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  • Jehovas Volk im Glauben befestigt
    Der Wachtturm 1990 | 15. Juni
    • Jehovas Volk im Glauben befestigt

      „Die Versammlungen wurden ... tatsächlich im Glauben weiterhin befestigt und nahmen von Tag zu Tag an Zahl zu“ (APOSTELGESCHICHTE 16:5).

      1. Wie gebrauchte Gott den Apostel Paulus?

      JEHOVA GOTT gebrauchte Saulus von Tarsus als ein „auserwähltes Gefäß“. Dieser mußte als der Apostel Paulus ‘viel leiden’. Doch aufgrund seines Wirkens und der Tätigkeit anderer erfreute sich Jehovas Organisation der Einheit und einer wunderbaren Ausdehnung (Apostelgeschichte 9:15, 16).

      2. Warum ist es nützlich, Apostelgeschichte 13:1 bis 16:5 zu betrachten?

      2 Immer mehr Nichtjuden wurden Christen, und eine wichtige Zusammenkunft der leitenden Körperschaft trug viel dazu bei, die Einheit des Volkes Gottes zu fördern und es im Glauben zu befestigen. Es ist äußerst nützlich, diese und weitere Entwicklungen, über die in Apostelgeschichte 13:1 bis 16:5 berichtet wird, zu betrachten, denn Jehovas Zeugen erleben zur Zeit ein ähnliches Wachstum und verspüren die gleichen geistigen Segnungen (Jesaja 60:22). (Für das persönliche Studium der in dieser Ausgabe enthaltenen Artikel über die Apostelgeschichte empfehlen wir, die Stellen des Bibelbuches nachzulesen, die fettgedruckt angeführt sind.)

      Missionare nehmen die Tätigkeit auf

      3. Welches Werk verrichteten die „Propheten und Lehrer“ in Antiochia?

      3 Männer, die von der Versammlung in Antiochia (Syrien) ausgesandt wurden, halfen den Gläubigen, im Glauben befestigt zu werden (13:1-5). In Antiochia befanden sich die „Propheten und Lehrer“ Barnabas, Simeon (Niger), Lucius von Kyrene, Manaen und Saulus von Tarsus. Propheten erklärten Gottes Wort und sagten Ereignisse voraus, während Lehrer Unterweisung in den Schriften und über eine gottgefällige Lebensweise erteilten (1. Korinther 13:8; 14:4). Barnabas und Saulus erhielten eine besondere Zuteilung. Zusammen mit Markus, dem Vetter des Barnabas, gingen sie nach Zypern (Kolosser 4:10). In der östlichen Hafenstadt Salamis predigten sie in Synagogen; allerdings wird nicht berichtet, daß die Juden günstig reagiert hätten. Wozu brauchten diese Juden den Messias, wenn es ihnen doch in materieller Hinsicht gutging?

      4. Was geschah, als die Missionare auf Zypern predigten?

      4 Gott segnete das weitere Zeugniswerk auf Zypern (13:6-12). In Paphos stießen die Missionare auf den jüdischen Zauberer und falschen Propheten Bar-Jesus (Elymas). Als dieser den Prokonsul Sergius Paulus davon abhalten wollte, das Wort Gottes zu hören, wurde Saulus mit heiligem Geist erfüllt und sagte: ‘O du, der du von Trug und Schurkerei erfüllt bist, du Sohn des Teufels, du Feind alles dessen, was gerecht ist, wirst du nicht aufhören, die rechten Wege Jehovas zu verdrehen?’ Augenblicklich machte Gottes strafende Hand Elymas eine Zeitlang blind, und Sergius Paulus ‘wurde gläubig und war über die Lehre Jehovas sehr erstaunt’.

      5, 6. (a) Was sagte Paulus über Jesus, als er in der Synagoge im pisidischen Antiochia eine Ansprache hielt? (b) Welche Wirkung hatte die Ansprache des Paulus?

      5 Von Zypern aus segelte die Gruppe nach Perge, einer Stadt in Kleinasien. Paulus und Barnabas zogen dann — wahrscheinlich ‘in Gefahren von Flüssen und Wegelagerern’ — über Gebirgspässe nordwärts nach Antiochia in Pisidien (2. Korinther 11:25, 26). Dort sprach Paulus in der Synagoge (13:13-41). Rückblickend zeigte er, wie Gott mit Israel gehandelt hatte, und identifizierte Jesus, den Nachkommen Davids, als den Retter. Wenn auch jüdische Vorsteher Jesu Tod gefordert hatten, erfüllte sich doch die ihren Vorvätern gegebene Verheißung, als Gott ihn auferweckte (Psalm 2:7; 16:10; Jesaja 55:3). Paulus ermahnte seine Zuhörer, Gottes Gabe der Rettung durch Christus nicht zu verachten (Habakuk 1:5, Septuaginta).

      6 Die Ansprache des Paulus weckte Interesse, ebenso wie die heutigen öffentlichen Vorträge von Zeugen Jehovas (13:42-52). Am nächsten Sabbat versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Jehovas zu hören, und das erfüllte die Juden mit Eifersucht. Ja, in einer einzigen Woche hatten die Missionare offensichtlich mehr Nichtjuden bekehrt als jene Juden in ihrem ganzen Leben! Da die Juden Paulus lästernd widersprachen, war es an der Zeit, das geistige Licht anderswo scheinen zu lassen. Ihnen wurde gesagt: ‘Da ihr Gottes Wort von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht für würdig erachtet, wenden wir uns den Nationen zu’ (Jesaja 49:6).

      7. Wie reagierten Paulus und Barnabas auf Verfolgung?

      7 Nun begannen sich die Nichtjuden zu freuen, und alle, die zum ewigen Leben richtig eingestellt waren, wurden gläubig. Als jedoch das Wort Jehovas durch das ganze Land getragen wurde, hetzten die Juden angesehene Frauen (wahrscheinlich, damit sie Druck auf ihre Männer oder auf andere ausübten) und prominente Männer auf, Paulus und Barnabas zu verfolgen und sie aus ihren Grenzen hinauszutreiben. Doch die Missionare ließen sich dadurch nicht aufhalten. Sie „schüttelten den Staub von ihren Füßen gegen sie ab“ und begaben sich nach Ikonion (dem heutigen Konya), einer bedeutenden Stadt in der römischen Provinz Galatien (Lukas 9:5; 10:11). Wie stand es aber um die Jünger, die sie im pisidischen Antiochia zurückgelassen hatten? Da sie im Glauben befestigt worden waren, wurden sie „fortgesetzt mit Freude und heiligem Geist erfüllt“. Das zeigt uns, daß Widerstand den geistigen Fortschritt nicht hemmen muß.

      Standhaft im Glauben trotz Verfolgung

      8. Was geschah aufgrund des erfolgreichen Zeugnisgebens in Ikonion?

      8 Paulus und Barnabas blieben trotz Verfolgung im Glauben standhaft (14:1-7). Auf ihr Zeugnisgeben in der Synagoge von Ikonion hin wurden viele Juden und Griechen gläubig. Als ungläubige Juden die Nichtjuden gegen die neuen Gläubigen aufhetzten, redeten die beiden hart arbeitenden Missionare freimütig aufgrund der Ermächtigung Gottes, und er zeigte seine Anerkennung, indem er sie befähigte, Zeichen zu vollbringen. Dadurch spaltete sich die Menge — die einen waren für die Juden und die anderen für die Apostel (Gesandten). Die Apostel waren keine Feiglinge, doch als sie von einer Verschwörung hörten, sie zu steinigen, verließen sie vernünftigerweise die Stadt und predigten in Lykaonien, einer Gegend Kleinasiens im südlichen Galatien. Durch Besonnenheit können auch wir oft trotz Widerstand im Predigtdienst tätig bleiben (Matthäus 10:23).

      9, 10. (a) Wie reagierten die Bewohner von Lystra auf die Heilung eines Lahmen? (b) Wie reagierten Paulus und Barnabas in Lystra?

      9 Als nächstes erhielt die lykaonische Stadt Lystra ein Zeugnis (14:8-18). Dort heilte Paulus einen Mann, der von Geburt an lahm war. Die Volksmengen erkannten nicht, daß das Wunder Jehova zuzuschreiben war, und riefen aus: „Die Götter sind wie Menschen geworden und sind zu uns herabgekommen!“ Das sagten sie auf lykaonisch. Daher wußten Barnabas und Paulus nicht, was eigentlich vor sich ging. Man betrachtete Paulus als Hermes (den redegewandten Boten der Götter), weil er der Wortführer war, und Barnabas hielt man für Zeus, den höchsten griechischen Gott.

