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  • Glücksspiel — Die Sucht der 90er Jahre
    Erwachet! 1995 | 22. September
    • Glücksspiel — Die Sucht der 90er Jahre

      EINE Kamera hat das Bild auf Farbfilm festgehalten. Es macht eine ganze Doppelseite in einer Sonntagszeitung aus — ein riesiges, Tausende von Quadratmetern großes Lagerhaus ist abgebildet, das in eine Bingohalle umfunktioniert wurde; es wimmelt nur so von Besuchern jeden Alters und jeder Hautfarbe. Die Spieler machen einen erschöpften Eindruck, ihre Augen sind blutunterlaufen. Zeichen des stundenlangen, endlosen Spielens? Ungeduldig warten sie darauf, daß die nächste Nummer genannt wird, die, wie sie hoffen, vielleicht doch noch den Sieg in der bisher erfolglosen Nacht bringt.

      Auf der nächsten Seite der Zeitung sind die besorgten Gesichter von Personen zu sehen, die Spielkarten in der Hand halten. Haben sie Angst, ein Verliererblatt zu haben? Oftmals werden mit dem Ziehen der nächsten Karte Tausende von Dollar gewonnen oder verloren. Das Bild zeigt jedoch nicht die vor Nervosität schwitzigen Handflächen, es verrät nichts über das heftige Herzklopfen und über die stillen Gebete um ein besseres Blatt beim nächsten Spiel und um ein schlechtes Blatt für die Mitspieler.

      In den luxuriösen Spielkasinos von protzigen Hotels und Flußbooten verliert man sich im Labyrinth der grellbunten Spielautomaten. Das Ziehen der Hebel und das Surren der Glücksräder machen einen ohrenbetäubenden Lärm. Für die Spieler klingt das wie schöne Musik, ob sie nun gewinnen oder nicht. „Für sie besteht der Kitzel darin, abzuwarten, was beim nächsten Ziehen des Hebels passiert“, sagt der Chef eines Kasinos.

      Bahnt man sich den Weg durch die Menschenmenge, gelangt man an die überfüllten Roulettetische. Die sich drehende Scheibe mit den rot und schwarz numerierten Fächern zieht einen völlig in ihren Bann, genauso wie das Geräusch der rollenden Kugel. Immer und immer wieder dreht sich die Scheibe, und in welches Fach die Kugel fällt, entscheidet über Gewinnen oder Verlieren. Oft werden mit einer einzigen Drehung der Scheibe Tausende von Dollar verloren.

      Weltweit gesehen spielen sich die eben beschriebenen Szenen zehntausendfach ab, die Zahl der Spieler geht in die Millionen und die Zahl der Orte, wo gespielt wird, in die Tausende. Egal wo, die Leute kommen mit dem Flugzeug, dem Zug, dem Bus, dem Schiff oder dem Auto, um ihre Spielleidenschaft zu befriedigen. Man hat es „die verheimlichte Krankheit“ genannt, „die Sucht der 90er Jahre: pathologisches Spielen“. „Ich denke, die 90er Jahre werden weltweit gesehen den Höhepunkt in der Geschichte des legalen Glücksspiels kennzeichnen“, sagte der Forscher Durand Jacobs, der in den Vereinigten Staaten eine Autorität auf dem Gebiet des Spielverhaltens ist.

      Zum Beispiel waren 1993 in den Vereinigten Staaten die Spielkasinos besser besucht als die Spiele der Baseballoberliga — die Kasinos zählten 92 Millionen Besucher. Einrichtungen für Glücksspiele scheinen nur so aus dem Boden zu schießen. Die Hoteliers an der Ostküste der Vereinigten Staaten jubeln. „Es gibt nicht annähernd genug Zimmer, um die schätzungsweise 50 000 Besucher, die täglich die Kasinos aufsuchen, unterzubringen.“

      In vielen der südlichen Bundesstaaten der USA, wo Glücksspiel bis vor kurzem noch als Laster galt, wurde es 1994 mit offenen Armen als Retter empfangen. „Heutzutage könnte der sogenannte Bibelgürtel genausogut in Glücksspielgürtel umbenannt werden, denn überall in Mississippi und Louisiana gibt es Kasinos auf dem Wasser und an Land, und weitere sind für Florida, Texas, Alabama und Arkansas geplant“, berichtete die Zeitung U.S.News & World Report. So mancher Geistliche, für den Glücksspiel bisher als Sünde galt, dreht sich nun um hundertachtzig Grad. Als zum Beispiel 1994 Vertreter der städtischen Behörden von New Orleans (Louisiana) das für diese Stadt erste schwimmende Kasino auf dem Mississippi tauften, sprach ein Geistlicher ein Gebet; er dankte Gott für „die Fähigkeit, spielen zu können — ein Segen, den du der Stadt gegeben hast“.

