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Drogen — Die Probleme nehmen zuErwachet! 1988 | 8. Dezember
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Drogen — Die Probleme nehmen zu
DROGEN machen heutzutage in der Öffentlichkeit viel von sich reden. Man blättert kaum eine Zeitung oder ein Nachrichtenmagazin durch, in dem nicht auf Drogenprobleme eingegangen wird. Ein Diplomat wird gefaßt, als er Drogen in ein Land schleust. Ein führender Politiker wird wegen seiner Rolle im Drogenschmuggel angeprangert. Ein prominenter Sportler muß eine Entziehungskur machen. Drogenfahnder durchsuchen ein Flugzeug oder ein Schiff und entdecken eine riesige Ladung Rauschgift. Ein bekannter Unterhaltungskünstler stirbt an einer Überdosis Drogen. Ein Lokomotivführer, der in ein Zugunglück verwickelt ist, steht, wie sich herausstellt, unter Drogeneinwirkung. Ein Politiker macht die Drogenbekämpfung zu einem Hauptpunkt seiner Kampagne. Man könnte die Liste endlos weiterführen.
Das Drogenproblem ist dermaßen angewachsen, daß sich vergangenes Jahr 24 Staaten zur Drogenbekämpfung zusammenschlossen. Sie „vernichteten 5 046 Tonnen Kokablätter und 17 585 Tonnen Marihuanapflanzen“, schreibt das Magazin U.S.News & World Report. „Dennoch ist das [US-]Außenministerium der Meinung, daß die derzeitigen Bekämpfungsprogramme unzureichend sind ‚in dem Bemühen, die weltweit vorhandene Rauschgiftmenge zu vermindern‘.“
Beschlagnahmungen von Drogen, Festnahmen und Verurteilungen haben zugenommen, aber auch die Vorräte an illegalen Drogen sind größer geworden. Nur ein kleiner Teil der vorhandenen Drogenmenge wird gefunden und beschlagnahmt, und vielerorts sind Drogen leichter erhältlich denn je. Trotz vereinter Anstrengungen im Jahre 1986, Kokainlabors auszuheben, ist die Produktion von Kokain aus Kokablättern in Bolivien, Kolumbien und Peru von 1986 bis 1987 um 10 Prozent angestiegen. Das Kokain, das heute auf der Straße verkauft wird, ist weitaus reiner als zuvor, und die Preise sind gesunken — was auf ein erhöhtes Angebot hindeutet.
„In den Vereinigten Staaten ist von allen Industrieländern der Welt der Drogenmißbrauch unter jungen Leuten am höchsten, und Jugendliche beginnen früher, Drogen zu nehmen, als je zuvor“, berichtet Behavior Today. Eine Umfrage ergab, daß über die Hälfte aller High-School-Abgänger nach eigenen Angaben schon einmal eine illegale Droge ausprobiert haben und daß dieser hohe Anteil bei den Mittzwanzigern sogar auf etwa 80 Prozent ansteigt. In den Vereinigten Staaten gibt es nun schätzungsweise 1,2 Millionen Drogenabhängige, und 23 Millionen weitere nehmen „gelegentlich“ Drogen.
Auch andere Länder sind von der Drogenepidemie nicht ausgenommen. Die sowjetische Zeitung Prawda zitierte Innenminister Alexander Wlassow wie folgt: „Der Kampf gegen Drogenabhängigkeit und die damit verbundene Kriminalität ist eine der vorrangigsten Aufgaben des Innenministeriums geworden.“ Wie die Zeitschrift Soviet Weekly meldet, wurde „im Laufe der vergangenen zwei Jahre gegen 80 000 Sowjetbürger Anklage wegen Drogendelikten erhoben“, und obwohl Süchtige behandelt werden, „ist das Problem nach wie vor groß, da 131 000 Drogenabhängige erfaßt sind“.
In Ungarn soll es 30 000 bis 50 000 Drogenabhängige geben. In Polen rechnet man mit 200 000 bis 600 000 Süchtigen und Gebrauchern von harten Drogen — überwiegend junge Leute unter 25 Jahren. In Pakistan schätzt man, daß es annähernd 313 000 Opiumsüchtige und 150 000 Heroinsüchtige gibt. Sir Jack Stewart Clark, Mitglied des Europäischen Parlaments, hat vorausgesagt, daß die Zahl der Kokainabhängigen in Westeuropa Mitte der 90er Jahre drei bis vier Millionen erreichen könnte. In Spanien gibt es bereits schätzungsweise 60 000 bis 80 000 Kokainabhängige.
