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Ist Welteinheit endlich in Sicht?Erwachet! 1979 | 22. Mai
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Ist Welteinheit endlich in Sicht?
DROGEN
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WELTEINHEIT! Die Verwirklichung dieses Zieles wäre für die ganze Menschheit eine große Wohltat. Sind bereits Ansätze dafür vorhanden? Oder ist die Welteinheit sogar schon in Sicht?
Globetrotter können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, mit den Währungen der verschiedenen Länder klarzukommen. Sie müssen vielleicht Deutsche Mark in italienische Lire, dann in japanische Yen, später in englische Pfunde und schließlich vielleicht noch in amerikanische Dollars umtauschen, wobei sie stets auszurechnen versuchen, was dieses oder jenes in „ihrer Währung“ kosten würde. Das zeigt, wie vorteilhaft sich die Welteinheit allein schon auf die Währung auswirken würde.
Oder man denke an die endlosen Paß- und Zollkontrollen. Wie unangenehm und zeitraubend sie doch sind! Das alles würde wegfallen, wenn die Welt geeint wäre. Niemals mehr würde man den Befehl hören: „Öffnen Sie bitte Ihren Koffer!“ Man würde nicht mehr gefragt: „Wie lange beabsichtigen Sie zu bleiben? Wohin fahren Sie?“ oder sogar: „Was ist der Zweck Ihres Besuches?“ Solche Fragen erwecken den Eindruck, gar nicht erwünscht zu sein.
Natürlich sind das Kleinigkeiten im Vergleich zu den GROSSEN Problemen, die es nicht mehr gäbe, wenn die Welt geeint wäre. Politische Streitigkeiten würden der Vergangenheit angehören; man würde sich nicht mehr ständig kritisieren und verleumden, was bisher häufig zu Einschränkungen des Handels und des Zahlungsverkehrs oder gar zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen und gelegentlich sogar zu Krieg geführt hat und damit zu Not und Elend, was allen Beteiligten hätte erspart werden können.
Welche Unsummen, die gegenwärtig für die Verteidigung aufgewendet werden, könnten für andere Zwecke ausgegeben werden, wenn die Völker miteinander in Frieden leben würden! Diese Mittel würden ausreichen, um jedem einzelnen den Besitz eines schönen Heims zu ermöglichen und für jeden menschenwürdige Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Unwirtliche Gegenden könnten bewohnbar gemacht, Straßen und Krankenhäuser könnten gebaut und das Bildungswesen könnte verbessert werden. Die Liste der Möglichkeiten ließe sich endlos verlängern.
Da eine geeinte Welt so viele Vorteile hätte, ist es verständlich, daß immer wieder Versuche unternommen wurden, dieses Ziel zu realisieren. Einige dieser Versuche waren sogar von Erfolg gekrönt. In einigen Fällen haben sich eine Anzahl Völker zu großen Staatsgebilden vereinigt. Beispiele dafür sind das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das Britische Reich und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.
Weitere Einigungsbestrebungen, die allerdings nicht unbedingt auf eine politische Einigung abzielten, haben bei den Völkern, die sich zusammenschlossen, zu einer größeren Einheit im Denken und Handeln geführt. Als Beispiel seien die Arabische Liga und die Vereinten Nationen erwähnt.
Nicht wenige halten die Welteinheit jedoch für eine Utopie. Sie weisen darauf hin, daß sogar das Heilige Römische Reich und das Britische Reich zerfielen. Selbst gutfundierte Bundesregierungen haben Schwierigkeiten, die Einheit ihres Landes zu wahren. So will zum Beispiel die kanadische Provinz Quebec selbständig werden und bereitet durch ihre Forderung der kanadischen Bundesregierung große Probleme.
Obschon die Welteinheit etwas Wünschenswertes ist, gibt es doch auch starke Kräfte, die dagegenwirken. Abba Eban, ehemaliger Außenminister des Staates Israel, sagte einmal: „Das Paradoxe an unserer Zeit besteht darin, daß einerseits die Zahl der kleinen Staaten zunimmt, während man andererseits bestrebt ist, Staaten zu größeren Gebilden zusammenzuschließen. Beispiele dafür sind die Vereinten Nationen, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die Organisation der Amerikanischen Staaten und die Organisation für Afrikanische Einheit.“ Die Entwicklung in den 14 Jahren, die seither vergangen sind, gibt ihm recht, denn in dieser Zeit sind viele neue Staaten entstanden: Angola, Bangladesch und Botswana, um nur drei zu nennen. Auch die Zahl der UN-Mitglieder ist größer denn je — 150.
Ist es angesichts des starken Trends zum Nationalismus realistisch, von Welteinheit zu sprechen? Ja, das ist es. Wir sind der Meinung, daß die Welteinheit nicht nur wünschenswert und realisierbar ist, sondern daß sie sogar unumgänglich ist. Auch meinen wir, daß eine solche Einheit für die Menschen Wohltaten zur Folge haben wird, von denen man sich heute noch gar keine Vorstellung zu machen vermag.
Doch die Frage bleibt bestehen: Wie soll diese Einheit erzielt werden? In Europa bewertet man vielleicht die Erfolge, die man bei den Bemühungen, Europa zu einigen, erzielt hat, als einen Schritt in die rechte Richtung. Angenommen, das Ziel würde erreicht, wäre das dann vielleicht der große Durchbruch, durch den die Welteinheit endlich in Sicht käme? Wir wollen sehen.