      Man schätzt, daß bis zur Jahrtausendwende 95 Prozent aller Amerikaner zum nächsten Spielkasino nur drei oder vier Stunden mit dem Auto zu fahren brauchen. Die Indianer haben ebenfalls ein großes Stück vom Kuchen abbekommen. Einem Bericht der Zeitschrift U.S.News & World Report zufolge hat die amerikanische Regierung bis jetzt landesweit 225 von Indianern betriebene Spielkasinos und Bingohallen, in denen um große Summen Geld gespielt wird, genehmigt.

      Berücksichtigt man außer den erwähnten Glücksspielen die Kartenspielzimmer, die Pferde- und Hunderennen, die Sportwetten, das kirchlich organisierte Bingo und anderes mehr, wird deutlich, wie es möglich war, daß die Amerikaner 1993 eine Gesamtsumme von 394 Milliarden Dollar legal setzen konnten — eine Steigerung von 17,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gegner des Glücksspiels sind bestürzt. „Bisher konnte von religiöser und von staatlicher Seite die größte Hilfe geboten werden“, sagte der Geschäftsführer einer Beratungsstelle für Spielsüchtige. „Doch nun sind viele religiöse Organisationen und der Staat in das Geschäft mit dem Glücksspiel eingestiegen.“ Eine amerikanische Zeitung nannte die Vereinigten Staaten „eine Nation von Spielern“ und schrieb, das Glücksspiel sei „der eigentliche nationale Zeitvertreib in Amerika“.

      In England, wo 1826 Lotterien eingestellt wurden, kann man seit kurzem wieder Lotterie spielen, und der Verkauf von Losen soll Hochkonjunktur haben. Außerdem erlebe England einen ungeheuren Bingoboom, so das New York Times Magazine. „Moskau ist heute mit gutbesuchten Spielkasinos überzogen. Und im Libanon riskieren Spieler ihr Leben, um in Westbeirut Spielhallen besuchen zu können; diese werden sowohl von Milizen als auch von religiösen Fundamentalisten angegriffen“, berichtete die Times. „Die großen Gewinner werden von Kasinowächtern, die mit Maschinengewehren bewaffnet sind, nach Hause eskortiert.“

      „Den Kanadiern ist gar nicht klar, daß sie ein Volk von Spielern sind“, erklärte ein kanadischer Provinzinspektor für Glücksspiel. „In mancher Beziehung wird dem Glücksspiel in Kanada wahrscheinlich ein höherer Wert beigemessen als in den Vereinigten Staaten“, meinte er noch. „Letztes Jahr haben die Kanadier für legales Glücksspiel über 10 Milliarden Dollar ausgegeben — das ist fast das Dreißigfache von dem, was sie für das Kino ausgaben“, berichtete die Zeitung The Globe and Mail. „Das Bingogeschäft in Kanada ist weit fortschrittlicher, als es jemals in den USA war oder heute ist. Das Geschäft mit den Lotterien ist in Kanada viel weiter entwickelt. Das trifft auch auf Pferderennen zu“, hieß es in dem Blatt.

      „Niemand weiß genau, wie viele Spielsüchtige es in Südafrika gibt“, schrieb eine südafrikanische Zeitung, „aber einige Tausende sind es mindestens.“ Die Regierung in Spanien ist sich dagegen des Problems des Glücksspiels und der wachsenden Zahl von Spielern durchaus bewußt. Offiziellen Angaben zufolge haben viele der 38 Millionen Spanier in einem Jahr eine Menge Geld verspielt, insgesamt 25 Milliarden Dollar, womit Spanien zu den Ländern zählt, in denen am meisten gespielt wird. „Die Spanier sind eingefleischte Spieler“, sagte ein Mann, der einen Verband zur Spielerhilfe gegründet hat. „Das sind sie schon immer gewesen. ... Ob nun Pferdelotto, Lotterien, Poker, Bingo, Fußballtoto oder natürlich Roulette oder diese teuflischen geldverschlingenden Automaten, sie geben ihr Geld für alles aus.“ Erst in den letzten Jahren ist pathologisches Spielen in Spanien als psychisches Leiden anerkannt worden.

