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Abraham — Ein Beispiel des GlaubensDer Wachtturm 2001 | 15. August
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Abraham — Ein Beispiel des Glaubens
„[Abraham war] der Vater all derer ..., die Glauben haben“ (RÖMER 4:11).
1, 2. (a) Wofür ist Abraham unter wahren Christen heute bekannt? (b) Weshalb wird Abraham der ‘Vater all derer, die Glauben haben’ genannt?
ER WAR der Vorvater einer mächtigen Nation, ein Prophet, ein Geschäftsmann, ein Mann mit großer Autorität. Unter Christen ist er heute besonders wegen der Eigenschaft bekannt, die Jehova Gott veranlaßte, ihn als seinen Freund zu betrachten — sein unerschütterlicher Glaube (Jesaja 41:8; Jakobus 2:23). Sein Name war Abraham, und die Bibel nennt ihn den ‘Vater all derer, die Glauben haben’ (Römer 4:11).
2 Gab es aber nicht bereits vor Abraham Männer, die sich durch Glauben auszeichneten, wie zum Beispiel Abel, Henoch und Noah? Gewiß, doch der Bund, durch den alle Nationen der Erde gesegnet werden sollten, wurde mit Abraham geschlossen (1. Mose 22:18). So wurde er sinnbildlich der Vater all derer, die an den verheißenen Samen glauben würden (Galater 3:8, 9). In gewissem Sinne kann Abraham auch als unser Vater angesehen werden, weil sein Glaube als nachahmenswertes Beispiel dient. Sein ganzes Leben kann als ein Ausdruck des Glaubens betrachtet werden, denn es bestand aus zahlreichen Prüfungen. Schon lange vor der Glaubensprüfung, die man als seine größte bezeichnen könnte — die Aufforderung, seinen Sohn Isaak zu opfern —, bewies Abraham seinen Glauben in vielen kleineren Prüfungen (1. Mose 22:1, 2). Setzen wir uns nun mit einigen dieser frühen Glaubensprüfungen auseinander, und untersuchen wir, was wir daraus lernen können.
Die Aufforderung, Ur zu verlassen
3. Was wird uns in der Bibel über Abrams Herkunft berichtet?
3 Die Bibel stellt uns Abram (später Abraham genannt) in 1. Mose 11:26 vor, wo es heißt: „Terach lebte siebzig Jahre, danach wurde er der Vater Abrams, Nahors und Harans.“ Abram war ein Nachkomme des gottesfürchtigen Sem (1. Mose 11:10-24). Gemäß 1. Mose 11:31 lebte Abram mit seiner Familie in dem wohlhabenden „Ur der Chaldäer“, einer Stadt, die auf der Ostseite des Euphrat lag.a Er wuchs somit nicht als ein in Zelten lebender Nomade auf, sondern als Bewohner einer Stadt, die großen Luxus zu bieten hatte. In den Basaren von Ur gab es importierte Waren zu kaufen. Weißgetünchte Häuser, die bis zu 14 Räume hatten und vollständig mit sanitären Anlagen ausgestattet waren, säumten die Straßen.
4. (a) Welche Herausforderung stellte Ur für Anbeter des wahren Gottes dar? (b) Wie kam es, daß Abram an Jehova glaubte?
4 Abgesehen von allen materiellen Vorteilen, die Ur bot, stellte die Stadt für jeden, der dem wahren Gott dienen wollte, eine ernstzunehmende Herausforderung dar. Die Bewohner waren tief in Götzendienst und Aberglauben verstrickt. Eine hochragende Zikkurat zu Ehren des Mondgottes Nanna beherrschte das Stadtbild. Zweifellos wurde großer Druck auf Abram ausgeübt — möglicherweise auch von Angehörigen —, sich an dieser erniedrigenden Anbetung zu beteiligen. Nach jüdischen Überlieferungen war Abrams Vater, Terach, selbst ein Hersteller von Götzen (Josua 24:2, 14, 15). Doch wie dem auch sei, Abram praktizierte jedenfalls nicht die entwürdigende falsche Anbetung. Sem, sein betagter Vorvater, war noch am Leben und vermittelte ihm ohne Zweifel Erkenntnis über den wahren Gott. So glaubte Abram nicht an Nanna, sondern an Jehova (Galater 3:6).
Eine Glaubensprüfung
5. Welches Gebot und welche Verheißung gab Gott Abram, als er noch in Ur war?
5 Abrams Glaube sollte geprüft werden. Gott erschien Abram und gebot ihm: „Zieh hinweg aus deinem Land und von deinen Verwandten und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde; und ich werde aus dir eine große Nation machen, und ich werde dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen; und erweise dich als ein Segen. Und ich will die segnen, die dich segnen; und den, der Übles auf dich herabruft, werde ich verfluchen, und alle Familien des Erdbodens werden sich bestimmt durch dich segnen“ (1. Mose 12:1-3; Apostelgeschichte 7:2, 3).
6. Warum benötigte Abram echten Glauben, um Ur zu verlassen?
6 Abram war betagt und kinderlos. Wie könnte er zu einer großen Nation gemacht werden? Und wo lag das Land, in das er gehen sollte? Gott sagte es ihm damals nicht. Daher benötigte Abram echten Glauben, das wohlhabende Ur mit seinen Annehmlichkeiten hinter sich zu lassen. Wie es in dem Werk Sitte und Sippe in Bibel und Orient in bezug auf das Altertum heißt, „war von allen Strafen, die einem Familienmitglied zudiktiert werden konnten, wenn es sich eines schweren Verbrechens schuldig gemacht hatte, die schlimmste und härteste die, es aus der Familie auszustoßen, es seiner ‚Mitgliedschaft‘ in der Familie zu entkleiden ... Deswegen war es ein so unerhörter Beweis des bedingungslosen Gehorsams und des blinden Vertrauens in Gott, als Abraham [damals Abram] dem göttlichen Rufe folgend, nicht nur sein Land, sondern auch seine Verwandten ... verließ“.
7. Inwiefern könnten Christen heute mit ähnlichen Prüfungen konfrontiert werden wie Abram?
7 Christen können heute mit ähnlichen Prüfungen konfrontiert werden. Wie Abram drängt man uns womöglich, materielle Interessen den theokratischen Belangen voranzustellen (1. Johannes 2:16). Vielleicht verspüren wir den Widerstand ungläubiger Familienangehöriger — auch solcher, denen die Gemeinschaft entzogen worden ist —, die uns möglicherweise dazu verleiten möchten, abträgliche Gemeinschaft zu pflegen (Matthäus 10:34-36; 1. Korinther 5:11-13; 15:33). Abram ist somit ein vorzügliches Beispiel für uns. Er stellte seine Freundschaft mit Jehova allem voran — selbst den Familienbanden. Er wußte nicht genau, wie, wann oder wo sich Gottes Verheißungen erfüllen würden. Dennoch war er bereit, sein Leben nach jenen Verheißungen auszurichten. Welch eine schöne Ermunterung für uns heute, das Königreich allem voranzustellen! (Matthäus 6:33).
8. Wie beeinflußte Abrams Glaube seine engsten Familienangehörigen, und was könnten Christen daraus lernen?
8 Was ist von den engsten Angehörigen Abrams zu sagen? Abrams Glaube und Überzeugung hatten offensichtlich einen tiefgreifenden Einfluß auf sie, denn sowohl seine Frau, Sarai, als auch sein verwaister Neffe namens Lot waren bereit, dem Ruf Gottes zu gehorchen und Ur zu verlassen. Abrams Bruder Nahor und einige von dessen Nachkommen verließen Ur später und nahmen Wohnsitz in Haran, wo sie Jehova anbeteten (1. Mose 24:1-4, 10, 31; 27:43; 29:4, 5). Ja sogar Abrams Vater, Terach, war damit einverstanden, mit seinem Sohn aufzubrechen. Die Bibel gibt daher ihm, dem Familienoberhaupt, die Ehre für den Wegzug aus Ur (1. Mose 11:31). Könnten eventuell auch wir Erfolg haben, wenn wir unseren Verwandten taktvoll Zeugnis geben?
