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Seite 2Erwachet! 1990 | 22. Juli
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Crack-Röhrchen — Wie Kugeln im Lauf
Die Polizei versucht, damit fertig zu werden. Im Verlangen danach ermorden Kinder ihre Eltern. Eltern, die unter seinem Einfluß stehen, erschlagen ihre Kinder. Die Zukunft Ungeborener wird dadurch ruiniert. Im Kampf um seine Kontrolle werden ganze Stadtviertel zum Kriegsschauplatz. Die wahllos abgeschlachteten Opfer, die auf sein Konto gehen, werden in Leichensäcken weggeschafft. Seinetwegen steht das Klinikpersonal in den Notaufnahmen unter einer Belastung, die es an den Rand des Zusammenbruchs bringt. Händler aller Altersstufen verdienen daran ein Vermögen. Man hat es als „Traum der Dealer und Alptraum der User“ bezeichnet.
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Crack — Die Sucht im Zeichen der GewaltErwachet! 1990 | 22. Juli
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Crack — Die Sucht im Zeichen der Gewalt
CRACK — so benannt nach dem Knistern, das entsteht, wenn es erhitzt wird — ist eine stark süchtig machende, äußerst potente Form des Kokains. Ein Psychopharmakologe einer Klinik nannte es „die suchterzeugendste Droge, die dem Menschen bis jetzt bekannt ist. Die Sucht stellt sich beinahe augenblicklich ein.“ Ein Polizeisprecher sprach von der „schlimmsten Droge, die es je gab. Bei Crack-Kokain gibt es keine Gelegenheitskonsumenten.“
Da Crack geraucht und nicht gespritzt oder geschnupft wird, hat die Droge in den Augen der Konsumenten, die sich bisher vor aidsinfizierten Nadeln fürchten mußten, einen dreifachen Vorteil: Es ist „sicherer“, die Wirkung ist intensiver, und der Rauch wirkt schneller. „Es geht direkt in den Kopf. Es putscht sofort hoch“, erklärte ein ehemaliger Abhängiger. „Du denkst, dein Schädel explodiert.“ Die Euphorie dauert nur 5 bis 12 Minuten, und fast immer folgt ihr ein vernichtender Absturz, der den User (Konsumenten) reizbar, depressiv, nervös oder im Verfolgungswahn zurückläßt mit dem zwanghaften Verlangen nach einer neuen Dosis. „Die Hauptgefahr bei Crack“, erläuterte Dr. Arnold Washton, Leiter des Suchtzentrums am Regent-Hospital in New York, „besteht darin, daß es innerhalb weniger Tage oder Wochen jemandes Gehirn kontrollieren kann — und sein Leben.“
In vielen Teilen der Welt breitet sich die Crack-Sucht aus wie eine Seuche. In den Vereinigten Staaten — weit mehr als in Kanada, in England und vergleichbaren europäischen Ländern — ist Crack praktisch in jede gesellschaftliche Schicht eingedrungen: Reiche, Arme, Erfolgsmenschen, Leute in hohen Positionen. Da es so leicht zu bekommen ist und eine so starke euphorische Wirkung hat, ist die Nachfrage groß und wird jeden Tag größer. Neue Kunden, potentielle Abhängige, werden an den Straßenecken, in der Schule und am Arbeitsplatz geworben. Auch Frauen sind Kandidatinnen, und in manchen Gesellschaftsschichten haben sie die Männer an Zahl weit überflügelt. Kinder, die auf der Suche nach dem schnellen Nervenkitzel zu Drogen nicht nein sagen können, werden zur leichten Beute der Drogenhändler — oft ihre eigenen Brüder, andere Verwandte oder ihre besten Freunde.
Sucht führt zur Gewalt
„Crack kann die Neigung zur Gewalt fördern wie fast keine andere Substanz“, berichtete das Wall Street Journal vom 1. August 1989. „In einem Bostoner Vorort“, so die Zeitung, „schleuderte eine junge Mutter, die gerade auf einem Crack-Trip war, ihren Säugling mit einer solchen Wucht gegen die Wand, daß sich das Kind das Genick brach und starb.“ Die Mutter kam nach dem Bericht aus „einer geachteten Mittelstandsfamilie“.