Das Drogenproblem hat derartige Ausmaße angenommen, daß gemäß einer Studie der Vereinten Nationen der Punkt erreicht ist, an dem die „Sicherheit einiger Staaten“ gefährdet ist.
Warum stehen Drogen so sehr im Rampenlicht? Warum nehmen Menschen überhaupt Drogen? Warum versagen umfassende Anstrengungen, das zunehmende Drogenproblem einzudämmen? Was kann getan werden, um der wachsenden Gefahr Einhalt zu gebieten?
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Drogen — gefährlich und tödlichErwachet! 1988 | 8. Dezember
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Drogen — gefährlich und tödlich
DIE Geschichte der Drogen — Substanzen, die die Sinne beeinflussen — geht zurück bis zu den Anfängen der Menschheit. Bald entdeckte man natürliche Substanzen, die sich auf das Nervensystem auswirken: Alkohol zur Entspannung für ein beladenes Herz. Opiate, die Schmerzen lindern und einschläfernd wirken. Kokablätter, die die Sinne betäuben und die Ausdauer steigern.
Alkohol nimmt seit langem eine führende Stellung ein. Die Bibel sagt in 1. Mose 9:20, 21: „Noah fing nun als Landwirt an und ging daran, einen Weingarten zu pflanzen. Und er begann von dem Wein zu trinken und wurde berauscht.“ Opium scheint im alten Mesopotamien bekannt gewesen zu sein und wurde gemäß Überlieferungen im alten Griechenland von vielen genommen. Im Laufe der Geschichte haben Meskalin, Tabak, Koka und Soma eine Rolle gespielt.
Drogen sind sogar in die Belletristik eingegangen. Homer erzählte von der Vergeßlichkeit, die einige von der Mannschaft des Odysseus im Land der Lotophagen befiel. Der berühmte Romandetektiv Sherlock Holmes injizierte sich eine 7prozentige Kokainlösung, deren Wirkung er als überaus anregend und sinneserhellend beschrieb — eine ähnliche Ansicht, wie sie der Psychiater und Neurologe Sigmund Freud vertrat.
Die medizinische Bedeutung der Drogen wurde bald erkannt, aber ihre Verwendung beschränkte sich nicht auf die Medizin. Sie wurden ausgiebig bei religiösen Ritualen verwendet. Man setzte sie zur Bewußtseinserweiterung, zur Gefühlsverstärkung, zur Steigerung des Verständnisses, zur Stimmungsveränderung und zur Erhöhung der Liebesfähigkeit ein. Doch sie hatten auch eine unendlich zerstörerische Wirkung und schufen unsägliche soziale Probleme.
Interessanterweise galten Drogen, die heute verboten sind, nicht immer als schädlich für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Beispiel waren in den Vereinigten Staaten Kokain, Opium und Heroin legal und leicht erhältlich. Sie konnten in jeder Apotheke ohne Rezept erworben werden. Einige Drogen wurden als Bestandteile rezeptfreier Medikamente reichlich verwendet. Coca-Cola enthielt 17 Jahre lang Kokain, bis es 1903 durch Koffein ersetzt wurde.
Länder, die nun den Drogenhandel ausmerzen wollen, kämpften einst darum, ihn auszuweiten. Die Opiumkriege — zwei Handelskriege, die Mitte des 19. Jahrhunderts geführt wurden, als China den illegalen Opiumhandel in seinem Land unterbinden wollte — führten zur Niederlage Chinas und zur zwangsweisen Legalisierung des Opiumimports in dieses Land.
Ein Verbrechen ohne Opfer?
