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  • „Glücklich ist, wer den Niedergedrückten Gunst erweist“
    Der Wachtturm 1986 | 15. Oktober
    • „Glücklich ist, wer den Niedergedrückten Gunst erweist“

      „Wer seinen eigenen Mitmenschen verachtet, sündigt, aber glücklich ist, wer den Niedergedrückten Gunst erweist“ (SPRÜCHE 14:21).

      1, 2. Was widerfuhr drei philippinischen Familien, und zu welchen Fragen gibt das Anlaß?

      WÄHREND drei philippinische Familien in der Provinz Pangasinan einer christlichen Zusammenkunft beiwohnten, wurden ihre Häuser durch einen Brand völlig zerstört. Als sie heimkehrten, fanden sie weder Nahrungsmittel noch eine Schlafstätte vor. Mitchristen, die davon erfuhren, brachten ihnen schnell etwas zu essen und sorgten für Unterkünfte bei anderen aus der Versammlung. Am nächsten Morgen schafften sie Bambus und andere Baumaterialien heran. Diese Bruderliebe beeindruckte die Nachbarn sehr. Auch für die drei Familien wirkte es sich zum Guten aus, daß ihnen auf diese Weise geholfen wurde. Ihre Häuser waren zwar zerstört worden, aber ihr Glaube und andere christliche Eigenschaften hatten das Feuer überdauert und wurden durch die liebevolle Reaktion noch gefestigt (Matthäus 6:33; vergleiche 1. Korinther 3:12-14).

      2 Sind solche Erfahrungen nicht herzerwärmend? Sie bestärken unseren Glauben an die Menschenfreundlichkeit und mehr noch an die Kraft des wahren Christentums (Apostelgeschichte 28:2). Erkennen wir jedoch die biblische Grundlage für ein solches ‘Wirken des Guten gegenüber allen, besonders aber gegenüber denen, die uns im Glauben verwandt sind’? (Galater 6:10). Und wie könnten wir persönlich in dieser Hinsicht mehr tun?

      Ein hervorragendes Beispiel für uns

      3. Wovon können wir überzeugt sein, was Jehovas Fürsorge für uns betrifft?

      3 Der Jünger Jakobus erklärt: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk stammt von oben“ (Jakobus 1:17). Wie wahr das doch ist, da Jehova reichlich für unser geistiges und materielles Wohlergehen sorgt! Welchen Dingen gibt er jedoch den Vorrang? Den geistigen. Er hat uns zum Beispiel die Bibel gegeben, damit wir geistige Anleitung und eine Hoffnung haben. Im Mittelpunkt dieser Hoffnung steht eine Gabe, nämlich sein Sohn, dessen Opfer die Grundlage für unsere Vergebung und für die Aussicht auf ewiges Leben bildet (Johannes 3:16; Matthäus 20:28).

      4. Was macht deutlich, daß Gott auch an unseren materiellen Bedürfnissen interessiert ist?

      4 Jehova ist auch an unserem materiellen Wohlergehen interessiert. Der Apostel Paulus diskutierte darüber mit Männern in Lystra. Obwohl sie keine wahren Anbeter Gottes waren, konnten sie nicht bestreiten, daß der Schöpfer ‘Gutes getan hat, da er uns Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten gegeben und unser Herz mit Speise und Fröhlichkeit erfüllt hat’ (Apostelgeschichte 14:15-17). Jehova sorgt aus Liebe sowohl für unsere geistigen Bedürfnisse als auch für unsere physische Lebensgrundlage. Trägt das nicht dazu bei, daß er der „glückliche Gott“ ist? (1. Timotheus 1:11).

      5. Was können wir aus Gottes Verfahrensweise mit dem Volk Israel lernen?

      5 Gottes Verfahrensweise mit dem Volk Israel im Altertum veranschaulicht seine ausgeglichene Ansicht über die geistigen Bedürfnisse und die Lebensumstände seiner Anbeter. Zuerst gab er seinem Volk das Gesetz. Die Könige mußten persönlich eine Abschrift von diesem Gesetz anfertigen, und in gewissen Zeitabständen versammelte sich das Volk, um eine Vorlesung des Gesetzes zu hören (5. Mose 17:18; 31:9-13). Im Gesetz war festgelegt worden, daß es eine Stiftshütte oder einen Tempel und Priester geben mußte, die Opfer darbrachten, damit das Volk die Gunst Gottes erlangen konnte. Die Israeliten kamen regelmäßig zu religiösen Festen zusammen, die die jährlichen Höhepunkte in ihrer Anbetung bildeten (5. Mose 16:1-17). Die Folge war, daß einzelne Israeliten vor Gott geistig reich sein konnten.

      6, 7. Wodurch zeigte Jehova im Gesetz seine Sorge um die physischen Bedürfnisse der Israeliten?

      6 Das Gesetz offenbarte auch, wie aufmerksam Gott gegenüber den physischen Lebensumständen seiner Diener ist. Vielleicht kommen dir die Hygienevorschriften in den Sinn, die Israel gegeben wurden, sowie die Maßnahmen, durch die die Ausbreitung von Infektionen eingeschränkt wurde (5. Mose 14:11-21; 23:10-14). Doch wir dürfen auch nicht Gottes besondere Vorkehrungen zur Unterstützung der Verarmten und Niedergedrückten übersehen. Ein Israelit konnte durch schlechte Gesundheit oder eine Katastrophe, wie zum Beispiel einen Brand oder eine Überschwemmung, verarmen. Jehova ließ bereits in seinem Gesetz erkennen, daß nicht alle in wirtschaftlicher Hinsicht gleichgestellt sein würden (5. Mose 15:11). Aber er tat mehr, als nur Mitgefühl für die Armen und die Niedergedrückten zu zeigen. Er schuf die Voraussetzungen für Hilfe.