Soziologen und Forscher auf dem Gebiet der Kinderheilkunde sind überzeugt, daß die Droge aufgrund ihrer gewaltfördernden Wirkung zu einem bedeutenden Anstieg der Kindesmißhandlungen beiträgt. Zu einer hochgradig kritischen Situation kann es kommen, wenn eine Mutter, die unter Crack steht, mit einem schlechtgelaunten, weinenden Kind fertig werden soll. Ein Forscher erklärte dazu: „Es ist äußerst ungünstig, sich um ein Kind kümmern zu müssen, wenn man reizbar oder depressiv ist und nach Kokain verlangt. Wie wird man mit dem Kind umgehen? Sicher nicht so, wie man es tun sollte.“
Tragischerweise sind die Folgen oft tödlich. Es ist nichts Ungewöhnliches, von jungen Crack-Abhängigen zu lesen oder zu hören, die ihre Eltern oder ihre Großeltern, die sich um sie kümmern, umbringen, weil sie ihnen kein Geld für Crack geben oder sie beim Crack-Rauchen erwischt haben. Die Polizei von New York rechnet eine Flut brutaler Verbrechen dem Konto junger Abhängiger zu, die von Crack praktisch in den Wahnsinn getrieben wurden.
Das brutalste Bild bieten allerdings die Straßen der Städte. Bei der immer weiter steigenden Nachfrage ist mit Crack unglaublich viel Geld zu machen, und daher sind die Händler der Meinung, die Sache sei es auch wert, dafür zu morden. Bis an die Zähne bewaffnet mit der modernsten Ausrüstung — Maschinenpistolen, Sturmgewehre, Schalldämpfer, kugelsichere Westen —, patrouillieren sie durch ihren Bezirk auf der Suche nach anderen jungen „Unternehmern“, um an denen, die ihre Klientel wegschnappen oder nicht das gesamte Tageseinkommen abliefern, ein Exempel zu statuieren. Die Dealer sind gerüstet und bereit, ihre geschäftlichen Differenzen mit blutiger Gewalt auszutragen. „Wenn jemandem ins Bein geschossen oder in die Hand gestochen wurde“, erklärte der Leiter einer Notaufnahmestation, „war das die Warnung für den Jugendlichen, der einen Teil des Geldes oder der Drogen des Dealers, für den er arbeitet, behalten hat. Wenn ein Jugendlicher eine Kugel in den Kopf oder in die Brust bekommen hat, dann hat man es mit ihm ernst gemeint.“
„Die Mörder von heute sind viel grausamer als früher“, sagte ein New Yorker Soziologe. „Es reicht nicht, einfach nur zu töten. Der Körper des Opfers wird erniedrigt. Das Opfer ist schon nach zwei Kugeln tot, doch wird es von sechs Kugeln durchsiebt. Ihm wird der Kopf abgehauen oder ähnliches.“ „Es gibt da draußen eine Million Minderjährige, die nichts anderes können als kämpfen“, beschrieb ein langjähriger Justizbeamter die Situation. „Sie haben keine Angst vor der Polizei, dem Gefängnis oder dem Tod.“ Sie machen sich auch keine Gedanken über die Sicherheit oder das Leben Unbeteiligter, die in eine Schießerei geraten. Gemäß dem Spiegel hatte mehr als die Hälfte von 387 Toten, die in einem Jahr im Ballungsraum Los Angeles in den Bandenkriegen starben, nicht das geringste mit den Stammesfehden zu tun.
Goldketten und teure Autos
Wegen der mit Crack verbundenen Gewalt sehen die jungen Crack-Dealer für ihr Leben keine Zukunft. Und sie sterben tatsächlich jung. Ihre Philosophie lautet daher: „Bevor ich abtrete, will ich die guten Seiten des Lebens genießen.“ Viele leben genau nach dieser Devise. „Jeden Tag kann man an den High-Schools neue Mercedesse, Jeeps, Cadillacs und Volvos sehen“, sagte ein Drogenbeauftragter in Detroit (Michigan, USA). „Die Autos gehören den Sprößlingen, nicht den Eltern.“ Diejenigen, die zum Fahren zu jung sind, heuern andere als Chauffeure an. Andere versuchen ihr Glück und fahren ohne Führerschein. Sie sind in der Lage, ihr Auto bar zu bezahlen. Wenn sie einen Unfall haben, lassen sie es einfach stehen und machen sich aus dem Staub.