      Wie vorliegende Fakten erkennen lassen, hat sich auch Italien vom Spielfieber anstecken lassen. Unsummen werden für Lotterien und Sportwetten ausgegeben, aber auch für Glücksspiele in Zeitungen sowie an Spieltischen. „Das Glücksspiel hat den Alltag in jeder Hinsicht durchdrungen“, heißt es in dem Bericht einer staatlich finanzierten Forschergruppe. Heutzutage „hat das Glücksspiel ein Ausmaß angenommen, das früher unvorstellbar war“, schrieb die New York Times, „und vom Politiker bis hin zum Pfarrer suchen alle wie versessen nach Möglichkeiten, die großen Gewinne einzusacken“.

      Wie wahr! In vielen Fällen wirkt sich das Glücksspiel auf jeden Lebensbereich aus; das zeigen die folgenden Artikel.

  • Pathologische Spieler — Die ewigen Verlierer
    Erwachet! 1995 | 22. September
    • Pathologische Spieler — Die ewigen Verlierer

      „ZWANGHAFTES Spielen ist ebenso wie Alkoholismus und Drogensucht eine Krankheit“, erklärte Professor Jean Ades aus Frankreich. „Es handelt sich hierbei um eine Sucht ohne Suchtstoff“, sagte er, „und immer mehr stellen fest, daß sie spielsüchtig sind.“ Selbst wenn ein zwanghafter Spieler große Summen Geld verspielt hat, ist er häufig wie besessen, die Verluste durch Weiterspielen auszugleichen. „Die meisten Verlierer kommen schnell über ihre Enttäuschung hinweg. Bei einigen ist der Spieldrang jedoch dermaßen unkontrollierbar, daß er ihr Leben ruinieren kann“, schrieb ein französischer Journalist. „Sie nehmen sich immer wieder vor, mit der Gewohnheit zu brechen, doch sie hat sie immer fester im Griff. Sie sind spielsüchtig.“

      Ein Spieler aus Südafrika erzählte: „Für den Spielsüchtigen, der sich an die Roulettescheibe setzt oder an den Tisch, wo Siebzehnundvier gespielt wird, zählt nichts anderes. Adrenalin schießt durch seine Adern, und er wird jeden Pfennig setzen, den er hat, nur damit sich die Scheibe noch einmal dreht oder noch eine Runde Karten gespielt wird. ... Indem ich auf meine Adrenalinreserven zurückgegriffen habe, konnte ich mehrere Tage und Nächte hintereinander wach bleiben, auf die Karten und Nummern achtgeben und auf den Supergewinn hoffen, der nie in Reichweite war.“ Er kam zu dem Schluß: „Es gibt viele andere wie mich, die nach einigen Hundert Rand oder selbst nach einigen Tausend Rand kein Ende finden. Wir hören erst dann auf, wenn alles, was wir besitzen, verspielt ist, und das richtet in den familiären Beziehungen einen nicht wiedergutzumachenden Schaden an.“

      Gemäß Henry R. Lesieur, Professor für Soziologie an der St. John’s University (New York), ist der Spieldrang, ganz gleich, ob der Spieler nun gewinnt oder verliert, so stark, daß „viele Spieler tagelang nicht schlafen, nicht essen und nicht einmal auf die Toilette gehen. Das Spielen nimmt sie dermaßen in Anspruch, daß alles andere nicht zählt. Mit dem atemlosen Warten geht außerdem ein Rauschzustand einher, der sich gewöhnlich durch schwitzige Handflächen, heftiges Herzklopfen und Übelkeit auszeichnet.“

      Ein ehemaliger Spielsüchtiger räumt ein, daß nicht die Aussicht auf Gewinn die Triebkraft für seine langjährige Sucht gewesen sei, sondern eher der „Nervenkitzel“, das Glücksspiel an sich. „Durch das Spielen werden außergewöhnlich starke Gefühle geweckt“, sagt er. „Wenn sich die Roulettescheibe dreht und man darauf wartet, daß sich das Glück einstellt, dann dreht sich plötzlich alles, und man wird fast ohnmächtig.“ Der Spieler André, ein Franzose, stimmt dem zu: „Angenommen, du hast 10 000 Franc auf ein Pferd gesetzt, und es sind nur noch hundert Meter bis zum Ziel, und dann kommt jemand, um dir mitzuteilen, daß deine Frau oder deine Mutter gestorben ist — das wäre dir in diesem Moment total egal.“