      7 Solche Personen würden ein unmittelbares Bedürfnis nach Nahrung haben. Daher gebot Gott, daß die Nachlese auf den Feldern, in den Weingärten oder von den Olivenbäumen den Armen in Israel überlassen werden müsse (5. Mose 24:19-22; 3. Mose 19:9, 10; 23:22). Durch Gottes Verfahrensweise wurden die Leute nicht zur Faulheit oder zur Abhängigkeit von öffentlichen Almosen ermuntert, wenn sie in Wirklichkeit arbeiten konnten. Ein Israelit, der Nachlese halten wollte, mußte sich anstrengen, ja vielleicht viele Stunden in sengender Hitze aushalten, um die Nahrung für den Tagesbedarf zu sammeln. Wir sollten jedoch nicht übersehen, daß Gott dadurch rücksichtsvoll für die Verarmten sorgte. (Vergleiche Ruth 2:2-7; Psalm 69:33; 102:17.)

      8. (a) Was sollte der einzelne Jude für seine Brüder tun? (Vergleiche Jeremia 5:26, 28.) (b) Was offenbart ein Vergleich der Einstellung, zu der Gott die Juden ermahnte, mit derjenigen, die heute üblich ist?

      8 Jehova betonte sein Interesse an den Niedergedrückten auch durch Aussprüche wie den aus Jesaja 58:6, 7. Als sich einige selbstzufriedene Israeliten einem scheinheiligen Fasten unterzogen, erklärte Gottes Prophet: „Ist nicht dies das Fasten, das ich erwähle? Die ... Zerschlagenen frei wegzusenden und daß ihr jede Jochstange entzweibrechen solltet? Ist es nicht, dem Hungrigen dein Brot auszuteilen und daß du die Niedergedrückten, Heimatlosen in dein Haus bringen solltest? Daß du, falls du jemand nackt sehen solltest, ihn bedecken sollst und daß du dich vor deinem eigenen Fleisch nicht verbergen solltest?“ Heute sind einige Zeitgenossen sehr darauf bedacht, daß sie durch nichts in ihrer „häuslichen Ruhe“ gestört werden. Sie sind nur dann bereit, Bedürftigen zu helfen, wenn es für sie keine persönlichen Opfer oder Unannehmlichkeiten bedeutet. Wie sehr sich das doch von dem Geist unterscheidet, den Gott durch seinen Propheten Jesaja hervorheben ließ! (Siehe auch Hesekiel 18:5-9.)

      9. Welchen Rat in bezug auf Kredite enthielt das Gesetz, und zu welcher Einstellung ermunterte Gott?

      9 Mitgefühl für arme israelitische Brüder konnte dadurch zum Ausdruck gebracht werden, daß man ihnen Kredit gewährte. Ein Israelit konnte für sein Geld Zinsen erwarten, wenn der Kreditnehmer es für die Eröffnung oder Erweiterung eines Geschäftes verwenden wollte. Jehova sagte indes, daß für Kredite an einen armen Bruder keine Zinsen verlangt werden sollten, denn sonst hätte seine Verzweiflung ihn zu Missetaten verleiten können (2. Mose 22:25; 5. Mose 15:7, 8, 11; 23:19, 20; Sprüche 6:30, 31). Gottes Einstellung gegenüber den Benachteiligten sollte seinen Anbetern zum Vorbild dienen. Uns wird sogar verheißen: „Wer dem Geringen Gunst erweist, leiht Jehova, und ER wird ihm sein Tun vergelten“ (Sprüche 19:17). Stell dir vor — du leihst Jehova, und er versichert, es dir reichlich zu vergelten!

      10. Welche Fragen könntest du dir stellen, nachdem du Gottes Vorbild betrachtet hast?

      10 Daher sollten wir alle uns fragen: Was bedeutet Gottes Ansicht und Verfahrensweise in bezug auf Niedergedrückte für mich? Habe ich von seinem vollkommenen Vorbild gelernt und mich bemüht, es nachzuahmen? Kann ich darauf hinarbeiten, in dieser Hinsicht noch mehr dem Bilde Gottes zu entsprechen? (1. Mose 1:26).

      Wie der Vater, so der Sohn

      11. Inwiefern stimmte Jesus mit dem Standpunkt seines Vaters überein? (2. Korinther 8:9).

      11 Jesus Christus ist der ‘Widerschein der Herrlichkeit Jehovas und der genaue Abdruck seines Wesens selbst’ (Hebräer 1:3). Daher sollte man erwarten können, daß er die Sorge seines Vaters um die an der wahren Anbetung Interessierten widerspiegelte. Genau das war auch der Fall. Jesus zeigte, daß die Armut, die am dringendsten der Abhilfe bedarf, die geistige Armut ist: „Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewußt sind, da das Königreich der Himmel ihnen gehört“ (Matthäus 5:3; vergleiche Lukas 6:20). Christus sagte auch: „Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Johannes 18:37). Demzufolge war er nicht in erster Linie als Wundertäter oder Wunderheiler bekannt, sondern als Lehrer (Markus 10:17-21; 12:28-33). Beachte in dieser Verbindung Markus 6:30-34. Dort wird davon berichtet, daß sich Jesus bei einer Gelegenheit zur Erholung zurückziehen wollte. Dann „sah er eine große Volksmenge, ... [und] sie waren wie Schafe ohne einen Hirten“. Wie reagierte er? „Er fing an, sie viele Dinge zu lehren.“ Ja, er verausgabte sich, um ihnen das zu geben, was sie am dringendsten brauchten: die Wahrheit, durch die sie ewiges Leben erlangen konnten (Johannes 4:14; 6:51).