„An jedem x-beliebigen Tag kommen die Schüler in Kleidern an, für die sie gut und gern 2 000 Dollar ausgegeben haben“, berichtete eine Lehrerin. „Man sieht eine Menge junger Leute mit Pelzmänteln und dicken Goldketten.“ „Auf Gold sind die Jugendlichen in den Innenstädten ganz versessen“, schrieb die Zeitschrift Time (9. Mai 1988). „Schwere Goldketten, die bis zu 20 000 Dollar kosten, sind der letzte Schrei.“ Die Verteiler bezahlen ihre gerade erst flügge gewordenen Subunternehmer gut. Beispielsweise können Neun- und Zehnjährige, die „Schmiere stehen“, leicht 100 Dollar am Tag verdienen. Die nächste Sprosse auf der Leiter ist der Botenjunge, der die Droge von der Crack-Küche zum Dealer bringt und dafür mehr als 300 Dollar am Tag einstreichen kann. Sowohl der Aufpasser als auch der Botenjunge spekulieren auf die nächste erreichbare Stufe — der Dealer. Man muß sich einmal einen Jugendlichen vorstellen, der nur eine sehr bescheidene Bildung vorzuweisen hat, aber über ein Tageseinkommen von sage und schreibe 3 000 Dollar verfügt! Ja, es geht wirklich um eine Menge, doch die Zukunft sieht wenig vielversprechend aus.
Nur zu oft befinden sich die Jugendlichen in einer Zwickmühle. Einerseits handeln sie mit todbringenden Drogen, die das Leben der User ruinieren können und die Gewalttätigkeit mit sich bringen, deren Opfer sie häufig selbst werden. Andererseits ist es nicht selten, daß Eltern ihre Kinder zum Crack-Handel ermuntern. Oftmals ist der junge Dealer der einzige Verdiener der Familie, und er verwendet einen Großteil seiner Einkünfte darauf, die Familie, die um ihren Lebensunterhalt kämpfen muß, zu unterstützen. Die Eltern, die absichtlich nichts unternehmen und statt dessen die Augen vor der Situation verschließen, machen sich an dem kriminellen Lauf ihrer Sprößlinge mitschuldig.
Noch verheerender ist es, wenn die Liebe zu Crack bei einer Mutter stärker ist als die Liebe zu ihren Kindern, ja vielleicht sogar zu ihrem noch ungeborenen Kind. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Not des Ungeborenen.
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„Crack ist etwas völlig Neues“
Da Crack entwickelt wurde, um die jungen und die armen Menschen anzusprechen, hat es anfangs den Anschein, es sei ziemlich billig. Pusher (Händler) verkaufen die schrotkugelgroßen Brocken in kleinen Plastikröhrchen für nicht mehr als fünf bis zehn Dollar. Doch die kurzen, aber intensiven Euphorien verlangen fast ständig Nachschub. „Crack ist etwas völlig Neues“, erklärte der verantwortliche Leiter eines Drogeninformationszentrums in Florida. „Es ist unheimlich suchterzeugend, viel stärker als normales Kokain. Die Euphorie ist so intensiv und der Absturz so gewaltig, daß die Gedanken des Users — sogar schon nach dem ersten Mal — ausschließlich um den nächsten Stoß kreisen.“
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Crack — Die Not des UngeborenenErwachet! 1990 | 22. Juli
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Crack — Die Not des Ungeborenen
ALS Crack-Kokain Anfang der 80er Jahre sein Debüt auf der Weltbühne gab, hätte sich wohl kaum ein User die verheerenden Wirkungen vorstellen können. Wurde es nicht in niedlichen kleinen Glaspfeifen geraucht oder mit Zigarettentabak oder Marihuana vermischt? Auf den Straßen ging die Rede von der sicheren Droge. Auf jeden Fall war es weit billiger als Heroin oder andere Formen des Kokains. Auch die niedrigeren Einkommensklassen konnten es sich leisten. Die Euphorie, die Crack erzeugt, schien jeden Preis wert zu sein.
Erschütternde Beweise für die Gefährlichkeit von Crack machten dann allerdings in den Ärztezeitschriften Schlagzeilen, als die ersten schwangeren Crack-Raucherinnen von drogengeschädigten Kindern entbunden wurden. Daraufhin begannen die Ärzte, vor der furchtbaren Wirkung zu warnen, die Crack-Kokain auf Ungeborene haben kann. Mit jedem Jahr stieg die Zahl der — zum Teil auf Dauer — geschädigten Kinder rapide an. „Als Crack-Kokain zuschlug“, berichtete ein Arzt, „schoß die Zahl der zu kleinen, kranken Neugeborenen ins Uferlose.“
Wo sich Crack ausgebreitet hat, geben die Statistiken dem Arzt recht. Gemäß einer Studie, die 1988 an 36 Krankenhäusern in den Vereinigten Staaten von der Amerikanischen Gesellschaft für Forschung und Aufklärung auf dem Gebiet der Suchtkrankheiten Neugeborener durchgeführt wurde, waren landesweit 375 000 oder 11 Prozent der Neugeborenen während der Schwangerschaft Drogen ausgesetzt. Die New York Times meldete, daß sich zwischen 1986 und 1988 „in New York die Zahl der Neugeborenen, bei denen der Drogentest positiv ausfiel (hauptsächlich Kokain), fast vervierfacht hat — von 1 325 auf 5 008“.