      10 Der Priester des Zeus brachte sogar Stiere und Kränze, um Paulus und Barnabas Schlachtopfer darzubringen. Eilends erklärten die Besucher in allgemein verständlichem Griechisch oder mit Hilfe eines Dolmetschers, daß sie auch Menschen mit Gebrechen waren und daß sie die gute Botschaft verkündigten, damit sich die Menschen „von diesen nichtigen Dingen“ (leblosen Göttern oder Götzen) abwenden und dem lebendigen Gott zuwenden würden (1. Könige 16:13; Psalm 115:3-9; 146:6). Ja, Gott ließ die Nationen (jedoch nicht die Hebräer) früher ihre eigenen Wege gehen, obwohl er sich nicht ohne Zeugnis in bezug auf seine Existenz und Güte ließ, ‘indem er Regen gab und fruchtbare Zeiten und ihr Herz mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte’ (Psalm 147:8). Trotz dieser Erklärung konnten Barnabas und Paulus die Volksmengen kaum davon zurückhalten, ihnen Schlachtopfer darzubringen. Aber die Missionare ließen weder zu, daß man ihnen als Göttern huldigte, noch nutzten sie ihre Autorität, um in dieser Gegend das Christentum einzuführen. Ein ausgezeichnetes Beispiel für uns, besonders wenn wir dazu neigen, für das, was uns Jehova in seinem Dienst vollbringen läßt, Lob einzuheimsen!

      11. Was können wir aus den Worten lernen: „Wir müssen durch viele Drangsale in das Königreich Gottes eingehen.“?

      11 Plötzlich kam es zu schlimmer Verfolgung (14:19-28). Wieso? Von Juden aus dem pisidischen Antiochia und aus Ikonion überredet, steinigten die Volksmengen Paulus und schleppten ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot (2. Korinther 11:24, 25). Als ihn aber die Jünger umringten, erhob er sich und ging unbemerkt wieder nach Lystra hinein, möglicherweise im Schutz der Dunkelheit. Am nächsten Tag zogen er und Barnabas weiter nach Derbe, wo ziemlich viele Bewohner Jünger wurden. Als die Missionare Lystra, Ikonion und Antiochia wieder besuchten, stärkten sie die Jünger und ermunterten sie, im Glauben zu bleiben, und sagten: „Wir müssen durch viele Drangsale in das Königreich Gottes eingehen.“ Auch wir müssen als Christen mit Drangsalen rechnen und sollten nicht versuchen, diesen dadurch zu entgehen, daß wir in bezug auf unseren Glauben Zugeständnisse machen (2. Timotheus 3:12). Damals wurden Älteste in den Versammlungen eingesetzt, an die Paulus später den Galaterbrief schrieb.

      12. Was taten die beiden Missionare, als die erste Missionsreise des Paulus zu Ende war?

      12 Paulus und Barnabas gingen dann durch Pisidien und redeten das Wort in Perge, einer bekannten Stadt in Pamphylien. Schließlich kehrten sie nach Antiochia (Syrien) zurück. Die erste Missionsreise des Paulus war damit zu Ende. Nun erzählten die beiden Missionare der Versammlung „die vielen Dinge ..., die Gott durch sie getan hatte, und daß er den Nationen die Tür zum Glauben geöffnet“ hatte. Sie blieben einige Zeit bei den Jüngern in Antiochia, was zweifellos sehr dazu beitrug, daß diese im Glauben befestigt wurden. Die Besuche reisender Aufseher wirken sich heutzutage in geistiger Hinsicht genauso aus.

      Eine wichtige Frage wurde entschieden

      13. Was war nötig, wenn sich das Christentum nicht in einen hebräischen und einen nichtjüdischen Teil spalten sollte?

      13 Standhaftigkeit im Glauben setzte Einheit im Denken voraus (1. Korinther 1:10). Wenn sich das Christentum nicht in einen hebräischen und einen nichtjüdischen Teil spalten sollte, mußte die leitende Körperschaft entscheiden, ob es für die Nichtjuden, die in die Organisation Gottes strömten, erforderlich war, das mosaische Gesetz zu halten und sich beschneiden zu lassen (15:1-5). Gewisse Männer aus Judäa waren bereits in das syrische Antiochia gekommen und hatten die dortigen nichtjüdischen Gläubigen zu lehren begonnen, sie könnten nur dann gerettet werden, wenn sie sich beschneiden ließen (2. Mose 12:48). Daher sandte man Paulus, Barnabas und andere zu den Aposteln und Ältesten in Jerusalem. Selbst dort bestanden einige Gläubige, die einst als Pharisäer strikt am Gesetz festgehalten hatten, darauf, daß sich Nichtjuden beschneiden lassen und das Gesetz halten müßten.

      14. (a) Welches gute Beispiel wurde bei der Besprechung in Jerusalem gegeben, obwohl man viel disputierte? (b) Wie argumentierte Petrus bei dieser Gelegenheit im wesentlichen?

      14 Man hielt eine Besprechung ab, um sich über den Willen Gottes zu vergewissern (15:6-11). Ja, es wurde viel disputiert, wie es bei Männern ist, die einer starken Überzeugung Ausdruck verleihen, aber man stritt sich nicht — ein vorzügliches Beispiel für Älteste von heute! Schließlich erklärte Petrus: ‘Gott traf die Wahl, daß durch meinen Mund Nichtjuden [wie zum Beispiel Kornelius] die gute Botschaft hören und glauben sollten. Er legte Zeugnis ab, indem er ihnen heiligen Geist gab und keinen Unterschied zwischen uns und ihnen machte [Apostelgeschichte 10:44-47]. Warum stellt ihr also Gott auf die Probe, indem ihr ihnen ein Joch [die Verpflichtung, das Gesetz zu halten] auf den Nacken legt, das weder unsere Vorväter noch wir tragen konnten? Wir [Juden nach dem Fleische] vertrauen, daß wir durch die unverdiente Güte des Herrn Jesus auf dieselbe Weise gerettet werden wie jene.’ Gott zeigte durch die Annahme unbeschnittener Nichtjuden, daß die Beschneidung und das Halten des Gesetzes für die Rettung nicht erforderlich waren (Galater 5:1).

      15. Welche grundlegenden Gedanken führte Jakobus an, und was sollte nach seinem Vorschlag nichtjüdischen Christen geschrieben werden?

      15 Als Petrus zu Ende geredet hatte, schwieg die ganze Versammlung, doch es war noch nicht alles gesagt (15:12-21). Barnabas und Paulus erzählten von den Zeichen, die Gott durch sie unter den Nichtjuden gewirkt hatte. Dann sagte der Vorsitzende, Jakobus, der Halbbruder Jesu: ‘Simeon [der hebräische Name des Petrus] hat erzählt, wie Gott seine Aufmerksamkeit den Nationen zuwandte, um aus ihnen ein Volk für seinen Namen herauszunehmen.’ Jakobus deutete an, daß der vorhergesagte Wiederaufbau der „Hütte Davids“ (die Wiederbelebung des Königtums in der Linie Davids) durch die Einsammlung der Jünger Jesu (der Königreichserben) aus den Juden und den Nichtjuden vor sich ging (Amos 9:11, 12, Septuaginta; Römer 8:17). Da dies Gottes Vorsatz war, sollten die Jünger es akzeptieren. Jakobus gab den Rat, nichtjüdischen Christen zu schreiben, daß sie sich enthalten sollten 1. von Dingen, die durch Götzen verunreinigt worden waren, 2. von Hurerei und 3. von Blut und von Ersticktem. Diese Verbote stammten aus den Schriften Mose, die jeden Sabbat in den Synagogen vorgelesen wurden (1. Mose 9:3, 4; 12:15-17; 35:2, 4).

      16. In welchen drei Punkten dient der Brief der leitenden Körperschaft bis auf diesen Tag als Richtlinie?

      16 Die leitende Körperschaft sandte nun einen Brief an die nichtjüdischen Christen in Antiochia, Syrien und Zilizien (15:22-35). Der heilige Geist und die Schreiber des Briefes forderten, daß man sich von Dingen enthalte, die Götzen geopfert wurden, von Blut (das einige regelmäßig zu sich nahmen), von Ersticktem, das nicht ausgeblutet war (viele Nichtjuden betrachteten solches Fleisch als eine Delikatesse), und von Hurerei (griechisch: pornéia, unerlaubte Geschlechtsbeziehungen außerhalb einer schriftgemäßen Ehe). Eine solche Enthaltsamkeit würde zum geistigen Wohlergehen beitragen, genauso wie das heute bei Jehovas Zeugen der Fall ist, weil sie diese „notwendigen Dinge“ beachten. Die Worte „Bleibt gesund!“ heißen soviel wie „Lebt wohl!“ und sollten nicht so aufgefaßt werden, als handle es sich bei den genannten Erfordernissen in erster Linie um Vorschriften zur Verhütung von Krankheiten. Als der Brief in Antiochia vorgelesen wurde, freute sich die Versammlung über die Ermunterung. Außerdem wurde Gottes Volk in Antiochia damals durch ermunternde Worte von Paulus, Silas, Barnabas und anderen im Glauben befestigt. Mögen wir ebenfalls nach Möglichkeiten suchen, Mitgläubige zu ermuntern und zu erbauen.

