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  • Was will die Frauenbefreiungsbewegung?
    Erwachet! 1972 | 22. August
    • Was will die Frauenbefreiungsbewegung?

      „AMERIKAS Frauen sind heute in Aufruhr, sie sind unbefriedigt, innerlich zerrissen und machen eine tiefgehende Wandlung durch.“

      Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die unter Männern und Frauen durchgeführt worden ist. Es spiegelt eine Stimmung wider, die unter den Frauen in verschiedenen Ländern der Welt, insbesondere in den Vereinigten Staaten, um sich gegriffen hat.

      Soll das heißen, daß früher alle Frauen mit ihrem Los zufrieden gewesen sind? Nein, denn schon vor Jahrhunderten haben sich viele Frauen über ihr Los beklagt. Worin unterscheidet sich denn die heutige Situation?

      Verhältnismäßig neu ist, daß die Klagen fast jeden Aspekt des Lebens betreffen und daß so beharrlich protestiert wird. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre haben sich viele Frauen-Zellen oder Feministengruppen gebildet, die wie nie zuvor für ihre Sache agitieren. Sie fordern jetzt Änderungen, durch die Zustände beseitigt werden sollen, die sie als weitverbreitete Ungerechtigkeiten gegen das weibliche Geschlecht bezeichnen. Sie sagen, die Zeiten wären vorbei, in denen sie diese Ungerechtigkeiten klaglos erduldeten.

      In Amerika wird diese Bewegung „Women’s Liberation“ oder „Befreiung der Frauen“ genannt. In einem Wörterbuch wird der Ausdruck Befreiung als „in Freiheit setzen (von Gefangenen), aus einem abhängigen Zustand befreien, so daß voller Rechtsgenuß und Gleichstellung mit den übrigen Staatsbürgern erlangt wird“, definiert. Personen, die sich für die Befreiung oder Emanzipation der Frau einsetzen, werden in den Vereinigten Staaten „Feministen“ genannt.

      Was für Freiheiten fordert die Frauenbewegung? Die verschiedenen Gruppen sind sich darin nicht in allen Einzelheiten einig, doch gibt es gewisse Hauptpunkte, die von fast allen unterstützt werden. Dazu gehört ihre Ablehnung, nur als Objekt, das der sexuellen Befriedigung der Männer zu dienen habe, behandelt zu werden anstatt als Mensch. Männer, die die Frauen als das betrachten, werden „Sexisten“ genannt. Diese Frauen sind auch dagegen, daß gemeinhin oder blindlings geglaubt wird, die Männer seien den Frauen überlegen.

      Ferner wehren sich diese Frauen dagegen, daß eine Frau, die die gleiche Arbeit wie ein Mann verrichtet, dafür schlechter bezahlt wird als der Mann. Sie erachten es ferner als unfair, daß gewisse Berufe und Ämter ausschließlich Männern vorbehalten sind.

      Einige der Frauen fordern auch Gleichberechtigung in der Familie. Sie verlangen, daß Mann und Frau sich in die Hausarbeit teilen, so daß die Frau einem Beruf nachgehen kann. Die Hausarbeit ist in ihren Augen eine „niedrige“ Arbeit, und sie würden lieber einen Beruf ausüben, den sie als interessanter, attraktiver oder gar als „glamouröser“ betrachten.

      Viele Frauen fordern das Recht, sich für eine Abtreibung zu entscheiden, um eine unerwünschte Schwangerschaft loszuwerden. Sie sind der Meinung, das würde verhindern, daß sie in die Sklaverei einer anderen Person, des unerwünschten Kindes, kämen.

      Ferner fordern sie, daß der Staat Kinderbewahrungsanstalten schaffe. Mütter, die für den Unterhalt einer Familie sorgen müssen, benötigen jemand, der ihre Kinder betreut. Sie würden lieber für einen anständigen Lohn arbeiten gehen, als kärglich von der Fürsorge zu leben. Sie müssen aber ihre kleinen Kinder irgendwo unterbringen können.

      Zehntausende von Frauen haben in verschiedenen Städten demonstriert und ihre Forderungen bekanntgemacht. In New York „besetzten“ etwa sechzig Frauen die Freiheitsstatue und befestigten daran ein Banner, auf dem die Worte standen: „Frauen der ganzen Welt, vereinigt euch!“ Eine dieser Frauen erklärte, man habe die Freiheitsstatue dafür gewählt, weil „es eine Ironie“ sei, „daß die Freiheit ausgerechnet durch eine Frau versinnbildet“ werde, „obschon wir in Wirklichkeit nicht frei sind“.