Furchtbare Auswirkungen
„Crack-Mütter sind die kränksten Mütter, die einem zu Gesicht kommen“, sagte Dr. Richard Fulroth, ein Spezialist an der Stanford-Universität. „Sie erscheinen unmittelbar vor der Entbindung, und man hält den Atem an und fragt sich, was man wohl gleich zu sehen bekommt.“ Nur zu oft ist das, was sich im Schoß der Crack-Userin entwickelt hat, alles andere als schön. Crack kann zu Krämpfen in den Blutgefäßen des Kindes führen, wodurch der lebenswichtige Fluß von Sauerstoff und Nährstoffen für längere Zeit eingeschränkt wird. Das beeinträchtigt dann das Wachstum des ungeborenen Kindes, auch das des Kopfes und des Gehirns. Anfälle verschiedener Art sind keine Seltenheit. Es kommt zu Fehlentwicklungen der Nieren, der Geschlechtsteile, des Darmtrakts und der Wirbelsäule. Außerdem besteht die Gefahr, daß sich die Fruchtblase von der Gebärmutter löst, was zum Tod des Kindes und eventuell auch der Mutter führt.
Crack-Neugeborene sind für Ärzte und Schwestern ein offenkundiger Beweis für die verheerende Wirkung der Droge. In einem Bericht wird ein solches Kind als „ein Bündel Fleisch mit einem Kopf von der Größe einer Tangerine und Gliedern wie Bleistiften“ beschrieben. In einigen Fällen fehlten Kokain-Kindern gemäß der Zeitschrift Discover die beiden mittleren Finger einer Hand.
Dr. Dan R. Griffith, Entwicklungspsychologe an der Northwestern-Universität, erklärte, daß Kinder, die Kokain ausgesetzt waren, oft mit „einem sehr anfälligen, schnell überlasteten Nervensystem auf die Welt kommen“. Sie neigen zu Hypersensitivität und Reizbarkeit und schreien aus dem geringsten Anlaß, ohne sich trösten zu lassen. „Ein plötzliches Geräusch oder eine Veränderung der Lage, ja sogar das Ansprechen oder Anschauen kann ein nicht enden wollendes Weinen zur Folge haben“, führte Dr. Griffith aus. „Ein anderer offensichtlicher Drogenschaden besteht darin, daß sich die Neugeborenen in einen tiefen Schlaf flüchten, in dem sie 90 Prozent der Zeit verbringen, um sich gegen Umweltreize abzuschotten. Sie wachen noch nicht einmal auf, wenn man sie auszieht, mit ihnen spricht, sie schaukelt oder sie sonstwie bewegt.“
Diese krankhaften neurologischen Symptome können, so Dr. Griffith, monatelang anhalten und die Mutter in einer Zeit, in der das Band der Liebe und Zuneigung geknüpft werden müßte, psychisch und physisch angreifen. „Der Säugling verschließt sich der Mutter und wird sehr reizbar, wenn sie versucht, sich um ihn zu kümmern. Die Mutter zieht sich von dem Kind zurück und verübelt es ihm, daß es ihre Aufmerksamkeit nicht erwidert“, fügte er hinzu. Das Verhalten des Kindes und der Unwille der Mutter führen dann häufig zur Kindesmißhandlung.
