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    Erwachet! 1979 | 8. August
    • Das erste, was einem bei Gloria, einer 24jährigen New Yorkerin, auffällt, ist eine häßliche Narbe vom Kinn bis zum Schlüsselbein. Gloria hatte fünf Geschwister. Wenn ihr Vater betrunken war, verprügelte er oft Frau und Töchter. Manchmal lief Glorias Mutter von zu Hause weg, um den Angriffen ihres Mannes zu entgehen. Aber sie kehrte immer wieder zurück.

      Um der Wirklichkeit zu entfliehen, nahm Gloria Heroin. Dann verließ sie das Elternhaus und heiratete Robert, der ebenfalls süchtig war. Sie erhielt von ihm Schläge, aber weil sie das schon als Kind gewohnt war, glaubte sie offenbar, das gehöre zum Familienleben. Sobald feststand, daß sie Mutter wurde, begab sie sich in Behandlung, um von ihrer Heroinsucht loszukommen. Als das Kind geboren war, konnte sie sein Schreien nicht ertragen. Sie begann zu trinken. Gloria, die der Belastung durch die Ehe und das Kind nicht gewachsen war, begann den Säugling zu mißhandeln. Sie schlug ihn und verbrannte ihm sogar mit einem heißen Eisen die Füßchen. Einmal brach sie ihm beide Ärmchen. Als der Kleine etwas mehr als ein Jahr alt war, wurde er ihr weggenommen und in ein Heim für verwahrloste Kinder gegeben.

      Robert reagierte, indem er gegen Gloria noch gewalttätiger wurde und sie schließlich verließ. Kurz danach lernte sie Albert kennen, und in der Hoffnung, daß nun alles anders werde, zog sie zu ihm. Aber er war jähzornig, und wenn er in Wut geriet, schlug er sie auch. Bei einem Streit verdrosch er Gloria so fürchterlich, daß sie mit gebrochenen Rippen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Kamen sie dadurch zur Vernunft, und änderten sie sich? Nein. Als Albert sie aus dem Krankenhaus nach Hause holte, packte ihn wieder die Wut. Er fischte eine Flasche aus dem Straßengraben, zerschlug sie und brachte Gloria eine Wunde bei, die die erwähnte häßliche Narbe hinterließ.

      Darauf wurden die beiden von Sozialarbeitern betreut. Gloria hat inzwischen aufgehört zu trinken und bemüht sich, ein gesünderes Essen auf den Tisch zu bringen. Albert arbeitet daran, seinen Jähzorn zu beherrschen, und schlägt jetzt seine Frau wochenlang nicht mehr.

      Frage dich: WELCHE ROLLE SPIELTE DER ALKOHOL BEI DIESEM PROBLEM? WIE WIRKTEN SICH GLORIAS KINDHEITSERFAHRUNGEN AUF SIE AUS?

      Saras Ehe wurde mit den Jahren nicht besser. Im Gegenteil, ihr Mann verprügelte sie immer häufiger. Die Folgen solcher Gewalttätigkeit waren — abgesehen von der ständigen Einnahme von Beruhigungstabletten — innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Zeit: zwei gebrochene Rippen, ein ausgeschlagener Zahn, blaue und grüne Flecken, Platzwunden und drei Krankenhausaufenthalte. Das alles ließ erkennen, daß ihr Mann nun immer öfter in Wut geriet. Auch ihre beiden minderjährigen Söhne konnten das feststellen.

      Eines Tages trug Saras Mann, bevor er zur Arbeit ging, seinem 16 Jahre alten Sohn auf, die Garage sauberzumachen. Mittags hatte er die Arbeit noch nicht getan, sagte aber, er wolle mit seinen Freunden schwimmen gehen. Sara bekam es mit der Angst zu tun, denn sie wußte, daß ihr Mann seine Wut an ihr auslassen würde. Sie hielt krampfhaft einen Küchenstuhl fest und sagte: „Du mußt heute die Garage aufräumen.“ „Laß mich in Ruhe“ brüllte er, sprang auf und rannte die Treppe zum ersten Stock hoch, wo sein Zimmer lag. Sie lief hinter ihm her, packte ihn am Arm und sagte: „Du gehst mir nicht fort, bevor ...“ Weiter kam sie nicht. Er riß sich los, drehte sich um und stieß sie dabei heftig gegen die Brust. Sara wollte sich am Geländer festhalten, griff jedoch daneben und stürzte rücklings die Treppe hinunter.