9. Welche Vorbereitungen mußte Abram für die Reise treffen, und warum könnte das Opfer bedeutet haben?
9 Bevor sich Abram auf die Reise machte, gab es viel zu tun. Er mußte Grundbesitz und Güter veräußern und dafür Zelte, Kamele, Nahrungsmittel und die notwendige Ausrüstung erwerben. Bei diesen eiligen Vorbereitungen erlitt Abram womöglich finanzielle Einbußen, doch er gehorchte freudig Jehova. Welch ein denkwürdiger Tag, als die Vorbereitungen abgeschlossen waren und Abrams Karawane aufbruchbereit außerhalb der Mauern von Ur stand! Dem Euphratbogen folgend, zog die Karawane nordwestwärts. Mehrere Wochen später, nach einer Reise von etwa 1 000 Kilometern, erreichte sie die nordmesopotamische Stadt Haran, eine wichtige Raststelle für Karawanen.
10, 11. (a) Warum blieb Abram wahrscheinlich einige Zeit in Haran? (b) Was kann Christen ermuntern, die sich um ihre betagten Eltern kümmern?
10 In Haran ließ sich Abram wahrscheinlich aus Rücksicht auf Terach, seinen betagten Vater, nieder (3. Mose 19:32). Heute haben viele Christen ebenfalls für betagte oder kranke Eltern zu sorgen. Deshalb haben einige sogar ihr Leben umgestellt. Wenn das nötig geworden ist, dürfen die Betreffenden davon überzeugt sein, daß die Opfer, die sie liebevollerweise bringen, „in Gottes Augen annehmbar“ sind (1. Timotheus 5:4).
11 Die Zeit verging. „Die Tage Terachs wurden zweihundertfünf Jahre. Dann starb Terach in Haran.“ Abram trauerte mit Sicherheit über diesen Verlust, doch als die Zeit der Trauer vorüber war, brach er sogleich auf. „Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran auszog. So nahm Abram Sarai, seine Frau, und Lot, den Sohn seines Bruders, und alle Habe, die sie angesammelt hatten, und die Seelen, die sie in Haran erworben hatten, und sie machten sich auf den Weg, um in das Land Kanaan zu ziehen“ (1. Mose 11:32; 12:4, 5).
12. Was tat Abram, während er sich in Haran aufhielt?
12 Interessanterweise heißt es von Abram, er habe während seines Aufenthalts in Haran ‘Habe angesammelt’. Er hatte zwar in materieller Hinsicht Opfer gebracht, damit er Ur verlassen konnte, doch als er Haran verließ, war er ein wohlhabender Mann. Das war eindeutig dem Segen Gottes zuzuschreiben (Prediger 5:19). Gott hat seinen heutigen Dienern zwar nicht Reichtum verheißen, doch er hält sich an sein Versprechen, für die Bedürfnisse derer zu sorgen, die um des Königreiches willen ‘Häuser, Brüder oder Schwestern verlassen’ (Markus 10:29, 30). Abram ‘erwarb auch Seelen’, das heißt eine Dienerschaft. Die jerusalemischen Targume sagen gemäß der aramäischen Paraphrasierung, Abram habe Proselyten gemacht (1. Mose 18:19). Drängt es uns, mit Nachbarn, Arbeitskollegen oder Mitschülern über unseren Glauben zu sprechen? Abram wurde nicht etwa in Haran seßhaft und vergaß Gott, sondern er nutzte die Zeit dort auf produktive Weise. Aber jetzt war diese Zeit zu Ende. „Darauf ging Abram, so wie Jehova zu ihm geredet hatte“ (1. Mose 12:4).
Den Euphrat überquert
13. Wann überquerte Abram den Euphrat, und von welcher Bedeutung war dies?
13 Erneut mußte sich Abram auf die Reise machen. Von Haran aus zog er mit seiner Karawane etwa 90 Kilometer in westliche Richtung. Möglicherweise legte er am Euphrat, gegenüber dem alten Handelszentrum Karkemisch, einen Zwischenaufenthalt ein. Hier befand sich eine für Karawanen geeignete Furt.b Wann überquerte Abrams Karawane den Strom? Wie aus der Bibel hervorgeht, fand es 430 Jahre vor dem 14. Nisan 1513 v. u. Z. statt, dem Tag des Auszugs der Juden aus Ägypten. In 2. Mose 12:41 heißt es: „Es geschah am Ende der vierhundertdreißig Jahre, ja es geschah an ebendiesem Tag, daß alle Heere Jehovas aus dem Land Ägypten auszogen.“ Offensichtlich trat der abrahamische Bund dann am 14. Nisan 1943 v. u. Z. in Kraft, als Abram im Gehorsam gegenüber Gott den Euphrat überquerte.
14. (a) Was konnte Abram mit den Augen des Glaubens sehen? (b) In welchem Sinn sind Gottes Diener heute mehr gesegnet, als Abram es war?
14 Abram hatte eine wohlhabende Stadt verlassen. Doch jetzt konnte er vor seinem geistigen Auge „die Stadt, die wahre Grundlagen hat“, sehen — eine gerechte Regierung über die Menschheit (Hebräer 11:10). Mit nur wenigen Informationen hatte Abram nach und nach die Grundzüge des Vorsatzes Gottes erfaßt, nämlich die sterbende Menschheit zu erlösen. Heute sind wir mit einem weit umfassenderen Verständnis der Vorsätze Gottes gesegnet, als Abram es hatte (Sprüche 4:18). Die „Stadt“ oder Regierung, das Königreich, auf das Abram hoffte, ist jetzt eine Realität. 1914 wurde es im Himmel aufgerichtet. Sollten wir da nicht zu Taten angeregt werden, die von Glauben zeugen und von Vertrauen auf Jehova?
Der Aufenthalt im Land der Verheißung beginnt
15, 16. (a) Warum erforderte es von Abram Mut, Jehova einen Altar zu bauen? (b) Wie können Christen heute ebenso mutig sein wie Abram?
15 In 1. Mose 12:5, 6 wird berichtet: „Schließlich kamen sie in das Land Kanaan. Und Abram durchzog nun das Land bis zur Stätte von Sichem bei den großen Bäumen von More.“ Sichem lag 50 Kilometer nördlich von Jerusalem in einem fruchtbaren Tal, das später das „Paradies des Heiligen Landes“ genannt wurde. Allerdings war „zu jener Zeit ... der Kanaaniter im Land“. Die Kanaaniter waren moralisch verdorben; Abram mußte sich daher Mühe geben, seine Familie vor ihrem verderblichen Einfluß zu schützen (2. Mose 34:11-16).