      In den Niederlanden verbrannte eine Gruppe Frauen vor dem Denkmal einer berühmten holländischen Frauenrechtlerin ein Korsett. Darauf drangen sie in einen öffentlichen Waschraum für Männer ein, um ihre Beschwerde zu dramatisieren, daß es keine solchen Waschräume für Frauen gäbe. An Straßenecken pfiffen sie Männern zu und machten ungeniert Bemerkungen über ihr Aussehen. Die Niederländerinnen forderten gleiche Löhne für gleiche Arbeit wie die Männer, daß Mann und Frau sich in die Hausarbeit teilen, das Recht auf Abtreibung, Sexualerziehung in den Schulen und die Anti-Baby-Pille für Teenager.

      Norwegerinnen schockierten die Männer ihres Landes dadurch, daß viele von ihnen bei den Kommunalwahlen weibliche Kandidaten wählten. So kam es, daß die Frauen nach den Wahlen in mehreren Städten im Stadtrat in der Mehrheit waren. In zwei der größten Städte Norwegens war das zum Beispiel der Fall.

      Meinungsverschiedenheiten

      Die Frauenbefreiungsbewegung ist aber keine geeinte, internationale Bewegung, die zentral geleitet wird. Sie besteht aus vielen Gruppen und einzelnen Kämpfern; und diese sind sich alles andere als einig. Große Meinungsverschiedenheiten bestehen zwischen den Frauen verschiedener Länder und Rassen. Sogar unter den Frauen eines Landes oder einer Rassengruppe gehen die Meinungen stark auseinander.

      Die einen suchen zum Beispiel, Frauen in einflußreiche Positionen in der heutigen Gesellschaft zu bringen, indem sie mit dem „Establishment“ zusammenarbeiten. Andere dagegen möchten, daß die gegenwärtige Gesellschaftsordnung durch eine ganz andere ersetzt würde. Während die einen darauf aus sind, Gleichberechtigung in der Ehe zu erlangen, lehnen andere die Ehe ganz ab. Manche fordern die uneingeschränkte sexuelle Freiheit, wozu auch gehören würde, daß Homosexualität zwischen Frauen (lesbische Liebe) und Homosexualität zwischen Männern akzeptiert würde. Andere sind jedoch gar nicht für eine solche sexuelle Freiheit.

      Die Feministen sind sich auch nicht im klaren darüber, welchen politischen Kurs sie einschlagen sollten. Im National Observer konnte man über die Zusammenkünfte von Feministen lesen: „In den Werkstätten wurde lebhaft diskutiert. In der einen geriet eine Gruppe junger Frauen ... über Fragen der politischen Verfahrensweisen und der politischen Strategie in eine hitzige Debatte mit älteren Delegierten.“ Eine Frau protestierte mit den Worten: „Ich bin nicht tausend Kilometer weit gereist, um zu streiten.“

      Meinungsverschiedenheiten sind keine Seltenheit, dennoch weisen die Frauen warnend darauf hin, daß man die Tiefe ihrer Gefühle nicht unterschätzen sollte. Andere stimmen zu. Der National Observer schrieb: „Jeder, der die Frauenbefreiungsbewegung bisher nicht ernst genommen hat, sollte sie jetzt ernst nehmen.“

      Das ist so, weil die Feministen, obschon sie sich in manchem nicht einig sind, in wichtigen Fragen doch übereinstimmen. In Europa zum Beispiel empören sich die Frauen über die gleichen Dinge wie in den Vereinigten Staaten: Die Frau werde als zweitrangiger Bürger betrachtet, und auf dem Gebiet der Ehe, der Erziehung, der beruflichen Ausbildung und der Berufschancen werde sie diskriminiert. Auch sie fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Reform der Abtreibungsgesetze, Kindergärten und Kindertagesstätten.

      Sind die Vorwürfe der Feministen zutreffend? Ist etwas Wahres daran? Ist das, was sie sagen, berechtigt?

  • Sind ihre Beschwerden berechtigt?
    Erwachet! 1972 | 22. August
    • Sind ihre Beschwerden berechtigt?

