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  • Sei weise — ‘benimm dich als ein Geringerer’
    Der Wachtturm 1981 | 1. September
    • Sei weise — ‘benimm dich als ein Geringerer’

      „Wer sich unter euch allen als ein Geringerer benimmt, der ist groß“ (Luk. 9:48).

      1, 2. (a) Wer gehörte zu den meistbegünstigten Menschen, die je gelebt haben, und warum? (b) Welche Schwierigkeit trat seltsamerweise wiederholt unter ihnen auf?

      WER waren die meistbegünstigten Menschen, die je gelebt haben? Zweifellos gehörten die 12 Jünger Jesu Christi dazu, die er als Apostel auswählte. Welch ein Vorrecht war es doch für sie, ihn zu begleiten, als er begann, „von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zu ziehen, wobei er predigte und die gute Botschaft vom Königreich Gottes verkündete“! (Luk. 8:1). Und welch eine Freude muß es für sie gewesen sein, den Ansprachen Jesu zu lauschen, zum Beispiel der Bergpredigt, und mitzuerleben, wie er ein Wunder nach dem anderen wirkte! Belehrte Jesus sie nicht auch ständig in privatem Kreis? Ja, auch das tat er.

      2 Doch seltsamerweise stritten sich diese so sehr Begünstigten darüber, wer von ihnen der Erste oder Bedeutendste sei. Kein einziger wollte ‘sich als ein Geringerer benehmen’. War diese Rivalität dem Frieden, der Einheit und dem Glück zuträglich? Hatte Jehova Gott Gefallen daran? War ihr Verhalten weise? Wohl kaum, denn was sagte Jesus einmal zu ihnen? Er stellte ein kleines Kind neben sich und sprach: „Wer irgend dieses kleine Kind aufgrund meines Namens aufnimmt, nimmt auch mich auf, und wer irgend mich aufnimmt, nimmt auch den auf, der mich ausgesandt hat. Denn wer sich unter euch allen als ein Geringerer benimmt, der ist groß“ (Luk. 9:48).

      3. Welche Beispiele zeigen, daß man sich in der Welt weigert, ‘sich als ein Geringerer zu benehmen’?

      3 Wer ist heute so vernünftig und begnügt sich damit, ‘sich als ein Geringerer zu benehmen’? Sehr wenige. Deshalb gibt es in dieser alten Welt soviel Unordnung, Zank, Streit und Auseinandersetzungen. Nationen, ja ganze Nationenblöcke liegen ständig miteinander im Wettstreit; jeder möchte an der Spitze stehen, der Erste, der Mächtigste sein. Deshalb bürden viele Staaten ihren Bürgern enorme Rüstungsausgaben auf. Und wie verhält es sich mit der Frauenbefreiungsbewegung? Bedeutet das energische Begehren ihrer Anhänger etwas anderes, als daß sie sich weigern, sich im Vergleich zu ihren Männern ‘als Geringere zu benehmen’? Und werden nicht auch viele der heutigen Jugendlichen von ähnlichen Vorstellungen geplagt? Sie ärgern sich über die Rolle, die ihre Eltern spielen, und wollen sich ihnen gegenüber nicht ‘als Geringere benehmen’. Trägt aber all diese Unwilligkeit zum Glück bei? Ist es weise, sich so zu verhalten? Keineswegs!

      VON BIBLISCHEN BEISPIELEN LERNEN

      4. Wer war die erste Person mit einer so hochmütigen Einstellung, und woran ist dies zu erkennen?

      4 Nicht bereit zu sein, ‘sich als ein Geringerer zu benehmen’, ist töricht. Das erkennt man daran, daß alle heute bestehenden Schwierigkeiten eine Folge davon sind, daß sich ein bestimmter Engel nicht so verhalten wollte. Wieso kann das gesagt werden? Weil dieser Engel, der unsere Ureltern veranlaßte, den Weg der Sünde und des Todes einzuschlagen, seine wahren Beweggründe verriet, als er den Sohn Gottes in der Wildnis zum dritten Mal versuchte. Er bot Jesus alle Königreiche der Welt an, wenn er ihm — Satan — nur e i n e n Akt der Anbetung darbrächte. Was ließ dieses Angebot erkennen? Daß Satan Jehova Gott gleich sein und sich ihm gegenüber nicht ‘als ein Geringerer benehmen’ wollte. Das geht auch aus dem hervor, was Jesus Satan erwiderte: „Geh weg, Satan! Denn es steht geschrieben: ,Jehova, deinen Gott, sollst du anbeten, und ihm allein sollst du heiligen Dienst darbringen.‘“ Da sich Satan nicht ‘als ein Geringerer benehmen’ wollte, brachte er Schmach und Schande über sich und wird letzten Endes auch zunichte gemacht werden (Matth. 4:8-10; Hebr. 2:14).

      5. (a) Wie zeigte Eva, daß sie nicht willens war, ‘sich als eine Geringere zu benehmen’? (b) Was zeigt, daß Kain ebenso eingestellt war?