16 Zum zweiten Mal „erschien [Jehova] nun dem Abram und sprach: ‚Deinem Samen werde ich dieses Land geben.‘ “ Wie begeisternd! Natürlich benötigte Abram Glauben, damit er sich über etwas freuen konnte, was erst seinen künftigen Nachkommen zuteil werden würde. Doch als Erwiderung „baute er dort Jehova, der ihm erschienen war, einen Altar“ (1. Mose 12:7). Ein Bibelgelehrter schreibt: „Einen Altar in dem Land zu errichten war eigentlich eine Form der Besitznahme desselben auf Grund eines durch die Ausübung seines Glaubens garantierten Rechts.“ Einen solchen Altar zu bauen war auch eine Tat, die Mut erforderte. Dieser Altar entsprach zweifellos der Art, wie sie später im Gesetzesbund festgelegt wurde, und bestand aus unbehauenen Natursteinen (2. Mose 20:24, 25). Er sah auffallend anders aus als die Altäre der Kanaaniter. Abram trat also auch in der Öffentlichkeit mutig als ein Anbeter Jehovas, des wahren Gottes, auf und mußte nicht nur mit Böswilligkeiten rechnen, sondern setzte sich möglicherweise auch realer Gefahr aus. Wie verhält es sich mit uns heute? Versäumen es einige von uns — besonders Jüngere —, Nachbarn oder Mitschüler wissen zu lassen, daß wir Jehova anbeten? Lassen wir uns alle durch Abrams mutiges Beispiel dazu anspornen, stolz darauf zu sein, daß wir Diener Jehovas sind!
17. Inwiefern erwies sich Abram als ein Verkündiger des Namens Gottes, und woran erinnert das Christen heute?
17 Überall, wohin Abram ging, war die Anbetung Jehovas für ihn das Wichtigste. „Später zog er von dort zur Berggegend östlich von Bethel und schlug sein Zelt so auf, daß Bethel im Westen lag und Ai im Osten. Dann baute er dort Jehova einen Altar und begann den Namen Jehovas anzurufen“ (1. Mose 12:8). Im Hebräischen bedeutet „den Namen ... anzurufen“ auch „den Namen ... auszurufen (zu verkündigen)“. Abram verkündigte unter seinen kanaanitischen Nachbarn zweifellos freimütig den Namen Jehovas (1. Mose 14:22-24). Das erinnert uns an unsere Pflicht, heute einen möglichst großen Anteil daran zu haben, „eine öffentliche Erklärung für seinen Namen ab[zu]geben“ (Hebräer 13:15; Römer 10:10).
18. Wie sah das Verhältnis Abrams zu den Bewohnern Kanaans aus?
18 Abram blieb jeweils nur kurze Zeit an einem Ort. „Danach brach Abram das Lager ab und zog dann von Lagerplatz zu Lagerplatz zum Negeb“, dem semiariden Gebiet südlich der Berge Judas (1. Mose 12:9). Ständig zog er weiter und gab sich an jedem neuen Ort als ein Anbeter Jehovas zu erkennen. Dadurch „erklärten“ Abram und seine Hausgemeinschaft „öffentlich, daß sie Fremde und zeitweilig Ansässige im Land seien“ (Hebräer 11:13). Stets vermieden sie es, ihren heidnischen Nachbarn zu nahe zu kommen. Desgleichen dürfen Christen heute „kein Teil der Welt“ sein (Johannes 17:16). Wir sind zwar gegenüber unseren Nachbarn und Arbeitskollegen freundlich und höflich, achten jedoch gewissenhaft darauf, uns nicht zu einem Benehmen verleiten zu lassen, das den Geist der von Gott entfremdeten Welt widerspiegelt (Epheser 2:2, 3).
19. (a) Warum brachte das Nomadenleben für Abram und Sarai Herausforderungen mit sich? (b) Welche weiteren Herausforderungen zeichneten sich bereits drohend am Horizont ab?
19 Vergessen wir nicht, daß die Anpassung an die Härten des Nomadenlebens weder für Abram noch für Sarai leicht gewesen sein dürfte. Sie ernährten sich von Erzeugnissen, die von ihren Viehherden stammten, und nicht von Lebensmitteln, die man in den gut gefüllten Basaren in Ur kaufen konnte. Auch wohnten sie nicht in einem solide gebauten Haus, sondern in Zelten (Hebräer 11:9). Abram führte ein ausgefülltes Leben. Er hatte vollauf damit zu tun, sich um seine Herden und seine Dienerschaft zu kümmern. Sarai war zweifellos mit den Aufgaben beschäftigt, die in jener Kultur traditionsgemäß den Frauen zufielen: Sie knetete Teig, backte Brot, spann Wolle, nähte Kleidung (1. Mose 18:6, 7; 2. Könige 23:7; Sprüche 31:19; Hesekiel 13:18). Und neue Prüfungen zeichneten sich bereits am Horizont ab. Bald sollten Abram und seine Hausgemeinschaft mit einer Situation konfrontiert werden, in der ihr Leben auf dem Spiel stand. War Abrams Glaube der Herausforderung gewachsen?
[Fußnoten]
a Der Euphrat fließt heute zwar etwa 16 Kilometer östlich der Stelle, wo früher Ur lag, doch deutet vieles darauf hin, daß der Strom im Altertum unmittelbar westlich der Stadt floß. Von Abram konnte also gesagt werden, er komme „von jenseits des STROMES [Euphrat]“ (Josua 24:3).
b Jahrhunderte danach gebrauchte der assyrische König Assurnasirpal II. Flöße zum Überqueren des Euphrat bei Karkemisch. Ob das auch auf Abram zutraf oder ob er mit seiner Karawane einfach den Euphrat durchwatete, wird in der Bibel nicht erwähnt.
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Glauben bekunden wie AbrahamDer Wachtturm 2001 | 15. August
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Glauben bekunden wie Abraham
„Die, die am Glauben festhalten, [sind] die Söhne Abrahams“ (GALATER 3:7).
1. Wie wurde Abram in Kanaan mit einer neuen Prüfung fertig?
IM Gehorsam gegenüber dem Befehl Jehovas hatte Abram ein bequemes Leben in Ur hinter sich gelassen. Die Unannehmlichkeiten, denen er in den darauffolgenden Jahren begegnete, waren lediglich der Auftakt zu einer Glaubensprüfung, die in Ägypten auf ihn wartete. Der Bibelbericht sagt: „Nun entstand eine Hungersnot im Land.“ Nur allzuleicht hätte Abram über seine Lage verbittert sein können, doch er unternahm praktische Schritte, um für seine Familie zu sorgen. „Abram zog nach Ägypten hinab, um dort als Fremdling zu weilen, denn die Hungersnot war schwer im Land.“ Abrams große Hausgemeinschaft konnte in Ägypten kaum unbemerkt bleiben. Würde Jehova sein Versprechen wahr machen und Abram vor allem Schaden bewahren? (1. Mose 12:10; 2. Mose 16:2, 3).
2, 3. (a) Warum verschwieg Abram, daß Sarai seine Frau war? (b) Wie behandelte Abram seine Frau in dieser Situation?
2 In 1. Mose 12:11-13 lesen wir: „Es geschah, als er nahe daran war, Ägypten zu betreten, daß er dann zu Sarai, seiner Frau, sagte: ‚Siehe, bitte! Ich weiß wohl, daß du eine Frau von schönem Aussehen bist. Somit wird es ganz bestimmt geschehen, daß die Ägypter dich sehen und sagen werden: „Das ist seine Frau.“ Und sie werden mich gewiß töten, dich aber werden sie am Leben erhalten. Sag bitte, du seist meine Schwester, damit es mir deinetwegen gutgeht und meine Seele um deinetwillen bestimmt lebt.‘ “ Trotz ihres Alters von mehr als 65 Jahren war Sarai auffallend schön. Dadurch war Abrams Leben in Gefahr (1. Mose 12:4, 5; 17:17).a Aber noch bedeutsamer war, daß die Interessen Jehovas auf dem Spiel standen, denn er hatte gesagt, durch Abrams Samen würden sich alle Nationen der Erde segnen (1. Mose 12:2, 3, 7). Da Abram immer noch kinderlos war, kam es darauf an, daß er am Leben blieb.