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„Vereinigte Staaten von Europa“ — Ein Schritt in die richtige Richtung?Erwachet! 1979 | 22. Mai
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„Vereinigte Staaten von Europa“ — Ein Schritt in die richtige Richtung?
JAHRHUNDERTELANG war Europa kultureller Mittelpunkt der Welt. Europa erlebte die Renaissance — eine Wiedergeburt der Kunst und Kultur der klassischen Antike. In Europa entwickelte sich die industrielle Revolution. Europa finanzierte die Erforschung „unbekannter“ Gebiete. Es kolonisierte sie und bekehrte die „heidnische“ Bevölkerung zum „Christentum“. Bis auf den heutigen Tag macht Europa in vielen Teilen der Welt seinen Einfluß geltend.
Das erklärt, warum viele der Meinung sind, daß sich ein geeintes Europa (oder sogar „Vereinigte Staaten von Europa“) vorteilhaft auf die übrige Welt auswirken würde. Wäre das vielleicht ein Schritt in die rechte Richtung — in Richtung Welteinheit?
Einigungsversuche
Im Jahre 1849 fand in Paris ein Kongreß statt, dessen Vorsitzender der berühmte französische Dichter Victor Hugo war und der im Interesse eines allgemeinen Friedens die Verwirklichung der Vereinigten Staaten von Europa forderte. Jahre danach gründete der Österreicher Graf Richard Coudenhove-Kalergi die Pan-Europa-Bewegung, die ähnliche Ziele verfolgte, aber ebenfalls wenig Erfolg hatte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann man, sich in Europa, das nun in zwei gegensätzliche Machtblöcke gespalten war, wieder mit dem Gedanken zu beschäftigen, daß ein Zusammenschluß wünschenswert wäre. In den osteuropäischen Staaten wurde der Europagedanke abgelehnt, weil man darin ein politisches Manöver der westlichen Staaten zur Bekämpfung des kommunistischen Blocks sah. Die Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ ist deshalb ein rein westeuropäisches Projekt.
Der erste Schritt erfolgte 1949, als 10 westeuropäische Staaten die Statuten des Europarates unterzeichneten. Er wurde zu dem Zweck gegründet, „die Ideale und Prinzipien zu sichern und zu verwirklichen, die ihr gemeinsames Erbe darstellen, sowie ihren wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu erleichtern“. Der Rat, der seine Beschlüsse nur als Empfehlungen weitergeben kann, dient als beratendes Organ oder als Forum für Debatten über allgemeine europäische Fragen.
Winston Churchill sagte über diesen Rat: „Der erste Schritt ist getan, und das ist der Schritt, der zählt“ — vorausgesetzt natürlich, daß er in die rechte Richtung getan wird. War es ein Schritt in die rechte Richtung? Die Tatsache, daß sich seither noch andere europäische Staaten dem Europarat angeschlossen haben — gegenwärtig beträgt die Mitgliederzahl 20 —, zeigt offensichtlich, daß mindestens diese Staaten dieser Überzeugung sind.
Im Jahre 1951 gründeten auf Anregung des französischen Außenministers Robert Schumann 5 der ursprünglichen 10 Mitgliedsstaaten des Europarates (Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande und Luxemburg) zusammen mit der Bundesrepublik Deutschland die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion). Die Gesamtheit ihrer Kohle- und Stahlproduktion wurde unter eine gemeinsame Hohe Behörde gestellt.
Da sich dies als praktisch erwies, wagten diese 6 Staaten im Jahre 1957 einen weiteren Schritt. Sie schufen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom). Im Januar 1973 stieg die Zahl der Mitgliedsstaaten dieser Gemeinschaften auf 9, denn Dänemark, Irland und Großbritannien hatten sich ihnen angeschlossen. Die EWG galt als weiterer Schritt zur wirtschaftlichen und politischen Einigung.
Wie denkt die Bevölkerung darüber?
Die Einstellung des Durchschnittseuropäers wird weniger durch die politischen Folgen dieser Einigung bestimmt als durch die praktischen Ergebnisse, von denen er selbst etwas hat. Die Hausfrau ist glücklich, daß ihr jetzt eine größere Auswahl an Nahrungsmitteln zur Verfügung steht und daß ausländische Waren billiger sind — eine Folge günstiger Handelsvereinbarungen innerhalb der EWG und mit anderen Staaten.
Die Europäer freuen sich auch darüber, daß sie, wenn sie von einem Land in das andere reisen, nicht mehr so streng kontrolliert werden. Auch sind die Regierungen offenbar eher bereit, in bezug auf gemeinsame Probleme — wie Terrorismus, Inflation, Arbeitslosigkeit und Energiewirtschaft — zusammenzuarbeiten. Der europäische Führerschein wird anscheinend auch bald realisiert werden und später vielleicht sogar eine gemeinsame Währung.
Im Euro-Barometer, in dem die Kommission der Europäischen Gemeinschaften (EG) die Ergebnisse ihrer seit 1973 halbjährlich durchgeführten Meinungsumfrage veröffentlicht, wurde über die im Oktober/November 1978 durchgeführte Umfrage berichtet, daß das Ansehen der Gemeinschaft seit Herbst 1976 seinen höchsten Stand erreicht hat. 60 % halten die Mitgliedschaft ihres Landes in der EG für eine gute Sache und nur 10 % für eine schlechte. Von den Deutschen sind 63 % für und nur 4 % gegen die EG. Weniger populär ist die EG nach wie vor in Dänemark und in Großbritannien. Aber auch dort haben die positiven Stimmen zugenommen und überwiegen jetzt die negativen. In einer früheren Ausgabe der erwähnten Schrift hieß es, daß 42 % der Befragten die Meinung vertraten, daß die Bemühungen zur Einigung Europas beschleunigt werden sollten, während 34 % die gegenwärtige Entwicklung für besser hielten und nur 11 % wünschten, daß sie verlangsamt werde.