Auch heute sprechen sich einige für die Legalisierung von Drogen aus. Sie betrachten dies als Lösung für das Dilemma in Verbindung mit dem illegalen Drogenhandel. Andere sind der Ansicht, „gelegentlich“ Drogen zu nehmen sei eine private und individuelle Angelegenheit und ein harmloser Zeitvertreib. Ist der Gebrauch illegaler Drogen aber wirklich, wie manche behaupten, ein „Verbrechen ohne Opfer“? Man beachte folgendes:
● Die 26jährige Natasha Ashley, achteinhalb Monate schwanger, unterhielt sich in einem Stadtteil von New York namens Little Italy auf dem Bürgersteig mit einer Freundin. Plötzlich fuhr ein Auto über den Bordstein und erfaßte beide Frauen. Natasha Ashleys linkes Bein wurde gegen einen Laternenpfahl gepreßt, und ihr Unterschenkel zersplitterte. Auch ihre Freundin wurde verletzt; sie brach sich ein Bein. Wie die Polizei feststellte, war der Fahrer aufgrund von Drogeneinwirkung wie weggetreten; er hielt die Spritze immer noch in der Hand. „Es sah aus, als hätte er sich beim Fahren eine Überdosis verabreicht“, sagte der Sanitäter, der die Verletzten versorgte.
● Michael Perkins ist im Alter von nur 12 Jahren gestorben — er kam bei einem Brand um, durch den das Apartmenthaus, in dem er wohnte, zerstört wurde. Nach Auskunft der Polizei hatten Dealer den Brand gelegt, nachdem sich sein Vater über den Drogenhandel in dem Haus beschwert hatte.
● Rosa Urena ist weder in diesem Frühherbst auf das College gegangen, noch wird sie nächstes Jahr heiraten, wie sie geplant hatte. Sie wurde tödlich verwundet, während sie schlief. Eine verirrte Kugel, die die Fensterscheibe und das Kopfende ihres Bettes durchschlug, drang ihr in den Kopf. Drogenhändler hatten wegen Revierstreitigkeiten das Gebäude mit Kugeln durchlöchert.
● Ein 17jähriger Crack-Süchtiger machte eine Einbruchtour, um seine Sucht zu finanzieren. Als er acht Tage später gefaßt wurde, hatte er fünf Menschen getötet und sechs weitere verletzt. „Alle Opfer waren friedliche Berufstätige“, sagte der leitende Kriminalbeamte.
Dies sind nur einige der vielen Vorfälle in Verbindung mit Drogen, zu denen es dieses Jahr in einer einzigen Stadt gekommen ist. Und sie nehmen in alarmierendem Ausmaß zu.
Wie sicher würdest du dich im Straßenverkehr fühlen, wenn du wüßtest, daß ein gewisser Prozentsatz der anderen Fahrer Drogen genommen hat, die das Urteilsvermögen und die Reflexe beeinträchtigen? Würdest du beruhigt einen Bus, ein Flugzeug oder einen Zug besteigen, wenn du wüßtest, daß das für die Sicherheit zuständige Personal unter Drogeneinwirkung steht? „Es hat bereits Fälle gegeben, in denen süchtige Piloten, Bahnangestellte, Bus- und Lkw-Fahrer, Firmendirektoren, Ärzte, Lehrer und andere Personen in verantwortlichen Stellungen gefährliche Situationen heraufbeschworen haben, weil sie während der Dienstzeit Drogen nahmen“, hieß es in dem Magazin Manchester Guardian Weekly.
Bei Nachforschungen in Verbindung mit einem Zusammenstoß von Nahverkehrszügen, der sich kürzlich in Mount Vernon (New York) ereignete und der Menschenleben kostete, stellte sich heraus, daß alle fünf Personen, die für die Zugverkehrsüberwachung verantwortlich waren, Drogen genommen hatten. John H. Riley, Verwaltungsbeamter der staatlichen Eisenbahn, sagte: „Wir haben errechnet, daß es im Laufe der vergangenen 16 Monate durchschnittlich alle 10 Tage zu einem größeren Zugunglück kam, bei dem Alkohol- oder Drogeneinfluß nachgewiesen wurde. Insgesamt wurden dabei über 375 Menschen verletzt oder getötet. Unter den in den letzten zwei Jahren überprüften Zugunglücken gelangte man bei jedem fünften Unfall zu drogenpositiven Ergebnissen, und 65 Prozent der Todesfälle sind auf Unfälle zurückzuführen, bei denen einer oder mehrere vom Personal unter Alkohol- oder Drogeneinwirkung standen.“
Drogen und Kriminalität
Man muß sich nicht in einem Verkehrsmittel befinden, um ein Opfer der Drogenszene zu werden. Oft werden Leute, die sich in ihrer Wohnung oder auf der Straße aufhalten, in Mitleidenschaft gezogen. Von der Notwendigkeit angetrieben, ihre kostspielige Gewohnheit zu finanzieren, nehmen viele Drogenabhängige zu Kriminalität Zuflucht — sie begehen Diebstähle, Überfälle oder Einbrüche. „Wie eine Studie des Justizministeriums unlängst zeigte, haben Tests bei Straftätern ergeben, daß in einigen Städten erstaunlicherweise 79 Prozent Drogen nahmen“, berichtet U.S.News & World Report.