      5 Und führte nicht im Falle Evas der Umstand, daß sie nicht bereit war, ‘sich als eine Geringere zu benehmen’, dazu, daß sie auf Satans Schliche hereinfiel und Jehova Gott ungehorsam wurde? Satan versicherte ihr, sie werde durch das Essen der verbotenen Frucht wie Gott werden und werde selbst entscheiden können, was gut und was böse sei (1. Mose 3:5). Eva mußte ihre Weigerung, sich ‘als eine Geringere zu benehmen’, mit dem Leben bezahlen. Und wie verhielt es sich mit ihrem Erstgeborenen? Brachte Kain seinen Bruder Abel nicht deswegen um, weil er sich ihm gegenüber einfach nicht ‘als ein Geringerer benehmen’ wollte? Kain ärgerte sich sehr darüber, daß Abel bevorzugt wurde. Sein Stolz führte dazu, daß er als der erste menschliche Mörder verbannt wurde (1. Mose 4:1-16).

      6. Wie ließen (a) Josephs Halbbrüder, (b) Aaron und Mirjam, (c) Korah, Dathan und Abiram erkennen, daß sie nicht bereit waren, ‘sich als Geringere zu benehmen’?

      6 Ein weiteres Beispiel sind die Halbbrüder Josephs. Da Jakob, ihr Vater, Joseph bevorzugte — weil Joseph der Sohn seiner Lieblingsfrau Rahel war —, waren sie so sehr gegen Joseph erbittert, daß sie nicht eher ruhten, bis sie sich seiner entledigt hatten (1. Mose 37:3-35). Auch sie hatten schließlich Grund, ihre Handlungsweise zu bedauern. Viele Jahre später lehnten sich Mirjam und Aaron dagegen auf, geringer als ihr jüngerer Bruder Moses zu sein. Sie erklärten: „Hat Jehova nur durch Moses allein geredet? Hat er nicht auch durch uns geredet?“ Doch wie der Bericht weiter zeigt, hörte Jehova Gott es. Ihre Geisteshaltung mißfiel ihm sehr, denn er sagte zu den beiden Murrenden: „Hört bitte meine Worte. ... [Mein] Knecht Moses ... ist mit meinem ganzen Hause betraut. Von Mund zu Mund rede ich zu ihm ... Warum also habt ihr euch nicht gefürchtet, gegen meinen Knecht, gegen Moses, zu reden?“ Jehovas Mißfallen war so groß, daß er Mirjam mit Aussatz schlug. Denken wir auch an Korah, Dathan und Abiram, die sich in noch schwerwiegenderem Maße dagegen auflehnten, ‘Geringere’ zu sein, und deswegen vernichtet wurden (4. Mose 12:1 bis 15; 16:1-35; 26:9-11).

      7, 8. (a) Welche zwei Könige der alten Zeit gerieten in Schwierigkeiten, weil sie sich nicht ‘als Geringere benehmen’ wollten? (b) Welche Beispiele gab es zur Zeit der Apostel?

      7 Ein weiterer Diener Jehovas, der Schwierigkeiten in dieser Beziehung hatte, war König Saul. Er konnte es nicht ertragen, daß die Frauen des Volkes Israel sangen: „Saul hat seine Tausende niedergeschlagen und David seine Zehntausende.“ Saul wurde darüber dermaßen zornig, daß er „ständig mit Argwohn auf David“ blickte und ihn sogar wie einen Hund jagte, um ihn zu töten. Welch schmerzliche Erfahrungen machte doch Saul, nur weil er sich weigerte, in dieser Hinsicht geringer als David zu sein! Und was für ein tragisches Ende er doch nahm! (1. Sam. 18:7-9; 31:3-6). Dann war da König Usija. Seine wirklich großen militärischen Erfolge ließen ihn hochmütig werden. So gab er sich nicht mehr damit zufrieden, als König lediglich die Staatsgeschäfte zu erledigen und hinsichtlich der Anbetung im Tempel geringer als die Priesterschaft zu sein, sondern er wollte den Priestern gleich sein. Wegen seiner Vermessenheit wurde er von Jehova Gott mit Aussatz geschlagen. Er starb als Aussätziger (2. Chron. 26:16-21; Spr. 11:2).

      8 Aus den Christlichen Griechischen Schriften haben wir bereits ersehen, daß unter den 12 Aposteln, während Jesus bei ihnen war, die Schwierigkeit auftrat, daß keiner von ihnen geringer sein wollte als der andere. Beachten wir aber, daß wir nichts Derartiges mehr über sie lesen, nachdem sie zu Pfingsten Gottes heiligen Geist empfangen hatten. Doch bei anderen Christen des ersten Jahrhunderts trat diese Schwierigkeit auf. Wie es scheint, gaben sich zumindest einige Christen in Korinth nicht damit zufrieden, geringer als der Apostel Paulus zu sein. Und der Apostel Johannes hielt es für nötig, Diotrephes ernst zu tadeln, weil er den ersten Platz einnehmen wollte und das, was der Apostel den Christen damals zu sagen hatte, nicht mit Respekt annahm (2. Kor. 10:1-11; 12:5-9; 3. Joh. 9, 10).

      WARUM DIESE SCHWIERIGKEIT?