      Frage dich: LÖSTE SICH DAS PROBLEM DURCH ZUWARTEN? WELCHE BEZIEHUNG BESTEHT ANSCHEINEND ZWISCHEN TEMPERAMENT UND VERHALTEN DES VATERS UND DES SOHNES?

      Brief an einen Familienberater: „Ich bin 13 Jahre alt und schreibe nicht nur für mich, sondern auch für meine vier jüngeren Geschwister. Sie sind 11, 10, 9 und 6 Jahre alt. Unsere Eltern streiten sich jeden Abend. Wir haben das Schreien und Brüllen das Schimpfen, Türenzuknallen und Geschirrzerschmeißen satt. Vati ist ein fleißiger Arbeiter und ein feiner Kerl. Sobald er heimkommt, fängt Mutti an, ihm etwas vorzujammern. Er sagt, sie solle den Mund halten, und schon geht der Krach los. Nachher weint Mutti und sagt, er liebe sie nicht. Aber das stimmt nicht. Er liebt sie sehr. Könnte man es ihm jedoch übelnehmen, wenn er sie nicht mehr liebte? Wer möchte die ganze Zeit angemeckert werden? Bitte helfen Sie uns, die beiden so weit zu bringen, daß sie sich vertragen. Wir möchten nicht daß unsere Eltern auseinandergehen, aber das ist auch kein Leben.“

      Frage dich: WER WAR SCHULD AN DEN STREITEREIEN? WIE KÖNNTEN SOLCHE SZENEN VERMIEDEN WERDEN? KENNST DU KINDER, DIE GRUND HÄTTEN, EINEN SOLCHEN BRIEF ZU SCHREIBEN?

      Connie war von ihrem Mann, mit dem sie schon viele Jahre verheiratet war, fast bewußtlos geschlagen worden. Sie schämte sich, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen, und suchte deshalb das Frauenhaus auf, das bei San Antonio (Texas, USA) eröffnet worden war. Connie beschrieb den Vorfall ohne zu erwähnen, welche Spannungen oder Frustrationen dazu geführt hatten.

      Als ihr Mann nach Hause kam, benahm er sich anders als sonst. Er war total betrunken und roch nach Bier. In der heftigen Auseinandersetzung, die folgte, ohrfeigte Connie ihn. Sie hatte das in den langen Ehejahren bis dahin noch nie getan. Sie berichtete: „Dann stürzte er sich auf mich und prügelte mich, als wäre ich ein Mann — mit den Fäusten traktierte er meinen Magen und mein Genick. Nachdem er mich zusammengeschlagen hatte, trat er mich auch noch.“ Es war ein brutaler Angriff.

      Frage dich: WER WAR IN DIESEM FALLE GEWALTTÄTIG? WIE HATTE MAN EINEN SOLCHEN STREIT VERMEIDEN KÖNNEN? WIE HÄTTEST DU GEHANDELT, WENN DU CONNIE GEWESEN WÄRST?

      Das sind nur einige wenige Beispiele der zahllosen Fälle von Gewalt in der Familie, aber es sind typische Fälle. Und die anschließend aufgeworfenen Fragen haben vielleicht bewirkt, daß dir das Verständnis für das Problem der Gewalt in der Familie aufgegangen ist. In den nachfolgenden Artikeln werden einige der Umstände erörtert, die bei diesen wahren Begebenheiten mitgewirkt haben. Ferner werden wir Ursachen und Folgen von Gewalttätigkeit in der Familie beleuchten. Wir haben dann mehr Verständnis für den Rat, der gegeben wird, um dieses Problem zu lösen oder der weitverbreiteten Plage Einhalt zu tun, der heute so viele Familien und Menschenleben zum Opfer fallen.

  • Geprügelte Ehefrauen/geprügelte Ehemänner — Was sind die Ursachen?
    Erwachet! 1979 | 8. August
    • Geprügelte Ehefrauen/geprügelte Ehemänner — Was sind die Ursachen?