Verlassene Neugeborene
Die Neugeborenen sind wegen ihres bedenklichen Zustandes vielleicht wochen- oder monatelang im Krankenhaus. Sehr oft liegt das allerdings nicht nur an der Verfassung des Kindes, sondern auch an der Einstellung der Mutter zu ihrem Kind. Häufig nimmt sie ihr Kind gar nicht erst mit nach Hause und überläßt es somit gleich der staatlichen Wohlfahrt. „Ich kann die Mütter nicht verstehen, die nie nach ihrem Kind fragen und nie wiederkommen“, klagte ein besorgter Arzt. Einige Mütter bleiben nicht einmal lange genug, um dem Kind einen Namen zu geben. Die Krankenschwestern müssen es für sie tun. „Der bedeutendste und schrecklichste Aspekt des Crack-Rauchens“, so eine Krankenschwester, „ist wohl die Zerstörung des mütterlichen Instinkts.“ Ein Krankenhaus mußte sogar Telegramme an desinteressierte Eltern verstorbener Kinder schicken, um sie dazu zu bewegen, die Erlaubnis zur Obduktion zu unterschreiben. Ist das nicht schockierend?
Das Arbeitspensum der Krankenschwestern erlaubt es ihnen nicht, diesen Neugeborenen die Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken, die sie so dringend benötigen. In einigen Fällen, in denen nicht schnell genug eine Pflegestelle gefunden werden konnte, haben fürsorgliche, kinderliebende Personen wöchentlich etwas von ihrer Zeit geopfert, um auf die verlassenen Kinder aufzupassen. „Sie füttern sie, singen und spielen mit ihnen, schaukeln sie und wickeln sie“, berichtete ein Krankenhausangestellter. „Sie behandeln sie, als wären es ihre eigenen Kinder. Für die Kinder ist das sehr gut, denn manche bleiben lange hier.“
Wie sieht die Zukunft der kokaingeschädigten Kinder aus? Ihr unnormal niedriger Intelligenzquotient wird später ihren Lehrern nicht geringe Probleme bereiten. Ein Kinderarzt sagte: „Diese Kinder werden wegen ihrer physischen Schäden und ihrer mangelhaften Entwicklung 40 oder 50 Jahre lang für sich selbst und für die Gesellschaft ein Problem sein.“ Ja, Crack hat der Gesellschaft einen bleibenden Stempel aufgedrückt.
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Crack — Gibt es eine Heilung von der Sucht?Erwachet! 1990 | 22. Juli
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Crack — Gibt es eine Heilung von der Sucht?
ES STEHT außer Frage: Die Crack-Sucht hat schwindelerregende Ausmaße angenommen, und das Problem eskaliert. Rundfunk und Fernsehen tragen es in die Wohnzimmer. Zeitungen und Zeitschriften setzen es in die Schlagzeilen. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser und der Unfallkliniken erleben hautnah die damit verbundene Gewalt. Entbindungsstationen sind bis an die Grenze der Kapazität mit Kindern belegt, die durch die Sucht geschädigt sind. Krankenhauslagerräume beherbergen verlassene Kinder statt Materialien.
In Drogentherapiestellen werden Kinder behandelt, die noch zur Grundschule gehen. Sozialämter flehen um mehr Mittel für den Kampf gegen die Epidemie. Manche sagen, sie könnten ihre Sucht nicht überwinden, und andere wollen es nicht. Auf die letzteren warten Leid, Enttäuschungen, Gewalttätigkeit und möglicherweise der Tod. Für die ersteren besteht Hoffnung.
„Noch vor einem Jahr wurde Crack weithin als relativ neue Droge angesehen, die man kaum verstand, die aber spezielle Eigenschaften aufwies, durch die eine fast unmöglich zu heilende Abhängigkeit hervorgerufen wurde“, hieß es in der New York Times vom 24. August 1989. Doch gemäß dem Artikel hat man inzwischen herausgefunden, daß Crack-Abhängigkeit unter den richtigen Bedingungen erfolgreich therapiert werden kann. „Crack-Abhängigkeit kann behandelt werden“, sagte Dr. Herbert Kleber, Stellvertreter des amerikanischen Drogenbeauftragten William J. Bennett. Der Schlüssel bestünde darin, den Süchtigen einen Platz in familiären und sozialen Gefügen zu geben, die sie zuvor noch nie kennengelernt hätten. „Es geht eher um Eingliederung als um Wiedereingliederung“, betonte Dr. Kleber.
Die effektivste Therapie für Crack-Abhängige setzt sich, wie man festgestellt hat, aus drei Teilen zusammen: Entgiftung, intensive persönliche Beratung und Schulung sowie — als Wichtigstes — die Unterstützung im richtigen Umfeld. Die Entgiftung oder der Entzug ist nicht die größte Hürde. Oft kann jemand aufgrund eingetretener Umstände das selbst bewerkstelligen. Das Fehlen der notwendigen Mittel für die Droge kann — was auch häufig der Fall ist — dazu beitragen. Die Haft in einer Strafanstalt, in der keine Drogen erhältlich sind, oder der Aufenthalt in einem Krankenhaus zwingt ebenfalls zum Entzug. Das eigentliche Problem besteht darin, den Süchtigen davon abzuhalten, wieder zur Droge zu greifen, sobald er die Möglichkeit dazu hat.