      9. Was ist die Hauptursache dafür, daß man nicht willens ist, ‘sich als ein Geringerer zu benehmen’?

      9 Worauf ist es zurückzuführen, daß diese Schwierigkeit in der Menschheitsgeschichte so häufig aufgetreten ist und nicht nur Weltmenschen — Nationen und Einzelpersonen —, sondern auch Diener Jehovas davon betroffen wurden? Es ist der ererbten Selbstsucht zuzuschreiben. In 1. Mose 8:21 lesen wir: „Die Neigung des Menschenherzens [ist] böse ... von seiner Jugend an.“ Deshalb ist „das Herz ... verräterischer als sonst irgend etwas und ist heillos. Wer kann es kennen?“ (Jer. 17:9).

      10—12. Welche Beispiele zeigen, wo und warum diese Schwierigkeit auftritt?

      10 Im allgemeinen fällt es Zeugen Jehovas nicht allzu schwer, sich gegenüber Personen, die offensichtlich eine höhere Stellung einnehmen, ‘als Geringere zu benehmen’. Doch eine Schwierigkeit ergibt sich, wenn es darum geht, sich unter seinesgleichen — unter Personen, die einander mehr oder weniger gleich sind — ‘als Geringere zu benehmen’. Keiner der 12 Apostel hatte zum Beispiel Schwierigkeiten, sich gegenüber seinem Herrn, Jesus Christus, ‘als ein Geringerer zu benehmen’. Verglich er sich aber mit einem der anderen 11 Apostel, so fingen die Schwierigkeiten an. Keiner wollte geringer sein als die anderen.

      11 Auch heute mag es in der Christenversammlung zu kleineren Rivalitäten oder weiblichen Eifersüchteleien kommen, besonders unter Personen, die sich in ihren Fähigkeiten oder Vorrechten ziemlich gleichen. Das scheint zwischen zwei Christinnen in der Versammlung in Philippi der Fall gewesen zu sein, denn Paulus sah sich veranlaßt, folgendes zu schreiben: „Euodia ermahne ich und Syntyche ermahne ich, gleichen Sinnes im Herrn zu sein. Ja, ich bitte auch dich, echter Jochgenosse, stehe diesen Frauen weiterhin bei, die für die gute Botschaft Seite an Seite mit mir gestritten haben, zusammen mit ... den übrigen meiner Mitarbeiter“ (Phil. 4:2, 3). Höchstwahrscheinlich waren diese beiden Schwestern besonders fähige und eifrige Verkündiger der „guten Botschaft“, so daß in ihrem Herzen Rivalität aufkam, die zu Reibereien führte.

      12 Genauso kann es bisweilen unter Brüdern, die ähnliche Aufgaben zu erfüllen haben, zu Schwierigkeiten kommen. Im großen und ganzen fällt es einem in der christlichen Organisation nicht schwer, sich gegenüber anderen ‘als ein Geringerer zu benehmen’: Dienstamtgehilfen gegenüber Ältesten, Älteste gegenüber dem Kreisaufseher, die Kreisaufseher gegenüber dem Bezirksaufseher usw. Schwierig wird es erst unter Gleichgestellten: Dienstamtgehilfen gegenüber Dienstamtgehilfen, Älteste gegenüber anderen Ältesten in der Versammlung usw.

      IRDISCHE, ANIMALISCHE, DÄMONISCHE WEISHEIT

      13—15. Wieso können Eifersucht und Streitsucht als (a) irdische Weisheit, (b) animalische Weisheit bezeichnet werden?

      13 Da viele aufgrund der menschlichen Unvollkommenheit nicht willens sind, ‘sich als Geringere zu benehmen’, fand es der Jünger Jakobus für nötig, folgendes zu schreiben: „Wenn ihr aber bittere Eifersucht und Streitsucht in eurem Herzen habt, so prahlt nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit. Das ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern ist die irdische, animalische, dämonische. Denn wo es Eifersucht und Streitsucht gibt, da gibt es Unordnung und alles Schlechte“ (Jak. 3:14-16).

      14 Jakobus hatte ganz recht, wenn er Eifersucht und Streitsucht als irdisch, animalisch und dämonisch bezeichnete. Sie sind irdisch, materialistisch, das Merkmal selbstsüchtiger, unvollkommener Menschen und stehen im Widerspruch zu dem, was von oben, was himmlisch ist. Dieser Geist ist auch animalisch, da er das Merkmal von Tieren ist. Ethologen, die Tiere in ihrer natürlichen Umwelt studieren, haben bei verschiedenen Tieren wie Kühen und Hühnern eine Art Rangordnung beim Fressen festgestellt, das heißt, daß bestimmte Tiere immer den Vorrang vor anderen haben.

      15 Vor einigen Jahren berichtete die New Yorker Presse zum Beispiel von einem Dressurakt in einem Zirkus, an dem 12 Tiger beteiligt waren. Nach Ende der Nummer trotteten die Tiger auf den Gang zu, der zu ihren Käfigen führte. Plötzlich sprang Rajah, der Leittiger, der Tigerin Ila an die Kehle. Bis es den Wärtern gelang, die beiden zu trennen, war die Tigerin bereits tödlich verwundet. Was war die Ursache dieses Vorfalls? Statt sich hinter Rajah zu halten, hatte sich Ila erdreistet, vor ihm in den Gang zu schlüpfen, was Rajah so sehr erzürnte, daß er sie anfiel. Sie mußte mit dem Leben bezahlen, weil sie nicht bereit war, sich als eine Geringere zu benehmen.