      MAN könnte jetzt die Frauenbefreiungsbewegung lediglich als ein Werk von Frauen abtun, die gerne klagen. Viele Männer tun das auch.

      Ein weiser Mensch schrieb jedoch einmal: „Wenn irgendeiner auf eine Sache eine Erwiderung gibt, ehe er sie angehört hat, so ist es ihm Torheit und Demütigung.“ — Spr. 18:13.

      Wenn du irgendwo Schmerzen hättest, wärest du dann mit einem Arzt zufrieden, der dich mit dem Hinweis wegschicken würde, du würdest nur gerne klagen? Oder möchtest du, daß er dich gründlich untersucht und dir sagt, was die Schmerzen verursacht und ob man etwas dagegen tun kann?

      Ein weiterer biblischer Grundsatz lautet: „Wer irgend sein Ohr vor dem Klageschrei des Geringen verstopft, der wird auch selbst rufen und keine Antwort erhalten.“ — Spr. 21:13.

      Wer daher weise ist, hört zu. Er wägt die Tatsachen ab, um festzustellen, ob eine Klage berechtigt ist oder nicht. Dann handelt er entsprechend.

      Welche Ursache für Klagen?

      Wenn man die Geschichte vorurteilslos prüft, muß man zugeben, daß die Frauen viele Gründe zur Klage gehabt haben.

      In der Vergangenheit lag die politische, wirtschaftliche und religiöse Macht vorwiegend in der Hand von Männern. Das Ergebnis war eine ständige Wiederholung von Unmenschlichkeiten. So kann man in dem Werk World Book Encyclopedia über den Zweiten Weltkrieg folgendes lesen: „Die Zahl der Todesopfer — Zivilpersonen und Soldaten — ist auf 55 Millionen geschätzt worden. ... Die größten Verluste erlitt die Zivilbevölkerung. ... durch Bombardierung, Massaker, zwangsweise Umsiedlung, Epidemien und Hunger.“

      Man kann natürlich nicht sagen, es wäre anders gewesen, wenn die Frauen alles hätten entscheiden können. In Ländern, in denen Frauen regiert haben, sind die Verhältnisse nicht besser gewesen. Man lese, was die Geschichte über Kleopatra, Königin von Ägypten, über Zenobia von Palmyra, über Maria I. („die Blutige“), Königin von England, oder über Maria Stuart, Königin von Schottland, zu berichten weiß. Dann wird man feststellen, daß es den Völkern unter der Herrschaft dieser Frauen nicht besser erging.

      Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, daß in erster Linie Männer für die Kriege verantwortlich gewesen sind. Auch die Kriegswaffen sind größtenteils Erfindungen von Männern. Die Frauen mußten es erleben, daß ihre Häuser zerstört und ihre Angehörigen getötet oder zu Krüppeln wurden. Und wenn sich Armeen über ein Land ergossen, wurden Millionen Frauen unmenschlich behandelt. Unzählige wurden vergewaltigt.

      Aber man kann auch fragen: Wenn ein Krieg ausbricht, protestieren dann die Frauen der beiden kriegführenden Parteien lautstark gegen das blutige Werk? Unterstützten zum Beispiel in den beiden Weltkriegen die deutschen Frauen nicht genauso eifrig den Krieg wie die englischen oder die amerikanischen? Wann hast du das letzte Mal davon gehört, daß die Mehrzahl der Frauen sich weigerte, die Kriegsanstrengungen ihres Landes zu unterstützen? Unter den Befürwortern gewisser Kriege haben sich besonders Frauen hervorgetan.

      Es ist allerdings Tatsache, daß im Laufe der Jahrhunderte in manchen Ländern die Frauen nicht viel besser als Tiere oder Sklaven behandelt worden sind. Bei gewissen Völkern mußte die Frau beim Tode ihres Mannes Selbstmord begehen, bei anderen mußte sie sich künstlich die Füße verkrüppeln, oder sie durfte nicht am gleichen Tisch wie ihr Mann essen, oder sie wurde dem Meistbietenden verkauft, ganz gleich, was sie empfand. Und selbst in Friedenszeiten werden jedes Jahr Tausende von Frauen vergewaltigt. Es kann nicht bestritten werden, daß die Frauen in vielerlei Hinsicht bedrückt werden.