Dann sind da die häufigen Schießereien zwischen rivalisierenden Drogenbanden und die Vergeltungsmaßnahmen gegen Zahlungsunfähige. Oft geraten Unbeteiligte in diese Konfrontationen. „Wenn sich der Gesuchte zufällig unter einer Gruppe von vier oder fünf anderen befindet“, sagte ein Beamter, „haben die vier oder fünf anderen Pech.“
In Washington, der Bundeshauptstadt der USA, kam es 1987 zu 228 Morden — bei 57 Prozent war Rauschgift im Spiel. Die Stadt New York hatte 1 691 Morde zu verzeichnen, durchschnittlich 4 am Tag. Bei über 38 Prozent davon waren Drogen im Spiel. „Die Feuerwehr von Oakland [Kalifornien, USA] führt mehr als 180 Fälle von Brandstiftung, die sich vergangenes Jahr in der Stadt ereigneten, auf Kämpfe zwischen Drogenbanden zurück sowie auf Repressalien gegen zögernd zahlende Kunden oder Bewohner, die sich öffentlich über den ausgedehnten Handel mit Crack, einer hochwirksamen Form von Kokain, beschwert haben“, schreibt die New York Times.
Die Gesellschaft als Ganzes verspürt die Auswirkungen des Drogenmißbrauchs — zunehmende Kriminalität und Gewalt, verringerte wirtschaftliche Produktivität, tragische Unfälle, Korruption unter Beamten und die damit verbundenen hohen Kosten. Doch es sind die Drogenabhängigen selbst, die den höchsten Preis zahlen. Wieso?
Die Gefahren für die Abhängigen
„Drogenmißbrauch ist schädlich. Er kann den Verstand und den Körper ruinieren. Kurz gesagt: Drogenmißbrauch ist eine Dummheit.“ So drückte es Malcolm Lawrence aus, ehemals Sonderbeauftragter des US-Außenministers für die internationale Rauschgiftbekämpfung. Wie steht es aber mit denjenigen, die behaupten, sie seien nicht abhängig und könnten jederzeit aufhören? „Ich kenne Leute, die mehrmals Crack nahmen und dann nie wieder dazu griffen“, sagte ein Schüler.
„Bestimmt nicht jeder Jugendliche, der von einem Joint high ist oder eine Flasche Schnaps ausleert, landet so tief wie ich“, sagte Ken Barun, ein ehemaliger Süchtiger, der im Alter von 16 Jahren mit Marihuana anfing und dann zu Tabletten, Halluzinogenen, Heroin und Kokain überging und nicht damit rechnete, seinen 25. Geburtstag zu erleben. Aber viele werden abhängig, und niemand kann vorhersagen, wen es trifft, bis es zu spät ist.
Ein Problem ist die entkräftende Wirkung der Drogen. Kokain zum Beispiel, eine der Drogen, die gegenwärtig bevorzugt genommen werden, verleiht einem anfänglich das Gefühl, stärker, munterer und selbstbewußter zu sein und das Leben besser meistern zu können. Das Gefühl ist so angenehm, daß man es immer wieder probieren möchte. Doch dann beginnt man, sich ohne die Droge schlecht zu fühlen — gereizt, verwirrt, ängstlich und deprimiert. Man braucht mehr. Durch den wiederholten Gebrauch kann es aber zur Abhängigkeit und zu vielen Problemen kommen, darunter Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Psychosen.