      MOSES, JESUS UND PAULUS WAREN VORBILDER

      16. Welches vorzügliche Beispiel gab Moses durch seine Bereitwilligkeit, ‘sich als ein Geringerer zu benehmen’?

      16 Einer der Diener Jehovas in alter Zeit, die sich dadurch auszeichneten, daß sie ‘sich als Geringere benahmen’, war Moses. Auf welch wunderbare Weise sich Jehova doch seiner bediente, um vor Pharao Zeugnis abzulegen, die 10 Plagen anzukündigen, das Rote Meer zu spalten und sein Volk auf übernatürliche Weise mit Wasser zu versorgen! Wiewohl er alle diese Vorrechte genoß und deshalb sehr angesehen war, heißt es von ihm: „Der Mann Moses war bei weitem der sanftmütigste aller Menschen, die es auf der Oberfläche des Erdbodens gab.“ Da Moses bereit war, ‘sich als ein Geringerer zu benehmen’, machte Jehova Gott ihn sowohl in den Augen der Welt als auch in den Augen seines Volkes groß (4. Mose 12:3).

      17—19. Was zeigt, daß sich Jesus ‘als ein Geringerer benahm’, (a) bevor er auf die Erde kam, (b) als er auf der Erde war, (c) nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt?

      17 Gab nicht auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, ein vorzügliches Beispiel, indem er ‘sich als ein Geringerer benahm’? Im Gegensatz zu dem Engel, der Satan, der Teufel, wurde, heißt es von dem Wort oder Logos: „Obwohl er in Gottesgestalt existierte, [zog er] keine gewaltsame Besitzergreifung in Betracht ..., nämlich um Gott gleich zu sein.“ Gern diente er als ein „Werkmeister“ und arbeitete eng mit seinem Vater bei der Schöpfung zusammen (Spr. 8:30; Joh. 1:1-3, 14; 1. Kor. 11:3; Phil. 2:6-8).

      18 Auch auf der Erde verhielt sich Jesus gegenüber seinem Vater wie ein Geringerer und sagte: „Der Vater ist größer als ich.“ Niemand sei gut als nur Gott (Luk. 18:19; Joh. 14:28). Ja, Jesus benahm sich selbst gegenüber Mitmenschen ‘als ein Geringerer’, indem er die Rolle eines Dienenden übernahm. Er sagte selbst: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ Er verrichtete sogar den niedrigsten Dienst, indem er seinen Aposteln die Füße wusch. Doch in welch eine hohe Stellung wurde er aufgrund seiner Demut erhöht! (Matth. 20:28, Einheitsübersetzung; Joh. 13:2-16; Phil. 2:9-11).

      19 Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt hat sich Christus gegenüber Jehova, seinem Vater, weiterhin ‘als ein Geringerer benommen’, willens, so lange geduldig zu warten, bis Jehova seine Feinde als Schemel für seine Füße hinlegen würde. Nach seiner Tausendjahrherrschaft, wenn Jehova alle seine Feinde unter seine Füße gelegt haben wird, „wird sich auch der Sohn selbst dem Einen unterwerfen, der ihm alle Dinge unterworfen hat, so daß Gott allem alles sei“ (Ps. 110:1; 1. Kor. 15:25-28).

      20, 21. (a) Inwiefern war der Apostel Paulus in dieser Hinsicht ein vorzüglicher Nachahmer Jesu Christi? (b) Was wird uns der nächste Artikel zeigen?

      20 Von Christi Nachfolgern war besonders der Apostel Paulus in dieser Hinsicht ein vorzüglicher Nachahmer Jesu. Um der „guten Botschaft“ willen machte er sich zum Sklaven aller. Das bedeutete gewiß, daß er ‘sich als ein Geringerer benahm’ (1. Kor. 9:19). Er ‘benahm sich als ein Geringerer’ gegenüber der leitenden Körperschaft in Jerusalem, was zum Beispiel seinen Dienst, sein Predigtgebiet und auch Lehrfragen betraf (Apg. 15:2; Gal. 2:7-10). Einmal fühlte er sich verpflichtet, die Christenversammlung in Korinth zu fragen: „Habe ich eine Sünde begangen, indem ich mich selbst erniedrigte, damit ihr erhöht würdet ...?“ Kein Wunder, daß Jehova Gott den Dienst des Paulus so sehr segnete! (2. Kor. 11:7).

      21 Nicht bereit zu sein, ‘sich als ein Geringerer zu benehmen’, ist töricht, wie wir gesehen haben. Wer hingegen dazu bereit ist, verrät Weisheit, und bestimmt möchten wir weise handeln. Doch wegen unserer ererbten Unvollkommenheit benötigen wir dazu eine Hilfe. Der nächste Artikel zeigt, wie uns geholfen werden kann, die richtige Gesinnung zu erlangen.

      „Macht meine Freude dadurch voll, daß ihr gleichen Sinnes seid und die gleiche Liebe habt und mit vereinter Seele auf das e i n e bedacht seid, indem ihr nichts aus Streitsucht oder aus Ichsucht tut, sondern in Demut die anderen höher achtet als euch selbst, indem ihr nicht nur eure eigenen Dinge im persönlichen Interesse im Auge behaltet, sondern im persönlichen Interesse auch die der anderen“ (Phil. 2:2-4).