      Die zweite Missionsreise beginnt

      17. (a) Welche Schwierigkeit entstand, als eine zweite Missionsreise vorgeschlagen wurde? (b) Wie trugen Paulus und Barnabas ihren Disput aus?

      17 Eine Schwierigkeit entstand, als eine zweite Missionsreise vorgeschlagen wurde (15:36-41). Paulus regte an, daß er und Barnabas die Versammlungen auf Zypern und in Kleinasien wieder besuchten. Barnabas war damit einverstanden, doch wollte er seinen Vetter Markus mitnehmen. Paulus war dagegen, weil Markus sie in Pamphylien verlassen hatte. So kam es zu einem „heftigen Zornausbruch“. Doch weder Paulus noch Barnabas suchten sich persönlich zu rechtfertigen, indem sie mit dieser privaten Angelegenheit an andere Älteste oder an die leitende Körperschaft herangetreten wären. Welch ein vorzügliches Beispiel!

      18. Was war die Folge davon, daß sich Paulus und Barnabas trennten, und was können wir daraus lernen?

      18 Die Folge dieses Disputs war allerdings eine Trennung. Barnabas nahm Markus mit nach Zypern. Paulus zog mit Silas als seinem Gefährten „durch Syrien und Zilizien und stärkte die Versammlungen“. Barnabas ließ sich womöglich von den verwandtschaftlichen Banden beeinflussen, obwohl er hätte anerkennen sollen, daß Paulus ein Apostel und „ein auserwähltes Gefäß“ war (Apostelgeschichte 9:15). Und wie steht es mit uns? Dieser Vorfall sollte uns die Notwendigkeit einprägen, die theokratische Autorität anzuerkennen und mit dem „treuen und verständigen Sklaven“ uneingeschränkt zusammenzuarbeiten (Matthäus 24:45-47).

      Fortschritt in Frieden

      19. Worin ist Timotheus für heutige christliche Jugendliche ein Beispiel?

      19 Man ließ nicht zu, daß durch diesen Disput der Frieden der Versammlung gestört wurde. Gottes Volk wurde weiterhin im Glauben befestigt (16:1-5). Paulus und Silas gingen nach Derbe und weiter nach Lystra. Dort war Timotheus zu Hause, der Sohn der gläubigen Jüdin Eunike und ihres ungläubigen griechischen Mannes. Timotheus war jung, denn selbst nach 18 oder 20 Jahren wurde ihm noch gesagt: „Niemand blicke je auf deine Jugend herab“ (1. Timotheus 4:12). „Er stand bei den Brüdern in Lystra und [dem 29 Kilometer entfernten] Ikonion in gutem Ruf.“ Demnach war er für seinen vorzüglichen Dienst und seine gottgefälligen Eigenschaften bekannt. Christliche Jugendliche sollten heute die Hilfe Jehovas suchen, damit sie sich einen ähnlichen Ruf erwerben. Paulus beschnitt Timotheus, weil sie sich in die Häuser und Synagogen von Juden begeben würden, die wußten, daß Timotheus’ Vater ein Nichtjude war, und der Apostel wollte sich durch nichts den Weg zu jüdischen Männern und Frauen versperren lassen, die den Messias kennenlernen sollten. Ohne biblische Grundsätze zu übertreten, unternehmen auch heute Jehovas Zeugen alles ihnen Mögliche, um die gute Botschaft für alle Arten von Menschen annehmbar zu machen (1. Korinther 9:19-23).

      20. Wie wirkte sich die Befolgung der Anweisungen aus, die in dem Brief der leitenden Körperschaft des ersten Jahrhunderts enthalten waren, und wie sollten wir deiner Meinung nach davon berührt werden?

      20 Mit Timotheus als Gehilfen überbrachten Paulus und Silas den Jüngern die zu beachtenden Verordnungen der leitenden Körperschaft. Und was war die Folge? Lukas schrieb, und zwar offensichtlich in bezug auf Syrien, Zilizien und Galatien: „Die Versammlungen wurden ... tatsächlich im Glauben weiterhin befestigt und nahmen von Tag zu Tag an Zahl zu.“ Ja, die Befolgung der in dem Brief der leitenden Körperschaft enthaltenen Anweisungen hatte Einheit und geistige Wohlfahrt zur Folge. Welch ein ausgezeichnetes Beispiel für uns, die wir in kritischen Zeiten leben, in denen Jehovas Volk geeint bleiben und standhaft im Glauben sein muß!

  • Jehovas Wort gewinnt die Oberhand
    Der Wachtturm 1990 | 15. Juni
    • Jehovas Wort gewinnt die Oberhand

      „So wuchs das Wort Jehovas fortwährend mit Macht und gewann die Oberhand“ (APOSTELGESCHICHTE 19:20).

      1. Was wird in diesem Studium des Bibelbuches Apostelgeschichte behandelt?

      JEHOVA öffnete eine Tür zur Tätigkeit. Besonders Paulus, „ein Apostel für die Nationen“, sollte ein Vorkämpfer in diesem Werk sein (Römer 11:13). Tatsächlich finden wir ihn bei unserer weiteren Betrachtung der Apostelgeschichte auf ereignisreichen Missionsreisen (Apostelgeschichte 16:6 bis 19:41).

      2. (a) Wie diente der Apostel Paulus zwischen 50 und 56 u. Z. als von Gott inspirierter Schreiber? (b) Was geschah, als Gott den Dienst des Paulus und anderer segnete?

      2 Paulus war auch ein von Gott inspirierter Schreiber. Zwischen 50 und 56 u. Z. schrieb er aus Korinth 1. und 2. Thessalonicher, aus dem syrischen Antiochia oder aus Korinth den Galaterbrief, aus Ephesus 1. Korinther, aus Mazedonien 2. Korinther und aus Korinth den Römerbrief. Und da Gott den Dienst segnete, den Paulus und andere verrichteten, „wuchs das Wort Jehovas fortwährend mit Macht und gewann die Oberhand“ (Apostelgeschichte 19:20).

      Von Asien nach Europa

      3. Wieso gaben Paulus und seine Gefährten ein gutes Beispiel, indem sie sich vom heiligen Geist leiten ließen?

      3 Paulus und seine Gefährten gaben ein gutes Beispiel, indem sie sich vom heiligen Geist leiten ließen (16:6-10). Vielleicht wurden sie vom Geist durch hörbare Offenbarungen, durch Träume oder durch Visionen davon abgehalten, im Bezirk Asien und in der Provinz Bithynien zu predigen, wohin die gute Botschaft später gelangte (Apostelgeschichte 18:18-21; 1. Petrus 1:1, 2). Warum hielt sie der Geist vorher davon ab? Der Arbeiter waren wenige, und der Geist leitete sie in fruchtbarere Gebiete in Europa. Wenn heute der Weg in ein Gebiet versperrt ist, predigen Jehovas Zeugen daher anderswo in der Überzeugung, daß Gottes Geist sie zu schafähnlichen Menschen leiten wird.

      4. Wie reagierte man auf die Vision, die Paulus von einem Mazedonier hatte, der um Hilfe bat?

      4 Paulus und seine Gefährten ‘zogen dann an Mysien vorbei’ und ließen diese Region in Kleinasien als Missionargebiet unberührt. In einer Vision sah Paulus jedoch einen Mazedonier, der um Hilfe bat. Die Missionare begaben sich deshalb sogleich nach Mazedonien, einer Region auf der Balkanhalbinsel. Auch heute lassen sich viele Zeugen vom heiligen Geist leiten, indem sie in Gebieten dienen, wo größerer Bedarf an Königreichsverkündigern besteht.

      5. (a) Warum kann gesagt werden, daß Jehovas Wort in Philippi die Oberhand gewann? (b) In welcher Hinsicht gleichen viele Zeugen in der heutigen Zeit Lydia?