      12. Was können wir aus Markus 6:30-34 und Markus 6:35-44 über Jesu Standpunkt lernen?

      12 Obwohl sich Jesus auf die geistigen Bedürfnisse der demütigen Juden konzentrierte, überging er nicht ihre materiellen Bedürfnisse. Der Bericht des Markus zeigt, daß Jesus auf das Bedürfnis nach buchstäblicher Nahrung achtete. Die Apostel schlugen zunächst vor, die Volksmenge wegzusenden, damit sie sich „etwas zu essen kaufen“ könnte. Jesus war dagegen. Dann brachten sie die Möglichkeit ins Gespräch, ihrer Gemeinschaftskasse Geld zu entnehmen, um Nahrungsmittel zu kaufen. Jesus zog es statt dessen vor, das später berühmt gewordene Wunder zu wirken, durch das er für 5 000 Männer und außerdem für die Frauen und Kinder ein Mahl aus den Grundnahrungsmitteln Brot und Fisch beschaffte. Heute mag einer denken, daß es für Jesus leicht war, das Bedürfnis der Volksmenge durch ein Wunder zu stillen. Dennoch dürfen wir die Tatsache nicht übersehen, daß er echtes Mitgefühl hatte und entsprechend handelte (Markus 6:35-44; Matthäus 14:21).a

      13. Wodurch ließ Jesus sein Interesse am Wohl der Menschen noch erkennen?

      13 Wahrscheinlich hast du in den Evangelien Berichte gelesen, die beweisen, daß sich Jesu Mitgefühl nicht auf die Armen beschränkte. Er half auch den Kranken und Niedergedrückten (Lukas 6:17-19; 17:12-19; Johannes 5:2-9; 9:1-7). Auch heilte er nicht nur Personen, die zufällig in seiner Nähe waren. Manchmal unternahm er sogar eine Reise, um einem Kranken zu helfen (Lukas 8:41-55).

      14, 15. (a) Warum können wir sicher sein, daß Jesus von seinen Nachfolgern erwartete, auch eine solche Fürsorge zu bekunden? (b) Welche Fragen sollten wir uns stellen?

      14 Sollten sich jedoch nur diejenigen um die Bedürfnisse der armen und niedergedrückten Jünger (oder Wahrheitssucher) kümmern, die durch Wunder Erleichterung verschaffen konnten? Nein. Alle Jünger Jesu sollten sich darum kümmern und entsprechend handeln. Zum Beispiel empfahl er einem Reichen, der ewiges Leben haben wollte: „Verkauf alles, was du hast, und verteil es an Arme, und du wirst einen Schatz in den Himmeln haben“ (Lukas 18:18-22). Jesus riet auch: „Wenn du ein Gastmahl veranstaltest, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde ein, und du wirst glücklich sein, weil sie nichts haben, dir zu vergelten. Denn es wird dir in der Auferstehung der Gerechten vergolten werden“ (Lukas 14:13, 14).

      15 Da ein Christ ein Nachfolger Christi ist, sollte sich jeder von uns fragen: In welchem Maße ahme ich Jesu Einstellung und Handlungsweise gegenüber den Armen, den Niedergedrückten und den Benachteiligten nach? Kann ich wie der Apostel Paulus aufrichtig sagen: „Werdet meine Nachahmer, so wie ich Christi Nachahmer bin.“ (1. Korinther 11:1)?

      Paulus — ein glückliches Vorbild

      16. Was war für den Apostel Paulus von besonderem Interesse?

      16 Es ist durchaus angebracht, Paulus zu erwähnen, denn auch er ist ein nachahmenswertes Vorbild. Wie zu erwarten, richtete sich sein Hauptinteresse auf die geistigen Bedürfnisse anderer. Er war ein ‘Gesandter an Christi Statt, der andere bat, mit Gott versöhnt zu werden’ (2. Korinther 5:20). Die besondere Zuteilung des Paulus bestand darin, unter den Nichtjuden zu predigen und Versammlungen zu gründen. Er schrieb, daß er „mit der guten Botschaft für die Unbeschnittenen betraut war“ (Galater 2:7).

      17. Woher wissen wir, daß Paulus auch physischen Bedürfnissen Aufmerksamkeit schenkte?

      17 Da aber Paulus sagte, er ahme Christus nach, stellt sich die Frage: Kümmerte er sich (wie Jehova und Jesus) um die Nöte oder die Probleme von Mitanbetern? Lassen wir Paulus selbst antworten. Gemäß Galater 2:9 schrieb er: „Jakobus und Kephas [Petrus] und Johannes ... [gaben] mir und Barnabas die rechte Hand der Mitteilhaberschaft, damit wir zu den Nationen gehen sollten.“ Gleich im nächsten Vers fügte er hinzu: „Nur sollten wir die Armen im Sinn behalten. Gerade das habe ich mich auch ernstlich zu tun bemüht“ (Galater 2:10). Paulus erkannte also, daß er, obwohl er ein für viele Versammlungen verantwortlicher Missionar und Apostel war, nicht zu beschäftigt sein durfte, um sich für das physische Wohl seiner Brüder und Schwestern zu interessieren.

      18. Auf welche „Armen“ bezog sich Paulus wahrscheinlich (Galater 2:10), und warum mußte ihnen Aufmerksamkeit geschenkt werden?

      18 Die „Armen“, von denen er gemäß Galater 2:10 sprach, waren anscheinend hauptsächlich jüdische Christen in Jerusalem und Judäa. In der Vergangenheit war ein „Murren der griechisch sprechenden Juden gegen die hebräisch sprechenden Juden“ entstanden, „weil ihre Witwen bei der täglichen Austeilung [der Nahrungsmittel] übersehen wurden“ (Apostelgeschichte 6:1). So machte Paulus, als er erwähnte, daß er ein Apostel für die Nationen sei, klar, daß er niemanden in der christlichen Bruderschaft übersehe (Römer 11:13). Ihm war bewußt, daß die Sorge um die physischen Bedürfnisse anderer eingeschlossen war, als er davon sprach, daß „keine Spaltung im Leib sei, sondern ... dessen Glieder dieselbe Sorge füreinander tragen sollten. Und wenn e i n Glied leidet, leiden alle anderen Glieder mit“ (1. Korinther 12:25, 26).

      19. Welchen Beweis haben wir dafür, daß die Sorge des Paulus und anderer um die Armen durch Taten zum Ausdruck kam?

      19 Als Christen in Jerusalem und Judäa unter Armut, örtlicher Hungersnot oder Verfolgung litten, reagierten einige weit entfernte Versammlungen darauf. Natürlich erflehten sie in ihren Gebeten Gottes Beistand und Trost für ihre bedürftigen Brüder. Aber sie ließen es nicht dabei bewenden. Paulus schrieb: „Denen in Mazedonien und Achaia hat es gefallen, zu einem Beitrag für die Armen der Heiligen in Jerusalem ihre Dinge mit ihnen zu teilen“ (Römer 15:26, 27). Diejenigen, die ihren niedergedrückten Brüdern solche finanziellen Beiträge zukommen ließen, wurden ‘bereichert für jede Art von Freigebigkeit, die durch sie eine Dankesäußerung gegenüber Gott bewirkte’ (2. Korinther 9:1-13). War das für sie nicht ein Grund, glücklich zu sein?