Zwei neue Schritte
Eine Institution der Europäischen Gemeinschaften ist das Europäische Parlament (nicht zu verwechseln mit dem erwähnten Europarat). Es hat nur kontrollierende und beratende, keine legislativen Befugnisse. Die Mitglieder sind bisher von den nationalen Parlamenten abgeordnet worden, aber 1976 wurde beschlossen, daß im Frühjahr 1978 Direktwahlen durchgeführt werden. Schwierigkeiten in Verbindung mit der Organisation der Wahlen zwangen jedoch dazu, die Wahlen zu verschieben. Der neue Termin ist der 7. bis 10. Juni 1979.
Anfänglich war das Interesse an diesen Wahlen gering. Eine Umfrage ergab, daß sich nur 31 % der deutschen Bundesbürger mit Sicherheit an der Wahl beteiligen wollen. Gegner sagen, die Wahl sei lediglich ein politisches Experiment ohne eigentliche Bedeutung und sie würde die allgemeine Situation nicht ändern. Befürworter dagegen sind der Meinung, daß die Wahlen das Interesse am Parlament steigern und seinen Mitgliedern vor Augen führen würden, daß sie den Bürgern, die sie gewählt haben, verantwortlich sind. Ob das erreicht werden wird oder nicht, die Wahlen werden sich wahrscheinlich positiv auf die Bemühungen, „Vereinigte Staaten von Europa“ zu schaffen, auswirken.
Ein weiterer Schritt, über den verhandelt wird, hat mit der Erweiterung der EG zu tun. Spanien, Portugal und Griechenland haben ihren Beitritt beantragt. Einige befürchten, daß die Gemeinschaft dadurch geschwächt würde. Obschon König Juan Carlos von Spanien in seiner Rede im Anschluß an seine Vereidigung erklärt hatte: „Die Idee Europa wäre unvollständig, wenn man Spanien außer acht ließe“, sind doch Vorbehalte laut geworden, durch die die Verhandlungen verzögert werden. Da die Arbeitslosenziffer in den EG-Ländern bereits unerfreulich hoch ist, zögern die jetzigen Mitglieder der Gemeinschaft, weitere Staaten aufzunehmen, die ein noch größeres Arbeitslosenproblem haben als sie selbst. Es hat geheißen, daß die Beitrittsverhandlungen ungefähr 10 Jahre dauern würden, was für die, die die Sache beschleunigt sehen möchten, verständlicherweise unannehmbar ist.
Viele Personen vertreten den Standpunkt, daß eine Erweiterung der EG die Aussicht auf ein geeintes Europa eher verringern als vergrößern würde. In einem Artikel der Zeitung The Observer schrieb John Cole diesbezüglich: „Eine Erweiterung bedeutet wahrscheinlich auch, daß man jahrelang nicht mehr hoffen darf — oder befürchten muß —, ein föderatives Europa zu haben, eine Einigung in bezug auf Wirtschaft und Währung zu erzielen.“
Weitere Hindernisse für den Fortschritt
Das größte Hindernis für eine echte Einigung ist zweifellos der Nationalismus. Es ist etwas ganz anderes, ob gleichberechtigte souveräne Staaten zur Förderung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen zusammenarbeiten oder ob die eigenstaatliche Souveränität oder wenigstens ein Teil davon abgetreten werden muß. Es sind schon viele Zusammenschlüsse zustande gekommen, aber stets unter der Voraussetzung — oder gar mit der Bedingung —, daß die staatliche Souveränität respektiert und in keiner Weise angetastet wird. Die Geschichte lehrt, daß Staaten und Regenten selten bereit sind, ihre Souveränität an andere abzutreten.
Selbst Staaten, die eine ähnliche Regierungsform, gestützt auf eine gemeinsame Ideologie, haben, sind nicht besonders daran interessiert, sich unter einer Zentralregierung zu vereinigen. Zum Beispiel ist der Kommunismus, den die Sowjetunion entwickelt hat, ganz anders als der chinesische Kommunismus. Wahrscheinlich hat es kaum je zwei Großmächte gegeben, zwischen denen eine so enge Bindung bestand wie zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Würden wir jedoch erwarten, daß Pläne zur politischen Einigung dieser beiden Staaten — so daß auch Großbritannien einen „Präsidenten“ hätte oder die Vereinigten Staaten eine „Königin“ — überall und sofort Zustimmung finden würden?
Könnte eine politische Einigung erzielt werden, wäre das offensichtlich schon ein großer Beitrag zur Förderung der Welteinheit. Um eine politische Einigung zu erzielen, müßte der Nationalismus überwunden werden; dieser ist jedoch sehr schwer auszumerzen.
Die Grundlage der Einheit müßte außerdem ein Gesetz sein, das alle ohne Ausnahme anerkennen würden und das zu befolgen sie bereit wären. Ein gemeinsames Gesetz setzt aber auch einheitliche Wertmaßstäbe und einheitliche ethische Normen voraus. Kann es eine Einheit geben, solange die Völker ihre eigenen Normen festlegen, sozusagen „ihren eigenen Kram machen“? Das Fehlen einheitlicher Wertmaßstäbe und ethischer Normen erschwert die Schaffung eines gemeinsamen Gesetzes, dem sich alle unterordnen würden. Wer besäße die für die Schaffung von Normen, denen sich alle bereitwillig unterordnen würden, erforderliche Weisheit und Autorität?