      DIE Zahl der Gewaltfamilien ist so groß, daß sicherlich manche unserer Leser Personen kennen, die von ihrem Ehepartner geprügelt werden. Sie mögen an der Nachbarin oder an der Kollegin Spuren eines Ehekrachs entdecken — blaue Flecken und Kratzwunden, die trotz dunkler Brille, Rollkragenpulli oder dick aufgetragenem Make-up teilweise zu sehen sind. Du fragst dich: „Was für eine Ehe führen die beiden? Als sie sich heirateten, haben sie sich bestimmt geliebt. Wie konnte es nur soweit kommen?“

      Ja, was führt zu solchen Gewalttätigkeiten? Wer wird seinem Ehepartner gegenüber gewalttätig? Hauptsächlich die Männer? Welche Atmosphäre schafft die Voraussetzungen für solche Übergriffe? Sind in der Regel äußere Einflüsse dafür verantwortlich? Was kann dagegen getan werden? Wir wollen sehen.

      Was für Männer schlagen ihre Frau?

      Wenn von Männern die Rede ist, die ihre Frau prügeln, denken viele sofort an Angehörige der Arbeiterklasse — an einen Lastwagenfahrer, Straßenarbeiter oder Müllkutscher —, die sich in einer Kneipe „vollaufen lassen“ und dann in Kampfstimmung nach Hause torkeln. Solche gibt es viele, wie die erwähnten Fälle von Connie und Gloria zeigen.

      Aber wer glaubt, nur solche Männer seien gewalttätig, irrt sich. In der Zeitschrift Parade (16. Oktober 1977, S. 18) hieß es: „Gewaltfamilien gibt es in allen Rassen, Klassen und Milieus. Sie sind weit verbreitet und kommen im gehobenen Mittelstand genauso häufig vor wie in den unteren Volksschichten.“ In dem Buch Wife Beating: The Silent Crisis (Mißhandelte Ehefrauen: die heimliche Krise) heißt es:

      „Sozialarbeiter, die geprügelte Frauen betreuen, berichten, daß sich unter den Opfern Frauen von Ärzten, Rechtsanwälten, Studienräten und sogar von Geistlichen befinden. Aus der soziologischen Untersuchung über ,Gewalt in der Familie‘ von Dr. Gelles geht hervor, daß in Familien der höchsten Einkommensstufe Gewalttätigkeiten am häufigsten sind“ (S. 7).

      Warum kommt es in Familien aller Schichten zu solchen Übergriffen? Dafür gibt es einen Grund, den die meisten Soziologen übersehen. Kennt man ihn, so versteht man besser, was die Wurzeln des Problems sind, sei es, daß man an seine eigene Ehe denkt, sei es, daß man an die eines befreundeten Ehepaares oder von Verwandten denkt.

      Die Bibel, das älteste Buch, in dem über die Familie berichtet wird, zeigt, daß die erste Ehe vollkommen war. Am Anfang ihrer Ehe waren Adam und Eva ohne Sünde. Ihr Denken, ihr Handeln und ihre Emotionen waren miteinander in Harmonie. Als sie in diesem Zustand waren, bestand natürlich keine Gefahr, daß es in ihrer Ehe zu Tätlichkeiten kommen würde. Doch nach einiger Zeit gehorchten sie Gott nicht mehr und wurden unvollkommen. Wie Gott prophezeite, würde die Frau als Folge des Ungehorsams ein ‘tiefes Verlangen nach dem Mann haben, und er würde über sie herrschen’ (1. Mose 3:16). Die meisten Frauen würden ein so großes Verlangen nach einem Mann haben, daß sie sich sogar mit einem tyrannischen, brutalen Mann abfinden würden. Die Geschichte der vergangenen Jahrtausende bestätigt diese traurige Tatsache. Jehova Gott sah auch voraus, daß viele Männer zufolge ihrer Unvollkommenheit ihre Autorität mißbrauchen und Tyrannen werden würden, die ihre Frau verprügelten. Was ist somit der gemeinsame Nenner all dieser Fälle von Gewalt in der Familie? Die menschliche Unvollkommenheit.

      Es ist außerordentlich wichtig, zu erkennen, daß wir alle von jenem ersten Menschenpaar abstammen und Unvollkommenheit ererbt haben (Röm. 5:12). Folglich trägt jeder von uns — reich oder arm, gebildet oder ungebildet — den Keim zur Gewalt in der Familie in sich. Doch was bewirkt, daß er aufsprießt? Frustrationen, Alkohol, das Fehlen des Gesprächs, Eifersucht, das Gefühl, abgelehnt zu werden, sowie ein Gefühl der Unsicherheit sind wie im Wasser gelöste Nährstoffe, die bewirken, daß ein Keim wächst und gedeiht. Bevor wir uns damit befassen, was gegen diese Faktoren unternommen werden kann, wollen wir betrachten, wie sie zu Gewalt in der Familie führen können.