      5 Das Wort Jehovas gewann in Mazedonien die Oberhand (16:11-15). In Philippi, einer hauptsächlich von römischen Bürgern bewohnten Kolonie, gab es offensichtlich wenig Juden und keine Synagoge. Die Brüder begaben sich daher an eine „Gebetsstätte“ an einem Fluß außerhalb der Stadt. Dort trafen sie unter anderem Lydia, möglicherweise eine jüdische Proselytin aus Thyatira, einer Stadt in Kleinasien, die für ihr Färbereigewerbe bekannt war. Lydia verkaufte entweder den Farbstoff Purpur oder damit gefärbte Stoffe und Kleider. Nachdem sie und ihre Hausgenossen getauft worden waren, bot sie so nachdrücklich ihre Gastfreundschaft an, daß Lukas schrieb: „Sie nötigte uns dazu.“ Wir sind heute für solche Schwestern ebenfalls dankbar.

      Ein Gefängnisaufseher wird gläubig

      6. Wie führte dämonischer Einfluß dazu, daß Paulus und Silas in Philippi ins Gefängnis geworfen wurden?

      6 Satan muß über die geistige Entwicklung in Philippi wütend gewesen sein, denn dämonischer Einfluß führte dazu, daß Paulus und Silas ins Gefängnis geworfen wurden (16:16-24). Tagelang war ihnen ein Mädchen gefolgt, das einen „Wahrsagerdämon“ (wörtlich: „einen Python-Geist“) hatte. Der Dämon gab sich unter Umständen als der pythinische Apollo aus — ein Gott, der angeblich eine Schlange namens pýthon getötet hatte. Das Mädchen brachte ihren Herren viel Gewinn ein, indem sie die Kunst der Voraussage betrieb. Möglicherweise sagte sie den Bauern, wann sie pflanzen, den Jungfrauen, wann sie heiraten, und den Schatzgräbern, wo sie nach Gold suchen sollten. Sie folgte den Brüdern beständig und rief aus: „Diese Menschen sind Sklaven Gottes, des Höchsten, die euch den Weg der Rettung verkündigen.“ Der Dämon ließ sie das womöglich deshalb sagen, weil er den Anschein erwecken wollte, ihre Voraussagen seien von Gott inspiriert. Aber Dämonen haben nicht das Recht, etwas über Jehova und seine Rettungsvorkehrung zu verkündigen. Als Paulus der ständigen Belästigung überdrüssig wurde, trieb er den Dämon im Namen Jesu aus. Die Herren des Mädchens, deren Geschäft dadurch ruiniert war, schleppten Paulus und Silas daraufhin auf den Marktplatz, wo man sie mit Ruten schlug (2. Korinther 11:25). Dann warf man sie in das Gefängnis und schloß ihre Füße in den Stock. Eine solche Vorrichtung konnte so verstellt werden, daß die Beine gewaltsam gespreizt wurden, was große Schmerzen bereitete.

      7. Für wen war der Gefängnisaufenthalt von Paulus und Silas in Philippi zum Segen, und auf welche Weise?

      7 Dieser Gefängnisaufenthalt war für den Gefängnisaufseher und seine Familie zum Segen (16:25-40). Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und lobsangen Gott in der Gewißheit, daß er mit ihnen war (Psalm 42:8). Plötzlich wurden durch ein Erdbeben alle Türen geöffnet und alle Fesseln gelöst, indem sie sich aus dem Gebälk oder den Mauern lösten. Der Gefängnisaufseher befürchtete, mit dem Tod bestraft zu werden, weil er meinte, seine Gefangenen seien entflohen. Er wollte schon Selbstmord begehen, als Paulus mit lauter Stimme rief: „Tu dir kein Leid an, denn wir sind alle hier!“ Der Gefängnisaufseher führte Paulus und Silas hinaus und fragte, wie er gerettet werden könne. „Glaube an den Herrn Jesus“, lautete die Antwort. Als „er und die Seinen“ das Wort Jehovas gehört hatten, wurden sie „unverzüglich getauft“. Welch eine Freude dies auslöste!

      8. Was unternahmen die Magistrate in Philippi, und was konnte vielleicht erreicht werden, wenn sie ihren Fehler öffentlich zugaben?

      8 Am folgenden Tag ließen die Magistrate sagen, Paulus und Silas seien freizulassen. Aber Paulus erwiderte: ‘Sie haben uns, ohne daß wir verurteilt waren, ausgepeitscht, uns Menschen, die Römer sind, und uns ins Gefängnis geworfen. Treiben sie uns jetzt heimlich hinaus? Sie sollen selbst herkommen und uns herausführen.’ Wenn die Magistrate ihren Fehler öffentlich zugaben, würden sie vielleicht zögern, andere Christen zu schlagen und ins Gefängnis zu werfen. Da sie keine römischen Bürger vertreiben konnten, kamen sie und baten die Brüder fortzugehen, was diese jedoch erst taten, nachdem sie ihre Mitbrüder ermuntert hatten. Solches Interesse bewegt heutzutage Glieder der leitenden Körperschaft und andere Brüder, die sie vertreten, Gottes Diener auf der ganzen Erde zu besuchen und zu ermuntern.

      Gottes Wort gewinnt in Thessalonich und Beröa die Oberhand

      9. Mit Hilfe welcher Methode, die Jehovas Zeugen immer noch anwenden, „erklärte und bewies“ Paulus, daß der Messias leiden und von den Toten auferstehen mußte?

      9 Gottes Wort gewann danach in Thessalonich — die Hauptstadt Mazedoniens und eine wichtige Hafenstadt — die Oberhand (17:1-9). Dort unterredete sich Paulus mit den Juden, indem er „erklärte und bewies“, daß der Messias leiden und von den Toten auferstehen mußte. (Paulus tat dies, indem er Prophezeiungen mit Ereignissen verglich, durch die sie sich erfüllt hatten — etwas, was Jehovas Zeugen heute noch tun.) Auf diese Weise wurden einige Juden sowie viele Proselyten und andere gläubig. Als eifersüchtige Juden, die eine Pöbelrotte gebildet hatten, Paulus und Silas nicht finden konnten, schleppten sie Jason und andere Brüder zu den Stadtvorstehern und klagten sie der Aufwiegelung an — eine Falschanklage, die immer noch gegen Jehovas Volk vorgebracht wird. Doch man ließ die Brüder frei, nachdem sie „eine genügende Bürgschaft“ gegeben hatten.

      10. In welchem Sinn „forschten“ die Juden in Beröa „sorgfältig“ in den Schriften?

      10 Paulus und Silas gingen anschließend nach Beröa (17:10-15). Die dortigen Juden taten etwas, wozu Jehovas Zeugen heute ebenfalls die Menschen ermuntern. Sie ‘forschten sorgfältig’ in den Schriften. Jene Beröer bezweifelten nicht, was Paulus sagte, sondern forschten nach Beweisen, daß Jesus der Messias war. Mit welchem Ergebnis? Viele Juden und einige Griechen (möglicherweise Proselyten) wurden gläubig. Aber Juden aus Thessalonich reizten die Massen. Daraufhin geleiteten die Brüder Paulus zur Küste, wo einige aus seiner Gruppe vielleicht ein Schiff nach Piräus (das heutige Piräefs), der Hafenstadt Athens, bestiegen.

      Jehovas Wort gewinnt in Athen die Oberhand

      11. (a) Wieso gab Paulus in Athen freimütig Zeugnis, doch mit wem kam es zu einem Wortwechsel? (b) Was wollten einige sagen, als sie Paulus einen „Schwätzer“ nannten?

      11 In Athen wurde ein freimütiges Zeugnis gegeben (17:16-21). Aufgrund dessen, was Paulus über Jesus und die Auferstehung sagte, kam es zwischen Philosophen und ihm zu einem Wortwechsel. Mehrere von ihnen waren Epikureer, die auf das Prinzip der Lust Nachdruck legten. Bei anderen handelte es sich um Stoiker, die die Selbstzucht betonten. „Was will dieser Schwätzer denn sagen?“ fragten einige. Der Ausdruck „Schwätzer“ (wörtlich: „Samenpicker“) sollte besagen, daß Paulus wie ein Vogel, der Samen aufpickt, Bruchstücke von Wissen weitergab, jedoch der Weisheit ermangelte. Andere sagten: „Er scheint ein Verkündiger ausländischer Gottheiten zu sein.“ Das war eine ernste Sache, denn Sokrates hatte aufgrund einer solchen Anklage sein Leben verloren. Sogleich führte man Paulus auf den Areopag (Marshügel), wo möglicherweise das oberste Gericht unter freiem Himmel in der Nähe der Akropolis zusammenkam.

      12. (a) Durch welche Merkmale einer guten öffentlichen Ansprache zeichnet sich die Ansprache des Paulus auf dem Areopag aus? (b) Was erwähnte Paulus in bezug auf Gott, und mit welchem Ergebnis?