Im Februar 1978 sagte der britische Außenminister David Owen in einer Rede in Brüssel, daß der „vollentwickelte Föderalismus“, dem einige Leute immer noch anhängen, „ein edles Ziel“ sei. „Aber dieses Ziel ist für die Mehrzahl von uns Briten unrealistisch, und einigen erscheint es als Utopie. Wir können uns nicht vorstellen, wie sich 9 Staaten mit ganz verschiedenen politischen, sozialen und kulturellen Traditionen ... schrittweise zu einem Staatenbund vereinigen könnten; sich auf dieses Ziel zu konzentrieren wäre unrealistisch.“
Unter dem Titel „Europa morgen“ schrieb die Zeitschrift Unsere Arbeit: „Der Weg in eine Europäische Union — mit eigener gesetzgebender Körperschaft, Regierung, Notenbank und allen Symbolen eines souveränen Staates — ist mühselig und voller Hindernisse. Selbst der Gemeinsame Markt, Ausgangspunkt des Zusammenschlusses, ... funktioniert nicht klaglos.“
Die Zeitschrift Time schrieb, daß die EG nach 20jährigem Bestehen „eher als unterentwickelter Jugendlicher denn als reifer Erwachsener“ bezeichnet werden könne und fügte hinzu: „Es ist jetzt vielleicht unrealistischer als zu Beginn des großen Experiments, weitere Fortschritte in Richtung auf ein wirklich geeintes Europa zu erwarten. Mitgliedsstaaten zögern nicht, die EG-Institutionen zu übergehen, wenn es gilt, einen Vorteil für ihr Land auszunutzen.“
Obschon also Fortschritte erzielt worden sind, muß dieses westeuropäische Unternehmen immer noch gewaltige Probleme bewältigen. In mancher Hinsicht sind es ähnliche Probleme wie die, denen sich die Vereinten Nationen gegenübersehen. Wir wollen unsere Aufmerksamkeit nun diesen zuwenden, um zu ermitteln, ob vielleicht durch sie die Welteinheit endlich in Sicht kommt.
[Diagramm auf Seite 8]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
EG-Staaten
1 Italien 2 Frankreich 3 BRD
4 Belgien 5 Niederlande 6 Luxemburg
7 Großbritannien 8 Irland 9 Dänemark
Beitritt beantragt
10 Griechenland
11 Portugal
12 Spanien
Europa
8
9
7
5
4
3
6
2
11
12
1
10
Norwegen
Schweden
DDR
Polen
CSSR
Österreich
Ungarn
Jugoslawien
Albanien
Afrika
[Bild auf Seite 5]
Winston Churchill sagte: „Der erste Schritt ist getan, und das ist der Schritt, der zählt.“
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Wissen die Vereinten Nationen die Lösung?Erwachet! 1979 | 22. Mai
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Wissen die Vereinten Nationen die Lösung?
Können sie die Risse reparieren?
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DROGEN
DRUCKFEHLER sind eine Geißel des Druckerhandwerks. In einen Artikel über die Vereinten Nationen, der vor etlichen Jahren in einer englischsprachigen Zeitung veröffentlicht wurde, schlich sich ein solcher Druckfehler ein, so daß es nicht hieß „Vereinte Nationen“ (United Nations), sondern „Aufgelöste Nationen“ (Untied Nations).
Wollte man ironisch sein, könnte man natürlich behaupten, es sei gar kein Druckfehler gewesen. Jetzt, mehr als 30 Jahre nach ihrer Gründung, bestehen die Vereinten Nationen immer noch, aber es gab Zeiten, in denen sie ihrer „Auflösung“ nahe waren — Zeiten, in denen jedes Mitglied eigene Wege ging und nur auf die eigenen Interessen bedacht war, anstatt sich mit den anderen eins zu fühlen und an die gegenseitigen Interessen und Ziele zu denken.
Edle Ziele
Die Vereinten Nationen verfolgen edle Ziele. So heißt es in der UN-Charta, daß eines ihrer Ziele darin besteht, „den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren“.
Artikel 55 der Charta lautet: „Um jenen Zustand der Stabilität und Wohlfahrt herbeizuführen, der erforderlich ist, damit zwischen den Nationen friedliche und freundschaftliche, auf der Achtung vor dem Grundsatz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker beruhende Beziehungen herrschen, fördern die Vereinten Nationen a) die Verbesserung des Lebensstandards, die Vollbeschäftigung und die Voraussetzung für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und Aufstieg; b) die Lösung internationaler Probleme wirtschaftlicher, sozialer, gesundheitlicher und verwandter Art sowie die internationale Zusammenarbeit auf den Gebieten der Kultur und der Erziehung; c) die allgemeine Achtung und Verwirklichung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion.“
Edle Ziele — doch bis zu welchem Grad sind sie erreicht worden? Bis zu welchem Grad können sie erreicht werden? Im Jahre 1965 wurde in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf gewisse Tatsachen hingewiesen, die heute noch, 14 Jahre später, unverändert sind: „Die Bilanz aus 20 Jahren UN-Geschichte und einer langen Liste von Schlichtungs- und Vermittlungsaktionen hat gezeigt, daß die Vereinten Nationen stets da erfolgreich sind, wo die beiden ,Supermächte‘ nicht direkt engagiert sind.“
In dem Artikel wird auch auf die vorzügliche Arbeit hingewiesen, die die Organe der Vereinten Nationen auf anderen Gebieten leisten, zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), das Weltkinderhilfswerk (UNICEF) und viele andere.