      Frustrierter Mann — gewalttätiger Mann?

      Ein Experte machte auf einen Faktor aufmerksam, der in vielen Fällen als Auslöser für Gewalttätigkeit in der Familie fungiert: „Wir sollten die Angriffe auf die Ehefrau im Zusammenhang mit einer Gesellschaft sehen, in der ungeheure Frustrationen und Belastungen bestehen. Wir leben in einer Zeit, in der viele Leute Schulden haben oder ohne Arbeit sind. Solche Belastungen beeinflussen unweigerlich das Zusammenleben von Mann und Frau.“

      In der Praxis mag das ungefähr so aussehen: Der Mann, hypernervös, kommt von der Arbeit nach Hause. Vielleicht war er schon müde, als er morgens zur Arbeit ging, und mußte mit dem Verkehrschaos fertig werden oder den ohrenbetäubenden Lärm in der U-Bahn ertragen. Im Geschäft ärgerte er sich wiederholt über Kunden oder über den Chef. Doch er mußte seinen Ärger hinunterschlucken. Nun kommt er nach Hause, wird vielleicht sogleich mit dem Geschrei der Kinder oder einer berechtigten Klage seiner Frau konfrontiert, die den ganzen Tag darauf gewartet hat, ihm das sagen zu können. Was geschieht nun? Der frustrierte und hypernervöse Mann explodiert und schlägt zu. Aus Angst, seine Arbeit zu verlieren, durfte er gegen den Chef nicht „vom Leder ziehen“, auch konnte er seine Wut nicht am Verkehrschaos auslassen. Aber wehe der Frau oder den Kindern! Ein Mitarbeiter einer Eheberatungsstelle sagte: „Wenn ein Mann die Fassung verliert, darf er nicht weinen. Es gilt als männlicher, mit der Faust gegen die Wand zu schlagen. Nur ist die Wand manchmal seine Frau.“

      Ihr Ehemänner: Könnt ihr euch vorstellen, daß ihr auf diese Weise eure Frustrationen abreagiert? Ihr Ehefrauen: Glaubt ihr, daß euer Mann so reagieren wurde? Könnte eine heftige Auseinandersetzung ihn dazu veranlassen?

      Mitunter kann schon eine Geringfügigkeit den Mann zum Schlagen provozieren. Das Essen ist nicht pünktlich fertig, die Frau verkündet, die Abendschule besuchen zu wollen oder seinen sexuellen Wünschen nicht entsprechen zu können. Ihr hypernervöser und frustrierter Mann denkt jetzt vielleicht, das sei ein Angriff auf seine Autorität. Er wird wütend und handgreiflich.

      In Sprüche 14:29 heißt es: „Wer langsam ist zum Zorn, hat Fülle von Unterscheidungsvermögen, wer aber ungeduldig ist, erhöht Torheit.“ Viele Männer, die sich dazu hinreißen ließen, ihre Frau zu schlagen, haben hinterher beschämt eingesehen, wie wahr diese Worte sind. Der Mann, der seinen aufgestauten Frustrationen freien Lauf läßt, indem er Frau oder Kinder schlägt, hat gewöhnlich hinterher noch mehr Probleme. Dem ersten Angriff auf die Ehefrau folgt häufig ein zweiter. Bei Aggressionen zwischen Mann und Frau ist es ähnlich wie bei einem Deichbruch: Es fängt klein an und wird immer schlimmer, bis schließlich die Gewalt gleich einer reißenden Strömung in die Ehe eindringt.

      Zwei Jurastudenten befragten geprügelte Ehefrauen sowie zuständige Beamte, die mit dem Problem zu tun haben. Das Ergebnis?