3 Abram griff zu einer Taktik, auf die er sich mit seiner Frau bereits früher geeinigt hatte: Sie sollte sich als seine Schwester ausgeben. Beachten wir, daß er sich, obwohl er über patriarchalische Gewalt verfügte, um Sarais Zustimmung und Unterstützung bemühte und nicht etwa seine Stellung mißbrauchte (1. Mose 12:11-13; 20:13). Abram gab damit Ehemännern ein gutes Beispiel, indem er seine Autorität als Haupt liebevoll ausübte, und Sarais Unterwürfigkeit ist für Ehefrauen heute ein nachahmenswertes Beispiel (Epheser 5:23-28; Kolosser 4:6).
4. Wie sollten sich heute treue Diener Gottes verhalten, wenn das Leben ihrer Brüder in Gefahr ist?
4 Sarai konnte ohne weiteres sagen, sie sei Abrams Schwester, da sie seine Halbschwester war (1. Mose 20:12). Überdies war er nicht verpflichtet, Unbefugten Auskunft zu geben (Matthäus 7:6). Treue Diener Gottes der heutigen Zeit halten sich an das biblische Gebot der Ehrlichkeit (Hebräer 13:18). Sie würden beispielsweise niemals vor Gericht einen Meineid schwören. Wenn jedoch das Leben ihrer Brüder in Gefahr ist — ob in buchstäblicher oder geistiger Hinsicht —, was in Verfolgungszeiten oder bei Bürgerunruhen der Fall sein kann, befolgen sie Jesu Rat, „vorsichtig wie Schlangen und doch unschuldig wie Tauben“ zu sein (Matthäus 10:16; siehe Wachtturm, 1. November 1996, Seite 18, Absatz 19).
5. Warum war Sarai bereit, der Bitte Abrams nachzukommen?
5 Wie reagierte Sarai auf Abrams Bitte? Der Apostel Petrus spricht von Frauen, die wie sie „auf Gott hofften“. Sarai konnte somit verstehen, daß geistige Gesichtspunkte eine Rolle spielten. Außerdem liebte und respektierte sie ihren Mann. Daher traf sie die Wahl, ‘sich ihrem Mann zu unterwerfen’, und verschwieg, daß sie verheiratet war (1. Petrus 3:5). Natürlich ging sie damit ein gewisses Risiko ein. „Es [geschah], daß die Ägypter, sobald Abram Ägypten betrat, die Frau zu sehen bekamen und gewahrten, daß sie sehr schön war. Und die Fürsten Pharaos bekamen sie ebenfalls zu sehen, und sie begannen sie Pharao zu preisen, so daß die Frau in das Haus Pharaos geholt wurde“ (1. Mose 12:14, 15).
Von Jehova befreit
6, 7. In welcher beklagenswerten Lage befanden sich Abram und Sarai, und wie befreite Jehova Sarai?
6 Wie belastend dies für Abram und Sarai gewesen sein mußte! Es sah so aus, als würde sich Pharao an Sarai vergehen. Denn ihm war nicht bekannt, in welchem Stand sich Sarai eigentlich befand. Zudem überhäufte er Abram mit Geschenken, so daß er „Schafe und Rinder und Esel und Knechte und Mägde und Eselinnen und Kamele“ bekam (1. Mose 12:16).b Doch wie sehr Abram diese Geschenke verachtet haben muß! So schlecht die Situation auch aussah, Jehova hatte Abram nicht im Stich gelassen.
7 „Dann schlug Jehova Pharao und seine Hausgenossen mit großen Plagen wegen Sarai, der Frau Abrams“ (1. Mose 12:17). Auf eine nicht genannte Art und Weise wurde Pharao die wahre Ursache dieser „Plagen“ enthüllt. Er reagierte unverzüglich: „Hierauf rief Pharao Abram und sprach: ‚Was hast du mir da angetan? Warum hast du mir nicht mitgeteilt, daß sie deine Frau ist? Warum sagtest du: „Sie ist meine Schwester“, so daß ich im Begriff war, sie mir zur Frau zu nehmen? Und nun, hier ist deine Frau. Nimm sie und geh!‘ Und seinetwegen ordnete Pharao Männer ab, und sie gaben ihm und seiner Frau und allem, was er hatte, das Geleit“ (1. Mose 12:18-20; Psalm 105:14, 15).
8. Welche Art Schutz sagt Jehova Christen heute zu?
8 Jehova garantiert uns heute nicht, vor Tod, Verbrechen, Hunger oder Naturkatastrophen bewahrt zu werden. Wir haben aber die Zusicherung, daß Jehova immer für Schutz vor Dingen sorgt, die unser Geistiggesinntsein gefährden könnten (Psalm 91:1-4). Das tut er, indem er uns vor allem durch sein Wort und durch den „treuen und verständigen Sklaven“ zeitgemäße Warnungen zukommen läßt (Matthäus 24:45). Wie steht es mit der Todesandrohung unter Verfolgung? Gott läßt möglicherweise zu, daß einzelne den Tod finden, doch er wird niemals zulassen, daß sein ganzes Volk ausgerottet wird (Psalm 116:15). Und wenn Treue sterben, dürfen wir davon überzeugt sein, daß sie auferweckt werden (Johannes 5:28, 29).
Opfer bringen zur Wahrung des Friedens
9. Was deutet darauf hin, daß Abram in Kanaan ständig umherzog?
9 Als die Hungersnot in Kanaan offensichtlich vorüber war, „zog Abram aus Ägypten hinauf, er und seine Frau und alles, was er hatte, und Lot mit ihm, nach dem Negeb [das semiaride Gebiet südlich der Berge Judas]. Und Abram war reich begütert an Viehherden und Silber und Gold“ (1. Mose 13:1, 2). Einheimische lernten ihn so als einen mächtigen, einflußreichen Mann, einen bedeutenden Vorsteher, kennen (1. Mose 23:6). Abram hatte nicht den Wunsch, sich niederzulassen und sich an der Politik der Kanaaniter zu beteiligen, sondern „er zog seines Weges von Lagerplatz zu Lagerplatz, vom Negeb bis nach Bethel, an den Ort, wo zuerst sein Zelt gewesen war, zwischen Bethel und Ai“. Wie immer und überall, wohin er kam, hatte für Abram die Anbetung Jehovas Priorität (1. Mose 13:3, 4).
10. Zu welcher Schwierigkeit kam es zwischen den Hirten Abrams und Lots, und warum war es wichtig, sie schnellstens zu bereinigen?
10 „Lot nun, der mit Abram zog, besaß ebenfalls Schafe und Rinder und Zelte. So ertrug das Land es nicht, daß sie alle beisammenwohnten, weil ihrer Habe viel geworden war, und sie vermochten nicht, alle beisammenzuwohnen. Und ein Zank entstand zwischen den Hirten des Viehbestandes Abrams und den Hirten des Viehbestandes Lots; und zu jener Zeit wohnten der Kanaaniter und der Perisiter im Land“ (1. Mose 13:5-7). Im Land gab es nicht so viel Wasser und Weideland, daß es für Abrams und Lots Herden gereicht hätte. Spannungen und Verärgerung unter den Hirten waren die Folge. Solches Gezänk schickte sich für Anbeter des wahren Gottes nicht. Falls die Streitereien anhielten, hätten sie zu einem dauerhaften Bruch führen können. Wie würde also Abram mit dieser Situation umgehen? Er hatte Lot nach dem Tod von dessen Vater adoptiert und ihn wahrscheinlich wie einen eigenen Sohn aufgezogen. Hätte es Abram als dem älteren von beiden nicht zugestanden, das Beste für sich zu nehmen?
11, 12. Welches großzügige Angebot machte Abram Lot, und wieso war Lots Wahl unklug?