Ein Kernproblem
Die Vereinten Nationen werden indessen meist nicht nach diesen guten Leistungen beurteilt, sondern sie müssen, wie es in dem erwähnten Zeitungsartikel heißt, „es sich gefallen lassen, mit der politischen Elle gemessen zu werden“.
Es ist jedoch schwierig, eine „politische Elle“ anzulegen. Die UN sind keine herkömmliche politische Regierung. Sie sind etwas anderes. Sie sind keine Weltregierung, noch sind sie geschaffen worden, es zu sein; allerdings gibt UN-Generalsekretär Kurt Waldheim folgendes zu: „Anfänglich bestand die weitverbreitete Furcht, daß die Vereinten Nationen auf die Unabhängigkeit und die Souveränität der einzelnen Mitgliedsstaaten übergreifen würden.“
Aber wie wäre ihnen das möglich? Die Vereinten Nationen besitzen keine legislativen Befugnisse, geschweige denn die Macht, die Regierungen der Mitgliedsstaaten zu zwingen, Gesetze anzuwenden. Was sie beschließen, ist für die Mitgliedsstaaten nicht bindend. Die Mitgliedsstaaten besitzen alle souveräne Gleichberechtigung. Gerade die Tatsache, daß die UN keine Autorität besitzen, die von allen Mitgliedsstaaten respektiert und akzeptiert wird, ist offensichtlich einer der bedeutendsten Mängel, die die Weltorganisation von Anfang an aufwies.
Außer in Fällen, bei denen es um den Weltfrieden und um die internationale Sicherheit geht, dürfen sich die Vereinten Nationen nicht in die inneren Angelegenheiten der einzelnen Staaten einmischen. Was internationale und was reine innere Angelegenheiten sind, ist allerdings eine Frage der Interpretation.
Der amerikanische Präsident Jimmy Carter hat sich energisch für die Menschenrechte eingesetzt und dagegen protestiert, daß einige Staaten sie mißachten und dadurch die Charta der Vereinten Nationen verletzen. Andere Länder werfen den Vereinigten Staaten vor, sie würden sich durch ihre Kritik in ungebührender Weise in ihre inneren Angelegenheiten einmischen. In Wirklichkeit läuft alles darauf hinaus, daß jeder Staat nur annimmt, was er annehmen möchte, und ablehnt, was er als Übergriff auf seine Rechte als souveräner Staat ansieht. Es ist das gleiche Problem wie im Falle der „Vereinigten Staaten von Europa“, nur in einem größeren Maßstab.
Nationalismus
Das wird auch durch folgende Erklärungen über den Internationalen Gerichtshof bestätigt, die einer von den Vereinten Nationen herausgegebenen Schrift entnommen sind: „Das Statut des Internationalen Gerichtshofs ist der Satzung der Vereinten Nationen als Bestandteil beigefügt worden. Damit sind notwendigerweise alle Mitglieder der Organisation ohne speziellen Beitrittsakt an dem Statut beteiligt. Die mit der Parteifähigkeit ausgestatteten Staaten können jederzeit die Erklärung abgeben, daß sie die Zuständigkeit des Gerichtshofs für alle Rechtsstreitigkeiten als obligatorisch anerkennen. Von dieser generellen Unterwerfung hat bisher nur ein Teil der Mitgliedsstaaten Gebrauch gemacht“ (Kursivschrift von uns). Dieses Gericht verfügt also über keine wirkliche Autorität, es ist nur ein „Papiertiger“!
Kurt Waldheim sagte in seinem Rückblick auf die 30jährige Tätigkeit der UN, daß ein funktionsfähiges internationales System unweigerlich Beschränkungen der eigenstaatlichen Souveränität mit sich bringt. Er wies darauf hin, daß auf gewissen Gebieten solche Beschränkungen erreicht wurden, daß sich aber in den vergangenen 30 Jahren der Nationalismus in der ganzen Welt wieder stärker geltend gemacht hat.
Diese Tatsache erschwert die Bemühungen um Welteinheit. Waldheim ließ erkennen, welchen Problemen die UN gegenüberstehen, als er erklärte: „Unsere Organisation bei ihrer Aufgabe, den Frieden zu wahren, zu unterstützen, indem den Beschlüssen ihrer Hauptorgane allgemein Respekt verschafft wird, ist wahrscheinlich das Schwierigste von allem.“
Es wird allgemein zugegeben, daß das nicht einfach ist. Folgende bedeutsame Ausführungen über die UN finden sich in dem Buch The United Nations in the Balance—Accomplishments and Prospects von N. J. Padelford und L. M. Goodrich: „Sie ist aufgefordert worden, für Frieden zu sorgen, obschon die Menschen keinen Frieden im Herzen haben ... Die Organisation kann die Menschheit nicht vor einem Krieg mit Kernwaffen bewahren, wenn die Völker entschlossen sind, einen solchen Krieg zu führen. Sie kann die Großmächte nicht zwingen, ihre Vorschläge auszuführen oder ihren Empfehlungen entsprechend zu handeln. ... Sie gibt den Vertretern der Mitgliedsstaaten die Möglichkeit zu verhandeln — wenn sie das wollen. Sie bietet die Möglichkeit, Mittel einzusetzen wie Verhandlung, Untersuchung und Vermittlung, um Streitigkeiten beizulegen und den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren. Aber die Staaten müssen bereit sein, diese Mittel anzunehmen und anzuwenden, sonst sind die Bemühungen von vornherein zum Scheitern verurteilt“ (Kursivschrift von uns).