  • Was uns hilft, ‘uns als Geringere zu benehmen’
    Der Wachtturm 1981 | 1. September
    • Was uns hilft, ‘uns als Geringere zu benehmen’

      1. Welcher biblische Aufschluß den wir bereits betrachtet haben, kann uns helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’?

      WAS wird uns helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’? Gewiß sollten uns die im vorangegangenen Artikel erwähnten Personen, die dies nicht taten, und die schlimmen Folgen, die sich für sie daraus ergaben, als warnende Beispiele dienen. Sicher möchten wir nicht von dem Weg, der zu ewigem Leben führt, abkommen. Statt dessen sollten uns die in der Bibel erwähnten vortrefflichen Beispiele derer, die ‘sich als Geringere benahmen’ und dafür belohnt wurden, anspornen, sie nachzuahmen.

      2, 3. (a) Inwiefern kann uns ein gutes Verhältnis zu Jehova helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’? (b) Wieso kann Demut eine Hilfe für uns sein?

      2 Eine der größten Hilfen in dieser Hinsicht besteht — auch wenn einige von uns nicht sogleich daran denken mögen — darin, daß wir ein gutes Verhältnis zu Jehova Gott haben und ihm völlig vertrauen. Dann werden wir nicht übermäßig darum besorgt sein, daß wir zu kurz kommen, herabgesetzt oder vernachlässigt werden könnten. Ja, wir sollten ‘mit unserem ganzen Herzen auf Jehova vertrauen und uns nicht auf unseren eigenen Verstand stützen. Wenn wir ihn auf all unseren Wegen beachten, wird er unseren Pfad zum Besten lenken’ (Spr. 3:5, 6). Dann können wir auch die Zuversicht haben, daß ‘er alle seine Werke zu unserem Guten mitwirken läßt’ (Röm. 8:28).

      3 ‘Sich als ein Geringerer zu benehmen’ erfordert auch Demut. Und warum sollten wir nicht demütig sein wollen? Die Bibel sagt uns: „Besser ist es, im Geiste niedrig zu sein mit den Sanftmütigen, als Beute zu teilen mit den Selbsterhöhten.“ Durch Stolz bringt man sich zwangsläufig selbst zu Fall: „Stolz geht einem Sturz voraus und ein hochmütiger Geist dem Straucheln.“ Überdies führt Stolz dazu, daß uns Gott widersteht, denn wir lesen: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber verleiht er unverdiente Güte.“ Der Apostel Petrus betonte den gleichen Punkt wie der Jünger Jakobus, indem er sagte: „Ihr alle ... gürtet euch mit Demut gegeneinander.“ Ja, wir sollten ‘uns als Geringere benehmen’, „denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber erweist er unverdiente Güte“ (Spr. 16:18, 19; Jak. 4:6; 1. Petr. 5:5; vergleiche Römer 12:16).

      DER GRUNDSATZ DER LEITUNG DURCH EIN HAUPT

      4, 5. (a) Inwiefern kann es eine Hilfe sein, wenn wir den Grundsatz der Leitung durch ein Haupt verstehen und schätzen? (b) Wie läßt sich das veranschaulichen?

      4 Eine weitere Hilfe besteht darin, daß wir den Grundsatz der Leitung durch ein Haupt verstehen und schätzen. Wenn eine Arbeit zu verrichten ist, die mehr als eine Person erfordert, wird jemand benötigt, der die Führung übernimmt und verbindliche Entscheidungen trifft, denn sonst entsteht Verwirrung, oder man arbeitet gegeneinander. Mit anderen Worten: Organisation ist nötig. Eine aus mehreren Personen bestehende Organisation läßt sich mit dem menschlichen Leib vergleichen. So viele und verschiedene Glieder unser Körper auch hat, sie werden alle von dem einen Haupt aus gesteuert. Einige Glieder mögen ohne weiteres auffallender oder wichtiger sein als andere, doch wie der Apostel deutlich zeigt, kann kein Glied zu dem anderen sagen: „Ich benötige dich nicht.“ Alle werden benötigt. Sollten wir nicht, wenn wir dieses Beispiel beachten, damit zufrieden sein, einen Anteil am Erreichen des Ziels der Organisation zu haben? (1. Kor. 12:21).

      5 Wie wichtig es ist, den Grundsatz der Leitung durch ein Haupt anzuerkennen, läßt sich auch gut durch ein Orchester veranschaulichen. Ein großes Sinfonieorchester besteht vielleicht aus 100 talentierten Musikern, und dennoch muß sich jeder von ihnen ‘als ein Geringerer benehmen’. Das trifft selbst auf den Dirigenten zu, denn er ist verpflichtet, das Stück so zu interpretieren, wie es der Komponist beabsichtigte. Und alle Mitglieder des Orchesters müssen sich nach dem Dirigenten richten, da sie ihm gegenüber ‘Geringere sind’. Außerdem sitzt in jedem Teil des Orchesters, in dem mehr als ein Musiker ein bestimmtes Instrument spielt, ein Musiker auf dem „ersten Stuhl“, und die übrigen müssen sich so genau wie möglich nach ihm ausrichten. Für die ersten Violinen ist zum Beispiel der Konzertmeister maßgebend. Nur durch eine solche Anordnung läßt sich schöne, harmonische Musik machen. Ja, den Grundsatz der Leitung durch ein Haupt zu verstehen und zu schätzen hilft uns, ‘uns als Geringere zu benehmen’.