      „Wenn eine Frau von ihrem Mann geschlagen wird, bleibt es gewöhnlich nicht bei dem einen Mal, sondern es wiederholt sich. 95 Prozent der befragten Frauen wurden im ersten Ehejahr von ihrem Mann das erstemal geschlagen, und im Laufe der Zeit schlug der Mann die Frau immer häufiger und immer brutaler. Hätte die Frau nichts unternommen, hätte er sie mit der Zeit totgeprügelt. ... Was zum Angriff auf die Ehefrau führte, war gewöhnlich eine geringfügige Sache, die offensichtlich als Katalysator für eine tiefsitzende Wut oder eine alte Frustration wirkte.“

      Das erste Ehejahr ist besonders kritisch wegen der neuen Belastungen durch die Ehe. Es ist nicht nur so, daß sich die beiden Eheleute aneinander anpassen müssen, sondern der Mann hat jetzt auch höhere Ausgaben. Wird die Frau dann schwanger, so wird die Belastung für ihn noch größer, und außerdem mag er grollen oder eifersüchtig werden, weil sie sich so sehr auf das Kind freut und mit den Vorbereitungen beschäftigt ist, daß sie für ihn weniger Zeit hat.

      Ursache Alkohol?

      In vielen Fällen spielt der Alkohol eine Rolle. In einer Untersuchung hieß es: „In 60 Prozent der Fälle stand der Angreifer zur Zeit der Tat unter Alkoholeinfluß.“ Und der Leiter eines Ehekrisen-Zentrums in Washington, D. C., sagte, daß 80 Prozent der Angriffe auf die Ehefrau unter Alkoholeinfluß unternommen werden.

      Ist der Alkohol die eigentliche Ursache? Vielleicht nicht immer, aber doch in vielen Fällen. Über die Beziehung zwischen Alkoholgenuß und Angriffen auf die Ehefrau schreibt die Psychologin Dr. Lenore Walker: „Er mag als Entschuldigung benutzt werden, aber von einer direkten Ursache und Wirkung kann offenbar nicht die Rede sein.“ Doch in der Bibel heißt es: „Der Wein ist ein Spötter, berauschendes Getränk ist ungestüm, und jeder, der davon irregeht, ist nicht weise“ (Spr. 20:1). Hast du nicht auch beobachtet, daß der Alkohol die Menschen enthemmt, so daß sie laut und unbeherrscht werden? Wenn ein frustrierter Ehemann oder ein Ehemann, der auf seine Frau wütend ist, trinkt, mag die Gefahr, daß er gewalttätig wird, größer sein. Dr. Richard J. Gelles untersuchte das Problem und berichtete:

      „Der Trinker kann eine Handlung, die er im Rausch begeht, damit entschuldigen, daß er in diesem Zustand nicht zurechnungsfähig ist. Mit dem Alkohol kann man sich auch herausreden ..., in der Ehe stimmt alles, schuld an den Schwierigkeiten ist der ,Dämon Alkohol‘.“

      Können wir aus alldem in bezug auf den Alkoholgenuß etwas lernen?

      Gespräch oder Schläge?

      In vielen Fällen ist zu beobachten, daß Eheleute, die handgreiflich werden, schlechte Gesprächspartner sind. Es fällt ihnen schwer, sich gegenseitig zu sagen, was sie empfinden, zum Beispiel, daß sie eifersüchtig sind, sich einsam fühlen, verunsichert sind oder sich fürchten. „Obschon wir in einer Gesellschaft leben, in der sehr viel gesprochen wird“, erklärte der Soziologe Sherod Miller, „haben nur wenige gelernt, wie man mit anderen über heikle Themen spricht.“

      Das ist besonders ein Problem der Männer. „Eine Hauptursache der Gewalt in der Familie“, meinte Jan Peterson vom National Congress of Neighborhood Women, „ist die Unfähigkeit der Männer, mit der Frau in Kommunikation zu treten, es sei denn, indem sie handgreiflich werden.“

      Lernt ein Mann jedoch, in beherrschtem Ton zu sagen, was er empfindet — nicht wütend und ordinär —, wird in seiner Familie eine viel bessere Atmosphäre herrschen, als wenn er tätlich wird. König Salomo sagte: „Von dem Fruchtertrag seines Mundes wird ein Mann Gutes essen, aber die Seele derer, die treulos handeln, sie ist Gewalttat“ (Spr. 13:2).