Forscher haben festgestellt, daß Kokainmißbrauch bleibende Herzschäden sowie Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen kann. Len Bias, ein Basketballstar der Vereinigten Staaten, der 1986 im Alter von 22 Jahren an einem durch Kokain hervorgerufenen Herzinfarkt starb, soll die Droge nur einmal genommen haben.
Crack, ein Derivat von Kokain, ist noch schlimmer. „Crack ist besonders gefährlich, weil diese Droge ein äußerst hohes Suchtpotential in sich birgt und ernste physische und psychische Beschwerden verursachen kann“, schreibt die Zeitschrift Medical Aspects of Human Sexuality. Da die Droge billig und leicht erhältlich ist, findet sie hauptsächlich unter Jugendlichen Anklang. Es hat Crack-Abhängige gegeben, die ihre Eltern ermordeten und Selbstmord begingen.
„Todesfälle und Notaufnahmen in Krankenhäusern zufolge von Kokainmißbrauch haben von 1983 bis 1986 bedeutend zugenommen“, hieß es in einem Sonderbericht vom Präsidenten des US-Rechnungshofes. Die Statistiken, die von DAWN (Drogenwarnnetz) aufgrund der Angaben von Krankenhäusern und Leichenbeschauern zusammengestellt wurden, ergaben eine 167prozentige Zunahme der Notaufnahmen und eine 124prozentige Zunahme der Todesfälle in diesem Zeitraum zufolge des Mißbrauchs dieser Droge.
Tragische Folgen für Kinder
Eine der tragischsten Folgen des Drogenmißbrauchs ist die Auswirkung auf Kinder. „Die Geschichte der Kindesmißhandlung und -verwahrlosung in New York (1987) ist die Geschichte einer explosionsartigen Zunahme des Drogenmißbrauchs“, hieß es in einem Bericht (Internal Fatality Review Panel of the Human Resources Administration). Es wurden 46 713 Fälle von Kindesmißhandlung und -verwahrlosung verzeichnet, und 103 der Kinder starben. Während des Haushaltsjahres 1987 wurden in der Stadt außerdem über 2 500 Kinder mit Entzugserscheinungen geboren. Zufolge von Kokainmißbrauch kommen zudem viele Babys frühzeitig und mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt, da die Droge den Blutfluß zur Plazenta und somit die Versorgung des Fetus mit Sauerstoff und Nährstoffen vermindert.
Es werden auch Babys mit dem gefürchteten Aidsvirus geboren, das durch intravenösen Drogenmißbrauch übertragen und von der Mutter an den Fetus weitergegeben wird. Ende dieses Jahres werden allein in New York etwa 1 000 mit dem Aidsvirus infizierte Babys geboren worden sein. „Wir stehen erst am Anfang der Katastrophe“, sagte Dr. Leonard Glass, Leiter der Säuglingsstation im Kings County Hospital Center. In diesem Brooklyner Krankenhaus sterben monatlich mindestens drei Babys an Aids.
Angesichts dieser gefährlichen, ja tödlichen Folgen des Drogenmißbrauchs sollte man meinen, die Welt würde im Kampf gegen den Drogenhandel alles aufbieten und ihn unterbinden. Warum nimmt er aber zu? Besteht Hoffnung auf Abhilfe?
[Kasten auf Seite 7]
Einige häufig genommene Drogen
Droge Mögliche Wirkungen Risiken bei Mißbrauch
Opium, Euphorie, Schläfrigkeit, flache Atmung, Krämpfe,
Heroin Apathie, Übelkeit Koma, Tod
Barbiturate, undeutliche Aussprache, schwacher und schneller
Methaqualon, Verwirrtheit, starke Puls, flache Atmung,
Valium, Stimmungsschwankungen, Koma, Tod
verlangsamte Körperfunktionen
Kokain, Übererregtheit und gesteigertes Mißtrauen,
Crack, Selbstvertrauen, Euphorie, absonderliches Verhalten,
Amphetamine Appetitlosigkeit, Ängstlichkeit Halluzinationen, Krämpfe,
Tod
LSD, gesteigerte Einbildungskraft, längere und intensivere
PCP Halluzinationen, gestörte Episoden, absonderliches
Wahrnehmung von Zeit und und gefährliches
Entfernung Verhalten, Psychosen, Tod
Haschisch, Euphorie, Verlust der Hemmungen, Übermüdung, Verwirrtheit,
Marihuana gesteigerter Appetit Wahnvorstellungen,
eventuell Psychosen
[Bild auf Seite 9]
Ungeborene sind hilflose Opfer des Drogenmißbrauchs der Eltern
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Drogen — Gibt es eine Hoffnung?Erwachet! 1988 | 8. Dezember
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Drogen — Gibt es eine Hoffnung?