      DER GEIST EINES GESUNDEN SINNES UND GOTTES HEILIGER GEIST

      6, 7. Auf welche Weise kann der Geist eines gesunden Sinnes uns eine Hilfe sein, ‘uns als Geringere zu benehmen’?

      6 Den Geist eines gesunden Sinnes zu haben wird uns in dieser Hinsicht ebenfalls eine Hilfe sein. Der Apostel Paulus gibt uns den Rat: „Durch die unverdiente Güte, die mir verliehen worden ist, sage ich einem jeden, der sich unter euch befindet, nicht höher von sich zu denken, als zu denken nötig ist, sondern so zu denken, daß er gesunden Sinnes sei, jeder, wie Gott ihm ein Maß des Glaubens zugeteilt hat“ (Röm. 12:3). Wenn wir eine ehrliche Selbstprüfung vornehmen und unseren Blick nicht durch Stolz oder Eigennutz trüben lassen, können wir viele Gründe finden, ‘uns als Geringere zu benehmen’. Wieso?

      7 Wir alle wissen über uns selbst viel besser Bescheid als über andere. Daher sollten wir auch besser als andere wissen, wie weit wir von dem entfernt sind, was wir sein und tun sollten. Paulus klagte: „Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse“ (Röm. 7:15, Einheitsübersetzung). Als Christen sind wir außerdem verpflichtet, andere nicht zu streng zu beurteilen, sondern ihre Unvollkommenheit zu berücksichtigen und Nachsicht zu üben. Zweifellos sind wir uns unserer eigenen Schwächen bewußt und wissen es auch, wenn wir uns von einem falschen Beweggrund haben leiten lassen. Allein schon deshalb sollten wir uns gegenüber anderen bereitwillig ‘als Geringere benehmen’. Es besteht kein Zweifel darüber, daß der Geist eines gesunden Sinnes uns dabei helfen wird (2. Tim. 1:7).

      8. Inwiefern kann es uns eine Hilfe sein, ‘uns als Geringere zu benehmen’, wenn wir die Macht des heiligen Geistes Gottes erkennen?

      8 Die Macht des heiligen Geistes Gottes zu erkennen wird uns ebenfalls helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’. Nicht menschliche Talente und Fertigkeiten spielen in Jehovas Organisation die wichtigste Rolle, sondern Gottes heiliger Geist (Sach. 4:6). Der heilige Geist befähigte die ersten Christen, einen so wirkungsvollen Dienst zu verrichten, daß ihre Feinde erklärten, sie hätten „die bewohnte Erde aufgewiegelt“ (Apg. 17:6). Dem Geist Gottes war es auch zuzuschreiben, daß sie ihren religiösen Gegnern mit großem Freimut gegenübertreten konnten, wiewohl sie, menschlich gesehen, ungelehrte und gewöhnliche Leute waren (Apg. 4:13, 29-31). Anzuerkennen, daß alle unsere Brüder Gottes heiligen Geist haben, wird uns helfen, uns ihnen gegenüber ‘als Geringere zu benehmen’, obgleich wir, vom weltlichen Standpunkt aus betrachtet, größere Fähigkeiten haben mögen als sie. Das sollte es uns erleichtern, den Rat zu befolgen: „In Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor“ (Röm. 12:10).

      9. Wie sollte es sich auf uns auswirken, wenn wir die Bedeutung des Königreiches Jehovas erkennen?

      9 Erkennen wir, welche Bedeutung dem Königreich Jehovas zukommt? Wenn ja, so werden wir bereit sein, die Interessen des Königreiches in unserem Leben an die erste Stelle zu setzen. Auch das wird uns helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’. Wieso kann man das sagen? Wenn wir verstehen, daß nicht wir das wichtigste sind, sondern das Königreichswerk, an dem wir uns alle beteiligen, dann macht es uns nichts aus, bei einem Dienstvorrecht übersehen zu werden, das wir uns vielleicht gewünscht haben. Wir sollten nicht uns, sondern das Werk Gottes als wichtig betrachten. Schließlich gibt es bei jeder Zusammenkunft der Versammlung und auf Kreis- und Bezirkskongressen nur eine bestimmte Anzahl Programmpunkte. Die meisten von uns können also nicht am Programm beteiligt sein. Trifft dies auf uns zu, so sollten wir die Brüder, die ein Vorrecht haben, nicht beneiden, sondern uns mit ihnen freuen. Mögen wir dieselbe Gesinnung haben wie der Psalmist, der sagte: „Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als tausend anderswo. Ich habe eher gewählt, im Hause meines Gottes an der Schwelle zu stehen, als umherzugehen in den Zelten der Bosheit.“ Ja, es ist weit besser, „ein Geringerer“ in Jehovas Organisation zu sein als „ein Größerer“ in der zum Untergang verurteilten Organisation Satans (Ps. 84:10).