      20. Warum konnten die Brüder, die durch ihre Beiträge den „Armen“ halfen, glücklich sein?

      20 Die Brüder, die ihre Mittel mit den „Armen der Heiligen in Jerusalem“ teilten, hatten einen zusätzlichen Grund, glücklich zu sein. Daß sie sich um die Niedergedrückten kümmerten, trug dazu bei, daß die Spender Gottes Anerkennung hatten. Das in Römer 15:26 und 2. Korinther 9:13 mit „Beitrag“ wiedergegebene griechische Wort vermittelt nämlich folgende Vorstellung: „Zeichen der Gemeinschaft“, „Erweis brüderlichen Zusammenhaltens“ und sogar „Spende“. Es wird auch in Hebräer 13:16 gebraucht, wo es heißt: „Vergeßt nicht, Gutes zu tun und die Dinge mit anderen zu teilen, denn solche Schlachtopfer sind Gott wohlgefällig.“

      Wirst du glücklich sein?

      21. Was ist eine Grundlage dafür, glücklich zu werden?

      21 Wir haben in dieser Erörterung den Schriftbeweis dafür untersucht, daß sich Jehova Gott, Jesus Christus und der Apostel Paulus um die Niedergedrückten kümmerten. Wie wir festgestellt haben, gaben sie zu erkennen, daß die Hauptaufmerksamkeit den geistigen Bedürfnissen geschenkt werden sollte. Aber es ist auch zutreffend, daß sie auf sehr nützliche Weise Interesse an den Armen, den Kranken und den Benachteiligten bekundeten. Nützliche Hilfe zu leisten machte sie glücklich. Sollte es uns nicht ebenso ergehen? Der Apostel Paulus ermahnt uns, „die Worte des Herrn Jesus im Sinn [zu] behalten ..., der selbst gesagt hat: ‚Beglückender ist Geben als Empfangen‘“ (Apostelgeschichte 20:35).

      22. Welche Gesichtspunkte dieser Angelegenheit verdienen noch deine Aufmerksamkeit?

      22 Du magst dich allerdings fragen: Was kann ich persönlich tun? Woher weiß ich, wer wirklich in Not ist? Wie kann ich so Hilfe leisten, daß ich nicht zur Faulheit ermuntere — auf gütige und realistische Weise mit Rücksicht auf die Gefühle der anderen und im Gleichgewicht mit meiner christlichen Verpflichtung, die gute Botschaft zu verbreiten? Diese Gesichtspunkte werden im nächsten Artikel behandelt, und sie werden dir als Ausgangsposition zu weiterem Glück dienen.

      [Fußnote]

      a Interessanterweise war Jesus nicht peinlich berührt, wenn er von anderen materielle Hilfe erhielt, oder zu stolz, sie anzunehmen (Lukas 5:29; 7:36, 37; 8:3).

  • Sag nicht nur: „Haltet euch warm und wohlgenährt“
    Der Wachtturm 1986 | 15. Oktober
    • Sag nicht nur: „Haltet euch warm und wohlgenährt“

      „Wenn ... einer von euch [zu bedürftigen Brüdern] sagt ...: ‚Geht hin in Frieden, haltet euch warm und wohlgenährt‘, ihr gebt ihnen aber nicht das für ihren Körper Notwendige, von welchem Nutzen ist das? Ebenso ist der Glaube, wenn er keine Werke hat, in sich selbst tot“ (JAKOBUS 2:15-17).

      1. Wie geriet ein Bruder in Nigeria in Not?

      MAN schätzt, daß Lebechi Okwaraocha vor 1880 geboren wurde; somit ist er jetzt über hundert Jahre alt. Von seinen nigerianischen Eltern erbte er den „Juju“, den er verehrte. Als er bereits über 80 war, begann er mit Jehovas Zeugen die Bibel zu studieren. Er wandte das Gelernte an und wurde getauft. Nun ist er schon seit etwa 30 Jahren ein Zeuge. Vor kurzem wurden er und seine 72jährige Frau, die der anglikanischen Kirche angehört, nach einem sehr heftigen Regenfall von den Versammlungsältesten besucht. Beide waren verzweifelt — der Boden ihrer strohgedeckten Hütte stand unter Wasser, und sie hatten keine Verwandten, die ihnen eine Unterkunft hätten bieten oder ihnen beim Reparieren hätten helfen können. Was hättest du in diesem Fall getan? Bevor wir berichten, was geschah, wollen wir den Rat der Bibel in Betracht ziehen.

      2. Warum sind wir an ‘vortrefflichen Werken’ interessiert?

      2 Christus Jesus hat „sich selbst für uns hingegeben ..., damit er ... für sich ein Volk reinige, das insbesondere sein eigen ist, eifrig für vortreffliche Werke“ (Titus 2:14). Im Mittelpunkt dieser Werke steht das lebensrettende Predigen des Königreiches (Markus 13:10; Offenbarung 7:9, 10). Doch christliche „vortreffliche Werke“ schließen mehr ein als das unerläßliche Predigen, denn Jesu Halbbruder Jakobus erklärte: „Die Form der Anbetung, die vom Standpunkt unseres Gottes und Vaters aus rein und unbefleckt ist, ist diese: nach Waisen und Witwen in ihrer Drangsal zu sehen und sich selbst von der Welt ohne Flecken zu bewahren“ (Jakobus 1:27).

      3, 4. Was können wir aus 1. Timotheus, Kapitel 3 bis 5 über „vortreffliche Werke“ lernen, und welche Fragen ergeben sich daraus?