      André erzählt, wie er trotz hoher Verluste weiterspielen konnte. Er lieh sich nicht nur bei Banken und von Freunden Geld, sondern auch bei Kredithaien, und das zu astronomischen Zinssätzen. Er stahl Schecks und fälschte Postsparbücher. Er erschlich sich bei seinen Kasinobesuchen das Vertrauen einsamer Frauen und machte sich dann mit ihren Kreditkarten davon. „Inzwischen kümmerte es André nicht einmal mehr, ob er seine katastrophale Finanzlage jemals wieder in Ordnung bringen könnte. Er wurde nur noch von seiner Besessenheit angetrieben“, schrieb ein französischer Journalist. André verstrickte sich in Kriminalität und landete im Gefängnis. Seine Ehe ging in die Brüche.

      In vielen Fällen hören pathologische Spieler nicht mit dem Spielen auf, obwohl es sie ihren Arbeitsplatz oder ihr Geschäft kostet, ihre Gesundheit und schließlich auch ihre Familie; hierin ähneln sie Drogenabhängigen und Alkoholikern.

      In letzter Zeit haben viele Städte in Frankreich dem Glücksspiel die Tür geöffnet. Dort, wo andere Geschäftszweige nicht einträglich waren, florieren Leihhäuser. Die Besitzer von Leihhäusern berichten, daß Spieler häufig ihr ganzes Geld verspielen und dann Ringe, Uhren, Kleidung und andere wertvolle Dinge verpfänden, um tanken und nach Hause fahren zu können. In einigen Küstenstädten der Vereinigten Staaten sind neue Leihhäuser eröffnet worden; mancherorts stehen drei, vier oder mehr nebeneinander.

      Einige Spieler sind sogar kriminell geworden, um ihre Leidenschaft zu finanzieren. Bisherige Studien, so Professor Lesieur, „zeigen, daß pathologische Spieler zu vielen verschiedenen illegalen Handlungen greifen, ... Scheckfälschung, Unterschlagung, Diebstahl, bewaffneter Raubüberfall, Buchmacherei, Betrügerei, Hochstapelei und Hehlerei“. Hinzu kommt die Weiße-Kragen-Kriminalität — Spieler bestehlen ihren Arbeitgeber. Laut Gerry T. Fulcher, Direktor des Instituts zur Schulung und Behandlung pathologischer Glücksspieler, haben 85 Prozent der vielen Tausend zwanghaften Spieler zugegeben, ihren Arbeitgeber bestohlen zu haben. „Rein vom finanziellen Gesichtspunkt aus betrachtet, kann zwanghaftes Spielen in der Tat schmerzlicher sein als Alkoholismus und Drogensucht zusammen“, sagte er.

      Andere Untersuchungen ergaben, daß schätzungsweise zwei Drittel der nichtinhaftierten zwanghaften Spieler sowie 97 Prozent der inhaftierten zugeben, zur Finanzierung des Glücksspiels oder zur Tilgung von Spielschulden illegale Handlungen begangen zu haben. 1993 kam es in den Städten am Golf von Mexiko, wo das legale Glücksspiel auf dem Vormarsch ist, zu 16 Banküberfällen — eine vierfache Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Ein Mann überfiel 8 Banken und raubte insgesamt 89 000 Dollar, um seiner Spielleidenschaft weiterhin frönen zu können. Andere Banken wurden von bewaffneten Spielern überfallen, die große Summen Geld an Gläubiger zurückzahlen mußten.

      „Wenn pathologische Spieler von ihrer Abhängigkeit loskommen wollen, durchleben sie praktisch dieselben Entzugserscheinungen wie Raucher oder Drogensüchtige“, hieß es in der New York Times. Wie Spieler zugeben, kann es allerdings schwieriger sein, von der Spielsucht frei zu werden als von anderen Süchten. Einer erklärte: „Einige von uns waren alkohol- und drogenabhängig, und wir sind alle der Meinung, daß zwanghaftes Spielen weitaus schlimmer ist als irgendeine andere Sucht.“ Wie Dr. Howard Shaffer vom Zentrum für Studien über Süchte an der Harvarduniversität sagte, zeigten mindestens 30 Prozent der pathologischen Spieler, die mit ihrer Sucht brechen wollten, „Anzeichen von Reizbarkeit, sie litten unter Magenproblemen oder Schlafstörungen oder hatten einen höheren Blutdruck und einen schnelleren Puls als normal“.

