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„Wir sind zu dem einstimmigen Entschluss gekommen“Legt gründlich Zeugnis ab für Gottes Königreich
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KAPITEL 14
„Wir sind zu dem einstimmigen Entschluss gekommen“
Die leitende Körperschaft in Jerusalem kommt zu einer Entscheidung und die Versammlungen wachsen weiter zusammen
Nach Apostelgeschichte 15:13-35
1, 2. (a) Vor welchen großen Fragen steht die leitende Körperschaft im 1. Jahrhundert? (b) Was verhilft den Brüdern zur richtigen Schlussfolgerung?
SPANNUNG liegt in der Luft. Die Apostel und die Ältesten schauen sich an und spüren, dass ein historischer Moment gekommen ist. Das Thema Beschneidung hat große Fragen aufgeworfen: Gilt das Gesetz Mose auch für Christen? Sollte zwischen jüdischen und nicht jüdischen Christen irgendein Unterschied gemacht werden?
2 Die verantwortlichen Brüder haben sich ein umfassendes Bild gemacht. Sie haben klar vor Augen, was Gottes prophetisches Wort dazu sagt, und durch die Augenzeugenberichte verstanden, dass Jehova hinter der ganzen Entwicklung steht. Nun ist alles gesagt, was zu sagen war. Die Sachlage lässt nur einen Schluss zu. Jehovas Geist zeigt klar die Richtung an. Werden sie darauf reagieren?
3. Was bringt uns ein genauerer Blick auf den Bericht in Apostelgeschichte 15?
3 Sie werden viel Glauben und Mut brauchen, um jetzt der Leitung des Geistes zu folgen. Sie riskieren, den Hass der geistlichen Führer der Juden noch zu verstärken, und müssen außerdem mit dem Widerstand derer in der Versammlung rechnen, die das Volk Gottes wieder zum Einhalten des Gesetzes bewegen wollen. Was wird die leitende Körperschaft tun? Dazu gleich mehr. Wir werden dabei auch sehen, wie die Brüder damals vorgegangen sind – ein Muster, an das sich die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas noch heute hält. Ein Muster, das auch für uns gilt, wenn wir in unserem Leben als Christen vor Entscheidungen und Herausforderungen stehen.
„Damit stimmen die Worte der Propheten überein“ (Apg. 15:13-21)
4, 5. Welche Aussage aus Gottes Wort erwähnte Jakobus?
4 Nun meldete sich der Jünger Jakobus, ein Halbbruder Jesu, zu Wort.a Offensichtlich war er der Vorsitzende der Sitzung. Er fasste die Beratungen und das Ergebnis, zu dem anscheinend alle gekommen waren, mit den Worten zusammen: „Simeon hat ausführlich erzählt, wie Gott erstmals seine Aufmerksamkeit den anderen Völkern zuwandte, um aus ihnen ein Volk für seinen Namen herauszunehmen. Damit stimmen die Worte der Propheten überein“ (Apg. 15:14, 15).
5 Bei der Rede von Simeon (Simon Petrus) und dem Bericht von Barnabas und Paulus sind Jakobus wahrscheinlich Schrifttexte eingefallen, die Licht in die Thematik brachten (Joh. 14:26). Nachdem er sagte: „Damit stimmen die Worte der Propheten überein“, zitierte er Amos 9:11, 12. Dieses Bibelbuch gehört zu dem Teil der Hebräischen Schriften, der allgemein als „die Propheten“ bezeichnet wird (Mat. 22:40; Apg. 15:16-18). Interessanterweise gab Jakobus den Wortlaut nicht eins zu eins wieder, wie er heute in Amos steht. Wahrscheinlich zitierte er aus der Septuaginta, einer griechischen Übersetzung der Hebräischen Schriften.
6. Wie sorgten die Schriften für noch mehr Klarheit in der Sache?
6 Durch den Propheten Amos hatte Jehova vorhergesagt, er werde eines Tages die „Hütte Davids“ wieder aufrichten, das heißt die Königslinie, die zum Königreich des Messias hinführt (Hes. 21:26, 27). Würde für Jehova dabei erneut nur die jüdische Nation eine Rolle spielen? Nein, denn in der Prophezeiung ist von „Leuten aus allen Völkern“ die Rede, die zusammengeführt werden und Gottes „Namen tragen“. Außerdem hatte Petrus ja eben bestätigt: „[Gott] hat gar keinen Unterschied zwischen uns [Judenchristen] und ihnen [nicht jüdischen Gläubigen] gemacht, sondern hat ihr Herz durch Glauben gereinigt“ (Apg. 15:9). Kurzum: Gott möchte, dass sowohl Juden als auch Nichtjuden sein Königreich erben (Röm. 8:17; Eph. 2:17-19). Nirgendwo hat er in den Prophezeiungen festhalten lassen, dass sich nicht jüdische Gläubige zuerst beschneiden lassen oder Proselyten werden müssten.