WARUM haben alle Anstrengungen, die Drogenflut einzudämmen, versagt? Der Grund ist, um es mit einem Wort zu sagen: GELD. Drogen sind ein Riesengeschäft. Die Gewinne werden in Milliarden von Dollar gemessen.
Die jährlichen Gesamteinnahmen der Rauschgiftverkäufer werden allein in den Vereinigten Staaten auf 60 bis 120 Milliarden Dollar geschätzt. Geht man von etwa 20 Milliarden Dollar für Unkosten aus, so bleibt ein Reingewinn von 40 bis 100 Milliarden Dollar. „Der Drogenhandel ist mit einem Gewinn von 300 Milliarden Dollar im Jahr das größte Geschäft der Welt“, heißt es in dem Magazin World Press Review.
Da Drogenhändlern so viel Geld zur Verfügung steht, können sie die Habgier und die Selbstsucht, die dem Menschen innewohnen, ausnutzen und haben die Macht, praktisch alles zu erreichen, was sie wollen. „Sie zählen ihr Geld nicht mehr — sie wiegen es“, sagte ein Polizeileutnant. „Sie können sich Zeugen kaufen; sie können sich jeden kaufen, den sie wollen.“ Ein Drogenhändler in Bolivien hat sich, wie verlautet, angeboten, die gesamten Schulden des Landes von 3,8 Milliarden Dollar unter der Bedingung abzuzahlen, daß die Behörden nicht versuchen, Rauschgiftgesetze durchzusetzen.
Die Marihuana- und Kokainbosse der westlichen Hemisphäre haben den Einfluß der etablierteren Opiumherren Asiens überflügelt. „Mit Schmiergeldern und wenn nötig mit Waffengewalt haben die Drogenmagnaten von Bolivien bis zu den Bahamas Korruption gesät, und in einigen Ländern drohen sie damit, die gewählte Regierung aus ihrer Machtstellung zu verdrängen“, berichtet das Magazin Time. „Wir haben es mit einer Organisation zu tun, die stärker ist als der Staat“, erklärte der ehemalige kolumbianische Präsident Belisario Betancur.
Er muß es wissen. In Kolumbien haben Mitglieder des Medellín-Kartells — Drogenmagnaten, die den Kokainhandel beherrschen — eine Gewaltaktion gegen alle durchgeführt, die sie bekämpfen oder strafrechtlich verfolgen. Unter denen, die umgebracht wurden, befanden sich ein Justizminister, 21 Richter, ein Zeitungsredakteur, über ein Dutzend Journalisten sowie viele Soldaten und Polizisten. „Noch nie ist es einem kriminellen Unternehmen gelungen, ein größeres Land dermaßen einzuschüchtern“, schrieb die Newsweek. „Kolumbianische Richter haben Angst, Urteile zu fällen; Polizisten haben Angst, jemanden zu verhaften. Kritische Journalisten schreiben ihre Artikel nun oft vom Ausland aus, wo sie sich in Gesellschaft vieler weiterer Kolumbianer befinden, die um ihres Lebens willen geflohen sind.“
Kampf gegen Drogenvorrat verloren
Wegen des Geldfaktors ist der Kampf zur Beseitigung des Drogenvorrats in allen Bereichen gescheitert. Farmer bauen weiterhin Koka, Marihuana und Opium an, woran sie ein Vielfaches von dem verdienen, was ihnen die herkömmlichen Ernteerzeugnisse einbringen, nämlich nur das Existenzminimum. In ihren Augen sind die Drogenkönige Wohltäter, die die Wirtschaft stützen. Viele Polizisten und Zollbeamte schauen nach wie vor weg, wenn Drogen geschmuggelt werden, und verdienen dabei jedesmal 50 000 Dollar oder mehr.