      Auch wenn Spielsüchtige weiterhin wetten, so Dr. Valerie Lorenz, Leiterin des Nationalen Zentrums für pathologisches Spielen in Baltimore (Maryland, USA), hätten sie mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen wie chronische Kopfschmerzen, Migräne, Atemschwierigkeiten, anginaähnliche Schmerzen, Herzrhythmusstörungen oder Taubheitsgefühl in Armen und Beinen.

      Nicht zu vergessen sind die Selbstmorde. Was könnte schlimmer sein als eine Sucht, die als „nicht zum Tode führend“ gilt, aber dennoch tödlich ausgeht? In einem US-Verwaltungsbezirk beispielsweise, wo in jüngerer Zeit Spielkasinos eröffnet wurden, „hat sich die Selbstmordrate unerklärlicherweise verdoppelt, doch wollte kein Vertreter der Gesundheitsbehörden eine Verbindung zwischen der Zunahme und dem Glücksspiel ziehen“, berichtete das New York Times Magazine. In Südafrika begingen in einer Woche drei Spieler Selbstmord. Es ist unbekannt, wieviel Selbstmorde infolge von Glücksspiel oder auf Grund von Schulden durch legales und illegales Glücksspiel tatsächlich begangen werden.

      Selbstmord ist eine tragische Art und Weise, sich aus dem Würgegriff der Glücksspielsucht herauszuwinden.

  • Das Glücksspiel wirbt neue Mitglieder — Jugendliche!
    Erwachet! 1995 | 22. September
    • Das Glücksspiel wirbt neue Mitglieder — Jugendliche!

      SCHÜTTELT man nicht ungläubig den Kopf darüber, wie tief erwachsene Menschen, Männer und Frauen, wegen der Spielsucht in der Klemme stecken? Ist man nicht fassungslos, wenn man von erwachsenen Spielern liest, die dem Glücksspiel zuliebe all das aufgeben, wofür sie ihr Leben lang gearbeitet haben — ihren Arbeitsplatz, ihr Geschäft, ihre Familie —, oder wie im Falle einiger sich sogar das Leben nehmen? Kann man überhaupt begreifen, was einen gestandenen und gebildeten Mann dazu treibt, in derselben Nacht, in der er beim Glücksspiel 1,5 Millionen Dollar gewinnt, weiterzuspielen, bis er schließlich 7 Millionen Dollar verspielt hat? Oft ist Habgier der Beweggrund, das Jagen nach Geld, das Flügel zu haben scheint. Nur allzuoft ist es allerdings auch der Kitzel selbst, den das Spielen mit sich bringt.

      Wer Kinder hat und sich mit dem Gedanken tröstet, Glücksspiel sei das Spiel der gefestigten Erwachsenen, sollte die Sache noch einmal überdenken. Er sollte an die neuen, jungen Anwärter denken, die in den Startlöchern sitzen oder schon auf der „Rennbahn“ sind. Die Fakten mögen Eltern überraschen.

      Die folgenden Überschriften sind neueren Zeitungen und Zeitschriften entnommen: „Glücksspiel sehr wahrscheinlich das Laster der Jugendlichen in den 90er Jahren“, „Immer mehr Jugendliche spielsüchtig“, „Crack der 90er Jahre: Glücksspiel versklavt Jugendliche“, „Mein Sohn konnte mit dem Spielen nicht aufhören“.

      Und was stand unter den Überschriften? „Experten geben dem staatlich und kirchlich geförderten Glücksspiel eine große Schuld an der Misere“, schrieb eine Zeitung. „Heutzutage gibt es für unerfahrene junge Menschen mehr Möglichkeiten zu wetten als je zuvor. Und Experten weisen warnend darauf hin, daß über 90 Prozent der erwachsenen zwanghaften Spieler mit dem Spielen begannen, bevor sie 14 Jahre alt waren“, hieß es weiter in dem Blatt. „Früher haben die meisten pathologischen Spieler im Alter von etwa 14 Jahren zu spielen begonnen. Heute fangen die Kinder bereits mit 9 oder 10 Jahren damit an“, sagte eine Forscherin. „Warum? Weil die Möglichkeiten da sind“, fügte sie hinzu. „Die Kinder ... werden überall mit Werbung für Glücksspiel bombardiert. Es ist ein gesellschaftlich akzeptierter Nervenkitzel.“ „Die Situation verschlechtert sich rapide“, meinte ein Sprecher einer Gruppe der Anonymen Spieler. „Immer jüngere Kinder fangen zu spielen an, und mehr als je zuvor werden vom Glücksspiel gefangengenommen.“