7, 8. (a) Was schlug Jakobus vor? (b) Wie sind seine Worte zu verstehen?
7 Aufgrund der Augenzeugenberichte und der Beweisführung aus den Schriften schlug Jakobus den anderen vor: „Meine Entscheidung ist deshalb: Man soll es den Menschen von den anderen Völkern, die sich Gott zuwenden, nicht schwer machen, sondern ihnen schreiben, dass sie sich von allem enthalten sollen, was durch Götzen verunreinigt ist, sowie von sexueller Unmoral, von Erwürgtem und von Blut. Denn seit alter Zeit gab es in allen Städten Leute, die Moses gepredigt haben. Er wird ja in den Synagogen an jedem Sabbat vorgelesen“ (Apg. 15:19-21).
8 Hat Jakobus mit den Worten „Meine Entscheidung ist deshalb“ seine Autorität, etwa als Vorsitzender, ausgespielt und eigenmächtig entschieden? Absolut nicht! Die griechischen Wörter für „meine Entscheidung ist“ können auch bedeuten „ich urteile“ oder „ich meine“. Er hat also nicht einfach über die Köpfe der anderen hinweg entschieden, sondern ihnen, basierend auf dem, was sie von den Brüdern und aus Gottes Wort gehört hatten, einen Vorschlag unterbreitet.
9. Welche Vorteile hatte der Vorschlag von Jakobus?
9 War das ein guter Vorschlag? Es sieht ganz so aus, denn die Apostel und die Ältesten nahmen ihn später an. Was waren die Vorteile? Zum einen würde man den nicht jüdischen Christen nicht das mosaische Gesetz aufbürden (Apg. 15:19). Zum anderen würde die Entscheidung Achtung vor dem Gewissen der Judenchristen verraten, denen viele Jahre lang „Moses … in den Synagogen an jedem Sabbat vorgelesen“ worden war (Apg. 15:21).b Durch den empfohlenen Kurs würde bestimmt auch der Zusammenhalt zwischen jüdischen und nicht jüdischen Christen gestärkt werden. Vor allem aber würde er Jehova Gott gefallen, weil er mit seinem Vorhaben harmoniert. So konnte ein Problem, das die Einheit und das Glück im gesamten Volk Gottes bedrohte, wirklich optimal gelöst werden. Und die Art und Weise, wie das Ganze geklärt wurde, hat außerdem Signalwirkung für Gottes Volk heute.
Albert Schroeder bei einem internationalen Kongress 1998
10. Wie folgt die Leitende Körperschaft heute ihrem Vorbild aus dem 1. Jahrhundert?
10 Wie im Kapitel 13 zu lesen war, verlässt sich die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas heute – ganz nach dem urchristlichen Muster – in allem auf Jehova, den höchsten Herrscher, und auf Jesus Christus, das Haupt der Versammlung (1. Kor. 11:3).c Wie sieht das in der Praxis aus? Albert D. Schroeder, der von 1974 an in der Leitenden Körperschaft war und seinen Dienst für Jehova auf der Erde im März 2006 vollendete, erklärte: „Die Leitende Körperschaft … kommt am Mittwoch zusammen, und die Zusammenkunft beginnt jeweils mit einem Gebet um die Leitung durch den Geist Jehovas. Es werden große Anstrengungen unternommen, jede Angelegenheit so zu behandeln und jede Entscheidung so zu treffen, dass sie in Übereinstimmung mit Gottes Wort, der Bibel, ist.“ Ähnlich äußerte sich Milton G. Henschel, der viele Jahre zur Leitenden Körperschaft gehörte und seinen Dienst für Gott auf der Erde im März 2003 vollendete. Er stellte der 101. Klasse der Wachtturm-Bibelschule Gilead bei der Abschlussfeier eine Grundsatzfrage: „Gibt es noch eine Organisation auf der Erde, deren Leitung Gottes Wort, die Bibel, zurate zieht, ehe sie wichtige Entscheidungen trifft?“ Die Antwort liegt auf der Hand.