11 Doch „Abram [sprach] zu Lot: ‚Laß bitte kein Gezänk mehr zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten sein, denn wir Männer sind Brüder. Steht dir nicht das ganze Land zur Verfügung? Bitte trenn dich von mir. Wenn du zur Linken gehst, dann will ich zur Rechten gehen; wenn du aber zur Rechten gehst, dann will ich zur Linken gehen.‘ “ In der Nähe von Bethel befindet sich eine Stelle, die als „ein berühmter Aussichtspunkt Palästinas“ bezeichnet wird. Vielleicht an diesem Ort „erhob Lot seine Augen und sah den ganzen ‚Bezirk des Jordan‘, daß er überall eine gut bewässerte Gegend war, bevor Jehova Verderben über Sodom und Gomorra brachte, wie der Garten Jehovas, wie das Land Ägypten, bis nach Zoar hin“ (1. Mose 13:8-10).
12 Die Bibel bezeichnet Lot zwar als einen „gerechten“ Mann, doch aus irgendeinem Grund ließ er Abram in dieser Angelegenheit nicht den Vortritt, noch hat es den Anschein, daß er ihn als den Älteren um Rat bat (2. Petrus 2:7). „Lot [wählte sich] den ganzen ‚Bezirk des Jordan‘, und Lot verlegte sein Lager nach Osten. So trennten sie sich einer von dem anderen. Abram wohnte im Land Kanaan, Lot aber wohnte inmitten der Städte des ‚Bezirks‘. Schließlich schlug er das Zelt in der Nähe von Sodom auf“ (1. Mose 13:11, 12). Sodom war eine wohlhabende Stadt und bot viele materielle Vorteile (Hesekiel 16:49, 50). Vom materiellen Standpunkt aus gesehen, schien es vielleicht so, als hätte Lot eine kluge Wahl getroffen, doch geistig gesehen, war dem nicht so. Wieso nicht? In 1. Mose 13:13 heißt es: „Die Männer von Sodom waren schlecht und waren arge Sünder gegen Jehova.“ Lots Entscheidung, dorthin zu ziehen, sollte seiner Familie schließlich großen Kummer bereiten.
13. Inwiefern ist Abrams Beispiel hilfreich für Christen, die wegen Geldangelegenheiten in Streit geraten könnten?
13 Abram hingegen bekundete Glauben an Jehovas Verheißung, daß sein Same einmal das ganze Land besitzen würde; er stritt sich nicht wegen eines schmalen Gebietsstreifens. Großzügig handelte er damals schon im Einklang mit dem Grundsatz, der heute in 1. Korinther 10:24 nachzulesen ist: „Jeder suche fortwährend nicht seinen eigenen Vorteil, sondern den des anderen.“ Wer wegen finanzieller Angelegenheiten in Streit mit einem Mitgläubigen verwickelt werden könnte, ist gut beraten, sich daran zu erinnern. Einige sind mit ihren Brüdern vor Gericht gegangen, statt den Rat aus Matthäus 18:15-17 zu befolgen (1. Korinther 6:1, 7). Doch wie das Beispiel Abrams zeigt, ist es besser, einen finanziellen Verlust hinzunehmen, als auf Jehovas Namen Schmach zu bringen oder den Frieden der Christenversammlung zu gefährden (Jakobus 3:18).
14. Wie sollte Abram für seine Großzügigkeit gesegnet werden?
14 Abram sollte für seine Großzügigkeit gesegnet werden. Gott erklärte: „Ich will deinen Samen gleich den Staubkörnchen der Erde machen, so daß, falls ein Mensch die Staubkörnchen der Erde zu zählen vermöchte, auch dein Same gezählt werden könnte.“ Wie ermutigend diese Offenbarung für den kinderlosen Abram doch gewesen sein mußte! Anschließend gebot Gott ihm: „Steh auf, durchwandere das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite, denn dir werde ich es geben“ (1. Mose 13:16, 17). Nein, Abram würde nicht erlaubt werden, sich bequem in einer Stadt niederzulassen. Er sollte sich von den Kanaanitern getrennt halten. Christen heute müssen ebenfalls von der Welt getrennt bleiben. Sie halten sich nicht etwa für etwas Besseres, sondern sie möchten keinen engen Umgang mit Personen haben, durch die sie zu einem unbiblischen Lebenswandel verleitet werden könnten (1. Petrus 4:3, 4).
15. (a) Welche Bedeutung kam dem Umherwandern Abrams möglicherweise zu? (b) Inwiefern ist Abram für christliche Familien heute ein Beispiel?
15 Wer in biblischen Zeiten Land in Besitz nahm, war berechtigt, es vorher zu inspizieren. In dem Land umherzuwandern diente Abram möglicherweise als ständige Erinnerung daran, daß dieses Land eines Tages seinen Nachkommen gehören würde. Gehorsam „lebte Abram weiterhin in Zelten. Später kam er und wohnte unter den großen Bäumen von Mamre, die in Hebron sind; und dort machte er sich daran, Jehova einen Altar zu bauen“ (1. Mose 13:18). Erneut bewies Abram, daß er der Anbetung einen hohen Stellenwert beimaß. Räumen wir in unserer Familie dem Familienstudium, dem gemeinsamen Gebet und dem Zusammenkunftsbesuch hohe Priorität ein?
Die Angriffe der Feinde
16. (a) Wieso lassen die ersten Worte in 1. Mose 14:1 Schlimmes ahnen? (b) Was war der Grund für den Einfall der vier Könige des Ostens?
16 „Nun geschah es in den Tagen Amraphels, des Königs von Schinar, Arjochs, des Königs von Ellasar, Kedorlaomers, des Königs von Elamc, und Tidals, des Königs von Gojim, daß diese Krieg führten.“ Im Hebräischen lassen die ersten Worte („Nun geschah es in den Tagen ...“) Schlimmes ahnen, denn sie weisen „auf eine Zeit der Prüfung hin, die segensreich ausgeht“ (1. Mose 14:1, 2, Fußnote). Zu dieser Prüfung kam es, als die erwähnten vier Könige des Ostens und ihre Heere einen folgenschweren Einfall in Kanaan unternahmen. Welches Ziel verfolgten sie? Sie wollten die Rebellion von fünf Städten — Sodom, Gomorra, Adma, Zebojim und Bela — beenden. Sie überwanden allen Widerstand und „marschierten als Verbündete in die Tiefebene Siddim, das ist das Salzmeer“. In dieser Gegend lebte Lot mit seiner Familie (1. Mose 14:3-7).
17. Inwiefern wurde Abrams Glaube geprüft, als Lot gefangengenommen wurde?
17 Die kanaanitischen Könige leisteten heftigen Widerstand, mußten aber eine demütigende Niederlage einstecken. „Dann nahmen die Sieger alle Habe von Sodom und Gomorra und all ihre Nahrung und gingen ihres Weges. Sie nahmen auch Lot, den Sohn des Bruders Abrams, und seine Habe mit und zogen auf ihrem Weg weiter. Er wohnte damals in Sodom.“ Schon recht bald erfuhr Abram von dem entsetzlichen Ereignis: „Nach diesem kam ein Entronnener und teilte es Abram, dem Hebräer, mit. Er zeltete damals unter den großen Bäumen des Amoriters Mamre, des Bruders von Eschkol und Bruders von Aner; und sie waren Abrams Bundesgenossen. So bekam Abram zu hören, daß sein Bruder gefangengenommen worden war“ (1. Mose 14:8-14). Welch eine Glaubensprüfung! Hegte er gegen seinen Neffen Groll, weil er den besseren Teil des Landes genommen hatte? Denken wir auch daran, daß die Eindringlinge aus Abrams Heimatland Schinar gekommen waren. Gegen sie zu kämpfen würde jede Möglichkeit zunichte machen, je wieder in die Heimat zurückzukehren. Was könnte Abram außerdem gegen ein Heer unternehmen, gegen das sich nicht einmal die vereinten Streitkräfte Kanaans hatten behaupten können?