      Gemäß einer Studie über jugendliche Spieler in einem amerikanischen Bundesstaat waren etwa 3,5 Prozent auf dem besten Weg, zwanghafte Spieler zu werden; weitere 9 Prozent standen in der Gefahr, einfach alles zu setzen. „Bezeichnenderweise zeigen die Zahlen, daß es unter Jugendlichen eine höhere Rate an Spielern gibt als unter den Erwachsenen“, sagte William C. Phillips, Koordinator eines Beratungsdienstes an einem amerikanischen College. „In den nächsten zehn Jahren wird es mehr Probleme durch Glücksspiel unter Jugendlichen geben, als es Probleme in Verbindung mit Suchtmitteln geben wird — insbesondere mit unerlaubten Suchtmitteln“, meinte ein anderer Suchtberater. Professor Henry Lesieur führte unter Schülern von Junior-High-Schools und Senior-High-Schools eine Studie durch. Wie die Los Angeles Times berichtete, „ähneln seine Ergebnisse in bemerkenswerter Weise denen einer unter Collegeschülern durchgeführten Studie: Die Jugendlichen, die als pathologische oder zwanghafte Spieler eingestuft werden — Personen, die über ihr Spielverhalten die Kontrolle verloren haben —, machen durchschnittlich etwa 5 % aller Jugendlichen im Land aus.“

      Spielsuchttherapeuten sind sich darin einig, daß nicht die Zahl der jugendlichen Spieler besorgniserregend ist, sondern vielmehr „die Einstellung der Kinder, der Eltern und sogar der Lehrer zu Glücksspiel unter Teenagern. ... Für viele Jugendliche und ihre Eltern ist Glücksspiel ein ‚harmloser Zeitvertreib‘ mit weit unbedenklicheren Auswirkungen, als wenn sich Jugendliche auf Drogen, Alkohol, Gewalt oder ständig wechselnde Geschlechtspartner einlassen.“ Doch Durand Jacobs, ein Verhaltensberater, warnte davor, daß Jugendliche durch Glücksspiel der Gefahr ausgesetzt werden, straffällig zu werden, die Schule zu schwänzen oder den Wunsch nach dem schnellen Geld zu entwickeln.

      Da war zum Beispiel ein Schüler, der schon in jungen Jahren mit Glücksspielen zu tun hatte. In den Unterrichtsstunden spielte er häufig mit anderen Schülern Glücksspiele. Als er verlor und sein ganzes Taschengeld verspielt hatte, stahl er Geld, das die Schüler gesammelt hatten, um armen Familien Lebensmittel zu kaufen. In der Hoffnung, das Fernsehgerät seiner Eltern zurückkaufen zu können sowie einen Onyxring, den er zum Ausgleich von Spielschulden verpfändet hatte, verwendete er das gestohlene Geld als Einsatz für Glücksspiele. Als er in der neunten Klasse war, hatte er bereits 20 Tage Jugendarrest hinter sich, weil er 1 500 Dollar gestohlen hatte; er spielte leidenschaftlich Poker mit hohem Einsatz sowie Poolbillard mit Wetteinsätzen von 5 Dollar. „Als ich älter wurde, stiegen die Einsätze“, berichtete er. Es dauerte nicht lange, und er bestahl Nachbarn, um seine Spielschulden zu bezahlen. Seine Mutter war verzweifelt. Mit 18 Jahren war aus ihm ein zwanghafter Spieler geworden.

      Nach Aussage von Soziologen ermöglichen in England die laschen Gesetze über Glücksspiel, daß Kinder an Geldspielautomaten spielen dürfen. Sehr viele Kinder, die auf Flughäfen und in Einkaufspassagen an den Automaten spielen, finanzieren ihre Spielsucht dadurch, daß sie ihre Eltern bestehlen und Ladendiebstähle begehen.