Sie beschlossen, „ausgewählte Männer nach Antiochia zu schicken“ (Apg. 15:22-29)
11. Wie wurde der Beschluss der leitenden Körperschaft an die Versammlungen weitergegeben?
11 Die leitende Körperschaft in Jerusalem war zu einem einhelligen Beschluss gekommen. Damit die Brüder in den Versammlungen nun aber einheitlich handeln konnten, mussten sie davon erfahren. Wie konnte man ihnen die klare Entscheidung so mitteilen, dass sie sie positiv aufnehmen würden? In dem Bericht heißt es: „Da beschlossen die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Versammlung, aus ihren Reihen ausgewählte Männer mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu schicken, und zwar Judas, der auch Barsabbas genannt wurde, und Silas – führende Männer unter den Brüdern.“ Ihnen wurde außerdem ein Brief mitgegeben, der in allen Versammlungen in Antiochia, Syrien und Zilizien vorgelesen werden sollte (Apg. 15:22-26).
12, 13. Wieso war es gut, dass die leitende Körperschaft Judas und Silas schickte und ihnen außerdem einen Brief mitgab?
12 Als „führende Männer unter den Brüdern“ waren Judas und Silas genau die Richtigen, um die leitende Körperschaft zu vertreten. Der Besuch der vierköpfigen Delegation würde den Versammlungen deutlich machen, dass die Antwort der leitenden Körperschaft nicht lediglich eine Rückmeldung auf die ursprüngliche Anfrage war, sondern einen klaren Kurs vorgab. Durch den Besuch dieser „ausgewählten Männer“ würde das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Judenchristen in Jerusalem und den nicht jüdischen Christen in den übrigen Versammlungen gestärkt werden. Diese Brüder zu schicken war wirklich das Beste, was die leitende Körperschaft tun konnte, und ein echtes Zeichen von Liebe! Dadurch kam ohne Frage wieder Ruhe und Frieden in Gottes Volk.
13 Der Brief gab den nicht jüdischen Christen nicht nur eine klare Richtung in der Beschneidungsfrage vor, sondern erklärte ihnen auch, was sie tun mussten, um Jehovas Segen und Anerkennung zu erhalten. Die entscheidende Passage im Brief lautete: „Dem heiligen Geist und uns selbst erschien es gut, euch keine weitere Last aufzuerlegen als folgende notwendige Dinge: Enthaltet euch von allem, was Götzen geopfert wurde, sowie von Blut, von Erwürgtem und von sexueller Unmoral. Wenn ihr euch davor sorgfältig hütet, wird es euch gut gehen. Bleibt gesund!“ (Apg. 15:28, 29).
14. Wie ist vereintes Handeln unter Jehovas Volk in der zerstrittenen Welt von heute möglich?
14 Auch die weit über acht Millionen Zeugen Jehovas heute in den weltweit über 100 000 Versammlungen sind wirklich vereint – sowohl in Glaubensfragen als auch im Handeln. Wie ist das in dieser chaotischen und zerstrittenen Welt möglich? Einheit resultiert prinzipiell daraus, dass das Haupt der Versammlung, Jesus Christus, durch den „treuen und verständigen Sklaven“, das heißt die Leitende Körperschaft, ganz deutlich die Richtung angibt (Mat. 24:45-47). Und sie resultiert daraus, dass sich Jehovas Zeugen rund um den Globus gern an die Anweisungen der Leitenden Körperschaft halten.
„Sie freuten sich über die Ermutigung“ (Apg. 15:30-35)
15, 16. (a) Wie ging es mit der Beschneidungsfrage letztlich aus? (b) Was war der entscheidende Faktor dabei?
15 Als die Brüder von Jerusalem in Antiochia ankamen, so erzählt die Apostelgeschichte weiter, „versammelten [sie] die ganze Gruppe und übergaben ihnen den Brief“ der leitenden Körperschaft. Wie war die Reaktion? „Als diese ihn gelesen hatten, freuten sie sich über die Ermutigung“ (Apg. 15:30, 31). Außerdem ermutigten Judas und Silas die Brüder „mit vielen Vorträgen und stärkten sie“. Deshalb wurden sie auch Propheten genannt so wie Barnabas, Paulus und andere. Denn ein Prophet ist jemand, der anderen Gottes Willen mitteilt (Apg. 13:1; 15:32; 2. Mo. 7:1, 2).
16 Jehova hat das Ganze eindeutig unterstützt und für ein glückliches Ende gesorgt. Was war der entscheidende Faktor? Zweifellos die klare und zeitgemäße Anweisung der leitenden Körperschaft, die sich von Gottes Wort und seinem heiligen Geist führen ließ. Außerdem wurde die Entscheidung liebevoll und persönlich an die Versammlungen weitergegeben.