18, 19. (a) Wie war es Abram möglich, Lot zu befreien? (b) Wer empfing die Ehre für den Sieg?
18 Wiederum vertraute Abram uneingeschränkt auf Jehova. „Hierauf bot er seine geübten Männer auf, dreihundertachtzehn in seinem Haus geborene Sklaven, und jagte ihnen nach bis Dan. Und bei Nacht ging er daran, gegen sie seine Streitkräfte zu teilen, er und seine Sklaven, und so besiegte er sie und jagte ihnen weiter nach bis Hoba, das nördlich von Damaskus liegt. Und er brachte dann die ganze Habe zurück, und auch Lot, seinen Bruder, und seine Habe und auch die Frauen und das Volk brachte er zurück“ (1. Mose 14:14-16). Abram bekundete starken Glauben an Jehova und führte seine zahlenmäßig weit unterlegenen Krieger zum Sieg, wobei er Lot und seine Angehörigen rettete. Jetzt begegnete Abram Melchisedek, dem König-Priester von Salem. „Melchisedek, König von Salem, brachte Brot und Wein heraus, und er war Priester Gottes, des Höchsten. Dann segnete er ihn und sprach: ‚Gesegnet sei Abram von Gott, dem Höchsten, dem, der Himmel und Erde hervorgebracht hat; und gesegnet sei Gott, der Höchste, der deine Bedrücker in deine Hand geliefert hat!‘ Darauf gab ihm Abram den Zehnten von allem“ (1. Mose 14:18-20).
19 Ja, der Sieg gehörte Jehova. Auf Grund seines Glaubens erlebte Abram wiederum Befreiung durch Jehova. Gottes Diener heute führen nicht buchstäblich Krieg, doch sie stehen vor vielen Prüfungen und Herausforderungen. Im nächsten Artikel wird gezeigt, wie Abrams Beispiel uns helfen kann, damit erfolgreich fertig zu werden.
[Fußnoten]
a In dem Werk Einsichten über die Heilige Schrift (herausgegeben von Jehovas Zeugen) heißt es, daß „gemäß einem alten Papyrustext ein Pharao bewaffneten Männern den Auftrag gab, eine hübsche Frau ihrem Mann wegzunehmen und ihren Mann zu töten“. Abrams Befürchtungen waren somit keineswegs übertrieben.
b Möglicherweise war unter den Knechten und Mägden, die Abram damals erhielt, auch Hagar, seine spätere Nebenfrau (1. Mose 16:1).
c Kritiker behaupteten einst, Elam habe niemals einen derartigen Einfluß auf Schinar ausgeübt und der Bericht über Kedorlaomers Angriff sei ein Märchen. Archäologische Beweise, die den Bibelbericht stützen, werden im Wachtturm vom 1. Juli 1989, Seite 4—7 erörtert.
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Nicht nachlassen, das zu tun, was vortrefflich istDer Wachtturm 2001 | 15. August
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Nicht nachlassen, das zu tun, was vortrefflich ist
„Laßt uns nicht nachlassen, das zu tun, was vortrefflich ist, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten“ (GALATER 6:9).
1, 2. (a) Weshalb ist Ausharren nötig, wenn man Gott dienen möchte? (b) Inwiefern bekundete Abraham Ausharren, und was half ihm dabei?
UNS Zeugen Jehovas bereitet es Freude, Gottes Willen zu tun. Außerdem finden wir es erquickend, unter dem „Joch“ der Jüngerschaft zu sein (Matthäus 11:29). Doch selbst gemeinsam mit Christus fällt es nicht immer leicht, Jehova zu dienen. Das machte der Apostel Paulus deutlich, als er Mitchristen dringend ans Herz legte: „Ihr bedürft des Ausharrens, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Erfüllung der Verheißung empfangen mögt“ (Hebräer 10:36). Ausharren ist nötig, weil der Dienst für Gott eine Herausforderung sein kann.
2 Das wird mit Sicherheit durch das Leben Abrahams bestätigt. Oftmals stand Abraham vor schwierigen Entscheidungen, und er mußte mit aufreibenden Situationen fertig werden. Daß er aufgefordert wurde, ein bequemes Leben in Ur aufzugeben, war erst der Anfang. Schon bald trat eine Hungersnot ein, er wurde von seinen Nachbarn angefeindet, man nahm ihm beinahe seine Frau weg, innerhalb der Verwandtschaft zeigten sich feindselige Gefühle, und er machte mit der Brutalität des Krieges Bekanntschaft. Ja, es sollten noch größere Prüfungen kommen. Doch Abraham hörte nie auf, das Rechte zu tun. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, daß er nicht das vollständige Wort Gottes besaß wie wir heute. Nichtsdestoweniger kannte er zweifellos die erste Prophezeiung, in der Gott erklärt hatte: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen“ (1. Mose 3:15). Als derjenige, durch den der Same kommen sollte, war Abraham natürlich Zielscheibe satanischer Anfeindungen. Doch er war sich dessen bewußt, und das half ihm, in seinen Prüfungen freudig auszuharren.
3. (a) Warum müssen Diener Jehovas heute mit Drangsalen rechnen? (b) Welche Ermunterung erhalten wir durch die Worte in Galater 6:9?
3 Jehovas Volk muß heute ebenfalls mit Drangsalen rechnen (1. Petrus 1:6, 7). Schließlich wird in Offenbarung 12:17 warnend darauf hingewiesen, daß Satan mit dem gesalbten Überrest ‘Krieg führt’. Die „anderen Schafe“ sind wegen ihrer engen Gemeinschaft mit den Gesalbten ebenfalls Zielscheibe des Zorns Satans (Johannes 10:16). Außer der Gegnerschaft, der wir als Christen möglicherweise im Predigtdienst begegnen, sind wir vielleicht auch schweren persönlichen Belastungen ausgesetzt. Paulus fordert uns auf: „Laßt uns nicht nachlassen, das zu tun, was vortrefflich ist, denn zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten“ (Galater 6:9). Satan hat es darauf abgesehen, unseren Glauben zu zerstören, doch wir sollten ihm widerstehen, fest im Glauben (1. Petrus 5:8, 9). Was kann unsere Treue bewirken? In Jakobus 1:2, 3 wird erklärt: „Erachtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Prüfungen geratet, da ihr ja wißt, daß die geprüfte Echtheit eures Glaubens Ausharren bewirkt.“
Frontalangriff
4. Wie hat Satan durch Frontalangriffe die Lauterkeit des Volkes Gottes zu brechen versucht?
4 Abrahams Leben ist ein Beispiel für „mancherlei Prüfungen“, in die auch ein Christ heute geraten kann. Beispielsweise mußte Abraham auf den Angriff der Eindringlinge aus Schinar reagieren (1. Mose 14:11-16). Es sollte uns somit nicht überraschen, daß Satan immer noch Frontalangriffe in Form von Verfolgung unternimmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das christliche Bildungswerk der Zeugen Jehovas in Dutzenden von Ländern mit einem staatlichen Verbot belegt. Im Jahrbuch der Zeugen Jehovas für 2001 wird berichtet, welche Gewalttätigkeiten Christen in Angola von seiten ihrer Feinde zu erdulden hatten. Unsere Brüder in solchen Ländern vertrauen auf Jehova und weigern sich standhaft aufzugeben. Sie reagieren darauf nicht etwa mit Gewalt oder Auflehnung, sondern setzen ihr Predigtwerk mit der nötigen Umsicht fort (Matthäus 24:14).