Das also ist der springende Punkt. Eine Einheit ist nur dann zu erzielen, wenn alle Beteiligten bereit sind, im gegenseitigen Interesse zusammenzuarbeiten. Diese Bereitwilligkeit darf nicht nur eine Sache des Verstandes sein, sondern muß aus dem Herzen kommen. Kurz: Der Schlüssel zur Welteinheit ist Liebe.
Nationalismus, das größte Hindernis auf dem Weg zur Welteinheit, ist kein Ausdruck von Liebe. Er verrät vielmehr, daß ein Staat, anstatt das Wohl aller Staaten im Auge zu haben, nur an sich und seine eigenen Interessen denkt.
Von wahrer Liebe kann man nicht sprechen, wenn den Menschen lediglich die Interessen des eigenen Volkes am Herzen liegen, sondern erst, wenn Interessen und Zuneigung den Völkern der ganzen Welt gelten. Wahre Liebe erfordert, daß man international denkt.
Doch Liebe kann nicht durch Gesetz erzwungen werden. Wie wird denn eine solche Liebe entwickelt? Gibt es irgendwelche Beweise, die zeigen, daß entweder die Staaten, die mit dem Gedanken der „Vereinigten Staaten von Europa“ spielen, oder die 150 Mitgliedsstaaten der UN diesen Schlüssel anerkennen und auch gebrauchen, um das Tor zur Welteinheit aufzuschließen?
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Welteinheit ist bereits in SichtErwachet! 1979 | 22. Mai
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Welteinheit ist bereits in Sicht
FRIEDEN und Einheit gehören zusammen. Das eine erfordert das andere. Welteinheit würde den Weltfrieden garantieren, einen Frieden, der so umfassend und dauerhaft wäre wie die Einheit, auf der er beruht.
Beides ist von einem dritten Faktor abhängig. Von welchem? Die Antwort findet man in Psalm 119:165: „Überströmender Friede gehört denen, die dein [Gottes] Gesetz lieben, und für sie gibt es keine Ursache des Strauchelns.“
Um die Ursachen des Strauchelns auf dem Weg zum Frieden und zur Welteinheit zu überwinden, ist es unerläßlich, Gottes Gesetz nicht nur zu kennen, sondern auch zu lieben. Diese Liebe ist der Schlüssel, der die Tür zur Welteinheit öffnet.
Auf diese Tatsache machte der österreichische Kardinal Franz König aufmerksam, als er sich über die Möglichkeit, ein geeintes Europa zu erreichen, wie folgt äußerte: „Die geistigen Krankheitssymptome des westlichen Menschen unserer Tage kann man in einem Wort zusammenfassen: liebesunfähig. ... Wir alle sind uns bewußt, daß wir Menschen Europas eine Krise durchleben. Wir haben den Eindruck, daß diese Krise der westlichen Welt aus einer geistigen Entwurzelung des Menschen stammt. ... In dieser Jagd nach dem materiellen Wohlstand geht der Mensch körperlich und geistig zugrunde. ... In dem Maße, als der Mensch geistig erkrankt, werden die Probleme des kommenden Europa unlösbar werden“ (Kursivschrift von uns).
Keine Liebe zu Gott
Welteinheit ist nicht lediglich eine Sache der Politik. Sie ist nicht machbar ohne das Geistige, nicht ohne die Religion — die Religion, die auf der Bibel beruht. Gottes Gesetz kennenzulernen bedeutet, sorgfältig die Bibel zu studieren. Gottes Gesetz liebenzulernen schließt mehr ein: darüber nachzusinnen, wie weise es ist und welchen persönlichen Nutzen man hat, wenn man es befolgt. Lernt jemand auf diese Weise Gottes Gesetz lieben, dann wird das dadurch zum Ausdruck kommen, daß er seinen Nächsten liebt, vor allem aber Gott.
Die Regierungen und die humanitären Organisationen der UN mögen eine gewisse Form der Liebe zum Nächsten zeigen, doch wo ist ihre Liebe zu Gott, wenn sie sich seinem Königreich widersetzen? Tun sie das? Ja!
Die Chronologie der Bibel und die Erfüllung biblischer Prophezeiungen deuten darauf hin, daß sich im Jahre 1914 die Worte aus Offenbarung 11:15 erfüllt haben: „Das Königreich der Welt ist das Königreich unseres Herrn und seines Christus geworden.“
Was bedeutet das? Es bedeutet, daß Gott, der dem Menschen Tausende von Jahren Zeit gegeben hatte, ununterbrochen die Welt zu regieren, jetzt durch seinen Sohn Jesus Christus eingegriffen hat, um die Welteinheit herbeizuführen, die der Mensch nicht zustande gebracht hat. Statt jedoch zu Gottes Königreich aufzublicken, haben sich die Nationen — in der UN und in anderen Organisationen — gegen dieses Königreich vereinigt.