17. An welchem Beispiel orientieren sich Kreisaufseher heute?
17 Ganz nach diesem urchristlichen Muster sorgt auch die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas heute weltweit für zeitgemäße Anleitung. Beschlüsse werden an die Versammlungen klar und deutlich weitergegeben, unter anderem durch Kreisaufseher. Diese Brüder, die sich nicht schonen, reisen von einer Versammlung zur anderen, geben den Brüdern klare Anweisungen und sprechen ihnen Mut zu. Wie Paulus und Barnabas verbringen sie viel Zeit im Predigtdienst und lehren und verkünden „mit noch vielen anderen die gute Botschaft vom Wort Jehovas“ (Apg. 15:35). Und wie Judas und Silas ermutigen sie „die Brüder mit vielen Vorträgen“ und stärken sie.
18. Wann kann sich Jehovas Volk sicher sein, dass es seinen Segen erhält?
18 Wie steht es mit den Versammlungen? Wie können sie in unserer zerstrittenen Welt den Frieden und die Einheit bewahren? Interessanterweise schrieb der Jünger Jakobus später selbst: „Die Weisheit von oben aber ist vor allem rein, dann friedlich, vernünftig, zum Gehorchen bereit … Außerdem wird die Frucht der Gerechtigkeit dort gesät, wo Frieden herrscht, und zwar für die, die den Frieden fördern“ (Jak. 3:17, 18). Ob er dabei an die Beratungen in Jerusalem gedacht hat, wissen wir nicht. Aber eins steht fest nach allem, was wir aus Apostelgeschichte, Kapitel 15 erfahren haben: Jehovas Segen kann nur da sein, wo es Einheit und Zusammenarbeit gibt.
19, 20. (a) Woran konnte man sehen, dass die Versammlung von Antiochia nun eine fest gefügte, harmonische Einheit bildete? (b) Was konnten Paulus und Barnabas jetzt tun?
19 Es war nicht zu übersehen, dass die Versammlung in Antiochia jetzt eine fest gefügte, harmonische Einheit bildete. Statt mit den Brüdern aus Jerusalem zu diskutieren, war man in Antiochia froh und dankbar für den Besuch von Judas und Silas. Im Bericht heißt es: „Nachdem sie einige Zeit dort verbracht hatten, ließen die Brüder sie in Frieden zu denen zurückkehren, die sie geschickt hatten“, sprich nach Jerusalem (Apg. 15:33).d Man kann davon ausgehen, dass sich auch die Brüder dort sehr über alles gefreut haben, was die beiden Männer von ihrer Reise erzählten. Dank Jehovas unverdienter Güte war ihre Mission nun erfolgreich beendet!
20 Paulus und Barnabas, die in Antiochia blieben, konnten sich nun voll und ganz auf das Evangelisieren konzentrieren – genauso wie es Kreisaufseher heute machen, wenn sie die Versammlungen besuchen (Apg. 13:2, 3). Solche Besuche sind für Jehovas Volk ein echter Segen. Wie hat Jehova die beiden eifrigen Missionare weiter eingesetzt und sie gesegnet? Darum soll es im nächsten Kapitel gehen.
Dank der Leitenden Körperschaft und ihrer Vertreter haben wir alles, was wir für einen starken Glauben brauchen
a Dazu auch „Jakobus: ‚Der Bruder des Herrn‘“.
b Es war gut, dass Jakobus auf die Schriften von Moses Bezug nahm. Denn darin war ja nicht nur das Gesetz festgehalten, sondern auch, wie Gott schon zuvor mit den Menschen umgegangen war und was er von ihnen erwartete. Beispielsweise ist aus dem ersten Buch Mose ganz klar zu ersehen, wie Gott zu Blut, Ehebruch und Götzenanbetung steht (1. Mo. 9:3, 4; 20:2-9; 35:2, 4). Jehova zeigte somit Grundsätze auf, die für alle Menschen verbindlich sind, ob Juden oder nicht.
c Dazu auch „Der Aufbau der Leitenden Körperschaft heute“.
d In manchen Bibelübersetzungen steht im Vers 34, Silas habe beschlossen, in Antiochia zu bleiben (Schlachter). Dabei handelt es sich jedoch offensichtlich um einen späteren Zusatz.
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Es kam zu „erheblichen Meinungsverschiedenheiten“Legt gründlich Zeugnis ab für Gottes Königreich
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KAPITEL 13
Es kam zu „erheblichen Meinungsverschiedenheiten“
Die Beschneidungsfrage wird der leitenden Körperschaft vorgelegt
Nach Apostelgeschichte 15:1-12
1-3. (a) Wie kommt es in der Versammlung im 1. Jahrhundert fast zum Bruch? (b) Was bringt es uns, den Bericht in der Apostelgeschichte genauer zu untersuchen?