      Obschon im allgemeinen angenommen wird, daß die Frauen eher sagen, wie sie empfinden, und ihre Empfindungen auch besser in Worte kleiden können, gibt es doch viele Frauen, die ihr Teil zum Kommunikationsproblem beitragen. Familienberater Paul Shaner berichtete, daß geprügelte Frauen es manchmal auf eine „Kraftprobe ankommen lassen“, indem sie schmollen. „Manch eine Frau“, erklärte er, „behauptet, deswegen nichts zu sagen, weil sie sich davor fürchte, etwas Verkehrtes zu sagen, aber der Mann sieht darin eine Methode, ihm zu zeigen, wer der stärkere ist.“ Shaner meinte: „Diese beiden Menschen haben schon sehr lange nicht mehr miteinander gesprochen, schon lange keinen Gedankenaustausch mehr gepflegt.“ Wenn du verheiratet bist, so frage dich: „Pflegen wir in unserer Ehe das Gespräch?“

      Gewalttätige Frauen

      Man ist es gewohnt, zu hören, daß Männer ihre Frau schlagen. Kommt aber auch der umgekehrte Fall vor? Lassen sich Frauen zu Tätlichkeiten gegen ihren Ehemann hinreißen und tragen dadurch zu dem Problem der Gewalt in der Familie bei? Ja!

      „Das am wenigsten bekannte Verbrechen ist nicht der Angriff auf die Ehefrau“, schrieb die Soziologin Suzanne Steinmetz, „sondern der Angriff auf den Ehemann. ... Wenn es um leichtere Attacken geht, wie Ohrfeigen, Schlagen und Boxen, kann man keinen geschlechtsspezifischen Unterschied feststellen. Ein Grund des Phänomens der geprügelten Frau ist nicht der Umstand, daß die Männer aggressiver sind, sondern daß sie in der Regel körperlich stärker sind und mehr Schaden anrichten können.“

      Man hört auch weniger von geprügelten Ehemännern, weil viele nicht zur Polizei laufen mögen (oder die Polizei anrufen wollen), um einem stämmigen Wachtmeister zu sagen: „Meine Frau verprügelt mich.“ Doch viele Frauen tun es tatsächlich. Der Ehemann mag kleiner, älter, schwächlich oder sogar krank sein. Und selbst wenn er kräftig genug wäre, um sich zu verteidigen, mag er sich aus Ritterlichkeit zurückhalten oder weil er befürchtet, seine Frau schwer zu verletzen, wenn er sich gehenließe.

      Manch eine Frau, die die Brutalität ihres Mannes anprangert, ignoriert ihre eigene Schuld. Zum Beispiel mag eine Frau erfahren, daß ihr Mann ein Bankkonto eröffnet hat, das nur auf seinen Namen lautet statt auf beider Namen. In dem Streit, der sich nun entwickelt, ohrfeigt sie ihn. Einige Wochen später ist sie diejenige, die einen Fehler begeht, indem sie ihn beschimpft oder sich ihm verweigert, was dazu führt, daß er sie schlägt. Zwar mag ihr Körper blaue Flecken aufweisen, aber haben sich nicht beide zu Gewalttätigkeiten hinreißen lassen? Man erinnere sich an Connies Fall, über den auf Seite 6 berichtet wurde. Die Gewalttätigkeit einer Frau mag wie der Funken in einem Pulverfaß sein.

      Wie reagiert eine Ehefrau, wenn ihr Mann, der stärker ist als sie, sie mißhandelt? In vielen Fällen benutzt sie als Kampfmittel, was sie gerade erwischt: einen Kochtopf, eine Vase, ein Messer oder ein Nudelholz. Ein Beispiel ist der Fall der 1,55 Meter großen Roxanne Gay, die nur 50 Kilogramm wiegt. 1977 berichtete die Presse, daß sie wiederholt die Polizei gerufen habe, weil ihr Mann sie grausam verprügelte. Ihr Mann war der wuchtige Footballprofi Blenda Gay, der 1,95 Meter groß war und fast 120 Kilogramm wog. Bei einem Streit griff die kleine Frau schließlich nach einem Messer und stieß es ihm in den Hals. Als die Polizei kam, lag er tot in einer Blutlache.

      Was kann getan werden?

      Wir haben jetzt einiges kennengelernt, was zu dem Problem der geprügelten Ehefrauen oder Ehemänner führt. Die Wurzel des Problems ist menschliche Unvollkommenheit, was bedeutet, daß jeder von uns in Gefahr ist, gewalttätig zu werden. Wer seine Gefühle wie Eifersucht oder Groll nicht beherrscht, befindet sich ebenfalls in Gefahr, sich zu Tätlichkeiten hinreißen zu lassen. Zu Gewalttätigkeiten in der Familie kommt es häufig unter dem Einfluß von Alkohol.