      Sogar in Ländern mit einer „fortschrittlichen“ Gesellschaft werden die Frauen heute in gewisser Hinsicht diskriminiert. Die New York Times schrieb: „Das amerikanische Recht, das in einer mittelalterlichen Gesellschaft wurzelt, die die Frau als Vieh betrachtete, mit Zusätzen, die von Generationen männlicher Gesetzgeber und Richter stammen, enthält vieles, was man nicht gerade als Gleichstellung des weiblichen Geschlechts mit dem männlichen auf dem Gebiet des Rechtsschutzes bezeichnen kann.“

      Im Staate New York können Mädchen, für die Schutzaufsicht angeordnet wird, bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres eingesperrt werden, Jungen dagegen nur bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres. Sally Gold, Rechtsanwältin und Mitarbeiterin des Amtes für Verbraucherangelegenheiten, sagte, daß „ein sechzehnjähriges Mädchen ..., das mit verschiedenen Männern intime Beziehungen hat, für vier Jahre in ein Erziehungsheim getan werden kann“. „Für Jungen besteht eine solche Bestimmung nicht“, sagte sie. Ein sechzehn Jahre alter Jugendlicher, der mit verschiedenen Freundinnen intime Beziehungen hat, geht straflos aus.

      Die Familie

      Viele Frauen sind mit ihrer Rolle in der Familie nicht zufrieden. Sind ihre Beschwerden berechtigt? Urie Bronfenbrenner, Psychologe an der Cornell-Universität, sagte:

      „Ich habe sehr viel Verständnis für den Zorn und die Frustration, die in der Frauenbefreiungsbewegung zum Ausdruck kommt. Die Frauen werden nicht nur in der sogenannten Welt der Männer diskriminiert, sondern sie genießen in ihrer Rolle als Frau auch nicht mehr die Achtung wie früher.

      Früher wurde eine Mutter von ihren Nachbarn geachtet, wenn sie ihre Kinder gut erzogen hatte. Heute hat die Mutter immer noch die Aufgabe, die Kinder zu erziehen, aber sie wird dabei nicht genügend unterstützt oder erntet nicht genügend Anerkennung. Ihr Mann ist meist nicht zu Hause, und zu ihren Nachbarn steht sie vielfach in keinem freundschaftlichen Verhältnis.

      Die Situation, die wir schaffen, bewirkt, daß sich die Frauen in beiden Welten unterdrückt fühlen.“

      Viele Väter wälzen die Pflicht, ihre Kinder zu erziehen, auf die Mutter ab. Das hat zur Folge, daß die Mutter Dinge entscheiden und erledigen muß, die der Mann entscheiden und erledigen sollte. Darüber schrieb die Zeitschrift Look:

      „Man wirft der Amerikanerin vor, sie habe ihren Mann der Stellung als Familienoberhaupt beraubt. Sie widerlegt diesen bekannten Vorwurf mit dem Gegenargument, daß sie kaum eine Familie kenne, in der die Frau sich nicht bemühe — umsonst —, den Mann dazu zu bringen, wichtige Dinge im Leben der Kinder zu entscheiden, sie in Zucht zu nehmen, seinen Söhnen ein Beispiel zu geben, dem sie nacheifern können. ...

      Aus freien Stücken und trotz der Proteste seiner Frau überläßt er wichtige Entscheidungen im Leben seiner Kinder der Frau — z. B. Entscheidungen bezüglich der Ausbildung, der Aufklärung sowie der religiösen und sittlichen Erziehung. Er sagt, sie ,wisse darüber mehr‘ als er, aber obschon er das sagt, ist er gleichzeitig davon überzeugt, daß seine Frau ihn der Autorität in der Familie beraubt.“

      Weil so viele Männer ihre Familienpflichten nicht erfüllen, sagen einige Feministen, die Familieneinrichtung sei veraltet und sollte aufgegeben werden. Würde dadurch die Situation gerettet? Dr. Paul Popenoe vom amerikanischen Institut für das Familienleben sagte: „Bisher hat noch keine Gesellschaft den Verfall des Familienlebens überlebt.“ Harvard-Professor Carl Zimmerman em. sagte über den Verfall der Familie im alten Griechenland und Rom: „In jedem Fall war der Wandel in der Ansicht und in der Auffassung über die Familie verbunden ... mit gewaltigen Krisen in den Kulturen selbst.“

      Wenn man die Familie als Lebensform aufgäbe, würde man „das Kind mit dem Bade ausschütten“. Die Tatsache, daß es viele glückliche Familien gibt, die ihre Probleme meistern, zeigt, daß der Fehler nicht an der Familieninstitution liegt. Er liegt bei den Menschen, die zu selbstsüchtig oder nicht bereit sind, ihre Aufgabe zu erfüllen.