5. Wie könnten christliche Jugendliche in der Schule verfolgt werden?
5 Verfolgung muß nicht unbedingt Gewalttätigkeiten einschließen. Abraham wurde schließlich mit zwei Söhnen gesegnet: Ismael und Isaak. In 1. Mose 21:8-12 wird berichtet, daß Ismael bei einer Gelegenheit über Isaak „spottlachte“. Paulus zeigt in seinem Brief an die Galater, daß es sich dabei nicht um kindliche Spielerei, sondern um etwas Ernsteres handelte, denn er schreibt, Ismael habe Isaak verfolgt (Galater 4:29). Von Mitschülern verspottet oder von Gegnern beschimpft zu werden kann also zu Recht als Verfolgung bezeichnet werden. Ein junger Christ namens Ryan erinnert sich, wie er von Klassenkameraden gequält wurde: „Die 15minütige Busfahrt war für mich immer eine Qual, und wegen der Beschimpfungen schien sie Stunden zu dauern. Durch Büroklammern, die man mit einem Feuerzeug zum Glühen gebracht hatte, brachte man mir Verbrennungen bei.“ Warum eine solche Herzlosigkeit? „Auf Grund meiner theokratischen Erziehung war ich anders als die übrigen Jugendlichen in der Schule.“ Mit der Unterstützung seiner Eltern konnte Ryan dennoch treu ausharren. Ihr Jugendlichen, seid ihr wegen der spöttischen Bemerkungen Gleichaltriger entmutigt? Gebt nicht auf! Wenn ihr treu ausharrt, werdet ihr die Erfüllung der Worte Jesu erleben: „Glücklich seid ihr, wenn man euch schmäht und euch verfolgt und lügnerisch allerlei Böses gegen euch redet um meinetwillen“ (Matthäus 5:11).
Alltägliche Sorgen
6. Was kann die zwischenmenschlichen Beziehungen unter Mitchristen heute belasten?
6 Bei den meisten unserer heutigen Prüfungen geht es um normale Alltagssorgen. Abraham mußte mit den Spannungen fertig werden, die zwischen seinen Hirten und den Hirten seines Neffen Lot entstanden waren (1. Mose 13:5-7). In ähnlicher Weise können heute Persönlichkeitsunterschiede und Eifersüchteleien in einer Versammlung die zwischenmenschlichen Beziehungen belasten und sogar den Frieden gefährden. „Wo es Eifersucht und Streitsucht gibt, da gibt es Unordnung und alles Schlechte“ (Jakobus 3:16). Wie wichtig es doch für uns ist, nicht aufzugeben, sondern um des Friedens willen wie Abraham keinen Stolz aufkommen zu lassen und auf das Wohl anderer bedacht zu sein! (1. Korinther 13:5; Jakobus 3:17).
7. (a) Was sollte jemand tun, der von einem Mitchristen gekränkt worden ist? (b) Inwiefern verhielt sich Abraham beispielhaft, was das Bewahren guter zwischenmenschlicher Beziehungen angeht?
7 Friedfertig zu sein, wenn wir uns von einem Mitgläubigen ungerecht behandelt fühlen, kann schwerfallen. In Sprüche 12:18 heißt es: „Da ist einer, der gedankenlos redet wie mit Schwertstichen.“ Gedankenlose Worte können uns tief treffen, selbst wenn sie nicht böse gemeint waren. Es schmerzt noch mehr, wenn wir das Gefühl haben, daß man uns verleumdet oder nachteilig über uns geredet hat (Psalm 6:6, 7). Aber ein Christ darf nicht aufgeben, nur weil er sich gekränkt fühlt. In diesem Fall sollte er nicht zögern, freundlich mit dem Betreffenden zu reden, um die Angelegenheit zu bereinigen (Matthäus 5:23, 24; Epheser 4:26). Der Gekränkte sollte zum Vergeben bereit sein (Kolosser 3:13). Nicht mehr zu grollen schafft die Voraussetzung dafür, daß verletzte Gefühle heilen und das Verhältnis zu dem Bruder oder der Schwester wiederhergestellt wird. Abraham grollte Lot nicht mehr, selbst wenn das einmal der Fall gewesen sein mochte. Er eilte vielmehr Lot und seiner Familie zu Hilfe (1. Mose 14:12-16).
Selbstverschuldete Prüfungen
8. (a) Wie könnten sich Christen ‘mit vielen Schmerzen überall durchbohren’? (b) Warum konnte Abraham eine ausgeglichene Ansicht über materielle Dinge haben?
8 Einige Prüfungen werden freilich selbst verschuldet. Jesus gebot zum Beispiel seinen Nachfolgern: „Hört auf, euch Schätze auf der Erde aufzuhäufen, wo Motte und Rost sie verzehren und wo Diebe einbrechen und stehlen“ (Matthäus 6:19). Doch einige Brüder ‘durchbohren sich überall mit vielen Schmerzen’, indem sie materielle Interessen den Königreichsinteressen voranstellen (1. Timotheus 6:9, 10). Abraham war bereit, auf materielle Annehmlichkeiten zu verzichten, um Gott zu gefallen. „Durch Glauben weilte er als Fremdling im Land der Verheißung wie in einem fremden Land und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die wahre Grundlagen hat, deren Bildner und Erbauer Gott ist“ (Hebräer 11:9, 10). Abrahams Glaube an eine künftige „Stadt“ oder göttliche Regierung half ihm, nicht auf Reichtum zu vertrauen. Wären wir nicht gut beraten, genauso zu handeln?
9, 10. (a) Wie kann das Streben nach Ansehen zu einer Prüfung werden? (b) Wie könnte sich ein Bruder heute als ein „Geringerer“ benehmen?
9 Beachten wir einen weiteren Aspekt. In der Bibel finden wir die folgenden warnenden Worte: „Wenn jemand denkt, er sei etwas, wenn er nichts ist, so betrügt er seinen eigenen Sinn“ (Galater 6:3). Außerdem werden wir aufgefordert, „nichts aus Streitsucht oder aus Ichsucht“ zu tun, sondern alles „in Demut“ (Philipper 2:3). Einige bringen selbst eine Prüfung über sich, indem sie diesen Rat außer acht lassen. Da sie nach Ansehen statt nach „vortrefflicher Arbeit“ streben, sind sie entmutigt und verstimmt, wenn ihnen in der Versammlung keine Vorrechte übertragen werden (1. Timotheus 3:1).
10 Abraham verhielt sich vorbildlich und ‘dachte nicht höher von sich als nötig’ (Römer 12:3). Bei einer Begegnung mit Melchisedek spielte er wegen seiner begünstigten Stellung vor Gott nicht den Überlegenen. Im Gegenteil, für ihn nahm Melchisedek als Priester eine übergeordnete Stellung ein, denn er gab Melchisedek den Zehnten (Hebräer 7:4-7). Christen sollten heute genauso bereit sein, sich als ‘Geringere’ zu benehmen, und nicht im Rampenlicht stehen wollen (Lukas 9:48). Wer meint, diejenigen, die in der Versammlung die Führung übernehmen, würden ihm gewisse Vorrechte vorenthalten, könnte sich ehrlich überprüfen, um herauszufinden, was er an seiner Persönlichkeit oder an seinem Verhalten in bestimmten Situationen verbessern sollte. Statt wegen der Vorrechte, die man nicht hat, verbittert zu sein, sollte man in vollem Maße das Vorrecht wahrnehmen, das man hat — anderen zu helfen, Jehova kennenzulernen. Deshalb der Rat: „Erniedrigt euch ... unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch zur gegebenen Zeit erhöhe“ (1. Petrus 5:6).