      Es ist wichtig, die Ursachen der Gewalt in der Familie zu kennen; aber das ist nicht alles. Weil das Problem so weit verbreitet ist, müssen wir uns bemühen, es entweder zu verhüten oder es zu lösen. Folgende Fragen sind angebracht: Wie sollten wir uns verhalten, wenn wir merken, daß wir wütend werden? Welche Rolle spielt dabei unsere Ansicht über Alkohol, Geld oder unsere Arbeit? Wenn unsere Familie bereits eine Gewaltfamilie ist, wäre eine Scheidung dann die beste Lösung? Kann die Bibel Personen helfen, ihre Persönlichkeit zu ändern und zu lernen, anders zu reagieren? Diese Fragen werden in den folgenden Artikeln behandelt.

      [Herausgestellter Text auf Seite 10]

      „In den Fällen von Gattenmord waren 52 Prozent der Opfer Frauen und 48 Prozent Männer“ (Verbrechensstatistik des FBI).

      [Herausgestellter Text auf Seite 11]

      „Manche Frauen provozieren ihren Mann. Das ist zwar nicht immer der Fall, aber ich glaube, daß es die Regel ist. Ich kenne viele Ehemänner, die erst zurückschlugen, nachdem sie von ihren Frauen mehrmals geschlagen worden waren“ (Dr. Marguerite Fogel).

  • Kinder aus Gewaltfamilien
    Erwachet! 1979 | 8. August
    • Kinder aus Gewaltfamilien

      „JEDES Jahr werden 6,5 Millionen Kinder von ihren Eltern oder anderen Familiengliedern mißhandelt ... Tausende von Kindern werden alljährlich von ihren Eltern so schwer geschlagen, daß sie ärztlich betreut werden müssen. Weitere 700 000 erhalten nicht die nötige Nahrung und Kleidung sowie das nötige Obdach, und 60 000 bis 100 000 werden sexuell mißbraucht“ („U.S. News & World Report“, 15. Januar 1979).

      Kindesmißhandlungen sind ein trauriges Kapitel. Manchmal werden Kinder von ihren Eltern mißhandelt, weil sie sich nicht wehren können, wenn die Eltern ihre Frustrationen, ihre Eifersucht oder ihre Wut an ihnen abreagieren. In vielen anderen Fällen mißhandeln Eltern die Kinder jedoch, wenn es darum geht, sie zu züchtigen. Zucht ist aber unerläßlich. Der weise und liebevolle Urheber der Familie gibt den Rat: „Züchtige deinen Sohn, während es Hoffnung gibt.“ „Die Rute und Zurechtweisung sind das, was Weisheit gibt; aber ein Knabe, dem freier Lauf gelassen wird, wird seiner Mutter Schande bereiten“ (Spr. 19:18; 29:15).

      Der Psychologe D. J. Madden, der sich mit dem Problem der Kindesmißhandlung befaßte, stellte fest, daß „man Kinder entmutigt, wenn man sie zu streng bestraft; sind die Eltern aber zu nachsichtig, haben die Kinder das Gefühl, sie kümmerten sich nicht um sie“. Er erklärte „Die Kinder erwarten, daß die Eltern Entscheidungen treffen. Tun die Eltern das nicht, kommen dem Kind Zweifel, ob es sich auf seine Eltern verlassen kann. Nimmt das Kind die Sache dann selbst in die Hand, kann es sein, daß die Eltern gehorchen müssen.“

      In der „Erwachet!“-Ausgabe vom 22. Oktober 1976 wurde das Thema der Kindesmißhandlung eingehend besprochen und auch gezeigt, was Eltern tun können, damit sie, wenn sie ihren Kindern die erforderliche Strafe erteilen, keine Kinderquäler werden.

      Wir möchten uns nun mit der Frage befassen, wie es sich auf die Kinder auswirkt, wenn sich die Eltern gegenseitig verprügeln. Nehmen sich Kinder, die das miterleben, fest vor, später, wenn sie erwachsen sind, anders zu handeln?

      Wenn ein Kind miterlebt, wie die Mutter den Vater oder der Vater die Mutter schlägt, prägt sich das tief in seinem Gedächtnis ein. Später, wenn es als Erwachsener Wut bekommt, neigt es dazu, das

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