PAULUS und Barnabas haben gerade ihre erste Missionsreise abgeschlossen und sind wieder im syrischen Antiochia. Sie sprühen richtig vor Begeisterung, weil Jehova „den anderen Völkern die Tür zum Glauben geöffnet“ hat (Apg. 14:26, 27). Auch hier in Antiochia ist die gute Botschaft mittlerweile Stadtgespräch und „eine große Zahl“ Nichtjuden sind zur Versammlung dazugekommen (Apg. 11:20-26).
2 Diese sensationelle Neuigkeit spricht sich bald auch bis nach Judäa herum. Doch sie löst nicht überall Freude aus, sondern lässt die alte Kontroverse über die Beschneidung wieder aufflammen: Wie sollten jüdische und nicht jüdische Christen zueinander stehen? Und welche Bedeutung hat das Gesetz Mose für die Nichtjuden? Das Ganze schlägt so hohe Wellen, dass es die Versammlung fast spaltet. Wie lassen sich die Wogen wieder glätten?
3 Aus diesem Bericht in der Apostelgeschichte können wir viel Wertvolles lernen. Das hilft uns, das Richtige zu tun, falls auch uns heute etwas zu trennen droht.
„Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst“ (Apg. 15:1)
4. Für welche falschen Vorstellungen machten sich einige Männer stark? Welche Frage drängt sich auf?
4 Der Jünger Lukas schreibt: „Nun kamen einige Männer aus Judäa herunter [nach Antiochia] und fingen an, die Brüder zu lehren: ‚Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Moses beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden‘“ (Apg. 15:1). Ob die besagten Männer Pharisäer waren, bevor sie Christen wurden, erfahren wir nicht. Zumindest hatten sie sich wohl von der Paragrafenreiterei dieser Sekte anstecken lassen. Vielleicht gaben sie auch vor, im Auftrag der Apostel und der Ältesten in Jerusalem zu sprechen (Apg. 15:23, 24). Doch wieso machten sich jüdische Christen immer noch für die Beschneidung stark, wo Gott dem Apostel Petrus ja schon rund 13 Jahre zuvor gezeigt hatte, dass auch unbeschnittene Nichtjuden in der Christenversammlung willkommen sind? (Apg. 10:24-29, 44-48).a
5, 6. (a) Wieso wollten manche jüdische Christen wohl an der Beschneidung festhalten? (b) War der Bund der Beschneidung Teil des abrahamischen Bundes? Wie kann man das erklären? (Dazu auch die Fußnote.)
5 Gründe dafür gab es theoretisch viele. Zum Beispiel war die Beschneidung von Jehova selbst eingeführt worden und galt als Zeichen dafür, dass jemand in einem besonderen Verhältnis zu ihm stand. Abraham und die Männer in seinem Haus waren die Ersten, die beschnitten wurden. Das war noch vor der Zeit des Gesetzesbundes, und später wurde die Beschneidung auch unter diesem Bund Vorschrift (3. Mo. 12:2, 3).b Der Gesetzesbund verlangte, dass auch Nichtjuden beschnitten wurden, um das Passah essen zu können oder in den Genuss bestimmter anderer Rechte zu kommen (2. Mo. 12:43, 44, 48, 49). In den Augen eines Juden war ein unbeschnittener Mann unrein, ein Mensch zweiter Klasse (Jes. 52:1).
6 Die jüdischen Christen brauchten also einiges an Glauben und Demut, sich auf eine so umwälzende Veränderung einzustellen. Der Gesetzesbund war jetzt durch den neuen Bund ersetzt worden, und als gebürtiger Jude gehörte man nun nicht mehr automatisch zum Volk Gottes. Die Judenchristen, die in jüdischen Gemeinden lebten, wie etwa in Judäa, brauchten wirklich Mut, sich zu Christus zu bekennen und Unbeschnittene als ihre Brüder zu akzeptieren (Jer. 31:31-33; Luk. 22:20).
7. Welchen Sachverhalt hatten „einige Männer aus Judäa“ nicht begriffen?
7 Gott hatte seine Maßstäbe natürlich nicht geändert. Deshalb war auch der Geist hinter dem neuen Bund derselbe wie hinter dem Gesetz Mose (Mat. 22:36-40). Paulus schrieb beispielsweise später über die Beschneidung: „Der [ist] ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung ist eine Beschneidung des Herzens durch Geist und nicht durch ein geschriebenes Recht“ (Röm. 2:29; 5. Mo. 10:16). Diesen Sachverhalt hatten „einige Männer aus Judäa“ nicht begriffen. Sie beharrten darauf, dass Gott das Beschneidungsgesetz nie aufgehoben hatte. Würden sie auf Argumente der Vernunft hören?
„Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen“ (Apg. 15:2)
8. Warum wurde die Beschneidungsfrage der leitenden Körperschaft in Jerusalem vorgelegt?
8 Lukas schreibt weiter: „Nachdem es jedoch zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen zwischen ihnen [den besagten Männern aus Judäa] und Paulus und Barnabas gekommen war, ordnete man an, dass Paulus, Barnabas und einige von den anderen wegen dieser Frage zu den Aposteln und den Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen sollten“ (Apg. 15:2).c „Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen“ – hier waren auf beiden Seiten starke Emotionen und feste Meinungen im Spiel. Um den Frieden und die Einheit nicht aufs Spiel zu setzen, tat die Versammlung in Antiochia genau das Richtige: Sie legte die Frage „den Aposteln und den Ältesten“ in Jerusalem vor, die damals die leitende Körperschaft bildeten. Was können wir von den Ältesten in Antiochia lernen?
Manche bestanden darauf, dass man den Nichtjuden gebot, „das Gesetz von Moses zu halten“
9, 10. Welches gute Beispiel gaben Paulus, Barnabas und die Brüder in Antiochia?
9 Ein wertvoller Punkt, den wir uns merken können, ist: Wir müssen Gottes Organisation vertrauen. Die Brüder in Antiochia wussten zum Beispiel, dass in der leitenden Körperschaft alle jüdischer Herkunft waren. Trotzdem trauten sie ihnen zu, die Frage der Beschneidung im Sinne der Schriften zu klären. Warum? Sie waren davon überzeugt, dass Jehova durch seinen heiligen Geist und durch Jesus Christus, der die Versammlung leitet, alles richtig lenken würde (Mat. 28:18, 20; Eph. 1:22, 23). Machen wir es doch wie sie! Vertrauen wir bei ernsten Kontroversen der Organisation Gottes und seiner Leitenden Körperschaft gesalbter Christen.
10 Das Ganze erinnert uns auch daran, wie entscheidend Demut und Geduld sind. Paulus und Barnabas waren durch den heiligen Geist persönlich dazu bestimmt worden, zu den Nationen zu gehen, aber sie haben sich nicht auf ihre Autorität berufen und die Beschneidungsfrage an Ort und Stelle selbst geklärt (Apg. 13:2, 3). Außerdem schrieb Paulus später, er sei „aufgrund einer Offenbarung“ nach Jerusalem gegangen, das heißt, Gott habe die Sache so gelenkt (Gal. 2:2). Älteste heute wollen bei strittigen Fragen genauso geduldig und demütig sein. Statt zu versuchen, ihre eigene Meinung durchzusetzen, schauen sie, was Jehova in der Bibel zu der Sache zu sagen hat und was der treue Sklave dazu schon erklärt hat (Phil. 2:2, 3).
11, 12. Warum ist es so wichtig, auf Jehova zu warten?
11 Manchmal müssen wir abwarten, bis Jehova mehr Licht in eine Sache bringt. Bei den Brüdern damals dauerte es ja auch 13 Jahre (vom Jahr 36, als Kornelius mit heiligem Geist gesalbt wurde, bis zum Jahr 49), bis Jehova endgültig klarstellte, ob Nichtjuden beschnitten werden müssen. Warum so lange? Vielleicht wollte Gott aufrichtigen Juden genug Zeit geben, in dieser so fundamentalen Frage umzudenken. Der Bund der Beschneidung, den Jehova mit ihrem geliebten Stammvater Abraham 1900 Jahre zuvor geschlossen hatte, galt jetzt schließlich nicht mehr, und das war in der Tat revolutionär (Joh. 16:12).
12 Unser Vater im Himmel ist wirklich geduldig und gütig mit uns, und es ist ein besonderes Geschenk, von ihm geschult und geformt zu werden. Dabei kommt immer etwas Gutes heraus und wir können nur davon profitieren (Jes. 48:17, 18; 64:8). Beharren wir daher niemals stolz auf eigenen Ideen und reagieren wir nie kritisch auf organisatorische Änderungen oder neue Erklärungen (Pred. 7:8). Falls du auch nur den Hauch einer solchen Tendenz bei dir entdeckst, wäre es gut, die hochaktuellen Grundsätze aus Apostelgeschichte 15 zu durchdenken und deswegen zu Jehova zu beten.d
13. Wie können wir Jehovas Geduld im Predigtdienst nachahmen?
13 Geduld ist auch gefragt, wenn jemand, der die Bibel studiert, noch an falschen religiösen Vorstellungen oder unbiblischen Bräuchen hängt. Man muss ihm dann genug Zeit lassen, damit Gottes Geist in seinem Herzen etwas bewegen kann (1. Kor. 3:6, 7). Dabei ist es gut, Jehova das immer wieder im Gebet zu sagen. Zur richtigen Zeit wird er uns auf die eine oder andere Art zeigen, was am besten zu tun ist (1. Joh. 5:14).