Das wurde in Psalm 2:2-6 vorhergesagt: „Die Könige der Erde stellen sich auf, und hohe Amtspersonen selbst haben sich zusammengerottet wie e i n Mann gegen Jehova und gegen seinen Gesalbten. ... Jehova selbst ... wird ... zu ihnen reden ..., indem er spricht: ,Ich, ja ich, habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berge.‘“
‘Wie ein Töpfergefäß zerschmettern’
Jesus sagte voraus, daß nach Beginn der Herrschaft des Königreiches Gottes ein weltweites Predigtwerk durchgeführt würde (Matth. 24:14). Dadurch hätte jeder einzelne Erdbewohner die Gelegenheit, zu entscheiden, ob er die Souveränität Jehovas oder die der Nationen unterstützen möchte.
Die Gelegenheit wird so lange bestehen, wie es Gott festgesetzt hat. Dann wird Christus seine Aufmerksamkeit den Nationen zuwenden und mit ihnen so verfahren, wie es in Psalm 2:9 angekündigt wird: „Du wirst sie mit eisernem Zepter zerbrechen, wie ein Töpfergefäß wirst du sie zerschmettern.“ (Siehe auch Daniel 2:44.)
Sollte das in uns den Eindruck erwecken, Gott sei sonderbar und grausam? Menschliche Regierungen ergreifen oft strenge Maßnahmen, wenn sie ihre Existenz oder das Wohl ihrer Bürger bedroht sehen. Sollte daher der Schöpfer des Universums nicht das Recht haben, einzugreifen, wenn er sogar die Existenz der ganzen Menschheit durch einen möglichen Atomkrieg entzweiter Nationen gefährdet sieht?
Unter einer Regierung religiös geeint
In der belgischen Zeitung La Nouvelle Gazette war ein Artikel mit der Schlagzeile überschrieben: „Um in den nächsten 25 Jahren einen Atomkrieg vermeiden zu können, haben amerikanische Experten nur eine Lösung gefunden: die der Zeugen Jehovas!“ Es wurde weiter ausgeführt: „Aussicht auf Erfolg besteht nur, wenn jedes Land auf seine Souveränität weitgehend verzichten würde ... zugunsten einer Weltregierung.“ Wie es hieß, ist das genau „der Standpunkt, den Jehovas Zeugen einnehmen“.
Doch was ist dieser „Standpunkt“, der für eine australische Zeitung Anlaß war, sogar zu behaupten, daß „Jehovas Zeugen die einzige weltweite Friedensbewegung sind, die Erfolg haben wird“? Haben sie wirklich den Schlüssel zum Frieden, zur Welteinheit gefunden?
Jehovas Zeugen haben sich entschlossen, sich unter einer Regierung, unter Gottes Regierung, zu vereinen. Das erfordert eine strikt neutrale Haltung gegenüber den Angelegenheiten der mehr als 200 Länder, in denen sie gegenwärtig leben — eine Stellung, die überall so gut bekannt ist, daß sich hier eine nähere Erörterung erübrigt.
Obwohl Gottes Königreich eine himmlische Regierung ist, ist es eine Realität. Es hat irdische Einrichtungen oder Organe, die Frieden und Einheit fördern: Schulungsprogramme, Schulen, Vorkehrungen für Rechtsprechung und für das Erteilen von Rat. Bereits Tausenden ist geholfen worden, den Drogengebrauch, das Rauchen, übermäßigen Alkoholgenuß und geschlechtliche Ausschweifungen aufzugeben und fortan ehrliche und gewissenhafte Arbeit zu leisten. Ist das ihrer Gesundheit, ihrem allgemeinen Wohlbefinden, ihrem Herzensfrieden und ihrem Glück zuträglich? Beurteile es selbst.
Durch diese Einrichtungen ist auch Tausenden das Lesen beigebracht worden. Während etwa 77 Prozent der Zeugen Jehovas in Nigeria lesen können, hieß es kürzlich in der nigerianischen Zeitung The Times, daß „nur 20 Prozent [der Gesamtbevölkerung] lesen können“. Ein ehemaliger Sekretär der Schulbehörde in Santo André (Brasilien) erklärte in einem Interview mit Jehovas Zeugen: „Man findet selten Personen oder Gruppen wie Jehovas Zeugen, die an der Bildung ihrer Mitmenschen so sehr interessiert sind und Tausende von Personen in eine Gesellschaft einbeziehen, von der sie vorher ausgeschlossen waren, weil sie nicht lesen konnten. Ihr könnt mit unserer Unterstützung und Wertschätzung rechnen. Wenn andere Gruppen auch solche Anstrengungen unternehmen würden, gäbe es in Brasilien weniger Analphabeten.“
Gottes Regierung ist an der Bildung ihrer Untertanen interessiert, so daß sie die Gesetze genau kennenlernen können. Sie hat auch Vorkehrungen für die Rechtspflege getroffen, damit diese Gesetze durchgeführt werden. Da ihre Untertanen jedoch davon überzeugt sind, daß diese Gesetze gerecht und richtig sind und sie glücklich machen sollen, erkennen sie bereitwillig die Rechtsprechung der himmlischen Regierung an. Personen, die in über 200 verschiedenen Ländern leben und doch imstande sind, sich unter einem Gesetz zu vereinen, das auf einem einzigen Maßstab für Verhaltensweisen und ethische Überzeugungen beruht, und aktiv dieselbe Regierung zu unterstützen, haben tatsächlich schon viel im Interesse einer weltweiten Einheit unter ihresgleichen erreicht.