      12 Die Ansprache des Paulus auf dem Areopag ist ein ausgezeichnetes Beispiel, was die Einleitung, den logischen Aufbau und überzeugende Argumentation betrifft — Redemerkmale, auf die in der Theokratischen Predigtdienstschule der Zeugen Jehovas geachtet wird (17:22-34). Er wies darauf hin, daß die Athener religiöser seien als andere. Ja, sie hatten sogar einen Altar aufgestellt mit der Inschrift „Einem unbekannten Gott“, möglicherweise um keine Gottheit zu kränken. Paulus sprach über den Schöpfer, der „aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht“ und „die bestimmten Zeiten und die festgesetzten Wohngrenzen der Menschen“ verordnet hat, wie zum Beispiel die Zeit der Ausrottung der Kanaaniter (1. Mose 15:13-21; Daniel 2:21; 7:12). Diesen Gott kann man finden, „denn wir sind auch sein Geschlecht“, sagte Paulus, indem er auf die Erschaffung des Menschen durch Jehova anspielte und die griechischen Dichter Aratos und Kleanthes zitierte. Da wir Gottes Geschlecht sind, sollten wir nicht meinen, der vollkommene Schöpfer gleiche einem von unvollkommenen Menschen hergestellten Götzen. Gott habe einst solche Unwissenheit übersehen, doch lasse er nun die Menschen auffordern zu bereuen, denn er habe einen Tag festgesetzt, die Menschen durch den von ihm bestimmten Mann zu richten. Paulus hatte ‘die gute Botschaft von Jesus verkündigt’. Deshalb wußten seine Zuhörer, daß mit diesem Richter Christus gemeint war (Apostelgeschichte 17:18; Johannes 5:22, 30). Die Worte über Reue verdrossen die Epikureer. Die griechischen Philosophen hätten zwar Bemerkungen über Unsterblichkeit akzeptieren können, nicht aber über den Tod und die Auferstehung. Offensichtlich verhielten sich einige genauso wie manche, die heute die gute Botschaft mit einem Achselzucken abtun, indem sie sagten: ‘Wir wollen dich ein andermal hören.’ Der Richter Dionysius und andere wurden jedoch gläubig.

      Gottes Wort gewinnt in Korinth die Oberhand

      13. Wie sorgte Paulus für seinen Unterhalt, damit er seinen Dienst weiter verrichten konnte, und welche neuzeitliche Parallele gibt es dazu?

      13 Paulus reiste weiter nach Korinth, der Hauptstadt der Provinz Achaia (18:1-11). Dort fand er Aquila und Priscilla, die in diese Stadt gekommen waren, als Claudius Cäsar den Juden, die keine römischen Bürger waren, befohlen hatte, Rom zu verlassen. Damit Paulus seinen Dienst weiter verrichten konnte, sorgte er selbst für seinen Unterhalt, indem er zusammen mit diesem christlichen Ehepaar Zelte machte (1. Korinther 16:19; 2. Korinther 11:9). Steifes Tuch aus Ziegenhaar zu schneiden und zu nähen war harte Arbeit. Auch Jehovas Zeugen sorgen für ihre materiellen Bedürfnisse durch eine weltliche Arbeit, doch ihre Berufung ist der Predigtdienst.

      14. (a) Was tat Paulus angesichts der hartnäckigen Gegnerschaft der Juden in Korinth? (b) Wie wurde Paulus versichert, daß er in Korinth bleiben sollte, und wie werden Jehovas Diener heute geleitet?

      14 Die Juden in Korinth redeten auf lästerliche Weise, als Paulus verkündigte, daß Jesus der Messias ist. So schüttelte er seine Kleider aus, wodurch er die Verantwortung ihnen gegenüber ablehnte, und begann im Haus des Titius Justus — wahrscheinlich ein Römer — Zusammenkünfte abzuhalten. Viele (unter anderem der frühere Synagogenvorsteher Krispus und seine Hausgenossen) kamen zum Glauben und ließen sich taufen. Falls Paulus aufgrund der Feindschaft der Juden ein weiterer Verbleib in Korinth fraglich erschien, wurden sicherlich alle seine Zweifel zerstreut, als der Herr in einer Vision zu ihm sagte: ‘Fürchte dich nicht. Fahre fort zu reden, denn ich bin mit dir, und keiner wird dir Schaden zufügen. Ich habe viel Volk in dieser Stadt.’ Daher lehrte Paulus das Wort Gottes dort insgesamt ein Jahr und sechs Monate. Heute haben Jehovas Diener zwar keine Visionen; das Gebet und die Leitung durch den heiligen Geist sind ihnen aber eine Hilfe, ebenfalls weise Entscheidungen in bezug auf die Königreichsinteressen zu treffen.

      15. Was geschah, als Paulus dem Prokonsul Gallio vorgeführt wurde?

      15 Die Juden führten Paulus dem Prokonsul Junius Gallio vor (18:12-17). Sie gaben ihm zu verstehen, Paulus mache auf gesetzwidrige Weise Proselyten — eine Falschanklage, die griechische Kleriker auch heute gegen Jehovas Zeugen erheben. Gallio erkannte, daß Paulus nicht der Schurkerei schuldig war, und wußte, daß sich die Juden wenig um das Wohl Roms und dessen Gesetze kümmerten. Deshalb trieb er sie weg. Als Beobachter anfingen, Sosthenes, den neuen Synagogenvorsteher, zu schlagen, griff Gallio nicht ein, weil er wahrscheinlich dachte, der offensichtliche Anführer der Pöbelaktion gegen Paulus erhalte, was er verdiene.

      16. Warum war nichts dagegen einzuwenden, daß sich Paulus im Zusammenhang mit einem Gelübde das Haar kurz schneiden ließ?

      16 Paulus schiffte sich in dem ägäischen Hafen Kenchreä nach Ephesus ein, einer Stadt in Kleinasien (18:18-22). Vor dieser Reise ‘hatte er sich das Haupthaar kurz schneiden lassen, denn er hatte ein Gelübde’. Es wird weder berichtet, ob Paulus das Gelübde abgelegt hatte, bevor er ein Nachfolger Jesu wurde, noch ob damals die Zeit des Gelübdes begann oder endete. Christen stehen zwar nicht unter dem mosaischen Gesetz, doch es stammte von Gott und war heilig. Ein solches Gelübde war also keine Sünde (Römer 6:14; 7:6, 12; Galater 5:18). In Ephesus unterredete er sich mit den Juden und versprach zurückzukehren, wenn es Gottes Wille sei. (Dieses Versprechen löste er später ein.) Mit seiner Rückkehr in das syrische Antiochia endete seine zweite Missionsreise.

      Jehovas Wort gewinnt in Ephesus die Oberhand

      17. Worüber mußten Apollos und einige andere in bezug auf die Taufe noch belehrt werden?

      17 Schon bald begab sich Paulus auf seine dritte Missionsreise (um 52—56 u. Z.) (18:23 bis 19:7). In Ephesus lehrte unterdessen Apollos über Jesus, allerdings kannte er nur die Taufe des Johannes, die ein Symbol der Reue über Sünden gegen den Gesetzesbund war. Priscilla und Aquila „erklärten ihm den Weg Gottes noch genauer“. Wahrscheinlich sagten sie ihm, so wie Jesus getauft zu werden würde einschließen, im Wasser untergetaucht zu werden und heiligen Geist zu empfangen. Wer nach der zu Pfingsten 33 u. Z. erfolgten Taufe mit heiligem Geist mit der Taufe des Johannes getauft worden war, mußte sich noch einmal taufen lassen, und zwar im Namen Jesu (Matthäus 3:11, 16; Apostelgeschichte 2:38). In Ephesus wurden später „etwa zwölf Männer“, Juden, die sich der Taufe des Johannes unterzogen hatten, „im Namen des Herrn Jesus getauft“ — die einzige Wiedertaufe, über die in der Heiligen Schrift berichtet wird. Als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, empfingen sie heiligen Geist und auch zwei übernatürliche Beweise dafür, daß Gott sie angenommen hatte: Zungenreden und Prophezeien.

      18. Wo gab Paulus während seines Aufenthalts in Ephesus Zeugnis, und mit welchem Ergebnis?

      18 In Ephesus, einer Stadt von etwa 300 000 Einwohnern, war Paulus sicherlich stets sehr beschäftigt (19:8-10). Der dortige Tempel der Göttin Artemis zählte zu den Sieben Weltwundern des Altertums. Das Theater der Stadt faßte 25 000 Personen. In der Synagoge unterbreitete Paulus „mit Überzeugung“ stichhaltige Argumente, doch zog er sich zurück, als einige vom WEG, d. h. von der Lebensweise, die auf Glauben an Christus beruhte, nachteilig redeten. Zwei Jahre lang hielt er täglich Ansprachen im Hörsaal der Schule des Tyrannus, und „das Wort“ breitete sich im ganzen Bezirk Asien aus.