      PRAKTISCHE WEISHEIT

      10. Welche peinliche Situation kann uns erspart bleiben, wenn wir ‘uns als Geringere benehmen’?

      10 Die Bibel hat viel über praktische Weisheit zu sagen. Sie spricht zum Beispiel davon, daß es weise ist, scharfe Werkzeuge zu benutzen, damit man sich nicht unnötigerweise anstrengen muß (Pred. 10:10). Gottes Wort erteilt uns auch praktischen Rat darüber, wie wir ‘uns als Geringere benehmen’ können. Jesus zeigte das gemäß Lukas 14:8-11, indem er sagte: „Wenn du von jemandem zu einem Hochzeitsfest eingeladen bist, so lege dich nicht an dem hervorragendsten Platz nieder. Vielleicht mag ein Vornehmerer als du zur gleichen Zeit von ihm eingeladen worden sein, und der dich und ihn eingeladen hat, wird kommen und zu dir sagen: ,Laß diesen den Platz haben.‘ Und dann wirst du beschämt davongehen, um den untersten Platz einzunehmen. Wenn du aber eingeladen bist, so geh und lege dich auf den untersten Platz, damit, wenn der kommt, der dich eingeladen hat, er zu dir sage: ,Freund, rücke höher hinauf.‘ Dann wirst du vor allen Mitgästen geehrt sein. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

      11. (a) Wieso trägt es zu einem guten Verhältnis zu anderen bei, wenn wir ‘uns als Geringere benehmen’? (b) In welcher anderen Hinsicht ist diese Gesinnung eine Hilfe?

      11 Das Bemühen, zu anderen ein gutes Verhältnis zu haben, kann ohne weiteres als praktische Weisheit bezeichnet werden. Eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen, besteht darin, daß man ‘sich als ein Geringerer benimmt’. Es entspricht der Wesensart des Menschen, um seine Ehre besorgt zu sein. Wenn wir daher ehrgeizig sind oder darauf bedacht sind, andere zu übertreffen, rufen wir bei ihnen ein unangenehmes Gefühl hervor. ‘Benehmen wir uns aber als Geringere’, so bedrohen wir nicht ihre Stellung und tragen nicht dazu bei, daß sie sich unsicher fühlen oder geringer vorkommen. Wir drängen sie nicht in die Defensive. Deshalb werden sie uns um so eher mit Freundlichkeit und Zuneigung begegnen. ‘Uns als Geringere zu benehmen’ wird uns auch davor bewahren, mit anderen zu rivalisieren und uns dabei zu übernehmen. Es wird uns davon abhalten, etwas zu wagen, was über unsere Fähigkeiten oder Kräfte hinausgeht; wir werden uns also nicht zuviel zumuten. Jesus drückte es noch besser aus, als er sagte, es sei weise, die Kosten zu berechnen. Außerdem wird praktische Weisheit uns davon zurückhalten, mehr zu versprechen, als wir halten können (Luk. 14:28).

      12. Inwiefern ist es uns in der Familie eine Hilfe, wenn wir ‘uns als Geringere benehmen’?

      12 Praktische Weisheit, die uns veranlaßt, ‘uns als Geringere zu benehmen’, ist auch in der Familie am Platz. Eine weise Frau ist zum Beispiel damit zufrieden, ihrem Mann als sein Gegenstück untertan zu sein, da sie weiß, daß dies zum Frieden in der Familie beiträgt und dem Glück förderlich ist. Ihre Bereitwilligkeit, diese Rolle zu spielen, trägt ihr die Zuneigung und Liebe ihres Mannes ein und weckt bei ihm den Wunsch, etwas für sie zu tun. Und was könnte eine Frau glücklicher machen, als daß ihr Mann ihr so sehr zugetan ist, daß er ihr gegenüber stets in Wort und Tat seine Dankbarkeit und Zuneigung zum Ausdruck bringt? Aber auch ein Mann, der einsieht, daß seine Frau ihm in einer gewissen Beziehung überlegen ist, bekundet praktische Weisheit, wenn er sich auf dem betreffenden Gebiet mit der Rolle des „Geringeren“ zufriedengibt und in seiner Stellung als Haupt der Frau entsprechende Anerkennung schenkt. Das wird auf sie eine ebenso günstige Wirkung haben.

      SELBSTLOSE LIEBE — DIE GRÖSSTE HILFE

      13, 14. Wie half selbstlose Liebe (a) Jonathan, (b) Jesus Christus, ‘sich als Geringere zu benehmen’?

      13 In erster Linie werden uns Zuneigung und selbstlose Liebe helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’. Ein gutes Beispiel dafür ist Jonathan, der Sohn König Sauls. Nachdem David den Riesen Goliath getötet hatte, begab es sich, wie der Bericht sagt, daß „sich Jonathans Seele mit Davids Seele verband, und Jonathan begann ihn zu lieben wie seine eigene Seele“ (1. Sam. 18:1). Im Laufe der Zeit erkannte Jonathan, daß Jehova nicht ihn, sondern David dazu erwählt hatte, nach Saul König in Israel zu sein. Doch aufgrund seiner Liebe zu David lag es ihm fern, David zu beneiden. So sagte er zu ihm: „Fürchte dich nicht; denn die Hand Sauls, meines Vaters, wird dich nicht finden, und du selbst wirst König über Israel sein, und ich selbst werde Zweiter nach dir werden“ (1. Sam. 23:17).