      3 Die Versammlungen im ersten Jahrhundert beteiligten sich an ‘vortrefflichen Werken’ beider Art. Gemäß 1. Timotheus, Kapitel 3 schrieb der Apostel Paulus, nachdem er die Eigenschaften von Aufsehern und Dienstamtgehilfen aufgezählt hatte, daß ‘die Versammlung des lebendigen Gottes eine Säule und Stütze der Wahrheit ist’ (1. Timotheus 3:1-15). Wie er zeigte, könnten Christen dadurch, daß sie an der Wahrheit festhalten, ‘sowohl sich selbst als auch die retten, die auf sie hören’ (1. Timotheus 4:16). Dann erörterte Paulus das ‘vortreffliche Werk’ der materiellen Fürsorge für gläubige Witwen, die ‘hilfsbedürftig hinterlassen wurden’ (1. Timotheus 5:3-5).

      4 Wir sollten also, abgesehen von dem Evangelisierungswerk, solch ‘vortrefflichen Werken’, wie zum Beispiel „nach Waisen und Witwen in ihrer Drangsal zu sehen“, Aufmerksamkeit schenken. Was können Älteste und Dienstamtgehilfen, die ja „die Führung übernehmen“, in dieser Hinsicht tun? (Hebräer 13:17). Wie können die anderen Zeugen sie darin unterstützen? Was können wir persönlich tun, um „vortreffliche Werke“ dieser Art zu vollbringen?

      Älteste, die die Führung übernehmen

      5. Was tat Paulus, als ein besonderes Bedürfnis aufkam, und welche neuzeitlichen Parallelen gibt es dazu?

      5 Als in Judäa ein besonderes Bedürfnis aufkam, übernahm Paulus als Ältester die Führung bei der Hilfsaktion. Durch eine solche Führung wurde vermieden, daß ein großes Durcheinander entstand. Es konnte alles gerecht, dem Bedarf entsprechend, verteilt werden (1. Korinther 16:1-3; Apostelgeschichte 6:1, 2). Auch in unserer Zeit haben Älteste (unter Berücksichtigung der Landesgesetze) bei Hilfsaktionen — nach Überschwemmungen, Erdrutschen, Flutwellen, Tornados oder Erdbeben — die Führung übernommen und dadurch ‘persönlich Interesse gezeigt für die anderen’ (Philipper 2:3, 4).

      6. Wie reagierten die Ältesten bei einer Katastrophe in Kalifornien?

      6 In der Zeitschrift Erwachet! vom 8. Oktober 1986 wird von einem Beispiel berichtet, das das Christentum in Aktion zeigt. Bei einer Überschwemmung nach einem Deichbruch in Kalifornien (USA) schritten Älteste zur Tat. Diese geistigen Hirten überprüften sofort, ob von ihrer Herde jemand fehlte oder medizinische Hilfe, Nahrungsmittel oder eine Unterkunft brauchte. Die Ältesten sprachen ihre Aktion mit dem Hauptbüro der Zeugen Jehovas ab. Es wurde ein Hilfskomitee gegründet, und die Zeugen, die zur Unterstützung eintrafen, wurden in Mannschaften eingeteilt, um die beschädigten Häuser zu säubern und zu reparieren. Die Ältesten überwachten auch den Kauf und die Verteilung von Materialien. Dies veranschaulicht, daß im Falle eines solchen besonderen Bedürfnisses ‘jeder Jünger bestimmen’ kann, was er gemäß seinen Möglichkeiten geben oder tun möchte, aber es wäre weise, die Aufseher am Ort zu Rate zu ziehen und um Anleitung zu bitten. (Vergleiche Apostelgeschichte 11:27-30.)

      7. Auf welche Bedürfnisse allgemeiner Art sollten wir ebenfalls eingehen?

      7 Neben besonderen Notlagen nach einer Katastrophe, in der du (ob Ältester oder nicht) gelegentlich helfen kannst, gibt es auch Bedürfnisse allgemeinerer Art, die ebenso wichtig sein können — nämlich direkt in deiner eigenen Versammlung. Da diese Bedürfnisse nicht so sensationell sind wie eine große Katastrophe, kann es leicht vorkommen, daß man sie übersieht oder ihnen nur geringe Aufmerksamkeit schenkt. Doch gerade die örtlichen Bedürfnisse sind es, die in Jakobus 2:15-17 erwähnt werden. Ja, in deiner eigenen Versammlung bietet sich die Gelegenheit, zu zeigen, ob dein ‘Glaube Werke hat oder in sich selbst tot ist’.

      8. Inwiefern können Älteste Weisheit bekunden, wenn sie sich um die Bedürfnisse in der Versammlung kümmern?

      8 Die Ältesten müssen beim Übernehmen der Führung „weise und verständig“ sein (Jakobus 3:13). Sie können durch Weisheit die Herde vor Betrügern schützen, die von Bruder zu Bruder (oder von Versammlung zu Versammlung) gehen, um sich Geld zu leihen, und mitleiderregende Geschichten erzählen, um „Hilfe“ zu erhalten. Aufseher haben kein Verständnis für Faulheit, denn die biblische Regel lautet: „Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen“ (2. Thessalonicher 3:10-15). Dennoch wollen sie nicht die ‘Tür ihrer Gefühle innigen Erbarmens verschließen’, noch möchten sie ihre Brüder dazu veranlassen (1. Johannes 3:17). Weisheit müssen sie auch deshalb bekunden, weil die Bibel uns nicht endlose Regeln über die Fürsorge für Bedürftige und Niedergedrückte übermittelt. Die Situationen sind, abhängig von der Zeit und dem Ort, verschieden.

      9. (a) Wie wurden christliche Witwen im ersten Jahrhundert, die Unterstützung verdienten, versorgt? (b) Welche Art Hilfe mag hilfsbedürftigen Personen heute offenstehen?