      19. Was geschah in Ephesus, wodurch ‘das Wort Jehovas fortwährend wuchs und die Oberhand gewann’?

      19 Gott zeigte, daß er die Tätigkeit des Paulus anerkannte, indem er ihn befähigte, Heilungen vorzunehmen und Dämonen auszutreiben (19:11-20). Den sieben Söhnen des Oberpriesters Skeva gelang es aber nicht, einen Dämon durch den Gebrauch des Namens Jesu auszutreiben, weil sie keine Vertreter Gottes und Christi waren. Sie wurden von dem Besessenen sogar verwundet. Die Menschen gerieten daraufhin in Furcht, und „der Name des Herrn Jesus wurde weiterhin verherrlicht“. Diejenigen, die gläubig wurden, gaben ihre okkulten Praktiken auf und verbrannten öffentlich ihre Bücher, die anscheinend Beschwörungsformeln und Zaubersprüche enthielten. „So wuchs“, wie Lukas schrieb, „das Wort Jehovas fortwährend mit Macht und gewann die Oberhand.“ Heute helfen Gottes Diener den Menschen ebenfalls, aus den Klauen des Dämonismus befreit zu werden (5. Mose 18:10-12).

      Religiöse Intoleranz schlägt fehl

      20. Warum hetzten die Silberschmiede von Ephesus zu einem Aufstand auf, und wie wurde er beendet?

      20 Viele Zeugen Jehovas standen schon wütenden Pöbelrotten gegenüber. So auch die Christen in Ephesus (19:21-41). Als immer mehr gläubig wurden, gingen bei Demetrius und den anderen Silberschmieden die Einnahmen zurück, weil weniger Leute ihre Silberschreine der vielbrüstigen Fruchtbarkeitsgöttin Artemis kauften. Von Demetrius angestachelt, schleppte eine Pöbelrotte Gajus und Aristarchus, die Gefährten des Paulus, mit ins Theater, doch die Jünger ließen nicht zu, daß sich Paulus hineinbegab. Desgleichen ließen ihn einige Mitglieder der Kommission für Festlichkeiten und Spiele bitten, dieses Risiko nicht einzugehen. Ungefähr zwei Stunden schrie der Pöbel: „Groß ist die Artemis der Epheser!“ Schließlich erklärte der Stadtschreiber (der Oberste der Stadtverwaltung), die Handwerker könnten ihre Anklagen entweder einem Prokonsul unterbreiten, der befugt sei, gerichtliche Entscheidungen zu treffen, oder ihr Fall wäre in „einer gesetzmäßigen Versammlung“ von Bürgern zu entscheiden. Andernfalls könne Rom die an dieser ungesetzlichen Versammlung Beteiligten wegen eines Aufstandes unter Anklage stellen. Damit entließ er sie.

      21. Auf welche Weise segnete Gott die Arbeit des Paulus, und wie segnet er die der Zeugen Jehovas heute?

      21 Gott half Paulus in verschiedenen Prüfungen und segnete seine Anstrengungen, Menschen behilflich zu sein, religiöse Irrtümer zu verwerfen und die Wahrheit anzunehmen. (Vergleiche Jeremia 1:9, 10.) Wie dankbar sind wir, daß unser himmlischer Vater unsere Arbeit ebenfalls segnet! So kommt es, daß heute wie im ersten Jahrhundert ‘das Wort Jehovas wächst und die Oberhand gewinnt’.

  • Verkündige freimütig Jehovas Königreich!
    Der Wachtturm 1990 | 15. Juni
    • Verkündige freimütig Jehovas Königreich!

      „Er nahm alle freundlich auf, die zu ihm hereinkamen, [und] predigte ihnen das Königreich Gottes“ (APOSTELGESCHICHTE 28:30, 31).

      1, 2. Welchen Beweis für Gottes Unterstützung hatte Paulus, und welches Beispiel gab er?

      JEHOVA unterstützt stets diejenigen, die das Königreich verkündigen. Wie deutlich sich das doch bei dem Apostel Paulus zeigte! Mit Gottes Unterstützung trat er vor Herrscher, erduldete Pöbelangriffe und verkündigte freimütig Jehovas Königreich.

      2 Selbst als Gefangener in Rom „nahm [Paulus] alle freundlich auf, die zu ihm hereinkamen, [und] predigte ihnen das Königreich Gottes“ (Apostelgeschichte 28:30, 31). Welch vorzügliches Beispiel für Jehovas Zeugen heute! Von dem Dienst des Paulus, über den Lukas in den abschließenden Kapiteln des Bibelbuches Apostelgeschichte berichtet, können wir viel lernen (20:1 bis 28:31).

      Mitgläubige erbaut

      3. Was geschah in Troas, und welcher Vergleich läßt sich diesbezüglich zur heutigen Zeit ziehen?

      3 Nachdem sich der Aufruhr in Ephesus gelegt hatte, setzte Paulus seine dritte Missionsreise fort (20:1-12). Als er im Begriff stand, sich nach Syrien einzuschiffen, erfuhr er jedoch, daß die Juden einen Anschlag auf ihn planten. Unter Umständen hatten sie vor, an Bord desselben Schiffes zu gehen, um Paulus zu töten. Deshalb zog Paulus durch Mazedonien. In Troas verbrachte er eine Woche, wobei er die Gläubigen erbaute, wie es heute reisende Aufseher der Zeugen Jehovas tun. In der Nacht vor seiner Abreise dehnte Paulus seine Ansprache bis Mitternacht aus. In einem Fenster saß Eutychus, anscheinend von den Anstrengungen des Tages ermüdet. Er schlief ein, stürzte aus dem dritten Geschoß hinunter und war auf der Stelle tot. Aber Paulus rief ihn ins Leben zurück. Welch eine Freude dies ausgelöst haben muß! Stellen wir uns daher vor, welche Freude herrschen wird, wenn in der bevorstehenden neuen Welt viele Millionen auferweckt werden! (Johannes 5:28, 29).

      4. Was lehrte Paulus die Ältesten aus Ephesus in bezug auf den Predigtdienst?

      4 Auf dem Weg nach Jerusalem kam Paulus in Milet mit den Ältesten aus Ephesus zusammen (20:13-21). Er erinnerte sie daran, daß er sie „von Haus zu Haus“ gelehrt und „sowohl vor Juden als auch vor Griechen ... in bezug auf Reue gegenüber Gott und Glauben an unseren Herrn Jesus“ gründlich Zeugnis abgelegt hatte. Diejenigen, die schließlich Älteste geworden waren, hatten natürlich bereits bereut und glaubten schon. Der Apostel hatte auch sie im Haus-zu-Haus-Dienst, den Jehovas Zeugen heute ebenfalls durchführen, geschult, Ungläubigen freimütig das Königreich zu verkündigen.

      5. (a) Wieso war Paulus beispielhaft, was die Leitung durch den heiligen Geist betrifft? (b) Warum mußten die Ältesten ermahnt werden, ‘auf die ganze Herde achtzugeben’?

      5 Paulus ließ sich auf beispielhafte Weise von Gottes heiligem Geist leiten (20:22-30). „Im Geist gebunden“ oder sich der Verpflichtung bewußt, sich vom Geist leiten zu lassen, ging der Apostel nach Jerusalem, obwohl dort Fesseln und Drangsale auf ihn warteten. Er schätzte das Leben, doch die Lauterkeit Gott gegenüber zu bewahren war für ihn das wichtigste — was auch bei uns der Fall sein sollte. Paulus ermahnte die Ältesten, ‘auf die ganze Herde achtzugeben, in der der heilige Geist sie zu Aufsehern ernannt hatte’. Nach seinem „Weggang“ (offenbar sein Tod) würden „bedrückende Wölfe“ „die Herde nicht schonen“. Solche Männer würden aus der Mitte der Ältesten aufstehen, und Jünger mit geringem Unterscheidungsvermögen würden ihre verdrehten Lehren annehmen (2. Thessalonicher 2:6).

      6. (a) Warum konnte Paulus die Ältesten zuversichtlich Gott anvertrauen? (b) Inwiefern hielt sich Paulus an den Grundsatz aus Apostelgeschichte 20:35?