Dealer führen auch Kinder von erst neun oder zehn Jahren in die gewinnbringende Drogenszene ein. Diese verdienen für das Auflesen leerer Crack-Röhrchen von der Straße 25 Cent je Stück, 100 Dollar am Tag als Wache, die vor der Polizei warnt, 300 Dollar am Tag als Laufbursche für den Drogentransport und bis zu 3 000 Dollar täglich als jugendlicher Dealer. Die Jugendlichen stellen ihren Reichtum in Form von Pelzen, schweren Goldketten und teuren Autos vor Schulkameraden zur Schau, und dadurch verlocken sie weitere.
Terroristen haben in Drogen ein Mittel gefunden, ihre Unternehmungen zu finanzieren. Sie unterstützen wiederum die Drogenhändler. Manche Politiker machen sich den Drogenhandel zunutze, sowohl um sich zu bereichern, als auch, um gegnerische Regierungen zu untergraben. Durch Festnahmen oder Verurteilungen lassen sie sich nicht abhalten. Die Gewinne sind so hoch, daß, sobald ein Dealer oder ein korrupter Beamter außer Gefecht gesetzt ist, zwei weitere an seine Stelle treten.
„Drogenherstellung und -handel bleiben leider ein großes Geschäft, und der Drogenmißbrauch steigt in der ganzen Welt weiterhin an“, heißt es in einem Bericht des US-Außenministeriums, der im März veröffentlicht wurde. „Korruption unter Regierungs- und Polizeibeamten, Bestechung, Einschüchterung und Gewalt durch Dealer sowie die Tatsache, daß Staaten von Rauschgifthändlern in jeder Hinsicht überboten werden, untergraben weiterhin die weltweiten Bemühungen, der Herstellung von Rauschgift und dem Handel damit ein Ende zu setzen.“ Wie kann es da Hoffnung geben?
Ist eine Verminderung der Nachfrage die Lösung?
Einige meinen, die Lösung sei ein Rückgang der Nachfrage im Drogenhandel. Wie bei anderen Geschäften geht es auch beim internationalen Drogenhandel um Angebot und Nachfrage. Ohne die derzeitige anscheinend unersättliche Nachfrage nach Drogen würde der Drogenfluß versiegen. Doch trotz Warnungen, vermehrter Aufklärung, Drogentests und Aufforderungen wie „Sag nein zu Drogen“ geht der Drogenmißbrauch nicht zurück. Noch schlimmer, er nimmt sogar zu.
„Andere Länder in der ganzen Welt ziehen nach“, schreibt die Time. „Die Drogenkultur Amerikas ist zur europäischen und asiatischen Jugend getragen worden. Es ist zwar schwer, Statistiken aufzustellen, aber der Drogenmißbrauch scheint weltweit zuzunehmen, besonders in den Ländern, die Drogen in die USA exportieren.“ Bolivien hat beispielsweise in letzter Zeit einen Anstieg der Drogenabhängigen zu verzeichnen. Koka wird dort legal zum Kauen der Blätter und zum Teekochen angebaut, doch immer mehr Jugendliche werden von Basuco, einer giftigen Art Kokain, die geraucht wird, abhängig. Vietnam berichtet über einen drastischen Anstieg opium- und heroinabhängiger junger Leute, und das sowohl im Süden als auch im Norden. Weltweit gibt es laut Berichten insgesamt etwa 40 Millionen Konsumenten illegaler Drogen.
Man gibt heute zu, daß das Drogenproblem von einem einzelnen Land nicht unter Kontrolle gebracht werden kann. Werden sich dann alle Länder zusammentun und die Menschheit von dieser Geißel befreien? Eine solche umfassende Zusammenarbeit ist höchst unwahrscheinlich, wenn man an die Profitgier im illegalen Drogenhandel denkt — ganz zu schweigen von den unvereinbaren politischen Gegensätzen. Einige Staaten schrecken davor zurück, wirkungsvolle Sanktionen über politische Verbündete zu verhängen, auch wenn diese ein Herd des Drogenhandels sind. Darüber hinaus sind Millionen von Menschen auf die Drogenernte angewiesen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Es gibt Länder, die einfach zusammenbrechen würden, wenn das Drogengeschäft über Nacht verschwinden würde“, hieß es in der Zeitschrift World Press Review.