Der Glaube an das Unsichtbare
11, 12. (a) Warum mögen einige in der Versammlung das Dringlichkeitsbewußtsein verlieren? (b) Inwiefern drehte sich Abrahams Leben um den Glauben an Gottes Verheißungen, wodurch er anderen ein gutes Beispiel gab?
11 Eine andere Prüfung kann damit zu tun haben, daß sich das Ende des bösen Systems der Dinge scheinbar verspätet. Gemäß 2. Petrus 3:12 sollten Christen ‘die Gegenwart des Tages Jehovas erwarten und fest im Sinn behalten’. Viele erwarten diesen „Tag“ jedoch seit Jahren, manche seit Jahrzehnten. Einige mögen deshalb entmutigt sein und das Dringlichkeitsbewußtsein verloren haben.
12 Betrachten wir noch einmal das Beispiel Abrahams. Sein ganzes Leben drehte sich um den Glauben an Gottes Verheißungen, obwohl sich unmöglich alle zu seinen Lebzeiten erfüllen konnten. Er lebte zwar lange genug, um seinen Sohn Isaak aufwachsen zu sehen. Aber es würde Jahrhunderte dauern, bis Abrahams Nachkommen zahlenmäßig mit den ‘Sternen der Himmel’ und den ‘Sandkörnern, die am Ufer des Meeres sind’, verglichen werden könnten (1. Mose 22:17). Abraham war jedoch nicht verbittert oder entmutigt. Daher sagte der Apostel Paulus von Abraham und anderen Patriarchen: „Alle diese starben im Glauben, ohne die Erfüllung der Verheißungen erhalten zu haben, aber sie sahen sie von fern und hießen sie willkommen und erklärten öffentlich, daß sie Fremde und zeitweilig Ansässige im Land seien“ (Hebräer 11:13).
13. (a) Inwiefern gleichen Christen heute „zeitweilig Ansässigen“? (b) Warum wird Jehova das Ende des gegenwärtigen Systems der Dinge herbeiführen?
13 Wenn sich Abrahams Leben ständig um die Verheißungen drehte, obwohl deren Erfüllung noch „fern“ war, wieviel mehr sollte das dann bei uns heute der Fall sein, wo ihre Erfüllung so nahe ist! Wie Abraham sollten wir uns als „zeitweilig Ansässige“ in Satans System betrachten und es ablehnen, dort gewissermaßen seßhaft zu werden und es uns gemütlich zu machen. Natürlich wäre es uns lieber, wenn das „Ende aller Dinge“ nicht nur nahe, sondern schon da wäre (1. Petrus 4:7). Womöglich haben wir ernste gesundheitliche Probleme. Oder vielleicht stehen wir wirtschaftlich unter großem Druck. Vergessen wir jedoch nie, daß Jehova das Ende nicht herbeiführt, um uns lediglich aus einer bedrückenden Lage zu befreien, sondern um seinen Namen zu heiligen (Hesekiel 36:23; Matthäus 6:9, 10). Das Ende wird nicht unbedingt zu einer Zeit kommen, die für uns günstig ist, sondern zu einer Zeit, wo den Vorsätzen Jehovas am besten gedient ist.
14. Wie kommt Christen heute Gottes Geduld zugute?
14 Vergessen wir auch nicht: „Jehova ist hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam, wie es einige für Langsamkeit halten, sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, daß irgend jemand vernichtet werde, sondern will, daß alle zur Reue gelangen“ (2. Petrus 3:9). Beachten wir, daß Gott ‘geduldig mit uns ist’, den Gliedern der Christenversammlung. Offensichtlich benötigen einige von uns mehr Zeit, Änderungen vorzunehmen, „um schließlich von ihm fleckenlos und makellos und in Frieden erfunden zu werden“ (2. Petrus 3:14). Sollten wir daher nicht für Gottes Geduld dankbar sein?
Freude finden trotz Hindernissen
15. Wie konnte Jesus trotz Prüfungen seine Freude bewahren, und von welchem Nutzen ist es für Christen heute, ihn nachzuahmen?
15 Aus Abrahams Leben können Christen heute viel lernen. Er bekundete nicht nur Glauben, sondern bewies auch Geduld, Klugheit, Mut und selbstlose Liebe. Für ihn stand die Anbetung Jehovas im Leben an erster Stelle. Allerdings dürfen wir nicht vergessen: Das allerbeste Beispiel, das wir nachahmen sollten, gab Jesus Christus. Er erduldete ebenfalls zahllose Prüfungen, verlor aber trotz allem niemals seine Freude. Wieso nicht? Weil er sich stets auf das konzentrierte, was ihm in Aussicht stand (Hebräer 12:2, 3). Paulus betete daher: „Möge nun der Gott, der Ausharren und Trost verleiht, euch gewähren, untereinander die gleiche Gesinnung zu haben, die Christus Jesus hatte“ (Römer 15:5). Mit der richtigen Gesinnung können wir Freude finden, und das trotz der Hindernisse, die Satan uns in den Weg legt.
16. Was können wir tun, wenn unsere Schwierigkeiten überhandzunehmen scheinen?
16 Wenn Schwierigkeiten überhandzunehmen scheinen, sollten wir daran denken, daß Jehova uns genauso liebt, wie er Abraham liebte. Er möchte, daß wir aus Prüfungen siegreich hervorgehen (Philipper 1:6). Setzen wir volles Vertrauen in Jehova, denn bestimmt ‘wird er nicht zulassen, daß wir über unser Vermögen versucht werden, sondern mit der Versuchung wird er auch den Ausweg schaffen, damit wir sie ertragen können’ (1. Korinther 10:13). Machen wir es uns zur Gewohnheit, täglich in Gottes Wort zu lesen (Psalm 1:2). Verharren wir im Gebet, und bitten wir Jehova um Hilfe, damit wir ausharren können (Philipper 4:6). Er wird „denen heiligen Geist geben, die ihn bitten“ (Lukas 11:13). Nutzen wir alles, wofür Jehova zu unserer geistigen Stärkung gesorgt hat, wie zum Beispiel unsere biblische Literatur. Suchen wir auch die Unterstützung der Bruderschaft (1. Petrus 2:17). Besuchen wir treu die christlichen Zusammenkünfte, denn ohne die Ermunterung, die wir dort erhalten, können wir nicht ausharren (Hebräer 10:24, 25). Freuen wir uns in der Überzeugung, daß unser Ausharren in Gottes Augen zu einem bewährten Zustand führt und daß unsere Treue sein Herz erfreut (Sprüche 27:11; Römer 5:3-5).
17. Weshalb verzweifeln Christen nicht?
17 Gott liebte Abraham wie einen Freund (Jakobus 2:23). Dennoch gab es im Leben Abrahams mehrere harte Prüfungen und Drangsale. Christen müssen deshalb heute, in den bösen „letzten Tagen“, mit ähnlichen Erfahrungen rechnen. Die Bibel weist uns sogar darauf hin, daß ‘böse Menschen und Betrüger vom Schlechten zum Schlimmeren fortschreiten werden’ (2. Timotheus 3:1, 13). Statt zu verzweifeln, sollten wir den Druck, den wir verspüren, als einen Beweis für das nahe Ende des bösen Systems Satans betrachten. Außerdem sichert uns Jesus zu: „Wer aber bis zum Ende ausgeharrt haben wird, der wird gerettet werden“ (Matthäus 24:13). Lassen wir also nicht nach, „das zu tun, was vortrefflich ist“! Ahmen wir Abraham nach, und reihen wir uns so unter diejenigen ein, die „durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben“ (Hebräer 6:12).
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