Das wurde auch in der in Milwaukee erscheinenden Zeitschrift Sentinel hervorgehoben, als es dort über Jehovas Zeugen hieß: „Ihre Übereinstimmung besteht nicht etwa in den Nebensächlichkeiten des Lebens, sondern in den grundlegenden Dingen — den Regeln des Verhaltens, der Befolgung von Grundsätzen und der Anbetung Gottes.“ Das deckt sich mit dem Kommentar der brasilianischen Zeitung O Tempo: „Obwohl es viele beeindruckende Religionen gibt, die in allen Teilen der Welt Propaganda betreiben, existiert heute auf der ganzen Erde keine einzige, die die gleiche Liebe und Einheit zeigt wie die theokratische Organisation von Jehovas Zeugen.“
Dem ist so, weil Jehovas Zeugen loyale Untertanen ihrer Regierung sind. Welche Nation auf Erden könnte heute behaupten, sie hätte NUR loyale Untertanen, gibt es doch in vielen Ländern radikale Gruppen, die die Regierung stürzen wollen, und auch Bürger, die Lippenbekenntnisse ablegen, aber Steuern hinterziehen und um des persönlichen Vorteils willen unbequeme Gesetze übertreten sowie die Entscheidungen der ausführenden Organe mißachten und sich über Regierungsbevollmächtigte lustig machen?
Die Untertanen von Gottes regierendem Königreich dagegen gehorchen den Gesetzen dieses Königreiches so gut sie es in ihrer Unvollkommenheit können, auch wenn die Umstände unbequem sind, denn sie lieben Gottes Gesetz. Sie achten die Entscheidungen der ausführenden Organe und sind bereit, ihrer Regierung das zu geben, was ihr von Rechts wegen zukommt.
Sie sind sogar bereit, für ihre himmlische Regierung, sozusagen für ihr Vaterland, zu sterben. Ihr Vorbild, Jesus Christus, legte sein Leben nieder, aber nicht um das römische Weltreich zu verteidigen oder das jüdische System der Dinge aufrechtzuerhalten, sondern um die Interessen des Königreiches Gottes zu fördern. Diese auf Liebe zu Gott beruhende unverbrüchliche Loyalität gegenüber Gottes Regierung bildet die Garantie für ihre Einheit.
Allerdings unterdrückt diese Einheit nicht den Individualismus oder die Verschiedenartigkeit. Abba Eban, ehemaliger Außenminister von Israel, sagte einmal, daß „nationale Verschiedenartigkeit eine Quelle starker und positiver Lebenskraft sein kann, vorausgesetzt, sie ist im Einklang mit den Freiheitsbeschränkungen und den Gemeinsamkeiten einer internationalen Ordnung“. Jehovas Zeugen, die man heute in über 200 verschiedenen Nationen findet, behalten ihre „nationale Verschiedenartigkeit“ bei — ihre Art der Kleidung, der Bräuche und des Lebensstils, also all die Eigenheiten, die Gott dem Menschen eingeräumt hat. Das ist bestimmt „eine Quelle starker und positiver Lebenskraft“, denn dadurch lernen sie voneinander. Nationale Gruppen, die sehr gastfreundlich sind, können zurückhaltendere Völker anspornen, aufgeschlossener und großzügiger zu sein; solche mit organisatorischen Fähigkeiten können anderen behilflich sein, praktischer und wirtschaftlicher zu denken; die guten Eigenschaften anderer werden übernommen, wogegen schlechte Eigenschaften ausgemerzt werden. Sie haben gelernt, international zu denken und auf diese Weise ihre „nationale Verschiedenartigkeit“ in „Einklang mit den Freiheitsbeschränkungen und den Gemeinsamkeiten einer internationalen Ordnung“ — in diesem Falle Gottes Königreich — zu bringen.
Jehovas Zeugen betrachten das nicht als ihr eigenes Verdienst. Sie beanspruchen nicht, die Baumeister weltweiter Einheit zu sein. Den Schlüssel zu weltweiter Einheit hat Gott gestiftet, und dieser Schlüssel steht jedem zur Verfügung. Die bei Jehovas Zeugen sichtbare Einheit kann nur ihrer Bereitschaft, sich dem Willen Gottes unterzuordnen, zugeschrieben werden. Das ist eine sehr kluge Handlungsweise und die einzige Möglichkeit, Leben in Gottes neuem System der Dinge zu erlangen, das in Offenbarung 21:3, 4 beschrieben wird: „Gott selbst wird bei ihnen sein. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen.“ All das wird durch Gottes Königreich bewerkstelligt werden.
Die geplante Organisation der „Vereinigten Staaten von Europa“ und selbst die UN sind ein kümmerlicher Ersatz — in Wirklichkeit kein Ersatz — für Gottes Königreich trotz der Tatsache, daß Papst Paul VI. in seiner Ansprache vor der UN im Jahre 1965 davon sprach, daß sich die Völker „an die Vereinten Nationen als letzte Hoffnung für die Eintracht und den Frieden“ wenden. Eigentlich wenden sich immer mehr Menschen an Gottes Königreich als letzte Hoffnung, weil sie von der weltweiten Einheit beeindruckt sind, die es bereits in einem kleinen Maßstab verwirklicht hat, und weil sie die weltweite Einheit erwarten, die es in Kürze in großem Maßstab verwirklichen wird.
Die Herausgeber der Zeitschrift Erwachet! hoffen aufrichtig, daß noch viel mehr Menschen Gottes wunderbare Vorkehrung kennenlernen und davon Gebrauch machen werden. Die Tür zur Welteinheit hat sich aufgetan. Welteinheit ist bereits in Sicht. Wirst du alles einsetzen, um daran teilzuhaben?
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