Grund zur Hoffnung
Die Behörden können höchstens auf eine Abnahme des Drogenmißbrauchs hoffen sowie auf ein allmähliches Nachlassen des gegenwärtigen Drogenwahns. Tatsächlich ist aber die völlige Beseitigung des Drogenproblems eine begründete Hoffnung. Sie kommt in der biblischen Verheißung zum Ausdruck: „Sie werden keinen Schaden stiften noch irgendwie Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg; denn die Erde wird gewißlich erfüllt sein mit der Erkenntnis Jehovas, wie die Wasser das ganze Meer bedecken“ (Jesaja 11:9; Habakuk 2:14). Kein „Schaden“ und kein „Verderben“ schließt all die schmerzlichen Probleme ein, die vom Drogenmißbrauch herrühren.
Man beachte aber den Grund: Die Erde wird „erfüllt sein mit der Erkenntnis Jehovas“. Mit dem Drogenmißbrauch aufzuhören erfordert eine starke Motivation. Liebe zu Jehova Gott und der Wunsch, ihm zu gefallen, gestützt auf eine genaue Erkenntnis über ihn und seine Handlungsweise, haben vielen geholfen, vom Einfluß der Drogen loszukommen. Ein Beispiel dafür ist Angelo.
Er ist heute 60 Jahre alt und hat eine lange Geschichte des Drogenmißbrauchs hinter sich, die 1964 begann. Angelo wurde von Freunden, die sich großartig zu amüsieren schienen, in die Drogenszene eingeführt. Er begann mit Marihuana und ging dann zu härteren Drogen wie Kokain, Haschisch, Morphium und LSD über, um nur einige zu nennen. „Ich war ständig high“, erzählt Angelo. „Jeden Tag wurde ich high. Ich hatte das Gefühl, ich könnte die Welt beherrschen. Meine Gedanken kreisten im Weltraum. Zu dieser Zeit flogen die Astronauten zum Mond, und ich wollte noch weiter.“
Doch die Drogen führten auch zu Halluzinationen, Niedergeschlagenheit, Isolierung von der Gesellschaft und zu Selbstmordneigung. „Im März 1979 fing ich an, die Bibel zu lesen“, sagt Angelo. „Ich hatte Halluzinationen und Selbstmordgedanken. Zuerst wollte ich aber herausfinden, wohin ich nach dem Tod kommen würde. Dann sprachen Zeugen Jehovas bei mir vor, und ich wollte unbedingt, daß sie mir die Bibel erklärten. Durch das Bibelstudium erkannte ich, daß der Drogenmißbrauch gegen Gottes Gesetz verstößt — daß unser Körper Gott gehört und daß wir ihn gemäß 2. Korinther 7:1 vor jeder ‚Befleckung‘ bewahren sollen.“
Wie kam Angelo von den Drogen los? „Beten, aufrichtig beten“, erklärt er, „und täglich die Bibel studieren. Es gehört feste Entschlossenheit dazu, drogenfrei zu werden; denn es ist ganz bestimmt nicht leicht. Aber ich hatte das Gefühl, daß Jehova mein Herz kannte und daß ich mich, wie Sprüche 3:5, 6 zeigt, auf ihn stützen konnte. Wenn ich an mein heftiges Verlangen denke, habe ich das Empfinden, daß ich Jehova brauchte, um auf den richtigen Weg zu gelangen.“
Wie Angelo haben viele andere erkannt, daß die tödliche Drogensucht mit einer starken Motivation, Glauben an Gott und Vertrauen auf seine Hilfe sowie mit der Unterstützung besorgter, liebevoller Freunde überwunden werden kann. „Wie aber werden sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben?“ fragt die Bibel gemäß Römer 10:14. Die Herausgeber der vorliegenden Zeitschrift helfen jedem gern, eine „genaue Erkenntnis“ Gottes und die sichere Hoffnung auf ewiges Leben in einer drogenfreien neuen Welt zu erlangen (Epheser 1:17; Römer 15:4).
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