      „Die beliebteste und sich am schnellsten ausbreitende Form von Glücksspiel an Junior-High-Schools, High-Schools und Colleges sind [von Schülern veranstaltete] Sportwetten, hinter denen manches Mal ortsansässige Buchmacher stecken“, sagte Jacobs. „Ich würde sagen, daß es nur sehr wenige High-Schools und Colleges gibt, wo man sich nicht an gut organisierten und mit hohen Einsätzen einhergehenden Sportwetten beteiligen kann.“ Hinzu kommen die Kartenspiele, die Lotterien und die Kasinos, in die viele Jugendliche eingelassen werden, weil sie älter aussehen, als sie tatsächlich sind.

      „Es muß gesagt werden, daß die meisten deshalb Spieler geworden sind, weil sie im Teenageralter, als sie zu spielen begannen, gewannen“, sagte Jacobs. „Die überwiegende Mehrheit der jungen Leute, so Jacobs, wurde durch Eltern oder Angehörige an das Glücksspiel herangeführt, für die es nichts weiter als ein Spaß war“, fuhr die Los Angeles Times fort. Ein Berater für stoffgebundene Suchtformen erklärte: „Eltern müssen sich mit der gleichen Problematik auseinandersetzen wie im Fall von Drogen und Alkohol. Ich denke, je größer das Angebot an Glücksspielen ist, desto mehr neue Anhänger gibt es.“ Laut Aussage von Experten, die pathologische Spieler behandeln, finanzieren immer mehr spielsüchtige Jugendliche ihre Sucht durch Diebstahl, Drogenhandel und Prostitution, genau wie im Fall von Drogen- und Alkoholsüchtigen. Eltern betrachten Glücksspiele vielleicht als „Spaß“, die Polizei dagegen ganz und gar nicht.

      „Jugendliche, die von Glücksspielautomaten abhängig wurden, ... wiesen all die zerstörerischen Merkmale erwachsener Spielsüchtiger auf. Teenager, die von diesen Glücksspielautomaten süchtig geworden sind, haben vielleicht im Alter von 9 oder 10 Jahren damit angefangen. Sie verspielten ihr ganzes Taschengeld, das Geld für das Mittagessen in der Schule und herumliegendes Kleingeld, das sie zu Hause fanden. Nach ein oder zwei Jahren fingen die Jungen an zu stehlen. Alles, was das Kinderzimmer hergab, wurde verkauft — Schläger, Bücher und selbst Kostbarkeiten wie Schallplattenspieler; andere Kinder vermißten plötzlich ihre Spielsachen. Nichts in der Wohnung war mehr sicher. Es wurde von verzweifelten Müttern berichtet, die ihre Sachen in ein Zimmer zusammentrugen, um sie im Auge behalten zu können, oder die abends beim Schlafengehen ihre Handtasche unter das Bettzeug legen mußten. Diese verstörten Mütter wußten genausowenig, was mit ihrem Nachwuchs los war, wie Vogelmütter, die plötzlich ein Kuckucksei im Nest haben. Irgendwo fanden die Kinder immer noch etwas zum Stehlen. Als sie dann 16 Jahre alt waren, klopfte die Polizei an die Tür“ (David Spanier, Easy Money: Inside the Gambler’s Mind).

      Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß viele Erwachsene und junge Leute durch ihre Kirche an Glücksspiele herangeführt worden sind — durch Bingo, Lotterien und andere Formen des Glücksspiels. Sollten religiöse Einrichtungen und ihre Oberhäupter, die Nachahmer Christi zu sein behaupten, auf irgendeine Weise zum Glücksspiel ermutigen oder es fördern? Wohl kaum! Glücksspiel appelliert in jeder Hinsicht an eine der moralisch verwerflichsten Eigenschaften des Menschen, nämlich an das Verlangen, etwas umsonst zu bekommen — oder ganz unverblümt ausgedrückt, an Habgier. Wer Glücksspiel befürwortet, macht andere glauben, es sei in Ordnung, von den Verlusten anderer zu profitieren. Würde Jesus eine Tätigkeit gutheißen, die zerrüttete Familien, eine ruinierte Gesundheit, einen schlechten Ruf oder die Zerstörung eines Menschenlebens mit sich bringt? Niemals! Im Gegenteil, Gottes inspiriertes Wort sagt eindeutig, daß Habgierige Gottes Königreich nicht erben werden (1. Korinther 6:9, 10).