Eine Reihe Abhängiger hat sich zwar während besonderer Therapieprogramme aus dem Würgegriff der Droge herauswinden können, doch nach Meinung von Experten schaffen es die meisten nicht über die ersten Wochen hinaus. Dr. Charles P. O’Brien, Psychiater an der Universität von Pennsylvanien, berichtete beispielsweise, daß zwei Drittel der Süchtigen, die sich für sein Therapieprogramm gemeldet hatten, im ersten Monat ausgestiegen seien. Anderen Programmen war noch weniger Erfolg beschieden.
Die falsche Umgebung
„Wir müßten sie wohl aus ihrer bisherigen Umgebung herausnehmen“, sagte der Leiter eines anerkannten Therapiezentrums. „Man muß die Süchtigen aus dem Drogenumfeld herausbekommen. Dieses Umfeld ist der Tod.“ Wie man festgestellt hat, ist es die Hauptursache dafür, daß die meisten Süchtigen nach dem Entzug wieder zu der Droge zurückkehren, die sie versklavt hat. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Waren es nicht in erster Linie gerade die Zustände in dieser Umgebung, die sie in die Therapiezentren gebracht haben? War hier nicht an jeder Straßenecke Crack erhältlich? Und war es nicht hier, wo der Gruppenzwang — oft von den eigenen Angehörigen oder von Freunden ausgeübt — sie zum ersten Zug aus der Crack-Pfeife animiert hat? Wer wird sie jetzt ermutigen, die Therapie fortzusetzen und sich aus den Klauen der todbringenden Droge zu befreien?
Die erfolgreicheren Programme sehen die Hauptursache für den fortgesetzten Drogenmißbrauch in der falschen Umgebung. „Dem Patienten werden Strategien vermittelt, wie er sich von der Droge fernhalten und es vermeiden kann, Stimmungen aufkommen zu lassen, die sein Verlangen wecken“, heißt es in der New York Times. „Der Anblick einer Straße, wo jemand einmal Crack gekauft hat, ein weggeworfenes Röhrchen auf dem Bürgersteig, eine Zahnarztpraxis oder der Geruch von Medikamenten, der dem von Crack ähnelt“ — alles das seien Dinge, die das Verlangen nach der Droge wecken könnten. Bei erfolgreichen Programmen wird auch betont, wie wichtig es ist, daß die Abhängigen „sämtliche Verbindungen zu Freunden oder Verwandten, die immer noch Drogen konsumieren, abbrechen“. Statt dessen wird ihnen geraten, sich neue Freunde zu suchen, die keine Drogen nehmen. Das ist zweifellos ein sehr guter Rat.
Du kannst nein sagen!
In dem Buch Self-Destructive Behavior in Children and Adolescents wird folgende Feststellung getroffen: „Jugendliche werden meistens von einem guten Freund mit den verschiedenen Drogen bekannt gemacht oder ‚angetörnt‘ ... [Seine] Absicht ist es vielleicht, den anderen an einem aufregenden und schönen Erlebnis teilhaben zu lassen.“ Wie ältere Abhängige bezeugen können, ist der Gruppenzwang jedoch nicht auf Jugendliche begrenzt. Auch der folgende weise Rat der Bibel ist nicht nur für junge Menschen bestimmt, sondern gilt für Menschen aller Altersstufen: „Wer mit Weisen wandelt, wird weise werden, wer sich aber mit den Unvernünftigen einläßt, dem wird es schlecht ergehen“ (Sprüche 13:20).
Versuche nicht, erdrückenden Problemen, die dir unüberwindlich erscheinen, durch Drogen zu entfliehen. Dadurch werden sich deine Probleme nur noch verschlimmern. Sprich mit deinen Eltern oder mit anderen verantwortlichen Erwachsenen darüber, denen dein Wohl wirklich am Herzen liegt. Denke auch an den biblischen Rat: „Seid um nichts ängstlich besorgt, sondern laßt in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Danksagung eure Bitten bei Gott bekanntwerden; und der Frieden Gottes, der alles Denken übertrifft, wird euer Herz und eure Denkkraft ... behüten“ (Philipper 4:6, 7).
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