-
Religion wird ModeDer Wachtturm 1956 | 1. März
-
-
schrieb der Philosoph John Dewey: „Mir scheint, die Hauptgefahr für die Religion beruhe in der Tatsache, daß sie in der Achtung so gestiegen ist. Sie ist in hohem Maße eine Sanktion der bestehenden sozialen Zustände geworden — eine Art Firnis für gewisse Einrichtungen und konventionelle Bräuche.“ (The Christian Century, 13. Juli 1955) Diesen Mantel der Respektäbilität zu tragen finden viele religiöse Modegecken dienlich.
Durch die Verwendung der Religion als Mantel der Respektäbilität wird indes die moralische Fäulnis der Welt keineswegs verborgen. Der größte moralische Niedergang in der Geschichte brandmarkt die gegenwärtigen religiösen Erweckungen als „hohl“. Obwohl die Kirchenmitgliederzahl in den Vereinigten Staaten schneller zugenommen hat als die Bevölkerung, bleibt die düstere Tatsache bestehen, daß das Verbrechertum noch schneller zugenommen hat als die Kirchenmitgliederzahl. So schreibt Dr. Blake: „Heute ist es in unserem Lande eine Ursache zu Besorgnis, daß die Sittlichkeit im Niedergang zu sein scheint gerade in dem Augenblick, wo eine religiöse Hochkonjunktur in Erscheinung tritt.“ Dann erklärte er: „Religion ohne Sittlichkeit ist überhaupt keine Religion.“
Religion somit als Tarnung für moralische Schlechtigkeit zu verwenden, ist ein weiteres Mittel, das Modenarren der Religion benutzen. Natürlich ist nichts verkehrt an Dingen wie einem Wunsch nach Gesundheit, Erfolg und Frieden. Aber wenn die Menschen sie „zum Ziel ihres höchsten Interesses machen“ — so erklärt Dr. Blake —, „werden sie zu Götzen und ihre Anhänger zu Fanatikern. Dann ist die Religion nur noch Modesache, etwas ‚was allgemeiner Brauch ist‘. Dann ist unser Glaube nur noch ein Schatten, eine geistige Gipsfigur.“
Was also die heutige Welt erlebt, ist allerdings eine Hochkonjunktur, aber es ist eine solche der falschen Religion. Dies an sich ist höchst bedeutsam. Denn eine Hochkonjunktur der falschen Religion, eine beispiellose Zahl Modenarren der Religion — all dies ist ein weiteres Zeichen der „letzten Tage“: „Dies erkenne, daß in den letzten Tagen kritische Zeiten da sein werden, die schwer zu ertragen sind. Denn die Menschen werden selbstliebend sein … eine Form der Gottergebenheit habend, doch hinsichtlich deren Kraft sich als falsch erweisend.“ — 2. Tim. 3:1-5, NW.
-
-
„Etwas ganz Verkehrtes“Der Wachtturm 1956 | 1. März
-
-
„Etwas ganz Verkehrtes“
Schon im Jahre 1879 schrieb einst ein berühmter Pfarrer über den Mangel an geistiger Wachsamkeit vieler Kirchenmitglieder. Warum diese geistige Flaute? Pfarrer T. Dewitt Talmage gab seine Antwort im Christian Herald vom 23. Januar 1879; sie ist auch heute noch aufklärend: „Als ich noch Laie war und meinen Gottesdienst im Kirchenstuhl ausübte, sah ich, daß Religion sehr oft mit einem Zustand des Abgestumpftseins verbunden war … Ich beachtete, was jeder Laie merkt und sagt, daß heutzutage etwas ganz verkehrt ist mit der Kirche Gottes. In unseren Kindertagen suchten wir uns in der Kirche auf jede mögliche Weise wachzuhalten. Wir kauten Kümmel und Gewürznelken und Zimt, hielten einen Fuß empor, bis er zu schmerzen begann, und kniffen uns, bis wir schwarz und blau waren. Oder wir wurden lebendig erhalten durch die Nadelstiche eines älteren Bruders … Warum die Tatsache verbergen, daß in den Kirchen viel geschlafen wird? Viele unserer Kirchen sind große Sonntagsschlafsäle. Männer, die daheim unter Schlaflosigkeit leiden und nachts auf einem Kissen nicht schlafen können, finden manchmal in den Kirchen das nötige Schlafmittel. Und wenn wir unsere Zuhörer nicht wachhalten können, so ist der Fehler bei uns, den Geistlichen, und nicht bei den Leuten zu suchen.“
-
-
Einblick in die geistige HungersnotDer Wachtturm 1956 | 1. März
-
-
Einblick in die geistige Hungersnot
Unter dem Titel „Gesucht: Gute Witze“ enthielt eine Publikation, betitelt Bowman’s Facts and Fun for Farmers kürzlich folgende Bitte: „Ich suche alle neuen, sauberen, milden oder heiteren Witze zusammen, die ich bekommen kann, und ich kann nicht zu viel davon bekommen.“ Das Gesuch war unterzeichnet: „Ehrw. R. B. Fisher, Medina, Ohio.“
-