Sie „berichteten ausführlich“, was sich Schönes getan hatte (Apg. 15:3-5)
14, 15. (a) Woran haben Paulus, Barnabas und ihre Reisebegleiter gemerkt, dass die Versammlung in Antiochia sie liebte und schätzte? (b) Wie haben sie ihren Glaubensbrüdern unterwegs gutgetan?
14 Lukas berichtet weiter: „Die Männer wurden von der Versammlung ein Stück weit begleitet. Dann zogen sie weiter durch Phönizien und Samaria und berichteten ausführlich über die Bekehrung von Leuten aus den anderen Völkern. Sie bereiteten allen Brüdern große Freude“ (Apg. 15:3). Die Versammlung ging demnach noch ein Stück mit Paulus, Barnabas und ihren Reisebegleitern mit. Das war eine schöne Geste, denn so zeigten sie, wie sehr sie die Brüder liebten und schätzten und dass sie ihnen Gottes Segen wünschten. Auch darin haben sie uns vorgemacht, wie es sein soll. Die Frage ist: Schätze ich meine Brüder und Schwestern und vor allem die Ältesten, „die sich im Reden und Lehren voll einsetzen“, und erweise ich ihnen Ehre? (1. Tim. 5:17).
15 Die Reisenden kamen durch Phönizien und Samaria und „berichteten ausführlich“, was sie beim Predigen unter den Nichtjuden erlebt hatten. Das tat den Brüdern unglaublich gut. Unter ihnen waren vermutlich auch Judenchristen, die nach dem Märtyrertod von Stephanus in diese Gegenden geflohen waren. Auch heute werden wir alle, besonders Brüder, die es sehr schwer haben, durch schöne Berichte ermutigt – Berichte, die zeigen, dass Jehova das Predigtwerk segnet. Du kannst sie bei Zusammenkünften und Kongressen hören oder in unseren Publikationen nachlesen – entweder in gedruckter Form oder auf jw.org. Lass dir das auf keinen Fall entgehen!
16. Woran ist zu erkennen, dass die Frage der Beschneidung zu einem echten Problem geworden war?
16 Nach insgesamt rund 550 Kilometern Richtung Süden war die Delegation aus Antiochia endlich am Ziel. Lukas schreibt: „Als sie in Jerusalem ankamen, wurden sie von der Versammlung und den Aposteln und den Ältesten freundlich aufgenommen, und sie berichteten, was Gott durch sie alles getan hatte“ (Apg. 15:4). „Doch einige von der Sekte der Pharisäer, die gläubig geworden waren, erhoben sich von ihren Plätzen und sagten: ‚Man muss sie beschneiden und sie anweisen, das Gesetz von Moses zu halten‘“ (Apg. 15:5). Die Frage der Beschneidung nicht jüdischer Christen war eindeutig zu einem echten Problem geworden und musste unbedingt geklärt werden.
„Die Apostel und die Ältesten versammelten sich“ (Apg. 15:6-12)
17. Wie setzte sich die leitende Körperschaft in Jerusalem zusammen? Warum waren noch Älteste dabei?
17 In Sprüche 13:10 steht: „Wer Rat sucht, ist weise.“ Nach diesem bewährten Grundsatz „versammelten sich die Apostel und die Ältesten, um sich dieser Sache [der Beschneidungsfrage] anzunehmen“ (Apg. 15:6). „Die Apostel und die Ältesten“ agierten hier stellvertretend für die gesamte Christenversammlung, genau wie die Leitende Körperschaft heute. Warum gehörten zu diesem Gremium damals auch Älteste? Der Apostel Jakobus war ja umgebracht worden und Petrus war zumindest eine Zeit lang im Gefängnis. Den anderen Aposteln hätte durchaus etwas Ähnliches zustoßen können. Durch die Ältesten wurde sichergestellt, dass auch in so einem Fall erfahrene gesalbte Männer weiter die Führung übernehmen konnten.
18, 19. Welche kraftvollen Argumente führte Petrus jetzt an? Zu welchem Schluss hätten die anderen kommen müssen?
18 Als Nächstes erzählt Lukas: „Nachdem man intensiv diskutiert hatte, stand Petrus auf und sagte zu ihnen: ‚Männer, Brüder, ihr wisst doch: Gott hat schon in frühen Tagen unter euch die Wahl getroffen, dass Leute aus den anderen Völkern aus meinem Mund die gute Botschaft hören und glauben sollten. Und Gott, der das Herz kennt, bezeugte das, indem er ihnen den heiligen Geist gab, wie er ihn auch uns gegeben hat. Er hat gar keinen Unterschied zwischen uns und ihnen gemacht, sondern hat ihr Herz durch Glauben gereinigt‘“ (Apg. 15:7-9). Laut einem Nachschlagewerk bedeutet das griechische Wort, das in Vers 7 mit „intensiv diskutiert“ übersetzt worden ist, auch so viel wie „ein Untersuchen“, „ein Hinterfragen“. Offensichtlich meinten es die Brüder also alle ehrlich, waren aber eben unterschiedlicher Meinung und sagten das auch ganz offen.