      9 In 1. Timotheus 5:3-10 beschreibt Paulus beispielsweise Witwen, die „hilfsbedürftig hinterlassen“ worden waren und Unterstützung verdienten. In erster Linie waren ihre gläubigen Verwandten verpflichtet, ihnen zu helfen; eine Vernachlässigung dieser Verpflichtung konnte ihrer Stellung vor Gott schaden. Wenn jedoch eine Witwe, die bedürftig war und Unterstützung verdiente, nicht auf diesem Wege Hilfe erhalten konnte, hatten die Ältesten die Möglichkeit, für eine materielle Unterstützung durch die Versammlung zu sorgen. Auch in der Neuzeit haben einige Versammlungen den besonders Bedürftigen in ihren Reihen geholfen. Allerdings haben heute die meisten Länder staatliche Sozialleistungen für Betagte, für Gebrechliche und für diejenigen, die einer Arbeit nachgehen wollen, aber keine finden können, vorgesehen. Christliche Älteste können aber in anderer Hinsicht helfen. Manch einer, der wirklich in Not ist und dem Sozialleistungen zustehen, erhält sie nicht, weil er sie aus Schüchternheit nicht beantragt oder nicht weiß, wie er den Antrag stellen soll. Folglich können Älteste sich bei den Behörden erkundigen oder Zeugen Jehovas ansprechen, die in solchen Angelegenheiten Erfahrung haben. Sie können dann dafür sorgen, daß fähige Brüder oder Schwestern dem Bedürftigen helfen, die betreffenden Sozialleistungen zu erhalten (Römer 13:1, 4).

      Nützliche Hilfe organisieren

      10. Worauf sollten Älteste beim Hüten der Herde ihre Aufmerksamkeit richten?

      10 Aufmerksame Aufseher spielen häufig eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, daß liebevolle Brüder und Schwestern Niedergedrückten und Bedürftigen helfen. Die Ältesten sollten, während sie alle Glieder der Herde hüten, auf die geistigen und die physischen Bedürfnisse achten. Verständlicherweise widmen sich die Ältesten in erster Linie „dem Gebet und dem Dienst am Wort“ (Apostelgeschichte 6:4). Daher bemühen sie sich darum, daß Glieder der Herde, die ans Bett gefesselt sind oder im Krankenhaus liegen, geistig ernährt werden. Die Ältestenschaft kann veranlassen, daß für diejenigen, die die Zusammenkünfte nicht besuchen können, Tonbandaufnahmen gemacht werden. Älteste und Dienstamtgehilfen, die sich abwechseln, die Tonbandaufnahmen den Bedürftigen zu bringen, haben festgestellt, daß ihre Besuche ihnen die Möglichkeit bieten, dabei noch andere geistige Gaben zu übermitteln (Römer 1:11, 12). Gleichzeitig können sie sehen, wie es jeweils um die Bedürfnisse des Betreffenden bestellt ist.

      11. Erkläre, wie eine hilfsbedürftige Schwester unterstützt werden könnte.

      11 Vielleicht stellen sie fest, daß eine behinderte oder betagte Schwester manchmal doch in den Königreichssaal kommen oder für kurze Zeit am Predigtdienst teilnehmen könnte, wenn eine Schwester ihr beim Waschen und Anziehen helfen würde. (Vergleiche Psalm 23:1, 2, 5.) Die Ältestenschaft könnte sogar einen der Ältesten dafür einteilen, solche Vorkehrungen zu treffen. Auch könnte sie die Versammlung fragen, wer sich bereit erklärt, den Hilfsbedürftigen zu begleiten oder ihn abzuholen. Ein ordentlicher Ablauf wäre gewährleistet, wenn man dafür einen Plan aufstellen würde.

      12. Wie können andere mit den Aufsehern zusammenarbeiten, wenn es darum geht, Kranken oder Betagten zu helfen?

      12 Den Ältesten mögen noch andere Bereiche auffallen, in denen Hilfe geboten oder liebevolle Vorkehrungen getroffen werden könnten. Vielleicht kann eine betagte oder kranke Schwester ihren Haushalt nicht mehr so wie früher führen. Könnten einige Dienstamtgehilfen und andere ihr dabei zur Hand gehen? Wenn sie den Rasen mähen oder die Hecke schneiden, fühlt sie sich vielleicht schon wieder besser, weil nun das Haus in der Nachbarschaft keinen Anstoß mehr erregt. Muß der Garten gejätet oder gegossen werden? Wäre eine Schwester, die einkaufen geht, bereit, zuvor nach einem Bettlägerigen zu sehen und die benötigten Sachen für ihn zu kaufen? Denke daran, daß die Apostel an solchen nützlichen Maßnahmen interessiert waren und sie Befähigte in der Versammlung einsetzten, um Hilfe zu leisten (Apostelgeschichte 6:1-6).

      13. Was war das Ergebnis der Hilfe, die die Ältesten dem zuvor erwähnten nigerianischen Bruder boten?

      13 Eine solche christliche Fürsorge brachten die zuvor erwähnten Ältesten zum Ausdruck, die bei einem Hirtenbesuch die mißliche Lage von Lebechi Okwaraocha und seiner Frau sahen. Die Ältestenschaft nahm sofort die Sache in die Hand und ließ die Versammlung wissen, was sie vorhatte — das Haus neu aufzubauen. Mehrere Brüder und Schwestern spendeten Materialien und beteiligten sich bereitwillig an dem Projekt. In einer Woche hatten sie ein sicheres Häuschen mit Blechdach fertiggestellt. In dem Bericht aus Nigeria heißt es:

      „Die Dorfbewohner waren überrascht und brachten spontan Lebensmittel und Getränke für die Brüder und Schwestern, die fleißig viele Stunden arbeiteten, um vor dem nächsten Regenfall fertig zu werden. Viele Dorfbewohner beklagten sich über andere religiöse Gruppen, die ihrer Meinung nach die Leute nur ausbeuten, statt den Armen zu helfen. Die Aktion wurde zum Dorfgespräch. Jetzt sind die Dorfbewohner sehr aufgeschlossen, und es konnten viele Heimbibelstudien begonnen werden.“

      Dein Anteil an diesen ‘vortrefflichen Werken’

