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Sind die Spieler gefährdet?Erwachet! 2002 | 22. Dezember
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Spielsucht?
Die neueren Onlinespiele werden mit Leuten aus aller Welt im Internet gespielt. Sie ermöglichen es einem Spieler, in eine Figur seiner Wahl zu schlüpfen, die bestimmte Aufgaben meistern muss, um voranzukommen, und ihm so immer größere Erfolgserlebnisse beschert. Der Spieler investiert Zeit in seine Figur, und das Gefühl, belohnt zu werden, lässt ihn immer wieder zum Spiel zurückkehren. Für einige scheint es schon fast eine Sucht zu sein — was auch erklären mag, warum ein Onlinespiel Monate oder sogar Jahre dauern kann.
Nach einem Bericht der Zeitschrift Time ist in Südkorea in letzter Zeit großes Interesse an einem Onlinespiel namens „Lineage“ festzustellen. Die Teilnehmer kämpfen in einer mittelalterlichen Umgebung um den Sieg. Ein Spieler absolviert verschiedene Levels, wobei er versucht, besondere Auszeichnungen zu erlangen. Manche Jugendliche spielen die ganze Nacht hindurch und können sich am nächsten Tag in der Schule kaum wach halten. Die Eltern sind zwar besorgt, wissen oft aber nicht so recht, was sie machen sollen. In einem Interview erklärte ein junger Spieler: „Im Spiel halten die Leute mich für clever, aber im wirklichen Leben sagen sie mir, ich soll abnehmen.“
Der koreanische Psychologe Joonmo Kwon erklärt sich die Popularität von „Lineage“ so: „In der koreanischen Wirklichkeit muss man seine Triebe und verborgenen Wünsche unterdrücken. Beim Spiel treten sie ans Licht.“ Daher flüchten die Jugendlichen vor der Realität in eine Fantasiewelt. Ein scharfsinniger Kommentator beschrieb die Spieler wie folgt: „Für den Spieler ist die Spielwelt weitaus attraktiver als die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist lediglich ein Raum, in dem er das bisschen Geld verdient, das er braucht, um ins Spiel zurückzukehren.“
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Sind die Spieler gefährdet?Erwachet! 2002 | 22. Dezember
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[Kasten/Bild auf Seite 8]
Eine Möglichkeit, davon loszukommen
Thomas, ein 23-jähriger Christ, erinnert sich: „Als ich noch zur Schule ging, kamen meine Hausaufgaben oft viel zu kurz, weil ich ständig spielte. Später wurden andere Dinge in Mitleidenschaft gezogen. Ich spielte sogar weiter, nachdem ich ein Vollzeitverkündiger geworden war. Schließlich wurde mir klar, dass mich das Ganze zu viel Zeit und Kraft kostete. Manchmal, wenn ich vor dem Predigtdienst oder vor einer christlichen Zusammenkunft gespielt hatte, konnte ich mich darauf kaum konzentrieren. Ich musste immer daran denken, wie ich ein bestimmtes Spielproblem lösen könnte, sobald ich wieder zu Hause wäre. Mein persönliches Studium und mein Bibellesen wurden weniger. Auch meine Freude im Dienst für Gott ließ allmählich nach.
Als ich einmal spätabends im Bett lag, überlegte ich mir, dass es so auf keinen Fall weitergehen könne. Ich stand auf, schaltete meinen Computer an, wählte alle Spiele aus und drückte die Löschtaste. Nur ein Augenblick und weg waren sie. Das war echt hart! Ich merkte, dass mir die Spiele mehr bedeuteten, als ich gedacht hatte. Gleichzeitig hatte ich aber auch das Supergefühl, gewonnen zu haben, denn ich hatte es ja zu meinem Besten getan. Seitdem habe ich mir zwar schon wieder ein paar Spiele gekauft, aber ich bin heute viel strenger mit mir. Sobald mir die Ausgeglichenheit beim Spielen verloren geht, drücke ich wieder die Löschtaste.“
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