19 Die Argumente von Petrus waren nicht von der Hand zu weisen. Schließlich war er persönlich dabei, als die ersten unbeschnittenen Nichtjuden – Kornelius und alle anderen in seinem Haus – im Jahr 36 mit heiligem Geist gesalbt wurden. Wenn also schon Jehova keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden mehr machte, wer hätte dann das Recht dazu, das anders zu sehen? Außerdem ist es der Glaube an Christus und nicht das Befolgen des Gesetzes, was einen Menschen im Herzen rein macht (Gal. 2:16).
20. Wie stellten die Befürworter der Beschneidung Gott „auf die Probe“?
20 Gestützt auf das Wort Gottes und die Bestätigung durch den heiligen Geist – zwei unanfechtbare Belege – zog Petrus jetzt den Schluss: „Warum stellt ihr Gott also auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Vorfahren noch wir tragen konnten? Wir vertrauen vielmehr darauf, dass wir genauso wie sie durch die unverdiente Güte des Herrn Jesus gerettet werden“ (Apg. 15:10, 11). Die Befürworter der Beschneidung stellten Gott „auf die Probe“, strapazierten also seine Geduld. Sie wollten den Nichtjuden ein Regelwerk aufzwingen, das nicht einmal die Juden selbst voll und ganz einhalten konnten und durch das sie alle zum Tod verurteilt waren (Gal. 3:10). Die Juden, die Petrus zuhörten, hätten eher dankbar dafür sein sollen, dass Gott ihnen durch Jesus so viel Güte gezeigt hatte, obwohl sie das eigentlich gar nicht verdient hatten.
21. Wie trugen Barnabas und Paulus zur Klärung der Beschneidungsfrage bei?
21 Die Worte von Petrus hinterließen offensichtlich einen tiefen Eindruck, denn alle verstummten. Barnabas und Paulus erzählten dann „von den vielen Zeichen und Wundern …, die Gott unter den anderen Völkern durch sie vollbracht hatte“ (Apg. 15:12). Jetzt endlich konnten die Apostel und die Ältesten die Beweise richtig einschätzen und in der Beschneidungsfrage eine Entscheidung treffen, die ganz klar im Sinne Gottes war.
22-24. (a) Wie hält sich die Leitende Körperschaft heute an ihr Vorbild aus dem 1. Jahrhundert? (b) Wie können alle Ältesten beweisen, dass sie die theokratische Vorgehensweise respektieren?
22 Auch heute suchen die Brüder der Leitenden Körperschaft bei ihren Besprechungen in Gottes Wort nach Anleitung und beten intensiv um heiligen Geist (Ps. 119:105; Mat. 7:7-11). Jeder bekommt im Voraus eine Tagesordnung, damit er alle Punkte unter Gebet durchgehen kann (Spr. 15:28). In der Besprechung bringen dann alle offen und respektvoll ihre Gedanken ein. Bei alldem wird immer wieder die Bibel zurate gezogen.
23 Älteste sollten es bei ihren Besprechungen genauso handhaben. Und wenn sie bei einer gravierenden Sache nicht weiterkommen, wenden sie sich an das Zweigbüro oder dessen Vertreter, zum Beispiel Kreisaufseher. Gegebenenfalls schreibt das Zweigbüro dann an die Leitende Körperschaft.
24 Jehova segnet alle, die sich an die theokratische Vorgehensweise halten und demütig, loyal und geduldig sind. Wie das nächste Kapitel zeigt, wird Gott uns dafür belohnen – mit Einheit, echtem Frieden und allem, was wir für einen starken Glauben brauchen.
a Dazu auch „Die Lehren der Judaisten“.
b Der Bund der Beschneidung war kein Teil des abrahamischen Bundes, der ja heute noch in Kraft ist. Den Bund mit Abraham schloss Jehova im Jahr 1943 v. u. Z., als Abraham (damals Abram) im Alter von 75 Jahren auf dem Weg nach Kanaan den Euphrat überquerte. Der Bund der Beschneidung wurde einige Zeit später im Jahr 1919 v. u. Z. geschlossen. Damals war Abraham 99 Jahre alt (1. Mo. 12:1-8; 17:1, 9-14; Gal. 3:17).
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