      Gleichstellung der Frau

      Die Frau erhält fast in jedem Beruf nicht den gleichen Lohn wie der Mann, auch wenn sie die gleiche Arbeit verrichtet wie er. Das ist besonders für solche Mütter hart, die die alleinigen Ernährer der Familie sind.

      Wegen dieser Diskriminierung verlangen manche Frauen jetzt absolute Gleichstellung mit den Männern auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit. Doch welches wären die Konsequenzen, wenn eine völlige Gleichstellung erzwungen würde?

      Wenn die Frauen den Männern völlig gleichgestellt wären, würden die Frauen vom Staat zum Kriegsdienst eingezogen; sie müßten dann in Kriegszeiten im Feld, im Dschungel oder in Schützengräben kämpfen. Als Gloria Emerson, eine Korrespondentin der New York Times, einmal in Khesanh (Süd-Vietnam) war, erlebte sie einen Bombenangriff der nordvietnamesischen Truppen auf jenes Gebiet. Sie suchte Zuflucht in einem Bunker, der von amerikanischen Soldaten besetzt war. Danach sagte sie: „In jenem Augenblick, da ich als einzige Frau unter diesen Männern war, erfuhr ich eine solche Gleichstellung, wie ich sie nie angestrebt hatte. Ich hätte das Grauen, das mich packte, gerne mit den supermodernen Befürworterinnen der Befreiung der Frau geteilt.“

      Völlige Gleichstellung der Frau mit dem Mann würde bedeuten, daß vernünftige Gesetze abgeschafft würden, die die Frauenarbeit regeln. Ist es wirklich dein Wunsch als Frau, den Männern gleichgestellt zu werden und Seite an Seite mit ihnen Hunderte von Metern unter Tage Kohlen abzubauen, sofern dein Mann sich mit dir in die Hausarbeit teilen würde? Möchtest du, sofern dein Mann Landwirt wäre, gemeinsam mit ihm pflügen und Mist ausfahren, wenn er dir dann beim Kochen und Putzen helfen würde? Ziehst du das wirklich vor?

      Dennoch gibt es Frauen, die behaupten, es sei unfair, von ihnen zu erwarten, stets „langweilige“ Hausarbeit zu tun. Andere Frauen reizt es jedoch, den Haushalt zu führen, zu kochen, die Wohnung nett einzurichten und zu schmücken sowie dazu beizutragen, das Denken ihrer Kinder zu formen. Viele Männer könnten Frauen, die das langweilig finden, fragen: Wie viele Büroangestellte oder Fabrikarbeiter können sagen, ihre Arbeit sei „glamourös“ oder „spannend“? Die meisten Arbeiten sind eintönig, entmutigend und unbefriedigend. Die Männer haben gewöhnlich eine starre Arbeitszeit, und wenn sie sich nicht genau daran halten, gefährden sie ihren Arbeitsplatz. Viele dieser Männer beneiden ihre Frauen zu Hause, die sich ihre Arbeit nach eigenem Gutdünken einteilen können.

      Wie viele der berufstätigen Ehefrauen und Mütter, die du persönlich kennst, wären auch dann berufstätig, wenn sie den zusätzlichen Verdienst nicht brauchten? Sehr wenige Frauen ziehen die Eintönigkeit einer starren Arbeitszeit dem Hausfrauendasein vor. Frage Ehefrauen und Mütter, die einer Berufsarbeit nachgehen müssen, und du wirst sehen, daß das so ist.

      Vor kurzem wurde eine Anzahl Frauen darüber befragt. Einundsiebzig Prozent der Befragten vertraten die Meinung, „einen Haushalt zu führen und Kinder großzuziehen sei befriedigender als außerhäusliche Berufsarbeit“, während 16 Prozent anderer Meinung waren.