      Eltern müssen ihren Kindern in jungen Jahren beibringen, daß jede Form von Glücksspiel verkehrt ist. Sie sollten es nicht als Spaß betrachten, sondern als den ersten Schritt hin zu Faulheit, Lügen, Betrug und Unehrlichkeit. In vielen Städten sind Selbsthilfegruppen entstanden, die Hilfe bieten — zum Beispiel die Anonymen Spieler. Wichtiger ist jedoch, im Fall von Problemen den inspirierten Rat des Wortes Gottes, der Bibel, herauszufinden. Einige, die mit Selbstmordgedanken gespielt haben, sagen, sie würden ihr Leben dem Befolgen dieses inspirierten Rates verdanken.

      Interessanterweise haben Jehovas Zeugen vielen geholfen, sich aus der Schlinge des Glücksspiels zu befreien. Ein ehemaliger pathologischer Spieler beschrieb, was nach vielen Jahren eines lasterhaften Lebens, das exzessives Glücksspiel einschloß, geschah: „Als Zeugen Jehovas mit meiner Freundin und mir die Bibel zu studieren begannen, setzten sofortige und drastische Änderungen in meinem Verhalten ein. Das Glücksspiel war eine süchtig machende Kraft, und davon loszukommen stellte sich als äußerst schwierig heraus. Mit der Hilfe Jehovas und dem Beistand meiner Freundin — nicht zu vergessen das Studium der Bibel, das Gebet und das Nachsinnen, ganz besonders über Gottes Ansicht über Habgier — bekam ich die Spielsucht unter Kontrolle, und meine Freundin, die jetzt bereits seit 38 Jahren meine Frau ist, und ich gaben uns Jehova hin. Obwohl wir dort tätig waren, wo Hilfe gebraucht wurde, obwohl wir jahrelang im Vollzeitdienst standen und ich als reisender Beauftragter der Watchtower Society tätig war, stehe ich immer noch in der Gefahr, rückfällig zu werden, und dieses Problem kann ich nur mit der Hilfe und der Anleitung Jehovas unter Kontrolle halten.“

      Kann man von der Glücksspielsucht frei werden? Ja, indem man sich fortgesetzt die Hilfe Gottes zunutze macht und sie auch anderen, die Probleme mit dem Spielen haben, anbietet.

      [Herausgestellter Text auf Seite 9]

      Bald wird es mehr Probleme mit Glücksspiel unter Jugendlichen geben als mit Suchtmitteln

      [Herausgestellter Text auf Seite 11]

      Habgierige werden Gottes Königreich nicht erben

      [Kasten auf Seite 10]

      Jetons in katholischer Kirche in Las Vegas gern gesehen

      Besucher der Kirche des Allerheiligsten Erlösers stellen dem Geistlichen oft die Frage: „Herr Pfarrer, beten Sie dafür, daß ich gewinne?“

      Jedes Jahr kommen Millionen Menschen aus aller Welt nach Las Vegas (Nevada, USA), um die sogenannte Glücksgöttin Fortuna auf die Probe zu stellen. In der sanft beleuchteten katholischen Kirche, deren Mauern Statuen säumen, die die „Geburt Christi“, das „letzte Abendmahl“ und die „Kreuzigung“ darstellen, wird beim Glücksspiel gewonnenes Geld von den Gläubigen in den Kirchenbänken verwendet: Sie legen Jetons auf den Kollektenteller.

      „Ab und zu finden wir schon einmal einen 500-Dollar-Jeton auf einem der Teller“, sagt Pfarrer Leary, der Geistliche der Kirche, mit seinem weichen irischen Akzent.

      Jahrzehntelang diente eine katholische Kirche weiter oben an der Flanierzeile von Las Vegas den Gläubigen, aber als man am südlichen Ende vier der weltweit größten Kasinohotels baute — das MGM Grand, das Luxor, das Excalibur und das Tropicana —, wurde nur einen Block weiter die Kirche des Allerheiligsten Erlösers gebaut.

      Auf die Frage, warum die Kirche ausgerechnet dort hingestellt wurde, antwortete der Geistliche: „Warum nicht? Dort strömen die Leute nun mal hin.“

      Dort rollt auch der Rubel. Also, warum nicht?

      [Bild auf Seite 9]

      Glücksspiel führt zu schlechtem Umgang

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