      14 Welch ein vortreffliches Beispiel gab uns doch auch Jesus Christus! Er sagte: „Ich [liebe] den Vater.“ Aufgrund dieser Liebe dachte Jesus keinen Augenblick daran, seinem Vater gleich zu sein, sondern schätzte es, daß Jehova Gott sein Haupt war (Joh. 14:31; 1. Kor. 11:3; Phil. 2:6). Außerdem war er aufgrund seiner großen Liebe zu seinen Fußstapfennachfolgern bereit, für sie zu sterben (Eph. 5:25). Das Beispiel, das Jesus in der Demut und in der Liebe gab, sollte uns bestimmt helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’.

      15. Wieso war der Apostel Paulus in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel?

      15 Wie wir gesehen haben, benahm sich der Apostel Paulus gegenüber seinen Mitchristen ‘als ein Geringerer’. Aus welchem Grund? Weil er sie sehr liebte. Deshalb schrieb er an seine Mitchristen in Rom, er freue sich nicht nur darauf, ihren Glauben zu stärken, sondern auch darauf, daß sie seinen Glauben durch einen Austausch von Ermunterung stärken würden (Röm. 1:8-12). Von demselben Anliegen zeugen auch seine Worte an die Brüder in Korinth: „Unser Mund hat sich vor euch aufgetan, ihr Korinther, unser Herz ist weit geworden. Ihr habt in uns keinen engen Raum, aber in euren eigenen Gefühlen inniger Zuneigung habt ihr engen Raum. So werdet als Entgelt — ich rede wie zu Kindern — auch ihr weit“ (2. Kor. 6:11-13). Beachten wir ähnliche Hinweise in seinen Briefen an die Christen in Philippi und in Thessalonich (Phil. 1:8; 4:1; 1. Thess. 2:7, 8).

      16, 17. (a) Was ist über diesbezügliche Beispiele in der heutigen Zeit zu sagen? (b) Wieso kann uns die Liebe helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’?

      16 Haben wir nicht auch eine ganze Reihe vortrefflicher Beispiele in der heutigen Zeit? Es gibt viele Christen, die verantwortliche Stellungen bekleiden und ein gutes Beispiel geben, indem sie ‘sich als Geringere’ benehmen. Demütig stehen sie ihren Brüdern, die Hilfe benötigen, zu Diensten. Das zeigt sich besonders bei unseren größeren Zusammenkünften. Ungeachtet ihrer Begabung oder ihrer Stellung in der Organisation krempeln sozusagen alle die Ärmel hoch und packen mit an, um die Arbeit zu bewältigen.

      17 Selbstlose Liebe wird uns zweifellos helfen, ‘uns als Geringere zu benehmen’. Ja, ‘die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf und sucht nicht ihre eigenen Interessen’. Sie ist nicht allzusehr darauf bedacht, das ihr rechtmäßig Zustehende zu erhalten (1. Kor. 13:4, 5). Liebe kann uns wirklich eine Hilfe sein, denn sie veranlaßt uns, ‘nicht unseren eigenen Vorteil zu suchen, sondern den der anderen’ (1. Kor. 10:24). Paulus schrieb an die Christen in Galatien: „Durch Liebe dient einander wie Sklaven.“ Einander wie Sklaven zu dienen setzt gewiß voraus, daß wir uns alle ‘als Geringere benehmen’ (Gal. 5:13).

      18. Was läßt sich zusammenfassend über das Bemühen sagen, ‘sich als ein Geringerer zu benehmen’?

      18 Sowohl die biblischen Aufzeichnungen als auch die weltliche Geschichte des Altertums und der Neuzeit beweisen, daß man weise handelt, wenn man ‘sich als ein Geringerer benimmt’. Es trägt zu einem guten Verhältnis zu Jehova Gott, zu unseren Mitchristen und zu unseren Familienangehörigen bei. Außerdem wird man dadurch glücklich, denn man gibt anderen, indem man ihnen Vorteile oder Vorzüge einräumt; und „beglückender ist Geben als Empfangen“ (Apg. 20:35). Des weiteren haben wir vieles, was uns hilft, ‘uns als Geringere zu benehmen’, indem wir u. a. biblische Beispiele nachahmen, den Grundsatz der Leitung durch ein Haupt anerkennen, den Geist eines gesunden Sinnes walten lassen, der Führung des heiligen Geistes Gottes folgen und praktische Weisheit sowie selbstlose Liebe bekunden. Mögen wir es stets als ein Vorrecht und als einen Segen betrachten, uns zum Nutzen anderer und zu unserem eigenen Nutzen und vor allem zum Lobpreis Jehovas ‘als Geringere zu benehmen’.

      „Möge sich der Weise ... der Starke ... der Reiche nicht ... rühmen ... Wer sich aber rühmt, rühme sich allein dessen: Einsicht zu haben und Erkenntnis von mir zu haben, daß ich Jehova bin, der Eine, der liebende Güte, Recht und Gerechtigkeit auf der Erde übt; denn an diesen Dingen habe ich Gefallen“ (Jer. 9:23, 24).

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