      6 Die Ältesten mußten geistig wach bleiben, damit sie Schutz vor der Abtrünnigkeit bieten konnten (20:31-38). Der Apostel hatte sie in den Hebräischen Schriften und den Lehren Jesu unterwiesen, deren heiligende Macht ihnen helfen konnte, „unter allen Geheiligten das Erbe“ — das himmlische Königreich — zu erlangen. Dadurch, daß Paulus gearbeitet hatte, um für seinen Lebensunterhalt und den seiner Gefährten zu sorgen, ermunterte er die Ältesten auch, hart zu arbeiten (Apostelgeschichte 18:1-3; 1. Thessalonicher 2:9). Wenn wir ebenso handeln und anderen helfen, ewiges Leben zu erlangen, werden wir Jesu Worte verstehen: „Beglückender ist Geben als Empfangen.“ Sinngemäß ist diese Aussage in den Evangelien zu finden, doch nur von Paulus wird sie formuliert, der sie gehört oder durch Inspiration empfangen haben mag. Wir können sehr glücklich sein, wenn wir genauso opferbereit sind wie Paulus. Er hatte sich so sehr eingesetzt, daß die Ältesten aus Ephesus bei seiner Abreise äußerst traurig waren.

      Der Wille Jehovas geschehe

      7. Wieso gab Paulus ein gutes Beispiel, was die Unterwerfung unter den Willen Gottes betrifft?

      7 Gegen Ende seiner dritten Missionsreise (um 56 u. Z.) gab Paulus ein gutes Beispiel, was die Unterwerfung unter den Willen Gottes betrifft (21:1-14). In Cäsarea hielt er sich zusammen mit seinen Gefährten bei Philippus auf, dessen vier jungfräuliche Töchter „prophezeiten“, indem sie durch heiligen Geist Ereignisse voraussagten. Dort band sich der christliche Prophet Agabus mit dem Gürtel des Paulus Hände und Füße und wurde vom Geist gedrängt zu erklären, daß die Juden den Eigentümer des Gürtels in Jerusalem binden und in die Hände der Nichtjuden ausliefern würden. „Ich bin bereit, mich nicht nur binden zu lassen, sondern in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesus auch zu sterben“, sagte Paulus. Die Jünger beruhigten sich, indem sie sagten: „Der Wille Jehovas geschehe.“

      8. Woran könnten wir denken, wenn es uns mitunter schwerfällt, einen guten Rat zu befolgen?

      8 Paulus erzählte den Ältesten in Jerusalem, was Gott durch seinen Dienst unter den Nichtjuden getan hatte (21:15-26). Sollte es uns jemals schwerfallen, einen guten Rat zu befolgen, dann sollten wir uns daran erinnern, daß Paulus bereitwillig Rat annahm. Damit bewiesen werden konnte, daß er die Juden in heidnischen Ländern nicht „Abfall von Moses“ gelehrt hatte, befolgte er den Rat der Ältesten, sich der zeremoniellen Reinigung zu unterziehen und für sich und vier weitere Männer die Kosten dafür zu tragen. Obwohl durch den Tod Jesu das mosaische Gesetz aus dem Weg geräumt worden war, tat Paulus nichts Falsches, wenn er sich an die Vorschriften in bezug auf Gelübde hielt (Römer 7:12-14).

      Unerschrocken trotz Pöbelangriffen

      9. Welcher Vergleich läßt sich zwischen den Erfahrungen des Paulus und denen der Zeugen Jehovas von heute ziehen, was Pöbelangriffe betrifft?

      9 Zeugen Jehovas haben sich oftmals gewalttätigen Pöbelrotten gegenübergesehen und unter diesen Umständen die Lauterkeit gegenüber Gott bewahrt. (Siehe beispielsweise das Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1975, Seite 180—190.) Juden aus Kleinasien hetzten gegen Paulus ebenfalls den Pöbel auf (21:27-40). Da sie Trophimus, den Epheser, bei dem Apostel sahen, beschuldigten sie diesen fälschlicherweise, den Tempel dadurch zu verunreinigen, daß er Griechen mit hineinnehme. Sie waren nahe daran, Paulus zu töten, als der römische Tribun Claudius Lysias mit seinen Männern die Rotte auflöste. Wie vorhergesagt (aber durch die Juden veranlaßt), ließ Lysias den Apostel mit Ketten fesseln (Apostelgeschichte 21:11). Als Paulus gerade in die Kaserne, die an den Tempelvorhof angrenzte, hineingeführt werden sollte, erfuhr Lysias, daß der Abgeführte kein Aufrührer war, sondern ein Jude, der den Tempelbezirk betreten durfte. Paulus wurde erlaubt zu reden und wandte sich in Hebräisch an die Menge.

      10. Wie wurden die Worte des Paulus von den Juden in Jerusalem aufgenommen, und warum wurde er nicht gegeißelt?

      10 Paulus legte freimütig Zeugnis ab (22:1-30). Er gab sich als ein Jude zu erkennen, der von dem hochgeachteten Gamaliel unterwiesen worden war. Der Apostel erklärte, daß er, als er nach Damaskus unterwegs war, um Anhänger des WEGES zu verfolgen, den verherrlichten Jesus Christus sah und erblindete. Doch Ananias stellte sein Augenlicht wieder her. Später sagte ihm der Herr: „Geh deines Weges, denn ich werde dich zu Nationen in die Ferne senden.“ Diese Worte fielen wie ein Funke in einen Wald. Die Menge schrie, Paulus dürfe nicht leben, warf im Zorn ihre Kleider umher und schleuderte Staub in die Luft. Lysias ließ daher Paulus in die Kaserne bringen, damit er unter Geißelung verhört werde, um zu erfahren, warum die Juden gegen ihn waren. Zur Geißelung (mit Lederriemen, die Knoten aufwiesen oder in die Knochen oder Metallstückchen eingearbeitet waren) kam es nicht, denn Paulus fragte: ‘Ist es erlaubt, einen unverurteilten Römer zu geißeln?’ Als Lysias feststellte, daß Paulus ein römischer Bürger war, geriet er in Furcht und führte ihn dem Sanhedrin vor, um herauszubekommen, weswegen er von den Juden angeklagt worden war.

      11. In welcher Hinsicht war Paulus ein Pharisäer?

      11 Zu Beginn seiner Verteidigung vor dem Sanhedrin erklärte Paulus, er habe sich „mit einem vollkommen reinen Gewissen vor Gott“ betragen. Daraufhin befahl Ananias, der Hohepriester, ihn zu schlagen (23:1-10). Paulus sagte: „Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand.“ Einige fragten: „Beschimpfst du den Hohenpriester?“ Wegen seines schlechten Augenlichts hatte Paulus Ananias vielleicht nicht erkannt. Da Paulus aber bemerkte, daß der Rat aus Pharisäern und Sadduzäern bestand, sagte er: ‘Ich bin ein Pharisäer und werde wegen der Hoffnung auf die Auferstehung gerichtet.’ Demzufolge spaltete sich der Sanhedrin, denn die Pharisäer glaubten an die Auferstehung, die Sadduzäer nicht. Der Zwiespalt wurde so groß, daß Lysias den Apostel retten mußte.

      12. Wie entging Paulus in Jerusalem einem Anschlag?

      12 Als nächstes entging Paulus einem geplanten Anschlag auf sein Leben (23:11-35). Vierzig Juden hatten sich verschworen, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn getötet hätten. Der Neffe des Paulus berichtete dies ihm und Lysias. Unter militärischem Schutz wurde der Apostel zum Statthalter Antonius Felix nach Cäsarea, der römischen Verwaltungshauptstadt von Judäa, gebracht. Felix versprach ihm ein Verhör und hielt ihn unter Bewachung im prätorischen Palast Herodes’ des Großen, dem Sitz des Statthalters.

      Freimut vor Herrschern

      13. Worüber legte Paulus vor Felix Zeugnis ab, und wie wirkte sich das aus?

      13 Schon bald verteidigte sich der Apostel gegen Falschanklagen und legte vor Felix freimütig Zeugnis ab (24:1-27). Vor jüdischen Anklägern erklärte Paulus, daß er keinen Pöbelauflauf verursacht hatte. Er sagte, er glaube alles, was im GESETZ und in den PROPHETEN dargelegt sei, und hoffe auf „eine Auferstehung sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten“. Paulus war mit „Gaben der Barmherzigkeit“ (Spenden für Nachfolger Jesu, die eventuell durch Verfolgung verarmt waren) nach Jerusalem gekommen und hatte sich zeremoniell gereinigt. Felix schob den Urteilsspruch hinaus, und Paulus sprach mit ihm und seiner Frau Drusilla (die Tochter des Herodes Agrippa I.) später über Christus, Gerechtigkeit, Selbstbeherrschung und das kommende Gericht. Felix geriet deswegen in Furcht und sandte Paulus weg. Danach ließ er den Apostel noch häufig kommen und wartete vergeblich auf eine Bestechung. Felix wußte, daß Paulus unschuldig war, ließ ihn aber in Fesseln, weil er hoffte, dadurch bei den Juden Gunst zu finden. Nach zwei Jahren wurde Felix von Porcius Festus abgelöst.