      14. Wie sollten wir dazu eingestellt sein, für unsere Brüder „vortreffliche Werke“ zu verrichten?

      14 Natürlich gibt es viele Gelegenheiten, auf die Bedürfnisse der Betagten, Behinderten, Bettlägerigen oder anderweitig Benachteiligten um uns herum persönlich und direkt zu reagieren. Warum nicht zur Tat schreiten und versuchen zu helfen, wenn wir eine Möglichkeit sehen, echtes Christentum zu praktizieren? (Apostelgeschichte 9:36-39). Wir werden nicht durch Drängen von seiten anderer, sondern durch christliche Liebe angetrieben. Das wichtigste Element jeder nützlichen Hilfe ist unser aufrichtiges Interesse und Mitgefühl. Natürlich kann niemand von uns für die Betagten das Rad der Zeit zurückdrehen, Krankheiten durch Wunder heilen oder die wirtschaftlichen Verhältnisse aller in der Versammlung ausgleichen. Aber wir sollten auf jeden Fall einen fürsorglichen und willigen Geist haben. Wenn das der Fall ist und wir entsprechend handeln, wird das Band der Liebe zwischen uns und den Hilfsbedürftigen gefestigt. Das war so bei Paulus und Onesimus, der erst verhältnismäßig kurze Zeit ein Christ war und dem Gefangenen Paulus diente (Philemon 10-13; Kolosser 3:12-14; 4:10, 11).

      15. Wie könnten wir einigen helfen, die sich in einer echten Notlage befinden und der Unterstützung würdig sind?

      15 Manchmal können wir jemandem in einer materiellen Notlage durch ein Geschenk helfen, sei es, daß wir es anonym übersenden oder persönlich überreichen. Hat ein Bruder seinen Arbeitsplatz verloren und noch keinen neuen finden können? Muß eine Schwester nicht eingeplante Arztrechnungen begleichen, oder hatte sie einen Unfall, oder wurde sie beraubt? Situationen wie diese können plötzlich auftreten. Wenn wir eine „Gabe der Barmherzigkeit“ geben, sieht unser Vater im Verborgenen anerkennend zu (Matthäus 6:1-4). Oder man könnte wie Hiob den Armen anstelle von Geld Kleidung geben und Witwen oder Waisen Nahrungsmittel oder selbst zubereitete Mahlzeiten (Hiob 6:14; 29:12-16; 31:16-22).

      16. Auf welche andere praktische Weise kann manchmal Hilfe geboten werden? Veranschauliche es.

      16 Auch deine Erfahrung oder deine Beziehungen können nützlich sein. Bruder W. wurde von einem anderen Bruder um Kredit gebeten. Daraufhin fragte Bruder W. freundlich: „Warum bist du der Meinung, daß ich Geld für einen Kredit habe?“ Die Antwort lautete: „Weil du mit deinem Geld besser umgehen kannst.“ Bruder W., der oft Bedürftigen Geld geliehen hatte, bekundete Unterscheidungsvermögen und machte folgenden Vorschlag: „Eigentlich müßte dir geholfen werden, zu lernen, mit deinem Geld richtig umzugehen, und ich würde dir gern dabei zur Seite stehen, falls du meine Hilfe wünschst.“ Diese Art Hilfe wird vor allem von Brüdern geschätzt, die ihren Lebensstandard einer neuen Situation anpassen müssen oder bereit sind, auch eine weniger geschätzte Arbeit mit Fleiß zu verrichten. Sofern ein Kredit tatsächlich vonnöten ist, empfiehlt es sich natürlich, alles schriftlich festzuhalten und zu unterzeichnen, damit später keine Probleme auftreten. Viele Brüder, die sich nicht gern Geld borgen, würden sich sehr über eine persönliche Hilfe in Form von Rat oder Fachkenntnissen freuen (Römer 13:8). Das wird durch folgende Erfahrung aus Westafrika bestätigt:

      Obwohl Emmanuel ein gelernter Friseur war, hatte er zuwenig Kunden und war betrübt darüber, daß er sich nicht seinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Dann fragte ihn ein aufmerksamer Ältester aus der Versammlung, ob er auch eine andere Art Arbeit ins Auge fassen würde. Er sagte ja, denn er wollte sich nicht durch einen Berufsdünkel behindern lassen. Der Älteste sprach Bekannte an und fand für Emmanuel eine Arbeit als Pfleger in einem Krankenhaus. Er hat sich an diesem Arbeitsplatz bewährt und konnte inzwischen schon anderen in der Versammlung helfen.

      17. Wie könntest du einem Bruder helfen, der im Krankenhaus ist? (Psalm 41:1-3).

      17 Besondere Gelegenheiten zur Hilfeleistung bieten sich, wenn ein Mitchrist im Krankenhaus oder im Pflegeheim ist. Auch hier sind aufrichtige Anteilnahme und Fürsorge vorrangig. Du kannst dich von diesen Eigenschaften leiten lassen, indem du dich bereit erklärst, dem Patienten etwas aus erbaulicher christlicher Literatur vorzulesen oder ermunternde Erfahrungen zu erzählen. Kannst du dich hingegen auch physischer Bedürfnisse annehmen? Medizinische Institutionen sind manchenorts derart überfordert, daß der Patient nicht gewaschen oder gefüttert werden kann, es sei denn, ein Besucher tut es. Du kannst also, wenn die Ärzte ihre Zustimmung geben, ihm ein nahrhaftes Mahl bringen oder ihm beim Haarewaschen und Baden helfen. Würde er sich über einen warmen Bademantel oder über Pantoffeln freuen? (2. Timotheus 4:13). Oder könntest du dich um eine Angelegenheit kümmern, die dem Patienten Sorge bereitet? Vielleicht macht er sich Gedanken darüber, wie er seine Lohnzahlungen erhalten und laufende Rechnungen bezahlen kann. Du könntest ihm selbst mit einfachen Erledigungen Erleichterung verschaffen, indem du beispielsweise darauf achtest, daß sich bei ihm zu Hause nicht die Post stapelt, daß die Pflanzen gegossen werden und die Heizung abgeschaltet ist.

