil ihrer atemberaubenden Schönheit ist wegen ihrer Unzugänglichkeit noch so gut wie unberührt. Die zehn Verkündiger der „guten Botschaft“, die in Rawalpindi zusammenkommen, sind hauptsächlich in den beiden großen Städten tätig. Zwei von ihnen wohnen in Islamabad.
IN KARATSCHI UND HYDERABAD
Es erübrigt sich zu sagen, daß es schwierig ist, in einem solch großen Land mit so wenig Verkündigern bei Menschen, die einmal Interesse an der Königreichsbotschaft gezeigt haben, dieses Interesse wachzuhalten. Personen, die an der Wahrheit des Wortes Gottes jedoch wirklich interessiert sind, bemühen sich auch, mehr darüber zu erfahren. In Karatschi, der größten Stadt Pakistans — einst ein bescheidenes Fischerdorf am Arabischen Meer in der Nähe der Indusmündung —, bilden viereinhalb Millionen Menschen das „Gebiet“ der über siebzig Zeugen Jehovas dort. Einige von ihnen fahren von Zeit zu Zeit auch nach dem etwa 160 Kilometer entfernten Hyderabad, um den Samen der Wahrheit auszustreuen. Wie einige dieser Samenkörner dort Wurzel geschlagen haben, zeigt folgendes Beispiel:
Etwa vor vier Jahren konnte mit einer jungen Hausfrau ein Studium begonnen werden. Da sie das Empfinden hatte, sie müsse regelmäßiger studieren und die Zusammenkünfte besuchen, nahm sie die Gelegenheit wahr, nach Karatschi zu gehen, um dort einen einjährigen Fortbildungskurs in einem Krankenhaus zu besuchen. Sie machte schnell Fortschritte, und bald verwendete sie viel Zeit darauf, ihren Studienkollegen Zeugnis zu geben, und im Jahre 1974 symbolisierte sie ihre Hingabe an Gott durch die Taufe. Jetzt sind sie und ihr Mann die einzigen Zeugen in Hyderabad, und in einem Brief, den sie kürzlich schrieb, brachte sie ihre Wertschätzung für die Wahrheit und für die Ermunterung zum Ausdruck, die ihr durch Briefe und gelegentliche Besuche der Brüder aus Karatschi zuteil wird. Sie schrieb, daß sie täglich Gelegenheit hat, jungen Medizinstudenten Zeugnis zu geben. Besonders nachdem sie einen Vortrag über Themen wie die Bluttransfusion oder Geburtsfehler gehalten hat, bietet sich ihr die Möglichkeit, zu erklären, was die Bibel über diese Themen sagt. Viele hören ihr interessiert zu. Sie führt zur Zeit mehrere Bibelstudien durch.
Mit der Hilfe des Geistes Jehovas und unter der Leitung der Engel finden Jehovas Zeugen in ganz Pakistan Menschen, die die Wahrheit über Gott erfahren möchten. Die Zeugen in diesem Land sind fest entschlossen, die „gute Botschaft“ beharrlich weiter zu verkündigen, bis alle diese Menschen eingesammelt sind.