      14. Welche gesetzliche Vorkehrung machte sich Paulus zunutze, als er vor Festus erschien, und welcher Vergleich läßt sich in der heutigen Zeit dazu ziehen?

      14 Paulus verteidigte sich auch freimütig vor Festus (25:1-12). Wenn der Apostel den Tod verdient hätte, hätte er sich nicht davon losgebeten. Niemand konnte ihn jedoch als Gunsterweisung den Juden übergeben. „Ich berufe mich auf Cäsar!“ sagte Paulus, womit er von dem Recht eines römischen Bürgers Gebrauch machte, in Rom vor Gericht gestellt zu werden (und zwar vor Nero). Der Berufung wurde stattgegeben, und Paulus konnte, wie vorhergesagt, „in Rom Zeugnis ablegen“ (Apostelgeschichte 23:11). Auch Jehovas Zeugen bedienen sich zur „Verteidigung und gesetzlichen Befestigung der guten Botschaft“ bestimmter Vorkehrungen (Philipper 1:7).

      15. (a) Welche Prophezeiung erfüllte sich, als Paulus vor König Agrippa und vor Cäsar erschien? (b) Inwiefern hatte Saulus ‘gegen die Stacheln ausgeschlagen’?

      15 König Herodes Agrippa II. aus dem nördlichen Judäa und seine Schwester Bernice (mit der er in Blutschande lebte) hörten Paulus, als sie Festus in Cäsarea einen Besuch abstatteten (25:13 bis 26:23). Dadurch, daß Paulus vor Agrippa und vor Cäsar Zeugnis ablegte, erfüllte sich die Prophezeiung, daß er den Namen des Herrn zu Königen tragen werde (Apostelgeschichte 9:15). Als er Agrippa erzählte, was auf dem Weg nach Damaskus geschah, erwähnte er die Worte Jesu: „Fortgesetzt gegen die Stacheln auszuschlagen macht es hart für dich.“ So, wie ein widerspenstiger Stier sich selbst verletzt, wenn er dem Stachel widerstrebt, so hatte sich Saulus selbst verletzt, indem er Jesu Nachfolger, die die Unterstützung Gottes hatten, bekämpfte.

      16. Wie reagierten Festus und Agrippa auf das Zeugnis des Paulus?

      16 Wie reagierten Festus und Agrippa? (26:24-32). Unfähig, die Auferstehung zu verstehen, und erstaunt über die Überzeugung des Paulus, sagte Festus: „Die große Gelehrsamkeit treibt dich zum Wahnsinn!“ Desgleichen werden Jehovas Zeugen heute von einigen beschuldigt, wahnsinnig zu sein, obwohl sie in Wirklichkeit wie Paulus „Worte der Wahrheit und eines gesunden Sinnes“ reden. „In kurzem würdest du mich überreden, ein Christ zu werden“, sagte Agrippa und stellte das Verhör ein. Doch mußte er zugeben, daß man Paulus hätte freilassen können, wenn er sich nicht auf Cäsar berufen hätte.

      In Seenot

      17. Wie würdest du die Gefahren auf See beschreiben, die während der Reise des Paulus nach Rom auftraten?

      17 Während der Reise nach Rom geriet Paulus „in Gefahren auf dem Meer“ (2. Korinther 11:24-27). Ein Offizier namens Julius war für die Gefangenen, die von Cäsarea nach Rom gebracht wurden, verantwortlich (27:1-26). Als das Schiff in Sidon anlegte, durfte Paulus Gläubige besuchen, durch die er geistig erquickt wurde. (Vergleiche 3. Johannes 14.) In Myra (Kleinasien) ließ Julius die Gefangenen ein Getreideschiff nach Italien besteigen. Trotz starken Gegenwinds erreichten sie Schönhafen in der Nähe der kretischen Stadt Lasea. Nachdem sie von dort abgefahren waren, wurde das Schiff auf dem Weg nach Phönix von einem Nordostwind erfaßt. Da die Seeleute befürchteten, auf die Syrte (Treibsand) vor Nordafrika aufzulaufen, „ließen sie die Ausrüstung herunter“ — möglicherweise die Segel und die Masten. Man hatte das Schiff bereits mit Stricken untergürtet, damit es nicht barst. Als der Sturm am nächsten Tag immer noch wütete, erleichterte man das Schiff, indem man Ladung über Bord warf. Am dritten Tag warf man die Takelage (Seile oder entbehrliche Ausrüstung) über Bord. Als jede Hoffnung schwand, erschien Paulus ein Engel und sagte ihm, er solle nicht furchtsam sein, denn er werde vor Cäsar stehen. Welch eine Erleichterung, als der Apostel erklärte, daß das Schiff vor einer gewissen Insel stranden würde und daß alle Reisenden das Land erreichten!

      18. Was geschah schließlich mit Paulus und seinen Mitreisenden?

      18 Die Reisenden überlebten (27:27-44). Am 14. Tag erkannten die Seeleute um Mitternacht, daß Land in der Nähe war. Lotungen ergaben dies. Man warf Anker aus, um nicht auf Felsen aufzulaufen. Der Aufforderung des Paulus folgend, nahmen alle 276 Männer Speise zu sich. Dann erleichterte man das Schiff, indem man den Weizen über Bord warf. Bei Tagesanbruch hieben die Seeleute die Anker ab, lösten die Riemen der Steuerruder und hißten das Vorsegel vor den Wind. Das Schiff lief auf eine Sandbank auf, und das Heck begann zu zerbrechen. Aber alle gelangten an Land.

      19. Was geschah mit Paulus auf Malta, und was tat er dort für andere?

      19 Durchnäßt und erschöpft befanden sich die Schiffbrüchigen nun auf Malta, wo ihnen die Insulaner „außergewöhnliche Menschenfreundlichkeit“ erwiesen (28:1-16). Als Paulus Reisig auf ein Feuer legte, wurde eine schlafende Otter wach und heftete sich an seine Hand. (Heute gibt es auf Malta keine Giftschlangen; damals handelte es sich allerdings um ein „giftiges Tier“.) Die Malteser dachten, Paulus sei ein Mörder, den das „Rachegericht“ nicht weiterleben lasse, doch als er weder eine Entzündung bekam und anschwoll noch tot umfiel, sagten sie, er sei ein Gott. Paulus heilte später viele, auch den Vater des Publius, des obersten Beamten Maltas. Nach drei Monaten fuhren Paulus, Lukas und Aristarchus in einem Schiff weiter, das als Bugfigur die „Söhne des Zeus“ (Kastor und Pollux, Zwillinge, die als Schutzgötter der Seeleute galten) trug. Nach der Ankunft in Puteoli zog Julius mit seinem Gefangenentrupp weiter. Paulus dankte Gott und faßte Mut, als er auf dem Marktplatz des Appius und bei den Drei Schenken an der Via Appia Christen aus der römischen Reichshauptstadt traf. Schließlich wurde Paulus in Rom erlaubt, für sich zu bleiben, wenn er auch von einem Soldaten bewacht wurde.

      Verkündige weiterhin Jehovas Königreich!

      20. Womit war Paulus in seiner Unterkunft in Rom ständig beschäftigt?

      20 In seiner Unterkunft in Rom verkündigte Paulus freimütig Jehovas Königreich (28:17-31). Den Ersten der Juden erklärte er: „Wegen der Hoffnung Israels umgibt mich diese Kette.“ Bei dieser Hoffnung ging es auch darum, den Messias anzunehmen — etwas, wofür zu leiden wir ebenfalls bereit sein müssen (Philipper 1:29). Die meisten jener Juden glaubten zwar nicht, doch viele Nichtjuden und ein jüdischer Überrest hatten den richtigen Herzenszustand (Jesaja 6:9, 10). Zwei Jahre lang (ca. 59—61 u. Z.) nahm Paulus alle, die zu ihm kamen, auf und „predigte ihnen das Königreich Gottes und lehrte sie ungehindert und mit dem größten Freimut der Rede die Dinge, die den Herrn Jesus Christus betreffen“.

      21. Was für ein Beispiel gab Paulus bis ans Ende seines irdischen Lebens?

      21 Es scheint, daß Nero Paulus für unschuldig erklärte und ihn auf freien Fuß setzte. In Gemeinschaft mit Timotheus und Titus nahm der Apostel daraufhin seine Arbeit wieder auf. Allerdings kam er in Rom erneut ins Gefängnis (um 65 u. Z.) und starb wahrscheinlich unter Nero als Märtyrer (2. Timotheus 4:6-8). Bis ans Ende gab Paulus jedoch als mutiger Verkündiger des Königreiches ein gutes Beispiel. Mögen in den heutigen letzten Tagen alle, die sich Gott hingegeben haben, mit demselben Geist freimütig Jehovas Königreich verkündigen!

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