      Sexobjekte

      Behandeln die Männer die Frauen lediglich als Sexobjekte? Leider behandeln viele Männer die Frauen als das. Solche Männer interessieren sich nur für die Frauen, weil sie ihnen sexuelle Befriedigung ermöglichen.

      In Filmen, Zeitschriften und auf Anzeigen sieht man Frauen in zweideutigen Situationen oder Stellungen. Wer trägt die Schuld? Meistens sind Männer für die Herstellung verantwortlich.

      Doch wer zwingt die Frauen, solche Rollen zu spielen oder sich in solchen Stellungen fotografieren zu lassen? Man wird feststellen, daß fast alle diese Frauen es aus freien Stücken tun.

      Vor kurzem wurde bekannt, daß Studentinnen an der Wayne-Universität in Detroit (USA) sich von Männern nackt fotografieren ließen. Ihr Entgelt betrug für dreißig Minuten 15 Dollar; die Mädchen bezeichneten das als „Arbeit, um ihr Studium selbst zu bezahlen“. Viele andere Mädchen haben jedoch gearbeitet, um ihr Studium selbst zu bezahlen, ohne dabei ihren Körper zu verkaufen.

      Somit lassen die Frauen sich auf „sexistische“ Weise gebrauchen. Sie werden aus freien Stücken Prostituierte. Sie lassen sich bereitwillig für unsittliche Zwecke fotografieren. Und viele Frauen tragen herausfordernde Kleidung, zum Beispiel sehr kurze Röcke. Ein großer Teil der Frauen trägt somit viel dazu bei, daß die Männer „sexistisch“ sind.

      Damit in Verbindung steht auch die Tatsache, daß Frauen durch dilettantische Abtreibungsversuche verletzt oder getötet worden sind, weil die Abtreibung in den meisten Ländern immer noch verboten ist. Deshalb fordern viele Frauen jetzt, daß die Gesetze gegen die Abtreibung abgeschafft werden. Aber wo liegt der Fehler? Ist das Gesetz wirklich im Unrecht, wenn es dem ungeborenen Kind eine Lebenschance geben will? Vergiß nicht, daß auch du einst im Leibe deiner Mutter warst. Hätte deine Mutter das gesetzliche Recht erhalten sollen, dich abzutreiben?

      Die Zeitschrift Science News vom 18. Dezember 1971 schrieb: „Jetzt kann man ganz genau erkennen, wer in erster Linie eine unerwünschte Schwangerschaft loswerden will ..., die häufigste Patientin ist die junge ledige Weiße, die das erstemal schwanger ist.“ Diese Mädchen mißachteten die göttlichen Gesetze, die Hurerei verbieten, und wurden schwanger. Wer war schuld — das ungeborene Kind? Warum den Unschuldigen strafen, dabei einen Mord begehen und dann verlangen, daß der Mord für gesetzlich erklärt werde?

      Protest gegen einen „maskulinen“ Gott

      Es wird auch gefordert, daß die Gleichstellung sogar die Hinweise auf Gott einbeziehe. Mary Daly, Professor der Theologie am Boston College, sagte: „Für uns Frauen ist Gott so lange tot, solange man ihn ausschließlich als männlich darstellt.“

      Dr. Margaret Mead, die berühmte amerikanische Anthropologin, geht mit dieser Meinung nicht einig. Die New York Times berichtete darüber folgendes:

      „Dr. Margaret Mead erklärte gestern, daß sie ihr ganzes Leben für die Gleichstellung der Frau gewirkt habe, daß sie aber ‚als Gelehrte kein Verständnis für den großen Unsinn‘ aufbringe, den, wie sie sagte, Mitglieder der Frauenbefreiungsbewegung zum besten gegeben hätten. ...

      ,Was, zum Donnerwetter, wird dadurch erreicht, daß man sagen will, „sie ist Gott“, anstatt „er ist Gott“?‘ fragte sie. ,Dadurch verärgert man doch nur die Leute, und wir erreichen gar nichts. Durch eine solche Änderung erreicht man nur das Gegenteil.‘“

      Solchen Unsinn zu fordern trägt nur Verachtung ein und lenkt die Aufmerksamkeit von wirklichen Ungerechtigkeiten ab. Wenn solche Albernheiten gefordert werden, mögen Beobachter leicht auch andere Forderungen

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