      18. Wozu bist du entschlossen im Hinblick auf Brüder, die in Not sind?

      18 Zweifellos kann jeder von uns überlegen, wie er sich verbessern kann, so daß er nicht nur sagt: „Haltet euch warm und wohlgenährt“ (Jakobus 2:16). Denke einmal über die Brüder und Schwestern in deiner Versammlung nach. Gibt es einige, die in echter materieller Not sind? Wie steht es um die Kranken, Behinderten und Bettlägerigen? Was kannst du tun, um den geliebten Gliedern deiner Versammlung, für die Christus gestorben ist, auf nützliche Weise zu helfen? Mit der richtigen Einstellung dazu bist du besser gerüstet, schnell zu reagieren, wenn Schwierigkeiten entstehen.

      19. (a) Warum ist auf diesem Gebiet Ausgeglichenheit so wichtig? (b) Was ist das Beste, was wir für andere tun können, und warum ist das so? (Psalm 72:4, 16).

      19 Dadurch, daß wir uns anstrengen, unseren Brüdern beizustehen, beweisen wir, daß unser Glaube nicht tot ist. Genau dieser Glaube drängt uns, im christlichen Predigtwerk hart zu arbeiten. Wir müssen ein ausgeglichenes Verhältnis bewahren, was die materielle Hilfe für andere und die regelmäßige Beteiligung am christlichen Evangelisierungswerk betrifft. (Vergleiche Matthäus 15:3-9; 23:23.) Diese Ausgeglichenheit spiegelt sich in dem Rat wider, den Jesus Martha und Maria gab. Wie er sagte, wäre bei einer Gegenüberstellung der materiellen Versorgung und der geistigen Nahrung das letztere das „gute Teil“, das nicht weggenommen werden würde (Lukas 10:39-42). Kranke und Arme wird es im gegenwärtigen System immer geben. Wir können und wir sollten ihnen Gutes tun (Markus 14:7). Doch das vorzüglichste und beständigste Gute, das wir tun können, besteht darin, andere über das Königreich Gottes zu unterrichten. Genau darauf konzentrierte sich Jesus (Lukas 4:16-19). Auf diesem Wege können die Armen, die Kranken und die Niedergedrückten bleibende Erleichterung erfahren. Welch eine Freude es doch ist, unseren Brüdern und anderen zu helfen, ihre Hoffnung auf Gott zu gründen und ‘das wirkliche Leben fest zu ergreifen’! (1. Timotheus 6:17-19).

  • Sag nicht nur: „Haltet euch warm und wohlgenährt“
    Der Wachtturm 1986 | 15. Oktober
    • [Kasten auf Seite 18]

      Beweis christlicher Liebe

      Eine Versammlung von Jehovas Zeugen im Westen der Vereinigten Staaten sah sich einer außergewöhnlichen Situation gegenüber, die es ihr ermöglichte, christliche Liebe, wie die Bibel sie empfiehlt, an den Tag zu legen. In ihrem Gebiet wurde ein staatliches Zentrum eröffnet, in dem für schwerbehinderte Patienten mit Gehirnlähmung gesorgt wird. Einer der ersten, die in dem Zentrum untergebracht wurden, war der 25jährige Gary, der zu Hause nicht länger gepflegt werden konnte. Die Krankheit hatte eine vollständige Lähmung seiner Arme und Beine sowie eine Beeinträchtigung seines Sprechvermögens zur Folge.

      Seit sieben Jahren war Gary ein getaufter Zeuge Jehovas. Sobald man ihn in das neue Zentrum gebracht hatte, wollte er die Zusammenkünfte der Ortsversammlung besuchen. Seine Eltern wohnten nicht weit davon entfernt, und eine Zeitlang fuhren sie ihn zum Königreichssaal. Aber wegen ihres vorgerückten Alters begannen andere Brüder in der Versammlung, sie dabei zu unterstützen. Ein Bruder besaß einen Caravan. Er, seine Frau und seine zwei Töchter machten sich immer rechtzeitig fertig und verließen das Haus, 45 Minuten bevor die Zusammenkunft begann, so daß sie Gary abholen konnten. Nach der Zusammenkunft brachten sie ihn zum Zentrum zurück, weshalb sie meistens ziemlich spät nach Hause kamen.

      Doch in der Zwischenzeit geschah in dem Zentrum etwas. Andere Patienten mit Gehirnlähmung zeigten Interesse an der biblischen Wahrheit. Bald willigte ein Ehepaar in ein Bibelstudium ein. Später zeigten auch noch andere Interesse. Aber wie konnte man sie alle zu den Zusammenkünften befördern? Eine weitere Familie in der Versammlung kaufte sich einen Caravan, und Zeugen Jehovas am Ort, die ein Geschäft besaßen, stellten einen dritten zur Verfügung. Doch diese Transportmittel reichten schließlich nicht mehr aus oder waren ungeeignet. Konnte die Versammlung noch mehr tun?

      Die Ältesten besprachen die Angelegenheit und schlugen dann vor, einen Caravan zu kaufen, der ausschließlich für den Transport der Behinderten zu den Zusammenkünften und zurück dienen sollte. Die Versammlung stimmte zu und spendete bereitwillig. Einige Zeugen aus der Umgebung, die von dem Unternehmen gehört hatten, spendeten ebenfalls. Ein Caravan wurde gekauft und umgebaut, so daß man Rollstuhlfahrer darin befördern konnte.

      Jetzt beteiligt sich jeden Monat ein anderes Versammlungsbuchstudium am Fahren des Caravans zu den Zusammenkünften und zu Kongressen. Fünf Patienten aus dem Zentrum für zerebrale Lähmung besuchen regelmäßig die Zusammenkünfte, und vier davon sind heute getaufte Zeugen Jehovas. Viele Brüder und Schwestern, die die Freude erleben, helfen zu können, haben sie schätzen- und liebengelernt. Wie? Sie halten ihnen während der Zusammenkünfte das Liederbuch und schlagen für sie die Schrifttexte auf. Bei Kreis- und Bezirkskongressen füttern sie sie sogar und kümmern sich um diejenigen, die nicht mehr allein essen können. Dadurch ist ein wirklich herzerfreuendes inniges Verhältnis entstanden. Und wie steht es mit Gary? Er dient heute als Dienstamtgehilfe in dieser Versammlung, die solch einen Beweis ihrer Liebe erbracht hat (Apostelgeschichte 20:35).

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